Das Erbe der Halthazar

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Neu

      Kramurx schrieb:

      leider muss ich auch nach mehrmaligen lesen sagen, dass ich dieses "leichter werden" nicht wirklich verstehe was du genau meinst

      War vielleicht nicht so toll ausgedrueckt. Ich meine, ein bisschen auf das Wesentliche an der Szene fokussieren. Zum Beispiel Dinge die aus dem Zusammenhang eigentlich klar sind (Cromwell will das Thema wechseln) ausschreiben - das macht die Szene unelegant und schwerfaellig finde ich - waehrend den Witz an der Situation schaerfer rausarbeiten - das macht es dann leichter.

      Also - nicht einfach kuerzen meine ich, sondern jeden Satz darauf abklopfen was er im Text eigentlich tut - hilft er, den Witz der Szene zu entwickeln (ganz am Anfang ist das ja gut, gaaanz lang diese Verehrung fuer Sir Lotus zu entwickeln und dann auf einmal was rauszuhauen - aber hier ist das Muster jetzt anders, Du willst ja viele kleine Elemente aneinanderreihen in denen Cromwell sich in die Sch&^%$ redet) - sagt er was neues, traegt er zu Atmosphaere bei, oder wiederholt er vielleicht was, was schon gesagt wurde oder schon klar ist?

      Sowas meine ich wuerde dem Text gut tun. :)
    • Neu

      Hallo @Kramurx,

      Spoiler anzeigen

      eine gute Fortsetzung.
      Der Sir schweigt standhaft und Cromwell entlockt ihm dennoch alle Antworten, die er haben will. Ich finde, das kommt interessant rüber.
      Als Sir Lotus dann endlich anfängt zu reden, ist er wortgewaltig und dreht sogar fast den Spiess um. Gut!
      Dann die Einführung der Prinzessin - das hat mir ebenfalls sehr gefallen - du brichst da ja wirklich mit allen Vorstellungen, die man sich so gewöhnlich von einer Prinzessin macht. Sie führt sich ausgesprochen lächerlich, fast schon grenzdebil auf, ist sich dessen aber gar nicht bewusst, sondern glaubt fest, etwas ganz Besonderes zu sein. So etwas mag ich. Und dass sie ihrem verehrten Lotus aus lauter Dämlichkeit dann auch noch auf die Nase prügelt - echt witzig.

      zu Thorstens "leichter werden", vielleicht kann man das so erklären: Jeder Text wirkt am besten, wenn möglichst keine Wiederholungen vorkommen und alles, was keine neuen Informationen bringt oder die Handlung nicht vorwärts bringt, gestrichen wird. Dann kommt er am klarsten zum Punkt und bringt die Botschaft am treffsichersten. Die Frage nach dem "Wieso" der Heirat ist so ein Punkt. Sie wird hier zweimal gestellt und eigentlich fragt sich das der Leser sowieso schon vorher, denn die erwählte Braut wird ja nicht als besonders begehrenswert dargestellt. Es einfach weglassen ist hier deshalb ein "plus" und wirkt prägnanter. (da sind auch Wortwiederholungen drin, "Schnepfe" wirkt nur beim ersten Nennen lustig, nicht bei der Wiederholung, das würde man sich dann auch sparen).

      Kramurx schrieb:

      Doch was brachte den Mann in grün dazu sich vor Sir Lotus so zu äußern?
      Sein linkes, graues Auge war der bekannte Spiegel zur Seele. Niemanden war es erlaubt Sir Lotus Seele sehen zu dürfen. Derjenige würde sich in Salzgestein verwandeln.
      An einigen Stellen verwendest du das Wort "sein" und einige Male war ich dann nicht ganz sicher, ob sich das jetzt auf Sir Lotus oder auf den Mann in Grün (bitte gross schreiben) bezieht. Hier würde ich, um diese Unsicherheit auszuschliessen, deshalb schreiben: "Dessen linkes, graues Auge" - dann weiss man, aha, gemeint ist das Auge von Sir Lotus und nicht das des Grünen. Sonst grübelt man da wieder.


