Gehen dürfen

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    • Gehen dürfen

      Gehen dürfen

      Wenn das Leben zur Last wird,
      wenn du nicht mehr kannst,
      wenn es zu schwer wird,
      sollst du gehen dürfen.

      Wenn die Schmerzen zur Qual werden,
      wenn der Atem nicht mehr reicht,
      wenn es einfach zu viel wird,
      sollst du gehen dürfen.

      Wenn die Stunden zur Ewigkeit werden,
      wenn die ersehnte Dunkelheit nicht kommen will,
      wenn dich etwas hier festhält,
      sollst du gehen dürfen.

      Ich will es dir nicht schwer machen.
      Ich will dich nicht quälen.
      Ich will dich nicht festhalten.
      Du sollst gehen dürfen.

      Weil ich dich liebe,
      lasse ich dich gehen.
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • Das verursacht ein starkes Gefühl der Trauer bei mir. Ich hoffe, es entspringt nicht direkt deinen persönlichen Erfahrungen.

      Du hast die Emotion jedenfalls in beeindruckend Worte gefasst. Ich bin mir allerdings noch unschlüssig, ob du vom Beenden einer Beziehung sprichst oder davon, eine sterbende Person "gehen" zu lassen.
      Wortgefechte

      Ein Schwert und sein Held
    • Hallo @bigbadwolf, @BlueRosesInMyHeart und @Teekanne

      das Gedicht ist eine Zusammenfassung der Gedanken, die mich auf meiner Schicht heute bewegten. Einer unserer Bewohner ist in eben dieser Situation, und seine Frau kann ihn (verständlicherweise) einfach nicht loslassen und bettelt ihn förmlich an, sie nicht allein zurückzulassen. Man kann sehen, dass es ihm sehr zu schaffen macht, zumal der Ausgang seiner Krankheitsgeschichte feststeht.
      Und ich dachte immer nur: Wenn das mein Mann wäre - was würde ich ihm wünschen?

      Von daher, ja persönlich erlebt, und nein, nicht persönlich (= in der Familie) betroffen. Aber trotzdem betroffen... denn ich denke nicht, dass er noch bei uns ist, wenn ich am Dienstag wieder zur Arbeit muss.
      Danke für eure netten Worte.
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tariq ()

    • Scheiße, wie traurig ist das denn?
      Mir gefällt es sehr gut.
      Am Stil hab ich nichts auszusetzen.
      Die Länge der Verse passt prima zum Inhalt.
      Sie sind etwas länger gehalten und lassen sich deshalb etwas "schwermütiger" mit passenden Pausen lesen.

      Der Inhalt ist voller Emotionen.
      Die Geschichte zu dem Gedicht ist grausam.
      Ich kann die Frau so gut verstehen.
      Sie liebt ihn, hat Angst vor dem Allein-sein.
      Aber du hast Recht mit deinem Gedicht.
      Die Menschen sollen gehen dürfen, wenn das Leben nicht mehr lebenswert ist.
      Und der Mann würde sicherlich sanfter "rüber gleiten", wenn er wüsste, dass es für seine Frau okay ist, dass sie es akzeptiert hat.
      Natürlich ist das als Außenstehender leichter gesagt ....

      Ich wünsche dir nur, dass du das nötige Mitgefühl in solchen Situationen aufbringen kannst, aber das alles auch auf der Arbeit lassen kannst und nicht mit nach Hause nimmst. Sowas belastet einen auf Dauer sicher ...
      (Aber wem sag ich das? Du machst den Job ja auch nicht erst seit gestern :) )
      Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.
      1. Mose 12
    • Hallo @Miri

      Vielen Dank für dein nettes Feedback und deine einfühlsamen Worte. Ich bin ja jetzt schon fünf Jahre dort in der Einrichtung, und obwohl es sicher blöd klingt - ich wahre genügend Abstand. Muss man haben, sonst geht man vor die Hunde. Sowas mit nach Hause oder in die Familie zu nehmen, sollte man auf jeden Fall unterlassen, wenn man es kann.
      Freut mich zu hören, dass dir der Stil gefällt. Ich bin noch ein bisschen am rumprobieren. Eigentlich mag ich ja Gedichte, die sich reimen lieber. Aber ganz so einengen will ich mich denn auch nicht, dass ich nur solche mache. ^^
      Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
      (Ricarda Huch)


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    • Tariq schrieb:

      Freut mich zu hören, dass dir der Stil gefällt. Ich bin noch ein bisschen am rumprobieren.
      Merkt man :)
      Hast schon viel unterschiedliches geschrieben, aber meiner Meinung immer die passende Tonalität und Rhythmus gefunden ^^

      Tariq schrieb:

      Eigentlich mag ich ja Gedichte, die sich reimen lieber. Aber ganz so einengen will ich mich denn auch nicht, dass ich nur solche mache.
      Ich auch, aber das Thema ist wenig ästhetisch bzw. ernst. Da kann die Form auch ruhig schnörkellos sein :)
      Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.
      1. Mose 12
    • Neu

      Unglaublich. Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Du hast das richtig gut geschrieben. Es ist so ergreifend und traurig. Die Frau tut mir leid. Man fragt sich wieso sie ihn nicht gehen lässt aber wenn man sich ihre Situation hineinversetzt, versteht man sie. Ich wüsste nicht ob ich meinen Freund einfach gehen lassen könnte. Immerhin ist er ein Teil von mir und die Vorstellung, das er auf einmal nicht mehr da ist macht mir Angst.

      Hoffentlich konnte sich die Frau anständig von ihm verabschieden und das der Mann gut “hinüber“ gehen konnte und Erlösung gefunden hat.

      Liebe Grüße
      Kanra
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      ~Life is too bitter, so coffee, at least, should be sweet.~