Des Wanderers Kurzgeschichten



  • Um Alles oder Nichts


    Zum wiederholten Male überprüfte Henno den Sitz von Bauchgurt und Zaumzeug und schalt sich gleichzeitig dafür einen Narren.

    Aber er war nervös.

    Zum ersten Mal seit drei Zyklen gab es wieder eine gute Chance, dem Haus Tarilon das königliche Siegel abzujagen.

    Sein Blick schweifte hinüber zu dem kleinen Biwak auf der gegenüber liegenden Seite der Lichtung. Bis auf einen kleinen, aber bedeutsamen Unterschied sah es genau so aus wie sein eigenes und wie die Biwaks der anderen drei Gestüte ringsum, die in diesem Jahr am Rennen teilnahmen:

    Ein nur von einem Seil abgegrenztes Areal, darauf ein hohes, geräumiges Zelt. Groß genug, um Pferd und Reiter zu beherbergen bei vielleicht widrigem Wetter während der Vorbereitungen auf das alle drei Jahre stattfindende Rennen der Pferdezüchter des Herzogtums, dessen Sieger die Ehre zuteil wurde, dem königlichen Hof in dieser Zeit die benötigten Reittiere zu liefern.

    Ein Privileg, das Macht und Einfluß in Canandir bedeutete, einem der vier Herzogtümern des Königreiches – dem Land der berglosen Steppen und Ebenen, geeignet zu wenig anderem als der Vieh- und Pferdezucht. Aber nicht zuletzt bedeutete dieses Privileg auch Reichtum.


    Sichtbares Zeichen der königlichen Gunst war das Siegel drüben am Mast vor dem Zelt des Hauses Tarilon: Ein polierter silberner Schild mit dem eingravierten königlichen Wappen, glitzernd im Schein der Morgensonne.


    „Könntest du vielleicht mal damit aufhören?“ riß ihn die tiefe Stimme seines Vaters aus seinen Gedanken.

    „Was...?“ Hennos Hände lösten sich von Shamtars Zaumzeug.

    Der nachtschwarze dreijährige Hengst schnaubte kurz, dann senkte er den Kopf und begann gleichgültig wieder zu grasen.

    Talmo Penderes runzelte mißmutig die Stirn.

    „Du bist nicht bei der Sache,“ stellte der Herr des Hauses Penderes fest und strich sich über den grauen Vollbart.

    „Konzentriere dich, Henno,“ sagte er eindringlich. „Ich weiß, was Du denkst. Aber du mußt dich von dem Gedanken lösen, wer heute dein Gegner ist, auch wenn es dir schwerfällt.“

    Henno fuhr sich mit einer schnellen Bewegung durch den blonden Haarschopf und senkte für einen kurzen Moment den Kopf.

    „Das ist nicht wie die anderen Rennen bisher,“ gab er dann zurück und begegnete dem fordernden Blick seines Vaters.

    „Richtig.“ entgegnete der kurz. „Heute reitest du für unser Haus, kein Mietling wie früher. Seit Shamtirs Geburt hast du dich um ihn gekümmert, ihn mit Stroh trockengerieben, kaum daß er den Schoß seiner Mutter verlassen hatte. Ihr seid gemeinsam aufgewachsen, habt alles geteilt, Ihr beide habt mir in den letzten drei Jahren gezeigt welche Möglichkeiten durch echte Freundschaft entstehen können. Daher war es mir eine einfache Entscheidung, dich als Reiter des Hauses Penderes zu benennen.“


    Hennos Blick glitt erneut hinüber zum Biwak des Hauses Tarilon. Aber auch jetzt war keine Spur von Jola zu entdecken. Jola mit den roten Haaren, Jola Tarilon, ein Jahr älter als er, Henno Penderes. Sein bester Freund seit er denken konnte. Und heute sein ärgster Konkurrent. Denn Jola war in diesem Jahr der benannte Reiter des Hauses Tarilon.


    Talmo Penderes erhob sich von dem Baumstumpf, auf dem er bisher gesessen hatte und ging zu seinem Sohn hinüber.