      Kramurx schrieb:

      Bist du etwa derjenige, den ich gern an ein Pferd binden und nackt durch die Stadt schleifen lassen möchte, gleich nach seiner öffentlichen Kastration“, hinter der Frage schwang ein Hauch einer echten Drohung mit.
      „Ehhh, öffentliche Kastration?“
      Das gefällt mir! :D





      Meine Geschichte: Meermädchen
    • Neu

      Huhu @Kirisha,

      danke für die Mühe mir das mit dem "leichter werden" nochmal mit deinen Worten erklären zu wollen :thumbsup: Thorsten hat ja im zweiten Ansatz es geschafft mir besser zu sagen, was er eigentlich meint. Ich werde aus beiden Erklärungen meine Schlüsse ziehen und es hoffentlich in Zukunft dadurch auch besser dank euch beiden umsetzen können. Wenn nicht hilft es natürlich sehr, wenn mir direkt ein Bsp im Text vorgesetzt wird, woran es letztlich lag, dass die Wirkung nicht so war, wie ichs mir wohl erhofft hatte :dead:

      ahja, laut meiner Recherche im Internet, bevor ich mit Mann in grün anfing, kam ich eher zu dem Ergebnis, dass grün an der Stelle klein geschrieben wird weils ein Adjektiv sein soll ?( und meine soeben erneute Recherche hat ergeben, dass es groß geschrieben wird, weils nu doch ein Hauptwort ist und nicht als Adjektiv verwendet wird. *seufz* :patsch:


      Kirisha schrieb:

      gemeint ist das Auge von Sir Lotus und nicht das des Grünen.
      Joahr. Da muss man immer höllisch aufpassen, dass man die Bezüge zu den Personen richtig setzt. Wenn mans schreibt ist es einem ja doch immer klar, wen man meint. Wobei ich dann natürlich jetzt im nachhinein eher denke: Es ging ja um Sir Lotus aussehen, wieso sollte es plötzlich um den Mann in Grün und ein fehlendes Auge gehen? Das macht ja ansich keinen Sinn für mich, deswegen werde ich da wohl an der Stelle nicht so sehr drauf geachtet haben :thumbdown:

