Die Legende vom Winterkönig (zum dritten...)

  • Für alle, denen es noch nicht zum Hals heraushängt, hier die nächste Version von meiner Geschichte :rofl:

    Irgendwann werde ich es mit der Schreiberei gebacken kriegen.:sarcastic:

    Wie immer ist Kritik gerne gesehen und eine große Hilfe (besonders inhaltlich). :)



    Prolog


    Ein Fest hätte es werden sollen. Ein Fest von historischer Bedeutung. Denn zum ersten Mal seit Anbeginn hatte das hohe Volk eingeladen, zum ersten Mal wollte man gemeinsam feiern, es wäre das erste Fest in der neuen Welt, das größte, das jemals stattgefunden hätte und einen ganzen Mond sollte es dauern.

    Mit diesem Fest wollte man nicht nur den Segen der Ewigen erwirken für die neue Welt, sondern auch den elementaren Völkern danken für deren Beistand im langen Krieg. Es sollten die vielen Helden geehrt und der Toten gedacht, die Ereignisse der alten Welt zusammengetragen und den Chronisten damit ermöglicht werden, diese Geschichten aufzuschreiben, damit sie der Nachwelt erhalten blieben. Außerdem wollte das hohe Volk wortlos darstellen, wie klein es geworden war. Nur wenige Hundert hatten den Krieg überlebt. Es würde vielleicht den Beistand der Elementaren brauchen, bis es zur alten Stärke zurück gefunden hatte. Und es wollte natürlich huldvoll die Dankbarkeit der anderen Völker entgegennehmen, denn schließlich hatten sie den Bann geschaffen. So lautete zumindest die offizielle Version. Aber auch Tanz und Musik sollten nicht zu kurz kommen, Speis und Trank würden die Gäste selbst mitbringen.

    Das war der Plan.

    Und sie kamen. Festlich gekleidet und in großer Zahl trafen die Kinder der Sümpfe und des Windes ein. Auch Ishaya hatte sich fein gemacht. Einer Krone gleich trug sie als die Erste des hohen Volkes Blumen im Haar. Sonst trug sie nichts. Die Luft war bereits erfüllt von Stimmen und dem Duft vielfältiger Speisen, welche die Gäste mitgebracht hatten, als endlich auch die Kinder Ursas erschienen. Die Gespräche verstummten. Denn Ursas Volk hatte sich nicht festlich herausgeputzt. Zu finsteren Mienen trugen sie volle Rüstung und statt Speisen und Getränken hatten sie ihre Waffen mitgebracht. Im Krieg hatte dieser martialische Anblick Ishaya stets erfreut, denn mehr als einmal hatten sie durch ihr Eintreffen einer verloren geglaubten Schlacht zum Sieg verholfen. Doch zu einem Fest war das nicht der richtige Aufzug. Hastig suchte ihr Blick die vordere Reihe der bedrohlich wirkenden Männer und Frauen ab. Wo war er denn nur? Mit bitterem Grinsen trat einer der Krieger vor. „Hohe Frau“, neigte er kurz grüßend seinen Kopf, um sie dann mit seinem Blick zu fixieren. „Wie ich sehe, hast du in deiner unendlichen Weisheit unser Problem sofort erfasst.“ „Wo ist euer Tonde?“ „Genau das fragen wir uns auch. Kann es sein, dass dein Bann ihn drüben vergessen hat?“ Das Entsetzen in den Zügen Ishayas war echt. Und langsam, fast behutsam formulierten ihre Gedanken das Offensichtliche. Er hatte ein Pfand behalten. Und zwar nicht irgendein Pfand, nein. Er hatte ausgerechnet den Tonde genommen. Den mächtigsten Mann der elementaren Völker und mit ihm Ursa selbst. Und nun würden sie die Schuld begleichen müssen, um den Frieden in der neuen Welt zu erhalten.



    Etliche Jahre später in der alten Welt


    -1-


    „Eh!“ Unwillig fuchtelnd scheuchte Gembries ein paar Bienen und Hummeln weg, die ihm fast in den Bart geflogen wären.

    Vor einer Woche war der letzte Schnee dem Frühling gewichen, der mit blauem Himmel und ungewöhnlich warmen Temperaturen aufwartete. Man könnte auch sagen, der Winter war fluchtartig verschwunden und hatte die Türe fest ins Schloss geworfen.

    Und die alte Salweide, die Gembries bei seinem letzten Besuch noch für tot gehalten hatte, strotzte plötzlich vor Leben und reckte mehr Kätzchen in die Sonne, als er Haare auf den Zähnen hatte.

    Dafür war der Onkel tot.

    Nachdenklich starrte der kräftige Mann auf das frische Grab herunter.

    Sein letzter Familienangehöriger.

    Erstaunliche vierundsiebzig Jahre war Ruitgar alt geworden.

    Aber gestorben war er schon viel früher.

    Gembries warf einen Blick zum kleinen Rosenstrauch herüber, an dessen sparrig bedornten Zweigen die ersten Blattknospen schwollen. Dort lag Ruitgars einziges Kind, Tom.

    Tom war nicht nur mit dem Klumpfuß und der verkrüppelten Hüfte seines Vaters geboren worden, er hatte zusätzlich auch einen Herzfehler gehabt.

    Die letzten drei seiner zehn Jahre hatte er im Bett liegend und nach Luft ringend verbracht.

    Ruitgar war daran zerbrochen.

