Kalkis Kurzgeschichtenkiste

  • Huhu, liebes Forum!
    Ich hatte mal einen Kurzgeschichtenthread hier im Sammelsurium, in dem ich meine einzelnen Kurzgeschichtenthreads zusammenführen ließ. Leider mit sehr bescheidenen Ergebnissen, weil die Posts nach Datum sortiert wurden. Es war ein einziger Clusterfuck von Thread, den ich nun archivieren ließ, um das Ganze ordentlich und übersichtlich aufzubauen. :)

    Hier poste ich meine Kurzgeschichten. Alte, neue, Wettbewerbsgeschichten, wonach mir der Sinn steht. Erstmal werden es natürlich die alten Kurzgeschichten sein. Die sind dann vielleicht so alt, dass ich sie mehr als Zeitzeugnisse von mir selbst sehe, an denen ich nicht mehr so viel rumdoktorn möchte. Das heißt nicht, dass ich keine Rückmeldung zu denen möchte und Rechtschreibfehler sind immer auszumerzen, aber es sind auch abgeschlossenen Projekte, in die ich nicht unbedingt viel weitere Energie investieren kann/will. Wenn so eine Geschichte hier im Thread gepostet wird, dann werde ich das extra ansagen. Alle anderen Geschichten bitte wie normale Forengeschichten betrachten, ja? :)

    Viel Spaß beim Lesen!

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    4 Mal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Die Sage vom Schreiber


    Böse und Gut. Schatten und Licht. Schwarz und Weiß. Unfug.


    Dämonen und Engel. Sie sehen beide auf die Menschen herab, denn sie schweben beide in anderen Sphären und sie nehmen beide Einfluss auf die Menschenwelt, angeblich. Selbst ihr Handeln ist sich ähnlich, führen sie doch nur himmlische oder teuflische Befehle aus. In ihrer Welt gibt es keine Farben. Weder Dämonen noch Engel haben ein Herz, sie richten, verführen und manipulieren. Sie lassen die Schachfiguren andere schlagen oder opfern sie, angeblich zu einem höheren Zweck. Doch wenn selbst der Teufel ein Werk Gottes ist, dann stehen Dämonen wie Engel letzten Endes auf der gleichen Seite. Es gibt kein Schwarz oder Weiß, es gibt nur Grau.

    Sind sie Werkzeuge? Nur konstruiert um zu funktionieren? Wahrscheinlich.

    Doch was, wenn das Werkzeug einen Makel hat? Einen Konstruktionsfehler? Könnte es dem vorgesehenen Druck standhalten oder würde es zerbrechen?


    Es war ein Schreiber bei Nacht am Kaminfeuer. Nun war es bereits Stunden nach der Mitternacht, doch noch schlief die Sonne, der Schreiber nicht. Seine Feder schwebte über dem Pergament, aber die Tinte an ihrem Kiel war bereits getrocknet. Er starrte durch das Pergament hindurch und rieb sich die trockenen Augen. Sie hatten einen Fluss geweint, jetzt lag das Flussbett in ihnen trocken. Doch im Hause war es wieder still, endlich konnte er seine Gedanken hören. Alles müsste in bester Ordnung sein, warum also wollten die Worte nicht fließen?


    Schon als Kind las er für sein Leben gern Bücher. Romane, Gedichtbände, Novellen. Wenn er Worte las, versank er darin. Eine Welle erfasste ihn und trug ihn in fremde Welten davon. Sätze bildeten Rahmen und zeichneten Umrisse, Metaphern erfüllten sie mit Farben und Leben. Ja, dem geschriebenen Wort wollte er sein Leben widmen.

    Als Junge begann er kurze Gedichte zu schreiben und wurde dafür belächelt, denn sie waren dilettantisch und klischeehaft. Sein Vater machte sich Sorgen, dass aus seinem Sohn kein anständiger Mann würde. Zwar schlug er ihn regelmäßig, aber es änderte Nichts. Sein Sohn hatte ein Dichterherz.

    Die Zeit ließ ihn wachsen und so widmete er sich als junger Erwachsener den Geschichten und später sogar den Romanen. In jeder Hinsicht war eine Reifung zu spüren. Die Konturen wurden klarer, konkreter und die Farben leuchtender, echter.

    An der Hochschule, an der er studieren sollte, sprach sich sein Talent schnell herum. Beflügelt von dem schmeichelhaften Getuschel, wagte er sich an neue Themen und Textformen und konnte bald auch mit ihnen geradezu spielend umgehen. Es dauerte nicht lange, da konnte er von seinen Werken leben und gab das Studium auf. Er zog in ein eigenes Haus und nahm seine Muse mit, ihr Name war Mathilda. Was immer er schrieb, schrieb er für sie. Was immer er für sie schrieb, wurde erfolgreich.

    Die ersten Jahre ihrer Ehe verliefen viel zu schnell, aber glücklich. Doch ihre Familie war noch nicht vollständig, etwas Entscheidendes fehlte ihnen. Nur sollte es sie nicht fröhlich stimmen, sondern das klare Wasser ihres Lebens trüben.

    Seit Jahren schon wünschten sie sich ein Kind und schwanger war Mathilda einige Male gewesen. Beim ersten Mal war sie so glücklich gewesen, dass der Schock sie umso stärker lähmte. Das Kind war tot, bevor es auf die Welt kam. Das zweite Mal war sie natürlich froh über den Kugelbauch, doch die erste Schwangerschaft lag wie ein dünner, düsterer Schleier über ihr. Er sollte noch dunkler werden, als sie die zweite Totgeburt zur Welt brachte. Sie wagten einen dritten Versuch, aber Mathilda hatte bereits eine Vorahnung. Auf Zureden Albrechts, des Schreibers, schoss sie sie in den Wind und wiederum war das Ergebnis zermürbend.

    Die vierte Schwangerschaft war nicht beabsichtigt und sie beide glaubten nicht mehr an Wunder. Nicht nach all dem. Und doch schenkte man ihnen ein Kind. Ein starkes, wunderschönes Mädchen, so nannte Mathilda es.

    Durch die Schwangerschaften seiner Frau hatte Albrecht jedoch kaum noch Zeit zum Schreiben gefunden oder war nicht mit dem Herzen bei der Sache. Er hatte zwar viel Geld zurückgelegt, aber diese Reserve ging nun langsam zur Neige. Um seine Familie ernähren zu können, beschloss er, intensiver an seinen Werken zu arbeiten als jemals zuvor. Es sollte ein Beschluss bleiben, denn wenn er sich mit seiner Feder an das Pergament setzte, hörte er das Schreien seines Kindes. Er konnte sich nicht konzentrieren, seine Hand zitterte, die kleine Stimme pochte in seinem Kopf.

    Konnte Mathilda das Balg nicht beruhigen? Er brauchte Ruhe, nur etwas Ruhe … Aber der Schreihals hörte nicht auf zu brüllen …

    Seit das Kind auf der Welt war verhielt sich Albrecht zunehmend anders. Zuerst zog er sich immer öfter für Stunden in sein Zimmer zurück und wollte niemanden sehen. Doch die Schreie seiner Tochter waren noch immer laut und deutlich durch die schwere Eichenzimmertür zu hören. Später warf er seine Frau aus dem Schlafzimmer, sie schlief nun mit dem Kind auf dem Sofa. Natürlich brachte auch das nichts. Dafür machte er sie verantwortlich, da sie das Kind nicht beruhigen konnte und damit sein Schaffen störte. Dass seine Schläge das nicht ändern konnten, verdrängte er.

    Unter größten Anstrengungen beendete er sein Buch in wenigen weiteren Monaten und brachte es zu einem Verleger in eine Nachbarstadt. Frau und Kind nahm er mit sich, wie gewöhnlich fuhren sie in einer eigenen Kutsche. Sie ahnten ja nicht, was Albrecht mit ihnen vorhatte.

    Der Wald wurde immer dichter und dichter und man konnte kaum tiefer als einige Meter durch die Bäume blicken. Da blieb die Kutsche stehen.

    Auf Nachfragen von Mathilda beruhigte der Schreiber sie und meinte, dass das sicher einen Grund haben musste. Das Kind war in ihren Armen eingeschlafen.

    Schritte waren zu hören und der Kutscher riss die Tür zu Seite. Blitzschnell beugte er sich hinein und Griff nach dem Kind. Mathilda schrie hysterisch auf. Sie würde niemals auf die Idee kommen, dass Albrecht den Kutscher für die Entführung angeheuert hatte. Doch während sie beide um das Kind rangen, machten sich Zweifel in Albrecht breit und brachten seine Abneigung gegen dieses nutzlose, schreiende Bündel zu Fall. Es hatte ihm alles genommen, was er wirklich liebte. Und das war seine Gabe zu schreiben. Sie machte ihn aus, ohne sie hatte er keine Bedeutung, war er ein Nichts. Doch das konnte er Mathilda nicht antun. Er stieß den Kutscher zur Seite, ergriff das Schwert, das dieser an der Seite trug. Verwirrt hielt der Kutscher inne, als sein Auftraggeber sich gegen ihn wandte. Das Zögern wurde ihm zum Verhängnis, Albrecht schlug in seiner Verzweiflung auf ihn ein.

    Mathilda musste mitansehen, wie ihr Mann zum Mörder wurde, sie zitterte am ganzen Leib. Sie verwandelte sich in ein lautes Heulen. Das Kind erwachte und fing sofort an zu schreien. Dieses schreckliche Schreien, dieses infernale Geplärre! Es pochte in Albrechts Schädel.

