Das Erbe der Halthazar

  • leider muss ich auch nach mehrmaligen lesen sagen, dass ich dieses "leichter werden" nicht wirklich verstehe was du genau meinst


    War vielleicht nicht so toll ausgedrueckt. Ich meine, ein bisschen auf das Wesentliche an der Szene fokussieren. Zum Beispiel Dinge die aus dem Zusammenhang eigentlich klar sind (Cromwell will das Thema wechseln) ausschreiben - das macht die Szene unelegant und schwerfaellig finde ich - waehrend den Witz an der Situation schaerfer rausarbeiten - das macht es dann leichter.


    Also - nicht einfach kuerzen meine ich, sondern jeden Satz darauf abklopfen was er im Text eigentlich tut - hilft er, den Witz der Szene zu entwickeln (ganz am Anfang ist das ja gut, gaaanz lang diese Verehrung fuer Sir Lotus zu entwickeln und dann auf einmal was rauszuhauen - aber hier ist das Muster jetzt anders, Du willst ja viele kleine Elemente aneinanderreihen in denen Cromwell sich in die Sch&^%$ redet) - sagt er was neues, traegt er zu Atmosphaere bei, oder wiederholt er vielleicht was, was schon gesagt wurde oder schon klar ist?


    Sowas meine ich wuerde dem Text gut tun. :)

  • Hallo @Kramurx,


  • Huhu @Kirisha,


    danke für die Mühe mir das mit dem "leichter werden" nochmal mit deinen Worten erklären zu wollen :thumbsup: Thorsten hat ja im zweiten Ansatz es geschafft mir besser zu sagen, was er eigentlich meint. Ich werde aus beiden Erklärungen meine Schlüsse ziehen und es hoffentlich in Zukunft dadurch auch besser dank euch beiden umsetzen können. Wenn nicht hilft es natürlich sehr, wenn mir direkt ein Bsp im Text vorgesetzt wird, woran es letztlich lag, dass die Wirkung nicht so war, wie ichs mir wohl erhofft hatte :dead:


    ahja, laut meiner Recherche im Internet, bevor ich mit Mann in grün anfing, kam ich eher zu dem Ergebnis, dass grün an der Stelle klein geschrieben wird weils ein Adjektiv sein soll ?( und meine soeben erneute Recherche hat ergeben, dass es groß geschrieben wird, weils nu doch ein Hauptwort ist und nicht als Adjektiv verwendet wird. *seufz* :patsch:



    Zitat von Kirisha

    gemeint ist das Auge von Sir Lotus und nicht das des Grünen.

    Joahr. Da muss man immer höllisch aufpassen, dass man die Bezüge zu den Personen richtig setzt. Wenn mans schreibt ist es einem ja doch immer klar, wen man meint. Wobei ich dann natürlich jetzt im nachhinein eher denke: Es ging ja um Sir Lotus aussehen, wieso sollte es plötzlich um den Mann in Grün und ein fehlendes Auge gehen? Das macht ja ansich keinen Sinn für mich, deswegen werde ich da wohl an der Stelle nicht so sehr drauf geachtet haben :thumbdown:


