HEAVEN (Band II)

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  • Danke euch allen für eure Kommentare und dass ihr das hier tatsächlich mit mir bis zum Schluss durchgezogen habt. :) Ohne eure Unterstützung, die guten und hilfreichen Tipps sowie die vielen motivierenden Worte zwischendurch, wäre ich niemals so weit gekommen.


    Neben meiner Antwortbox möchte ich euch heute noch ein kleines "Goodie", als eine Art Fun Fact hier lassen. Und zwar handelt es sich um den Ausgang dessen, was mit Jayden Hays und dem Buch passiert ist. Ich bin mir nicht sicher, ob es sich als Epilog eignet, weil es den Leser ggf, etwas irritieren könnte, dass hier von den Mönchen plötzlich Magie praktiziert wird, was ja in meiner Geschichte bisher weniger eine Rolle gespielt hat. (zumindest von der Seite der Menschen ausgehend) Es könnte ein bisschen wie aus dem Nichts kommend wirken :hmm: Aber ich finde diesen abschließenden Teil einfach zu cool, um ihn euch vorzuenthalten.


    Eventuell entschärfte ich es auch einfach noch etwas oder formuliere es so um, dass es sich besser einfügt. Vielleicht empfindet man es als Leser aber auch gar nicht so schlimm und es könnte theoretisch so bleiben. Ich zeigs euch einfach mal und wenn ihr Lust habt, könnt ihr mir dazu ja mal ein Feedback da lassen. Es sind, wie gesagt, zwei Teile...




    Jayden Hays (1)



