Schreiben mit Künstlicher Intelligenz

Es gibt 188 Antworten in diesem Thema, welches 10.716 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Februar 2024 um 01:38) ist von Gaius.

  • Einen existierenden Text weiterzuspinnen und zu fuellen ist das Aequivalent von eine existierende Skizze auszumalen - und das ist - anders als eine Leinwand zu kaufen oder Papier herzustellen - schon Copyright-rechtlich relevant.

    Das kommt ja darauf an, wie weit das Weiterspinnen und Ausfüllen der Lücken geht. Das kann ja auch so weit reichen, dass man den Ursprung am Ende gar nicht mehr erkennt. Eine Skizze kann man ja auch wieder ausradieren oder zur Not mit weißer Farbe übermalen. Ich bin aber der Meinung, dass der Anteil der KI an einer Geschichte eben gar nicht erst das Ausmaß einer Malbuchvorlage erreichen muss, die man dann mühsam retuschieren muss, sondern von vorneherein nur den Hintergrund bilden kann, der am Ende gar nicht mehr sichtbar ist.

    Hier in der Diskussion gibt es irgendwie auch zwei sehr widersprüchliche Ansichten. Einerseits soll eine KI eine Handlung höchstens ganz rudimentär entwerfen können, von der dann auch noch kaum was wirklich zu gebrauchen ist. Dann müsste der menschliche Autor aber ja ohnehin weiter 99 Prozent selbst machen. Selbst wenn die KI im anderen Extremfall aber einen 300-seitigen Roman ausspucken könnte, könnte man den ja trotzdem überarbeiten wie jeden anderen Text auch.

    Letztlich wird man ja auch keine Motive oder Ideen finden, die es nicht schonmal irgendwo gegeben hat. Ob man selber die findet und neu kombiniert oder eine KI eine Grundidee entwickeln lässt, macht für mich da keinen so großen Unterschied. Irgendwer meinte ja auch, dass die KI ohnehin nichts ausspucken kann, was man ihr nicht vorher eingegeben hat.

  • Letztlich wird man ja auch keine Motive oder Ideen finden, die es nicht schonmal irgendwo gegeben hat. Ob man selber die findet und neu kombiniert oder eine KI eine Grundidee entwickeln lässt, macht für mich da keinen so großen Unterschied.

    Das ist nicht der Punkt den ich gerne rausarbeiten wuerde.

    Der Punkt ist - Inspiration durch etwas 'ganz anderes' ist urheberrechtlich praktisch immer auf der selben Seite. Wenn mich ein Gemaelde zu einer Geschichte inspiriert, dann ist das rechtlich (und moralisch) meine Geschichte.

    Inspiration durch 'das Gleiche' wird urheberrechtlich relevant und man muss anfangen vorsichtiger zu werden. Wenn mich ein starker Satz oder ein Thema zu einer ganz anderen Geschichte inspiriert ist das praktisch immer okay.

    Wenn ich mit einem existierenden Text anfange und den umarbeite ist es in der Regel nicht mehr okay - es wird dann schnell eine andere Literaturgattung - eine Adaption oder eine Montage (und muss als solche kenntlich sein). Wer sich nicht erinnern kann, kann die Plagiats-Kontroverse um Axolotl Roadkill nachlesen - man kann nicht einfach mit einem Text anfangen, umschreiben anfangen und einen eigenen bekommen.

    Also - wenn man am Ende 99% umarbeitet und neu macht dann wird das auch wieder anders zu bewerten sein - aber wenn es nur 80% sind? Wir schnell schwierig, sowas.

    Ich wuerde niemandem empfehlen in so eine Grauzone reinzugehen indem er mit einem existierenden Text von jemand anderem anfaengt.

    Hier in der Diskussion gibt es irgendwie auch zwei sehr widersprüchliche Ansichten.

    Das liegt daran dass wir sowohl eine real existierende KI diskutieren als auch was eine hypothetische zukuenftige fuer gesellschaftliche Folgen haben koennte.