    lg Kramurx

  • Die sonst so neugierigen Bürger wendeten allesamt ihre Blicke ab und zogen einen Bogen um die beiden, sodass mitten im Strom eine kleine, leere Fläche entstand.
    „Ich – Ich –“, stammelte sie und suchte nach den richtigen Worten, um die Situation zu erklären.
    Doch konnte sie letztlich keinen klaren Gedanken fassen und schaute stattdessen schuldbewusst zu Boden und biss sich auf die Unterlippe.
    „Mach dir keine Gedanken, Prinzessin“, versuchte Sir Lotus sie zu beruhigen.
    Sie sah zu ihm auf und nickte.
    „Ich hab dich nicht erkannt“, brachte sie dann doch hervor.
    „Wie das?“, fragte er und hob die linke Braue verwundert an.
    „Nunja, wegen dem-“, sie wollte auf eine Stelle an seiner Rüstung zeigen und brach die Bewegung plötzlich wieder ab. Hinter Sir Lotus stand Cromwell und zog mit Sprüngen und wilden Armgesten leise die Aufmerksamkeit von der Prinzessin auf sich.
    „Wegen dem was?“, wollte Sir Lotus wissen.
    „Dein- Dein-“, stammelte Prinzessin Sylvana von neuen und suchte die richtigen Worte, die Cromwell ihr hinter Sir Lotus versuchte mit Händen und Füßen zu übermitteln.
    „Dein Kinn! Früher konnte man trotz des Stoppelbartes dein Kinn noch sehen.“
    „Ein Sir hat unter seinem Bart kein Kinn, sondern eine dritte Faust“, erinnerte Sir Lotus sie.
    Cromwell gab ihr dafür einen Daumen hoch.
    „Außerdem – dein Auge.“
    „Was ist damit?“, fragte er und fasste an das linke, gesunde.
    Doch Cromwell zeigte eine schneidende Geste an seinem Hals und deutete sehr energisch zum Himmel.
    „Ich meine … schönes Wetter heute, nicht wahr?“
    Sir Lotus blickte sie fragend an.
    „Nichts… Entschuldigung“, sagte sie und ließ dabei wieder schuldbewusst den Kopf sinken. Wie sollte sie ihn auch auf sein fehlendes Auge ansprechen, ohne dass die Stimmung gänzlich hinüber war? Dabei sollte es doch ihr strahlender Moment werden. Stattdessen bemerkte er nicht einmal, wie stark sie geworden war.
    „Es gibt nichts zu entschuldigen. Und jetzt gib mir bitte den Notfallrettungsplan“, forderte Sir Lotus freundlich und hielt ihr die Hand entgegen.
    Sie zog unter ihrer Lederrüstung eine Pergamentrolle hervor und überreichte sie ihm.
    Sofort flog Lotus Blick gedankenversunken über den Plan, um sich ein Bild von der Situation und der nächsten Vorgehensweise zu machen.
    „Prinzessin! Hab dich ja gar nich wiedererkannt, so groß wie du geworden bist.
    Kann mich noch erinnern, da hast du mir nur bis zum Oberkörper gereicht und jetz muss ich den Kopf anheben“, erklärte Cromwell, als er hinter Sir Lotus hervor kam.
    „Ah! Cromwell! Ja, letztlich komme ich doch ganz nach meiner Mutter.“
    „Schon schade dass meine nich auch ausm hohen Norden stammt“, meinte er und spielte auf seine Unzufriedenheit mit seiner eher kleinen Größe an.
    „Und wie ich sehe hat sich dein Potenzial auch sehr gut entwickelt. Hab ich ja damals schon gesagt“, fügte er mit an, während sein Blick zielgerichtet geradeaus auf ihren Busen fiel.
    „Oh ja. Ich hab sie täglich trainiert und eingerieben“, berichtete sie stolz.
    „Was?“, fragte er und schaute verdutzt.
    „Ich hab sie auch jeden Abend mit denen meiner Dienerinnen verglichen, um wirklich jeden Unterschied ausmachen zu können. Wie sie aussehen und sich anfühlen. Und keiner kommt an meine heran. Hehe.“
    „Echt? Erzähl mir mehr!“
    „Willst du sie mal anfassen?“
    Cromwell klappte der Kiefer runter und er überlegte, ob er es tatsächlich wagen sollte. Doch sie war seine Prinzessin und Sir Lotus würde ihm das nie verzeihen.
    „Ich wollte sie eigentlich Sir Lotus zeigen – aber, er hat sie eben schon im Gesicht gehabt.“
    „Dieser Glücksarsch!“
    Er wandte sich Lotus zu.
    „Hör auf zu lesen und gib der jungen Dame gefälligst eine Antwort, wie es sich angefühlt hat!“
    Sir Lotus trennte sich kurz von dem Schriftstück und blickte auf Cromwell herunter.
    „Es war ein Unfall und nicht der Rede wert.“
    „Nicht der Rede wert also?“, wiederholte sie enttäuscht von sich selbst und besah ihre geballten Fäuste.
    „Ehhh – dein erstes Treffen mit Sir Lotus als Sir! Wie ist das so für dich, wenn man ihn noch von früher kennt? Hat doch einen großartigen klang, nicht wahr? Sir Lotus Ebera!“
    „Er war auch ohne den Titel schon großartig“, sagte Sylvana, „Nur kann er manchmal sehr streng in seinem Urteil sein“, fügte sie kleinlaut mit an.
    „Echt? Naja. Ich wette du hast ihm zu Beginn eine königliche Begrüßung ins Gesicht geschmettert?“
    Ein schweigender Biss auf ihre Unterlippe.
    „Nich?“
    „Dieser elendige Bauer von einem Heerführer! Was für eine unsinniger Plan ist das bitte von Baldurs?“, meckerte Sir Lotus plötzlich los.
    Heerführer. Der höchste Titel den ein Mensch beim Militär erreichen konnte. Gewöhnlich gab es nur einen in jedem Land und sie waren Meister der Logik und Strategie. Er koordiniert die Truppen, sichert die Grenzen und verteilt die Soldaten.
    Wollte man selbst den Posten übernehmen, so fand einmal im Jahr ein Turnier statt, bei dem man den amtierenden Heerführer in einem Schachduell besiegen musste. Gab es keinen, so wurde ein neuer durch dieses ermittelt, was mehrere Monate dauern konnte.
    „Heh. Egal. Hört zu. Die Straße vor uns wird bis zur Mittagszeit nur schlecht bis gar nicht bewacht, damit ich und Syvlana nicht allzu sehr auffallen.“
    „Oh oh.“
    Lotus warf ihm einen misstrauischen Blick zu.
    „Waaas? Ich hab nix getan!“, verteidigte sich Cromwell und zog seine Unschuldsmiene auf.
    „Du machst zufällig nie irgendwas! Und am Ende verfluchen alle deinen Namen oder wollen dich umbringen!“, mecjerte Sir Lotus und spielte damit auf Erfahrungen aus der Vergangenheit an.
    „HER GEHÖRT!“, rief jemand laut und fordernd.
    Der Mann trug eine Rüstung und war von der Stadtwache.
    Sir Lotus seufzte nur schwer.
    „Pfe! Also, dieses Seufzen, das is mal wieder richtig pfoah!“
    „Wir suchen einen Mann ende der Zwanziger! Mit grünem Hemd, grüner Hose, grüner Jägerkappe, grüner Feder und schwarzen Schuhen! Außerdem hat er braunes, gekräuseltes Haar und ist unter dem Namen Cromwell bekannt!“, rief die Stadtwache.
    „Cromwell“, sagte Sir Lotus ernst.
    „Es könnte schlimmer sein. Stell dir vor, ich hätte eine Adlige belästigt, die beim Stadtrat arbeitet und sie hätte ein Kopfgeld auf mich ausgeschrieben“, meinte Cromwell und verschränkte dabei seine Arme und nickte seine eigenen Worten zustimmend mit dem Kopf ab.
    „Der Gesuchte hat einer Adligen, die beim Stadtrat arbeitet, das Kleid über den Kopf gezogen, mit einem Seil zusammengeschnürt und sie in dieser Pilzform halbnackt durch die Straßen geschickt. Er trägt ab sofort ein Kopfgeld von Fünf-“
    „Was? Nur fünf Goldmünzen? Typisch Adel! Immer am rumgeizen, diese Geizhälse!“, kritisierte Cromwell.
    „Fünf-ZIG Goldmünzen!“, beendete die Stadtwache ihren Satz.
    „Fünfzig?! Verdammte, stinkreiche Adlige! Immer am Geld verschleudern!“, kritisierte er abermals und schüttelte nur verständnislos seinen Kopf.
    „Cromwell. Du weißt wie sehr ich es hasse, wenn sich Pläne wegen dir ändern, richtig?“, fragte Lotus.
    „Kann sein“, bestätigte er.
    „Wir können von Glück reden, dass die Prinzessin sich soweit vorbereitet hat, dass wir ihr scheinbar keine weitere Ausrüstung kaufen müssen.“
    Ihre Augen begannen zu strahlen, als sie Sir Lotus Lob vernahm.
    „Wir werden jetzt uns also an den Plan halten und so unauffällig wie möglich die Stadt verlassen. Daher auch von jetzt an keine Titel mehr. Wir sind einfach nur Sylvana, Lotus und Cromwell“, erklärte er weiter.
    „Und wen von euch beiden soll ich Sylvana nennen?“, fragte Sylvana mit einem Lächeln auf den Lippen.
    „Was?“, traute Lotus seinen Ohren nicht.
    „Das war ein Scherz. Du weißt schon. Haha, lustig. Und so“, erklärte Sylvana ihm und ließ einen witzelnden Unterton dabei erklingen.
    „Ob Titel oder nicht, eine Prinzessin macht keine Scherze“, sagte Lotus und hob bekräftigend einen mahnenden Finger.
    Cromwell reichte weit nach oben und schlug Lotus auf die eiserne Schulter: „Gibt Schlimmeres.“
    Lotus fegte die Hand hinweg wie eine Fliege vom Brot.
    „Ich hoffe für dich, dass wir auch alles haben, Cromwell?“, fragte er anschließend und behielt die Wache im Auge, während die Gruppe in normaler Geschwindigkeit zwischen den Bürgern voran kam.
    „Natürlich“, bestätigte dieser.
    „Eine Ersatzplattenrüstung und mein Umhang?“
    „Jup.“
    „Kessel, Pfanne, Grillrost und Lebensmittel für ein halbes Jahr?“
    „Aber klar doch.“
    „Wo sind die ganzen Sachen bitte?“, warf Sylvana ein und musterte Cromwell.
    Dieser klopfte sich auf den Brustkorb: „Alles sicher unter meinem Hemd verstaut.“
    „Ahja. Unter deinem Hemd. Wo auch sonst?“
    „Du glaubst mir nicht? Gib mir deinen Umhang, ich zeigs dir.“
    Während sie versuchte sich diesen abzustreifen, fuhr Lotus Cromwell scharf an: „Was habe ich eben gesagt?“
    Cromwell zuckte mit den Schultern.
    „Es hat äußerste Priorität, dass niemand, absolut niemand Sylvana erkennt!“
    „Verstehe. Aber bei uns is das kein Problem?“
    „Ich weiß nicht was du gemacht hast, um mich so effektiv zu tarnen, aber wenn man mich doch erkennen sollte, dann ist es noch tolerierbar. Bei Sylvana hingegen hört der Spaß auf.“
    „Wenn du ihr schon was zeigen willst, dann damit“, meinte Lotus im Anschluss und warf ihm den Plan zu.
    Cromwell schob ihn in den Ausschnitt seines Hemdes und weg war er.
    „Das geht doch gar nicht? Wo ist der Plan hin? Magie?“
    „Sicher verstaut,“ meinte Cromwell und lächelte sie freundlich an.
    „Aber - da ist nichts?“
    „Nur weil du ihn nicht siehst, heißt es nicht, dass er nicht da ist“, versuchte Lotus es ihr zu erklären, ohne Cromwells Trick zu verraten.
    „Und das war ein Satz den die Frauenwelt schon öfter zu hören bekam von Lotus“, witzelte Cromwell.
    „Was hast du gesagt?“, fragte ihn Lotus, eine gewisse Gefahr ging von ihm aus und spiegelte sich auch in seiner Stimmlage wider.
    „Nix.“
    „Aber - selbst wenn. Wieso brauchen wir so viel?“, hinterfragte Sylvana und ließ endlich von Cromwell ab, nachdem sie sich überzeugt hatte, dass die Rolle tatsächlich einfach weg war, für den Moment.
    „Das is ne Macke von Lotus. Sich immer auf das unerwartete vorbereiten“, erläuterte Cromwell ihr und tippte sich dabei mehrmals gegen seine Schläfe.
    „Huh“, brachte sie nur hervor und wusste nicht darauf zu antworten.
    „Warte – wir sollen unauffällig die Stadt verlassen?“, fragte Cromwell noch einmal nach.
    „Ja. Zumindest Sylvana“, antwortete Lotus ihm genervt.
    „Ähm... Dann haben wir vielleicht ein klitzekleines Problemchen an der Backe, weswegen wir uns ein wenig mehr beeilen müssen“, sagte Cromwell und bahnte sich einen Weg durch die Bürger vor ihnen.
    Lotus sah ihm verdutzt hinter her.
    „Haltet den riesigen Mann in Plattenrüstung auf!“, hieß es von der Stadtwache hinter ihnen.
    „Lotus?“ stieß Sylvana wenige Schritte vor ihm aus und warf kurz einen Blick hinter sich. Sie erkannte dass auch aus den Seitenstraßen immer mehr Wachen sich einer Jagd nach ihnen anschlossen.
    „Da ist auch die große Frau! Haltet sie beide auf!“
    „Was? Ich bin ihre Prinzessin! Die sollten mich auf Händen nach draußen tragen und nicht durch die Stadt treiben!“, bemängelte Sylvana.
    „Jeder weiß inzwischen, dass die Prinzessin krank im Schloss liegt“, erklärte Lotus.
    Nachdem er den beiden als Eisbrecher gedient hatte, erreichte Cromwell als erster das nächste Schlamassel.
    Die Verfolger waren plötzlich verschwunden und der Durchgang vom Wachhaus war bereits versperrt, sodass sich die Menschen davor sammelten.
    „Ach du grüne Neune! Die ham ja das Tor dicht gemacht“, zeigte Cromwell Lotus seine Entdeckung, als dieser ihn kurz darauf erreichte.
    „Das sehe ich selber, du Schwachkopf!“, polterte Lotus.
    „Und wo is Sylvana? So groß wie sie is, hast du sie doch nich aus den Augen verloren?“
    „Ich war direkt hinter ihr, plötzlich sind drei perfekte Ebenbilder aus ihr herausgesprungen und in die Seitenstraßen abgebogen. Und alle Wachen hinter her.“
    „Wuz?!“
    Cromwell legte zwei Finger an seine Stirn.
    „Tatsache! Vier Sylvanas! Die drei Ebenbilder sind aufm Weg zu den anderen Toren und die Echte kommt jeden Moment hier an.“
    „Wie ist das überhaupt möglich? Es war quasi unmöglich auch mit den Ebenbildern sie aus dem Auge zu verlieren“, wollte Lotus wissen.
    „Ich wage es kaum auszusprechen, weil sie extrem Scheiße selten is. Illusionsmagie“, erklärte Cromwell.
    „Baldurs hat nichts davon in seinem Plan erwähnt. Irgendjemand mischt sich also ungefragt mit ein“, spekulierte Lotus.
    „Ist es ein Segen, lass es geschehen und stell keine Fragen. Weiß man doch? Ooohje. Zwei Ebenbilder wurden grade getötet.“
    Lotus erkannte den neuen Ernst der Lage.
    „Du behältst die echte Sylvana im Auge und ich such einen Ausweg. Wenn sie Schwierigkeiten bekommt, schreitest du ungeachtet der Folgen ein, verstanden“, brummelte Lotus und griff mit seiner Hand an den Stoppelbart und ließ den Kopf leicht nach unten hängen. Seine Denkerpose.
    „Mach dir keine Sorgen, alles gut bei ihr. Soll ich mal nachfragen, ob wir mit Sylvanas Namen da durchkommen?“, fragte Cromwell und tippte Lotus dabei auf die Schulter.
    „Bist du jetzt völlig dem Wahnsinn verfallen?“, polterte Lotus und stieß die Hand einmal mehr von sich hinweg.
    „Dann nehmen wir halt nen anderen Ausgang?“ beharrte Cromwell darauf, Lotus zu einer Lösung verhelfen zu wollen.
    „Nein!“
    „Lotus, das Tor wurde geschlossen“, stellte Sylvana fest, als auch sie endlich ankam.
    „Stimmt. Danke, dass du mir Bescheid gibst, meine Liebe“, antwortete er ihr im ruhigen Ton.
    „Soll ich meinen Namen benutzen, damit sie uns durch lassen?“
    „Das geht leider nicht. Wir müssen dich unauffällig aus der Stadt bekommen.“
    „Können wir nicht einfach einen anderen Ausgang benutzen?“, fragte Sylvana nachdenklich und schaute sich um.
    Lotus Hand griff fester in seinen kleinen Bart beim überlegen: „Hmmm.“
    „Was wird das?“, hinterfragte Cromwell.
    „Ich überlege.“
    „Als ich das vorgeschlagen hatte, war’s für dich nich in Ordnung!
    Bestimmt nur, weil ich keine Brüste hab“, meinte Cromwell und verschränkte eingeschnappt seine Arme.
    „Weil es aus deinem Mund kam. Und jetzt lass mich rechnen, ob ich es anheben kann.“
    Und binnen eines Momentes der Analyse dachte er laut: „Achtzehn.“
    „Achtzehn?“, fragte Sylvana verdutzt und hielt nach seinem Hinweis Ausschau.
    „Ohje! Jetzt kommt auch noch die Wache vom Wachhaus hier her!“, entdeckte Sylvana und zeigte die herannahenden gut zwei dutzend Männer an.
    „Kein Problem, ich lenk die ab“, sagte Cromwell und stellte sich ihnen entschieden in den Weg.
    Lotus lief derweil zum Eisengitter des Haupttores, packte es und hob es bis zu seiner Hüfthöhe hinauf, schlüpfte darunter durch und hielt es fest: „Schnell!“
    Sylvana kletterte kurzerhand mit einer schwungvollen Geste ebenfalls durch den Spalt.
    „Wo - ist - Cromwell!?“, stieß Lotus schwer heraus.
    „Er lenkt die Wache ab“, antwortete Sylvana ihm und schaute wo er blieb.
    „CROMWELL!“, rief Lotus wütend, nicht in der Lage auszumachen wo sich dieser befand.
    Doch dieser stand gut zwanzig Schritte entfernt und sprach mit der Stadtwache, welche plötzlich lauthals begann unter einem heftigen Lachanfall sich zu Boden werfen.
    Cromwell verabschiedete sich und kam angelaufen: „Mensch Lotus, du siehst aus wie ne menschliche Tomate“, witzelte er bei seiner Ankunft gehässig.
    „Los! Durch!“, befahl Lotus nur.
    Nachdem auch Cromwell das Tor passiert hatte, krachte es wieder zu Boden.
    „Ich wette jeder wird davon erzählen, dass jemand das Gitter anhob, um vor der Stadtwache zu entkommen. Nich grad unauffällig“, bemängelte Cromwell.
    „Ja, leider. Dein Körper sollte wenigstens den Aufprall etwas dämpfen, aber ich hab zu spät losgelassen.“
    „Lotus macht also auch Scherze? Das wusste ich ja gar nicht“, fand Sylvana über ihn neu heraus.
    „Ja genau. Ein Scherz. Ha. Ha“, zwang Lotus ein falsches Lachen hervor.
    Die Wache und wenige Menschen hinter dem Tor realisierten gerade was geschehen war.
    Niemand konnte das Tor einfach hoch stemmen. Niemand, außer einer. Doch der war nicht zu sehen und so blieben die, die das Wunder bemerkt hatten verdutzt zurück.
    „Cromwell. Wie konntest du die Stadtwache ablenken, ohne dass sie dich erkannte und WIESO zur Hölle liegt ein gehöriger Teil lachend am Boden“, wollte Lotus wissen.
    „Hab meine Feder abgemacht, damit ich wie jemand anderes wirke und hab ihnen meinen Lieblingswitz erzählt“, erklärte Cromwell.
    „Ernsthaft? Welcher Witz war in der Lage solch einen Effekt auszulösen?“ Lotus Augenbrauen stürzten ungläubig in die Tiefe.
    „Geheim“, antwortete Cromwell mit einem Lächeln im Gesicht.
    Lotus schlug sich den Handballen ins Gesicht und schüttelte verständnislos den Kopf: „Heh. Lasst uns gehen und den Wahnsinn hinter uns lassen, den uns irgendjemand eingebrockt hat.“
    Cromwell pfiff unschuldig vor sich her.
    „Huh. Und was ist nun der Plan?“, fragte Sylvana.
    „Wir reisen zum aufblühenden Dorf Micalanthia, bleiben dort ein paar Tage in einer Untergrundfestung und reisen wieder zurück. Das ganze sollte nicht länger als zwei Wochen dauern. Bis dahin sollten auch die Sicherheitsvorkehrungen im Palast neu aufgestellt sein. Und um nicht weiter aufzufallen schließen wir uns einer Karawane an", erklärte Lotus und warf bereits einen musternden Blick auf mögliche Kandidaten, welche die Stadt noch vor der Abriegelung verlassen hatten.