      lg Kramurx
    • Neu

      Die sonst so neugierigen Bürger wendeten allesamt ihre Blicke ab und zogen einen Bogen um die beiden, sodass mitten im Strom eine kleine, leere Fläche entstand.
      „Ich – Ich –“, stammelte sie und suchte nach den richtigen Worten, um die Situation zu erklären.
      Doch konnte sie letztlich keinen klaren Gedanken fassen und schaute stattdessen schuldbewusst zu Boden und biss sich auf die Unterlippe.
      „Mach dir keine Gedanken, Prinzessin“, versuchte Sir Lotus sie zu beruhigen.
      Sie sah zu ihm auf und nickte.
      „Ich hab dich nicht erkannt“, brachte sie dann doch hervor.
      „Wie das?“, fragte er und hob die linke Braue verwundert an.
      „Nunja, wegen dem-“, sie wollte auf eine Stelle an seiner Rüstung zeigen und brach die Bewegung plötzlich wieder ab. Hinter Sir Lotus stand Cromwell und zog mit Sprüngen und wilden Armgesten leise die Aufmerksamkeit von der Prinzessin auf sich.
      „Wegen dem was?“, wollte Sir Lotus wissen.
      „Dein- Dein-“, stammelte Prinzessin Sylvana von neuen und suchte die richtigen Worte, die Cromwell ihr hinter Sir Lotus versuchte mit Händen und Füßen zu übermitteln.
      „Dein Kinn! Früher konnte man trotz des Stoppelbartes dein Kinn noch sehen.“
      „Ein Sir hat unter seinem Bart kein Kinn, sondern eine dritte Faust“, erinnerte Sir Lotus sie.
      Cromwell gab ihr dafür einen Daumen hoch.
      „Außerdem – dein Auge.“
      „Was ist damit?“, fragte er und fasste an das linke, gesunde.
      Doch Cromwell zeigte eine schneidende Geste an seinem Hals und deutete sehr energisch zum Himmel.
      „Ich meine … schönes Wetter heute, nicht wahr?“
      Sir Lotus blickte sie fragend an.
      „Nichts… Entschuldigung“, sagte sie und ließ dabei wieder schuldbewusst den Kopf sinken. Wie sollte sie ihn auch auf sein fehlendes Auge ansprechen, ohne dass die Stimmung gänzlich hinüber war? Dabei sollte es doch ihr strahlender Moment werden. Stattdessen bemerkte er nicht einmal, wie stark sie geworden war.
      „Es gibt nichts zu entschuldigen. Und jetzt gib mir bitte den Notfallrettungsplan“, forderte Sir Lotus freundlich und hielt ihr die Hand entgegen.
      Sie zog unter ihrer Lederrüstung eine Pergamentrolle hervor und überreichte sie ihm.
      Sofort flog Lotus Blick gedankenversunken über den Plan, um sich ein Bild von der Situation und der nächsten Vorgehensweise zu machen.
      „Prinzessin! Hab dich ja gar nich wiedererkannt, so groß wie du geworden bist.
      Kann mich noch erinnern, da hast du mir nur bis zum Oberkörper gereicht und jetz muss ich den Kopf anheben“, erklärte Cromwell, als er hinter Sir Lotus hervor kam.
      „Ah! Cromwell! Ja, letztlich komme ich doch ganz nach meiner Mutter.“
      „Schon schade dass meine nich auch ausm hohen Norden stammt“, meinte er und spielte auf seine Unzufriedenheit mit seiner eher kleinen Größe an.
      „Und wie ich sehe hat sich dein Potenzial auch sehr gut entwickelt. Hab ich ja damals schon gesagt“, fügte er mit an, während sein Blick zielgerichtet geradeaus auf ihren Busen fiel.
      „Oh ja. Ich hab sie täglich trainiert und eingerieben“, berichtete sie stolz.
      „Was?“, fragte er und schaute verdutzt.
      „Ich hab sie auch jeden Abend mit denen meiner Dienerinnen verglichen, um wirklich jeden Unterschied ausmachen zu können. Wie sie aussehen und sich anfühlen. Und keiner kommt an meine heran. Hehe.“
      „Echt? Erzähl mir mehr!“
      „Willst du sie mal anfassen?“
      Cromwell klappte der Kiefer runter und er überlegte, ob er es tatsächlich wagen sollte. Doch sie war seine Prinzessin und Sir Lotus würde ihm das nie verzeihen.