    Mit skeptischem Blick umrundete Jayden das freischwebende Pentagramm, in dessen Mitte sich der wohl bedeutungsschwerste Fund der gesamten Menschheitsgeschichte befand: der Pentokrator.
    Kritisch besah er sich die flammenden Linien des fünfzackigen Sterns, die von einer bläulich schimmernden Kugel umgeben waren und fuhr mit seinen Fingern vorsichtig die runenartigen Symbole nach, die sich auf der durchscheinenden Oberfläche abzeichneten.
    Es schien, als formten sie sich immer wieder neu und sorgten so dafür, dass der Bannkreis lebendig wurde.
    Stell es dir wie eine Art Schutzzauber zur Abwehr des Bösen vor, hatte Pater Rodriguez vorgestern im Anschluss an das Ritual erklärt und Jayden dabei mit einer beinahe väterlichen Geste im Vorbeigehen auf die Schulter geklopft, als sei es das Normalste von der ganzen Welt, dass einem blaue Funken aus den Fingern sprühen, die sich kurz darauf zu einem überdimensional großen Drudenfuß formen.
    Obwohl sich der junge Wissenschaftler jahrelang mit übernatürlichen Phänomenen und spirituellen Lehren auseinandergesetzt hatte, musste er sich eingestehen, dass er sich im Augenblick wie ein unwissender Schuljunge vorkam. Die Kräfte derer man sich hier bediente, waren eindeutig anderer Natur als jene, mit denen er sich während seiner Ausbildung hatte beschäftigen müssen und mit ziemlicher Sicherheit waren sie auch in keinem der gängigen Bücher vermerkt, die er als Parapsychologe bislang studiert hatte.
    Wenn er ehrlich war, so hatte er noch vor Kurzem nicht einmal in Erwägung gezogen, dass es so etwas wie die ´geheime Bruderschaft` in Wirklichkeit überhaupt gab. Und nun war er hier, in dem ältesten Kloster des Ordens, an einem der entlegensten Orte dieser Welt.
    Doch das Verrückteste an allem war: Er wusste nicht mal mehr, wie er hierher gefunden hatte. Beinahe war es, als habe ihm das Buch den Weg gewiesen. Nur schemenhaft konnte er sich daran erinnern, was geschehen war, nachdem er es an sich genommen hatte und so sehr er auch versuchte, die vergangenen Tage Revue passieren zu lassen, verschwammen sie jedes Mal aufs Neue zu einer kuriosen Traumlandschaft aus zusammenhangslosen Bildern.
    Er wollte sich nicht vorstellen, wie sein Verschwinden - und vor allem das des Buches – in der Loge aufgefasst worden war. Sicher suchte man bereits den gesamten Globus nach ihm ab und hatte ihm die komplette dämonische Unterwelt auf den Hals gehetzt, um das kostbare Stück wieder zurückzuerlangen.
    Mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend fragte er sich, wie lange der Schutzmechanismus noch halten würde, um die uralte Magie, die diesem heiligen Relikt innewohnte, und die wie ein pulsierender Strom göttlicher Energie aus ihm herausströmte, vor den dunklen Mächten zu verbergen.
    „Wie viel Zeit wird uns noch bleiben, Padre?“, fragte er nervös und wandte sich dem älteren Mann zu, der in gebeugter Haltung hinter einem Schreibtisch am anderen Ende des Raumes saß. Der Füllfederhalter den er in der Hand hielt, fuhr mit einem kratzenden Geräusch über das dünne Papier, welches vor ihm lag.
    „Ich befürchte, sie werden bald hier sein …“, sagte der Alte und blickte kurz zu Jayden auf, bevor er sich schnell wieder seiner Nachricht zuwandte. „Ich kann sie bereits spüren“, fügte er mit einem kaum verständlichen Murmeln hinzu, weshalb Jayden nicht mit Sicherheit sagen konnte, ob die Information überhaupt für ihn bestimmt gewesen war.
    Aber ganz egal, ob sie es war oder nicht, sie hatte garantiert nichts Gutes zu bedeuten. Unschlüssig, was er tun sollte, stand er verloren da, den Blick auf den Menschen gerichtet, mit dem er aller Voraussicht nach die letzten Stunden seines Lebens verbringen würde.
    Im Schein des flackernden Kaminfeuers war es unmöglich, sein genaues Alter zu schätzen. Trotz der vielen Falten, die sich wie tiefe Furchen in sein Gesicht gegraben hatten, funkelten seine wachen Augen voller Lebenskraft und obwohl die Haare unter der zurückgeschlagenen Kapuze seiner Robe bereits von grauen Strähnen durchzogen waren, fiel es Jayden nicht sonderlich schwer, sich vorzustellen, wie der Padre einmal ausgesehen haben musste, als er ein junger Novize gewesen war.
    Nach allem, was er wusste, war der Orden der ´geheimen Bruderschaft` keiner, dem man sich freiwillig verschrieb. Man wurde hineingeboren.
    Wenn die Legenden stimmten, so waren die Anhänger der Gründerzeit direkte Nachkommen der ´Nephilim`. Trotz ihrer menschlichen Herkunft, so hieß es, floss in ihren Adern göttliches Blut, was es ihnen ermöglichte, sich im Kampf gegen das Böse überirdischer Fähigkeiten zu bedienen.
    Das quietschende Geräusch der schweren Eichenholztür riss Jayden aus seinen Gedanken, als ein weiterer Mann eintrat. Gekleidet in das gleiche pergamentfarbene bodenlange Gewand sah er Pater Rodriguez zum Verwechseln ähnlich. Auch er verfügte über die gleichen wachsamen tiefblauen Augen und einer Körperspannung, von der so mancher Teenager nur geträumt hätte.
    „Sie kommen!“, sagte er mit ruhiger Stimme, als kündige er den Besuch einer Touristengruppe an, und nicht den einer blutrünstigen Dämonenschar.