  • Die Größe der beiden geht flüssig rein in den Kopf und ist gut vorstellbar. Cromwell kann also zaubern.
    Warum verlassen die 3 jetzt nochmal die Stadt? Das ging aus der Geschichte nicht wirklich hervor (stand zwar im Klappenetext, aber es würde in der Geschichte selbst nicht stören). Vielleicht wird ja im nächsten Kapitel erwähnt, wer sich das alles ausgedacht hat und warum und warum sie jetzt 2 Wochen (nur?) wo anders bleiben wollen/ müssen/ sollen? Ich vermisse da so ein wenig die Hintergrundgeschichte, die das Ganze zusammenhält.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Zitat von melli

    Die Größe der beiden geht flüssig rein in den Kopf und ist gut vorstellbar.

    :thumbsup: supi :thumbsup:



    Zitat von melli

    Vielleicht wird ja im nächsten Kapitel erwähnt, wer sich das alles ausgedacht hat und warum

    Ja, das wird im nächsten Kapitel hoffentlich ausführlich genug erläutert :/
    Ich empfand es nicht als passend, wenn der eigentlich super geheime Notfallrettungsplan mitten auf der Hauptstraße erklärt wird :D
    Da hab ich eher eine ruhige Szenerie für ausgewählt :whistling:



    Zitat von melli

    Cromwell kann also zaubern

    Da muss ich doch glatt nachfragen: vermittelt er den Eindruck, dass er durch den Trick mit seinem Hemd richtige Magie wirken kann? Oder nimmt man es doch als "Zaubertrick" wahr, der erstmal geheim bleibt, bis es schon bald aufgelöst wird? :golly:
    Wenn das erstere der Fall sein sollte, würde ich schauen ob ich am aktuellen Teil was abändere oder im nächsten nochmal deutlicher darauf eingehe.


    lg Kramurx

  • Das war ja nicht nur das Hemd, sondern auch die "Vervielfältigung" von Sylvana? Und ich hatte den Eindruck, dass die Leute Sir Lotus nicht mehr sehen konnten? Es kamen ja gleich mehrere Dinge, die ich mir logisch nicht erklären konnte.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Ich kann @melli s Konfusion darueber was da nun eigentlich die Geschichte sein soll schon verstehen - auf der anderen Seite beginnt das alles schon so drunter und drueber ohne dass erkennbar waere was hinter all dem steht, insofern geht das halt einfach erst mal so weiter und ich denke der Leser muss es aushalten den grossen Zusammenhang erst spaeter zu bekommen und sich jetzt erst mal vin Szene zu Szene vorzutasten.




    Brilliant :thumbsup: Die Szene ist richtig gut gelungen.



    „Es könnte schlimmer sein. Stell dir vor, ich hätte eine Adlige belästigt, die beim Stadtrat arbeitet und sie hätte ein Kopfgeld auf mich ausgeschrieben“, meinte Cromwell und verschränkte dabei seine Arme und nickte seine eigenen Worten zustimmend mit dem Kopf ab.
    „Der Gesuchte hat einer Adligen, die beim Stadtrat arbeitet, das Kleid über den Kopf gezogen, mit einem Seil zusammengeschnürt und sie in dieser Pilzform halbnackt durch die Straßen geschickt. Er trägt ab sofort ein Kopfgeld von Fünf-“


    Auch sehr schoen!