    „Denke an das Rennen, an den Weg von hier bis zum Ziel dort drüben,“ sagte er und wies in die Richtung, in der die Burg des Herzogs lag, verborgen durch die hohen Bäume, die die Lichtung umsäumten.

    „Es sind vier Meilen bis zur Burg. Für euch beide ein leichtes, wenngleich auch die Strecke ihre Tücken hat. Aber ich vertraue auf dich und Shamtir.“

    Talmo streichelte den Hals des Hengstes. Shamtir schnaubte leise.


    Talmo Penderes holte tief Luft.

    „Und jetzt muß ich zurück zur Burg des Herzogs.“

    Er legte seinem Sohn beide Hände auf die Schultern und sah ihm in die Augen.

    „Ich weiß, wer als erster aus dem Hohlweg kommen wird, Henno,“ sagte er. „Das werdet ihr beide sein – Du und Shamtir!“

    Damit wandte er sich ab.


    Henno sah seinem Vater hinterher, der in leichtem Trab die Lichtung Richtung Westen verließ. Dann schweifte sein Blick einmal mehr hinüber zum Biwak des Hauses Tarilon.

    'Wenn es nur so einfach wäre', dachte er...


    *****

    „Du kannst nicht gewinnen und das weißt du auch,Henno!“ scholl Jola Tarilons Stimme zu ihm herüber.

    Henno drehte den Kopf und sah den Rotschopf links aussen in der Reihe der fünf Reiter sitzen, die nebeneinander am Rande eines kleinen Bachlaufes Aufstellung genommen hatten - die natürliche Startlinie des Rennens. Er, Henno, war dankbar ganz rechts plaziert worden zu sein. Denn Jola hatte sich sehr verändert. Noch vor einem halben Jahr war es wie früher gewesen: Sie hatten sich zum Schwimmen getroffen, über ihre Pferde gesprochen und natürlich auch über das bevorstehende Rennen.

    Aber von einem Tag zum nächsten hatte Jola sich zurückgezogen, sich nicht mehr mit ihm treffen wollen. Eine Erklärung dafür hatte Henno nicht finden können. Jola zu fragen hatte sich nicht ergeben. Und nun standen sie hier.


    Vor ihnen eine weite Ebene wogenden Grases, etwa zwei Meilen welligen Bodens. Dahinter erhob sich steiniges Gelände, eine Gerölllandschaft. Der schwierigste Teil, wie Henno wußte. Loses Gestein, auf dem die Pferde ausgleiten konnten, zwar nur einige hundert Schritte lang, aber dennoch tückisch. Danach würde nur noch der Wald folgen und an dessen Ende die letzte Meile ebenes Gelände, in dem man seinem Pferd die Zügel freigeben konnte.

    „Ihr Reiter – Achtung!“ rief der Herold aus der Höhe seines Ausgucks, von der er die fernen Höhenzüge hinter der herzoglichen Burg beobachtete. Jeden Augenblick konnte dort ein rotes Feuer in den Himmel steigen, das Signal für den Beginn.


    Hennos Muskeln spannten sich und so auch die Shamtirs unter ihm. Die Ohren des Hengstes spielten nervös, die Erregung nahm zu. Die Blicke der Reiter richteten sich auf den Herold. Der wiederum spähte hinüber zu den fernen Höhen.

    Dann riß er den Wimpel in seiner Hand hektisch nach oben und wedelte damit herum.

    „Looos!!! - Reitet! Reitet wie der Wind!!!“ schrie der Herold mit überschnappender Stimme.

    Die Wettkämpfer stießen ihren Pferden die Fersen in die Seiten und sprengten los.

    Das Rennen hatte begonnen.


    Hennos Blick klärte sich. Er wußte nicht wie und er wußte nicht warum, aber er und Shamtir lagen weit vorne. Er sah zurück. Wie erwartet war Jola hinter ihm. Die Reiter der anderen Häuser waren jetzt schon abgeschlagen und lagen weit zurück. Mietlinge auf ihnen fremden Pferden. Wo keine Seelenverbindung war, konnte Sieg nicht sein.