    „Was? Schon jetzt?“, stieß Jayden aus und sah fassungslos zwischen den beiden Mönchen hin und her.
    Als der Padre gemeint hatte, sie würden bald hier sein, hatte er nicht damit gerechnet, dass ´bald` im eigentlichen Sinne ´jetzt` bedeutete.
    Obwohl er die ganze Zeit über gewusst hatte, dass dieser Moment kommen würde, fühlte er sich alles andere als vorbereitet. Er glaubte zu spüren, wie sich seine Eingeweide verkrampften und jeglicher Sauerstoff aus seinen Lungen wich.
    Mit einem knappen Nicken signalisierte Pater Rodriguez, dass er verstanden hatte und erhob sich in einer für sein Alter äußerst geschmeidigen Bewegung von dem Schreibtisch.
    Dann rollte er den Brief in seinen Händen zusammen und griff nach dem Stück Wachs, das neben ihm lag. Kurz hielt er es über den Docht einer brennenden Kerze, die vor ihm auf dem Tisch stand, bevor er die dunkelrote Masse auf die Schriftrolle drückte, um sie zu verschließen. Mit dem Ring, welchen er an dem Finger seiner rechten Hand trug, hinterließ er das Symbol der Bruderschaft auf dem Siegel. Es stellte einen Phoenix dar, der sich von Flammen umgeben in die Lüfte erhob.
    „Möge der Himmel uns beistehen!“, sagte er bedächtig und drehte den Brief ein letztes Mal in seinen Händen, bevor er ihn vor sich in die Luft warf. Wie aus dem Nichts verwandelte er sich in eine funkensprühende Feuerkugel, die genauso schnell verschwand, wie sie aufgetaucht war. Zurück blieben einzig ein paar glühende Buchstaben, die durcheinander tanzten und sich schließlich erhoben, um durch die Decke zu verschwinden.
    Jayden war erschrocken zurückgesprungen und besah sich nun die die kläglichen Überreste des angekokelten Papiers, welches herabrieselte und sich auf dem Tisch zu einem Aschehäufchen aufschichtete.
    „Aber bis es soweit ist …“, sagte der Padre feierlich während er sich Jayden zuwandte, „…werden wir diesen Missgeburten der Hölle zeigen, was es heißt, sich mit uns anzulegen!“
    Der kurze Moment, in dem sich ihre Blicke trafen genügte, um Jayden eine Gänsehaut zu verursachen. Die Augen des Mönchs hatten eine unheimliche Färbung angenommen. War es zuvor noch ein strahlendes Blau gewesen, das auf beeindruckende Weise an die spiegelnde Oberfläche des Ozeans erinnert hatte, so erstrahlten seine Iriden nun in einem silbrig glänzenden Licht.
    Ungewollt wich Jayden einen Schritt zurück und stieß gegen eines der Gebetspulte, das in der Ecke stand.
    Mit wild klopfendem Herzen beobachte er den Padre, wie er auf den Kamin zuschritt und die beiden Schwerter aus der Halterung griff, die darüber an der Wand hingen. Ehrfürchtig begutachtete der Geistliche die schweren Klingen, als begrüße er einen längst vergessenen alten Freund, bevor er eine der Waffen dem Ordensbruder zuwarf, der noch immer im Türrahmen stand. Geschickt pflückte dieser das Schwert aus der Luft und es landete sicher in seiner Hand. Nachdem die beiden einen letzten Blick getauscht hatten, wandte sich der eine um und verschwand schnellen Schrittes in dem trüben Licht des kaum ausgeleuchteten Flures.
    Jayden spürte die Trockenheit in seinem Mund und erst jetzt bemerkte er, dass er die ganze Zeit über offengestanden haben musste. Trotz der prekären Lage, in der er steckte, glaubte er kurzzeitig, einem schlechten Scherz zum Opfer gefallen zu sein.
    Nur mit Mühe konnte er gegen das hysterische Lachen ankämpfen, das in ihm hochkriechen wollte.
    Die Aussicht darauf, dass sie Dagons Lakaien mit einer Handvoll Geistlicher entgegentreten würden, die gelinde gesagt bereits in die Jahre gekommen waren, war die eine Sache. Dass die altertümlichen Waffen, die er ursprünglich für Dekorationsartikel gehalten hatte, nun offenbar auch noch für ihre Verteidigung herhalten sollten, war die andere.
    Wenn das verstaubte Antiquariat alles war, was die Ordensgemeinschaft dem Feind entgegenzusetzen hatte, dann konnte er sich auch gleich hier und jetzt aus dem Fenster stürzen. Die drei Stockwerke würden mit ziemlicher Sicherheit ausreichen, um ihm einen schnellen Tod zu bescheren, der aller Voraussicht nach obendrein weniger qualvoll wäre.
    „Du hast der Menschheit einen großen Dienst erwiesen, Jayden“, unterbrach der Padre seine finsteren Überlegungen, als ahne er, was in ihm vorging. „Ganz gleich, wie die Sache heute für uns ausgehen wird ...“
    Die Worte des Padres legten sich wie ein glühender Ring aus Eisen um Jaydens Brust. Kurz darauf ließ ein unheilverheißendes Grollen, das aus den Tiefen des alten Mauerwerks zu kommen schien, den Boden erzittern und sorgte dafür, dass die Fensterscheiben zu klirren begannen.
    Reflexartig umklammerte er das Gebetspult, um nicht ins Straucheln zu geraten, während er sich hektisch umblickte.
    Die Flammen, die bis gerade eben noch friedlich an den Holzscheiten im Kamin hochgekrochen waren und das Zimmer in ein behagliches orange-gelbes Licht getaucht hatten, schlugen ihm plötzlich entgegen. Funkensprühend griffen sie wie Fangarme nach den beiden Männern und absonderliche Fratzen traten aus den Umrissen hervor.