    Ooohje. Zwei Ebenbilder wurden grade getötet.“


    Die Stadtwache jagt die Prinzessin? Oder jemand anders? ?( Man ist auf die Aufklaerung gespannt...



    „Ob Titel oder nicht, eine Prinzessin macht keine Scherze“, sagte Lotus und hob bekräftigend einen mahnenden Finger.
    Cromwell reichte weit nach oben und schlug Lotus auf die eiserne Schulter: „Gibt Schlimmeres.


    Genau. :D

    „Ernsthaft? Welcher Witz war in der Lage solch einen Effekt auszulösen?“

    Klingt jetzt sehr nach einer bekannten Szene von Monty Python...

  • Guten Morgen @Thorsten :)



    Zitat von Thorsten

    und ich denke der Leser muss es aushalten den grossen Zusammenhang erst spaeter zu bekommen

    Also gewünscht ist, dass man am Ende der Flucht nun zwei großen Fragezeichen im Gesicht hat. Das scheint ja soweit geklappt zu haben :whistling:
    Als nächsten Chapter folgt die Auflösung.
    Ich hätte am liebsten schon in der Stadt es halbwegs erklärt, aber ich dachte wirklich, dass es ungünstig wäre einen geheimen Plan und die Situation im Schloss mitten auf der Hauptstraße erläutern zu lassen. Auch flüstern war nich drin.
    Möglich wäre wohl gewesen den Plan aus Lotus Sicht lesen zu lassen. Hab mich aber, wie man sieht, letztlich dagegen entschieden und die Auflösung aufs nächste Chapter verschoben :evil:
    Sehr wahrscheinlich wird am Ende des nächsten Chapters dann unter dem Text die Frage stehen, ob die Erklärung dann erstmal alles erläutert und ob sie an der Stelle passt, oder ob ich sie wirklich hätte in der Stadt schon setzen sollen. Das finden wir aber erst in 4-5 Tagen heraus, wie es letztlich wirkt, denk ich :P



    Zitat von Thorsten

    Klingt jetzt sehr nach einer bekannten Szene von Monty Python...

    Ich kenne Monty Python nicht. Rainbow hat mir damals bei der vorherigen Version schon öfter den Namen gesagt und mit seinen Werken verglichen, dass es sich wie ein zu Papier gebrachter Monty Python gelesen hätte. Da waren meine Dialoge auch mindestens doppelt so lang, was allerdings nur Humor ausmachte und nichts zur Story beitrug.
    Also... so vom Gefühl her ... da ich ihn und seine Filme nicht kenne, seh ich auch keinen Grund für mich, da jetzt was abzuändern. Allerdings macht es wohl trotzdem Sinn zu fragen: Wäre es besser Lotus Worte an der Stelle abzuändern?
    Weil sagen wir ich würde sie sagen lassen "Der Winter naht" und hätte nicht GoT gesehen, das gäbe wohl trotzdem ziemliche Kritik, selbst wenn ich dann hinterher sage ich kenne das gar nicht :rolleyes:


    Ach und danke für die Mühe mir zu zeigen welche Stellen du gut fandest. Dann weiß ich auch, ob sie auch so ankamen, wie sie sollten :love:


    lg Kramurx

  • Hey Kramurx :)