    Das Leid seines Sohnes jeden Tag vor Augen zu haben, hatte es für den Alten nicht einfacher gemacht, den Sohn seines verstorbenen Zwillingsbruders aufzuziehen. Denn genau wie sein Vater war Gembries außergewöhnlich kräftig, stark und gesund.

    Und genau wie bei den ungleichen Brüdern war auch Gembries mit einem Zwilling viel zu früh geboren worden, nur starb sein Bruder schon bei der Geburt.

    In beiden Fällen hatten auch die Mütter die Geburt nicht überlebt.

    Die Schankdirne, die Ruitgar geschwängert und geheiratet hatte, war somit die erste Frau, der es gelang, ein Kind dieser Familie normal auszutragen und nicht gleich nach der Geburt zu sterben.

    Der Schock, dass sein Kind trotzdem nicht gesund auf die Welt kam, hatte in Ruitgars Seele einigen Schaden verursacht. Ob es am beginnenden Wahn lag, in den sich sein Onkel flüchtete, oder am Baby selbst, jedenfalls verschwand die Schankdirne, kaum dass sie nach der Geburt wieder laufen konnte, und ließ Ruitgar mit seinem kranken Kind einfach sitzen.

    Etwa ein Jahr später wurde Ruitgars Bruder von einem bekloppten Pferd zu Tode getrampelt und der damals zweijährige Gembries kam mangels Alternativen zu ihm. Dort wuchs er auf als der ungeliebte Neffe.

    Gembries konnte nur vermuten, dass sein Vater Geld hinterlassen hatte. Er hatte Ruitgar nicht einen einzigen Tag im Leben arbeiten sehen. Tom war bei aller Krankheit ein sehr kluges Kind gewesen und Ruitgar hatte ihn mit fast fanatischem Eifer unterrichtet, jeden verdammten Tag.

    Wenn Tom schon durch einen schwachen Körper ins Bett gezwungen wurde, sollten wenigstens Geist und Verstand sich frei entfalten dürfen.

    Bei Gembries verhielt es sich genau umgekehrt. Ihm wurde nur beigebracht, wie er Gemüse anzubauen, die Hühner und die Kuh zu versorgen und den Haushalt zu führen hatte.

    Für Gembries war das völlig in Ordnung gewesen, er hätte nicht mit seinem Cousin tauschen wollen, nicht um alles in der Welt. Aber je schlechter es Tom ging, desto weniger konnte Ruitgar den Anblick seines gesunden Neffen ertragen.

    Er begann, ihn zu schikanieren, faselte von schlechtem Blut und versuchte, ihm die Schuld für alles Übel in der Familie zu geben. Erst kamen nur hässliche Worte, dann folgten Schläge, dumme und unnötige Strafen und schließlich, drei Tage, nachdem sie Tom zu Grabe getragen hatten, schickte Ruitgar Gembries ins nächste Dorf, um Eier zu verkaufen und tötete in der Zeit die Kuh, das einzige Wesen auf dieser Welt, vom dem Gembries je Liebe und Zuneigung erfahren hatte.

    Mit einem hässlich wissenden Grinsen auf dem Gesicht forderte er seinen Neffen nach seiner Rückkehr dazu auf, zwei schöne Steaks aus dem geliebten Tier zu schneiden und einen angemessenen Leichenschmaus für Tom daraus zu braten.

    Dieser Moment, als der Onkel mit seiner Forderung vor Linchen stand, die mit zerschmettertem Schädel brutal totgeschlagen im Dreck lag, stand Gembries Zeit seines Lebens deutlich vor Augen.

    Und bis heute konnte er sich nicht daran erinnern, was direkt danach geschah. Seine Erinnerung setzte erst wieder an dem Punkt ein, wo Ruitgar mit einem bis zur Unkenntlichkeit geschwollenen, blutigen Gesicht bewusstlos vor ihm auf dem Boden lag und Gembries noch so außer sich vor Hass und Rage war, dass ihm nur noch die Wahl blieb zwischen sofortiger Flucht und Totschlag.

    Er war gegangen.

    Und er hatte fünfzehn Jahre gebraucht, um wieder zurückkehren zu können.

    Vorgefunden hatte er einen gebrochenen, verstummten Mann, der sein Elend im Schnaps ertränkte, den er aus den Früchten seiner Obstbäume brannte. Zu sagen hatten sich die beiden nichts mehr.

    Gembries blieb nur so lange, wie er brauchte, um die Hütte instand zu setzen und aus dem Saustall im Inneren eine menschenwürdige Unterkunft zu machen. Dann fuhr er wieder davon, nachdem er dem Onkel auch die Speisekammer gefüllt und ein paar Münzen dagelassen hatte.

    Fortan wiederholte er diese Besuche regelmäßig, die Intervalle wurden mit zunehmenden Alter des Onkels immer kürzer.

    Vor nur sechs Wochen war er das letzte Mal hier gewesen.

    Zwar waren Ruitgars Augen da schon gelb und sein Bauch deutlich dicker geworden, aber dass es so schnell mit ihm zu Ende gehen würde, hätte Gembries dann doch nicht gedacht.

    Es war Zeit für ein paar passende Worte.

    „Arme Sau! Mögest du Frieden finden!“ Damit war wohl alles gesagt, was es zu sagen gab.

    Seufzend wandte sich der kräftige Mann vom Grab ab und trat auf die Hütte zu. Es war kaum anzunehmen, dass Ruitgar die letzten Almosen seines Neffen in den letzten sechs Wochen verprasst hatte, und es waren genug Münzen gewesen, um sich dem erbärmlichen Gestank nochmal auszusetzen.