  • Wenn ich mit einem existierenden Text anfange und den umarbeite ist es in der Regel nicht mehr okay - es wird dann schnell eine andere Literaturgattung - eine Adaption oder eine Montage (und muss als solche kenntlich sein). Wer sich nicht erinnern kann, kann die Plagiats-Kontroverse um Axolotl Roadkill nachlesen - man kann nicht einfach mit einem Text anfangen, umschreiben anfangen und einen eigenen bekommen.

    Nach dem, was ich in dem verlinkten Wikipediaartikel gelesen habe, sind in dem Fall ganze Passagen 1:1 übernommen worden. Das ist natürlich kein Inspirierenlassen mehr. Ich sage ja gerade, dass die eigene Leistung über eine reine Bearbeitung einer Vorlage weit hinausgehen sollte. Schnell und einfach kommt man ja in den seltensten Fällen zu einem vernünftigen Ergebnis. Dann ist meiner Meinung nach aber eine explizite Aufführung aller Inspirationen weder nötig, noch überhaupt möglich.

  • Ein paar gesammelte Beobachtungen und Schlagzeilen...

    Image generators have raised serious ethical concerns around artistic ownership and copyright, with evidence that some AI programs have being trained on millions of online images without permission or payment, leading to class action lawsuits.

    Yep - sie sind Copyright-Entfernungs-Maschinen.

    A reviewer rejected my paper, and instead suggested me to familiarize myself with the following readings. I could not find them anywhere. After a control in GPT-2, my fears where confirmed. Those sources where 99% fake...generated by AI.

    Yep - sie erfinden Dinge wenn der probabilistische Rahmen das nahelegt.


    GPT-4, the latest iteration of the AI behind the chatbot, can also provide recipe suggestions based on a photograph of the contents of your fridge. I tried this with several images from the Fridge Detective subreddit, but not once did it return any recipe suggestions containing ingredients that were actually in the fridge pictures.


    Yep- sie erfinden Dinge wenn der probablistische Rahmen das nahelegt.

    Is five times two greater than nine?

    ChatGPT: No, five times two is equal to ten, which is not greater than nine. Therefore, the statement "five times two is greater than nine" is false.

    Yep - Rechnen ist noch ein bisschen kompliziert fuer die Tools :evilgrin:

  • Verlage schwimmen ja eigentlich nicht unbedingt im Geld. Vielleicht könnten KI-generierte Texte, die auf den Publikumsgeschmack zugeschnitten sind, eines Tages auch dazu dienen, die nischigeren Werke menschlicher Autoren quer zu subventionieren.

    Es wäre nicht überraschend und durchaus vorstellbar, wenn schon z.B. Groschenromane vom "Fließband laufen".

    The AI Revolution Has Already Reached the Studios’ Gates & Disney’s Bob Iger May Be the Only CEO Who Can Stop It

    Zitat von Above the Line

    For weeks, multiple studios and streamers have been planning to use AI to generate scripts based on books and other IP that is in the public domain, with lists of titles making the rounds among development executives, multiple insiders have told Above the Line.

    I’m reliably told that nearly every studio has already explored this possibility, and that should those plans come to fruition over the weeks — and likely months — to come, the studios plan to hire writers to rewrite those scripts once the Writers Strike is over. That is, of course, a major sticking point in these negotiations, as the WGA is insistent that AI not be used to create any literary material whatsoever.

    In case you haven’t been paying attention to headlines the last few days, AI has seemingly become the defining issue of this strike, as the very profession of film and television writing is at stake, as is the future of the guild itself.

    While I’m firmly on the writers’ side here and believe that AI will never be capable of writing a truly great movie like The Social Network, or even a very good one, it can aid a writer, and also provide a framework that the writer can tweak and put their own stamp of humanity on, thereby speeding up the development process and saving the studio some shekels since it won’t have to pay writers to start from scratch — which is precisely why the guild is pushing back.

    So oder so, ist es keine Zukunftsmusik mehr.