    LG,
    Rainbow

  • Guten Abend @Rainbow,




    lg Kramurx

  • Hey @Kramurx


  • Cromwells Blick wechselte mehrmals zwischen Sylvana und Lotus. Die eine sah verwirrt aus, der andere war hochkonzentriert.
    „Stimmt was nich, ihr beiden?“
    „Es ist hier draußen viel friedlicher, als ich es mir vorgestellt habe“, bemängelte Sylvana.
    „Friedlicher?“, wunderte sich Cromwell und betrachtete die mit Unkraut überwucherte Steppe, welche bis zum Horizont reichte.
    „Wo sind die tiefen, dunklen Wälder, mit knochigen Bäumen und hämischen Fratzen in den Schatten, wo hinter jedem Busch und Strauch das Böse auf einem wartet?“
    „Um Skossa herum abgeholzt“, antwortete Cromwell.
    „Oder der allgegenwärtige, dichte Nebel der die Landschaft in schauriger Stimmung einhüllt?“
    Er zuckte mit den Schultern.
    „Die Sonne ist nicht mal von einer undurchdringlichen Wolkendecke verdunkelt und es fehlt das fröstelnde Gefühl von Unsicherheit, von dem immer alle berichten.“
    „Es is ein ganz normaler Frühlingstag.“
    „Huh...“, gab sie enttäuscht von sich.
    „Und was stimmt bei dir nich, Lotus?“
    Cromwell folgte seinem Blick auf die drei Karawanen, welche sich jeweils auf den Straßen nach Nordosten, Osten und Südosten stellten und stellte fest: „Jup, sieht übel aus, mein Bester. Nur eine will direkt nach Osten und genau die ham Kinder dabei.“
    Die Karawane umfasste zehn Händler mit sechs Handkarren, fünf größere Eselskarren und vier reisende Familien, die zusammen sechs Kinder hatten. Beschützt wurden sie von sechs Wächtern in Lederrüstung, fünf vorn, einer hinten.
    „Dann ist das eben so. Wir halten uns an den Plan“, meinte Lotus.
    Doch Cromwell konnte in dessen Gesicht viel mehr Anspannung ablesen, als Lotus zugab.
    „Sicher?“
    „Frag nich so schwachköpfig, sondern gib mir lieber ein wenig Geld“, würgte Lotus das Thema ab.
    Cromwell griff in den Ausschnitt seines Hemdes und holte ein kleines Säcklein hervor.
    „Wünsch mir Glück, dass ich sie von uns überzeugen kann.“
    Festen Schrittes näherte er sich dem Mann, den er für den Anführer der Wächter hielt. Nach einem kurzen Wortwechsel mit diesem gesellten sich drei Männer dazu und diskutierten lauthals mit.
    „Was meint er damit?“, wollte Sylvana von Cromwell wissen.
    „Normalerweise isses üblich, dass man sich in der Stadt zu einer Karawane zusammenschließt. Mit Papieren und allen. Das was wir grad versuchen is verdächtig. Kann sein dass die uns für Diebe oder so halten werden und Lotus abwimmeln.“
    Letztlich überreichte Lotus das Säcklein und brachte mit dem Inhalt die Augen des Anführers zum leuchten. Mit wilder Gestik schickte dieser die anderen Männer fort und winkte mit einem breiten Lächeln Sylvana und Cromwell heran. Doch bevor sie aufschließen konnten, tauchten plötzlich aus dem Hintergrund drei Frauen in bürgerlichen, grauen Gewändern auf, die von Mitte Zwanzig bis Ende Dreißig reichten.
    „Du hübsches Ding kommst also mit uns mit? Lass dich ansehen“, begannen sie und griffen links und rechts Sylvanas Hände und zogen sie einige Schritte beiseite.
    Sie wusste gar nicht wie um sie geschah, denn binnen eines Momentes war sie von den drei Frauen umzingelt und es fühlte sich für sie an, als würden hunderte Hände gleichzeitig sie bedrängen.
    „Schaut euch das seidige Haar an! So völlig anders als meine verfilzte Mähne. Du kämmst sie täglich mehrmals, nicht wahr?“
    „Das machten meine-“
    „Schon schulterlang ist eine Mühe sie zu hegen und zu pflegen, aber du hast sie bis zum Rücken wachsen lassen?“
    „Ja, ich mag-“
    Eine andere Frau griff nach oben und berührte Sylvanas Wange.
    „Vergiss die Haare, ihre Haut ist so weich und glatt. Welche Salbe verwendest du? Die muss teuer sein.“
    „Das war-“
    Die Dritte griff fest an Sylvanas Arme.
    „Wahnsinn, noch nie hab ich eine so große Frau gesehen und dazu die Muskeln eines Mannes. Du musst eine Nordfrau sein, nicht wahr?“
    „Meine Mutter-“
    Gemeinsam wanderten die Hände über Sylvanas Lederrüstung.
    „Warum trägst du die? Du würdest in einem Kleid so schön aussehen.“
    „Weil-“
    Alle Drei warfen einen Blick auf Lotus und Cromwell.
    „Und wer von den beiden ist der Glückliche?“
    „Was?“
    Von der Karawane aus kam eine vierte. Viel ältere Frau hervor. Das Gesicht der rüstigen Dame wies kleine Falten vor und ihre zusammengebunden Haare hatten einen leichten Grauton.
    „Berthold!“, rief ihre erboste Stimme dem Anführer der Karawane entgegen.
    „Heiliger Lotus, beschütze mich vor dieser Furie!“, fluchte Berthold schon bei ihrem bloßen erscheinen genervt.
    Sie baute sich vor ihm auf.
    „Du wirst doch wohl nicht einfach Fremde mitnehmen, ohne es vorher mit mir abzusprechen!“, meckerte sie und stach mit dem Finger immer wieder auf die Brust von ihm ein.
    Ein älterer Mann eilte ihr nach und zog sie am Handgelenk zurück: „Eheweib, sei still! Es war schon schwierig genug überhaupt jemanden zu finden, der uns zu Azetakens Grenze bringen will! Vergräme ihn nicht.“
    „Was wäre ich für ein schlechter Wächter, wenn ich diesen armen Seelen nicht helfen würde?“, brachte Berthold hervor.
    Die Frau wischte diese Aussage mit ihrer Hand davon, entzog sich dem Griff ihres Gatten und verschränkte die Arme.
    „Ahja. Du handelst natürlich völlig uneigennützig, wie?“
    Er drückte das Säcklein fester an sich: „Na-Natürlich! Die Drei sind absolut vertrauenswürdig, glaub mir!“
    „Achja? Dann lass mich mal schauen, wen du uns da anhaften willst.“
    Sie musterte zuerst Lotus: „Ein riesiger, bärtiger Zyklop mit griesgrämiger Miene, der den Kindern angst machen wird.“
    Cromwell schnaubte laut und unterdrückte sich ein Lachen: „Das trifft es auf den Punkt! Fällt euch noch mehr zu ihm ein?“
    „Diese protzige Plattenrüstung... die übertrieben vornehme Haltung... und der hochnäsige Blick. Ihr seid vom arroganten Adel!“
    „AHAHAHAHA!“, wieherte Cromwell und stieß sein Ellenbogen mehrmals gegen Lotus Hüfte, „Man is die gut, nich wahr, Lotus? Als ob sie dich schon ewig kennen würde!“
    Sie wandte sich Cromwell zu: „Ein schadenfrohes Milchgesicht. Kaum größer als ein Zwerg, noch ganz grün hinter den Ohren und ein leichter Dialekt. Er stammt wohl aus dem minderbemittelten Süden.“
    „Öy! Ich könnte nem Zwerg locker aufm Kopf spucken!“, bemängelte Cromwell, dem das Lachen schlagartig wieder vergangen war.
    „Als wenn sie dich schon ewig kennen würde, Cromwell“, sagte Lotus trocken.
    Sie wandte sich Sylvana zu. Diese verzog leicht die Miene und rechnete mit dem Schlimmsten.
    Doch bevor sie ihr Urteil über Sylvana fällte, richtete sie ihre Worte an die anderen Frauen. Dabei lief sie mit dem Finger mahnend wedelnd vor ihnen auf und ab: „Und ihr! Ihr schwärmt ihr was von ihren tollen Haaren, ihrer hervorragenden Figur und der schönen Haut was vor. Für so oberflächlich habe ich euch Drei nicht gehalten!“
    Die Frauen blickten schuldbewusst zu Boden und fanden keine Widerworte.
    „Es gibt wichtigere Dinge im Leben, als das bloße Aussehen.“
    Plötzlich hatte sie ein Funkeln in den Augen und griff beherzt zu. Ihre Hände gruben sich in Sylvanas Hüfte und im Anschluss klatschte sie ihr laut auf den Hintern: „Aha. Ein gebärfreudiges Becken, strammer Hintern und ein mehr als üppiger Busen.“
    „Uhm... danke?“, brachte sie verwirrt hervor.
    Die rüstige Dame richtete ihre Worte wieder an die anderen Frauen: „Und natürlich ist der riesige Zyklop der Glückliche. Was sollte eine so große Frau schon mit dem Zwerg anfangen?“
    „Schon wieder gegen mich? Sylvana, sag ihr, dass auch ich in Frage käme!“, warf Cromwell ein.
    „Für was denn?“, fragte sie völlig überrumpelt.
    Der rüstigen Dame klappte der Kiefer runter und die anderen Frauen schlugen sich die Hände an ihre Wangen: „So ein hübsches Ding und noch immer unberührt? Was muss der Mann für eine Erziehung genossen haben, dass er sich derart zurückhalten kann?“
    Sie alle blickten zu Lotus, dessen Bild sich schlagartig änderte.
    „Er muss extrem stark sein und einen hohen Stand haben, wenn er die anderen Männer von ihrem Feld abhalten kann“, tuschelten sie miteinander.
    Herzen begannen schneller zu schlagen und die Knie wurden weich, je länger sie Lotus anblickten.
    „Moment mal. Eine große Frau, ein Riese in Plattenrüstung und ein Mann in Grün?“, fragte die rüstige Dame und schaute die Gruppe noch einmal abwechselnd voller Misstrauen an.
    „Gab es für genau diese Drei nicht vorhin am Stadttor jeweils einen Ausruf?“
    Sylvana biss sich auf die Unterlippe. Lotus wendete den Blick ab und Cromwell zog seine Unschuldsmiene.
    Plötzlich kamen zwischen und unter den Karren die Kinder hervor gerannt, drängelten die Frauen beiseite und warfen sich an Sylvanas Beine.
    „Die große Frau soll auf uns aufpassen!“
    „Ja, bitte bitte!“, riefen sie im Chor.
    Die Brauen der Dame verknoteten sich zu einem ungläubigen Gesichtsausdruck.
    Sylvanas Augen weiteten sich vor Schreck: „Was?“
    „Ohja!“, begannen die anderen Frauen dem zu zustimmen.
    „Was für eine tolle Idee! Aus ihr wird sowieso mal eine großartige Mutter. Sie hat den Körper, die Ausstrahlung und garantiert auch den Charakter. Warum nicht schon jetzt mit dem Üben beginnen?“, versuchten sie Sylvana zu überreden.
    „Eine Mutter? Ich bin aber eine Kämpferin! Und selbst wenn ich einmal Kinder haben sollte..., doch keine sechs!“
    „So ein Unsinn“, warf nun auch die rüstige Dame ein, „Soll mich doch der Blitz erschlagen, wenn der gutaussehende Riese nicht mit seinem sehr wahrscheinlich übergroßen Prügel dein Feld so umpflügt, dass es sich anfühlen wird, als hätte eine ganze Horde Wildschweine dich umgegraben. Da können doch nur mindestens zehn Kinderchen bei rauskommen“, lachte sie zusammen mit den anderen.
    „Prügel? Feld? Was für Wildschweine?“, mit kleinen Wirbeln in den Augen begann Sylvanas Welt zu kreisen.
    Die jüngste von den Vier bis Siebenjährigen griff auf Zehenspitzen stehend nach Sylvanas Hand: „Duuu?“
    „Huh?“
    „Bitte sag du passt auf uns auf! Wir sind auch ganz brav“, beteuerte sie mit großen Kulleraugen, die Sylvanas Herz zum schmelzen brachten.
    „Aber... ich bin... eine Kriegerin.“
    In den Augen der Kleinen sammelte sich tränenreicher Glanz und sie schniefte leise.
    „Nicht – nicht weinen! Ich – ich tu es ja... Heh.“
    Gerade noch den Tränen nahe jubelte die Kleine mit den anderen zusammen laut auf und zogen Sylvana zu dem Eselskarren, auf dem sie reisen werden.
    Die Karawane setzte sich bald darauf in Bewegung.