    Mathilda atmete auf und verfluchte den Kutscher für sein schmutziges Vorhaben mit dem Kind. Er war ein böser Wolf gewesen. Doch Albrecht schwieg. Seine Hand schloss sich fester um den Schwertgriff.

    Als die Kutsche am Abend den Wald verließ, transportierte sie nur den Schreiber. Kein Mensch hatte ihn bei der schrecklichen Tat gesehen, aber er ahnte nicht, dass er beobachtet wurde.


    Nun saß er am Kaminfeuer, gewillt sein Meisterwerk zu verfassen. Es war wieder ruhig, niemand störte ihn mehr. Die grobe Handlung hatte er schon im Sinn, sie musste nur noch zu Pergament gebracht werden. Doch die Worte flossen nicht. Sie kamen nicht aus ihm heraus. Es war noch immer wie vorher, mit dem Balg. Heiße Tränen tropften auf das Pergament. Er hatte seine Gabe verloren und seinen Glauben an sich selbst.

    Langsam schleppte er sich durch den Raum zur Kommode. Auf ihr lag das Schwert, auf dessen Klinge sich die Kerzenflamme spiegelte. Entschlossen umfasste er seinen Griff. Drei Menschen hatte er damit getötet. Es wäre nur recht, wenn er auch durch diese Klinge sterben würde. Zögernd stellte er den Kerzenhalter auf der Kommode ab und richtete die Schwertspitze gegen sich selbst, bereit zuzustechen. Wenn zu leben Bedeutungslosigkeit bedeuten würde, wollte er lieber sterben.

    Doch eine Stimme erklang in seinem Kopf und durchdrang die Dunkelheit seiner Gedanken. Es war eine Frauenstimme, sie kam von hinter ihm, engelsgleich und doch düster. Sie wusste, was ihm zu schaffen machte. Sie wusste von der Angst, nur ein Tropfen im Ozean zu sein. Seine Worte konnten einmal in Stein gemeißelt werden, aber was war jetzt noch davon übrig? Nicht einmal mehr der Abglanz seiner Größe. Sie schwor, dass sie helfen könne.

    Zögerlich wandte er sich zu ihr um. Sie war jung und schön, hatte aber einen fast kindlichen Charakter. Über ihr lag ein diffus leuchtender Schleier.

    Er fragte, wer sie sei.

    Lächelnd antwortete sie. Ihr Name sei Amelie und dass sie hier sei, um ihn zu retten.

    Albrecht fragte, ob sie ein Engel sei, doch sie schwieg. Verwirrt setzte er nach. War sie ein Dämon?

    Da lächelte sie nur herzerwärmend und legte ihre Arme um seinen Körper.

    Sie würde ihm seine Größe zurückgeben und forderte dafür nur eine einzige Gegenleistung. Albrecht war wie erstarrt. Was wollte sie? Seine Seele? Ein Menschenleben? Ein kalter Schauder durchzog ihn, als sich ihre Lippen seinem Ohr näherten.

    Liebe mich.


    Müde fiel der Schreiber in seinem Stuhl zurück. In der Nacht, in der Amelie zu ihm kam, hatte er nicht geschlafen, er hatte sofort mit dem Schreiben begonnen. Zwei weitere Nächte war er wach gewesen und hatte nicht zu schreiben aufgehört. Amelie hatte ihm regelmäßig Wasser und Wein gebracht, auf feste Nahrung hatte er in der Zeit völlig verzichtet. Aber das war alles unwichtig, denn er war im Begriff gewesen sein bisher größtes Werk überhaupt zu verfassen. Er schrieb und schrieb und mit jeder Zeile ließ er sein altes Leben ein Stück weiter hinter sich. Jedes Wort war mit seiner Vergangenheit gefüllt und je mehr Worte auf das Pergament flossen, desto mehr verließ davon seinen Körper. Als er die Feder endlich beiseitelegte, hatte er alles zurückgelassen. Mit einem Grinsen im Gesicht und dem Kopf auf der Schreibtischplatte, schlief er ein. Er war sich sicher, jetzt würde er erst wirklich glänzen können.

    Er ruhte zwei Tage lang, bis er wieder erwachte. Amelie hatte das Manuskript bereits zum Verlag gebracht. Es wurde zum Druck in Auftrag gegeben und nach wenigen Wochen wurden die ersten Kritiken veröffentlicht. Man spekulierte, dass der Schreiber während seiner künstlerischen Pause mehrere Werke geschrieben hatte und jetzt nach und nach veröffentlichte. Nur so war zu erklären, dass er ein paar Monate zuvor bereits ein Buch der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Doch im Gegensatz zu seiner ersten Veröffentlichung seit Jahren, die ohne Frage weit unter dem Niveau des Schreibers lag, war seine zweite ein voller Erfolg. Einige feierten es als Veröffentlichung des Jahrhunderts und prophezeiten dem Schreiber künstlerische Unsterblichkeit.

    Beflügelt vom Erfolg rief er Amelie zu sich. Er wies sie an Koffer zu packen und die Pferde bereit zu halten. Sie würden eine Reise machen, zu den großen Orten dieser Welt. Denn wenn er sich weiter übertrumpfen wollte, dann benötigte er Inspiration. Wissenschaft, Kunst, Geschichte, Philosophie, alles solle sein werden. Denn er war dazu bestimmt Gott über das Wort zu sein, davon war er überzeugt. Und Amelie nickte verträumt. Sie würde auf eine Reise mit ihm gehen, ihr Traum würde wahr werden.

    So zogen sie aus, in fremde Länder und ohne die Aussicht in absehbarer Zeit zurückzukehren. Für gewöhnlich besichtigten sie eine Stadt und wenn der Schreiber in ihrer Atmosphäre einen besonderen Geist einfing, dann blieben sie für einige Wochen. Länger dauerte es für ihn nicht ein neues Buch zu schreiben, denn die Worte quollen einfach hervor. Sie kamen nicht aus dem Inneren, aus seinem Herzen oder seinem Kopf, sie kamen von weit weg, aus dem Kosmos. Er war nur der, der die Idee festhielt, die Geschichten aber lagen in der Luft und der Erde. Er konnte sie atmen.

    Doch obwohl alles so vielversprechend aussah, war Amelie nicht glücklich. Wenn der Schreiber in ihrer Wohnung war, dann schloss er sich in seinem Zimmer ein. Er schrieb und schrieb und ließ sie nicht zu ihm. Sie hatte Verständnis dafür, hatte sie es ihm doch ermöglicht wieder schöpferisch tätig zu sein. Er schrieb aber nicht jeden Tag, hin und wieder ging er in die Stadt, um sich wieder inspirieren zu lassen, zumeist von Büchern, Gebäuden und den Geschichten, die dahinter steckten. Sie wollte mit ihm gehen, doch er bat sie jedes Mal seine Texte noch einmal durchzusehen. Er würde bald zurück sein. Amelie konnte nicht anders, sie hätte alles getan um seine Anerkennung zu erhalten. Zu ihrer Verzweiflung kehrte er nie vor Mitternacht zurück.


    Eines Tages hatte sie genug. Sie verstand die menschliche Natur kaum und mit dem Gefühlsrausch der Liebe konnte sie nicht umgehen. Sie wollte, dass auf dem Acker ihres Herzens Freude und Dankbarkeit sprossen, doch letztendlich erntete sie nur Frust. Jetzt war Schluss damit, sie würde sich nehmen was sie wirklich wollte, denn sie wollte es sofort.

    Als sich der Schreiber wieder einmal für den Abend verabschiedete, tat Amelie zunächst wie immer. Er trug ihr auf, die neuen Schriften durchzulesen und ihm dann später ihre Meinung dazu abzugeben. Es war reiner Perfektionismus und er wollte höher springen als jemals zuvor. Alles musste genauestens durchdacht sein, wenn er das Manuskript in ein paar Tagen zum Verleger bringen wollte. Jede Kante, jede Unreinheit und jeder Felsen, der den Lesefluss hinderte, war beabsichtigt. Nickend setzte sie sich an den Schreibtisch und überflog die ersten Stücke Pergament. Mit einem Grinsen wandte er sich von ihr ab und ging. So naiv. Die Tür fiel ins Schloss.

    Einen Moment hielt sie inne, die Ohren gespitzt. Ein Schritt, zwei, drei … Erst als ihre dämonischen Ohren sie nicht mehr vernehmen konnten, erhob sie sich vom Tisch und folgte ihm.


    Amelie war nicht wie die anderen, das hatte sie schon immer gewusst. Seit ihrer Erschaffung hatte sie auf die Menschen herabgesehen und sich gewundert. Was war das, was da passierte? Eine Umarmung, ein Kuss? Ein Kind und eine Mutter? Was es war wusste sie, aber was war ihre Bedeutung? Sie stellte Fragen, die anderen lachten sie aus. Tränen flossen, sie war allein. Allein in der Masse und der Unsterblichkeit. Man setzte sie gleich mit dem Menschendreck, zertreten zog sie sich zurück und wollte sterben.

    Lange lag sie da, kraftlos und träge, und sah auf die Welt hinab. Auf den Menschendreck. Auf die Mütter und Kinder. Auf die Jungen und Mädchen. Was sollte das? Warum, warum das alles? Sie verstand nicht. Da war ein junger Mann, der las einem Mädchen vor. Von einem Stück Pergament. Sie verstand den Sinn der Worte nicht, sie waren unklar und ungewöhnlich, doch etwas regte sich in ihr. Sie schufen Bilder und Klänge, ihr Herz begann zu rasen. Das war es! Genau das! Aber was war es? Diese Worte hatten eine Kraft, eine Energie … so rein, unschuldig und warm. Klein und doch groß genug, dass es sie einnehmen konnte. Das war es, was ihr fehlte. Wer war nur dieser junge Schreiber?