    Zudem war sich Gembries ziemlich sicher, das geheime Versteck des Alten zu kennen.

    Es gab nur eine Diele im Boden, die an einem Ende immer sauberer war als der Rest.

    Mit einem Messer hebelte er das Brett hoch, und tatsächlich fand er darunter den Beutel, in dem Ruitgar seine Barschaft aufbewahrte, und zwar deutlich praller gefüllt als vermutet.

    Doch das war noch nicht alles.

    In ein Wachstuch eingeschlagen lag eine lederne Mappe darunter.

    Gembries zog die Stirn kraus. Ob der alte Zausel etwa ein Testament gemacht hatte?

    Der Gedanke entlockte ihm ein spöttisches Grinsen, welches sich jedoch verflüchtigte, als er die mit seltsamen Zeichen bedeckten Pergamente sah, die in der Mappe lagen. Mangels Übung war alles, was ihm sein erster Meister an Lese – und Schreibfähigkeiten vermittelt hatte, stark eingerostet.

    Aber ganz sicher hatte er solche Schriftzeichen noch nie gesehen.

    Vorsichtig hob er das erste, hauchdünne und trotzdem stabil erscheinende Blatt an und schnupperte daran. Ziegenleder? Auch das war ungewöhnlich. Wer benutzte noch Leder, wo es doch schon lange Papier aus Pflanzenfasern gab?

    Ob das etwa … ?

    Der Gedanke, ausgerechnet hier Schriften eines alten Volkes vorzufinden, war zwar geradezu abenteuerlich, aber trotzdem da. Sollte es sich um einen letzten Scherz Ruitgars handeln, der für sich allein eine Geheimschrift erfunden hätte, um das Elend seines Daseins in Worte zu fassen, würde sich Gembries zwar blamieren. Aber wenn das wirklich von den Alten stammte, wären die Pergamente sicher ein Vermögen wert.

    Und wo er doch sowieso zur Hohen Feste musste, um den Tod seines Onkels zu melden, konnte er die Mappe gleich mitnehmen und dort einem Gelehrten zur Ansicht geben. Vorsichtig schlug er sie wieder in das Wachstuch ein und wollte, tief in Gedanken versunken, das Brett wieder an seinen Platz drücken, als ihm noch ein kleiner Lederbeutel auffiel, der halb im Dreck verborgen lag. Er puhlte ihn hervor, öffnete das Band und ließ den Inhalt in seine geöffnete Handfläche fallen.

    „Uff!“, stieß er überrascht aus. Fassungslos starrte er auf den größten Diamanten, den er je gesehen hatte.

    Das konnte ja wohl nicht wahr sein.

    Der Stein füllte fast die gesamte Handfläche seiner gewaltigen Pranke aus. Er war facettenreich geschliffen und in seinem Inneren funkelten Splitter aller bekannten Edelsteine in einem Kreis, der in seiner Gleichmäßigkeit wie eine Iris wirkte.

    Eingefasst war der Stein mit kunstvoll geschmiedetem Silber, das in eine Kette überging, deren einzelne Glieder ebenso kunstvoll verziert waren.

    Wobei – für Silber war es zu hell und zeigte keine Stelle, die angelaufen wäre. Prüfend hielt Gembries seine Nase daran.

    Platin?

    Der Kontrast zwischen der ärmlichen Hütte und dem ungeheuren Wert seines Fundes löste eine Art Schockstarre bei Gembries aus. Der erste klare Gedanke, der sich aus den Tiefen seiner ohnmächtigen Überraschung löste, war, dass Ruitgar diesen Stein nicht legal erworben haben konnte. Niemals.

    Der zweite war, dass dieser Stein berühmt sein musste. Berühmt für seine Schönheit und seinen Wert. Mit zitternden Händen verstaute er seinen Fund in dem schmutzigen Beutel und diesen in seinen Gürtel.

    Dann nahm er die Mappe und das Geld und verließ den Ort seiner Kindheit, um nie mehr hierher zurückzukommen.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

    2 Mal editiert, zuletzt von melli ()

  • Hallo, liebe melli,

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Hallo Tariq

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    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Liebe melli ,

    dies ist das Erste, das ich jemals von dir lese, daher hier mein ganz unverblümter und "frischer" Eindruck.


    Im Allgemeinen:

    Der Prolog hat mich inhaltlich nicht so wahnsinnig umgehauen. Man merkt, hier wird etwas für die Handlung Grundsätzliches aufgebaut, ein Konflikt entsteht. Aber gefesselt hat es mich nicht. Das Kapitel 1 fand ich da schon um Weiten faszinierender. Ich werde mal tiefgehender darauf eingehen, siehe unten.


    Deinen Schreibstil finde ich jetzt schon wahnsinnig toll. Ich habe kaum Vergleichbares hier im Forum gelesen. Mal ein paar Schnipsel, die ich besonders hervorheben möchte:

    Ein Fest hätte es werden sollen.

    Schon wie du einstiegst - man ist sofort in der Szene, im Geschehen. Der Konjunktiv lässt Böses erahnen. Dieser eine schlichte Satz katapultiert den Leser in die Vorstellung einer angedachten Katastrophe. Das Fest wird nämlich kein Fest, warum auch immer - und warum, das will man natürlich nun wissen.

    Ich bin jemand, der nach wenigen Sätzen entscheidet: Lese ich weiter? Und du hast es mit nur einem Satz geschafft, mich zum Weiterlesen zu animieren. Das ist große Klasse.

    danken für deren Beistand im langen Krieg.