      „Ich wollte sie eigentlich Sir Lotus zeigen – aber, er hat sie eben schon im Gesicht gehabt.“
      „Dieser Glücksarsch!“
      Er wandte sich Lotus zu.
      „Hör auf zu lesen und gib der jungen Dame gefälligst eine Antwort, wie es sich angefühlt hat!“
      Sir Lotus trennte sich kurz von dem Schriftstück und blickte auf Cromwell herunter.
      „Es war ein Unfall und nicht der Rede wert.“
      „Nicht der Rede wert also?“, wiederholte sie enttäuscht von sich selbst und besah ihre geballten Fäuste.
      „Ehhh – dein erstes Treffen mit Sir Lotus als Sir! Wie ist das so für dich, wenn man ihn noch von früher kennt? Hat doch einen großartigen klang, nicht wahr? Sir Lotus Ebera!“
      „Er war auch ohne den Titel schon großartig“, sagte Sylvana, „Nur kann er manchmal sehr streng in seinem Urteil sein“, fügte sie kleinlaut mit an.
      „Echt? Naja. Ich wette du hast ihm zu Beginn eine königliche Begrüßung ins Gesicht geschmettert?“
      Ein schweigender Biss auf ihre Unterlippe.
      „Nich?“
      „Dieser elendige Bauer von einem Heerführer! Was für eine unsinniger Plan ist das bitte von Baldurs?“, meckerte Sir Lotus plötzlich los.
      Heerführer. Der höchste Titel den ein Mensch beim Militär erreichen konnte. Gewöhnlich gab es nur einen in jedem Land und sie waren Meister der Logik und Strategie. Er koordiniert die Truppen, sichert die Grenzen und verteilt die Soldaten.
      Wollte man selbst den Posten übernehmen, so fand einmal im Jahr ein Turnier statt, bei dem man den amtierenden Heerführer in einem Schachduell besiegen musste. Gab es keinen, so wurde ein neuer durch dieses ermittelt, was mehrere Monate dauern konnte.
      „Heh. Egal. Hört zu. Die Straße vor uns wird bis zur Mittagszeit nur schlecht bis gar nicht bewacht, damit ich und Syvlana nicht allzu sehr auffallen.“
      „Oh oh.“
      Lotus warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
      „Waaas? Ich hab nix getan!“, verteidigte sich Cromwell und zog seine Unschuldsmiene auf.
      „Du machst zufällig nie irgendwas! Und am Ende verfluchen alle deinen Namen oder wollen dich umbringen!“, mecjerte Sir Lotus und spielte damit auf Erfahrungen aus der Vergangenheit an.
      „HER GEHÖRT!“, rief jemand laut und fordernd.
      Der Mann trug eine Rüstung und war von der Stadtwache.
      Sir Lotus seufzte nur schwer.
      „Pfe! Also, dieses Seufzen, das is mal wieder richtig pfoah!“
      „Wir suchen einen Mann ende der Zwanziger! Mit grünem Hemd, grüner Hose, grüner Jägerkappe, grüner Feder und schwarzen Schuhen! Außerdem hat er braunes, gekräuseltes Haar und ist unter dem Namen Cromwell bekannt!“, rief die Stadtwache.
      „Cromwell“, sagte Sir Lotus ernst.
      „Es könnte schlimmer sein. Stell dir vor, ich hätte eine Adlige belästigt, die beim Stadtrat arbeitet und sie hätte ein Kopfgeld auf mich ausgeschrieben“, meinte Cromwell und verschränkte dabei seine Arme und nickte seine eigenen Worten zustimmend mit dem Kopf ab.
      „Der Gesuchte hat einer Adligen, die beim Stadtrat arbeitet, das Kleid über den Kopf gezogen, mit einem Seil zusammengeschnürt und sie in dieser Pilzform halbnackt durch die Straßen geschickt. Er trägt ab sofort ein Kopfgeld von Fünf-“
      „Was? Nur fünf Goldmünzen? Typisch Adel! Immer am rumgeizen, diese Geizhälse!“, kritisierte Cromwell.
      „Fünf-ZIG Goldmünzen!“, beendete die Stadtwache ihren Satz.
      „Fünfzig?! Verdammte, stinkreiche Adlige! Immer am Geld verschleudern!“, kritisierte er abermals und schüttelte nur verständnislos seinen Kopf.