    Als der Schreiber durch die Straßen der Stadt ging ahnte er nicht, dass Amelie nicht am Schreibtisch saß, sondern längst zu seinem Schatten geworden war. Leise, auf Füßen aus Luft, schwebte sie unbemerkt über den Dächern und beobachtete ihn. Es dauerte nicht lang, da blieb er stehen und grüßte jemanden. Es war eine Frau, die beträchtlich jünger als der Schreiber zu sein schein. Amelie nickte. Um den Geist der Umgebung einzufangen sollte man auch mit den Menschen der Stadt sprechen. Das hatte er einmal gesagt.

    Sie gingen ein Stück spazieren und sprachen über belanglose Dinge, bis sie sich entschieden ein Wirtshaus zu betreten. Stundenlang sprachen und lachten sie miteinander, Amelie schwebte neidisch vor dem Fenster. Niemand konnte sie sehen.

    Später, lange nachdem die Sonne untergegangen war, erhoben sie sich wieder vom Tisch und gingen eine Treppe hinauf. Was sollte das? Amelie verstand nicht. Verwirrt stahl sie sich in das Lokal und glitt ihnen hinterher. Niemand hatte sie bemerkt.

    Die beiden betraten ein Zimmer und schlossen die Tür hinter sich. Fluchend schob Amelie sich an die Tür. Zuerst war sie irritiert, doch schnell begriff sie, was sie dort hörte. Gelähmt sank sie zu Boden, zuckend, schluchzend, zertreten blieb sie dort liegen. Vater, warum? Wieso? Warum hast du mich erschaffen? Erneut drohte das Feuer in ihr, der Wille, zu erlöschen. War sie etwa nur ein Versuch, eine Laune? Eine Flut von Fragen vergiftete ihren Verstand. War das alles vielleicht ein großer Fehler gewesen? Zerbrochen kroch sie zurück, die Last zog sie an Ketten hinter sich her.


    Als der Schreiber seine Wohnung wieder betrat, brannten noch alle Lichter. Irritiert sah er sich um. War Amelie noch wach? Eilig verwischte er das Lippenrot an seinem Hals, doch sie war nicht zu sehen. Erleichtert betrat er sein Arbeitszimmer und entdeckte Amelie, die zusammengesunken an seinem Schreibtisch, mit dem Gesicht auf der Tischplatte. In ihrer Suche nach Zerstreuung, hatte sie das neue Manuskript des Schreibers gelesen.

    Vater war es, der dem Schreiber die Worte und Bilder schickte, die er festhalten sollte und so war es auch dieses Mal gewesen. Aber warum ließ er ihn so etwas schreiben?

    Scheinbar besorgt trat der Schreiber an sie heran, doch Amelie konnte seine Lügen hören, nein, sie konnte sie sehen und fühlen. Seelenlos erklärte sie, dass sie gehen werde und dass sie ihn zurücklassen würde, als wäre sie nie da gewesen. Da erstarrte der Schreiber zu Stein. Sie wollte gehen? Mit der Gabe?

    Entsetzt sprach er drauflos. Dass sie ein Loch in ihm zurücklassen würde. Dass er nicht mehr er selbst sein könne. Dass es sein Leben beenden würde. Amelie verhalf es nur zu einem müden Lächeln. Müde vom Leben. Ihre Entscheidung stand fest.

    Verzweifelt nahm er sie in den Arm, schloss sie ein. Sie durfte nicht gehen! Als sie die Umarmung erwiderte, lachten seine Gedanken dreckig. Er hatte nicht gedacht, dass er es wirklich würde tun müssen, doch es funktionierte. Sie war so naiv wie ein Kind. Sanft beugte er sich vor und flüsterte in ihr Ohr. Sie liebte ihn doch, richtig?

    Bedrückt schlang sie sich enger um ihn. Richtig.

    Das klebrige Grinsen überzog sein ganzes Gesicht. Kaum merklich wich alles himmlisch Teuflische aus Amelie, bis sie wie ein einfaches Mädchen zu sein schien. Wieder flüsterte er.

    Und wenn du mich liebst …, setzte er leise an.

    Ihre Augen weiteten sich, sie sah das Unheil über ihnen schweben.

    … dann stirb heut Nacht!

    Sein Messer drang in ihre Seite und riss ihren Körper auf. Kraftlos und enttäuscht ließ sie es zu, ja, sie hieß das Ende willkommen. Der Mensch in ihr starb. Zufrieden ließ er sie los und nahm Abstand. Seinem Schaffen durfte nichts im Wege stehen, da konnte er auf niemanden Rücksicht nehmen, auch nicht auf sie. Doch das war jetzt vorbei.

    Müde wandte er sich vom Amelie ab und seinem Manuskript zu. Die letzten Kapitel hatte er in dem intensivsten Rausch geschrieben, den er je gehabt hatte. Doch konnte er sich nicht mehr an den Ausgang der Geschichte erinnern. Merkwürdig. Verwundert überflog er die letzten Seiten. Mit jedem Absatz sammelte sich mehr Schweiß auf seiner Stirn. Was war denn das? Hatte er das geschrieben? Unmöglich. Für den Roman hatte er zwar sein eigenes Leben als Vorlage benutzt, aber es sollte mehr eine Parodie auf sich selbst sein. Selbstironie. Und nicht das. Langsam ließ er den Stoß Pergament auf den Tisch sinken. Hinter sich hörte der Schreiber dumpfe Schritte. Dann tränkte sich das Manuskript im seinem Blut.

    Nur der Titel war später noch zu erkennen gewesen. Dort prangte „Die Sage vom Schreiber“.


    Und die Farbe Grau gilt nicht nur für Dämonen und Engel, sondern ebenso für die Menschen. Sie handeln weder gut noch böse, sondern nur in ihrem ganz eigenen Sinne. Doch betrachten wir den Schreiber und Amelie: Wer von beiden war dann wirklich der Dämon?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

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  • Blauschwarz


    So blau, so schwarz, so leer schien es ihr, dass sie zu schweben glaubte. Sie konnte nicht denken, was es nun war, das so leer schien, doch ihr Gefühl wusste es. Und dieses Gefühl trug sie, so erdrückend es auch war.

    „Wahnsinn …“, murmelte sie und setzte sich nach einiger Zeit lethargischen Halbschlafes in ihrem Bett wieder auf.

    War es Wahnsinn? Seit sie alle gegangen waren boten selbst das vertraute Zimmer und die lieblichen Erinnerungen an Früher keinen Halt mehr, und diese Schwebe war ihr unbegreiflich. Sie war eine bleierne Feder, doch noch nicht fähig zu fallen. Was war dieser Widerspruch, wenn nicht wahnsinnig? Vielleicht grausam.

    Mit einem Seufzen setzt sie sich auf die Bettkante und erhob sich langsam. Das Mondlicht fiel kalt durch das Dachfenster über ihrem Bett und schnitt in die bläuliche Düsternis des Hauses hinein. Aufmerksam betrachtete sie die Möbel und die gerahmten Lichtabbildungen, die an den Wänden hingen. Mit ihnen konnten die Elfen mittels Magie ein Geistesbild festhalten. Sie erinnerten sie an die längst vergangene Zeit, denn immer wieder erschienen dort die alten Gesichter im Lichte einer Erinnerung. Dunkel war es hier mit Sicherheit nicht. Und doch lag ein schaler Geschmack in all der Süße.

    Während sie die Treppe hinabschritt, kam es ihr wieder in den Sinn. Wie sie gern an die eine Liebe in ihrem noch jungen Leben zurückgedacht hatte. Die sie einst gelebt hatte. Der sie mal vertraut hatte. Und von der sie verletzt worden war. Sie wusste noch, dass es geschmerzt hatte, aber der Wärme, die in dem hoffnungslosen Schwärmen lag, hatte sie nicht widerstehen können.

    Doch das lag nun weit weg, war längst verblasst und tat schon lang nicht mehr weh. Dieser Gedanke beruhigte sie, während sie die Lichtbilder betrachtete, die die Treppe entlang die Wand zierten und die im Halbdunkel dieser klaren Nacht einen weißkalten Schimmer hatten.

    Sie erreichte das Erdgeschoss und der weite Flur führte sie wieder in die Leere zurück. Schuld daran war wohl die verspielte Architektur der Elfen, die hier besonders ausgeprägt war und wegen der sie sich fehl am Platz fühlte. Es war nicht einfach gewesen, als sie und die anderen her gekommen waren. Allein als Menschen unter Elfen … Doch nun fehlte selbst von ihnen jede Spur. Die Elfen verschwanden, von einem Tag auf den anderen. Ihre Freunde ebenso, bis auf einen. Er zog damals los, die Menschen und die Elfen zu suchen, die noch übrig waren. Vor über fünf Jahren.

    Es kamen keine Händler mehr. Keine Fahrzeuge. Und sie hatte keine Flugmaschine mehr am Himmel gesehen. Nichts. Nicht einmal das Silber eines Kondensstreifens am Himmel. Sie hatte lange Zeit Ausschau gehalten.

    Ich erinnere mich noch gut an diese Tage, stelle sie fest, als sie nur in ihrem Nachthemd auf die Straße trat. Und in diesem Moment kam das blauschwarze Gefühl zurück und ließ sie schweben. Und sie wusste es: Es war die Welt, die Leer war. Eine Leere, die auch sie immer mehr ausgehöhlt hatte.