    Jola und Berendes. Henno und Shamtir.


    Und Jola holte auf mir jeder Sekunde, preschte heran durch das wogende Gras der Ebene. Henno sah nach vorn: In wenigen Sekunden waren sie in den Geröllfeldern.


    „Jetzt mußt du vorsichtig sein, mein Freund!“ flüsterte er, sich vorbeugend, Shamtir zu. Dessen Ohren spielten, als hätte er die Worte genau verstanden.

    Steinsplitter flogen empor, als die schmetternden Hufe über den Kies flogen.

    Henno warf einen Blick zurück. Jola hatte fast aufgeschlossen. Er konnte den Triumph im Gesicht des anderen sehen.

    Verbissen drückte er Shamtir die Schenkel in die Seiten. Der Hengst streckte sich, flog scheinbar über das tückische Gelände und ließ es hinter sich, stürmte auf den nahen Wald zu.

    Aber aller Anstrengung zum Trotz: Jola und Berendes zogen gleichauf. Flockiger Schweiß war auf dem braunen Fell des Hengstes zu sehen, unter dem die Muskeln einen wilden Tanz aufzuführen schienen. Henno konnte den schweren Atem von Berendes hören, rythmisch und angestrengt, während Roß und Reiter sich langsam an ihm und Shamtir vorbeischoben.

    „Wir sind die Besten!“ brüllte Jola zu ihm herüber. Sein Gesicht war vor Anstrengung verzerrt. „Das Haus Tiralon wird erneut siegreich sein!“


    Henno's Blick richtete sich nach vorne. Der Hohlweg. Der Eingang zur Passage durch den Wald bot nur Raum für einen Reiter. Und auch auf Shamtirs Fell begann jetzt der Schaum der Erschöpfung zu flocken...


    Hinter Jola und Berendes schossen er und Shamtir in den Hohlweg. Eine einzige Chance blieb ihnen noch, ehe sie aus dem Wald auf die Schlußstrecke jagen würden: Eine Lichtung. Neunhundert Fuß lang. Die einzige Möglichkeit, an den beiden noch vorbei zu kommen.

    Henno gab Shamtir die Zügel frei. Der Hengst streckte sich unter ihm, seine langen Beine holten weit aus. Die Hufe donnerten durch die enge Passage, dann weitete sich der Weg endlich und Shamtir flog.

    Brachte sich und Henno wieder auf gleiche Höhe mit Jola und Berendes.

    „Und jetzt?“ schrie Henno durch den Donner der Hufe ihrer nebeneinander herjagenden Pferde zu Jola herüber. Dessen Gesicht war von Anstrengung verzerrt.

    „Immer noch so sicher, daß du gewinnst?“ Henno grinste triumphierend.


    Und dann war Jola auf einmal weg. Aus den Augenwinkeln heraus sah Henno, wie Berendes in vollem Lauf einknickte. Wie Jola aus dem Sattel geschleudert wurde in einem grotesken, wirren Flug und dann plötzlich im Gebüsch verschwunden war.


    Shamtirs Hufe trommelten über den Waldboden, brachten sie beide dem Ausgang des Hohlweges entgegen. Nur wenige Augenblicke später hatte er den Wald hinter sich gelassen. Vor ihm lag die Burg des Herzogs, flaggengeschmückt in Erwartung des siegreichen Reiters der fünf Häuser.


    Henno zog hart an den Zügeln. Aus dem Galopp heraus verlangsamte er Shamtir zum Trab, danach zum Schritt. Und dann standen sie still. Henno blickte zum Wald zurück.


    Er konnte den Jubel von der Burg her hören. Nur noch einige Dutzend Pferdelängen und das Haus Penderes würde in der Gunst des Königs stehen. Für drei Jahre.


    Aber sollte Jola noch am Leben sein, was wäre der Wert der Gunst des Königs gemessen am Wert der Freundschaft?


    Und so zog Henno die Zügel Shamtirs, ritt zurück und suchte nach Jola, während die Reiter der drei anderen Häuser an ihm vorüberpreschten. Weit abgeschlagen zuerst. Scheinbar siegreich jetzt.