    Hier gehts weiter:

    Jayden Hays (2)

  • Wenn du magst, weihe ich dich demnächst mal in meine Ideen ein. Das Schöne ist, dass ihr jetzt die Chance habt, den Plot aktiv mitzugestalten

    Gerne. Da bin ich neugierig. Du hattest mir ja schon mal einen Plotentwurf geschickt, aber seitdem hat sich einiges getan, so dass du ihn bestimmt schon ziemlich umgestrickt hast.


    Übrigens ist der Jayden Hays-Part wieder mal sehr gut geschrieben. Düster und unglaublich geheimnisvoll. Was da genau passiert, wird mir zwar nicht richtig klar, aber es klingt wie der Auftakt zu etwas Großem und Schaurigem. Ich würde das als Epilog drinlassen, weil es erstens toll zu lesen ist und zweitens impliziert, dass uns eine neue Dimension erwartet, die wir noch nicht kennen, die aber vermutlich noch so einiges an Gänsehautfaktor zu bieten hat. :)

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince


  • Hier kommt noch der abschließende zweite Teil zu Jayden Hays, womit ich mich dann auch endgültig verabschieden werde. :)



    Jayden Hays (2)

    Geistesgegenwärtig warf sich Jayden auf den Boden, kroch auf das Pentagramm zu und suchte hinter der leuchtend blauen Kugel Schutz.
    Wie durch einen schimmernden Vorhang beobachtete er aus seinem Versteck das Geschehen. Das Schwert von sich gestreckt, stand der Padre kerzengerade da, während der heiße Luftstrom ihm entgegenwehte. Er hüllte ihn ein, zerrte an seiner Robe und dennoch schien er ihm nicht das Geringste anhaben zu können. Selbst auf die Entfernung spürte Jayden die sengende Hitze, die den Raum zum Flimmern brachte, doch der Padre blieb davon völlig unberührt. Langsam, Schritt für Schritt näherte er sich dem lodernden Kamin, umklammerte mit der freien Hand das Kreuz, welches an einer langen Kette um seinen Hals baumelte und sprach mit fester Stimme:
    „Im Namen unseres Herrn Jesu Christi beschwöre ich dich, jeglicher unreine Geist, jegliche satanische Macht, jegliche feindliche Sturmschar der Hölle, jegliche teuflische Legion, Horde und Bande: Verlasse diesen Ort. Lasse ab von den Menschen und gehe dorthin zurück, wo du hingehörst …“
    Ein widerwärtiges Fauchen ertönte, das zu einem gequälten Wehklagen anschwoll. Die unmenschlichen Schreie fuhren Jayden durch Mark und Bein, bohrten sich wie eiskalte Splitter in sein Innerstes. Mit schmerzverzerrtem Gesicht presste er sich die Handflächen auf die Ohren, um den schrecklichen Lauten zu entkommen.
    Währenddessen bäumten sich die Flammen vor dem Padre auf, als wehrten sie sich mit aller Macht gegen den beschwörenden Singsang, mit dem er unentwegt fortfuhr. Nach einem letzten widerspenstigen Aufbegehren gaben sie schließlich nach und zogen sich in die gemauerte Einfassung des Kamins zurück. Für einen Moment herrschte Stille. Das Feuer brannte wieder gemütlich knisternd vor sich hin und verbreitete eine Behaglichkeit, die unecht und aufgesetzt wirkte. Zögernd nahm Jayden die Hände von den Ohren und horchte auf. In der Ferne hörte er den dumpfen Hall von Kampfgeräuschen.
    „Junge“, hörte er Pater Rodriguez mit belegter Stimme sagen.
    „Ja Padre. Ich bin hier“, antwortete Jayden, während er ein Stück nach vorne rutschte, um sich zu zeigen.
    „Bleib` wo du bist!“, wies der Geistliche ihn an, und unterstrich die Autorität seiner Aussage damit, dass er mit der Spitze seines Schwertes auf ihn zeigte. „Und komm nicht heraus, egal, was auch passiert!“
    Jayden brachte nicht mehr als ein klägliches Nicken zustande. Ob er wollte oder nicht, musste er sich eingestehen, dass er die Kampftauglichkeit des Mönchs unterschätzt hatte. Die strahlende Aura, die ihn umgab, und die sich wie ein schimmernder Schutzschild über ihn legte, brachte seine Erscheinung regelrecht zum Leuchten. Ganz zu schweigen von dem Schwert, dessen ursprünglich verstaubte und unscheinbare Klinge nun erhaben aufflammte und die düstere Umgebung mit ihrem blendend weißen Licht erhellte.