      „Cromwell. Du weißt wie sehr ich es hasse, wenn sich Pläne wegen dir ändern, richtig?“, fragte Lotus.
      „Kann sein“, bestätigte er.
      „Wir können von Glück reden, dass die Prinzessin sich soweit vorbereitet hat, dass wir ihr scheinbar keine weitere Ausrüstung kaufen müssen.“
      Ihre Augen begannen zu strahlen, als sie Sir Lotus Lob vernahm.
      „Wir werden jetzt uns also an den Plan halten und so unauffällig wie möglich die Stadt verlassen. Daher auch von jetzt an keine Titel mehr. Wir sind einfach nur Sylvana, Lotus und Cromwell“, erklärte er weiter.
      „Und wen von euch beiden soll ich Sylvana nennen?“, fragte Sylvana mit einem Lächeln auf den Lippen.
      „Was?“, traute Lotus seinen Ohren nicht.
      „Das war ein Scherz. Du weißt schon. Haha, lustig. Und so“, erklärte Sylvana ihm und ließ einen witzelnden Unterton dabei erklingen.
      „Ob Titel oder nicht, eine Prinzessin macht keine Scherze“, sagte Lotus und hob bekräftigend einen mahnenden Finger.
      Cromwell reichte weit nach oben und schlug Lotus auf die eiserne Schulter: „Gibt Schlimmeres.“
      Lotus fegte die Hand hinweg wie eine Fliege vom Brot.
      „Ich hoffe für dich, dass wir auch alles haben, Cromwell?“, fragte er anschließend und behielt die Wache im Auge, während die Gruppe in normaler Geschwindigkeit zwischen den Bürgern voran kam.
      „Natürlich“, bestätigte dieser.
      „Eine Ersatzplattenrüstung und mein Umhang?“
      „Jup.“
      „Kessel, Pfanne, Grillrost und Lebensmittel für ein halbes Jahr?“
      „Aber klar doch.“
      „Wo sind die ganzen Sachen bitte?“, warf Sylvana ein und musterte Cromwell.
      Dieser klopfte sich auf den Brustkorb: „Alles sicher unter meinem Hemd verstaut.“
      „Ahja. Unter deinem Hemd. Wo auch sonst?“
      „Du glaubst mir nicht? Gib mir deinen Umhang, ich zeigs dir.“
      Während sie versuchte sich diesen abzustreifen, fuhr Lotus Cromwell scharf an: „Was habe ich eben gesagt?“
      Cromwell zuckte mit den Schultern.
      „Es hat äußerste Priorität, dass niemand, absolut niemand Sylvana erkennt!“
      „Verstehe. Aber bei uns is das kein Problem?“
      „Ich weiß nicht was du gemacht hast, um mich so effektiv zu tarnen, aber wenn man mich doch erkennen sollte, dann ist es noch tolerierbar. Bei Sylvana hingegen hört der Spaß auf.“
      „Wenn du ihr schon was zeigen willst, dann damit“, meinte Lotus im Anschluss und warf ihm den Plan zu.
      Cromwell schob ihn in den Ausschnitt seines Hemdes und weg war er.
      „Das geht doch gar nicht? Wo ist der Plan hin? Magie?“
      „Sicher verstaut,“ meinte Cromwell und lächelte sie freundlich an.
      „Aber - da ist nichts?“
      „Nur weil du ihn nicht siehst, heißt es nicht, dass er nicht da ist“, versuchte Lotus es ihr zu erklären, ohne Cromwells Trick zu verraten.
      „Und das war ein Satz den die Frauenwelt schon öfter zu hören bekam von Lotus“, witzelte Cromwell.
      „Was hast du gesagt?“, fragte ihn Lotus, eine gewisse Gefahr ging von ihm aus und spiegelte sich auch in seiner Stimmlage wider.
      „Nix.“
      „Aber - selbst wenn. Wieso brauchen wir so viel?“, hinterfragte Sylvana und ließ endlich von Cromwell ab, nachdem sie sich überzeugt hatte, dass die Rolle tatsächlich einfach weg war, für den Moment.
      „Das is ne Macke von Lotus. Sich immer auf das unerwartete vorbereiten“, erläuterte Cromwell ihr und tippte sich dabei mehrmals gegen seine Schläfe.
      „Huh“, brachte sie nur hervor und wusste nicht darauf zu antworten.
      „Warte – wir sollen unauffällig die Stadt verlassen?“, fragte Cromwell noch einmal nach.
      „Ja. Zumindest Sylvana“, antwortete Lotus ihm genervt.