    Scheinbar. Henno lächelte...

  • Eine sehr schöne Geschichte, Der Wanderer , hat mir gut gefallen. Sie hätte wirklich gut in den Schreibwettbewerb gepasst, wirklich schade.


    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Der Wanderer
    Das fällt wohl unter die Kategorie dumm gelaufen. Ja solche Momente gibt es manchmal. Schade. Deine Geschichte hätte gut in den Wettbewerb gepasst. Und Chaos hätte eine Träne weniger vergießen müssen.

    Fair Play ist viel zu selten. Den Sieg in der Tasche und kurz vorm Ziel umkehren, um einen Freund zu helfen, wow

    Damit seinem Haus großen Schaden zu zufügen, da braucht Mann schon Mut für.

    Hoffe für dich, das es beim nächsten Mal besser läuft.

    Anmerkung, Frage: Wie wird das Rennen gestartet? Mit einem roten Feuer oder einen Wimpel? ist mir nicht ganz klar.


    Jeden Augenblick konnte dort ein rotes Feuer in den Himmel steigen, das Signal für den Beginn.


    Hennos Muskeln spannten sich und so auch die Shamtirs unter ihm. Die Ohren des Hengstes spielten nervös, die Erregung nahm zu. Die Blicke der Reiter richteten sich auf den Herold. Der wiederum spähte hinüber zu den fernen Höhen.

    Dann riß er den Wimpel in seiner Hand hektisch nach oben und wedelte damit herum


    sagte er und wies in die Richtung, in der die Burg des Herzogs lag, verborgen durch die hohen Bäume, die die Lichtung umsäumten.

    Ein etwas unschöner Satz, musste ihn mehrmals lesen.

    Er saß auf dem vierjährigen Hengst Berendes links aussen in der Reihe der fünf Reiter, die nebeneinander am Rande eines kleinen Bachlaufes Aufstellung genommen hatten - die natürliche Startlinie des Rennens.

    Kannst du besser formulieren:)

    Verstehe das nicht als Kritik, ist mir nur aufgefallen. Wenn es dir hilft, gut. Wenn es nicht passt, vergiss es.^^

    Hoffe das du das nächste mal dabei bist.

  • Heyho Kamar

    Anmerkung, Frage: Wie wird das Rennen gestartet? Mit einem roten Feuer oder einen Wimpel? ist mir nicht ganz klar.

    Das Feuer ist das Signal aus der Burg, das Rennen zu starten - der Herold oben gibt es mit dem Wimpel an die Reiter weiter.

    Er saß auf dem vierjährigen Hengst Berendes links aussen in der Reihe der fünf Reiter, die nebeneinander am Rande eines kleinen Bachlaufes Aufstellung genommen hatten - die natürliche Startlinie des Rennens.

    Kannst du besser formulieren

    Da gebe ich Dir völlig recht. Zwei Zahlen in einem Satz sind schon mal ziemlich daneben, wenn's keine binomische Formel ist.:D

    Verstehe das nicht als Kritik, ist mir nur aufgefallen. Wenn es dir hilft, gut. Wenn es nicht passt, vergiss es.

    Selbstverständlich verstehe ich das als Kritik. Deswegen veröffentliche ich meinen Kram hier ja - damit mir jeder frei heraus sagt, wenn ihm etwas gefallen oder eben nicht gefallen hat. Solange das in konstruktiver Art und Weise geschieht, kann's ja nur helfen, meine Schreibe zu verbessern.

    Daher meinen Dank.:danke:

  • Die wilde Horde


    Der Radau aus dem Wald wurde immer lauter.

    Nerd der Waldläufer legte mit einem mißbilligenden Blick das Stück Holz neben sich auf die Bank, an dem er seit mehreren Stunden herumgeschnitzt hatte und steckte seufzend den Dolch zurück in die Scheide an seinem Gürtel. Pokale sahen wohl anders aus.