    Ein Grund, warum ich dem Prolog vielleicht nicht so 100%ig folgen konnte, ist, dass offenbar Informationen vorausgesetzt werden, die ich noch nicht habe. Vielleicht, weil ich noch nichts anderes von dir gelesen und damit falsch angefangen habe. Zu diesen Begriffen, die ich nicht kenne (die Elementaren? Ursas Volk...) kommt hinzu, dass diese Ishaya einfach so ins Geschehen gestellt wird. Einerseits toll - keine ellenlange Vorbeschreibung. Andererseits bin ich verwirrt und habe Angst, dass ich sie mir nun falsch vorstelle. Ist sie eine Art Königin? Hohepriesterin? Hmmm.

    Einer Krone gleich trug sie als die Erste des hohen Volkes Blumen im Haar. Sonst trug sie nichts.

    Hier machst du Kopfkino auf - und das ist gut. Dezente Anspielung auf "andere Völker, andere Sitten"...


    Den letzten "Abschnitt" (nun ja, so kann man es aufgrund der fehlenden Formatierung nicht nennen) habe ich jedoch nicht verstanden. Ich weiß nicht, was ein "Tonde" ist. Ich weiß nicht, was es mit diesem Pfand auf sich hat und welche Konsequenzen es hat, dass dieser nun einbehalten wurde. Da fehlen mir Informationen.


    Kommen wir zum Kapitel 1. Das finde ich um Weiten gelungener als den Prolog. Es geht recht amüsant los, dann wird man in diese Rückblende katapultiert, und was ich wirklich sehr schön fand, war die Charakterentwicklung innerhalb dieser Rückblende. Besonders das Wesen des Onkels wird dadurch sehr nachvollziehbar, aber auch warum Gembries jetzt trotzdem bei ihm ist, ihn bestattet etc. Ich fand die Handlungen der Personen in der Rückblende psychologisch sehr nachvollziehbar und "menschlich", und ich empfand auch ein wenig Bedauern hier und da. Soll heißen: Gut rübergebracht!


    Ich schmeiße dir jetzt ein bisschen Kleinod hin, das ich besonders gelungen fand.

    „Eh!“ Unwillig fuchtelnd scheuchte Gembries ein paar Bienen und Hummeln weg, die ihm fast in den Bart geflogen wären.

    Genial-komischer Anfang.

    und reckte mehr Kätzchen in die Sonne, als er Haare auf den Zähnen hatte.

    Dafür war der Onkel tot.

    obere Zeile: schöne Formulierung.

    untere Zeile: Genialer Übergang, so ohne Vorwarnung. Dadurch auch lustig, obwohl es nicht lustig ist... :D:nummer1:

    Vorgefunden hatte er einen gebrochenen, verstummten Mann, der sein Elend im Schnaps ertränkte, den er aus den Früchten seiner Obstbäume brannte. Zu sagen hatten sich die beiden nichts mehr.

    Das finde ich auch sehr gut geschrieben. Du wirst nicht ausufernd beschreibend, stellst relativ schlicht dar, was Sache ist - es ist "Show, don't tell" und dadurch umso effektiver.


    Es war Zeit für ein paar passende Worte.

    „Arme Sau! Mögest du Frieden finden!“ Damit war wohl alles gesagt, was es zu sagen gab.

    :rofl:



    Den Fund Gembries' finde ich einen netten kleinen Spannungshöhepunkt. Gembries kann logisch schlussfolgern und scheint schnell eine Entscheidung zu treffen. Ich bin gespannt, was es mit diesem Edelstein auf sich hat und ob er was mit dem Prolog zu tun hat.

    Rechtschreib- und stiltechnisch sehe ich hier nicht wirklich etwas aufzuarbeiten. Klar, man kann immer was verbessern, aber nötig ist es hier nicht.;)


    Liebe Grüße

    Stadtnymphe

  • Hallo Stadtnymphe,

    erstmal vielen lieben Dank für die Rückmeldung (und das viele Lob:blush:).

    Ja, der Prolog :D- ich weiß, dass er dem Leser erstmal kaum Infos gibt. Er ist nur eine Momentaufnahme - und erklärt sich erst im Laufe der Geschichte - ebenso, was ein Tonde ist und Ursa, die Kinder des Windes und der Sümpfe und das hohe Volk und wie das überhaupt alles zusammenhängt. Meine Intention ist es, "Epik" per "show, don´t tell" zu verkaufen, und ich hoffe, dass es mir gelingt. Die Geschichte ist in sich geschlossen, es gibt dazu keine nötigen Vorinformationen.

    LG

    melli

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Hey, melli ,


    hab mir gerade mal den Prolog und das erste Kapitel durchgelesen. Gefällt mir beides ganz gut. Mir fiel es nur schwer, im ersten Kapitel die Zeit festzustellen, in der das spielt. Der Prolog scheint im Mittelalter zu spielen (zumindest noch in einer Zeit, in der Rüstungen getragen werden). Der Herzfehler und das Papier im ersten Kapitel passt da nicht ganz rein und sonst fehlen eindeutige Hinweise. VIelleicht geht das nur mir so, ist auch nicht schlimm, ist mir nur aufgefallen.

    Den Anfang des Prologs könntest du etwas mehr ausgestalten.

    Ein Fest hätte es werden sollen. Ein Fest von historischer Bedeutung. Denn zum ersten Mal seit Anbeginn hatte das hohe Volk eingeladen, zum ersten Mal wollte man gemeinsam feiern, es wäre das erste Fest in der neuen Welt, das größte, das jemals stattgefunden hätte und einen ganzen Mond sollte es dauern.