      „Ähm... Dann haben wir vielleicht ein klitzekleines Problemchen an der Backe, weswegen wir uns ein wenig mehr beeilen müssen“, sagte Cromwell und bahnte sich einen Weg durch die Bürger vor ihnen.
      Lotus sah ihm verdutzt hinter her.
      „Haltet den riesigen Mann in Plattenrüstung auf!“, hieß es von der Stadtwache hinter ihnen.
      „Lotus?“ stieß Sylvana wenige Schritte vor ihm aus und warf kurz einen Blick hinter sich. Sie erkannte dass auch aus den Seitenstraßen immer mehr Wachen sich einer Jagd nach ihnen anschlossen.
      „Da ist auch die große Frau! Haltet sie beide auf!“
      „Was? Ich bin ihre Prinzessin! Die sollten mich auf Händen nach draußen tragen und nicht durch die Stadt treiben!“, bemängelte Sylvana.
      „Jeder weiß inzwischen, dass die Prinzessin krank im Schloss liegt“, erklärte Lotus.
      Nachdem er den beiden als Eisbrecher gedient hatte, erreichte Cromwell als erster das nächste Schlamassel.
      Die Verfolger waren plötzlich verschwunden und der Durchgang vom Wachhaus war bereits versperrt, sodass sich die Menschen davor sammelten.
      „Ach du grüne Neune! Die ham ja das Tor dicht gemacht“, zeigte Cromwell Lotus seine Entdeckung, als dieser ihn kurz darauf erreichte.
      „Das sehe ich selber, du Schwachkopf!“, polterte Lotus.
      „Und wo is Sylvana? So groß wie sie is, hast du sie doch nich aus den Augen verloren?“
      „Ich war direkt hinter ihr, plötzlich sind drei perfekte Ebenbilder aus ihr herausgesprungen und in die Seitenstraßen abgebogen. Und alle Wachen hinter her.“
      „Wuz?!“
      Cromwell legte zwei Finger an seine Stirn.
      „Tatsache! Vier Sylvanas! Die drei Ebenbilder sind aufm Weg zu den anderen Toren und die Echte kommt jeden Moment hier an.“
      „Wie ist das überhaupt möglich? Es war quasi unmöglich auch mit den Ebenbildern sie aus dem Auge zu verlieren“, wollte Lotus wissen.
      „Ich wage es kaum auszusprechen, weil sie extrem Scheiße selten is. Illusionsmagie“, erklärte Cromwell.
      „Baldurs hat nichts davon in seinem Plan erwähnt. Irgendjemand mischt sich also ungefragt mit ein“, spekulierte Lotus.
      „Ist es ein Segen, lass es geschehen und stell keine Fragen. Weiß man doch? Ooohje. Zwei Ebenbilder wurden grade getötet.“
      Lotus erkannte den neuen Ernst der Lage.
      „Du behältst die echte Sylvana im Auge und ich such einen Ausweg. Wenn sie Schwierigkeiten bekommt, schreitest du ungeachtet der Folgen ein, verstanden“, brummelte Lotus und griff mit seiner Hand an den Stoppelbart und ließ den Kopf leicht nach unten hängen. Seine Denkerpose.
      „Mach dir keine Sorgen, alles gut bei ihr. Soll ich mal nachfragen, ob wir mit Sylvanas Namen da durchkommen?“, fragte Cromwell und tippte Lotus dabei auf die Schulter.
      „Bist du jetzt völlig dem Wahnsinn verfallen?“, polterte Lotus und stieß die Hand einmal mehr von sich hinweg.
      „Dann nehmen wir halt nen anderen Ausgang?“ beharrte Cromwell darauf, Lotus zu einer Lösung verhelfen zu wollen.
      „Nein!“
      „Lotus, das Tor wurde geschlossen“, stellte Sylvana fest, als auch sie endlich ankam.
      „Stimmt. Danke, dass du mir Bescheid gibst, meine Liebe“, antwortete er ihr im ruhigen Ton.
      „Soll ich meinen Namen benutzen, damit sie uns durch lassen?“
      „Das geht leider nicht. Wir müssen dich unauffällig aus der Stadt bekommen.“
      „Können wir nicht einfach einen anderen Ausgang benutzen?“, fragte Sylvana nachdenklich und schaute sich um.
      Lotus Hand griff fester in seinen kleinen Bart beim überlegen: „Hmmm.“
      „Was wird das?“, hinterfragte Cromwell.