    Vor ihrer Haustür stehend, wandte sie sich nach links und betrachtete den vagen Umriss der Elfenstadt. Sie lag noch so da wie am ersten Tag, nachdem die Elfen diese Welt verlassen hatten. Keine Risse in den Straßen und Gebäuden, keine Grashalme in den Fugen. Als wäre es gerade erst einen Augenblick lang her gewesen. Rundherum lag der Waldozean, wie die Elfen den uralten Wald genannt hatten. Er bedeckte einmal den halben Kontinent und in seinem Herzen lagen die wenigen Städte der Elfen. Es war den Menschen geschuldet, dass einige dieser Städte nun seinen Rand markierten.

    Ein Schmerz ergriff sie bei jedem Anblick der Ruinen und so wählte sie den rechten Weg, in die Fluten des Waldozeans. Bis sie sie umfingen, hielt sie den Blick gesenkt. Und auch als sie längst eingetaucht war, hob sie den Blick erst, als die Stadt hinter ihr kaum noch in Sichtweite war. Und Stille. Die Tiere waren nicht verschwunden, dennoch schwiegen sie, als wären fünf Jahre Trauer erst der Anfang aller Buße. Doch warum büßten immer die Unschuldigen? Warum hatte man sie zurückgelassen?

    Einen kurzen Augenblick lang glaubte sie, ein Rascheln hinter sich gehört zu haben, doch als sie herumfuhr strich ihr nur der Wind ihre dunkelblonden Haarsträhnen aus dem Gesicht. Gleichzeitig trug er ein weiteres Stückchen in ihr ab und ein hohles Gefühl der Kälte drohte sich in ihr breit zu machen. Sie machte sofort kehrt und rannte davon, aber es jagte sie, so sehr sie es auch abzuschütteln versuchte.

    Sie wusste nicht wohin sie lief, und weder nahm sie die Welt um sich herum wahr, noch spürte sie die Schritte, die sie tat. Machte sie sie überhaupt, wo sie doch schwebte? Und das so leicht und teilnahmslos durch die Schatten der Bäume, bis sie auf eine Wiese lief und vor einem Abhang Halt machte. Und wieder zu Boden glitt. Das Gras an den nackten Füßen kitzelte, während sie in die Tiefe blickte. Was sich dort viele Fuß unter ihr erstreckte, war wahrhaftig ein Ozean. Er spannte sich weit über den Horizont, von links nach rechts, ohne den Waldrand in Sicht. Vereinzelt waren die Umrisse einer anderen Stadt zu erahnen, die man leicht auch mit einer Ansammlung älterer, größerer Bäume verwechseln konnte. In der leichten Brise der Nacht wogten die Baumkronen gleichmäßig, wie die Wellen einer sanften See.

    Sie hatte diesen Anblick oft gesehen und doch war sie jedes Mal erneut überwältigt von diesem Ausmaß, dass sie auf eine winzige Größe zusammenzuschrumpfen drohte. Mit tränenden Augen fiel sie auf die Knie, den Oberkörper halb über den Abhang ragend. Sie war allein, ganz allein in diesem Ozean. Und ihr Herz fror.

    Wozu noch? Wozu weitermachen? Für wen? Es ist sinnlos. Ich … bin sinnlos.

    Der Klang ihrer Gedanken vergiftete ihren Verstand, machte sie rasend, ließ sie atemlos nach Luft schnappen. Und während ihr der Schmerz heiß und nass die Augen herunter lief, wurde es ihr bewusst.

    Ich schwebe nicht mehr …

    Und da lächelte der Abgrund freundlich.

    Zögerlich erhob sie sich wieder, die Augen weit offen, auf ihn gerichtet. Sie konnte erkennen, wie er langsam seine Arme ausbreitete. Einladend. Und wie ihre Ehrfurcht vor der Tiefe immer weiter schwand, während sie mit den Füßen an der Kante stand. In ihrem Rücken spürte sie die Brise und sie wünschte sich, dass ihr Flügel wuchsen. Die Augen schließend, ließ sie sich nach vorn fallen, vom sanften Wind tragen. Und als da keine Flügel waren, entfuhr ihr nur ein Seufzer. Und der Wind in ihrem Haar.

    Blinzelnd öffnete sie die Augen, sah noch einer Träne nach, die in die Tiefe fiel und die im kalten Mondschein glitzerte. Sie atmete ruhig und tief und dennoch sah sie ungläubig an sich herunter. Zwei Arme schlangen sich eng um ihren Bauch. Plötzlich bemerkte sie auch, wie sich ein Gesicht warm und feucht an ihre Schulter drückte.

    „Bist du das etwa ...?“, flüsterte sie hauchend.

    Eine Bewegung an ihrer Schulter. Ein Nicken.

    Schweigen.

    Es zog sie zurück, ohne Widerstand ließ sie es zu. Zusammen fielen sie in das weiche Gras, nebeneinander. Die Tränen versiegt, drehte sie ihren zerzausten Kopf zu ihm und betrachtete sein verquollenes Gesicht, das die eigenen Tränen wohl noch immer nicht bemerkt hatte. Er starrte sie mit geröteten Augen blinzelnd an, als seien die Pupillen nur Punkte und der Blick aus Nadeln. Langsam und etwas rasselnd holte er Luft.

    „Ich bin zurück … allein.“

    Sie nickte vorsichtig.

    „Dann sind sie also …“

    „Ja … allesamt. In den Dörfern, den Städten … niemand ist mehr hier.“

    Enttäuscht, doch gleichzeitig erleichtert über die Gewissheit, sah sie zum Himmel auf, auf dem sich deutlich die Sterne abzeichneten. In der Ferne ließ sich bereits der Tag erahnen.

    „Ich bin noch eine Weile gewandert, um ganz sicher zu sein … Die Große Steppe ist völlig verdorrt, fast schon eine Wüste. Und die letzten Zeitungen in den Städten berichten, dass der ganze Osten verstrahlt sein soll …“, flüsterte er langsam und zittrig bemüht, sich zu beherrschen.

    Sie wusste, dass er ihr Gesicht durch die Tränen nur schwer erkannte und dass er darauf Frustration erwartete. Zu ihrer eigenen Überraschung aber wog die Verblüffung über seine Rückkehr schwerer, so dass ihr Gesicht von einer irritierten, subtilen Freude erfüllt war. Und letztendlich konnten sie diese Worte nach fünf Jahren der Stille nicht mehr erschüttern.

    „Es tut mir leid … Ich hätte dir so gern mehr als das mitgebracht …“

    „Nein, ist schon gut“, sagte sie kopfschüttelnd. „Das ist schon mehr als ich erwartet hatte.“

    Vorsichtig drehte sie ihren Kopf wieder zu ihm auf die Seite und sah, wie er sich mit der Hand die Tränen vom Gesicht wischte.

    „Natürlich bin ich zurückgekommen. Ich hasse mich dafür, dich so lange warten gelassen zu haben, aber ich wollte nichts unversucht lassen … und ging bis an die Küste.“

    Seine Züge wirkten mit einem Mal ganz ruhig und bitter.

    „Ich hatte schon fast befürchtet, du wärst nicht mehr … Ein Glück, dass ich mich geirrt habe.“

    Ein müdes, schiefes Lächeln deutete sich auf seinem Gesicht an.

    „Wenn auch nur zum Teil. Du wolltest dich also wirklich …“

    Beschämt und auch etwas schuldbewusst wandte sie den Blick von ihm ab und sah dem Horizont hinter dem Abgrund entgegen. Die ersten Sterne verblassten im Licht und der Himmel färbte sich langsam kupfern.

    „Ich dachte, du seist tot. Oder gegangen. So wie alle gegangen sind“, murmelte sie. „So konnte ich einfach nicht mehr …“

    Langsam schüttelte er den Kopf.

    „Es gab keinen Tag, an dem es mich nicht hier her zurück gezogen hat. Vielleicht erinnerst du dich … An dieser Stelle haben wir uns damals verabschiedet.“

    Aufmerksam setzte sie sich etwas auf und blickte sich auf der Wiese um, in die verschwommene Erinnerung vertieft. Es stimmte, hier war es gewesen. In den düsteren Gedanken der Stille war diese Erinnerung irgendwann untergegangen. War sie vielleicht deswegen hier her gegangen, ohne darüber nachzudenken?

    „Ich mag fort gewesen sein, aber mein Geist ist immer hier geblieben. Und als ich dann endlich hier ankam, hat mich der Blick auf den Ozean so gefesselt … da hatte ich die Zeit völlig vergessen. Und dann warst da plötzlich du.“

    Er schaute sie noch immer an, hatte seine Fassung aber wieder zurückerkämpft. Nach einem kurzen Augenblick bemerkte sie seinen Blick und wandte sich ihm wieder zu. Da lag noch immer eine gewisse Taubheit auf ihr, dem Staub der Jahre geschuldet, aus der sie noch nicht völlig erwacht war. Ohne einen einzigen Gedanken zu denken, nahm sie ihn sanft in den Arm.

    Und sagte nichts. In ihrem Rücken erhob sich langsam die gelbe Tageshelle, die Hand in Hand mit der Morgenröte ging. Die Leere war langsam aus ihr gewichen, für den Moment zumindest.

    Du bist wie einer von ihnen, weißt du das? Sie kommen immer zurück, auch wenn man sie am Tage nicht sehen kann. Du warst weg, aber wärst du ein Stern gewesen, du hättest über mich gewacht.

    Wo auch immer du warst, wir haben beide den gleichen Himmel gesehen.