    Mit diesem Fest wollte man nicht nur den Segen der Ewigen erwirken für die neue Welt, sondern auch den elementaren Völkern danken für deren Beistand im langen Krieg. Es sollten die vielen Helden geehrt und der Toten gedacht, die Ereignisse der alten Welt zusammengetragen und den Chronisten damit ermöglicht werden, diese Geschichten aufzuschreiben, damit sie der Nachwelt erhalten blieben.

    Ich denke da gerade ein bisschen an Beschreibungen mittelalterlicher Feste, wo immer etwas mehr Details genannt werden. Etwa, wie prächtig die Stadt / Burg / ? mit im Wind wehenden Fahnen geschmückt ist, wie viele Tiere und erlesene Speisen vor- und zubereitet werden, dass fahrende Spielleute aus allen Teilen der Welt ihre Lieder zum besten geben etc. Mir gefällt der Gedanke, dass das Fest bei dir auch eine religiöse Bedeutung hat - den Segen der Ewigen zu erwirken - auch daran könntest du anknüpfen und z.B. die höchste Priesterin erwähnen, die mit ihrem Gefolge extra aus dem Tempel in die Hauptstadt gereist ist (falls das inhaltlich passt). Spannung könntest du dadurch erzeugen, dass du auch die Stimmung und Erwartung der Feiernden beschreibst, bis diese dann gebrochen wird durch die Erkenntnis, dass dieser eine Typ fehlt.


    Mal sehen, wie es mit der Geschichte weitergeht ^^

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Ich wäre dann auch wieder dabei. ^^

    Ich bin gespannt, was du in Version 3.0 verändert hast. Gembries grenzenlosen Optimismus schon mal nicht :rofl:


    Ich meine mich zu erinnern, dass der Prolog in den Versionen davor länger war? :hmm: Ich kann mich auch täuschen. Schlecht jedenfalls finde ich ihn nicht und er verrät zwischen den Zeilen auch schon das Wesentliche, aber ich kenne auch schon ziemlich viel von der künftigen Handlung. (Wenn diese grundlegend so geblieben ist xD) Von daher bin ich wohl nicht der Maßstab xD


    Das erste Kapitel ist glaube ich gleich geblieben. Jedenfalls ist Gembries einem sofort sympathisch, wie er sich da Gedanken um seinen toten Onkel macht. Und vor allem prägen die ersten wenigen Zielen schon den stärksten Teil seines Charakters. Der brummige Brummbär mit dem großen Herz, was er natürlich nie so zugeben würde :P


    Dann bin ich also auch hier wieder dabei und harre der Dinge, die kommen. ^^

    Ich werde vermutlich nicht jeden Teil kommentieren, da ich ja doch schon (wahrscheinlich) einige Dinge kenne und mich nicht pausenlos wiederholen will. Und mir momentan noch etwas die Zeit fehlt. Aber ich bin auf dem Weg der Besserung :D )


    LG, Kye



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • Hey, melli ,


    Ich denke da gerade ein bisschen an Beschreibungen mittelalterlicher Feste, wo immer etwas mehr Details genannt werden. Etwa, wie prächtig die Stadt / Burg / ? mit im Wind wehenden Fahnen geschmückt ist, wie viele Tiere und erlesene Speisen vor- und zubereitet werden, dass fahrende Spielleute aus allen Teilen der Welt ihre Lieder zum besten geben etc. Mir gefällt der Gedanke, dass das Fest bei dir auch eine religiöse Bedeutung hat - den Segen der Ewigen zu erwirken - auch daran könntest du anknüpfen und z.B. die höchste Priesterin erwähnen, die mit ihrem Gefolge extra aus dem Tempel in die Hauptstadt gereist ist (falls das inhaltlich passt). Spannung könntest du dadurch erzeugen, dass du auch die Stimmung und Erwartung der Feiernden beschreibst, bis diese dann gebrochen wird durch die Erkenntnis, dass dieser eine Typ fehlt.


    Mal sehen, wie es mit der Geschichte weitergeht ^^

    Hi Asni,

    es ist kein mittelalterliches Fest, es gibt auch keine Burgen oder sonst etwas ;-). Es ist die erste Zusammenkunft dieser Völker in einer NEUEN Welt. Und es gibt eine ALTE Welt, der sie ursprünglich entstammen und wo ein Krieg das "hohe Volk" fast ausgerottet hätte. Ich hoffe, es geht aus dem Prolog hervor, dass diese Völker durch einen Bann, der (offiziell!!) vom hohen Volk gewirkt wurde, in diese Welt kamen. Und dass das hohe Volk beim Urheber des Banns nicht ganz die Wahrheit gesagt hat. Wer immer da noch mitgewirkt haben könnte, hat sich jedenfalls "rückversichert" und jemanden aus den Völkern dabehalten, der denen sehr wichtig ist. Das ist die "Grundlage", auf der die Geschichte basiert.


    Hi Kye,

    schön, dass du wieder dabei bist.:love: Bei Gembries und Alastair sind es eigentlich nur "Kleinigkeiten", die sie menschlicher und tiefer gestalten sollen. Die größten Änderungen habe ich bei Nisha und Vaine geplant sowie bei den Schatten als solches. Zudem will ich die Geschichte etwas straffen und ein paar Nebenchars kicken. Ich hoffe, dass ich meine Ideen diesmal umgesetzt bekomme :/. Es wird die gleiche Geschichte bleiben, nur halt anders erzählt (und dann hoffentlich auch bis zum Ende kommend). Die alte Version hat mir nicht mehr gefallen (auch nach 3 Jahren sacken lassen nicht) und zumindest meine Motivation ist jetzt endlich wieder da, :D

    Lg

    melli


    -2 -

    War da hinten etwa gerade eine Schnepfe vorbeigelaufen?