  • AI machines aren't hallucinating - their makers are

    But first, it’s helpful to think about the purpose the utopian hallucinations about AI are serving. What work are these benevolent stories doing in the culture as we encounter these strange new tools? Here is one hypothesis: they are the powerful and enticing cover stories for what may turn out to be the largest and most consequential theft in human history. Because what we are witnessing is the wealthiest companies in history (Microsoft, Apple, Google, Meta, Amazon …) unilaterally seizing the sum total of human knowledge that exists in digital, scrapable form and walling it off inside propriety products, many of which will take direct aim at the humans whose lifetime of labor trained the machines without giving permission or consent.

    (Was wir hier zu sehen bekommen ist, dass die reichsten Unternehmen in der Geschichte der Menschheit sich die Gesamtheit des menschlichen Wissens das in digitalisierbarer Form existiert einseitig aneignen und kommerzielle Produkte daraus machen die direkt mit den Menschen konkurrieren deren Arbeit zum Training der Maschinen verwendet wurde - ohne um Erlaubnis oder Einwilligung dieser Menschen zu fragen.)

  • Was wir hier zu sehen bekommen ist, dass die reichsten Unternehmen in der Geschichte der Menschheit sich die Gesamtheit des menschlichen Wissens das in digitalisierbarer Form existiert einseitig aneignen und kommerzielle Produkte daraus machen die direkt mit den Menschen konkurrieren deren Arbeit zum Training der Maschinen verwendet wurde - ohne um Erlaubnis oder Einwilligung dieser Menschen zu fragen.

    Das ist natürlich eine Tendenz, die ohnehin schon besteht. Mediengroßkonzerne haben auch jetzt schon die Möglichkeit, ihr intellektuelles Eigentum bis in alle Zeit zu schützen, während sie sich relativ straflos bei den Ideen von Privatpersonen bedienen können. Ich kenne da die Situation bei Star Trek etwas besser, denke aber, dass andere Unternehmen das ähnlich handhaben. Da werden Fanproduktionen relativ aggressiv unterbunden, während man deutliche Parallelen einer der aktuellen Serien zu einem Independent-Videospiel einfach unter den Tisch hat fallen lassen.

    Ich wundere mich, dass da keine Kartellbehörden oder igendwas anderes in der Art eingreifen. Auch Unternehmen wie Facebook, bei denen große Teile der Menschheit Kunden sind, dürften in dieser Form ja eigentlich gar nicht bestehen. Weil sie nur bestehen, weil da praktisch jeder Mitglied ist, kommt eine Zerschlagung da natürlich nicht infrage. Aber eigentlich müsste so ein Unternehmen verstaatlicht werden, wenn es zum Teil der öffentlichen Infrastruktur wird. Da ist dann nur die Frage, welcher Staat da zuständig ist, weil es ja keine Weltregierung gibt.

  • Das ist natürlich eine Tendenz, die ohnehin schon besteht. Mediengroßkonzerne haben auch jetzt schon die Möglichkeit, ihr intellektuelles Eigentum bis in alle Zeit zu schützen, während sie sich relativ straflos bei den Ideen von Privatpersonen bedienen können.

    Das macht's natuerlich nicht besser.

    Moralisch ist stehlen immer falsch, aber es ist irgendwie noch ein Unterschied ob ich eine Packung Zigaretten mitgehen lasse oder nachts mit dem 40-Tonner vorfahre und das ganze Sortiment ausraeume...

  • Aber mal nur zwei Fragen, die man sich stellen sollte, im Bezug auf die Frage "Werden in Zukunft Bücher von KIs generiert und normal im Laden verkauft."

    a) Wie hoch ist denn der potenzielle Gewinn, sollte man KI-Texte als Buch verkaufen? Eigentlich nur das Autorenhonorar, was man sich einspart. Also etwa 7%-8%.

    b) Kann ein Großverlag solche Technik kostenlos verwenden? Nein, man müsste Lizenzen erwerben. Wie hoch werden die sein? Ziemlich sicher nahe beim Autorenhonorar.