    Von der Umarmung noch mehr verunsichert legte er langsam auch seine Arme um ihren Körper. Die Augenlider fielen ihm müde zu.

    „Es ist schön, zurück zu sein.“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Hey, kalkwiese ,


    "Blauschwarz" ist eine sehr schöne Geschichte, die mich gleichzeitig voller Melancholie und Traurigkeit und einem frohen Lächeln zurücklässt. Mir gefallen die Andeutungen auf eine einst von Elfen bewohnte und nun verlassene und verstrahlte, postapokalyptisch anmutende Welt. Und natürlich deine poetische Sprache.


    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Heyho kalkwiese

    Also für meinen Teil gibt es hier nichts zu meckern, im Gegenteil.

    Die Erzählung hat eine sehr schöne Atmosphäre der Verlassenheit (damit ist nicht Einsamkeit gemeint), die sich von Anfang bis zum Ende spüren läßt.

    Einzig die Erwähnung

    Und die letzten Zeitungen in den Städten berichten, dass der ganze Osten verstrahlt sein soll …“

    hat das kurzzeitig etwas ins Wanken gebracht. Das hätte es nicht gebraucht, finde ich.

    Ansonsten mag ich Deinen Stil hier - er ist sehr "weich". So ein Abschnitt hier:

    Und da lächelte der Abgrund freundlich.

    Zögerlich erhob sie sich wieder, die Augen weit offen, auf ihn gerichtet. Sie konnte erkennen, wie er langsam seine Arme ausbreitete. Einladend. Und wie ihre Ehrfurcht vor der Tiefe immer weiter schwand, während sie mit den Füßen an der Kante stand. In ihrem Rücken spürte sie die Brise und sie wünschte sich, dass ihr Flügel wuchsen. Die Augen schließend, ließ sie sich nach vorn fallen, vom sanften Wind tragen. Und als da keine Flügel waren, entfuhr ihr nur ein Seufzer. Und der Wind in ihrem Haar.

    Das nenne ich mal GANZ großes Kino.:nummer1::nummer1::nummer1:


    Dafür meinen Dank.


    P.S.:

    Das Gras an den nackten Füßen kitzelnd, blinzelte sie in die Tiefe.

    War die einzige Stelle, die Du Dir vielleicht noch mal ansehen solltest. Der Satz macht so keinen Sinn...;)

  • Asni  Der Wanderer

    Oh, danke ihr beiden! Ich hab gar nicht erwartet, dass dieses alte Ding über fünf Jahre später noch konstruktive Rückmeldung bekommen würde. ^^ Die wird gleich umgesetzt, ich gehe mit euren Anmerkungen nämlich mit.

    Das ist nochmal so eine Stelle, wo mir das irgendwie zu kurz und damit dann zu hart rüberkommt :hmm:

    Die Stelle kommt ohne den Satz wahrscheinlich auch ganz gut klar. Stimmt wohl, so langsam und getragen, wie diese Geschichte ist, ist ein Zwei-Wort-Satz, der auf "tot" endet, einfach etwas zu kantig.

    Es mag sein, dass das nur mein vom Dialekt (mis)geprägtes Sprachgefühl ist, aber ich würde das "von" weglassen. "die" --> "sie"? Mir gefällt, wie "strich ihr nur" mich erwarten lässt, dass da eine Person ist. Das ist eine sehr schöne Andeutung und Irreführung auf das, was noch kommt ^^

    Ja, "von hinter" ist wahrscheinlich ein Anglizismus, im Englischen heißt es ja "from behind". Ja, es sollte "sie" sein. s und d liegen auf der Tastatur ja nebeneinander. ^^ Und das mit der Erwartung durch die Satzstellung ist mal ein interessanter Punkt. D: So hab ich noch nicht darüber nachgedacht. Mit sowas eröffnen sich einem auch noch Möglichkeiten. Ein bisschen wie, wenn ein Lied einen eine Wendung erwarten lässt, die aber doch später kommt und dann nochmal anders, als es einem irgendwie nahegelegt wird. :hmm: Sehr interessant.

    Einzig die Erwähnung

    hat das kurzzeitig etwas ins Wanken gebracht. Das hätte es nicht gebraucht, finde ich.

    Ich kann es nicht genau in Worte fasse, aber ich begreife, was du wahrscheinlich meinst. :hmm: Finde ich etwas schwierig. Der Satz kann einem wie ein Fremdkörper vorkommen, weil er so krass auf das Setting eingeht, das ansonsten nicht so explizit erwähnt wird. Zeitungen und Strahlung zu erwähnen, sollte ja nicht so sehr irritieren, wenn vorher schon Fotos und Flugzeuge vorkommen.

    Weiß nicht so recht, ob ich den wirklich störend finde. Im Zweifel lasse sich sowas dann oft stehen, weil es auch mal eine Ecke geben sollte, an der man sich vielleicht stoßen könnte, wenn du verstehst. ^^ Und vielleicht hab ich irgendwann anders noch nen Einfall, wie man das besser oder anders machen könnte.

    War die einzige Stelle, die Du Dir vielleicht noch mal ansehen solltest. Der Satz macht so keinen Sinn...

    Oops! :D Wird erledigt, das darf so nicht stehen bleiben!

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Röschen und der Zauberer


    Als wir das Zirkusgelände betraten, braute es sich bereits zusammen. Über unseren Köpfen tummelten sich Herbstwetterwolken, ein neckischer Wind strich über unsere Nacken und die Sonnenstrahlen zogen sich langsam zurück.

    Ein kühler Schauer durchfuhr mich, ich drückte Wolfs Hand noch fester. Das ganze Jahr hatten wir für den Zirkus gespart, diesen Abend würden wir uns nicht nehmen lassen, sollte es noch so gießen und kübeln. In Wolfs Werkstatt gab es seit der Besatzung einige Schwierigkeiten, weil die Armee immer wieder Güter anforderte, allerdings zu ihren Preisen. Die Geschäfte litten.

    Wenn der Dickkopf mich nur etwas helfen lassen würde. Armer Trottel.

    „Ach, Röschen, schau dir nur all die Darsteller an! Was das für ein Leben sein muss?“

    Natürlich war der Zirkus nicht zum ersten Mal in unserer Stadt und natürlich spazierten wir nicht zum ersten Mal über den Zeltvorplatz. Wolf gab sich alle Mühe, seine Aufregung nicht offen zu zeigen, dennoch konnte ich die Begeisterung in seinen Augen ablesen. Wirklich allerliebst.

    „Ein Bunteres, Wolf. Und Lauteres, ganz sicher“, murmelte ich zu ihm herauf, kurz darauf stolperte ein Dummer August an uns vorbei. „He da! Meine Nase!“, rief er und hatte die Hände nach einem roten Ball ausgestreckt. Die halbe Schminke fehlte ihm, ein Hosenträger war von der Schulter gerutscht und seine Füße stießen den Ball immer wieder fort – es war ein Fest. Neben uns feixten Kinder am Wegesrand über seine tollpatschige Erscheinung, dass mir warm wurde. Ja, Kinder … Kinder zu haben wäre schön.

    Sicher dachte Wolf das Gleiche, er sprach nur nicht darüber.

    „Für zwei Personen“, rief er durch das Fenster am Kartenschalter und die Frau in der Kabine musterte uns ausdruckslos. Dann riss sie Karten von der Rolle und schob sie uns zu.

    „Viel Spaß bei der Vorstellung.“ Sofort wandte sie sich den nächsten Gästen zu.

    Ich wartete, bis wir außer Hörweite waren und murmelte, „Die wirkte vielleicht steif.“

    Wolf brummte zustimmend. „Sie macht hier die undankbarste Arbeit. Der Kartenschalter steht weit ab vom Rampenlicht.“

    „Und was ist mit den Buben, die die Gehege ausmisten?“

    „Wer sagt denn, dass sie das nicht auch macht?“

    Wir lachten kurz, dann bestaunten wir stumm das Zeltinnere:

    Die bunten, weiten Zeltwände, die sich immer wieder im Wind wölbten.

    Die Masten, die mächtig und unnachgiebig im Boden verankert schienen.

    Die Seile, die sich zwischen den hohen Plattformen und Strickleitern spannten.

    Und die Tribüne, auf der sich bereits so viele Menschen tummelten, dass der aufgeregte Lärm echte Gespräche verhinderte.

    Die oberen Reihen waren den Armen vorbehalten und kosteten nur wenige Groschen – dafür war die Aussicht furchtbar. Ich erinnere mich noch lebhaft, wie eine ältere Frau später immer wieder ihre Begleitung anbrüllen würde: „Was passiert denn da, Heinrich? Nimm doch mal Rücksicht, auf deine arme Oma!“

    Niemand, der sich eine Karte auf den unteren Rängen leisten konnte, hätte freiwillig für einen auf den oberen bezahlt.

    Die ersten drei Reihen gehörten Adeligen, Damen und Lebemännern, eben allen, die für die beste Sicht die nötigen Münzen parat hatten. Natürlich war ich neidisch, auf diese Leute. Wie konnte es sein, dass Wolfs und meine harte Arbeit nicht für einen vorderen Platz ausreichte? Es ergab keinen Sinn, und ich wusste, dass mein Ärger nichts daran verändert hätte, darum schwieg ich nur und versuchte zu lächeln.

    So nahmen wir Platz und bald begann die Vorstellung.

    Zuerst kamen die Jongleure. Sie marschierten im Kreis, die Wirbelwinde aus Bällen und Keulen in ihren Händen konnten beinahe die steifen Schritte vertuschen. Mehrfach änderten sie ihre Formation und Wurffiguren, deuteten eine an und taten eine andere, dass mir schwindelig wurde.