    Aufgeregt reckte Alastair seinen Kopf. Was ein Fehler war, denn gleich darauf verfing sich sein Fuß in einer Wurzel und er schlug der Länge nach hin.

    Mist. Wie peinlich!

    „He, was soll das denn? Trottel!“, schimpfte der Mann, der seine Leine hielt, auch gleich los. Die anderen Räuber hielten an, warfen ihm missbilligende Blicke zu und machten abfällige Bemerkungen.

    Alastair spürte, wie sein Kopf heiß wurde, als er sich, ungeschickt wegen der auf dem Rücken gefesselten Hände, mühsam vor aller Augen vom Boden erheben musste. Bestimmt war er jetzt rot wie eine Beete und schmutzig wie ein Lump.

    „Es tut mir leid“, wollte er sagen, doch sein Knebel ließ nur ein „Hnhnhnnn“ durch.

    Ein heftiger Ruck an seiner Leine war das Zeichen, dass es weiterging. Bemüht, Schritt zu halten, starrte Alastair mit gesenktem Kopf dumpf auf den Waldboden.

    Tränen stiegen ihm in die Augen und ließen seine Sicht verschwimmen. Sie liefen ihm auch aus der Nase, und weil er wegen des Knebels nicht durch den Mund atmen konnte, musste er ständig laut schniefen, so dass jeder mitbekam, dass er heulte. Die Würdelosigkeit seiner Lage verstärkte den Tränenfluss.

    Eine tiefe Resignation ergriff Besitz von dem Jungen.

    Er hatte sich immer auf das Leben gefreut und schon Pläne gemacht gehabt, was er alles sehen und tun wollte, sobald er dem Waisenhaus entwachsen war.

    Doch schon kurz nachdem er die ersten Schritte in sein eigenes Leben getan hatte, stellte ihm das Schicksal ein Bein, erwies sich als gemein, hinterhältig, grausam und gefährlich und verhöhnte all seine Prinzipien.

    Sei nett und man wird nett zu dir sein. Tue Gutes und dir wird Gutes widerfahren. Arbeite und lerne fleißig, dann wirst du Erfolg haben und ein glückliches Leben führen.

    Von wegen.

    Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Da war der Pferdezüchter, der einen Jungen suchte, der später auch für die Verwaltung des Gestüts geeignet sei. Alastair war schon stolz gewesen, dass er zu den Jungen gehörte, die diesem Mann vorgestellt wurden. Und er hatte sich von ihm prüfen lassen. Rechnen, schreiben, lesen, Textverständnis, Auffassungsgabe, Allgemeinwissen. Er wusste, dass er auf diesen Gebieten punkten konnte, und freute sich sogar, endlich seine erworbenen Fähigkeiten an den Mann bringen zu können.

    Doch er wusste auch, dass er unter allen Kandidaten der schmächtigste war. Zwar lange nicht der Kleinste seines Alters, aber die Schultern schmal, die Figur fast zierlich zu nennen, mit schmalen Händen und langen, dünnen Fingern traute ihm niemand eine körperliche Arbeit zu, obwohl er auf dem Feld den anderen in Nichts nachstand.

    Die Ablösesumme für einen gebildeten Waisen war hoch und so war es üblich, dass die Interessenten nach so einem Vorstellungsgespräch ohne Jungen nach Hause gingen, um in Ruhe und mit Bedacht ihre Auswahl treffen zu können.

    Eine Woche hatte Alastair zwischen kühnsten Träumen, wilder Hoffnung und mahnender rationaler Bescheidenheit schwankend verbracht.

    Dann erschien ein mürrisch dreinblickender, wortkarger Mann auf einem Pferd, der von dem Gestüt gesandt war, um den Vorvertrag abzuschließen und den erwählten Jungen für vier Wochen zum Probearbeiten abzuholen.

    Während er bei der Hausmutter die Papiere unterzeichnete, hatte Alastair mit wild klopfendem Herzen in der Nähe der Türe gewartet, vor Aufregung unfähig, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

    Endlich kamen die beiden aus dem Zimmer heraus und der Moment, als die Hausmutter ihm zunickte und Alastair aufforderte, schnell seine Sachen zu packen, war der glücklichste seines Lebens. Er glaubte, das ganz große Los gezogen zu haben und war dem schweigsamen Mann vom Gestüt, der sich als Grigor vorstellte, wie auf Wolken gefolgt, beflügelt von den schönsten Träumen.

    Die brutal zerplatzen, als nach zwei Reisetagen an einer einsamen Stelle eine Gruppe zerlumpter, bewaffneter Gestalten aus einem Gebüsch auftauchte, die von Grigor mit einem Kopfnicken begrüßt wurde.

    Bevor er wusste, wie ihm geschah, wurde er zu Boden geworfen, gefesselt und geknebelt. Grigor saß dabei ruhig auf seinem Pferd und machte keine Anstalten, ihm zu Hilfe zu eilen. Auf den entsetzten Blick des Jungen huschte nur kurz etwas wie leichtes Bedauern über seine Züge.