    Und jetzt mal alle Risiken ignorieren, bezüglich Image-Probleme, sollte herauskommen, das man den Leser für dumm verkauft.


    Ich wundere mich, dass da keine Kartellbehörden oder igendwas anderes in der Art eingreifen. Auch Unternehmen wie Facebook, bei denen große Teile der Menschheit Kunden sind, dürften in dieser Form ja eigentlich gar nicht bestehen. Weil sie nur bestehen, weil da praktisch jeder Mitglied ist, kommt eine Zerschlagung da natürlich nicht infrage.

    Die großen US-Konzerne wie Facebook, Amazon oder Google haben allesamt profitable Staatsaufträge von US-Regierungen am laufen. Daher hält die US-Regierung die Hand schützend über solche Konzerne und unterstützen sie massiv. Aber das geht nur bis zu einen gewissen Grad und die US-Konzerne haben da den Bogen überspannt. Auch finanziell gesehen. Diese sogenannten "Tech-Gigangten" finanzierten sich durch die Aktienmärkte und durch ständigen Wachstum. Beides ist aber massiv eingebrochen. Die Unternehmen sind z.B. nur noch einen Bruchteil wert wie vor ein oder zwei Jahren. Deshalb musste zum Beispiel Jeff Bezoz bereits seinen Chefposten bei Amazon rumen. Auch Mark Zuckerberg ist massiv in Ungnade gefallen, kann sich aber noch halten.

    Eine Zerschlagung ist da bereits im Gange.

  • a) Wie hoch ist denn der potenzielle Gewinn, sollte man KI-Texte als Buch verkaufen? Eigentlich nur das Autorenhonorar, was man sich einspart. Also etwa 7%-8%.

    Den Lektor kannst Du dann auch einsparen...

    b) Kann ein Großverlag solche Technik kostenlos verwenden? Nein, man müsste Lizenzen erwerben. Wie hoch werden die sein? Ziemlich sicher nahe beim Autorenhonorar.

    Ziemlich sicher ist die Technik weniger fuer Grossverlage interessant - ganz im Gegenteil kann man ja beliebig kleine Auflagen ohne Zusatzkosten raushauen. Also 'mach mal die 234te Fan-version von Miss Marple ueber einen gestohlenen Diamanten im Zirkus' - und 10 Sekunden spaeter ist Text da. Wenn's nur 12 Leser interessiert - macht auch nicht mehr Aufwand als fuer 12.000 zu produzieren.

    Eine Zerschlagung ist da bereits im Gange.

    Bleibt abzuwarten...

  • Thorsten :

    Also den Lektor kann man sich nicht wirklich einsparen. So gut ist keine Technik, schon gar nicht bei maschinell generieren Texten. Erinnere dich doch an das von dir so klasse kommentierte Beispiel am Anfang.

    Bloß weil man kopiert, heißt es ja nicht, dass man es nicht kontrollieren muss.

    Egal was man damit produzieren möchte, es muss dennoch den kompletten Produktionsvorgang durchlaufen. Du tauschst nur den Autor aus und nimmst dafür eine Software.

    Das Buch muss dennoch gedruckt werden, es muss dennoch durch den Vertrieb gehen und ISBN, etc dennoch beantragt werden. Auch bei E-Books.

    Und diese Textgeneratoren wollen bezahlt werden. Großunternehmen werden hier ziemlich sicher die vollen Lizenzen erwerben. Ein Betrug ist viel zu offensichtlich. Ein Gerichtsverfahren viel zu wahrscheinlich. Sobald ein (US-)Unternehmen eine kommerzielle Nutzung seiner Software riecht, wird es schon heute ungemütlich. Das wird auch in Zukunft nicht anders laufen.

  • Also den Lektor kann man sich nicht wirklich einsparen. So gut ist keine Technik, schon gar nicht bei maschinell generieren Texten. Erinnere dich doch an das von dir so klasse kommentierte Beispiel am Anfang.