    Die Bank stand im Schein der langsam untergehenden Sonne an der Wand eines kleinen Hauses, welches wiederum inmitten einer ausgedehnten Lichtung stand. Und neben dem kleinen Haus erhob sich ein windschiefer Turm, den niemand freiwillig betrat. Zu morsch waren die Stufen in seinem Inneren.


    Daß Terry hier eingezogen war, hatte mehrere Gründe: Das Haus gehörte scheinbar niemandem, also mußte er dafür auch niemandem einen Mietzins zahlen. Sehr praktisch für einen Jungzauberer, den man kurz vorher aus dem Dorf verjagt hatte, weil seine Zauberkunst zwar mächtig, aber leider nicht wirklich das war, was sich normale Menschen meistens wünschten.


    Keiner hatte ein Problem damit, wenn ein Redner seine Rede mit Gesten unterstrich. Schwierig wurde es für die meisten spätestens dann, wenn man sich nicht sicher sein konnte, ob aus den gestikulierenden Händen unvermutet Feuerbälle zucken würden. Oder irgendwelche Blitze. Auf einen selbst vielleicht.

    Das war in der jüngeren Vergangenheit leider mehrfach passiert. Zum Glück nicht, als Terry's Finger auf Menschen zeigten. Dafür auf strohgedeckte Häuserdächer.

    Was die Sache nicht unbedingt besser macht, wenn man in einer Zeit und an Orten lebt, wo niemand etwas mit dem Begriff "Feuerwehr" anzufangen weiß.


    Nerd's Blick glitt zum Waldrand hinüber. Der sandige Weg, der sich aus einer Öffnung im dichten Grün an das Haus heran schlängelte, es einmal umkreiste und danach, die Lichtung verlassend, auf der anderen Seite wieder im Walde verschwand, lag still vor seinen Augen.

    Umso lauter klangen ihm die Flüche in den Ohren, die er bereits seit fünf Minuten aus dem Wald schallen hörte. Und jetzt war er auch in der Lage, sie zu verstehen.

    "Dieses vermaledeite Dreckspack!!!" tönte es aus dem dichten Buschwerk. "Borniertes Thaumaturgengesocks!"

    Es gab einen lauten Knall, als eine Baumkrone in hübschem Orangerot explodierte. Die Blätter flogen in den Himmel und verwandelten sich in blitzende Sterne.

    "Oh Scheiße," dachte Nerd. "Terry ist echt sauer."


    Er besah sich nochmal das Ergebnis seiner Schnitzkunst neben ihm. Nö.
    Wie ein Pokal sah das Ding ganz sicher nicht mehr aus. Dabei war ihm das zu Beginn so einfach vorgekommen: Ein dickes rundes Stück Birkenholz. Da mußte man mit dem Messer nur zur Mitte hin wegschnitzen, bis sich nach oben und unten sowas wie eine gleichmäßige Wespentaille ergab. Dann das Ganze unten noch etwas glätten und wegspanen für einen sicheren Stand. Und am Schluß das Holz oben aushöhlen, damit man ein Gefäß bekam.

    Aber die Stunden des Wartens waren eben die Stunden des Wartens gewesen.

    Wenn überhaupt würde Terry das dünne Ding jetzt nur noch als Kerzenhalter verwenden können.


    Zwei Blitze zuckten aus dem Wald, brannten das Gras rechts und links des Weges zu rauchender Asche.

    "Diese Penner können mich endgültig mal!!!"

    Nerd der Waldläufer erhob sich von der Bank, schmiß den Pokalkerzenständer auf den an der Wand aufgestapelten Haufen Brennholz und ging ins Haus zurück.


    Die Siegesparty heute abend konnten sie vergessen, das war mal sicher.


    II.


    Er hatte sich in die Ecke gesetzt, die am weitesten von der Tür entfernt war, was gar nicht so einfach ist, wenn man sich in einem quadratischen Raum befindet.

    Daß der Tisch, der sonst dicht neben der Feuerstelle stand, sich jetzt auch in der Ecke befand, in der er saß und das es davor sogar noch eine Ecke gab, hinter der sowohl er als auch der Tisch in Sicherheit waren, mag vielleicht dem einen oder anderen komisch vorkommen, aber im Haus eines Zauberers ist vieles möglich.

    Und Nerd der Waldläufer sah nicht ein, warum sein mühsam erkämpfter Topf Wildhonig, den er auf dem Tisch abgestellt hatte, Terrys Wut zum Opfer fallen sollte. Bienen mögen es nämlich gar nicht, wenn man sie beklaut. Wilde Bienen erst recht nicht. Nerd rieb abwesend über die geröteten Stellen an seinen Armen, an denen sie ihn erwischt hatten. Es juckte gräßlich.


    "Drecksäcke!!!" hörte er Terrys Stimme dicht vor dem Haus

    Ein kupferner Kessel flog durch die offene Tür in's Zimmer, prallte hart an der Wand ab und landete mit einem verbeulten Keuchen auf dem Boden.

    "Mistkerle! Arschgeigen!!!"

    Zwei Säcke mit irgendwas drin folgten dem Kessel, stiessen, an der Wand aufschlagend jeder für sich in unterschiedlichen Tonlagen ein schwaches "Uff" aus und rutschten zu Boden.


    Die Türe knallte zu. Nerd der Waldläufer linste vorsichtig um die Ecke. Terry stand in seinem Zeremoniengewand mitten im Raum. Seine schlanke Gestalt zitterte. Sein Gesicht war hochrot vor Wut.

    "Die mache ich fertig!!!" brüllte er und hob die Hände. Ein gemeines Knistern wurde laut.

    Nerd sah die Blitze zwischen Terrys Fingern aufzucken und zog rasch den Kopf zurück.

    'Nicht zu verachten, diese Ecken' dachte er. Dann fiel ihm ein, daß ein Zauberer sich immer selbst einen Bann in den eigenen vier Wänden auferlegt, wenn er denn welche hat, getreu der uralten Weisheit:


    "Zaubere nie im Haus, denn die Asche, die dann fällt, könnte Deine eigene ein!"

    Der geschlossene Raum wirkte daher jetzt wie ein Schwamm, der die sich entladene Magie aufsog. Sie quasi abfederte.


    Daher ertönte nur ein schwaches "Puff",ein blauer Schimmer flackerte kurz auf und ein bißchen Rauch stieg auf. Das war's.


    "Trotzdem mache ich diese Idioten fertig!!!" schrie Terry, aber es klang schon weit weniger zornig. Erschöpft stützte er sich schwer auf den Tisch, der sonst dicht neben der Feuerstelle stand.

    Und der jetzt hinter der Ecke stand, hinter der sich Nerd der Waldläufer verbarg.

    Der Zauberer stützte sich also gerade auf etwas, daß nicht dort war, wo es eigentlich sein sollte. Es war eines der Probleme, mit denen niemand rechnet, die man nicht voraussieht und die trotzdem auf einmal da sind.

    "Mist!", entfuhr es Terry.


    Das Geräusch, mit dem ein Kopf hart auf dem Boden aufschlägt, ist immer sehr unschön. Selbst wenn der Boden nur aus gestampftem Lehm besteht...


    III.


    "Was hast Du denn gedacht, was geschehen würde?" Nerd hatte den Tisch wieder an die Feuerstelle zurückgebracht. Da sassen sie jetzt und beschäftigten sich mit dem Honigtopf.

    Terry rieb sich mit der einen Hand die schmerzende Stirn, mit zwei Fingern der anderen fuhr er in den Wildhonig, zog sie vollgeschmiert wieder heraus und leckte ab.

    "Weiß ich nicht," gab er nuschelnd zurück.


    "Die könnten mich doch wenigstens als das akzeptieren, was ich bin. Ein Elementarzauberer." Terry machte ein wedelnde Bewegung mit der Hand, um die sich sofort eine grüne, glanzende Aura bildete.

    Nerd zuckte kurz zurück, dann erinnerte er sich an den Bann und entspannte sich. In einem geschlossenen Raum konnte nichts geschehen.

    Terry deutete mit dem Finger auf die Tür. Die in diesem Augenblick aufflog.


    "Hey Leute, wie sieht's aus? Haben wir gewonnen??" fragte Caradon der Barbar. Auf seiner rechten Schulter trug er zwei volle Weinschläuche. Auf seiner linken ein Faß mit Met.


    Der Blitz, der sich aus Terrys Hand löste, interessierte sich nicht im geringsten für Alkohol. Er wollte nur auf schnellstem Wege aus dem Raum hinaus. Durch die Tür. In der Caradon stand.


    "Isser wieder wach?" Nerd nahm einen Schluck Met und sah zu Terry herüber. Terry sah zu Nerd hinüber.Beide sahen hinab auf den reglosen Barbaren. Aus Caradons muskulösem Körper stiegen Schwaden auf. Rauch? Dunst? Ein Dampf?

    Sie konnten ein schwaches Stöhnen vernehmen.

    "Bin mir nicht sicher," gab Terry zurück, leerte seinen Becher und schenkte sich neu ein. "Vor fünf Minuten hat er sich jedenfalls bewegt."

    "Nicht er hat sich bewegt!" korrigierte Nerd. "DU hast ihn bewegt, um an das Metfass ranzukommen."

    "ICH habe ja auch gesagt, wir sollten mit dem Wein anfangen. Aber du wolltest ja unbedingt was zu trinken haben, daß zu deinem blöden Honig passt!" Terry rollte die Augen. Jetzt ging das wieder los.

    "Met IST Wein. Aus Honig. Honigwein eben," schoß Nerd zurück. "Weiß der Geier, was für eine Plörre in den Schläuchen ist."


    Das Stöhnen am Boden wurde lauter.

    "Jetzt bewegt er sich," bemerkte Terry, um von der Debatte über das Wesen des Weines abzulenken.

    Insgeheim gab er dem Waldläufer jedoch recht:

    Caradon besaß nicht wirklich einen guten Geschmack, was Wein betraf. Seine Faustregel war einfach: Ein Schlauch voller Wein enthält Alkohol und Alkohol macht betrunken. Und nur darum ging es, wenn ein Barbar trank. Wenn einem am nächsten Morgen der Schädel brummte, machte es keinen Unterschied, wie es am Abend zuvor geschmeckt hatte.


    Der Barbar stieß ein tiefes Grunzen aus stemmte sich mühsam in die Höhe, stützte sich schwer auf den Tisch, der zum Glück jetzt wieder dort stand, wo er hingehörte. Er ließ sich ächzend auf den freien Schemel sinken.

    "Mannomann, was für ein Schlag!" stellte er fest und rieb sich über die angesengten Brusthaare, von denen immer noch einige vor sich hin schwelten.


    "Was ist?" fragte er dann grinsend in die Runde. "Trinken wir jetzt was zusammen...?"




    (Fortsetzung folgt...)

  • Guten Morgen

    @Der Wanderer

    Also..., ich werde nicht so ganz schlau..., aus was auch immer. Entweder habe ich gestern zu tief ins Weinglas geschaut, bin heute Morgen aus dem Bett gefallen, oder es ist einfach noch zu früh, obwohl zehn Uhr, oder es liegt an meinem knurrenden Magen, der mich vom lesen ablenkt, kann auch sein das ich etwas verpasst habe, zum Beispiel das heute der Nichttschekkertag ist oder etwas in der Art, denn ich verstehe nur Bahnhof Kofferklauen.

    Wilde Horde? Wo ist die? Ein Tisch der nicht dort steht wo er immer steht, sondern in der Ecke hinter der Ecke? Finger die keinen Allohol schlürfen? Kessel die stöhnen? Monstersätze die sich lesen als hätte meine Oma versucht ihre Häkeldeckchen im Dreivierteltackt zu stricken und nebenbei HavyMetal gesummt?