    Sylvana verbrachte den Rest des Tages damit die Kinder so gut wie möglich zu bespaßen. Ihre Mütter widmeten sich anderen Aufgaben, weit weg von dem Karren und ließen sie mit ihnen allein. Ihr wurde auch schnell bewusst, warum man ihr so bereitwillig die Kinder anvertraute.
    Die einen schrien und kreischten den ganzen Tag ohrenbetäubend, die anderen waren sehr trotzig und machten ihre eigenen Regeln. Manche wurden schnell müde und bekamen deswegen immer wieder kleine Wutanfälle, während die anderen energiegeladen sich austobten und alle wach hielten. Widmete Sylvana sich einem von ihnen, machten die Fünf anderen hinter ihrem Rücken den nächsten Schabernack. Und die Kleinste, mit den Kulleraugen, war die Schlimmste von allen.
    Sie war wie eine kleine Anführerin und dachte sich für die anderen immer neue, spaßige Dinge aus, die voller Gefahren waren. Angefangen davon wer am Rande des Karrens am längsten balancieren konnte, bis hin wer sich wagte vorn auf den Esel zu springen und ihn zu reiten. Doch egal welches neue Ärgernis bei den Kindern auftrat, Sylvana versuchte ruhig und besonnen wie Lotus zu wirken und lächelte daher immer stets und verständnisvoll alle Probleme weg.
    Aus Angst nicht von ihnen akzeptiert zu werden gab sie stets nach, was dazu führte, dass die Kinder immer weiter ausprobierten, wie weit sie mit ihr gehen konnten. Und je mehr sie sich mit den Kleinen beschäftigte, desto bewusster wurde ihr, wie schlecht sie mit ihnen zurecht kam.
    Lotus blieb mit dem Anführer Berthold hinter der Karawane und behielt schweigend die Umgebung im Auge. Als Veteran wusste er, dass das schlimmste Übel immer von der Rückseite kam und man sich auf jede Regung konzentrieren musste, wollte man nicht überrascht werden. Warum die Wächter sich in einer solch unsinnigen Formation bewegten und dazu mit so wenig Männern, konnte er sich nur dadurch erklären, dass sie sehr unerfahren sein mussten. Und die Händler hatten wohl niemand anderen gefunden, der sie nach Osten in Richtung Azetaken eskortierte.
    Cromwell schloss sich den fünf Wächtern vorn an und kam schnell mit ihnen und den Händlern ins Gespräch.
    „Warum reist der Adlige eigentlich nur mit zwei Begleitern durch die Gegend?“, eröffnete man das neue Thema.
    „Mehr brauchte es halt nich“, antwortete Cromwell.
    „Ein Geizhals also“, befanden die Männer.
    „Was? Lotus is doch nich geizig“, widersprach Cromwell.
    „Er trägt eine sehr teure Plattenrüstung und ihr nur grünen Stoff“, erwiderte jemand.
    „Na Hauptsache er is sicher“, scherzte Cromwell.
    Daraus schloss man, dass sich Lotus nicht um Cromwell scherte.
    „Werdet ihr denn gut bezahlt, oder geizt er auch da?“, fragte einer der Wächter, die anderen hellhörig, ob sich Lotus als neuer Arbeitgeber irgendwie eigenen würde.
    „Wäre schön, wenn ich überhaupt bezahlt werden würde“, witzelte Cromwell.
    Aus diesen Scherz zog man den Schluss, dass Cromwell wohl ein moderner Sklave sei. Die Sklaverei an sich wurde in Mittelland abgeschafft, dennoch gab es Mittel und Wege für den Adel Menschen von sich abhängig zu machen.
    „Mein Beileid, mein Freund“, sprach jemand sein Mitgefühl für ihn aus.
    „Behandelt er euch denn wenigstens menschengerecht?“, wollt ein anderer wissen.
    „Wie meinen?“, fragte Cromwell verwundert und wusste nicht in welche Richtung das gehen sollte.
    „Gibt er euch zum Beispiel zu Essen?“, fragte einer.
    „Nä, ich jage und koche für ihn. Wäre ja noch schöner, wenn der Adel das selber machen müsste, nich wahr?“, witzelte Cromwell.
    Lotus konnte nicht, falls nötig, auf die Jagd gehen und dabei auf Sylvana aufpassen. Oder das Essen zubereiten und die gesamte Umgebung im Auge behalten.
    Der Schluss daraus war jedoch, dass Lotus sich vollständig von Cromwell bedienen ließ.
    „Und wie teilt ihr die Nachtwache ein?“, fragte ein anderer Wächter.
    „Na ich passe die ganze Nacht auf und er dafür am Tage.“
    „Und wann schlaft ihr dann?“, fragte man ungläubig.
    „Pfff. Ich brauch keinen Schlaf. Ich kann schlafen wenn ich tot bin“, gab Cromwell von sich zum Besten.
    Man vermutete, dass Cromwell diesen Spruch von Lotus schon des öfteren zu hören bekam.
    „Man hört ja des öfteren, dass der Adel wieder vermehrt zur Gewalt neigt und Untergebene schlägt.“
    „Die Glücklichen! Lotus versucht mich immer gleich zu ERschlagen, wenn ich mal ne Kleinigkeit falsch mache oder was sage, was ihm nich passt“, war sein neuer Scherz.
    Er merkte gar nicht wie tief die Abneigung sich gegen Lotus bereits entwickelt hatte.
    „Wenigstens hat er eine eigene hübsche Frau dabei. Da brauch man sich keine Sorgen machen, dass er sich an eine von unseren vergreifen könnte“, sagte einer der Väter.
    „Näää, selbst ohne Sylvana würde da nix passieren. Da würde ich euch eher raten auf die Frauen zu schauen und nich auf Lotus.“
    „Was wollt ihr damit sagen?“, die beiden anderen Väter wurden auch aufmerksam.
    „Seht ihr nich ihre lüsternen Blicke? Weiche Knie. Errötete Gesichter. Und Herzklopfen. Die sind schon hin und weg von ihm“, erzählte Cromwell mit einem Grinsen im Gesicht. Er war sich absolut sicher, die Drei würden gleich laut lachen, doch stattdessen stürzten ihre Brauen in die Tiefe. Sie pressten ihre Lippen fest zusammen und schwiegen.


    Am Abend wurden die Schlafstellen mit Fellen hergerichtet. Lotus, für ihn völlig unerklärlich, wurde aus dem Lager von den Männern verband. Sylvana schloss sich auf der Flucht vor den Kindern ihm an und Cromwell wurde herzlich zum Essen eingeladen, was er dankend ablehnte und damit begründete, dass er sich aus Mitleid zu Lotus gesellen würde.
    „Heh“, seufzte Sylvana bei seiner Ankunft, „Warum müssen diese Kinder kleine Monster sein?“
    „Heh“, schloss sich Lotus ihr an, „Ich habe mit keinem der anderen Männer auch nur ein Wort gewechselt und dennoch hassen sie mich alle.“
    Nur Cromwell saß neben ihnen fröhlich summend mit ihnen auf der Straße: „Eine tolle Reise, nicht wahr?“
    „Heh“, begann Sylvana von neuen, „Eine Kämpferin, die nicht mal mit ein paar Kindern fertig wird? Lächerlich.“
    „Lächerlich ist eher, dass ich nach fünfunddreißig Jahren immer noch nur Cromwell als Freund habe.“
    Cromwell zuckte mit den Schultern: „Ihr beiden Miesepeter macht euch zu viele Gedanken wegen nichts. Sylvana, fang.“
    Aus seinem Hemd kramt er einen kleinen Beutel hervor.
    Sie warf einen Blick hinein: „Süßigkeiten?“
    „Stopf das in die Bälger rein und sie werden dich lieben.
    Lotus, ich kann dich jederzeit wieder zum Sir machen. Die Frauen werden sich dir an den Hals werfen und die Männer vor dir in den Dreck. Wär das nich was?“
    Beide gaben ihm einen verdutzten Blick.
    „Du bist ein Schwachkopf, Cromwell“, befand Lotus und nahm Sylvana den Beutel wieder ab.
    „Du bist keine schlechte Kämpferin, nur weil du einen Sack Flöhe nicht hüten kannst.
    Kinder spiegeln unseren Charakter wider. Reflektiere dein eigenes Verhalten und passe es an. Und vor allen: Hör den Kindern zu. Da lernt man den Umgang am besten.“
    „Huh. Wenn ich dir auch was sagen darf... seit wann interessiert es dich, was andere von dir denken? Es war dir egal als Adliger bei der Stadtwache zu arbeiten. Es war dir auch egal, wie man von dir dachte, als du mich im Schloss das Kämpfen gelehrt hast. Und jetzt machst du dir wegen einer handvoll Männer Gedanken, die wir nur wenige Tage begleiten werden?“
    Lotus legte den Kopf in die Schräge und griff an seinen Stoppelbart.
    Nach einem Moment kam er zu dem Schluss: „Wie töricht von mir.“
    „Von mir auch“, stimmte Sylvana mit ein.
    „Also ich bin toll“, sagte Cromwell mit einem Grinsen im Gesicht.


