Was lest ihr gerade? (Non-Fantasy)

Es gibt 576 Antworten in diesem Thema, welches 88.978 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Octopoda.

  • Ich habe noch einige Bücher am Laufen, aber Hörbücher passen ja doch irgendwie immer.

    Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki von Haruki Murakami ist jetzt also dran. Eigentlich sollte mein nächste Murakami eines seiner meistgeschätzten Bücher werden, aber die Hochschul-Bib hatte eben dieses, und ich habe das Taschenbuch dann auch neulich im offenen Bücherschrank gesehen ... naja. ^^


    Es ist der direkte Nachfolger zu "1Q84", von dem ich so massiv enttäuscht war. Das war damals ja ein 1600-Seiter. Die Pilgerjahre sind aber nur etwas mehr als 300 Seiten lang. Das könnte mich vielleicht etwas mit Murakami versöhnen.


    Worum geht es? Tsukuru Tazaki ist in seinen 30ern, als er Sara kennenlernt. Er fühlt sich das erste Mal tatsächlich zu einer Frau hingezogen, doch sie erkennt, dass in ihm eine Wunde klafft, die ihn nicht bei der Sache sein lässt. Denn als Tsukuru gerade einmal 20 war, wandten sich deine besten Freunde von ihm ab, verboten ihm jeden weiteren Kontakt und nannten dafür keinen Grund. Sara möchte ihre Beziehung zu Tsukuru fortsetzen, unter der Bedingung, dass er sich seiner Vergangenheit stellt und an sich arbeitet.


    So, das ist ein ganz einfacher, schmaler Bildungs-/Entwicklungsroman. Genau die Abwechslung, die ich zum verwinkelten Puzzle, dass die Locked Tomb-Reihe darstellt, gerade brauche. :rofl: Ich merke ich die als typisch geltenden Murakami-ismen (der Jazz, die Träume, der merkwürdige Sex), bisher gab es aber noch keinen Ausfall von der Sorte der unsterblichen Zeile aus 1Q84: "Es war so traurig, dass ihre zwei Freundinnen aus der Welt geschieden waren und mit ihnen ihre wunderschönen Brüste." Sowas gab es (bisher) noch nicht. Bisher ist das Buch einfach gut und interessant und muss nur noch seine Versprechungen, die es gemacht hat, einlösen. Da sollte eigentlich nicht viel schief gehen. :)

    Ja, vielleicht habe ich bei Murakami einfach mit dem falschen Roman angefangen.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Oh, ich muss es ja noch abschließen! Bin mittlerweile durch, durch das Buch.

    Es halt seine Versprechen ein und hat mich zufrieden zurückgelassen. :) Das hat mich mit Murakami versöhnt.

    Jemand meinte aber zu mir, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki seien eher mittelmäßig, verglichen mit den Meisterwerken, beispielsweise Die Chroniken des Aufziehvogels.

    Na, dann weiß ich ja, wo ich das nächste mal mit Murakami ansetze. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Emilia Galotti von Gotthold Ephraim Lessing


    Vorbereitung fuer den Deutschunterricht der aeltesten Tochter - kann man ihr das von der Sprache her zumuten? Jep, kann man, es ist eher einfacher zu lesen als die 'Raeuber' und macht von der Handlung gut Tempo und Druck, die Grundidee wird sehr stringent verfolgt, wenig Schnoerkel und Symbolismus.


    Fuer heute vielleicht ein bisschen lasch, damals aber definitiv eher auf der provokanten Seite. Ohne den historischen Kontext wuerde ich es wahrscheinlich nicht schaetzen, aber damit ist es eigentlich sehr witzig, man kann viele kleine und grosse Spitzen gegen die Fuerstenhoefe der damaligen Zeit entdecken.

  • Ich habe vor kurzem die Biografie über meinen hochgeschätzten Herrn Frédéric Chopin von Eva Gesine Baur beendet. Bei Biografien bin ich immer vorsichtig, vor allem, wenn sie so extrem dick sind wie dieses Exemplar; reichern doch die Autoren gern die eher dünne Faktenlage mit ausschweifenden Eigenkreationen an, und dann kommen oft Affären, Intrigen, Charakterzüge und Dialoge vor, die in Wahrheit so nie passiert sind/sein könnten. Nicht so bei Baur; im ganzen Buch findet sich kein einziger ausgedachter Dialog. Tatsächlich formuliert die Autorin alles, was sie nicht weiß, in Fragen: "Ist er verunsichert, weil Liszt beim Publikum so herausragend ankommt? Betrachtet er ihn als Konkurrenz?" und so ähnlich. Chopins Innenleben wird nie blumig nach außen gekehrt - das ist für Realisten ohnehin ein unmögliches Unterfangen -, sondern immer nur mit konkreten Dokumenten, Briefen, Tagebucheinträgen und Aussagen von Augenzeugen gearbeitet, alles andere sind vorsichtig formulierte Fragen, Vorschläge, Andeutungen im Schatten. Somit bleibt Chopin für den Leser ein Rätsel, man kommt ihm nicht sehr viel näher, sondern macht sich lediglich Vorstellungen über ihn. Und das ist auch gut so.