    Wenn es deine Absicht ist den Leser in eine Wirregedankenweltdablickichnichtdurch zu schicken, ist es dir gelungen. Vielleicht versuche ich es mal zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal, z.B. wenn mein Magen nicht mehr knurrt und die Welt aufhört sich zu drehen und mir keine Sinnlosen Kommentare mehr einfallen.:party:


    Bis dann

    gehabt euch wohl

    edler Recke

    Kamar

  • Hey Der Wanderer


    Ja, das war ein abgedrehtes Geschichtchen :D

    Meine Gedanken/Anmerkungen packe ich dir mal in den Spoiler:



    LG,

    Rainbow

  • Heyho Kamar


    Da muß ich mich wohl bei Dir entschuldigen.

    Und ja: Hier möchte ich gerne mit den ganzen Klischees rumspielen.

    Wilde Horde? Wo ist die? Ein Tisch der nicht dort steht wo er immer steht, sondern in der Ecke hinter der Ecke? Finger die keinen Allohol schlürfen? Kessel die stöhnen? Monstersätze die sich lesen als hätte meine Oma versucht ihre Häkeldeckchen im Dreivierteltackt zu stricken und nebenbei HavyMetal gesummt?

    Und dann dürfen da auch mal Tische woanders stehen, sich Ecken hinter anderen Ecken verbergen und Kessel stöhnen (was der Kessel gar nicht getan hat...:alien::alien::alien:)


    Sincerely yours.

  • Heyho Rainbow


    Vielen lieben Dank für die ausführlichen Anmerkungen. Du findest die meisten Erklärungen dazu in meiner Antwort an Kamar der zu Recht ebenfalls etwas verwirrt war.

    Erschöpft stützte er sich schwer auf den Tisch, der sonst dicht neben der Feuerstelle stand.

    Und der jetzt hinter der Ecke stand, hinter der sich Nerd der Waldläufer verbarg.


    Auf dem Boden aufschlagende Köpfe ergeben nie ein schönes Geräusch...

    Das ist dieses "Show don't tell" - Ding.

    Den kapier ich nicht

    Mit der Stelle bin ich auch noch nicht zufrieden. Scheinbar fehlt da irgendwas, daß es Dir ermöglicht, Dir vorzustellen, daß sich Terry auf den Tisch stützt, weil er völlig sicher ist daß der genau da steht, wo er sonst auch immer steht. Er schaut nicht mal hin - es ist ja sein eigenes Haus. Wo er sich drauf verlassen kann, daß die Gegenstände dort sind, wo er sie hingestellt hat.

    Und jetzt hat er das Pech, daß Nerd die Möbel umgestellt hat...:D


    Ich arbeite dran und habe, wie bereits angemerkt, den Text verändert und auch erweitert.


    Heyho Rainbow

    "Trotzdem mache ich diese Idioten fertig!!!" schrie Terry, aber es klang schon weit weniger zornig. Erschöpft stützte er sich schwer auf den Tisch, der sonst dicht neben der Feuerstelle stand.

    Und der jetzt hinter der Ecke stand, hinter der sich Nerd der Waldläufer verbarg.

    Der Zauberer stützte sich also gerade auf etwas, daß nicht dort war, wo es eigentlich sein sollte. Es war eines der Probleme, mit denen niemand rechnet, die man nicht voraussieht und die trotzdem auf einmal da sind.

    "Mist!", entfuhr es Terry.


    Das Geräusch, mit dem ein Kopf hart auf dem Boden aufschlägt, ist immer sehr unschön. Selbst wenn der Boden nur aus gestampftem Lehm besteht...

    Macht das daß Geschehen vielleicht besser verständlich?:pleasantry:

  • Nun mein lieber @Der Wanderer du musst dich für nichts entschuldigen. Der Streich ist dir gelungen und es beruhigt mich das es dein Bier war und nicht mein Wein.:rofl:

    Finde ich gelungen und kommt mir irgendwie bekannt vor.:fan: (mich nur noch dunkel erinnern kann)

    Allerdings habe ich noch einige Probleme das Ganze zu verstehen.

    Bin aber gespannt ob und wie es weiter geht. Vielleicht klärt sich ja dann einiges.


    Bis demnächst

    Kamar