    „Es ist nichts Persönliches, Junge, aber der zukünftige Verwalter des Gestüts werde ich selber sein“, hatte er von sich gegeben und dann seinen Weg fortgesetzt, ohne sich noch einmal umzudrehen.

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

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  • Es ist die erste Zusammenkunft dieser Völker in einer NEUEN Welt. Und es gibt eine ALTE Welt, der sie ursprünglich entstammen und wo ein Krieg das "hohe Volk" fast ausgerottet hätte.

    Nun, das allein sagt ja überhaupt nichts aus. Nur weil die Welt "neu" ist, heißt das noch lange nicht, dass sie "nicht mittelalterlich" ist. Ich formuliere mal meine Anmerkung nochmal als direktere Kritik: Mir wird nicht klar, in was für einer Zeit der Prolog spielt und damit auch nicht, wie die beteiligten Charaktere überhaupt aussehen / wirken sollen. Du lässt offen, wo und wie die Völker wohnen (vom Nomadenzelt bis hin zum schwebenden Wolkenkratzer ist alles möglich), was sie essen, wie Musik und Tanz in dieser Welt sein sollen etc. Das kannst du natürlich machen, es spricht kaum etwas dagegen außer, dass Missverständnisse zwischen deinen Lesern und deiner Geschichte entstehen können.


    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hallo melli ,

    zum Glück habe ich bemerkt, dass es weiterging. Sehr schön geschrieben. Wieder finde ich es klasse, wie du Beschreibungen von Vergangenheit und Gegenwart mit der direkten Handlung verknüpfst. Großes Lob.

    Mir fehlt ein wenig der rote Faden zwischen den drei Handlungen, die du hier aufmachst - aber ich bin sicher, das gibt sich bald.

    Ansonsten stimmte ich Asni , was die Zeitangaben angeht, ein wenig zu. Man erfährt recht wenig über das gesamte Setting der Welt und wie diese so strukturiert ist. Es mutet schon etwas mittelalterlich an im Prolog... aber im Kapitel 1 ist dann nicht mehr sooo viel davon zu spüren... und jetzt sind wir wieder bei Räubern... hm...

  • Hallo Asni und Stadtnymphe

    das Setting der eigentlichen Geschichte (beginnend in der alten Welt) soll mittelalterlich sein, allerdings standen die Menschen meiner Geschichte nie unter dem Einfluss einer strengen Kirche und sind im Denken "moderner" als im realen Mittelalter. Ich hoffe, das "mittelalterliche" wird bald deutlich werden.

    LG

    melli

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  • Hallo melli ,


    ich bin auch neu zu deiner Geschichte gekommen, habe daher keine Ahnung, wie die anderen Versionen waren und lasse dir einfach mal meine Gedanken hier. :)



    Beste Grüße

    Charon

  • Prolog

    Der Anfang gefällt mir gut. Der Prolog war für mich zwar noch etwas wirr, aber das ist ja meistens so (gewollt). Ich denke ich habe alles verstanden, was ich zu diesem Zeitpunkt der Geschichte verstehen soll.


    Das folgende erste Kapitel ist recht tragisch. Ruitgar ist wohl das, was man als böse bezeichnen könnte, doch hast du ausführlich die Umstände genannt, die ihn zu dem machten, was er nun mal war :/


    Am Ende wird das ganze dann noch mysteriös. Vorallem weil ich davon ausging, trotz recht kurzer Beschreibung, Ruitgars gesamtes armseliges Leben zu kennen. Von daher passt das alles nicht darein. Aber das Gleiche denkt sich wohl auch Gembries ^^;


    Naja, dann werden wir mal schauen, was dahinter steckt :D

  • Ich glaube nicht dass das Intro so funktioniert, tut mir leid.


    Die ganze Geschichte verstößt ziemlich arg gegen das Prinzip von „Show don`t tell“. Ich würde zum Beispiel statt: „….es sollte vieler Helden gedacht und die Toten geehrt werden“ , eher beschreiben wie sich diese Tatsache äußert: „Ein Herold probte ein letztes Mal die Rede zu Ehren der gefallen Krieger. Die Namen derer auf zu zählen deren zerschlagene Körper die Schlachtfelder bedeckt hatten würde mehr als eine ganze Stunde dauern. Dennoch… sie wollte nicht einen einzigen Helden der Vergessenheit überlassen.“


    Dann fallen auch zu viele Begriffe die an dieser Stelle der Geschichte für den Leser noch keine Bedeutung haben wie „Hohes Volk“. Ich denke das kann man ein oder zwei Mal machen wenn es aus dem Kontext möglich ist zu erahnen wovon der Text spricht. Das ist hier aber meiner unbedeutenden Meinung nach nicht gegeben. Wenn es meine Geschichte wäre würde ich diese Leute beschreiben wie sie sind und dadurch vermitteln was genau der Ausdruck bedeutet ehe er das erste Mal benutzt wird. Baue doch einfach mehr Scenen ein in denen auf Verhalten oder Aussehen eingegangen wird. „Der Wind zerrte an ihren roten Locken“ „Er mochte nicht wie niedrig die Tische waren, weil er seine Knie kaum darunter quetschen konnte.“ „Sein Bauch quoll unter dem Lederwams hervor, der letztes Jahr noch gepasst hatte.“ „“Das Kleid steht dir wundervoll!“ …log er.“ So etwas halt.