    Mitten in der Nacht, als der Halbmond am höchsten stand, schlug Lotus sein Auge auf und richtete sich kurzerhand auf.
    Die Karawane war ruhig, nur eine einzelner Wächter hielt wache.
    Sylvana schlief drei Schritten entfernt neben ihm. Cromwells Platz hingegen, viel weiter weg von den beiden, weil er als bürgerlicher einen größeren Abstand halten musste, wirkte unbenutzt.
    Kaum hatte er sich endgültig aufgerichtet, begann seine Suche nach ihm.
    Cromwell lag auf einem der beladenen Karren. Er schaute in den klaren Himmel.
    „Kannst wohl nich schlafen?“, fragte Cromwell, als Lotus sich ihm näherte.
    „Ein Sir schläft nicht, er schließt seine Augen zur Konzentration“, erinnerte Lotus ihn.
    „Ich würd dir ja nen Platz anbieten, aber ich glaub dann bricht der Karren zusammen.“
    Lotus stellte sich neben ihm und blickte wie er in den Sternenhimmel hinauf.
    „Es war ein langer Tag“, begann Lotus.
    „Jup.“
    Beide dachten die gleichen Worte: Das wird ein schwieriges Gespräch... Er wird sich garantiert fragen wo er anfangen soll.
    Ich muss wissen, was er über die Vorfälle in der Stadt weiß, so Lotus.
    Ich muss wissen, was er über das Attentat weiß,so Cromwell.
    Ich kann nur im Namen unserer Freundschaft darauf vertrauen, dass Cromwell die Wahrheit sagen wird.
    Egal was Lotus mich fragen wird, ich werd ihm sowas von ins Gesicht lügen!
    Wenn ich Cromwell in die Ecke dränge, stellt er sich auf stur und ich weiß, dass er etwas zu verbergen hat.
    „Warum hast du uns in Skossa was angehängt?“
    Dräng mich doch gleich in die Ecke! Am besten ich stell auf stur... wobei, damit wird er rechnen. Wenn ich mich jetz also auf stur stelle, weiß er, dass ich was zu verbergen habe und egal welche Frage danach kommt, wird er daraus schließen, dass ich ebenfalls damit zu tun gehabt hätte.
    „Ach weißt du... Schonmal davon gehört, dass man so unauffällig sein kann, dass es auffällig wirkt?“
    Er wird niemals damit rechnen, dass ich ihm jetz einfach nur Stuss erzähle.
    „Nein.“
    Natürlich versucht er es mit Stuss. Als wenn ich damit nicht rechnen würde, mein Lieber.
    „Hab das Gegenteil probiert. So auffällig sein, dass wir schon wieder unauffällig wirken.“
    Das is so genial, er muss mir einfach glauben. Auch wenn ichs damit zugebe, aber ich kann ihm ja schlecht sagen, dass ich mit seiner Ersatzplattenrüstung mich als Sir Lotus verkleidet hab, um in der Kathedrale ein Reliquie zu stehlen. Und warum sie Sylvana gejagt haben? Weiß der Geier. Ich wars nich. Aber das wird er mir eh nich glauben.
    „Und das hat funktioniert?“
    Glaubt Cromwell allen ernstes ich würde ihm das abnehmen? Wahrscheinlich konnte er nicht widerstehen mit der Ersatzplattenrüstung irgendeinen Schabernack anzustellen. Und wer weiß was er Sylvana angehängt hat. Doch sollte er mir jetzt ein Ja ins Gesicht sagen, weiß ich wie ich meine Fragen stellen muss, um zumindest seine Mittäterschaft bei allen anderen Fällen herauszufinden.
    „Nope.“
    Lotus hat den Braten gerochen, verdammt. Ich muss versuchen ihn auf ein anderes Thema zu lenken, um auszuweichen.
    „Wir werden immer noch verfolgt. Zwei Gruppen mit je zehn Mann. Die einen haben nen Magier mit Illusionsmagie dabei und wollen Sylvana beschützen und die anderen versuchen sie scheinbar abzumurksen. Zumindest haben sie das mit Sylvanas Ebenbildern in Skossa getan.“
    Cromwell. Da du bereits zugegeben hast, dass du uns tatsächlich was angehängt hast, werde ich es dabei belassen. Doch wo du mir schon diese Information zuwirfst, werde ich sie auch zu nutzen wissen.
    „Warum bist du dir so sicher, dass die Gruppe mit dem Magier auf unserer Seite steht?“, wollte Lotus wissen.
    Wenn mich nicht alles täuscht, dann weiß Cromwell mehr über diesen Magier, als er den Anschein erwecken will. Denkt er vielleicht, ich könne mit der Wahrheit nicht umgehen?
    Ich kann Lotus schlecht sagen, dass Sylvana nur wegen dem Magier überhaupt noch lebt. Er würde eine miese Frage stellen... nämlich was der Magier als Gegenleistung für ihr Leben von mir bekommt... Nein. Das darf er unter keinen Umständen auch nur erahnen, dass wir eine Absprache haben. Mit der Wahrheit könne er nicht umgehen, es wäre das Ende mit unserer Freundschaft.
    „Ist es ein Segen, lass es geschehen. Man muss nich immer alles hinterfragen, oder?“, so Cromwell.
    „Wie du meinst.“
    Cromwell stellt auf stur. Er weiß also definitiv mehr als er zugibt, wird es mir aber nicht sagen. Wobei er nicht unrecht mit seinem Spruch hat. Zumal der Magier nicht das wichtigste in diesem Gespräch sein soll... wichtiger ist der Attentäter.
    Hoffentlich reicht Lotus das. Der Magier ist im Moment nich weiter wichtig... viel wichtiger.... is der Attentäter.
    Beide dachten: Wie sag ich ihm jetzt, dass ich weiß, wer es war?
    Cromwell hat viel dafür getan, um den Namen seiner Familie reinzuwaschen. Und wie haben sie es ihm gedankt?
    Ich hab mir ziemlich den Arsch für meine Familie aufgerissen. Und was macht dieses undankbare Pack?,überlegte Cromwell.
    Ich kann Cromwell jetzt schlecht in sein Gesicht sagen: Ach wusstest du übrigens, dass irgendjemand deinen Bruder als Attentäter angeheuert hat?
    Ich kann Lotus schlecht ins Gesicht sagen: Ach übrigens, schon gewusst, dass der Attentäter mein Bruder war?
    Beide dachten gleichzeitig: Ich sollte es besser für mich behalten, er würde sich nur unnötig Sorgen machen... Wir schweigen uns schon ziemlich lange an. Vielleicht sollte ich ihn noch irgendwas belangloses fragen, bevor wir das Gespräch beenden.
    Lotus und Cromwell: „Wie findest du den Plan bisher?“
    Beide blickten sich verdutzt an.
    „Das war jetzt irgendwie unheimlich“, merkte Lotus an.
    Cromwell zuckte mit den Schultern und fragte: „Wieso is der Plan von Heerführer Baldurs so bescheuert?“
    „Heh. Du hast ihn nicht gelesen.“
    „Ähm... hab ihn überflogen?“
    „Denk zur Abwechslung doch mal nach. Mit mir in Sylvanas Nähe wäre sie im Schloss schon sicher genug, eine Reise wäre daher voller unnötiger Risiken“, erklärte Lotus.
    „JJJoahr. Und was machen wir dann hier draußen mit ihr?“, wunderte sich Cromwell.
    „Es war von Anfang an klar, dass es mehr als nur einen Attentäter geben wird. Daher locken wir alle mit Sylvana in die Untergrundfestung von Micalanthia und stellen ihnen dort einen Hinterhalt.“
    „Moooment mal. Ich hab alles richtig gemacht!“
    „Wie bitte?“
    „Dass wir auffällig die Stadt verlassen haben... und dass dich keiner mehr als Sir erkennt... kommt dem Plan von Baldurs zu Gute!“
    „Ist das so?“
    „Hätte nich gedacht, dass Baldurs und ich so stark miteinander harmonisieren. Wir sollten öfter mal nach seinen genialen Plänen handeln, findest du nich?“
    „Hol die verdammte Rolle raus und lies sie dir durch. Und dann wiederhole deine Worte.“
    Cromwell kramte in seinem Hemd: „ Och, was bist du jetz wieder so stinkig? Bist du neidisch auf Heerführer Baldurs, weil er nen tollen Plan ausgearbeitet hat?“
    „Lies. Den. Plan.“
    Er zog die Rolle heraus und entrollte das Pergament.
    Nach einem kurzen Moment drehte er es auf die andere Seite.
    „Die is leer. Is die verzaubert?“, fragte Cromwell.
    „Natürlich ist sie verzaubert. Du musst sie in das Mondlicht halten und laut rufen, dass du ein Schwachkopf wärest, erst dann kannst du sie lesen.“
    Kurzerhand hielt er die Schriftrolle hoch und rief laut: „Ich bin ein Schwachkopf!“
    Er sah auf die Rolle: „Da tut sich nix!“
    „Mein Fehler, man musste die Worte natürlich singen.“
    „IIICH bin ein SCHWAAACHKOPF! EIN SCHWACHKOPF, SCHWACHKOPF, SCHWACHKOOOPF!“, sang er munter.
    Ein erneuter Blick auf die Rolle strapazierte seine Nerven: „Was hab ich jetz schon wieder falsch gemacht?!“
    „Wie dumm von mir. Du musst dabei auch auf einem Fuß hüpfen.“
    Er stellte sich also auf ein Bein, doch plötzlich traf es ihn wie ein Schlag ins Gesicht.
    „Lotus. Du bist ein Arsch, weißt du das?“
    Dieser gab ihm nur ein freundliches Lächeln mit geschlossenen Auge als Antwort.
    „Also... is die Schriftrolle tatsächlich leer und du saugst dir alles aus den Fingern?“, fragte Cromwell nach.
    „Nach deiner Gesangseinlage beeindruckt mich dein Scharfsinn.“

  • Wie meega lustig und cool das Ende einfach war :nummer1: . Dein Streibstil ist sehr angenehm zu lesen und ich find gut, es hört sich an, als würdest du dir einfach alles von der Seele schreiben und genau das finde ich so gut.


    Aber ich bin ehrlich: Der Abschnitt war mir etwas zu lang, ich habe den Anfang gelesen, und dann ging es immer weiter, und weiter, und weiter, und dann habe ich einfach runtergescrollt um das Ende zu lesen =O . Vielleicht bin ich auch einfach zu ungeduldig gewesen. Jetzt wo ich das Ende gelesen habe möchte ich aber auch wissen was dazwischen passiert ist. Deswegen les ich mir gleich nochmal alles durch :S .


    Aber wäre ganz nice wenn du kürzere Abschnitte (und dann eben auch öfter) posten könntest (So wie vorher, das fand ich gut von der Länge), dann hat man irgendwie ein besseren Überblick und nicht das Gefühl gleich ein ganzes Buch durchzulesen. Daanke...


    Aber zur Aufmunterung: Die Story find ich Piccobello. Habe nichts zu bemängeln. Weiter so!


    Liebe Grüße
    Archer

  • Langer Abschnitt - nicht nur an Worten, sondern es zieht sich auch manchmal ein bisschen.


    Nichts dramatisches passiert, aber das eine oder andere humovolle Thema wird angerissen.


    1) Sylvana's Erwartungen an 'draussen'


    „Wo sind die tiefen, dunklen Wälder, mit knochigen Bäumen und hämischen Fratzen in den Schatten, wo hinter jedem Busch und Strauch das Böse auf einem wartet?“
    „Um Skossa herum abgeholzt“, antwortete Cromwell.

    Gefaellt mir gut :thumbup:


    2) Die Frauen fallen ueber Sylvana her.