    Naja, wenn der Autor den Text nicht verbessern kann weil er eben eine KI ist dann muesste der Lektor das selber machen und zum Autor werden.

    Ich fuerchte dass der Trend eher dazu gehen wird massenhaft individualisierte Texte die inhaltlich schwach sind zu generieren als den klassischen Autor im Grossverlag zu ersetzen. Wenn ein Text 'genau fuer Dich' gemacht ist, verzeihst Du vielleicht eher die ganzen Schwaechen.

    Also - 'Book on Demand' Service - beschreib' was Du willst, die KI spuckt was aus.

    Aber mal sehen... ich hoffe immer noch dass schon der Copyrightklau unterbunden wird.

  • Egal was man damit produzieren möchte, es muss dennoch den kompletten Produktionsvorgang durchlaufen. Du tauschst nur den Autor aus und nimmst dafür eine Software.

    Das Buch muss dennoch gedruckt werden, es muss dennoch durch den Vertrieb gehen und ISBN, etc dennoch beantragt werden. Auch bei E-Books.

    Einen Faktor kann die KI wesentlich verkleinern: die Zeit. Es gibt da ja so ein paar Extrembeispiele von Autoren, auf deren Fortsetzungen ich schon lange warte... The Winds of Winter und A Dream of Spring (George RR Martin, A Song of Ice and Fire); The Doors of Stone (Patrick Rothfuss, The King Killer Chronicles). Eine KI könnte da den Schreibvorgang bestimmt wesentlich beschleunigen, auch wenn die Qualität der Story vermutlich bis zu dem Grad darunter leiden würde, dass das keiner mehr lesen will.

    Ich fuerchte dass der Trend eher dazu gehen wird massenhaft individualisierte Texte die inhaltlich schwach sind zu generieren als den klassischen Autor im Grossverlag zu ersetzen. Wenn ein Text 'genau fuer Dich' gemacht ist, verzeihst Du vielleicht eher die ganzen Schwaechen.

    Das klingt für mich auch nach einer realistischen Entwicklung. Evtl. damit gepaart, dass die Bücher an sich auch billigst produziert sind.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Bücher sind ja nicht mehr zwangsläufig die dicken mit Buchstaben bedruckten Papierstapel, wie sie in einem anderen Thread kürzlich genannt wurden. KI-generierte Geschichten, die im Extremfall genau einen Leser als Zielgruppe haben, passen ja viel besser zu digitalen Lesegeräten.

    In anderen Bereichen gibt es ja auch ein Nebeneinander von handgetöpferten Obstschalen, im Tiefziehverfahren hergestellten Plastikschüsseln und Papptellern oder von billigem Modeschmuck und individuell gefertigter Goldschmiedearbeit. Dass diese Entwicklung jetzt auch im Kreativbereich ankommt, muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

    Mit Hilfe von KI kann mancher Independent-Autor bald leicht an eine ansprechende Cover-Illustration kommen, die seine Leserschaft vergrößert. Neue Vertriebswege brauchen ja auch erstmal eine bestimmte Sortimentauswahl. Da könnte ich mir auch vorstellen, dass Literaturplattformen erstmal mit KI-generierten Texten eine gewisse Marktdurchdringung erzielen, um dann in einem weiteren Schritt auch High-End-Content anzubieten.

  • Dass diese Entwicklung jetzt auch im Kreativbereich ankommt, muss ja nicht unbedingt schlecht sein.

    Wenn sie auf massiver unerlaubter Verwendung von Copyright-geschuetzten Material besteht, dann doch - das ist schlecht. Es ist ja nicht so dass die KI Geschichten erfindet - sie zieht bestehende durch einen Mixer und verkauft das als 'Schoepfung'.

    Das ist schon was anderes als industrielle Fertigung von Obstschalen. Die beruht auch nicht drauf dass man handgetoepferte aus der Werkstatt klaut, durch den Shredder jagt und in der Maschine neue draus macht.