    Von da an war ich versunken. Es folgten Wahnsinnige – der Direktor nannte sie „Artisten“ – auf Seilen, andere Wahnsinnige, die Feuer spuckten oder auf ihren Händen hüpften oder Messer auf Ihresgleichen warfen. Die Bewegungen treffsicher, zielgenau, immer exakt, war ich so beeindruckt, dass mir das, was hier faul war, völlig entging.

    Der Dumme August von vorhin betrat die Bühne für eine kurze Vorstellung. Er bat um einen Freiwilligen und neben mir schnellte Wolfs Hand in die Luft. Ich sah zu ihm auf, er teilte meine Begeisterung, aber wollte er sich wirklich von einem Clown vorführen lassen?

    Der Clown wählte jemand anderen – ein Glück! – und ich bin sicher, dass Wolf froh war, doch nicht nass gemacht worden zu sein. Es mag unwichtig erscheinen, aber heute wünschte ich, ich hätte ihn damals gefragt.

    Es folgte der Zauberer. Zwar war es nicht der Höhepunkt der Vorstellung, für mich aber sollte es das Ende sein – dieses Mal wurde Wolf erwählt. Sein freudiges Lächeln ließ mir das Herz aufgehen.

    Zielsicher wurde Wolf auf ein kleines Podest geführt. Über ihm wurde langsam ein Käfig heruntergelassen und er legte seine Hände an die Gitterstäbe. Der Zauberer wies ihn kurz zurecht, Wolf ließ los und stellte sich mittig auf die Plattform. Oh, mein Wolfram.

    „Meine Damen und Herren, liebes Publikum!“, intonierte der Magier hölzern, „Zu Beginn werde ich unseren lieben“, er musterte Wolf mit einem mir undefinierbaren Blick, „Besucher verschwinden lassen. Vor aller Augen! Es wird nichts übrig bleiben, nicht ein Haar. Seht her!“

    Eine Decke fiel. Erst auf den Käfig. Dann auf den Boden. Der Magier riss sie beiseite und vom Käfig fehlte jede Spur.

    Mein Wolf war fort.

    Die Leute stöhnten erstaunt auf, ich jedoch konnte mich nicht vom Zauberer lösen. War das ein Akzent in seiner Stimme? War er Ausländer? Warum bewegte er sich so … ungelenk?

    „Doch fürchtet euch nicht! Der arme Teufel bewegt sich gerade zwar in anderen Sphären, aber es kostet mich bloß …“, er platzierte wieder die Decke, wo er sie entfernt hatte, „… ein Fingerschnippen!“ Und der Stoff wuchs wieder in die Höhe.

    Wahrscheinlich eine Falltür unter dem Käfig, das Erstaunen der anderen Leute wusste ich leider nicht zu teilen, doch mir war längst unwohl, meine Finger schwitzten, Wolf sollte zu mir zurückkommen!

    Die Decke hob sich, mein Schatz war zurück, es regnete Beifall. Blutleer verbeugte sich der Zauberer, ließ seinen Lohn um sich auf den Boden prasseln. Mit einer kurzen Geste wies er Wolf zu gehen an, und bat sofort um einen neuen Freiwilligen. Niemand achtete mehr auf meinen Ehemann, der etwas verkrampft zu mir zurück stakste.

    Je näher er kam, desto eisiger wurde mir. Seine Züge, die Bewegungen – ich sah die Jongleure wieder vor mir, es war als käme der Zauberer selbst auf mich zu.

    „He, Wolf, ist alles in Ordnung mit dir? Du wirkst so blass“, fragte ich ihn leise.

    „Oh, Röschen“, sprach seine Stimme kühl, „Alles ist gut. Leider habe ich nicht viel gesehen.“ Dann setzte er setzte er sich neben mich, als sei das Gespräch beendet.

    Meine stechende Ahnung wollte es nicht dabei belassen, doch die Aufführung nahm keine Rücksicht. Ein neuer Freiwilliger aus den vorderen Rängen stolperte auf die Bühne – ich beobachtete ihn und den Zauberer genau – und legte sich in einen Holzkasten. Mir kam er einem Sarg gleich, die Säge des Zauberers blitze bedrohlich.

    Der Deckel schloss sich, dann wurde der Mann langsam, vor unser aller Augen, zersägt und wieder zusammengeleimt.

    Ich sah zu. Und je weiter der Abend fortschritt, desto mehr ergab alles Sinn –


    Nun liegen wir in unserem Bett. Das Herz schlägt mir bis zur Kehle, mein Atem ist ohrenbetäubend und schwerfällig. Der Heimweg ist unerträglich gewesen und dauerte eine quälende Ewigkeit.

    Doch nun bin ich mir sicher.

    Ich höre seinen Atem nicht. Keinen Herzschlag.

    Mein Ohr an der Matratze aber vernimmt ein fernes Geräusch, ein feines leises Rattern, eine winzige Uhr.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    3 Mal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Lieber kalkwiese

    Deine Geschichte "Röschen und der Zauberer" hat mir gut gefallen. Ich habe allerdings einige Fragen, um die Anderen nicht zu stören, packe ich diese in den Spoiler.


  • [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?


  • Das Mondkäsefondue


    „Was für ein rosiger Morgen!“, streckte sich das klitzekleine Kätzchen und gähnte. Der Sonnenaufgang tauchte den Himmel in Rosa und Orange und das weite Farbenmeer dazwischen. Über der ganzen Weite der Huggeligen Hügel verfing sich das Licht in Grashalmspitzen und Blätterdächern. Verzückt vom Anblick tapste das klitzekleine Kätzchen den Trampelpfad entlang durch den so rosigen Morgen.

    Es dauerte nur marginal müde Minuten, bis es die Katzenklappe erreichte und ins Haus eintrat.

    „Miau!“

    „Oh, guten Morgen kleine Mulle!“, gähnte Dr. Dalia Dunkeldussel am Küchentisch. „Ich hoffe, du hast besser geschlafen als ich.“

    „Guten Morden, Frau Doktor!“ grüßte das klitzekleine Kätzchen und leckte sich das Fell. „Ich habe den ganzen Tag Vögel gejagt. Ich hab gesungen, bin gesprungen, hab mit anderen Kätzchen gerungen, da war ich so müde! Geschlafen hab ich wie ein Stein. Aber Frau Doktor, was hat dich denn wachgehalten?“

    „Oh“, jammerte Dr. Dalia Dunkeldussel, „Ich möchte doch wieder zum Mond fliegen, um Käse für mein weltberühmtes Mondkäsefondue zu ernten. Aber ich habe keinen Treibstoff mehr und es kann keiner geliefert werden, weil die Wirtschaftsriesen gigantische Löcher in die Handelswege getrampelt haben. Schon wieder!“

    „Oh weh!“, klagte das klitzekleine Kätzchen, kuschelte sich an Dr. Dalias Knöchel und ließ sich kraulen. „Können wir nicht selber Treibstoff mixen? Du kannst doch Chemie machen und so!“

    „Das habe ich schon probiert, kleine Miez, aber Raketentreibstoff ist nicht so einfach zu machen. Die Komponenten dafür habe ich nicht zuhause, wir müssten schon …“

    Da wurde die Wissenschaftlerin ganz still und strahlte bald übers ganze mächtig müde Gesicht.

    „Warte kurz“, sagt sie, verschwand geschwind und wie ein flinker Wind kam sie mit dem Legendenlehrenden Lexikon zurück. „… ich habe eine Idee!“

    Eilig schlug sie die Seiten auf und blätterte und schmetterte und blätterte weiter. Währenddessen kletterte das klitzekleine Kätzchen auf den Küchentisch, wohlbedacht, nicht die Kaffeetasse umzuwerfen.

    „Wo ist er denn … Diedrichdrossel … Diels-Alder-Reh-Aktion … Dienstleistungszentaur … hier!“

    Dr. Dalia Dunkeldussels Finger bohrte sich neben dem Bild einer schuppigen Echse ins Papier.

    „Der Dieseldraco“, las die Miez. „Habitat: Die Brüchigen Berge …“ Nun blieb einzig die Frage, wie man der exotischen Echse den Saft abluchsen konnte, ohne zu knusprigem Hähnchen gegart zu werden.

    Dr. Dunkeldussel machte dem klitzekleinen Kätzchen eine winzige Portion Taubenbrust und stellte ein Eierbecherchen mit Sahne daneben. Während des Frühstücks schmiedeten sie ihren Plan.

    „Ist das wirklich eine gute Idee, den Speichel einfach zu klauen, Frau Doktor? Das ist doch nicht nett“, gab das Kätzchen zu bedenken.

    „Aber aber!“, winkte sie ab, „Der Dieseldraco kann mit seinem Speichel sowieso nichts anfangen, also stehlen wir ihn eigentlich gar nicht. Und was sollen wir sonst tun? Einfach fragen und hoffen, dass der Draco nicht ‚nein‘ sagt? Ich will schließlich Mondkäsefondue essen!“

    Das leuchtete ein! Gestärkt gingen sie in die Werkstatt und Dalia Dunkeldussel warf sich, bewaffnet mit ihrem Werkzeugkasten, auf einen Haufen Ersatzteile. „Ich weiß schon genau, was ich dir für einen Apparat baue, ich habe es direkt vor Augen, das wird toll, du wirst staunen, die Teile müsste ich sogar alle dahaben, holst du mir meinen Kaffee?“ Das klitzekleine Kätzchen betrachtete seine pimpfigen Pfötchen, aber Dr. Dalia Dunkeldussel werkelte schon mit eisernem Eifer und hatte den Kaffee längst vergessen.