    Keine Ahnung warum, aber bei mir wirkt das nicht so richtig - das ist halt ein bisschen so ein Stereotyp 'Frauen haben den Drang das Aussehen einer anderen Frau zu Tode zu diskutieren' - das war alles schon mal da in der Literatur und auch beim ersten Mal ehrlicht gesagt fand ich das nicht so wahnsinnig komisch.


    3) Sylvala und die Kinder

    Aus Angst nicht von ihnen akzeptiert zu werden gab sie stets nach, was dazu führte, dass die Kinder immer weiter ausprobierten, wie weit sie mit ihr gehen konnten. Und je mehr sie sich mit den Kleinen beschäftigte, desto bewusster wurde ihr, wie schlecht sie mit ihnen zurecht kam.

    Da aendert sich jetzt der Stil und die Erzaehlstimme - statt dass wir eine Szene zu sehen bekommen in der die grosse Kriegerin Sylvana voellig ueberfordert ist, erzaehlst Du uns in Zusammenfassung wie und warum sie das ist.


    Finde ich als Leser nicht so toll, den erstens - Stilbruch - und zweitens - haette ich mir auch so denken koennen wenn sie keine Kinder hat dass die sie auseinandernehmen - koennte man ein bisschen subtiler rueberbringen.


    4) Cromwell redet unabsichtlich Lotus schlecht:


    Das find' ich eine tolle Szene - aber erklaer uns doch nicht staendig warum sie lustig ist! Dass Cromwell das eine und die anderen das andere denken kann man schon auch subtiler klarmachen.


    Das hier wuerde auch nicht wirken wenn Du es erklaerst:



    „Und wie ich sehe hat sich dein Potenzial auch sehr gut entwickelt. Hab ich ja damals schon gesagt“, fügte er mit an, während sein Blick zielgerichtet geradeaus auf ihren Busen fiel.
    „Oh ja. Ich hab sie täglich trainiert und eingerieben“, berichtete sie stolz.
    „Was?“, fragte er und schaute verdutzt - nicht realisierend dass sie ueber ihre Muskeln sprach waehrend er ihre weiblichen Reize im Kopf hatte.




    Da musst Du dem Leser schon sehen eigenen 'Aha' Moment goennen finde ich :)

    „Lächerlich ist eher, dass ich nach fünfunddreißig Jahren immer noch nur Cromwell als Freund habe.“

    Schoen :)


    5) Cromwell und Lotus unterhalten sich und machen sich dabei Gedanken.


    Vom Konzept her eine tolle Szene - das Problem ist dass ich so wie sie strukturiert ist durcheinanderkomme. Ich bin mir nicht ganz sicher wie man das besser aufbauen koennte, aber vielleicht wenn Du konsequent einen Abscnitt (und 1-2 Saetze) dem einen widmest, und dann zum anderen gehst?


    Ich muss wissen, was er über die Vorfälle in der Stadt weiss, dachte Lotus.Ich kann nur im Namen unserer Freundschaft darauf vertrauen, dass Cromwell die Wahrheit sagen wird.


    Ich muss wissen, was er über das Attentat weiß, ueberlegte Cromwell.Egal was Lotus mich fragen wird, ich werd ihm sowas von ins Gesicht lügen!


    ich koennte mir vorstellen dass es besser funktioniert wenn man ein bisschen weniger hin- und herwechselt.

    „Lotus. Du bist ein Arsch, weißt du das?“
    Dieser gab ihm nur ein freundliches Lächeln mit geschlossenen Auge als Antwort.
    „Also... is die Schriftrolle tatsächlich leer und du saugst dir alles aus den Fingern?“, fragte Cromwell nach.
    „Nach deiner Gesangseinlage beeindruckt mich dein Scharfsinn.“


    Aha - Sir Lotus kann also auch fies - hat man bisher von ihm nicht so gesehen.

  • Hallo @Thorsten,



    Zitat von Thorsten

    Langer Abschnitt - nicht nur an Worten, sondern es zieht sich auch manchmal ein bisschen.

    damit hab ich gerechnet. dennoch wollte ich absolut klarheit haben, ob die länge grade so durchgeht oder in zukunft doch kürzer bleibt :whistling::whistling::whistling:



    Zitat von Thorsten

    Nichts dramatisches passiert

    Es soll ja auch nich ein Drama direkt nach dem nächsten kommen xD Die Gruppe darf sich auch hin und wieder vom letzten Schrecken erholen, damit ich ausholen kann :P




    Zitat von Thorsten

    Keine Ahnung warum, aber bei mir wirkt das nicht so richtig

    Ist doch ok, wenns nicht deinen Geschmack an Humor trifft. Kann auch passieren dass alle anderen sagen / schreiben, dass sie das nich witzig finden. Dunno ob mans damit vergleichen kann, aber ein Comedian hat zb mal gesagt, dass er in seiner Show immer einen bestimmten Witz macht, über den keiner lacht. Obwohl er genau weiß, dass außer ihm den keiner witzig findet, macht er ihn trotzdem. Und das einfach nur, weil er sich selbst damit zeigen will, dass es am Ende seine Show ist und nicht die der Zuschauer - oder so ähnlich x.x
    Daher lass ich mich meinem Humor in der Geschichte aus und wenn auch andere mit mir zusammen lachen können freut es mich, wenn nicht... dann ist es so xD



    Zitat von Thorsten

    3) Sylvala und die Kinder

    Ich hatte eine Idee. Ich hatte den richtigen Stil im Kopf. Aber keine Ahnung wie ich es hätte schreiben sollen. Daher kam es dann gewollt zum Stilbruch, weil ich ganze 3 Tage nur mit drüber nachdenken dran saß, wie ich das umsetzen könnte. Letztlich zerbrach ich mir den Kopf daran und habs dann so wie es jetzt steht schnell abgehandelt. Es ist nicht toll, das war mir klar. Die aus meiner Sicht einzige Lösung wäre gewesen, dass es jemand anderes für mich schreibt, weil ich ne regelrechte Blockade bei den Kindern hatte...



    Zitat von Thorsten

    aber erklaer uns doch nicht staendig warum sie lustig ist!

    So war das gar nicht gemeint D:
    ich wollte doch nur klarstellen welche Schlüsse genau sie aus seinen Worten ziehen, damit man auch nachvollziehen kann, warum sie die Abneigung gegen Lotus entwickeln ;(;(;(



    Zitat von Thorsten

    Aha - Sir Lotus kann also auch fies - hat man bisher von ihm nicht so gesehen.

    Ich wollte es an der Stelle nicht schon erklären... dazu kommt sehr bald nochmal was ausführlicheres, warum das so ist :whistling:


    lg Kramurx

  • ich wollte doch nur klarstellen welche Schlüsse genau sie aus seinen Worten ziehen, damit man auch nachvollziehen kann, warum sie die Abneigung gegen Lotus entwickeln


    Ja - aber das nimmt der Sache doch den Witz.


    Das ist genauso wie die Szene mit Bruesten/Muskeln - die eine Partei redet ueber das eine, die andere Partei ueber das andere, keiner kapiert dass der andere was ganz anderes im Kopf hat, nur der Leser wird durch Cromwell's Blick darauf gestossen.


    Das macht die Szene genial.


    Hier koennte das genauso funktionieren - Cromwell macht nette Scherze ueber Lotus wie es halt seine Art ist, die anderen nehmen ihn dadurch immer mehr als Sklaven wahr der von Lotus ausgebeutet wird - Du kannst ja schreiben wie sie schockiert schauen oder ihre Minen sich verduestern - aber so haarklein aufzudroeseln dass sie das jetzt anders verstehen und warum - das finde ich plump und es nimmt der Szene das ganze Potential.

  • Hallo Kramurx!


  • Heyho Kramurx!


    Also...ganz ehrlich kam ich der Story zu Beginn in weiten Teilen erst mal nicht wirklich hinterher, aber das kann natürlich an meiner Erwartungshaltung liegen, mit der ich normalerweise in eine neue Story eintauche.
    Deinen Stil würde ich mal als absurd bezeichnen - und das meine ich durchaus in positivem Sinne. Nur macht's einem das nicht gerade einfach, wenn man versucht, die einzelnen Charaktere kennenzulernen. Hat mich einige Zeit gekostet, sie ungefähr in ihre Positionen zueinander einzuordnen. Deine Beschreibungen, was ein "Sir" ist...die haben mich immer wieder an die ganzen Chuck Norris - Witze erinnert. Hattest Du die im Hinterkopf beim Schreiben?
    Das war für mich am Anfang der Geschichte auch mit das verwirrendste: Sir zu sein bedeutet, ernsthaft zu sein. Da war noch nicht wirklich zu erkennen, in welche Richtung Du unterwegs sein würdest, wenn sich die Geschichte weiterentwickeln würde.
    Mittlerweile glaube ich jedoch zu erkennen, worauf Du hinaus willst:


    „Wo sind die tiefen, dunklen Wälder, mit knochigen Bäumen und hämischen Fratzen in den Schatten, wo hinter jedem Busch und Strauch das Böse auf einem wartet?“
    „Um Skossa herum abgeholzt“, antwortete Cromwell.

    Das ist sowas von furztrocken lustig, mich hat's beim Lesen fast aus dem Stuhl gehauen! 8)


    Und mittlerweile baust Du sowas viel häufiger in die Story ein als am Anfang. Finde ich Klasse.
    Gerne mehr davon.


    Burk