HEAVEN (Band II)

  • So, ihr Lieben. Dann will ich mit euch mal in die Fortsetzung von HEAVEN starten :)


    Ich verzichte jetzt mal auf einen Klappentext- ganz einfach, weil ich noch keinen habe. Dafür kann ich aber zumindest mit einem Cover dienen.
    Bezüglich eines Prologs bin ich mir noch nicht sicher. – Okay, ich bin ehrlich: ich habe keinen! Vielleicht schreibe ich noch einen, vielleicht auch nicht. Im Moment steht ja ohnehin noch nicht fest, wie ich die Aufteilung der Bände machen werde, insofern sehe ich da jetzt auch aktuell keine Veranlassung zu.


    Grundsätzlich war das aber gerade beim Schreiben dieses Startkapitels für mich ein kleines Problem, weil ich mir nicht ganz sicher war, wie viel Informationen aus dem vorherigen Band noch einmal aufgegriffen und in Erinnerung gerufen werden müssen. Ich habe gemerkt, dass man schnell zu einer Art „Erzählbär“ wird, wenn man das anfängt, was letztlich irgendwie stimmungstötend ist. Vielleicht kommt mir das aber auch nur so vor. Sicher habt ihr da eine Meinung zu … also, lasst mich mal daran teilhaben.


    Und noch was:




    Hier kommt das Cover





    ∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞

    Facilis descensus Averni:
    Noctes atque dies patet atri ianua Ditis.
    Sed gradium revocare superasque evadere ad auras;
    Hoc opus, hic labor, est.


    Der Abstieg zur Hölle ist leicht:
    Tag und Nacht steht offen das Tor zum finsteren Pluto.
    Aber den Schritt zurück zu den himmlischen Lüften zu wenden;
    Das ist die schwierigste Kunst.


    Vergil, Aeneis



    ∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞∞



    Kapitel 1
    Das Schwert des Damokles



    Es war kurz vor neunzehn Uhr, als Emilia die Tür hinter sich zuzog und das kalte Treppenhaus betrat. Elias war fort.
    Seine Abwesenheit war deutlich spürbar. Sie fühlte sich wie ausgehöhlt. Unvollständig. Als würde ein wichtiger Teil von ihr fehlen.
    Wie war es möglich, dass man sich binnen kürzester Zeit so sehr an jemanden binden konnte, dass die Trennung körperliche Schmerzen verursachte? So etwas durfte es einfach nicht geben.
    Schwerfällig und lustlos tappte sie die Stufen hinunter und knöpfte mechanisch ihren Mantel zu.
    Kurz hatte sie darüber nachgedacht, die Verabredung mit Silas abzusagen. Einfach zu Hause zu bleiben und sich zu verkriechen. Die Aussicht darauf, sich ihren Ängsten stellen zu müssen, während die Gedanken an den bevorstehenden Weltuntergang sie in den Wahnsinn trieben, stellte aber keine wirkliche Alternative dar. Wahrscheinlich hätte sie es keine fünf Minuten ausgehalten, dann wäre sie auf die Straße gelaufen, um es lauthals herauszubrüllen, damit jeder es wusste und sich darauf einstellen konnte.
    Die Zwangsjacke wäre ihr in jedem Fall sicher gewesen!
    Nach allem, was sie von Elias erfahren hatte, war es dem mächtigen Dämonenfürst ´Dagon` gelungen, die Übergänge zur Menschenwelt zu passieren und seine Anhängerschaft, die aus den widerwärtigsten Kreaturen bestand, auf die Irdischen loszulassen.
    Offiziell waren es bislang lediglich ein paar unerklärliche Phänomene, die für Aufsehen gesorgt hatten: Katastrophale Verkehrsunfälle, die sich aneinanderreihten oder Vogelschwärme, die urplötzlich auftauchten und Menschen attackierten.
    Auf der Suche nach Antworten, welche als Ursache für die sonderbaren Vorfälle rings um den Globus hätten dienen können, klammerten sich die Menschen an Erklärungen, die auf reiner Logik basierten. Als würde ihnen ihr irdisches Pseudowissen bei der Lösung dieses Problems auch nur ansatzweise weiterhelfen.
    Begleitet von einem abfälligen Schnaufen schüttelte Emilia mit dem Kopf. Was hätte sie dafür gegeben, die Absurdität, die sich hinter dieser Erkenntnis verbarg aus ihren Gedanken zu verbannen. Doch es gelang ihr nicht.
    Schließlich wusste sie es besser.
    Wie der tiefsitzende und längst in Vergessenheit geratene Splitter einer uralten Verletzung, der plötzlich wie aus dem Nichts zu schmerzen begann, pulsierte die Einsicht in ihrem Geist: Elias` Darlegung dessen, was auf die Menschheit zukommen würde, war die Wahrheit gewesen und es war nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Welt das begreifen würde.
    Der Wunsch, sich jemandem anzuvertrauen war unbeschreiblich groß und dennoch scheute sie sich davor. Wie um Himmels Willen teilte man jemandem eine solche Hiobsbotschaft mit, ohne für verrückt erklärt zu werden? Natürlich hatten ihre Familie und ihre Freunde ein Recht darauf, es zu erfahren. Aber noch nicht heute Abend! Nicht jetzt! Dazu fehlte ihr eindeutig die Kraft.
    Sie wusste, sie hatte Elias ihr Wort gegeben, dass sie keine Dummheiten machen und zu Freddy herübergehen würde. Nie und nimmer hätte sie es aber fertiggebracht, mit den anderen einen ungezwungenen DVD-Abend vor dem Fernseher zu verbringen und ihnen die ´heile Welt` vorspielen zu müssen, während sie das Wissen mit sich herumtrug, dass der Angriff eines Dämonenheers bevorstand.
    Selbst wenn es verrückt klang, so ermöglichte ihr das Treffen mit Silas zumindest für den Moment, die Konfrontation mit der unausweichlichen Realität noch ein Weilchen von sich zuschieben und auf andere Gedanken zu kommen.
    Auch wenn sie keinen blassen Schimmer hatte, was sie von seiner Einladung halten sollte. Nachdem Professor Albory, der Leiter des Wohnheims in den Emilia arbeitete, krankheitsbedingt ausgefallen war, hatte Silas seinen Platz eingenommen und war somit von ihrem Kollegen zu ihrem Vorgesetzten geworden. Die ´strukturellen Veränderungen` im Team, die sich daraus ergaben, hatte er als Aufhänger genommen, um sich mit ihr treffen zu wollen. Sie fragte sich, was es Wichtiges zu besprechen gab, das nicht auch hätte bis zum Ende ihrer Krankschreibung warten können.
    Dass die Welt bis dahin wahrscheinlich längst in Schutt und Asche liegen würde und sich alle beruflichen Probleme mit einem Schlag ohnehin erledigt hätten, konnte er ja schließlich nicht wissen.