    Vielleicht gab es ja doch eine verschwindend kleine Chance, lebend aus der Sache herauszukommen?
    Es blieb keine Zeit, länger bei diesem Gedanken zu verweilen, da im nächsten Augenblick ein ohrenbetäubender Knall, wie der einer Gasexplosion das gesamte Gebäude erschütterte.
    Jayden wurde mit voller Wucht gegen die Rückwand des Zimmers geschleudert und schlug dort so hart mit dem Kopf auf, dass er für einen Moment nicht anders konnte, als reglos liegenzubleiben. Das pulsierende Rauschen in seinen Ohren ließ sämtliche Geräusche um ihn herum verblassen. Alles, was er hörte, war ein monotones Pfeifen.
    Sein gesamter Körper schmerzte und der Versuch, sich langsam aufzurichten, wurde durch einen bohrenden Stich in seinem Knöchel unterbunden. Verzweifelt tastete er nach seinem Fuß, versuchte den Blick scharf zu stellen, um in der Dunkelheit etwas erkennen zu können. Warum verdammt nochmal konnte er nichts sehen? Hektisch fuhren seine Finger zu seinen Augen und erst jetzt bemerkte er die Platzwunde an seinem Kopf und das Blut, das ihm in Strömen das Gesicht herunterlief.
    Nur langsam nahmen die Schemen um ihn herum Formen an und er spürte den Wind, der ihm in eisigen Böen durch die Haare fuhr, als befände er sich auf der Aussichtsplattform eines zwanzig-stöckigen Wolkenkratzers.
    Als er sich seitlich abstützen wollte, um sich hochzuziehen, gab der Boden unter ihm nach und die kläglichen Überreste der Mauer, die er dort erwartet hatte, stürzten in die Tiefe. Um ein Haar wäre er abgerutscht, hätte ihn nicht eine kräftige Hand von hinten gepackt und zurückgezogen.
    Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, starrte er auf den Abgrund, der sich vor ihm auftat. Durch die heftige Detonation war nicht nur das Dach, sondern offensichtlich auch die komplette Frontseite des Klosters weggesprengt worden.
    Wie das Skelett eines Urzeitriesen ragten die Stützpfeiler, welche die Dachkonstruktion gehalten hatten zwischen den Trümmern eingefallener Wände empor, während sich eine Wolke herabrieselnder Staubpartikel wie ein feiner Schleier darüberlegte.
    „Grundgütiger!“, hörte Jayden die heisere Stimme des Padres an seinem Ohr. Das Gesicht verzogen zu einer Maske ehrfürchtigen Staunens, blickte er in den Nachthimmel, als er sich langsam aufrichtete und sich mit seinem Schwert in der Hand erneut positionierte. Erfüllt von einer unheilvollen Vorahnung, legte Jayden den Kopf in den Nacken und folgte damit dem Beispiel des Padres. Was er sah, ließ das Blut in seinen Adern gefrieren.
    Eine undefinierbare Anzahl düsterer Wesen, kreiste über dem Kloster. Wie Fliegen schwirrten sie umher, formten sich zu einem riesengroßen Schwarm, der sich wie ein schwarzer Schatten vor ihnen aufbäumte und das letzte Funkeln der Sterne verschluckte.
    „Was zur Hölle ist das?“, entfuhr es Jayden. Unter Aufbringung all seiner Kraft robbte er von dem Abgrund fort. Dabei fielen ihm die grellen Lichter ins Auge, die sich über das zerstörte Areal verteilten und die wie wild flackernde Kerzen der Dunkelheit trotzten. Es waren die lodernden Klingen der Ordensbrüder, die sich genau wie Padre Rodriguez der undurchdringlichen Wand entgegenstellten.
    Mit wild pochendem Herzen sah Jayden zu dem Pentagramm herüber, in dessen Mitte nach wie vor der Pentokrator schwebte. Die Linien, mit denen der Drudenfuß gezeichnet worden waren, schienen regelrecht zu glühen, als reagierten sie auf die nahende Bedrohung.
    Die Hoffnung, das Buch mit all seinen mächtigen Geheimnissen jetzt noch vor den finsteren Kreaturen verstecken zu können, löste sich in Luft auf. Sie hatten es bereits entdeckt.