    Mit Hilfe von KI kann mancher Independent-Autor bald leicht an eine ansprechende Cover-Illustration kommen, die seine Leserschaft vergrößert.

    Der Independent Autor kann sich jetzt schon im Internet Illustrationen klauen - muss er halt Strafverfolgung befuerchten. Was Du da befuerwortest ist den Prozess zu legalisieren. Gut fuer den Autor, schlecht fuer den Illustrator - dessen kreative Arbeit wird leider enteignet.

    Aber keine Sorge - der Independent-Autor kommt ja als naechstes dran mit der Enteignung sobald die KI seine Geschichten verinnerlicht hat...

    Das ist halt das Problem an der Technologie - der Impuls 'Cool, kann ich ja X umsonst abgreifen' blendet gegenueber den langfristigen Folgen.

  • Ich glaube, was mich an dem Thema am meisten aufregt, ist, dass man mit KI gerade nicht die Arbeiten ersetzt, die lästig sind, sondern - Beispiel: Coverillustration - die Arbeiten, die Leute aus Leidenschaft machen.

    Was ist die Folge? Künstler, die allgemein vorher schon wenig gesellschaftliche Beachtung bekommen haben (die ganz großen Namen mal ausgenommen), haben jetzt übermenschliche Konkurrenz.

    Und für uns, die wir schreiben? Der Markt, der vorher schon überfüllt war, wird in Zukunft wahrscheinlich mit noch mehr mediokrem Mist geflutet. ||

    Brauchen wir das wirklich? Nur wird man Technologie nicht einfach wieder los. Bin gespannt, wie sich das alles noch entwickelt, aber es ist schwieg für mich, da nicht den Mut zu verlieren.

    Häupter auf meine Asche!

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese (10. Mai 2023 um 15:51)

  • KI-generierte Geschichten, die im Extremfall genau einen Leser als Zielgruppe haben, passen ja viel besser zu digitalen Lesegeräten.

    Das passt gut zu einem Gedanken, den ich heute morgen schon mal hatte, dann aber doch nicht geschrieben habe. Irgendwo hier haben wir ja schon mal geschrieben, dass man Bücher liest, um sich in der Zeit gut unterhalten zu lassen, sich abzulenken etc. Aber ein weiterer Aspekt ist ja auch noch, dass man darüber diskutieren kann, sich mit anderen austauscht, Gemeinsamkeiten entdeckt und sich mit unterschiedlichen Geschmäckern auseinandersetzt. Klar, das muss man nicht, aber das gemeinsame Erleben oder der gemeinsame Austausch sind doch auch ganz viel wert. Geht mir zumindest so.

    Wenn das jetzt durch KI alles wegfallen würde, weil, wie du schreibst, die Zielgruppe einer von der KI generierten Geschichte nur eine Person ist, die sich dann mit niemandem darüber austauschen kann (höchstens einseitig davon erzählen). Das fände ich irgendwie sehr, sehr traurig.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Das fände ich irgendwie sehr, sehr traurig.

    Viele Entwicklungen sind sehr sehr traurig... und geschehen trotzdem.

    Solange es Kunden gibt, oder der Markt davon ausgeht, dass "da irgendwo" Kunden sind, wird das Angebot entstehen und sich halten.

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Aber gibt es Kunden? Der Marktanteil von E-Books liegt (laut Statistikamt) bei weniger als 6%.

    Für solche maßgeschneiderte E-Books dürfte das Interesse (wenn überhaupt) im Promillebereich liegen. Für wem wäre so etwas mehr als eine Spielerei?

    Die Großverlage hierzulande werden so etwas nicht bedienen wollen. So etwas wäre eher die Kragenweite von US-Tech-Unternehmen.

    Allerdings: Dern ernsthaften Markt bildet hierzulande die richtigen Bücher. Mitsamt der Infrastruktur mit Großhändler und Buchläden. Hier steckt das große Geld.