  • Heyho Stadtnymphe


    Da muß ich mich jetzt mal ganz herzlich bei Dir bedanken!

    Ich hab' vor Ewigkeiten mal auf einem Flohmarkt die Gesamteinspielung der Werke Chopins von Adam Harasiewicz gekauft (14 Lp's), die einmal durchgehört und dann weggestellt.

    Jetzt laufen die hier gerade in Dauerrotation...lieben Dank für's dran erinnern! :nummer1: :nummer1: :nummer1: :nummer1:

  • Ich hab mir heute ein bisschen leichte Lektüre (tatsächlich nur wenige Gramm schwer) gegönnt: Das Impfbuch für alle. Vom RKI. Kann man sich kostenlos bestellen oder herunterladen, um im Gespräch mit Freunden, Skeptikern, Besserwissern, Überzeugten, Leugnern, Impfbefürwortern - sprich, einfach allen - genau das zu bringen, was heutzutage scheinbar vielen Leuten fehlt: eine solide Faktenlage. Und diese sind in diesem Büchlein, das optisch tatsächlich wie ein Impfausweis aussieht (nur innen etwas voller ist), sehr übersichtlich und logisch aufbereitet, gewürzt mit kleinen unterhaltsamen Kommentarspalten von Dr. von Hirschhausen (der sich selbst für diese Position legitimiert, dass er früher Kinder geimpft hat, sagt er). Es geht nicht nur um Covid, es geht um alle möglichen Impfstoffe, um die Geschichte des Impfens - vaccinate kommt von "vacca"(lat.), also "Kuh", weil die erste Pockenimpfung, moralisch und ethisch nicht vertretbar, durch Kuhpocken ermöglicht wurde - ebenso wie die Geschichte der Impfgegner. Klar, das RKI befürwortet Impfen und empfiehlt es ausdrücklich, doch trotzdem möchte dieses Büchlein, so der Klappentext, informieren und dem geneigten Leser ermöglichen, seine eigene Entscheidung zu fällen. Aber nicht aus einem unfundierten Bauchgefühl heraus, sondern basierend auf Fakten. Davon gibts auch viele mundgerecht präsentiert. Nicht zuletzt wird eine Impfpflicht diskutiert und Querverweise zu Dumas' Drei Musketieren werden gezogen.

    Ich kann's nur empfehlen, denn Wissen über Fakten hat heutzutage noch keinem geschadet - und was man damit anfängt, ist dann abhängig vom gesunden Menschenverstand. Und auch nur 78 Seiten. Ideales Weihnachtsgeschenk für alle, die noch unschlüssig sind.

  • Ich lese zur Zeit mal wieder "Die Knebel von Mavelon" von Steffi von Wolff. Eins meiner absoluten Lieblingsbücher, weil es einfach so herrlich verrückt ist. Wenn ein Buch, dessen Handlung im Mittelalter spielt, schon mit dem Satz anfängt "Ich finde die Pest einfach zum kotzen!" , kann der Rest nur auch immer besser werden. Ein Scharfrichter, der kein Blut sehen kann, Martin Luther, Robin Hood, Kapitän Ahab und der weiße Wal, Michelangelo, eine notgeile Gräfin, ein Priester namens Luzifer ... Lachflashs sind vorprogrammiert. Vielleicht kennt es noch jemand?

  • Möchte man meinen, bei dem Titel, ne?! War auch der Grund, weshalb ich es mir gekauft hab, so als Avalon-Fan. Tatsächlich hat es aber nicht das geringste mit dem Thema zu tun, was dem Lesevergnügen allerdings keinen Abbruch tut.

  • Ich habe in den letzten Wochen Auf Erden sind wir kurz grandios von Ocean Vuong gelesen. :)

    Vuong war bisher als Lyriker tätig, das ist jetzt sein Debütroman. Anfangs war ich etwas skeptisch, weil man ihm den lyrischen Hintergrund anmerkt und das auch durchaus nach hinten losgehen kann. Aber zum Glück waren meine Sorgen nicht gerechtfertigt.