    Als sie in die kalte Nacht heraustrat, nahm sie einen tiefen Atemzug. Die eisige Luft, die sie inhalierte, half ihr wieder einen klaren Kopf zu bekommen und ihre Gedanken zu sortieren. Es roch nach Schnee. Gut möglich, dass es später noch zu schneien beginnen würde.
    Genau, wie an jenem Abend ihres Unfalls. Früher hatte sie mit der weißen Pracht immer etwas Schönes in Verbindung gebracht. Nun waren die herabrieselnden Flocken, die alles in eine friedliche Wattewelt verwandelten, für sie mit einer äußerst negativen Erinnerung verknüpft. Sie schlang die Arme um ihren Oberkörper, um zu verhindern, dass die Kälte durch den Stoff ihrer Jacke dringen konnte. Erst jetzt bemerkte sie den schwarzen Geländewagen, der unmittelbar vor dem Haus parkte. Als sie sich näherte, wurde die Fahrertür geöffnet und eine dunkel gekleidete Gestalt stieg aus. Es war Silas.
    „Hey“, sagte er und kam auf Emilia zu, um sie zu begrüßen. In dem dämmrigen Licht der spärlichen Straßenbeleuchtung wirkte er in seinem schwarzen Mantel mit dem hochgeschlagenen Kragen, seinen dunklen zerzausten Haaren und den tiefbraunen Augen wie ein dunkler Ritter.
    Zaghaft nahm er sie in den Arm. „Na, wie geht`s dir? Ich hoffe, du hast den gestrigen Abend gut überstanden.“
    „Ja, danke“, antwortete Emilia etwas verlegen. „Es war halb so schlimm.“ Unsicher erwiderte sie seine Umarmung, löste sich aber schnell und etwas ungelenk wieder von ihm.
    Die Bilder des Weihnachtsmarktbesuches spulten sich automatisch vor ihrem inneren Auge ab. Die verschwommene Erinnerung daran, wie Silas den Arm um sie gelegt hatte, als sie ins Schwanken geraten war und ihr ins Ohr geflüstert hatte, dass er sie unter Alkoholeinfluss süß fand, sickerte zu ihr durch. Keine Frage! Er war wirklich in jeder Hinsicht das krasse Gegenteil von Elias.
    Letzterer hatte es vorgezogen, ihr die Hölle heiß zu machen und ihr eine Moralpredigt zu halten, weil er sie sturzbetrunken in eisiger Kälte auf den Stufen vor der kleinen Kapelle aufgefunden hatte.
    Mist! Sie wollte doch nicht an ihn denken. Die Strafe dafür kam schneller als erwartet, denn augenblicklich spürte sie diesen Stich in der Brust, der sie daran erinnerte, dass er nicht mehr da war.
    „Ich bin wirklich froh, dass wir uns heute Abend sehen können“, hörte sie Silas` Stimme wie aus weiter Ferne. „Bei mir um die Ecke ist ein gemütliches italienisches Restaurant. Was sagst du?“ Seine großen braunen Augen betrachteten sie wachsam, während er abwartend seine Handflächen aneinanderrieb. Sie konnte sich nicht helfen, aber irgendwie kam er ihr aufgekratzt vor. War er nervös?
    Emilia schob den Gedanken beiseite. Wahrscheinlich war er einfach gut gelaunt und freute sich auf den Abend, was sie von sich selber nicht behaupten konnte.
    „Ehm, … gerne“, erwiderte sie dennoch und versuchte ein Lächeln. „Ich habe allerdings überhaupt keinen Hunger, wenn ich ehrlich bin.“ Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, irgendetwas Essbares herunterzukriegen, da an der Stelle wo sich ihr Magen befinden sollte, nur ein riesengroßer Krater zu sein schien.
    „Das macht doch nichts“, entgegnete Silas mit einer wegwerfenden Handbewegung und eine Vielzahl kleiner Lachfältchen breitete sich um seine Augen aus, die ihn sympathisch wirken ließen. „Wir können auch einfach was trinken.“ Mit einer einladenden Geste öffnete er die Beifahrertür woraufhin sich Emilia in den dunklen Innenraum des Fahrzeugs gleiten ließ.


    Hier geht`s weiter


    Kapitel 1.1

  • Ich verzichte jetzt mal auf einen Klappentext- ganz einfach, weil ich noch keinen habe.

    Meh - und dabei sind die immer so lustig... :evilgrin:


    Nachdem ich dieses recht stimmungsvolle Abschlusskapitel von Band 1 geschrieben hatte, war ich der festen Überzeugung, dass ich den Anfang von Band 2 komplett umschreiben müsste. Es kam mir im direkten Vergleich plötzlich so „plump“ vor. Also habe ich die letzten Wochen damit zugebracht, mir die tollsten und poetischsten Formulierungen einfallen zu lassen…. Nur, um es jetzt letztlich doch wieder zu verwerfen und bei meiner Urfassung zu bleiben


    Und das war auch gut so, denn - Elias ist da, und die Welt ist voller Magie - jetzt ist er weg, und die Magie ist auch erst mal weg, Emilia ist alleine und die Dinge sind nicht mehr poetisch sondern ploetzlich nur sie selbst.


    Das Kapitel muss mit dem letzten hart kontrastieren - das ist gut so!


    Ich habe gemerkt, dass man schnell zu einer Art „Erzählbär“ wird, wenn man das anfängt, was letztlich irgendwie stimmungstötend ist.


    Ja, ein Problem das mir beim Schreiben der Cliodhna-Serie auch untergekommen ist. Ich denke den Weg gibt's nicht, es ist halt immer ein Kompromiss. Ich finde Du hast das im Wesentlichen gut geloest, ich wuerde nur (siehe unten ) an den Formulierungen feilen - ich habe die Eingebung dass es das ist was stimmungstoetend sein koennte (?)


    Ansonsten - vertrauen dass auch der neue Leser ein bisschen Unwissen aushalten kann, behutsam hier und da einen Halbsatz einflechten der rekapituliert was passiert ist - das bekommst Du schon hin. :)



    Auf der Suche nach Antworten bedienten sich die Menschen bekannter Gesetzmäßigkeiten und auf Logik basierende Ansätze, um die Vorfälle, die sich rings um den Globus abspielten zu erklären


    Klingt zu geschwollen fuer Emilia finde ich - vielleicht eher 'klammerten sich die Menschen an das was sie nun mal kannten und versuchten Dinge irgendwie logisch zu erklaeren'


    : Elias` Darlegung dessen, was auf die Menschheit zukommen würde, war die Wahrheit gewesen und es war nur eine Frage der Zeit, bis auch der Rest der Welt das begreifen würde


    Genauso hier - die 'Darlegung' - warum nicht einfach 'Was Elias gesagt hatte war die Wahrheit gewesen' (das ist ja vorher geschildert was er gesagt hatte, muss hier nicht nochmal dass es auf die Menschheit zukommt und so.


    Die strukturellen Veränderungen im Team, die sich daraus ergaben, hatte er als Aufhänger genommen, um sich mit ihr treffen zu wollen.


    Hier wuerde ich die 'strukturellen Veraenderungen' in Anfuehrungszeichen setzen - das klingt naemlich nicht wie was was Emilie sich so denkt, sondern was was Silas so gesagt hat (das ist ja so Verwaltungsjargon).


    ***


    Ja, ansonsten nehm ich den jetzt auch mal:


    :panik:


    Schoen dass es weitergeht!

  • @Rainbow startet also Band II. Da darf die Lady natürlich nicht fehlen und ich freue mich, dich auch hier begleiten zu dürfen! :)


    Das Cover finde ich ganz schön. Sehr schlicht, aber durchaus ansprechend. Interessant, dass du schwarze Flügel gewählt hast - mit Engelsflügel verbindet man ja oft die Farbe weiß. Ich bin gespannt, was das noch zu bedeuten hat.


    Ansonsten ist dir dein Einstieg sehr schön gelungen und ich wüsste nicht, was man dort ändern könnte. Ich bin froh, dass du dich nicht für eine neue Version entschieden hast - das hätte unter Umständen sehr erzwungen wirken können. Ich stimme also @Thorsten hier zu:

    Und das war auch gut so, denn - Elias ist da, und die Welt ist voller Magie - jetzt ist er weg, und die Magie ist auch erst mal weg, Emilia ist alleine und die Dinge sind nicht mehr poetisch sondern ploetzlich nur sie selbst.

    Wir sind jetzt halt wieder in ihrem Alltag und begleiten sie ohne Elias. Natürlich bleibt ihre gewisse Vorahnung - und hier, finde ich, hast du einen guten Mittelweg gefunden.


    Ansonsten habe ich nichts weiter zu sagen :)
    Thema ist natürlich abonniert, ist ja klar!