      „Ich überlege.“
      „Als ich das vorgeschlagen hatte, war’s für dich nich in Ordnung!
      Bestimmt nur, weil ich keine Brüste hab“, meinte Cromwell und verschränkte eingeschnappt seine Arme.
      „Weil es aus deinem Mund kam. Und jetzt lass mich rechnen, ob ich es anheben kann.“
      Und binnen eines Momentes der Analyse dachte er laut: „Achtzehn.“
      „Achtzehn?“, fragte Sylvana verdutzt und hielt nach seinem Hinweis Ausschau.
      „Ohje! Jetzt kommt auch noch die Wache vom Wachhaus hier her!“, entdeckte Sylvana und zeigte die herannahenden gut zwei dutzend Männer an.
      „Kein Problem, ich lenk die ab“, sagte Cromwell und stellte sich ihnen entschieden in den Weg.
      Lotus lief derweil zum Eisengitter des Haupttores, packte es und hob es bis zu seiner Hüfthöhe hinauf, schlüpfte darunter durch und hielt es fest: „Schnell!“
      Sylvana kletterte kurzerhand mit einer schwungvollen Geste ebenfalls durch den Spalt.
      „Wo - ist - Cromwell!?“, stieß Lotus schwer heraus.
      „Er lenkt die Wache ab“, antwortete Sylvana ihm und schaute wo er blieb.
      „CROMWELL!“, rief Lotus wütend, nicht in der Lage auszumachen wo sich dieser befand.
      Doch dieser stand gut zwanzig Schritte entfernt und sprach mit der Stadtwache, welche plötzlich lauthals begann unter einem heftigen Lachanfall sich zu Boden werfen.
      Cromwell verabschiedete sich und kam angelaufen: „Mensch Lotus, du siehst aus wie ne menschliche Tomate“, witzelte er bei seiner Ankunft gehässig.
      „Los! Durch!“, befahl Lotus nur.
      Nachdem auch Cromwell das Tor passiert hatte, krachte es wieder zu Boden.
      „Ich wette jeder wird davon erzählen, dass jemand das Gitter anhob, um vor der Stadtwache zu entkommen. Nich grad unauffällig“, bemängelte Cromwell.
      „Ja, leider. Dein Körper sollte wenigstens den Aufprall etwas dämpfen, aber ich hab zu spät losgelassen.“
      „Lotus macht also auch Scherze? Das wusste ich ja gar nicht“, fand Sylvana über ihn neu heraus.
      „Ja genau. Ein Scherz. Ha. Ha“, zwang Lotus ein falsches Lachen hervor.
      Die Wache und wenige Menschen hinter dem Tor realisierten gerade was geschehen war.
      Niemand konnte das Tor einfach hoch stemmen. Niemand, außer einer. Doch der war nicht zu sehen und so blieben die, die das Wunder bemerkt hatten verdutzt zurück.
      „Cromwell. Wie konntest du die Stadtwache ablenken, ohne dass sie dich erkannte und WIESO zur Hölle liegt ein gehöriger Teil lachend am Boden“, wollte Lotus wissen.
      „Hab meine Feder abgemacht, damit ich wie jemand anderes wirke und hab ihnen meinen Lieblingswitz erzählt“, erklärte Cromwell.
      „Ernsthaft? Welcher Witz war in der Lage solch einen Effekt auszulösen?“ Lotus Augenbrauen stürzten ungläubig in die Tiefe.
      „Geheim“, antwortete Cromwell mit einem Lächeln im Gesicht.
      Lotus schlug sich den Handballen ins Gesicht und schüttelte verständnislos den Kopf: „Heh. Lasst uns gehen und den Wahnsinn hinter uns lassen, den uns irgendjemand eingebrockt hat.“
      Cromwell pfiff unschuldig vor sich her.
      „Huh. Und was ist nun der Plan?“, fragte Sylvana.
      „Wir reisen zum aufblühenden Dorf Micalanthia, bleiben dort ein paar Tage in einer Untergrundfestung und reisen wieder zurück. Das ganze sollte nicht länger als zwei Wochen dauern. Bis dahin sollten auch die Sicherheitsvorkehrungen im Palast neu aufgestellt sein. Und um nicht weiter aufzufallen schließen wir uns einer Karawane an", erklärte Lotus und warf bereits einen musternden Blick auf mögliche Kandidaten, welche die Stadt noch vor der Abriegelung verlassen hatten.


      Spoiler anzeigen


      die angedeuteten Größen von Sylvana und Lotus sind eine Spielerei mit weitreichenden Auswirkungen. Daher mag ich gern fragen, wie sie in diesem Teil, wo es fest difiniert wurde, jetzt ankommen bzw wirken? :P
      Ein Probeleser meinte zb dass es für die Zeit höchst ungewöhnlich wäre, weil die Menschen im Mittelalter kleiner waren. Allerdings wäre es bei Sir Lotus zu erklären, weil er eben ein Sir ist. Und Sylvana, weil sie mütterlicherseits von einem Volk aus dem hohen Norden abstammt, dass zu diesem Zeitpunkt noch keinen Platz in der Geschichte hat. Und dann kam noch die Frage auf, ob die beiden die einzigen wären, mit dieser Größe (was es dann wieder zweifelhaft gemacht hätte). Und das kann ich zum Verständnis schon im Vorfeld verneinen. Es wird später noch ein Land vorgestellt, bei dem alle auf Sylvanas Größe kommen würden, sofern ich es wirklich fest so lasse bei ihr.

    • Neu

      Die Größe der beiden geht flüssig rein in den Kopf und ist gut vorstellbar. Cromwell kann also zaubern.
      Warum verlassen die 3 jetzt nochmal die Stadt? Das ging aus der Geschichte nicht wirklich hervor (stand zwar im Klappenetext, aber es würde in der Geschichte selbst nicht stören). Vielleicht wird ja im nächsten Kapitel erwähnt, wer sich das alles ausgedacht hat und warum und warum sie jetzt 2 Wochen (nur?) wo anders bleiben wollen/ müssen/ sollen? Ich vermisse da so ein wenig die Hintergrundgeschichte, die das Ganze zusammenhält.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Neu

      melli schrieb:

      Die Größe der beiden geht flüssig rein in den Kopf und ist gut vorstellbar.
      :thumbsup: supi :thumbsup:


      melli schrieb:

      Vielleicht wird ja im nächsten Kapitel erwähnt, wer sich das alles ausgedacht hat und warum
      Ja, das wird im nächsten Kapitel hoffentlich ausführlich genug erläutert :/
      Ich empfand es nicht als passend, wenn der eigentlich super geheime Notfallrettungsplan mitten auf der Hauptstraße erklärt wird :D
      Da hab ich eher eine ruhige Szenerie für ausgewählt :whistling:


      melli schrieb:

      Cromwell kann also zaubern
      Da muss ich doch glatt nachfragen: vermittelt er den Eindruck, dass er durch den Trick mit seinem Hemd richtige Magie wirken kann? Oder nimmt man es doch als "Zaubertrick" wahr, der erstmal geheim bleibt, bis es schon bald aufgelöst wird? :golly:
      Wenn das erstere der Fall sein sollte, würde ich schauen ob ich am aktuellen Teil was abändere oder im nächsten nochmal deutlicher darauf eingehe.

      lg Kramurx
    • Neu

      Das war ja nicht nur das Hemd, sondern auch die "Vervielfältigung" von Sylvana? Und ich hatte den Eindruck, dass die Leute Sir Lotus nicht mehr sehen konnten? Es kamen ja gleich mehrere Dinge, die ich mir logisch nicht erklären konnte.
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker