Schreibwettbewerb Ende 2022

Es gibt 3 Antworten in diesem Thema, welches 348 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Chaos Rising.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zusammen,


    wenigstens geht der neue Wettbewerb schnell los :D

    Nachdem Moog ihre Zelte im Forum ja ... öhm ... niedergebrannt hat, kommt das neue Thema von Sensenbach alleine :D


    Es lautet:

    "Das Drachenei"


    Sensi hat eine Ausgabe der Forenanthologie

    "Fantastisches Blattwerk"
    als zusätzlichen Preis gesponsort also erwarte ich reichlich Einsendungen!


    viel Spaß :D

    Einsendeschluss : 20. November 2022

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Ende 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr könnt per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png



    LG Chaos

    • Offizieller Beitrag

    Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 9

    1. Dracheneier (9) 100%
    2. Gerechter Lohn für ehrliche Mühen (0) 0%

    Umfrage endet am 25. Dezember 2022, 23:59

    Das Jahr geht also mit zwei Geschichten zuende :D

    So sei es.

    • Offizieller Beitrag

    Dracheneier


    Der Eingang der Höhle wirkte, als hätte er seinem Bewohner nur widerwillig gedient. Die steinernen Wände waren an vielen Stellen von handbreiten Furchen und Rissen durchzogen, herausgebrochene Felsvorsprünge waren wie lästige Kiesel in den Boden gestampft worden und der junge Held konnte seine Furcht nur schwer im Zaum halten. Allein die Vorstellung, wie gigantisch die Zähne und Klauen sein mochten, welche –

    Hübsch hier.

    Die vertraute Stimme in seinem Kopf schien eine gänzlich andere Sichtweise zu haben.

    Das intelligente, magische Schwert an seiner Hüfte, mit welchem er erst vor wenigen Zehntagen schmerzliche Bekanntschaft gemacht hatte, war im gleichen Maße hilf- und lehrreich wie auch lebensgefährlich. Für gewöhnlich stellte sich erst in heiklen Situationen heraus, welcher Aspekt derzeit überwog und der junge Held hatte sich daran gewöhnt, hastig erteilte Anweisungen des Schwertes sofort und widerspruchslos umzusetzen.

    „Und du meinst wirklich, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin?“, fragte er erneut lautlos und schaffte es nicht einmal, das Zittern aus seinen Gedanken zu verbannen.

    Keine Sorge. Mach den Kopf leer, riet das magische Schwert mit fürsorglicher Stimme. Tu einfach, was ich sage.

    Der junge Held musste zugeben, dass diese Strategie ihn bisher stets am Leben erhalten hatte, obwohl die Aufträge der letzten Zehntage seine eigenen Fähigkeiten teils bei Weitem überstiegen hatten. Ebenso war seine Anwesenheit in dieser Drachenhöhle zustande gekommen. Seine Gedanken reisten einige Tage zurück.

    „Er bringe mir die Eier des Thix… Thilax… Thiaxil…“, hatte Fürst Eugen Theribor stotternd versucht einen Auftrag zu erteilen, doch keiner seiner prächtig behangenen Berater hatte Interesse daran gezeigt, den Fürsten aus seinem Silbenmartyrium zu erretten.

    Ich kenne den Namen Thilixantrodyon, war ein leises Grübeln in seinen Gedanken aufgetaucht…

    „Thilixantrodyon, mein Fürst?“, hatte der junge Held sofort die Chance ergriffen, diese hochwohlgeborene Peinlichkeit zu beenden.

    „Natürlich! Was erdreistet Ihr Euch, meine Worte dumm zu wiederholen?“, war dieser sofort aus der Haut gefahren.

    „Sollen wir nicht lieber gehen?“, hatte er mental mit seinem Schwert kommuniziert.

    Kommt gar nicht in Frage. Ich hab seit Äonen keinen Drachen mehr besiegt.

    „Bringt mir die Eier des Drachen! Nun geht mir aus den Augen!“

    Jetzt hör auf, darüber nachzudenken und konzentrier dich!, holte ihn die Stimme in die Gegenwart zurück. Ich habe keine Lust, jahrhundertelang von einem Drachenwanst platt gedrückt zu werden.

    „Musst du dich ständig in meinem Kopf breit machen?“, ärgerte sich der junge Held.

    Hey, ich wohne hier.

    „Aber doch nicht – “, setzte er an, aber schlagartig weitete sich der Durchgang zu einer immensen Höhle, sodass er ehrfürchtig verstummte.

    Da der nur trübes Licht abstrahlende Ring an seinem Finger kaum zehn Fuß vor ihm erhellte, war bislang nichts in Sicht gekommen, was ihm begründete Ehrfurcht hätte abringen können, doch allein die Vorstellung des im Dunklen lauernden Ungetüms ließ den jungen Helden erbeben.

    Merkst du irgendwas?, fragte das Schwert ungerührt.

    „Was meinst du?“, entgegnete er verwirrt. Er lauschte angestrengt, spähte in die undurchdringliche Dunkelheit, seine Nerven zum Zerreißen angespannt.

    Und dann fiel es ihm auf.

    Nichts.

    „Ist er vielleicht auf der Jagd?“, mutmaßte er lautlos.

    Diese Viecher jagen meines Wissens nur alle paar Jahre, selbst die Gefräßigeren nur alle paar Monate, gab die Stimme zu bedenken.

    Mit schier unendlicher Vorsicht wagte sich der junge Held weiter in die Stille hinein. Beinahe hätte er aufgeschrien, als etwas am Rand der Lichtsphäre auftauchte. Minutenlang verharrte er in Schreckensstarre.

    Wenn er dich bemerkt hätte, wärst du längst verdaut.

    Diese unerfreuliche, wenngleich zutreffende Bemerkung seiner Waffe befreite ihn aus seiner Paralyse und er schlich lautlos vorwärts. Voller Unbehagen musste er feststellen, dass die Luft mit jedem Schritt wärmer wurde.

    „Das könnte sein Hinterlauf sein“, dachte der junge Held angsterfüllt, da der Lichtschein nicht einmal genügte, den Bauch des Drachen zu beleuchten.

    Halt! Schau ihn dir genau an!, rief die Stimme plötzlich beunruhigt.

    Von der heftigen Reaktion seiner magischen Waffe wie gelähmt, blieb ihm nichts anderes übrig. Quälend langsam verstrich die Zeit und er rechnete in jedem Augenblick mit einem aus der Dunkelheit zuschnappenden mächtigen Maul oder einem sengenden Feuerstrahl, welcher ihn in glimmende Asche verwandelte.

    Das ist sooo ungerecht!, klagte die Stimme unverhofft.

    „Was denn?“, dachte er irritiert.

    Jetzt beweg dich schon, seufzte das Schwert missmutig, ich gehe mal wieder leer aus… und du vermutlich auch.

    Vollends verwirrt war der verängstigte junge Held gezwungen, auf weitere Erklärungen zu warten.

    Ist dir nicht aufgefallen, dass sich der Fleischberg nicht im Mindesten bewegt und keinerlei Geräusch von sich gibt?, belehrte es ihn ungeduldig.

    „Oh!“, entfuhr es ihm und er zuckte zusammen als er seine Stimme durch die gigantische Höhle hallen hörte.

    Na los! Wir haben die Spielverderber wohl knapp verpasst und wenn du mal wieder Glück hast, haben sie nur das Gold mitgenommen.

    Etwas weniger vorsichtig umrundete der junge Held den auf der Seite liegenden, frischen Drachenkadaver, musste jedoch feststellen, dass nirgends auch nur ein einziges Drachenei zu finden war. Ehrfürchtig glitt sein Blick die Umrisse des stachelbewehrten Drachenschwanzes entlang, welcher wie zum tödlichen Schlag erhoben dalag. Viele Schuppen waren gesplittert, das rote, von Waffen aller Art malträtierte Fleisch an vielen Stellen freigelegt.

    Das ist ja gar kein Weibchen!, rief die Stimme überrascht.

    Auch dem jungen Helden fiel plötzlich auf, wo er da gerade hinsah und er wandte den Blick ab. In seinem Kopf jedoch regte sich ein Optimismus, welcher nicht der seine war.

    Hey, wir sollen doch Dracheneier mitbringen.

    „Ja? Und was…? DAS IST NICHT DEIN ERNST!“

    Jetzt mach schon. Du bist jung und brauchst das Geld!

    • Offizieller Beitrag

    Gerechter Lohn für ehrliche Mühen


    Ah, das Drachenei!

    Ich öffnete das Paket auf meinem Küchentisch und hob das Ei sachte aus dem Styropor. Welch eine Schönheit! Diese dunkelgrüne Maserung: die reinste Landkarte voller Flüsse und Wälder. Das Letzte seiner Art ... Und es war all die Opfer, all das Geld und die Entbehrungen wert.

    Dann klingelte es an der Tür – ein penetrantes, schepperndes Sirren, das ich noch nie wirklich leiden konnte. Misstrauisch legte ich meinen Schatz wieder in das rieselige Meer aus Schaumstofffetzen, zog alle Vorhänge zu und drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage: „Wer ist da?“

    „Paket für Sie.“

    Die Post war schon da gewesen ... vor nicht einmal zehn Minuten. Diese Raritätenjäger wurden auch immer schludriger, machten sich nicht einmal die Mühe, irgendeinen Akzent der unterbezahlten Paketboten vorzutäuschen. Ich wollte dieser Flitzpiepe gerade sagen, dass sie verschwinden soll, als zwei Schüsse fielen.

    „Wir wissen, dass Sie da drin sind. Öffnen Sie die Tür!“ Eine neue Stimme, diesmal seine Frau.

    Wenn sie den Typen davor schon erschießen musste, warum dann ausgerechnet vor meinem Plattenbau?

    „Hören Sie mich? Öffnen Sie sofort, sonst werden wir unangenehm!“

    Ältester Trick der Welt, in der Mehrzahl zu sprechen, um sich bedrohlicher zu geben. Ich tat das einzig Angebrachte und ging wieder in die Küche zu meinem wunderschönen Drachenei. Ob ich es polieren sollte? Das käme auf Social Media sicher richtig gut! Pff, „unangenehm“, ja klar, sollte die nur reden.

    Im Treppenhaus knallte es mächtig. Dann kam eine kleine Kaskade aus eiligen Schritten die Treppe hinaufgepoltert. Na gut, die Frau machte wohl doch ernst. Ich ging an meine Kommode und wühlte noch in der obersten Schublade, als sie bereits den Schließzylinder meiner Tür knackten.

    Als die Tür aufflog war ich bereit. Gut, für die erste Person hätte es auch eine Ladung Schrot getan, aber ich wollte eben auf Nummer sicher gehen. Die zweite Person ging im Hagel der dritten Patrone zu Boden. Schlimm sahen sie danach aus, man konnte sie nicht mehr richtig identifizieren, aber ich nehme mal an, dass die Frau von der Gegensprechanlage die dritte Person gewesen ist – die, deren Schritte ich gerade den Flur zum Treppenhaus entlang hallen hörte. Zumindest war ihre schulterlange Frisur ein Indiz. Na ja, mit der Flinte kam ich da natürlich nicht weit, aber zum Glück hatte ich meinen Revolver hinten im Hosenbund. Schlechte Angewohnheit, ich weiß. Dafür lag die Olle nach zwei Schüssen.

    Na?

    War jetzt endlich Ruhe?

    Leider nein. Als ich, über die beiden ausblutenden Leichen steigend, wieder meine Wohnung betrat, klingelte mein Handy. Mama. Ich atmete tief durch.

    „Ja, Mama?“

    „Junge, es ist furchtbar! Du musst sofort vorbeikommen!“

    „Ruhig, ruhig. Was ist denn los?“

    „Das Telefon ist kaputt!“

    „Aber – du rufst mich gerade an, Mama. Es funktioniert doch.“ Mich beschlich so ein Verdacht ...

    „Aber nicht mehr lange! Der Akku geht leer, da steht: vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig ...“

    „Das sind die Sekunden, die zeigen die Gesprächsdauer.“ Vielleicht knurrte sich langsam etwas Zorn in meine Stimme, ich gebe es zu.

    „Gleich ist es kaputt! Tommi, du musst schnell herkommen!“

    „Nein, verdammte Scheiße! Das Telefon ist in Ordnung, du hörst jetzt sofort auf zu jammern und reißt dich zusammen oder du kommst ins Heim!“

    Ohne eine Antwort abzuwarten, legte ich auf.

    Und das war wohl, was mir an diesem Tag am meisten leidtat: dass ich Mama angebrüllt hatte. Die Alte war vielleicht anstrengend, aber wenn ich es mit der Hüfte hätte und langsam dement würde, na ja, vielleicht wäre ich da auch wie ein großes Baby ... Ich nahm mir vor, sie später doch noch zu besuchen.

    Aber so konnte ich nicht einmal meinen Schatz wirklich genießen – das letzte Ei des letzten Drachen, in seiner atemberaubend gemaserten, dunkelgrünen Schale.

    Trotzdem: Es schmeckte köstlich.