    LG

  • Hallo @Rainbow. Und dieses Mal habe ich mir fest vorgenommen das ich ebenfalls mitlese und auch meine Kommiss hinterlasse.
    Den Anfang hast du Klasse hinbekommen, meine Liebe. Auch die Gefühle von Emilia hast du sehr gut beschrieben man leidet richtig mit. Diesen Silas kann ich noch nicht so richtig einordnen. Aber es macht mich gespannt mehr zu erfahren.
    Sehen wir mal weiter. Bis dahin weiter so! :thumbsup:

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • Hallo liebe @Rainbow


    Irgendwie hätte ich diesen Anfang glatt verpasst! hihi, ich habe überhaupt nicht gemerkt, dass du hier weitermachtst! Also zum Cover; mir gefallen die schwarzen Flügel super, du weisst ja, dass ich sowieso auf die dunklen Typen stehe ... *jajaja, die dunkle Seite ist halt irgedwie machmal tatsächlich spannender*


    Übrigens jetzt zwar vollkommen nicht zu deiner Geschichte, aber Ava Reed, eine deutsche Schriftstellerin hat gerade einen Engelsroman rausgebracht (letzte Woche) er heisst ashes and souls und momentan lese ich ihn gerade und ich finde ihn wirklich sehr schön und habe mir gedacht, dass er dir auch gefallen könnte!


    So .. nun zu dem neuen Teil! :D


    Wie du ja weisst, bin ich total begeistert von deinem Schreibstil ich finde er hat so etwas lyrisch schönes ... und dass du die Queen der Dialoge in diesem Forum bist wissen wir alle ... *ok, finde ich zumindest xD*
    Jedenfalls ist der Anfang richtig schön und es geht fliessend weiter, was ich richtig toll finde! (Manchmal macht es ja zwischen Band Eins und Zwei einen Zeitsprung ... mir gefällt es, dass du das hier nicht gemacht hast!)
    Du trägst Lias Stimmung hier sehr schön und natürlich muss Silas auftauchen ... ich mag ihn einfach nicht :rofl: ich mag ihn nicht, weil er ein Mensch ist, ein gewöhnlicher Mensch, der denk er könne da mit himmlischen Mächten mitmischen und für die ist er nur der Fussabtretter und er schnallt das irgendwie nicht ... :rofl: (ich mag die dunklen Typen, aber sie müssen cool sein :evil: und Charm haben :love: dann mag ich sie), Silas als Menschlein finde ich nicht super interessant, aber das liegt einfach an meinem Geschmackt und nicht an dir :D


    Ich freue mich super mega fest auf den zweiten Band und bleibe dir selbstverständlich als Leserin erhalten! :love:


    Fly

  • Endlich!!!
    Da warte ich ja schon drauf! 8o


  • Vielen Dank für eure ganzen netten Kommentare. Ich freue mich total darüber, dass ihr wieder dabei seid. Wirklich sehr cool! :thumbsup: ... Und dir @Sabrina ein herzliches Willkommen... bin mal gespannt, wie du mit der Fortsetzung zurechtkommst, ohne Band 1 komplett gelesen zu haben.


    Hier kommt mein Feedback zu eurem Feedback:



    LG,
    Rainbow

  • Ich mach mal weiter :) ...Tut mir leid, wenn ich zwischendurch mal längere Parts poste. Das liegt in der Regel daran, dass ich während der Dialoge keine günstige Stelle finde, an der ich einen Cut machen könnte. Ich hoffe, das ist dennoch verträglich für euch.
    Insgesamt kommt mir dieses erste Kapitel recht lang vor, weshalb ich es in vier Teile stückeln muss. Aber irgendwie fand ich es wichtig, dass sich die Unterhaltung zwischen Emilia und Silas langsam hochschaukelt und sich eine gewisse Dynamik entwickelt. Na ja, seht selbst...