    Markerschütternde Schreie, wie von Raubvögeln, die ihrer Beute nachjagen, tönten von überall her. Sie schwollen an und wurden schließlich zu einem unerträglichen Kreischen, das Jayden von innen zu zerreißen drohte.
    Langsam nahm der wabernde Schwarm Konturen an und es formten sich daraus die Umrisse eines Schädels, der fast vollständig von einer Kapuze bedeckt war. Das feurigrote Glühen, das aus seinen tiefliegenden Augenhöhlen hervorstach, brannte sich tief in Jaydens Brust und sog ihm auch noch das letzte bisschen Wärme aus seinem Körper.
    Beinahe anmutig schwebte die Gestalt durch die Luft, als bestünde sie aus hauchdünnem Leinen, der im Wind sanft hin und herwog.
    Mit Schrecken beobachtete Jayden, wie sich eine riesenhafte, klauenbesetzte Hand aus der dunklen Masse erhob. Die langen, knochigen Finger mit den spitz zulaufenden Nägeln, bewegten sich langsam auf ihn zu, während sich der unheimliche Blick dieser dämonischen Kreatur auf ihn heftete.
    „Pa…Pa…Padre“, stotterte er hilfesuchend und rutschte instinktiv weiter weg von dem Ungetüm, auf den Geistlichen zu, um bei ihm Schutz zu suchen.
    Mit unbewegter Miene stand dieser direkt hinter ihm, das flammende Schwert gen Himmel gerichtet. Die glühende Lichtfontäne die aus der Klinge emporschoss, tanzte über seinem Kopf und bahnte sich einen Weg durch die nachtschwarze Dunkelheit. Dort, wo der grell leuchtende Strahl auf den übergroßen Dämon traf, fraß er sich wie Säure durch seinen Körper.
    Überall ringsum ergab sich ein ähnliches Bild. Der Anblick der vielen zuckenden Lichtkegel, die wie Scheinwerfer die Finsternis durchbrachen war faszinierend und beängstigend zu gleich und erinnerte Jayden an eine spektakuläre Lasershow. Doch der Dämon ließ sich davon nicht aufhalten. Immer wieder fügte er sich auf neue Weise zusammen, wie ein Puzzle, das aus vielen tausend Teilen bestand. Mit einer einzigen Bewegung seines hervorschnellenden Arms fegte er seine Angreifer fort, als koste es ihn nicht mehr Kraft, eine lästige Fliege abzuwehren. Wie Strohpuppen wurden die Kämpfenden von den Füßen gerissen und durch die Luft gewirbelt.
    Nach und nach verschwanden die Lichter in dem schwarzen Schatten, der sich zu einer Art Strudel formte. Auch der Padre verlor den Halt. Zu stark war der Sog, der von dem Dämon ausging, und bevor er noch ein einziges Wort sagen konnte, flog er davon.
    Erfasst von einer schier grenzenlosen Angst kauerte sich Jayden zusammen und musste das Ende der ´geheimen Bruderschaft` mit ansehen. Mit einem traurigen Funkenregen rieselten die glimmenden Überreste der göttlichen Vertreter vom Himmel, als seien sie zermalmt und wieder ausgespuckt worden.
    Jayden entfuhr ein klägliches Stöhnen, als der dunkle Nebel sich wieder zu seiner ursprünglichen Form zusammenfügte.
    Nur kurz streiften die rotglühenden Augen des Dämons seinen Blick, bevor sie sich auf den Pentokrator hefteten. Erneut schob sich die Knochenhand des grauenhaften Riesen unter dem flatternden Gewand hervor. Sie kam näher und immer näher.
    Vergeblich versuchte Jayden, die aufkommende Panik niederzukämpfen, seine Atmung zu kontrollieren und das unbändige Zittern abzustellen, das seinen gesamten Körper zu erschüttern schien. Doch es war ihm nicht möglich.
    Die Luft vor seinen Augen begann zu flimmern und es war, als ströme das Leben mit jedem Atemzug aus ihm heraus. Dunkelheit legte sich über ihn, schenkte ihm eine gnadenvolle Ruhe und ließ ihn auf den kalten Boden sinken.
    Du hast der Menschheit einen großen Dienst erwiesen, ganz gleich, wie die Sache heute für uns ausgehen wird... , hallten die Worte des Padres in ihm nach, bevor die eiskalte Nacht ihn verschluckte.