    Das Buch ist ein Briefroman des Protagonisten "Little Dog" an seine Mutter. Diese wird ihn wahrscheinlich niemals lesen, weil sie Analphabetin ist, also kann Little Dog auch brutal ehrlich an sie schreiben, was er ihr schon immer sagen wollte. Seine Mutter kommt aus Vietnam und ist dem Krieg entkommen, was sie traumatisiert zurücklässt. Traumatisierte Eltern haben wohl statistisch eine höhere Wahrscheinlichkeit, ihre Kinder zu schlagen - so ist es zumindest bei Little Dog und seiner Mutter. Durch den Briefstil wird eine enge Nähe zur Mutter geschaffen, aber durch die Erzählungen auch eine Distanz. Das ist eine ganz interessante Dynamik, die beides gleichzeitig zulässt.

    Little Dog erzählt im Prinzip von seiner Jugend, damit auch von seiner Liebe zu einem Jungen, was dann auch mit Drogen zu tun hat ... das alles fand ich sehr eindrücklich und rührend, vor allem auch detailliert bearbeitet, dass es nicht bloßer Kitsch ist. Vor allem auch wie der Sex geschrieben war, mit seiner Dynamik und den Rollen, hat da viel zu beigetragen.

    Da das Buch auch recht fragmentarisch erzählt wird, kann Vuong hier verschiedene Dinge miteinander verknüpfen, womit der Roman also auch etwas essayistische Qualitäten zeigt. Das ist eine interessante Mischform.


    Hat mich sehr überzeugt. :) Tolles kleines Büchlein.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Stephen King - Wahn

    ist bei mir gerade in Arbeit.

    Und es ist tatsächlich Arbeit, weniger Vergnügen.

    Hab selten so ein langweiliges King-Buch gelesen. Bin schon am überlegen, ob ich abbrechen soll.

    Hat von euch jemand das Buch zu Ende gelesen?

  • Nein. Habs angefangen, aber dann tatsächlich zur Seite gelegt nach ein paar Kapiteln.

    King hat sehr stark nachgelassen, finde ich. Dass er sich weiterentwickelt hat und nicht mehr nur über Werwölfe, Vampire und besessene Autos schreibt, ist das eine. Aber seine neuen Bücher sind mMn alle unlesbar. Wie du sagtest: sie sind langweilig geworden und in meinen Augen hat das, was er schreibt, immer weniger mit Horror zu tun. Die letzten Bücher von ihm, die ich wirklich mit Vergnügen gelesen habe, waren "Dr. Sleep" und "Revival".

  • Mind Control war sehr gut. Zwar auch eher Thriller als Horror, aber sehr spannend.

    Ist die Fortsetzung von "Mr. Mercedes", aber man kennt sich auch aus, wenn man nur Mind Control liest.

    Was gibts denn sonst für gute Horror-Autoren?

  • John Saul z.B. Dessen Bücher bekommt man aber nicht mehr im Handel. Leider! Die sind toll. Der Clou bei ihm ist, dass es immer Kinder sind, die die Bösen sind.

    Ansonsten kommt man an Lovecraft nicht vorbei und wer auf Zombietrash steht, dem kann ich "Untot" von John Russo empfehlen.

    Ja, sind alles alte Bücher, aber ich bin ja auch alt XD Sind halt Bücher aus meiner Jugendzeit XD

  • Heyho Tarani

    Die "Knebel von Mavelon" habe ich auch gelesen, stand in einer Bücherkiste hier in Düsseldorf. Und weil ich alles liebe, was mit der Artussage und dem Gral zu tun hat, habe ich's mitgenommen.

    Und für zwei bis drei Kapitel fand ich's auch recht lustig, danach wurde es für mich aber immer flacher. Liegt für mich in der Natur der Sache:

    Persiflagen auf Romane haben keine eigene Kraft.

    Das war schon 1969 so, als Harvard-Studenten (Henry N.Beard & Douglas C.Kenney) den Herrn der Ringe zu parodieren versuchten: "Bored of the Rings" ("Der Herr der Augenringe").

    Auch wenn Margaret Carroux, die Übersetzerin des tolkinschen Originals die Parodie übersetzt hat, hat's der Parodie nicht genutzt.

    Und wozu auch?


    "Die Knebel von Mavelon" habe ich wieder zurückgestellt in die Bücherkiste.

    Kann man kennen, muß man aber nicht.

  • Moin, Der Wanderer!


    Joah, als später noch Robin Hood auftauchte und die ganze Bande "Polonaise Blankenese" singend durch die Gegend gezogen ist, hätte ich es auch beinahe aus dem Fenster geworfen. Aber letztendlich: es gibt Tage, da liebe ich so flaches Zeug und das war wohl so einer. Letztendlich hat die ganze Geschichte von vorn bis hinten nicht das geringste mit Avalon zu tun, nicht ein einziger Chara aus der Artus-Sage kommt vor. Aber die Idee, im Mittelalter die Pille erfunden zu haben, fand ich schon interessant.

  • Introduction to Sumerian Grammar von Daniel Foxvog


    Mein Studienprojekt fuer dieses Jahr - ein bisschen Keilschrift lernen. Da kam dann gleich das Aha-Erlebnis Nummer 1 - Keilschrift ist sehr vielseitig, man hat alle moeglichen Sprachen damit aufgezeichnet, Sumerisch, Akkadisch, Persisch,... man kann also nicht so ohne weiteres mit seiner Sprache zusammen lernen wie Aegyptisch.


    Also fuer Sumerisch entschieden und mal in die Einfuehrung geschaut. Okay - das Genre der 'Einfuehrung in die Grammatik von XY' ist generell schwierig zu beackern, weil man ja nichts verwenden sollte was noch nicht erklaert ist - Foxvog hingegen ballert gerne Formen und Beispielsaetze raus deren Bestandteile erst viel spaeter erklaert werden, so dass man das Buch erst mal einmal durchlesen muss um einen Eindruck zu haben was was ist und dann wieder von vorne anfangen kann. Kann man besser machen, aber ich nehme an die Konkurrenz auf dem Buchmarkt fuer sumerische Grammatiken ist ueberschaubar...


    Die Sprache selbst ist interessant - alles (Nomen, Verb,...) wird zu langen Ketten zusammengestueckelt in denen jede Silbe eine Deutungsnuance bietet - ein Relativsatz wird dann z.B. einfach in die Nomenkette anstelle des Adjektivs gequetscht - was die Kasusendung vom Wort auf das sie sich bezieht schon mal eine Zeile weit trennen kann. Auf den ersten Blick wirkt es eher schwer vorstellbar dass man sowas sprechen konnte, aber auf der anderen Seite konnte Thomas Mann ja Verben auch ein paar Zeilen vom Subjekt des Satzes trennen...


    Also - erster Eindruck: Die Sprache ist interessant und hat viele recht ueberraschende Eigenschaften, die Grammatik selber wuerde ich allerdings nur sehr bedingt empfehlen - trotz des Titels ist sie keine Einfuehrung, sondern ohne linguistische Vorkenntnisse steigt man nach spaetestens 10 Seiten aus.

  • Bei uns im Haus gibt es einen Verschenke-Tisch und dort habe ich mir vor drei Tagen oder so "Frühstück bei Tiffany" von Truman Capote. Ich hab das vor Jahren schon mal gelesen, entweder noch in der Schule oder dann für's Studium... na, egal. Ist mal wieder schön und hat ein paar tolle Passagen drin. Aktuell mein Liebling:


    "... Sagen Sie, sind Sie ein richtiger Schriftsteller?"

    "Das hängt davon ab, was Sie unter richtig verstehen."

    "Na, Herzchen, kauft irgendjemand das, was Sie schreiben?"

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Der Krieg: Von Troja bis zur Drohne
    Ilja Steffelbauer

    Anhand von zwölf Charakteren erzählt das Buch die Geschichte des Krieges von der Antike bis zur Neuzeit. Da das natürlich ein sehr großer Zeitraum ist, wird jeweils die Situation zur Zeit der jeweiligen Personen etwas genauer beschrieben und die Zeit dazwischen knapp aber durchaus informativ überrissen. Inklusive weiterführende Literatur zu jedem Kapitel.

    Falken haben doofe Ohren

  • Tristan von Thomas Mann


    Immer wieder auf der Suche nach Lektuere fuer den Deutschunterricht der Tochter zu Hause inzwischen also zu Thomas Mann vorgedrungen. Das netteste was mir zu der Novelle einfaellt ist dass sie kurz ist. Thematisch geht's um den Kontrast zwischen geschaeftstuechtigem Buergertum und voellig vergeistigtem Schriftsteller der... nun ja, sein Bild von der Schoenheit von Frauen z.B. daher nimmt dass er sie nur fluechtig ansieht und sich den Rest denkt, ins Gesicht sieht er ihnen gar nicht. Alles recht ueberzeichnet, soll vermutlich witzig geschrieben sein wie er die anderen Bewohner des Sanatoriums in dem die Geschichte spielt charakterisiert, funktioniert fuer mich alles nicht so recht.


    Vor Jahren hatte ich mal versucht den Zauberberg zu lesen - gleiches Problem, nur viiiel laenger.