    Begeistert bastelten sie bis in die blaue Stunde und noch länger. Entwarfen, verwarfen, bauten auf und ab und hin und her. Noch müde von der letzten Nacht sank Dalia schließlich als erste zwischen den Bauteilen zusammen, schnarchte sanft, den schweren Schraubenschlüssel fest in der Hand. Hundemüde – eben noch mausewach – krabbelte das klitzekleine Kätzchen auf ihren Rücken und rollte sich zum Reckenschlaf zusammen, dem rasselnden Rhythmus ihres Schnarchens lauschend.


    Am nächsten Morgen – der nicht rosig, sondern mächtig war, und eigentlich auch kein Morgen, sondern ein Mittag, denn Frau Doktor war wirklich müde gewesen – frühstücken sie Käse mit Kräckern. Beides kam nicht vom Mond, schmeckte nach einer Nacht wie dieser aber galaktisch. Sie packten Dalias Rucksack mit Wasser, Broten, Campingausrüstung, Keksen und dem klitzekleines-kätzchen-bedienerfreundlichen Spuckeklau-Apparat. Auf den Gepäckträger kam in einer Plane eingewickeltes Feuerholz. Das Kätzchen machte es sich in Dalias Brusttasche bequem und noch bevor der der mächtige Morgen, der ein Mittag war, endete, radelten sie mit dem rostroten Rennrad fort von den Huggeligen Hügeln, hin zu den Brüchigen Bergen.

    Die Brüchigen Berge waren schief und spitz und karg und krumm. Raue Felsen ragten riesenhaft in den Himmel. Dalia und das Kätzchen fuhren für einige Stunden einen schmalen Weg entlang. Am Himmel zogen Wolken wie nasse Wolle auf, bald fielen dicke Tropfen. Als die beiden die Höhle erreichten, waren sie nass bis auf die Knochen.

    „Also gut, Mieze, wir werden uns noch erkälten. Am besten beeilen wir uns, verschwinden dann ganz schnell nach Hause und legen uns vor den Kamin.“

    „Aber Frau Doktor, vielleicht ist das alles doch keine so gute Idee …“

    „Wenn man Fondue mit Käse vom Mond essen möchte, dann ist das eine wunderbare Idee!“, protestierte Dr. Dalia Dunkeldussel. „Es kommt nur ganz auf die Hingabe und den Willen an und dann kann man alles schaffen!“ Dalia setzte das Kätzchen auf dem Boden, wo es sich das Fell schüttelte, und wühlte in ihrem Rucksack. „Eine Pause müssen wir aber wohl doch machen … Es war schlau, das Holz einzuwickeln. Ich dachte nicht, dass es so bald regnen würde. So klein wie du bist, kannst du dich schonmal in der Höhle umsehen. Der Dieseldraco wird dich nicht mal bemerken. Ich mache uns ein Feuer, dann trocknen und wärmen wir uns.“

    Dem klitzekleinen Kätzchen war nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Dieseldraco hier irgendwo war und vielleicht gerade sein Abendessen zubereitete. „Bist du sicher, dass wir auch in der richtigen Höhle sind?“, fragte das Kätzchen kläglich.

    „Ganz sicher“, antwortete Dalia, die gerade das Holz vom Gepäckträger nahm. „Ich habe Schatzsucherforen durchforstet und der Weg ist sehr genau beschrieben, viele haben bereits nach dem Goldschatz in der Höhle gesucht. Nur an der Bestie kam bisher noch keiner vorbei. Außer den Forentrollen natürlich.“

    „Wir wollen aber gar nicht den Schatz! Bestimmt können wir einfach mit dem Draco reden!“

    „Ach“, winkte Dalia ab, „die olle Echse ist Eindringlinge gewöhnt und würde uns wahrscheinlich nicht mal zuhören. Könnte ja alles ein fauler Trick sein. Nein, nein. Wenn wir halten uns an den Plan und gut ist.“ Der Holzhaufen war vorbildlich aufgeschichtet, jetzt ging Dalia an die Glut.

    Missmutig und ohne weitere Widerworte tapste das klitzekleine Kätzchen in die Höhle hinein.

    „Der Dieseldraco hält mich wahrscheinlich bloß für eine Ratte“, dachte es und war trotzdem nicht beruhigt. In der Höhle war es dunkel und obwohl sich klitzekleine Kätzchenaugen schnell daran gewöhnten, hüpfte die Mieze von Stein zu Stein, von Versteck zu Versteck, und lugte mit dem klitzekleinen Köpfchen in die Dunkelheit. Bereit, sich wieder Richtung Eingang zu stürzen.

    Die Höhle knackte in der Ferne. Das Kätzchen zuckte zusammen, Pfötchen überm Kopf, und blieb liegen. Als sich nichts tat, raffte es sich wieder auf und tapste leisen Schrittes weiter. Langsam schwoll da ein Grummeln an, Pfötchen um Pfötchen wurde das rotzige Rasseln lauter, bis der Gang sich in einen breiteren Raum aufweitete. Die Flammenechse lag dort mitten drin, der massige Körper mit dem mächtigen Schwanz reichte einmal durch den ganzen Raum. Ein Durchkommen war unmöglich. Trotz seiner Mühen wusste das klitzekleine Kätzchen nicht, ob es leise war oder nicht, denn das sägende Schnarchen ließ alle anderen Geräusche ertrinken.

    Hunderte Hummeln flogen durch des Kätzchens Bläuchlein, die Unruhe war nicht mehr auszuhalten, da nahm es Reißaus und tipptelte wie von tausenden Taranteln terrorisiert davon.

    „Frau Doktor!“, piepste es, als das Feuer ihres Lagers in Sicht kam. Dr. Dalia Dunkeldussel saß vor dem prasselnden Feuerchen und steckte gerade den Spuckeklau-Apparat zusammen.

    „Du kommst wie gerufen, kleine Miez! Ich habe dir gerade etwas Taubenkeule ins Schälchen gelegt.“ Quietschend wurde eine Mutter festgezogen.

    „Ich habe den Dieseldraco gefunden! Es liegt einfach da und schläft!“

    „Der hat auch den langweiligsten Job der Welt. Ist Türsteher in einer Gegend, in der es selten Besuch gibt … Ich habe übrigens ein kleines Handtuch dabei.“

    Ohne Umschweife rubbelte Dalia das Kätzchen so trocken wie möglich. Dann setzte es sich ans Feuer und putzte sich zur Beruhigung gründlich das noch feuchte Fell. Ohne nachzudenken schlang es seine Täubchenkeule herunter und soff Wasser aus einem Eierbecher. Gleich würde es wieder zu dem Ungeheuer in die Tiefe gehen, weder Essen noch Trinken konnten den Gedanken verdrängen.

    Schließlich ließ sich das klitzekleine Kätzchen den hauchdünnen Schlauch mit der Saugspitze umschnallen. Mit einem Klettverschluss konnte er einfach abgelöst werden und ein kleines Gestell erlaubte, ihn zum Absaugen günstig abstellen zu können. Dr. Dunkeldussel hatte sich, beflügelt von der Herausforderung, mit ihrer Ingeneurskunst selbst übertroffen. Der Schlauch war mit einer leisen Pumpe und einem kleinen Tank verbunden, gerade groß genug, um eine Ladung Supertreibstoff für ihre Ein-Frau-Rakete gewinnen zu können.

    Mit mulmigem Magen schlichen sie die Höhle hinab. Das klitzekleine Kätzchen zitterte am ganzen Leib, aber Dalia war entschlossen und ihre Entschlossenheit zerrte das Kätzchen hinter sich her.

    An der Kaverne angekommen positionierte sich Dr. Dunkeldussel am Eingang. Sie hatten Glück, der Draco schlief noch immer und ihm stand halb das mächtige Maul offen. Sie machte das Handzeichen für das Kätzchen, den Schlauch anzubringen. Im Dunkel konnte sie selbst kaum etwas erkennen, das Kätzchen hingegen sah ihre Signale klar und deutlich.

    Das kleine Herz pochte und hämmerte mittlerweile lauter in den kleinen Ohren als das Schnarchen der exotischen Flugechse. Das Kätzchen stolperte fast über seine Pfoten, als es sich ans Maul des Draco anschlich und unter dem Gewicht der Vorrichtung auf seinem Rücken auf die Steine kraxelte, die der Draco als Kissen benutzte. Vorsichtig löste es den Klettverschluss … baute mit seinen Pfötchen das kleine, aber schwere Gestell auf … der Dieseldraco hob und senkte die Brust unverändert … so weit, so gut … das Kätzchen schob vorsichtig den Schlauch voran, Millimeter für Millimeter … die Spitze fuhr sachte in den offenen Mund … die Lippen bewegten sich mit der Atmung … der Schlauch legte sich neben die Zunge. Der Draco schlief. Alles unverändert.

    Das klitzekleine Kätzchen atmete auf. Jetzt noch zurück und Dalia das Signal geben. Erleichtert hopste es die Steine hinunter.

    „Was wird das, wenn’s fertig ist?“ Eine tiefe, tonnenschwere Stimme trampelte durch die ganze Höhle – überall gleichzeitig. Das klitzekleine Kätzchen erstarrte und begriff natürlich, dass es der ganz-und-gar-nicht-schlafende Dieseldraco war, der gerade mit ihm sprach.

    „Du … bist wach geworden?“, piepste es.