    Kapitel 1.1


    Silas hatte nicht zu viel versprochen. Das Restaurant war wirklich klein und gemütlich. An der einen Seite befand sich eine Theke mit Barhockern und ringherum waren Nischen, in denen man, abgeschirmt von den anderen Gästen ungestört sitzen konnte. Die Einrichtung war rustikal und schlicht gehalten. Jede Menge Ölgemälde, die verschiedene Landschaften abbildeten, hingen in kitschigen Rahmen an den gemauerten Backsteinwänden. Ein kleiner Fernseher, der noch aus Vorkriegszeiten zu stammen schien, war oberhalb der Theke angebracht und übertrug die aktuellen Nachrichten. Der monotone Sprechgesang des Kommentators vermischte sich mit dem Stimmengewirr der wenigen Gäste in dem Raum und ergab mit den dezenten Klängen einer Ballade, die aus den Boxen drang, eine äußerst interessante Geräuschkulisse.
    Als Emilia mit Silas eintrat, wurden sie beide sofort überschwänglich und mit der bekannten italienischen Gastfreundschaft von dem rundlichen älteren Mann hinter der Theke begrüßt.
    „Ciao Silas“, sagte er mit deutlichem Akzent, trocknete sich seine Hände an einem Handtuch ab und kam hinter dem Tresen hervor, um sie persönlich zu begrüßen.
    „Schön, dass du uns mal wieder beehrst. Und dann auch noch in Begleitung einer so hübschen signorina.“ Zielstrebig steuerte er auf Emilia zu und reichte ihr die Hand, während er sie wohlwollend begutachtete und sich schließlich vorstellte. „Herzlich Willkommen, ich bin Giovanni.“
    „Hallo, ich bin Emilia“, antwortete sie und erwiderte seinen kräftigen Händedruck. Giovanni strahlte eine väterliche Wärme aus und seine offene freundliche Art sorgte dafür, dass sich Emilia in seiner Anwesenheit sofort wohl fühlte. Dann wandte sich Giovanni Silas zu und reichte auch ihm die Hand, während er ihm anerkennend auf die Schulter klopfte. „Ich freue mich für dich, mein Junge. Endlich hast du mal den Hauptgewinn gezogen.“
    Silas schüttelte mit dem Kopf und musste lachen. „Giovanni, du hast wirklich ein Talent, mich in blöde Situationen zu bringen, weißt du das? Lia ist eine Arbeitskollegin, okay? Wir … wir sind nicht zusammen.“
    „Oh, das ist aber sehr schade. Was nicht ist, kann ja noch werden, prego?“ Mit einem Augenzwinkern in Emilias Richtung drehte er sich um, winkte die beiden hinter sich her und führte sie zu einer abgelegenen Nische im hinteren Teil des Restaurants. Emilia ging vor und warf Silas über die Schulter einen belustigten Blick zu.
    „Bitteschön. Nehmt doch Platz. Kann ich euch schon was zu trinken bringen?“, fragte er und ein liebenswürdiges Lächeln umspielte seine lustigen Augen.
    Silas bestellte eine Cola und Emilia entschied sich dazu, es ihm gleichzutun. Nachdem Giovanni die Bestellung aufgenommen hatte, verschwand er wieder Richtung Theke und kehrte nur wenige Augenblicke später mit den Getränken an den Tisch zurück.
    Emilia entledigte sich ihres Mantels und Silas nahm ihn ihr ab, um die Kleidungsstücke an die Garderobe zu hängen. Als sie sich auf die gepolsterte Sitzbank gleiten ließ, streifte ihr Blick kurz das eigene Spiegelbild in der Fensterscheibe. Die Blässe ihres Gesichtes war selbst durch die Reflektion auf dem nachtschwarzen Hintergrund deutlich erkennbar und ihre lange blonde Mähne stand wie üblich ungebändigt in alle Richtungen ab. Es war keine neue Erkenntnis, dass sie niemals die Grenzen optischer Durchschnittlichkeit würde überschreiten können, doch war es ihr selten so egal gewesen wie heute Abend.
    „Es ist schön hier“, sagte sie schließlich, als Silas von der Garderobe zurückkehrte und sich zu ihr an den Tisch setzte.
    „Ja. Ich bin früher sehr oft hier gewesen. Jetzt schaffe ich es leider nicht mehr. Giovanni ist fast sowas wie ein Vater für mich. Während des Studiums habe ich hier mal eine Zeit lang gekellnert, weißt du. Mann, ist das lange her.“ Er schüttelte mit dem Kopf und strich sich eine Strähne aus den Augen.
    „Ach, hör auf. So alt bist du nun auch wieder nicht. Das klingt bei dir so, als ob du schon ein alter Greis wärst. Wie alt bist du? Achtundzwanzig?“ Mit hochgezogener Braue betrachtete sie ihn abschätzend.
    „Gut geschätzt“, sagte er anerkennend und trank einen Schluck von seiner Cola. „In knapp vier Wochen werde ich allerdings schon neunundzwanzig. Irgendwie ist das verrückt, oder? In den letzten fünf Jahren ist so viel passiert, dass es mir wie ein halbes Leben vorkommt, seit ich mein Studium beendet habe. Und jetzt leite ich auch noch das Wohnheim und habe Personalverantwortung. Scheiße Mann, müsste ich nicht eigentlich gesetzt und total seriös sein?“
    „Ja, wenn du Probleme mit deinem Team bekommen willst schon.“ Emilia schnaubte und musste über seine selbstkritische Äußerung lachen. Niemals hätte sie für möglich gehalten, ihren Humor heute Abend wiederzufinden. „Ich bin mir aber sicher, dass dich alle gerne mögen und deine Autorität nicht anzweifeln, nur weil du so bleibst, wie du bist. Vertrau` mir, du wirst ein guter Chef sein. Außerdem ist das doch nur vorübergehend, oder gibt es inzwischen etwas Neues von Professor Albory?“
    Silas` Blick wurde ernst und er presste die Lippen zusammen.
    „Nun ja“, fing er an. „Wie es scheint, hat er einen Zusammenbruch erlitten. Was ich bisher mitbekommen habe ist, dass er jahrelang unter schlimmen Depressionen gelitten haben muss, die jetzt so richtig durchgekommen sind. Vor ungefähr einer Woche hat er versucht, sich das Leben zu nehmen. Man hat ihn mit einer Überdosis Schlaftabletten gefunden. Wenn du mich fragst, wird er so schnell nicht wieder in seine alte Position zurückkehren.“
    „Bitte was?“ stieß Emilia hervor. „Das kann ich nicht glauben. Der Professor und Depressionen? Wo hast du das denn her? Ich habe selten einen derart lebensfrohen und chronisch gut gelaunten Menschen kennengelernt wie ihn. Also, wenn der Depressionen hat, dann bin ich suizidgefährdet.“ Fassungslos starrte sie Silas an und gleichzeitig sah sie den Professor vor sich, der ihr mit seiner offenen und vertrauensvollen Art im Umgang mit den Patienten imponiert hatte und zu einem Vorbild geworden war.
    „Lia, uns offenbart sich eben nicht immer die gesamte Persönlichkeit eines Menschen. Ich bin mir sicher, dass er gute Tage hatte und vielleicht konnte er sich auch einfach gut vor uns verstellen. Nach Feierabend ist er dann in sich zusammengesackt und das ganze Ausmaß seiner Erkrankung kam zum Vorschein. Anders kann ich mir das auch nicht erklären.“ Hier sprach eindeutig der Psychologe aus Silas. Aber wo war die Menschenkenntnis? Nie im Leben würde Emilia glauben, dass der Professor selber psychisch labil gewesen wäre. Niemals! Das sagte ihr schon alleine ihr Gefühl. Deprimiert ließ sie ihren Blick auf die Tischplatte sinken und schüttelte gedankenverloren den Kopf.
    „Verdammt. Wieso muss es immer die netten Menschen treffen? Ich meine die, die man gerne hat?“
    Einen tiefen Atemzug nehmend, sah Silas sie über den Tisch hinweg mitfühlend an. „Tja, diese Frage haben wir uns, glaube ich, alle schon mal gestellt.“
    Für einen Moment kniff er die Augen zusammen und betrachtete sie schweigend. Dann räusperte er sich und stützte sich mit den Unterarmen auf dem Tisch ab, während er sich zu ihr herüberlehnte.
    „Sag mal, wie geht es dir eigentlich nach dem Unfall?“, fragte er jetzt in sanftem Ton. „Wir hatten gestern gar keine Gelegenheit in Ruhe darüber zu reden.“
    „Es geht mir gut“, antwortete sie mit einem Nicken, das eine Spur zu eifrig war. „Wenn man bedenkt, wie schwer die Verletzungen waren, grenzt es eigentlich an ein Wunder, dass ich schon wieder hier sitzen kann. Ich … ich glaube, ich hatte wohl ziemliches Glück.“
    Den Kopf zur Seite geneigt, bedachte Silas sie mit einem abschätzenden Blick. „Ja, scheint beinah so, als hättest du einen Schutzengel gehabt, was?“ Gerade noch wollte sie nach ihrer Cola greifen, als sie in der Bewegung erstarrte. War sie tatsächlich naiv genug gewesen, zu glauben, dass dieser Abend sie auf andere Gedanken bringen könnte? Was war sie doch nur für ein dummes Schaf!
    „Du bist eine Zeit lang klinisch tot gewesen, stimmt das?“, schob er unmittelbar hinterher und tat so, als bemerke er ihre Reaktion gar nicht.
    „Ehm, ja! … aber … nur kurz! Die Ärzte haben es Gott sei Dank schnell geschafft, mich wieder zurückzuholen.“
    Könnten wir bitte über was anderes reden?
    Nervös spielte sie mit dem Bierdeckel, der vor ihr lag und zerpflückte ihn in viele winzige Stückchen.
    „Entschuldige, wenn das jetzt blöd klingen mag, aber …“, mit hochgezogener Braue beobachtete Silas den anwachsenden Schnipselberg, den sie vor sich auf dem Tisch aufhäufte, „… ist dir da irgendetwas aufgefallen? Ich meine, wie hat sich das angefühlt? Hast du überhaupt irgendeine Erinnerung daran?“
    Innerlich zuckte sie zusammen. Ihr Blick wanderte kurz zu Silas, bevor sie sich schnell wieder dem massakrierten Bierdeckel zuwendete. Bisher war sie von niemandem so direkt darauf angesprochen worden. Was sollte sie ihm sagen? Dass sie Bekanntschaft mit einem Engel gemacht und sich zwischenzeitlich in ihn verliebt hatte? Das klang so absurd, dass sie es selber kaum glauben konnte. Silas bemerkte ihr Zögern, beugte sich noch ein Stück näher zu ihr.
    „Erzähl schon. Hast du irgendetwas gesehen? Oder irgendjemanden? Du kannst es mir ruhig sagen. Ich verspreche, ich werde dich nicht für verrückt halten.“ Sein Blick war aufrichtig, doch war da noch irgendetwas anderes, das Emilia nicht zu deuten vermochte.
    „Na gut. Ich … ich habe tatsächlich etwas gesehen“, setzte sie an und ignorierte die innere Stimme, die ihr zurief, dass sie des Wahnsinns war, ihm davon zu erzählen. Das Bedürfnis, endlich mit jemandem über dieses Erlebnis zu sprechen wurde aber mit einem Mal so übermächtig, dass sie sich kaum dagegen wehren konnte. Außerdem war das hier Silas! Ihm konnte sie vertrauen, oder etwa nicht? Sein aufmunterndes Nicken ermutigte sie, weiterzusprechen.
    „Es … es war ein helles Licht da und … ich habe mich selbst gesehen, von oben … so, als würde ich unter der Decke schweben.“ Unsicher spielte sie am Bund ihres Ärmels, bevor sie es wagte, zu ihm aufzuschauen. Seine Augen waren unergründlich.
    „Okay, und weiter. War da sonst noch etwas?“ Nervös rieb er die Handflächen aneinander und schien dabei jede ihrer Regungen genauestens zu beobachten.
    „Na ja“, fuhr sie fort und merkte, wie sie sich zunehmend unwohler in ihrer Haut fühlte. „Ich weiß wirklich nicht, ob ich dir das erzählen sollte. Es ist ziemlich abgefahren. Nachher steckst du mich in eine von diesen unförmigen und nicht besonders kleidsamen weißen Jacken.“ Ihr Lachen wurde nicht erwidert. Der Versuch, die Stimmung aufzulockern, prallte an Silas` versteinerter Miene ab. Seine gute Laune schien mit einem Mal verflogen zu sein.
    „Lia, mach keinen Quatsch. Ich beschäftige mich schon länger mit solchen Dingen und es ist wahnsinnig interessant für mich, so einen Erfahrungsbericht von einer Person zu hören, die direkt betroffen war. Also, jetzt spann mich nicht auf die Folter“, drängte er weiter.
    Ein Piepgeräusch ertönte in Emilias Handtasche und ließ sie innerlich aufatmen. Heilfroh, um den kleinen Aufschub, der ihr gewährt wurde, kramte sie in ihrer Tasche nach dem Telefon.
    Das Display zeigte den Eingang einer Kurzmitteilung an. Natürlich! Freddy! Einen kurzen Moment starrte sie auf die drei Worte:
    „Wo steckst du???“
    Dann stellte sie das Telefon auf lautlos. Sie würde ihren Freund später zurückzurufen. Der jetzige Zeitpunkt war denkbar ungünstig.
    Nachdem sie das Handy wieder an seinen Platz verstaut hatte, traf sie Silas` Blick mit der gleichen Intensität wie zuvor. Offensichtlich war das Thema für ihn noch nicht vom Tisch.
    „Also gut“, sagte sie und stieß einen Seufzer aus. „Es … es war eine Art Lichtgestalt und …“
    „Wie sah sie aus? Hast du mit ihr gesprochen?“, unterbrach er sie. Seine Stimme wurde lauter und fordernder.
    „Was ist denn bloß mit dir los?“, fragte Emilia ihn jetzt mit der gleichen Schärfe. „Du bist auf einmal so komisch. Ist dir schon mal in den Sinn gekommen, dass ich vielleicht gar nicht darüber sprechen möchte?“ Völlig perplex über seinen plötzlichen Stimmungswandel sah sie ihn fragend an.
    „Okay, Lia. Ich kann das verstehen. Das war bestimmt ein ziemlich traumatisches Erlebnis für dich. Ich … ich will dich ja auch gar nicht zu irgendetwas drängen.“ Mit beiden Händen ging er sich durchs Gesicht, nahm einen tiefen Atemzug. „Es ist nur so, dass ich Informationen habe, die deine Person betreffen. Ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll. Es ist ziemlich kompliziert. Es hat in jedem Fall etwas damit zu tun, was dir in dieser Nacht passiert ist.“
    Emilia stutzte. Jetzt war sie diejenige, die sich über den Tisch vorbeugte und ihn ungläubig anstarrte.


    Hier geht`s weiter:
    Kapitel 1.2

  • Hey @Rainbow


    Zum Thema Cover:

  • Hm, schoener Abschnitt. Grade mit dem Vorwissen dass Silas zu den fiesen gehoert... baut sich gut Stimmung auf!



    Es war keine neue Erkenntnis, dass sie niemals die Grenzen optischer Durchschnittlichkeit würde überschreiten können, doch war es ihr selten so egal gewesen wie heute Abend

    'optische Durchschnittlichkeit'? Ein kleines bisschen komisch formuliert, oder? :)



    . hast du den vorher schon mal verwendet?

    Nee, ich glaub' nicht - das war jetzt die Premiere fuer Dich :)



    aber es gibt auch so Leute wie uns, die sowas privat machen und die es auch toll hinbekommen, da kannst du dein Budget schonen, bekommst nette Kontakte und Ideen


    Hey - ich mach' Special Effects fuer Film - wenn es sich nicht bewegt, dann verspeise ich das zum Fruehstueck :D


    Ernsthaft - gimp kann ich schon ganz gut - ich bin kein Designer oder Illustrator, ich kann Dir nicht sagen wie genau man ein Cover aufbauen 'sollte' - aber wenn Du eine Idee fuer ein anderes Design hast - die technischen Aspekte bekomme ich schon hin.

  • Schön das es weitergeht. Freut mich sehr. Passt perfekt wo ich demnächst endlich wieder etwas mehr Zeit haben werde. Da hab ich doch was schönes zu lesen.


    Der Einstieg ist gut gelungen. Allerdings bin ich der Meinung, dass Teil 1 und Teil 2 recht eng zusammengehören bzw. ein Buch ergeben. Der erste Teil hat für mich einfach keinen echten Abschluss, sondern im Prinzip geht es nahtlos weiter, ohne merklichen Cut.


    Mir hat auch sehr gut gefallen, dass Giovanni so sympathisch rüberkommt. Gerade weil man schon weis, dass Silas einer der Bösewichte ist, macht es ihn interessanter, weil vielschichtiger. Überhaupt baut sich in der Szene eine starke Spannung auf, obwohl ja eigentlich noch nicht viel passiert. Gut gelungen!
    Zu den Dialogen brauche ich mich ja kaum zu äußern, wie immer sehr gut.


    Der Vergleich von Silas in seiner Aufmachung, mit einem dunklen Ritter fand ich als Bild sehr gelungen und schön für die Atmosphäre.


    Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!

  • Schöner Abschnitt. Jetzt habe ich ja durch die Kommentare der Anderen schon erfahren, dass Silas zu den Bösen gehört :diablo: , dass war mir aber nach dem lesen des Abschnittes schon klar. Spannung baut sich im Laufe des Gesprächs auf und er bohrt immer weiter obwohl er deutlich spürt das es Lia unangenehm ist darüber zu reden. Stimmung super getroffen, kann ich nur sagen! :hi1: Weiter so!

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • Hey liebe Rainbow!


    Das war ein schöner Abschnitt! Man merkte so richtig, wie die Luft zwischen den beiden dicker wurde und Emilia kaum noch atmen konnte. Gut, dass sie dem Ganzen ein Ende gesetzt hat. Aber scheinbar hat Silas andere Pläne und dreht den Spieß einmal um. Das wird spannend - denn ein bisschen wissen wir ja schon, was geplant ist. Ich lass mich mal überraschen!

    Er schüttelte mit dem Kopf und strich sich eine Strähne aus den Augen.

    Er schüttelte den Kopf ...


    Irgendwie hört sich das sonst an, als würde er seinen Kopf in die Hände nehmen und einmal kräftig schütteln xD

    In den letzten fünf Jahren (ist?) so viel passiert,

    „Lia, uns offenbart sich eben nicht immer die gesamte Persönlichkeit eines Menschen.

    Aha. Sprichst du von dir, lieber Silas? :huh:


    Zum Cover nochmal: Also wenn du jemanden suchst für einen kreativen Austausch, stehe ich dir gerne zur Verfügung ^^
    Technisch bin ich leider nicht so fit, aber @Thorsten bekommt das sicher hin ;)


    LG :)

  • Vielen Dank für eure Rückmeldungen :) Hier kommt mein Feedback zu eurem Feedback:



    LG,
    Rainbow

  • Hallo @Rainbow


    Ich verstehe schon, warum sich Lia irgendwie zu Silas hingezogen fühlt :D das Kerlchen hat Charme! Aber dann denke ich wieder daran wie er sich vor den Dämöchchen verneigt und dann ist alles weg :rofl: der Typ hat sich ziemlich gut verstellen! (aber eigentlich ist er nur ein menschlicher Sklave für das Böse :cursing::evil: )
    Mir gefällt das Restaurant und auch wie sich sich dort unterhalten ... Silas ist aber auch echt neugierig, ich verstehe Emilia um ehrlich zu sein nicht, warum erzählt sie ihm auch von der Lichtgetalt?! Hallo?! Was soll das?! Manchmal sind unsere Protagonisten einfach dämlich xD aber nur so können sie wachsen.


    Liebe Grüsse
    Fly

  • Silas ist aber auch echt neugierig, ich verstehe Emilia um ehrlich zu sein nicht, warum erzählt sie ihm auch von der Lichtgetalt?! Hallo?! Was soll das?!

    Ehrlich gesagt, das ist eines der Dinge die ich bei @Rainbow in den Geschichten ganz besonders stark finde. Wir als Leser merken hier dass Emilia im Begriff ist Mist zu bauen - aber wir koennen nachvollziehen warum Emilia das tut.


    Sie steht hier halt unter sozialem Druck - wenn der Gespraechspartner immer nachhakt, dann steht Emilia vor der Wahl weiter zu antworten oder ihn zu brueskieren indem sie 'Lass mich in Ruhe' faucht - er ist ihr Vorgesetzter, also mag sie ihn vielleicht nicht anfauchen, daher fuehlt sie sich unter Druck weiter zu antworten.


    Ich finde grade solche Kleinigkeiten (da gibt's ganz viele in der Geschichte) immer wieder ganz toll beobachtet und erzaehlt :)

  • Ehrlich gesagt, das ist eines der Dinge die ich bei @Rainbow in den Geschichten ganz besonders stark finde. Wir als Leser merken hier dass Emilia im Begriff ist Mist zu bauen - aber wir koennen nachvollziehen warum Emilia das tut.

    Stimmt :D vielleicht habe ich das falsch formuliert. Ich wollte ja eigetlich sagen, dass Rainbow hier so viel Platz schafft, damit Emilia sich weiteretwickelt kann und dafür braucht sie Fehltritte. Ich liebe es zu sehen, wie Charaktere mit der Zeit stärker, selbstsicherer und auch mutiger usw. werden und aus Lias und auch Rainbows Perspektive verstehe ich total warum sie hier vor Silas zu schafeln beginnt, als Leser langt man sich natürlich an den Kopf :rofl: und denkt einfach *halt deine Klappe Lia*

  • Hey Rainbow


    @Thorsten

  • Hallo liebe @Rainbow,
    ich habe es geschafft und bin endlich auf den aktuellen Stand yuhu. Das schafft platz für eine weitere Geschichte die ich anfangen kann, oder aber die anderen weiter zu lesen, bei denen ich auch aufholen muss.
    Aber gut nun sind wir bei Band 2 und ich freue mich dabei sein zu können. Ich will ja schließlich wissen wie es weiter geht und muss wissen wie sich mein geliebter Elias schlägt :love:


    Lg Sora :rolleyes:

    "Niemand weiß, was er kann, wenn er es nicht versucht." Zitat von Publilius Syrus





    "Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm."
    "Was für ein dummes Lamm."
    "Was für ein kranker, masochistischer Löwe."
    Zitat aus dem Buch "Biss zum Morgengrauen"



  • Hier kommt die Fortsetzung :) Ich packe euch noch eine Frage an`s Ende ...


    Aufgrund meiner nachträglichen Überarbeitung (Stand 28.10.19) ist der Teil nun relativ lang geworden. Ich hoffe, es ist dennoch verträglich ...




    Kapitel 1.2


    „Informationen? Was denn für Informationen?“, sprudelte es aus ihr heraus. „Über meine Person? Silas, um was geht es hier überhaupt? War das der Grund, warum du mich heute Abend sprechen wolltest?“
    Er presste die Lippen aufeinander und nickte stumm. Dabei nahmen seine Augen einen besorgten Ausdruck an. Die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, legte er sein Gesicht in die geöffneten Handflächen und begann monoton mit dem Kopf zu schütteln. Ein beunruhigendes Gefühl stieg in ihr auf. Wie bitteschön hatte ihr Gespräch von jetzt auf gleich so eine Wendung nehmen können?
    „Könntest du mir bitte sagen, was los ist? Du fängst an, mir Angst zu machen!“, stieß sie hervor.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit holte Silas schließlich tief Luft und blickte ihr in die Augen.
    „Okay, pass auf“, setzte er an und richtete sich auf, als habe er soeben einen Entschluss gefasst.„Ich muss völlig irre sein, dir das zu erzählen…“, murmelte er und ging sich dabei nervös durch die Haare. Dann schaute er sich um, als befürchte er von jemandem beobachtet zu werden, bevor er sich über den Tisch zu ihr herüberlehnte und mit gedämpfter Stimme weitersprach „Du weiß doch, dass ich mich für übernatürliche Phänomene interessiere…“ Emilia nickte stumm. Silas hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er ein Fable für alte Mythen und Legenden hatte, weshalb er in der Vergangenheit schon oft genug dem Spott der Kollegen ausgesetzt gewesen war. Doch konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, was in Dreiteufelsnamen das bitteschön mit ihr zu tun haben sollte.
    „Also, vor ungefähr drei Jahren habe ich mich einer Gruppe angeschlossen, die sich mit religiösen Riten beschäftigt, alte Schriften sammelt und studiert…“, fuhr er fort, während sein Blick starr auf das Colaglas gerichtet war, das er in seinen Händen drehte. „Vor einiger Zeit hieß es, man habe ein Buch gefunden. Man nannte es den ´Pantokrator`. Offensichtlich wurde es bereits im Alten Testament erwähnt, doch herrschte bis zuletzt Uneinigkeit darüber, ob es wirklich existiert. Die Überlieferungen besagen, dass diese heilige Schrift demjenigen, der sie findet und richtig anzuwenden weiß, die Macht Gottes verleihen soll.“
    Ein Schwall eiskaltes Wasser hätte nicht wesentlich ernüchternder sein können. Augenblicklich fühlte Emilia sich in Alarmbereitschaft versetzt. Die Gedanken an den gestrigen Abend schossen ihr durch den Kopf, als Elias ihr von den gefallenen Engeln erzählt hatte.
    Darum bemüht, die vagen Erinnerungsfetzen sinnvoll zusammenzufügen, setzte ihr Herz einen Schlag aus, als seine Worte den Weg zurück in ihr Bewusstsein fanden:
    Bevor Dagon seine Art verriet und in die ewige Verdammnis stürzte, hat er eines der bedeutungsvollsten Insignien seines Reiches gestohlen. Es ist eine Art Buch, das die elementarsten Formeln der göttlichen Schöpfung beinhaltet.
    Das konnte doch wohl kein Zufall sein! Wie war es möglich, dass Silas hier und jetzt von einem solchen biblischen Fund berichtete? Bedeutete das etwa, dass es dieses Buch, von dem Elias gesprochen hatte, wirklich gab und dass die Menschen es nun gefunden hatten? Ohne den Blick von Silas abzuwenden, griff sie nach ihrem Glas und nahm einen Schluck, um gegen die Trockenheit anzukämpfen, die ihren Mund in eine Staubwüste verwandelt hatte.
    „Die Forscher sind fast verzweifelt bei dem Versuch, die molekulare Zusammensetzung des Buches zu untersuchen, …“, berichtete Silas weiter, „…bis sie schließlich herausfanden, dass das Material, aus dem es gefertigt ist, keinen irdischen Ursprung haben kann. Die Analysen ergaben, dass die Substanz eine Art genetischen Code enthält. Die Kohlenstoffverbindungen weisen darauf hin, dass das Ganze organisch ist. Es … es ist, als würde dieses Ding irgendwie leben….“
    „Was soll das heißen, das Ding lebt?“, fragte Emilia verwirrt.
    „Ich … ich kann dir das auch nicht alles im Detail erklären, Lia.
    Ich kann dir nur sagen, was ich mitbekommen habe. Es hat ziemlich lange gedauert, bis man den Inhalt entschlüsseln konnte, aber dann fand man heraus, dass dieses Buch, woher es auch immer stammen mag, einige sehr bedeutungsschwere Formeln beinhaltet.“
    „Was denn für Formeln …?“ Die böse Vorahnung, dass es mit ziemlicher Sicherheit keine mathematischen Formeln waren, die in dem himmlischen Artefakt aufbewahrt wurden, jagte ihr einen Schauer über den Rücken. Das Bild des lodernden ´Pantheons`, welches Elias erschaffen hatte war ihr noch genauso präsent, wie die fremdklingenden Worte, die er während des Rituals gesprochen hatte. Dem Moment hatte etwas Magisches und Machtvolles angehaftet und noch immer glaubte Emilia den beeindruckenden Zauber spüren zu können, der von Elias ausgegangen war, als er sich seiner Kräfte bedient hatte. Konnte es sein, dass …?
    „Offenbar handelt es sich um´Beschwörungsformeln` und zwar solche, die nichts mit dem gewöhnlichem Hokuspokus à la David Copperfield zu tun haben“, bestätigte Silas ihren Verdacht und beugte sich noch ein Stück näher zu ihr, während seine Stimme einen unheilverheißenden Klang annahm. „Glaub` mir, Lia …. Wer immer über dieses Wissen verfügt, erwirbt die Macht Dinge zu tun, die sowohl meine als auch deine Vorstellungkraft bei weitem übersteigt. Es macht dich offenbar zu einer Art ´Super-Dschinni. Nur, dass du keinen Meister hast, der dir Befehle erteilt, sondern du dir alle erdenklichen Wünsche selbst erfüllen kannst. Es fällt nicht schwer sich vorzustellen was passiert, wenn dieses Buch in die falschen Hände gelangt. Dann würde die Welt im Chaos versinken …“
    Er wird euch zermürben und alles ins Chaos stürzen, bevor er zum vernichtenden Schlag ausholt…
    Emilia musste schlucken. Elias hatte vorhin fast haargenau die gleichen Worte gewählt, als er ihr auf unverblümte Weise Dagons Pläne dargelegt hatte.
    „Sicher wird dir nicht entgangen sein, was sich seit ein paar Tagen rund um den Globus abspielt", riss Silas sie aus ihren düsteren Gedanken. "All diese schrecklichen Unfälle, das unerklärliche massenhafte Verschwinden von Menschen, die Selbstmorde … ich nehme an, du hast das in den Nachrichten verfolgt?“ Mit dem Kopf deutete er Richtung Fernseher, der seine Aussage prompt mit den dazugehörigen Unfallbildern untermauerte, die bereits den ganzen Tag in einer Endlosschleife übertragen worden waren und die ihr durchaus bekannt waren.
    Das hier ist erst der Anfang. Quasi die Kindergartenversion, von dem, was Dagon zu entfesseln vermag…
    Elias` eindringliche Stimme hallte in ihrem Geist wider. Die Erinnerung daran, wie er die Medienberichte kommentiert hatte, jagte ihr nach wie vor einen Schauer über den Rücken und der beklemmende Verdacht, dass Silas etwas darüber zu wissen schien, trug nicht wesentlich zu ihrer Beruhigung bei.
    „Ja, natürlich habe ich das…“, antwortete sie mit einiger Verzögerung und wandte den Blick von dem Bildschirm ab. „Jetzt sag mir nicht, dass das irgendetwas mit diesem Buch zu tun hat …“ Ihr herausfordernder Blick haftete an Silas. Einen tiefen Atemzug nehmend sah er sie an, bevor er die Luft hörbar ausströmen ließ.
    „Lia, hör mir zu. Egal, was ich dir jetzt erzähle, ich möchte, dass du nicht ausflippst, okay? Versprich mir, dass du mich ausreden lassen wirst…“
    Emilia musterte ihn skeptisch. Warum bloß kam ihr das Intro so bekannt vor? Obwohl sie sich dagegen sträubte, ihm dieses Versprechen zu geben und ihn stattdessen lieber aufgefordert hätte, mit der Sprache rauszurücken, welche Informationen er über sie und ihre Unfallnacht zu haben glaubte, stimmte sie schließlich mit einem zögerlichen Nicken zu.
    „Na schön …“, setzte Silas an, dem ihre Rektion offenbar ausreichte und verfiel dann in eine Art Denkerpose, als müsste er einen kurzen Augenblick überlegen, wie er fortfahren wollte.
    „Also, dieser Kreis, dem ich damals beigetreten bin, wählte nach einer Weile einen neuen Vorstand“,fuhr er dann fort. „Mehr und mehr nahm das Ganze sektenhafte Züge an. Die ´Loge der Zwölf` nannten wir uns fortan und plötzlich ging es nicht mehr um die wissenschaftliche Erforschung spiritueller Phänomene, sondern um die praktische Anwendung von dunkler Magie. Es wurden Zeremonien abgehalten, in denen Dämonen beschworen werden sollten…“ Abfällig schnaufend schüttelte er mit dem Kopf. „Anfangs da habe ich das überhaupt nicht ernst genommen. Ich habe es einerseits belächelt, doch andererseits hat es mich auch wieder fasziniert. Und dann … ist alles außer Kontrolle geraten!“
    „Oh mein Gott“, flüsterte Emilia, während sie sich die Hand vor den Mund legte. Obwohl sich ihr Verstand vehement dagegen wehrte, die Zusammenhänge miteinander zu verknüpfen, strich ihr die lähmende Angst mit eisigen Fingern den Rücken herab und ließ sie innerlich erschaudern. Wo um Himmels Willen war er da bloß hineingeraten?
    Mühsam unterdrückte sie den Drang ihn zur Rede zu stellen und ihn zu fragen, was er sich dabei gedacht hatte, sich mit derart zwielichtigen Gestalten zu umgeben, doch hielt sie irgendetwas davon ab.
    Die Kieferknochen fest aufeinandergepresst, starrte er hinaus in die tiefschwarze Nacht, während er nervös seine Hände massierte. Obwohl er versuchte es zu verbergen, entging Emilia das Zittern seiner Finger nicht.
    Sekunden vergingen, in denen sie ihn fassungslos anstarrte, bevor er sich einen Ruck gab und weitersprach.
    „Es gab einen Punkt, an dem ich aussteigen wollte, das kannst du mir glauben, doch da habe ich schon zu tief drin gesteckt“, versuchte er sich zu erklären. „Vor knapp einem Jahr gab es dann eine Versammlung in einer großen Lagerhalle. Es wurde eine ziemlich beeindruckende schwarze Messe abgehalten, in der wir alle mit unserem Blut besiegeln sollten, dem Dämonenfürst Dagon die Treue zu schwören …“
    „Dagon …“, entfuhr es ihr und augenblicklich spürte sie, wie der Raum begann sich zu drehen, als verfüge alleine der schauerliche Klang dieses Namens über die Fähigkeit, die Welt aus den Angeln zu heben.
    „Diese Verrückten haben tatsächlich geglaubt, sie könnten das Böse entfesseln, sich mit einem Geschöpf der Finsternis einlassen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, wie hoch der Preis sein würde“, spuckte Silas die Worte regelrecht aus und der wahnsinnige Ausdruck, der in seinen Augen aufblitzte, ließ Emilia reflexartig vor ihm zurückweichen. Verzweifelt versuchte sie, den Irrsinn hinter seiner Aussage zu erfassen, während das blanke Entsetzen in ihr hochkroch.
    Konnte es tatsächlich sein, dass Silas in Dagons finstere Machenschaften involviert war? Ihr Kollege, dem sie vertraute und für den sie bis vor kurzem noch geschwärmt hatte? Bis gerade eben noch war er eine der letzten Konstanten ihres ´früheren Lebens` gewesen – einem Leben in dem es noch keine Engel und Dämonen gegeben hatte und in dem die Welt noch nicht vom Untergang bedroht gewesen war. Sollte das alles nur ein riesen Fake gewesen sein?
    Verzweifelt versuchte sie gegen die Enge in ihrem Hals anzuatmen.
    Das musste ein Albtraum sein-und zwar einer jener Albträume, der auf grausam reale Weise ein völlig verzerrtes Abbild der Wirklichkeit widerspiegelte.
    „Was ist dann passiert?“, fragte sie schließlich mit zittriger Stimme, als das Schweigen am Tisch unerträglich wurde.
    „Kaum war das Ritual abgeschlossen…“, überwand sich Silas daraufhin weiterzusprechen, „ stieg aus einer riesigen Stichflamme eine abartige Kreatur auf, die so groß war, dass sie fast bis an die Decke reichte. Niemals werde ich diesen Anblick vergessen…“ Er stockte und rang sichtbar um Fassung, während er einen Punkt auf der Tischplatte fixierte, als sehe er die Bilder von damals deutlich vor sich.
    „Das war kein Gesicht, Lia. Das war eine Fratze mit Augen, die in Flammen standen. Ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen und ich hätte es mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können, dass es so etwas überhaupt gibt. Dieses Ding hatte keine Hände … da … da waren nur Klauen mit Krallen, jede einzelne so lang, wie die Klinge von einem Filetiermesser.“ Seine Hände gestikulierten durch die Luft und versuchten die Größenordnung dieser Mordwerkzeuge darzustellen, bevor er seine Arme wieder kraftlos auf den Tisch sinken ließ.
    „Dieses Monster erhob sich plötzlich über unsere Köpfe und nahm jeden Einzelnen ins Visier …“, fuhr er in seinem Redefluss fort „… fast so als wollte es unsere Loyalität überprüfen. Einige, die davonliefen, wurden durch eine unsichtbare Kraft aufgehalten. Kurz bevor sie den Ausgang erreicht hatten, fielen sie schreiend zu Boden. Es … es war schrecklich!“ Erneut schüttelte er den Kopf, als versuche er hiermit, die schlimmen Erinnerungen an das Geschehene zu vertreiben. „Dann veränderte dieses Wesen plötzlich sein Aussehen und nahm menschliche Gestalt an. Auf einmal stand ein junger Mann vor uns, der keinerlei Ähnlichkeit mehr mit diesem Dämon hatte. Er … er hätte genauso gut einer von uns sein können. Trotzdem wussten wir, dass eine Bestie in diesem Körper steckt. Brutal und gnadenlos.“ Er leerte den Rest seiner Cola mit einem Zug und betrachtete die Eiswürfel, die unten im Glas klimperten. Als er wieder zu Emilia aufsah, glaubte sie, das blanke Grauen in seinem Gesicht sehen zu können.
    „Er machte uns unmissverständlich deutlich,…“, setzte er wieder an „… dass es uns ähnlich ergehen würde, wenn wir uns gegen ihn stellen. Sollten wir uns aber als nützlich erweisen und ihm helfen, seine Machtübernahme voranzutreiben, dann würden wir belohnt werden und … wir könnten sogar ausgewählte Menschen retten.“
    Angestrengt stieß er die Luft aus, als habe ihn das Geständnis einiges an Kraft gekostet, während sein von Furcht und Sorge gezeichneter Blick weiterhin auf ihr ruhte.
    Seine Machtübernahme … Wir könnten sogar ausgewählte Menschen retten … klangen seine letzten Worte mit der Penetranz eines immer wiederkehrenden Echos in Emilia nach, bevor die übelkeitserregende Erkenntnis zu ihr durchdrang:
    Er hatte vor sie zu schützen. Er wollte sie retten. - Aber nicht so. Nicht so!!!
    Er hat sich mit Dagon eingelassen … Mit Dagon!!!… Es gibt ihn wirklich … Es muss ihn geben … Das hier ist der Beweis … Alles ist wahr … Das kann nicht wahr sein!!! … drängten sich nun all die anderen unwiderruflichen Fakten in den Vordergrund, während sie verzweifelt versuchte,aus dem herumwirbelnden Chaos ihrer eigenen Gedanken etwas herauszufiltern, das ihr Halt gegeben hätte.Das sie davor bewahrt hätte, den Verstand zu verlieren.
    Die Tatsache, dass Silas Dagon bereits gegenübergestanden haben sollte, sprengte nicht nur ihre Vorstellungskraft, sie konfrontierte sie zugleich mit ihren albtraumhaftesten Befürchtungen.
    Wie gerne hätte sie weiter daran festgehalten, dass es sich lediglich um eine düstere Legende handelte, die man sich erzählte oder um eine bloße Vermutung, die bislang nur auf reinen Spekulationen basierte. Aber damit war nun Schluss! Die Illusion, welche sie auf dem ohnehin schon wackligen Fundament ihrer Hoffnung errichtet hatte, brach in sich zusammen wie einKartenhaus.
    Silas` Augen hatten im Licht der gedämmten Beleuchtung einen Ton angenommen der an die undurchdringliche Schwärze von zähflüssigem Teer erinnerte. Emilia versuchte, darin zu ergründen, was sich in ihm abspielte. Ein Anzeichen von Reue zu finden, … doch sie sah nichts als nackte Angst.
    Darum bemüht, ihre eigene Furcht im Zaum zu halten, kämpfte sie die Stimme nieder, die sich aus dem hintersten Winkel ihres Verstandeszu Wort meldete und sie mit alarmierender Eindringlichkeit zu warnen versuchte:
    Vertrau ihm nicht!
    Schnell drängte sie den Gedanken beiseite. Silas war ebenso wie sie selbst in die Sache hineingeschlittert was ihn nicht zwangsläufig zu einem schlechten Menschen machte. Und was wenn doch?
    Einen Moment schloss sie die Augen, in der Hoffnung, das heillose Durcheinander zu sortieren, welches ihr Denken erschwerte. Sie musste unbedingt einen klaren Kopf behalten und sich konzentrieren!
    Verdammt, Lia! Denk nach!
    „Seine Machtübernahme …“ wiederholte sie erneut leise murmelnd, die letzten von Silas gesprochenen Worte, bevor Elias` Hiobsbotschaft aus ihrer Erinnerung emporstieg, wie ein Raubvogel, der sich auf Beutezug begab.
    An oberster Stelle steht für Dagon die Zerstörung des himmlischen Reiches. Er will die ganze bisherige Ordnung auf den Kopf stellen und ein neues System erschaffen, an dessen Spitze er regieren wird und glaube mir, das wollen wir uns nicht mal vorstellen …“
    Gestern noch hatte sie ihn deswegen für verrückt erklärt. Heute war sie willens gewesen, ihm Glauben zu schenken … und jetzt stand es ein für alle Mal endgültig fest. Er hatte recht gehabt. Jedes einzelne Wort war die Wahrheit gewesen.
    „Was weißt du sonst noch? Hast du eine Ahnung, was genau Dagon vorhat? “, fuhr sie Silas an, unfähig, noch weiter Ruhe zu bewahren.
    „Ich kann es dir nicht sagen, Lia. Aber mal ehrlich,… was sollte ihn davon abhalten, sich des Buches zu bedienen? Nun, da die Menschen ihn heraufbeschworen haben, wird er es sich zunutze machen wollen. Und was das bedeutet, brauche ich dir wohl nicht zu erklären.“ Mit einem resignierten Seufzen ging er sich erneut durch die Haare.
    „Wir … wir müssen ihn irgendwie aufhalten … Es muss doch einen Weg geben…“
    Wir werden ihn ganz bestimmt nicht aufhalten!“, fuhr Sials ihr ins Wort und sah sie dabei an, als hätte sie den Verstand verloren.
    „Aber…“
    „Das Buch ist nicht mehr in Dagons Besitz, okay? Ein junger Wissenschaftler namens Jayden Hays hat es vor einigen Wochen der Loge gestohlen und sich damit abgesetzt…“, unterbrach er sie erneut. „Er hält sich im Untergrund versteckt. Dagon ist auf der Suche nach ihm … Aber ich brauche dir wohl nicht zu erklären, was passiert, wenn er ihn findet.“
    „Dann wäre der Kampf zu Ende, noch bevor er überhaupt begonnen hätte …“, brachte Emilia den schaurigen Gedanken zu Ende.
    Ihr Optimismus schwand dahin, verflüchtige sich wie ein einzelner Tropfen in tosender Brandung. Die Ausweglosigkeit drohte sie unter den Massen ihres tonnenschweren Gewichts zu erdrücken.
    Wie sehr sie sich Elias` tröstende Nähe zurückwünschte. Er hatte den Wahnsinn erträglich gemacht und sie davor bewahrt komplett durchzudrehen. Nun schlug das Chaos erbarmungslos über ihr zusammen. Als habe sich eine Falltür zu ihren Füßen geöffnet, die ihr den Boden wegzog und sie von jetzt auf gleich in die Tiefe stürzen ließ.
    Es wird alles gut werden! ... Vertrau mir! ..., schlich sich Elias` beruhigende Stimme in ihren Geist. Die Worte, mit denen er sich vorhin noch bei ihr verabschiedet hatte, hallten in ihr wider und sorgten dafür, dass die Ruhe zu ihr zurückkehrte.
    Wie es schien war das Buch zumindest für den Moment an einem sicheren Ort und für Dagon unzugänglich, was ihnen einen kleinen Aufschub verschaffte. Womöglich war noch nicht alles verloren und wenn sie es schafften, den Pentokrator vor ihm zu finden, gäbe es vielleicht sogar noch eine Chance die Katastrophe abzuwenden.
    Obwohl die Erfolgsaussichten nicht eben erbaulich waren, spürte sie eine neue Hoffnung in sich aufsteigen.



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    Kapitel 1.3