    … nackte Charaktere sind in meinen Augen keine gute Idee. Besonders nicht zu Beginn der Geschichte. Ich bin der Meinung dass es den Leser eher aus der Geschichte raus reißt. Geht aber vielleicht nur mir so…


    Die ersten drei Absätze reden viel davon was das Fest bewirken soll. Dann kommt dieses ominöse „zumindest war das die offizielle version“ und dann noch ein Satz über die Musik und die Speisen. Verleg vielleicht diesen letzten Satz vor oder lösch ihn damit die Tatsache dass dieses Spektakel offenbar etwas vortäuscht besser wirkt. Eventuell könntest du hier auch mit Leser-Erwartung arbeiten. Ich würde von Frieden und Eintracht schreiben und so richtig rein drücken wie opulent und hübsch alles ist und dann wenn etabliert ist wie gut es allen geht schreiben: „Schaden nur das es gelogen war.“ Oder irgendetwas in der Richtung. Ich finde das hält das Interesse besser.


    Ich finde die Familienverhältnisse des Hauptcharakters sehr verwirrend. Ich musste das mehrmals lesen um zu verstehen wie die zueinander stehen. Und selbst dann finde ich die Motive noch sehr wackelig. Versuch Sachen indirekter zu erklären sodass der Leser ein paar Schlüsse selber ziehen kann. Anstatt zu beschreiben wie genau die geliebte Kuh zu Tode gekommen ist kann der Protagonist zum Beispiel in der Stelle vorbei gehen an welcher er sie tot vorgefunden hat und du könntest beschreiben wie er seinen Wutanfall nochmal durchlebt und in diesem Zusammenhang aufdecken welchen Hass er auf seinen toten Verwandten hat.


    Da spricht vermutlich jetzt die Horror/Drama Queen in mir aber ich finde die Sache mit der Kuh schreit nach deutlich mehr Grausamkeit. Wäre es meine Story dann wäre der Protagonist weg geschickt wurden, hätte zum Abendessen überraschend richtig gute Steaks bekommen, sie dankbar gegessen und wäre dann in den Stall gegangen um seiner Kuh gute Nacht zu wünschen um deren ausgeweideten Kadaver zu finden… und sich vielleicht heulen und Schlurzen zu übergeben. Wenn „traurig“ dann geh ruhig auf 100%

    „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
    -Feron

  • War da hinten etwa gerade eine Schnepfe vorbeigelaufen?

    Eine zweite Figur wird uns hier also vorgestellt, die weit schlechter in die Geschichte startet, als unser erster Prota.

    Ich muss zugeben, ich habe das Ende nicht ganz verstanden. Also, was der letzte Satz Grigors zu bedeuten hat. Vielleicht steh ich aber auch einfach auf dem Schlauch. Oder es klärt sich im nächsten Part ^^

  • Nachdem Kommentar von Feron , habe ich das Kapitel 1 nochmal gelesen. Dabei habe ich mir nochmal Gedanken über die Verhältnisse und Hintergründe gemacht. Mit den letzten beiden Absätzen vom Kommentar gehe ich nicht so ganz mit:


  • Hallo Feron

    ich habe den Prolog (absichtlich) kurz gehalten und die Völker in ihrem Selbstverständnis flüchtig skizziert.


    … nackte Charaktere sind in meinen Augen keine gute Idee.


    Einer Krone gleich trug sie als die Erste des hohen Volkes Blumen im Haar. Sonst trug sie nichts.

    ...sorry.:alien: Die "alten Völker" werden in der Geschichte noch ausführlicher erwähnt werden. Sie waren "geheimnisvoll", und ihre Geheimnisse wollte ich nicht schon im Prolog lupfen. Die "ominöse offizielle Version" bezog sich auf den Bann. der die alten Völker in die neue Welt gebracht und damit den Krieg beendet hat. Sie sind abgehauen, sonst hätten sie ihn verloren und wären vernichtet worden. Jeder glaubt, das hohe Volk hätte diesen Bann allein geschaffen. Das ist die offizielle Version.


    Beim "Drama" zwischen Ruitgar und Gembries möchte ich darauf hinweisen, dass Ruitgar im Alter von 74 verstorben ist. Sprich, auch Gembries ist kein junger Mann mehr, es liegen Jahrzehnte zwischen dem Tod der Kuh und dem des Onkels. Gembries hat viel erlebt und gesehen, was den Tod der Kuh "relativiert" hat. Dein Vorschlag klingt zwar interessant, aber Ruitgar hätte es schon damals physisch nicht geschafft, alleine eine Kuh zu zerlegen. Das ist schwere Arbeit. Und Gembries war nie der Typ, der geheult hätte. Er schlägt eher zu.;)

    Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
    Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker

  • Zitat

    Und Gembries war nie der Typ, der geheult hätte.

    Füg das deiner Geschichte hinzu. Sowas ist super. Aber versuch es nicht einfach in neutralen "Fakten" aus zudrücken sondern denk dir Situationen aus in denen dein Protagonist zeigt das er abgehärtet ist.

    „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
    -Feron

  • Zitat

    Und Gembries war nie der Typ, der geheult hätte.

    Füg das deiner Geschichte hinzu. Sowas ist super. Aber versuch es nicht einfach in neutralen "Fakten" aus zudrücken sondern denk dir Situationen aus in denen dein Protagonist zeigt das er abgehärtet ist.

    Da ich die Geschichte bereits kenne. Abwarten. ;)

    Dass Gembries nicht nah am Wasser gebaut ist und bei allem gleich heult, wird noch das eine oder andere Mal deutlich. Wenn man bereits alle Charakterzüge im ersten Abschnitt der Geschichte erwähnt, bleibt doch nichts mehr für den Rest :D



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -