Was lest ihr gerade? (Fantasy)

  • Ich kann es empfehlen. Ist halt ein Jugendbuch und bringt einige der Dinge mit, die man von Jugendbüchern wohl erwartet. Wenn man damit aber klarkommt, macht man mit der Trilogie "Die Seiten der Welt" nicht viel falsch.

    Ich habe über die Trilogie noch eine Weile meditiert. Mit etwas Abstand muss ich leider sagen, dass die Geschichte mit einzelnen Elementen bestechen kann - als Ganzes aber nicht so richtig überzeugt oder hängen bleibt. Ich habe damals schon gesagt, dass ich nicht zu 100% zufrieden bin, aber etwas Großartiges muss ja kein Meisterwerk sein. Nur scheue ich mich jetzt auch vor dem Wort "großartig" und lande irgendwie bei "ganz gut" und "nett". Auf lange Sicht glücklich bin ich damit einfach nicht ...

  • Hallo,


    von der Autorin Genievieve Cogman gibt es die Reihe die Bibliothekare.


    Erschienen sind bis jetzt (Mai 21) 7 Bände:


    Band 1: Die unsichtbare Bibliothek

    Band 2: Die maskierte Stadt

    Band 3: Die flammende Welt

    Band 4: Das dunkle Arciv

    Band 5: Das tödliche Wort

    Band 6: Die verborgene Geschichte

    Band 7: Das geheime Gewölbe


    Das Buch ist in zwei Bereiche unterteilt, einmal eine Parallelwelt mit der Bibliothek und die Handlungswelten.


    Lesen tue ich gerade Band 1.

    Das Setting im ersten Band ist viktorianisch.


    Mehr verrate ich nicht, lest selber.


    Wer unbedingt einen Spoiler haben will hier eine offizielle Seite mit Infos.

  • Schattenbach

    Stell dich doch mal Empfangssaal vor ;)

    Mit dem ersten Post gleich jemandes Bücher so zu bewerben, lässt dich ein bisschen wie einen Staubsaugervertreter aussehen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. :)


    Um auch was zum Thread beizutragen:

    Ich bin mit der Herr der Ringe jetzt nicht nur von der Seitenzahl her, sondern auch strukturell bei der Hälfte angekommen (also 3 von 6 Büchern sind geschafft :) ).

    Ich finde es interessant, dass die Bücher 3 und 4 geographisch geteilt sind. Überhaupt sind die Handlungsstränge nicht streng chronologisch angelegt, sondern man bewegt sich mit der Zeit etwas im Zickzack. Man folgt in Buch 3 Aragorn, Gimli und Legolas, wie sie die Orks verfolgen. Dann folgt man Merry und Pippin mit den Orks und durchlebt die gleichen Tage. Dann wieder Aragorn, Gimli und Legolas. Frodo, Sam und Gollum kommen gar nicht vor. So werden einzelne Episoden mit eigenen Spannungsbögen erzählt, statt einem langen Narrativ, das gar nicht von der Stelle kommt. Das hätte den Mittelteil das Buchs furchtbar schwerfällig gemacht, aber glücklicherweise hat Tolkien das vermieden.

    Man merkt den Absätzen schon hin und wieder die ein zwei extra Sätze an, die die Landschaft und ihren Verlauf beschreiben; bei denen driften meine Augen schon immer mal von der Seite.

    Wovon die Geschichte wirklich lebt, sind die Freundschaften. Wie oft haben mich Gimli und Legolas oder Merry und Pippin schon zum Schmunzeln gebracht? Hach, die sind so schön miteinander <3

    Wenn man ein paar Dinge an dem Buch verändern würde, könnte ich es sicher vom ganzen Herzen lieben. Im Moment gibt es sonst ein paar Elemente, die ich liebe, und viele andere, vor denen ich Respekt habe.


    Außerdem habe ich das Hörbuch von "Rumo und die Wunder im Dunkeln" von Walter Moers angefangen. :D Dirk Bach liest das, und wer mit ihm klarkommt, der hat einen Schatz vor sich. Rumo ist für mich immer mein Favorit gewesen, was Zamonien angeht, und ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändern wird.


    Und dann lese ich noch Etiam s Geschichte "Ymir" hier im Forum. ;) Das ist schließlich auch Fantasyliteratur, wenn auch in einem anderen Format als gewohnt!

  • Ich lese gerade den "Prinz der Rache" von Torsten Fink (einer meiner Lieblingsautoren).


    Wer wissen will, um was es geht - der Klappentext von Amazon erklärt das ganz gut. Was mich am Roman begeistert, ist Finks Fähigkeit, die Charaktere zu zeichnen. Und ihre Verwandlung glaubwürdig rüberzubringen. Sein roter Faden zieht sich konsequent durch und trotz bislang dreier Handlungsstränge kann ich ihm sehr gut folgen. Nach einem etwas langwierigen Einstieg ist es jetzt durchgehend spannend, zumindest habe ich bis jetzt keine "Hänger" mehr gefunden.

    Also - wer etwas Fesselndes zum Lesen für den Sommer im Garten (und dann abends auf dem Sofa) braucht, der sollte es mit diesem Roman versuchen. :thumbup:


    ("Der Prinz der Rache" ist - obwohl später geschrieben und mit ähnlichem Namen - keine Fortsetzung der Schattenprinz-Trilogie.)

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • So, das Hörbuch von Rumo und die Wunder im Dunkeln von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach, habe ich nun schon seit ein paar Tagen durch. :) Natürlich wunderbar gelesen, wie ich neulich schon meinte!

    Was ich spannend finde ist, wie Moers besonders in der zweiten Hälfte den Leser mit etwas konfrontiert, was eigentlich klasse Info-Dumps sein müssen. Aber er schafft es, sie so alles andere als trocken und langweilig zu gestalten, dass sie mich nicht im geringsten gestört haben. :hmm: Das muss an seiner skurrilen Ader liegen und dass die Informationen einen über Dinge aufklären, die bereits passiert sind, sodass sich für den Leser nun ein endlich ein Gesamtbild ergibt und man versteht, was los ist.

    Durch die Fülle an liebenswürdigen Figuren (und die Bereitsschaft, auch welche zu opfern), fühle ich als Leser auch für die Figuren mit und es kümmert mich, was aus ihnen wird.

    Auch all die scheinbar willkürlichen Exkurse und Episoden werden plötzlich alle wieder irgendwie relevant und es ergibt sich einfach eine runde, stimmige Geschichte. All die Details bei Moers' skurrilen Ideen geben einem als Leser auch den Eindruck, dass diese Gerätschaften und Figuren echt sind und dass man dabei war und es erlebt hat.
    Ich mag ja generell die kulinarische Seite, die Moers' Romane immer mal haben. Da werde Sinne angesprochen und alles scheint viel realer ...


    Weiterhin tolles Buch, auch beim dritten mal lesen. :)


    Sonst noch was? Achja, Der Herr der Ringe. Bin jetzt mit Buch 4 durch, habe also nur noch ca. 300 Seiten vor mir - alles, was "Die Rückkehr des Königs" umfasst. Damit ist bald Endspurt angesagt. So langsam habe ich Mittelerde schon so sehr lieb gewonnen, dass ich es schade finde, wenn die Geschichte endet. Nach Bruchtal geht es wirklich erst richtig los, das muss man schon sagen. Und DHdR zu lesen muss man wirklich wie einen Spaziergang am Fluss betrachten, statt wie ein Rennen über eine Piste. Legt man den diesen Stress erstmal ab - und warum macht man sich den überhaupt? - dann kann man die ganzen Details erst wirklich schätzen.

    Nur dass die Geschichte an sich eben schon sehr simples Schwarz-Weiß ist, finde ich manchmal schade. Einzelne Figuren werden mal korrumpiert und Gollum ist wirklich mal ein ambivalenter Typ, aber ansonsten fühlt sich das für meinen Geschmack manchmal etwas zu idealisiert an.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Sösösö, ich habe mittlerweile mit Gideon The Ninth von Tamsyn Muir begonnen. Da ich nun nicht mehr zum erste Mal auf Englisch lese, kann ich mir wohl langsam ein paar Vergleiche erlauben. :hmm:

    G. R. R. Martin besticht ja durch sehr simple Sprache und Wortwahl - das war für mich als Einsteiger sehr angenehm. :)

    David Mitchell hatte kreativere Prosa, wunderschöne, einfach leckere Sätze. Die Wortwahl war sehr britisch, da musste ich manchmal für einen Satz dreimal das Urban Dictionary bedienen. Sehr lehrreich und der Weg ist für mich das Ziel. Trotzdem ist es eine nennenswerte Barriere, die man überwinden muss.

    Tamsyn Muir hat auch wunderschöne, leckere, elegante Prosa, wow! Richtig toll geschrieben. Sie kennt auch viele ausgefallene und durchaus hochgestochene Worte - also ist wieder viel Übersetzen angesagt. :pardon: Die hochgestochenen Momente sorgen aber für einen sehr tollen Kontrast mit den derben Momenten, beispielsweise wenn die Protagonisten jemandem, der sie wieder einfangen soll, ein Pornoheft mit dem Titel "Frontline Titties of the Fifth" anbietet. :D Sehr unterhaltsam, das gefällt mir!

    Die Kapitel sind mit etwa 10 Seiten bisher angenehm kurz und ich habe auch erst zwei davon gelesen.

    Was sich zum Setting bisher sagen lässt: Fantasy im Weltraum. Wie viel andere Planeten da eine Rolle spielen werden - keine Ahnung. Ich habe gerade einfach Spaß an der morbiden Nekromantie, dem Witz und der Ahnung, dass sich da gleich zu Beginn etwas zusammenbraut, was ganz böse explodieren könnte.


    Und was Der Herr der Ringe angeht, habe ich Buch 5 nun auch fast abgeschlossen.

    Die Schlacht um Minas Tirith, wie die Perspektiven wechseln und Dinge aus anderen Handlungssträngen angedeutet werden, das ist schon wirklich toll gemacht. Sehr spannend, auch wenn man die Handlung schon kennt. Außerdem hatte ich ein paar Dinge auch einfach vergessen:

    Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben. Durch glückliche Umstände, durch unbesonnene Taten der Helden, die sie mit besserem Wissen vielleicht nicht getan hätten, aber zufällig doch hilfreich waren, durch alles sowas haben sie es bisher geschafft, Sauron in Schach zu halten. Wäre eine Sache davon anders verlaufen, wäre Gondor vielleicht verloren gewesen oder Frodo wäre schon entdeckt worden. :hmm: Und dennoch liest es sich nicht unbefriedigend, denn die Leute haben nach ihren Persönlichkeiten gehandelt. Das gefällt mir deutlich besser als all die Reisekapitel.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben.

    Nicht nur - was im Film untergeht weil Denethor da ja von Anfang an ein durchgeknallter Idiot ist, ist dass der Denethor im Buch eine sehr solide Abwehrstrategie faehrt und die vormarschierenden Orks praktisch um jeden Kilometer kaempfen muessen - so dass sie schon ziemlich laediert sind als sie vor der Stadtmauer ankommen - wo sie dann erst mal von einem Gegenangriff der ausgeruhten Reiterei behelligt werden. Das ist schon was anderes als im Film wo Denethor seine letzten Truppen noch in einem sinnlosen Angriff verheizt.

  • Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben.

    Nicht nur - was im Film untergeht weil Denethor da ja von Anfang an ein durchgeknallter Idiot ist, ist dass der Denethor im Buch eine sehr solide Abwehrstrategie faehrt und die vormarschierenden Orks praktisch um jeden Kilometer kaempfen muessen - so dass sie schon ziemlich laediert sind als sie vor der Stadtmauer ankommen - wo sie dann erst mal von einem Gegenangriff der ausgeruhten Reiterei behelligt werden. Das ist schon was anderes als im Film wo Denethor seine letzten Truppen noch in einem sinnlosen Angriff verheizt.

    Ja, das stimmt wohl! :hmm: Überhaupt macht das Militärische auf mich einen soliden Eindruck und besteht nicht nur aus leeren Phrasen. Ich denke aber auch daran, dass Aragorn Sauron ja mit dem Stein vom Orthanc herausgefordert hat, was zu einem verfrühten Angriff Saurons geführt hat, weswegen sein erste Angriff wahrscheinlich nicht gleich die volle Stärke hatte, die er sonst wohl gefahren hätte. Und diesen verfrühten Angriff hat Minas Tirith nur sehr knapp überstanden, weil Aragorns Truppen Rückenwind hatten. Da kommt auch mit guter Taktik mMn noch einiges an Glück oben drauf, was die Sache ja eigentlich noch prekärer macht, wenn man mal so drüber nachdenkt. o: Das ganze fünfte Buch fand ich jedenfalls sehr spannend.