    „Wach geworden? Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich während meiner Schicht einfach einschlafe. Das wäre völlig unprofessionell!“ Die Pranke der Türsteherechse senkte sich über dem Kätzchen. Zwischen zwei kruden Krallen hob der Draco es vor sein Gesicht. „Für einen Schatzräuber bist du aber mal ein Winzling. Wo sind deine Komplizen?“

    „K-komplizen? Ich bin kein Räuber!“, jammerte das klitzekleine Kätzchen.

    „Ist das so? Und was sollte dann der Schlauch? Wolltest du mich betäuben? Oder gar vergiften? Jemand mit guten Absichten steckt keinem, ohne zu fragen, einen Schlauch in den Mund. Wenn ich dich hier und jetzt bestrafe …“, der Draco hob das Kätzchen über sein ledriges Echsenmaul, „… dann trifft es sicher keinen Falschen!“

    „Neineinein!“, quiekte es, „Bitte nicht!“

    „Das hättest du dir vorher überlegen sollen, kleiner Dieb! Ich kann dich jetzt nicht einfach laufen lassen, ich habe einen Ruf zu verlieren! Wenn du irgendwem erzählst, dass ich ein netter, angenehmer Geselle wäre, dann rennen mir die Schatzsucher hier die Bude ein.“ Die Echse öffnete das Maul weiter, als es möglich sein sollte, Dalia kam mit einem schweren Schraubenschlüssel in die Kaverne gestürmt und das klitzekleine Kätzchen schrie: „Wir wollten doch nur Mondkäsefondue kochen!“

    Da hielt der Dieseldraco plötzlich inne und schloss langsam seinen Schlund.

    „Mond…käse? Du meinst doch wohl nicht etwa … Dr. Dalia Dunkeldussels weltberühmtes Mondkäsefondue?! Achwas, du nimmst mich doch auf den Arm!“

    „Nein, gar nicht! Wir haben keinen Treibstoff und deine Spucke ist –“

    „Ach, so ist das!“

    Dalia erstarrte irritiert und ließ ihren stumpfen Gegenstand sinken. Der lange Schwanz der Echse war zum Zuschlagen bereit. Da ließ der Dieseldraco das klitzekleine Kätzchen auf den Boden sinken.

    „Ich sag euch was“, sprach der Draco gelassen, „Ich helfe euch. Aber dafür bekocht ihr mich.“

    „D-das wäre eine gigantische Portion und das nur für dich!“, protestierte Dalia.

    „Na aber!“, hielt die Echse dagegen, „Das ist doch das mindeste dafür, dass ihr mir so dummdreist die Spucke absaugen wolltet!"

    „A-aber …“, meldete sich das klitzekleine Kätzchen, „… was ist mit deinem Ruf? Musst du nicht den bösen Wächter spielen?“

    Der Dieseldraco lachte nur: „Aber doch nicht um jeden Preis!“

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Der Plan oder Wenn das Schicksal zurückschlachtet


    „Knarren“, zischte ich leise und rückte seinen Gürtel zurecht.

    „Geladen und versteckt.“

    „Gut. Messer.“

    „Gürtel und Socken.“ Er lachte und fügte hinzu: „Als ob ich die brauchen würde.“

    „Nur für den Fall. Wir wollen das Gold aus dem Tresor und du gehst da alleine rein!“

    „He! Die Streitaxt sitzt, wie sie muss. Sonst bist du doch auch nicht so fürsorglich.

    „Ich will nicht, dass irgendwas schiefgeht“, schüttelte ich den Kopf, „Halt mich bloß nicht für weich. Nein, pass besser auf, dass du nicht der bist, der weich wird. Versagen können wir uns heute nicht leisten.“

    „Eigentlich brauchen wir doch gar nicht mehr Kohle, oder? Wir könnten auf der Stelle umdrehen und in den Norden verduften, meine Bartschnecke.“ Seine Stimme wurde sofort samtig und anschmiegsam. Er wusste, wie er mich mit Worten berühren musste.

    Leise lachte ich und strich ihm über den Mantel.

    „Die Bank ist nicht schwer hochzunehmen. Sieh es als Taschengeld für unterwegs, ja? Aber wenn du nachlässig wirst, wird sich das rächen. Wie bei der Sache mit dem Schnapsladen.“

    Er nickte. Niemals würde einer von uns die Sache mit dem Schnapsladen vergessen – die Sauerei verfolgte uns noch immer. Die Scherben, der desinfektiöse Geruch, die Kotze … Seither machten wir gleich drei Bögen um diese Orte und verlangten voneinander vollste Konzentration.

    „Außerdem treten wir diesen Menschen nochmal in den Arsch bevor wir uns verziehen. Du weißt ja, wie befriedigend ich das finde …“ Ich brummte und strich ihm mit meinem Finger über die Brust.

    „Soll ich ein paar von ihnen umlegen?“, fragte er mit etwas Hauch in der Stimme.

    „Oh, nicht mehr als nötig!“, lachte ich, „Du kannst nicht einfach das Pulver rausholen, um nachzuladen. Aber wenn sie sich querstellen, dann zeig ihnen, was sie davon haben. Sei effektiv! Spielen können wir später …“

    Ich zog ihn an mich und wir küssten uns leidenschaftlich. Das hier würde ich vermissen, doch es war Zeit. Man muss aufhören, das Schicksal auszuschlachten, bevor es zurückschlachtet – altes Trollsprichwort. Von den hässlichen Fratzen konnte man einiges lernen.

    Dann lösten wir uns voneinander. Er nahm seine Maske, ich gab ihm noch einen Klaps auf den Hintern. „Denk an das Signal. Zwei Schüsse, kurz hintereinander, und ich rolle vor.“ Eine kleine Geste gab mir Antwort, kurz drauf war er aus unserer Gasse verschwunden. Der Eingang lag auf der anderen Gebäudeseite.

    Auf der Straße warteten die Ponys mit dem Fluchtkarren und ließen ihre Äpfel fallen.


    Seufzend zog ich mir eine Zigarette aus dem Büstenhalter. Die Zündhölzer holte ich aus meiner Manteltasche – ich hatte bereits Sorge, ich könnte sie vergessen haben – und entflammte den Glimmstängel.

    Ein.

    Aus.

    Der Rauch wusste die Leere in mir nicht zu füllen.

    Ich versuchte es erneut.

    Ein.

    Und aus.

    Nichts.

    Wie lange es wohl dauern würde, bis er am Schalter dran war? Um diese Zeit sollte es noch Warteschlangen geben. Genug kurzbärtige Langbeine waren noch unterwegs, aber vielleicht hatte ich Pech. Ja, Pech … Der Himmel war dicht und grau, aber hell. Nichts deutete auf Regen hin, das Wetter war ideal. Mein Blick wandte sich wieder in die Richtung, in die mein Geliebter verschwunden war.

    Glücklicherweise hatte er nicht noch auf das Stroh neben mir gepisst. Solche Kleinigkeiten hatte ich vergessen zu berücksichtigen. Oder nicht ‚vergessen‘, eher offen gelassen … Sollte doch das Wetter entscheiden!

    Dann hörte man die ersten, von der hölzernen Häuserwand gedämpften, Schreie.

    „SO, LEUTE! Jetzt legt euch alle flach auf den Boden! Wie ihr seht, bin ich genau auf Höhe eurer Eier, wer nur EINEN Mucks macht, wird für den kurzen Rest seines Lebens nur noch Blut scheißen!“

    Nun wurde es auch für mich Zeit.

    Ob er bereits Verdacht schöpfte?

    Seine Leberflecken und die Narbe an der Wange waren auffällig. Ich hingegen wurde schnell eins mit der Menge, und unter anderem Namen würde niemand mich finden. Schon nach unseren ersten Überfällen konnte er das Versteck kaum noch verlassen, was äußerst lästig war. Warum hatte ich ihn nicht schon damals abgeschüttelt? Er war Ballast. Nützlich aber Ballast. Sollte ich den ewig mit mir rumschleppen? Ich musste es tun.

    Wieder seufze ich. Die Ponys schnaubten und köttelten ihre Riesenköttel.

    Ich würde ihm nicht mal in die Augen sehen, warum fiel es mir nun so schwer? Sicher gab es bessere Methoden, ihn loszuwerden, aber nach all der Zeit sollte er zumindest eine Chance haben. Mein Hals wurde enger und enger, der Schmerz würde mir noch den Kopf absäbeln. Ich schaute weg.

    Dann warf ich die Zigarette ins Stroh.

    Erst knisterte das trockene Gras.

    Dann prasselten schon die Holzkisten, unter denen der Brandbeschleuniger lagerte.

    Und als die Zigarette alles, was mir etwas bedeutete, mit sich in die Flammen zog, stürmten die Ponys bereits Richtung Stadttor.

    Das Wetter hatte eine scheiß Entscheidung getroffen.

    Verdammt! Warum fielen keine Schüsse?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Heyho kalkwiese


    Hat mir gefallen.

    Aber ganz ehrlich: Ohne die Erläuterungen im Spoiler wäre ich wahrscheinlich nicht vor der Rente darauf gekommen, daß es hier um Zwerge gehen würde. Dafür waren einfach zu wenige Hinweise drin.

    Und der Bezug auf die Vorgabe ("Warum liegt denn hier Stroh?") war auch eher marginal vertreten.


    Apropos "Warum liegt hier Stroh rum": Ich weiß ja nicht, wer diese Vorgabe gemacht hat...ist auch wurscht, aber hier habe ich einen kleinen Link, in dem das mal aus erster Hand erklärt wird (Viggo Mortensen hat das Interview geführt:D. Viel Vergnügen!


    Warum Stroh - Nil Molitor antwortet