    Zudem gibt es hier strenge Buchpreisbindungsgesetze. Und auch sonstiges wie eine ISBN und die Archivierung. Diese Regeln werden auch für KI-Texte greifen.

  • Lieber Schreibfeder

    Ich sehe, du bist optimistischer als ich. Mich besorgt die Entwicklung schon einigermaßen.

    Aber gibt es Kunden? Der Marktanteil von E-Books liegt (laut Statistikamt) bei weniger als 6%.

    Ja. Das stimmt für den deutschen Markt. In den USA ist der Ebook Markt allerdings ein wenig größer. Ich gehe davon aus, dass sich die KI-Welle erstmal in den USA austoben wird und wir dann nachziehen. Zudem wird alles was halbwegs erfolgreich in den USA ist ins Deutsche übersetzt. Diese Bücher würden dann als Extragewinn für die Verlage bei uns im Buchmarkt auftauchen.

    Die Großverlage hierzulande werden so etwas nicht bedienen wollen. So etwas wäre eher die Kragenweite von US-Tech-Unternehmen.

    Siehe oben.

    Allerdings: Dern ernsthaften Markt bildet hierzulande die richtigen Bücher. Mitsamt der Infrastruktur mit Großhändler und Buchläden. Hier steckt das große Geld.

    Die Verlage nagen alle am Hungertuch. Großes Geld sehe ich da nicht.

    Was Lesen die Leute den? Zum Großteil Krimis! Die sind häufig die Variation des gleichen Themas. Manchmal mit Regionalbezug.

    Also, wenn ein Roman fertig ist, schreibt die KI das um. Als Ostssekrimi, als Schwarzwaldkrimi, als Alpenkrimi …

    Oder sehr beliebt im Fantasybereich. Die "Heldenreise". Da gibt es klare Strukturen, die einer KI entgegenkommen würde. Ich lese sowas selbst gern.

    Zudem gibt es hier strenge Buchpreisbindungsgesetze. Und auch sonstiges wie eine ISBN und die Archivierung. Diese Regeln werden auch für KI-Texte greifen.

    Das ist jetzt kein Argument, gegen die Nutzung einer KI. Der Verlag kann den Preis ja selbst festlegen, dieser darf dann nur nicht verändert werden.

    Also. Ich denke nicht das KIs von heute auf morgen den Buchmarkt beherrschen. Es wird erst Randgebiete geben, in denen diese aktiv eingesetzt werden. Dann wird sich das ausweiten. Immer weniger menschliche Autoren werden eine Zukunft im Schreiben sehen und dem etwas entgegensetzten können. Auch weil sich das Leseverhalten an den KI Stil anpasst …

    Ich hoffe, das es nicht so kommt. Aber das sieht insgesamt nicht gut aus.

    Wir sehen ja im Moment einen Streik der Drehbuchschreiber in den USA. Die Überlegung in den Konzernen wird jetzt schon so sein, die Schreiber zu ersetzen. Ich vermute, dass die ersten KI im Bereich des Films zum Einsatz kommen. Und ganz ehrlich. So Drehbücher wie zu "Ringe der Macht" bekommt eine KI jetzt schon hin.

    Ich denke auch an eine Star Trek Episode, wo das Holodeck programmiert wird. "Mach mir eine Sherlock Holmes Geschichte"

    Die KI wird einen Fundus von Grundgeschichten haben und diese individuell variieren können. Je nach Bestellung wird das Produkt auf den heimischen Rechner geschickt oder "On Demand" gedruckt. Nicht morgen, aber übermorgen (10 Jahre).

    Meine Hoffnung war, das KIs den Menschen die stupiden Arbeiten erleichtern können und wir mehr Zeit für Kreativität haben. Das kreative Jobs jetzt bedroht sind, kommt für mich unerwartet.

    Traurige Sache.

    Das, wie Thorsten erwähnte, das Urheberrecht durch KIs ausgehebelt wird, kann dem kreativen Bereich den Todesstoss versetzen.