  • Dieser Epilog gefaellt mir gut, das ist atmosphaerisch dicht und sehr bildhaft geworden und liest sich schoen!


    Meine Anmerkungen sind wieder mal zu dem Thema - mehr die Panik spueren lassen, manches finde ich zu distanziert und reflektiert erzaehlt:



    Jayden brachte nicht mehr als ein klägliches Nicken zustande. Ob er wollte oder nicht, musste er sich eingestehen, dass er die Kampftauglichkeit des Mönchs unterschätzt hatte. Die strahlende Aura, die ihn umgab, und die sich wie ein schimmernder Schutzschild über ihn legte, brachte seine Erscheinung regelrecht zum Leuchten. Ganz zu schweigen von dem Schwert, dessen ursprünglich verstaubte und unscheinbare Klinge nun erhaben aufflammte und die düstere Umgebung mit ihrem blendend weißen Licht erhellte.
    Vielleicht gab es ja doch eine verschwindend kleine Chance, lebend aus der Sache herauszukommen?


    Hier bringt er grade mal ein Nicken zustande, aber sinniert dann ueber die Kampftauglichket der Moenche und so... finde ich unpassend.


    Der Anblick der vielen zuckenden Lichtkegel, die wie Scheinwerfer die Finsternis durchbrachen war faszinierend und beängstigend zu gleich und erinnerte Jayden an eine spektakuläre Lasershow.

    Nee, 'Lasershow' ist hier eher Stimmungskiller...

    Erfasst von einer schier grenzenlosen Angst kauerte sich Jayden zusammen und musste das Ende der ´geheimen Bruderschaft` mit ansehen. Mit einem traurigen Funkenregen rieselten die glimmenden Überreste der göttlichen Vertreter vom Himmel, als seien sie zermalmt und wieder ausgespuckt worden.

    Hier behauptest Du die schier grenzenlose Angst - und dann kommt ein recht schwacher Satz, man hat keine Angst vor dem Bild, das wirkt eher traurig.


    Hier sollte der Text eigentlich richtig mit Wucht einschlagen, und das tun diese Saetze nicht so recht.

  • Ein sehr stimmungsgewaltiger und bildhafter Epilog. Die Bruderschaft hat also versucht, den Pentokrater vor dem Zugriff der Bösen zu entziehen, was schiefgeht. Nun werden sie sicherlich mit dem Ding noch ein schönes Spektakel anrichten, das wir dann in Band III bewundern dürfen. Ha, ich bin gespannt!

    Ehrlich gesagt, ist mir nicht klar, welche Rolle Jayden bei dem spielt, warum er dabei sein sollte, aber das ist vermutlich bewusst unklar gelassen. Offenbar stirbt er hier - oder? Warum meint der Pater, es wäre gut, dass er dabei ist? Aber auch das erfahren wir dann wohl noch.

    Den Punkten von Thorsten würde ich mich anschließen. Der Abschnitt wirkt dennoch sehr stark.

    Gefällt mir!


    Eine Kleinigkeit:

    und das unbändige Zittern abzustellen, das seinen gesamten Körper zu erschüttern schien.

    erschüttert das Zittern seinen Körper nun oder scheint es nur so? Aber dann müsste er es ja nicht abstellen.

    Das Wort "schien" sehe ich häufig in Texten und fast immer würde der Text ohne das stärker wirken.


    Aber nun drück dich mal nicht länger. Hier warten einige unruhige Geister auf Band III :love:

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Liebe Rainbow

    die Jayden Hays Abschnitte sind dir gut gelungen. Es ist noch ein wenig schwer zu beurteilen, wie sie zum Rest der Geschichte passen. Es soll der Prolog zu Buch III werden. Oder? Als Epilog finde ich es nicht so optimal, weil der Abschnitt ein neues "Thema" aufmacht und dann Buch II ein etwas seltsames Ende findet.

  • Lieben Dank Thorsten  Kirisha und Sensenbach für euer Feedback :)



    Aber nun drück dich mal nicht länger. Hier warten einige unruhige Geister auf Band III

    Das erste Kapitel von Band III ist schon fast fertig :D ... wenn es in dem Tempo weitergeht, kann ich euch in 1,5 Jahren die Fortsetzung zeigen :rofl:

  • Meinen Glückwunsch zum Abschluss des zweiten Bandes. Ein guter Grund für eine kleine Party, zu deinen Ehren!

    :party2:  :sekt: :diablo: :angel: :beer: :party: :saint: :girl_devil: :tada: :mamba2: :queen:


    Die Spiegelszene am Ende ist Klasse (das Böse in ihr..., sehr genial/schaurige Atmosphäre) und auch der Epilog mit Jayden Hays gefällt mir gut. Was wohl die geheimnisvolle Wortes des Mönches bedeuten, dass Jayden Hays der Welt einen Dienst erwiesen hat, egal wie es heute ausgeht? Es ist ein wunderbar atmosphärischer und düsterer Ausklang, der eine gute Ankündigung des dritten Bandes ist. Ich bin schon gespannt, was du dir da ausgedacht hast, auch wenn es jetzt wohl länger warten heißt.


    Für mehr blümchenpflückende Orks, blutrünstige Elfen und vegetarische Drachen!

  • Danke, Alexander2213 und Kirisha :danke:



  • Hey Rainbow :)


    Ich habe die beiden Jaden Hays Parts in einem Rutsch gelesen und was soll ich sagen - ich fand sie fantastisch! Das war atmosphärisch sehr gut geschrieben und brachte einem ein bisschen die Gänsehaut ein. Ich an deiner Stelle würde den Textschnippsel irgendwie verwerten. Um ihn rauszuschmeißen ist er einfach zu gut :)


    Als Epilog zu Band II finde ich es eigentlich ganz gut, da Freddy ja noch Bezug zu dem Buch genommen und über Jaden gesprochen hat. Bin gespannt, ob der Wissenschaftler wirklich tot ist, oder überlebt hat. Ein bisschen hoffe ich ja auf Letzteres :ugly: In der kurzen Sequenz habe ich bereits angefangen, ihn zu mögen :rofl:


    Zu guter Letzt: Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss von Band II - du hast das gerockt! :party:


    LG :)

    • Offizieller Beitrag

    Hey Rainbow

    Ich habe mal ein bisschen weitergelesen ...


  • Etiam was für eine tolle Beschreibung, die ich sehr treffend und mit großer Tiefe formuliert fand und gerne gelesen habe.

    Zwar stimme ich nicht in allen Punkten mit dir überein, aber doch in vielen wesentlichen Aspekten, und bin auch ein riesengroßer Fan von HEAVEN. Ich finde auch, dass Part II noch wesentlich stärker ist als Part I, obwohl mir auch der schon extrem gut gefallen hat.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Danke, LadyK , Etiam und Kirisha :danke: