Es gibt 605 Antworten in diesem Thema, welches 55.334 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Mai 2024 um 20:03) ist von Tariq.

  • Das ist ein besonders starkes Kapitel. Du weißt ja dass Tevor mein absoluter Liebling ist. Er hat etwas ungeheuer Liebes. Aber dass Thilia die "Beziehung" (kann man ja kaum so nennen) zu ihm beenden will hatte ich nicht erwartet und es tut mir so leid! Gleichzeitig kann ich sie sehr gut verstehen! Darum tut es mir noch mehr leid ;(weil ich ja weiß dass sie sich irrt. (also ich bin sehr sicher dass Tevor kein Verbrecher ist).

    :Dübrigens verstehe ich jetzt auch warum du ihn mit Tanred vergleichst.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince * No Way Out

  • Zu 54/1:

    Das ist eine schoene Vorbereitung fuer das Gespraech (das ich jetzt noch nicht gelesen habe) - es macht auf jeden Fall gespannt was es zwischen den beiden zu sagen gibt.

    Die Szene ist ja nicht einfach, da wuerden mir auf Anhieb einige Fallen einfallen in die man beim Schreiben stolpern koennte, aber bisher hast Du alle Klippen gut umschifft :thumbup:


    :D übrigens verstehe ich jetzt auch warum du ihn mit Tanred vergleichst.

    Huh? Wo denn?

  • Hallo Tariq ,

    „Es überrascht dich vielleicht, aber auch ich wollte mit dir reden. Das heißt, ich habe die Möglichkeit dazu erhalten, damit ich dir erklären kann, warum wir uns nicht mehr sehen werden.

    Wow Thillia kommt ja ratzfatz zur Sache. So hätte ich sie gar nicht eingeschätzt.

    Nein!, wollte er rufen, tu das nicht! Sag nicht, es ist vorbei. Es gibt eine Zukunft, ganz sicher, wahrscheinlich, vielleicht ...
    Er schluckte. Der Commandant der Garde hatte ihm das Versprechen abgenommen, nichts von dem zu verraten, was Doktor Witt für ihn plante. Aber vielleicht würde das ihre Meinung ändern? Wenn sie das wüsste und wenn er ihr sagte, wie sehr er bereute, was er damals getan hatte, vielleicht gab sie ihnen beiden doch eine Chance?

    Im Gegensatz dazu finde ich Tevors Reaktion hier genau passend zu seinem Charakter.

    Die Interaktion der beiden ist wirklich gut gelungen. Du hast hier eine wirklich eine schmerzhaft schöne Abschiedsszene geschrieben.

  • Zu 54/2:

    Ah - toll! Du widerstehst gekonnt der Versuchung hier ein Happy End zu zaubern oder ein Klischee zu feiern und machst es dem Leser richtig schwer - aber es ist eine realistische Szene geworden, und sehr beruehrend,

    Finde ich wirklich sehr gelungen hier!

    „Ich habe diese kleine Heimlichkeit im Park sehr genossen“, meinte sie leise

    'meinen' ist hier nicht so gut - einmal ist es eigentlch kein Synonym fuer sprechen, aber es bringt hier auch eine Wiederholung mit dem 'meinen' im naechsten Satz - vielleicht aendern?

  • Hallo Kirisha , Thorsten und Ichuebenoch , ich bin wirklich froh, dass dieses Gespräch bei euch so gut angekommen ist. Ich hatte eher mit einem Aufschrei der Empörung gerechnet, aber ich freu mich, dass ihr das so akzeptiert. Danke!!

    So, heute kommt was Neues mit ein paar ... Infos. Mal sehen, ws ihr sagt.

    Zum vorigen Part: Kapitel 54/2

    ~~~ Kapitel 55 ~~~

    Etiennes ComPad vibrierte. Träge hob er den Arm, um zu sehen, wer störte.
    Ich bin in zwei Minuten bei dir, las er.
    Vorsichtig setzte er sich auf. Ares kam, hierher in sein Quartier, noch dazu so kurzfristig und ohne Erklärung. Was war da los? Ratlos aktivierte er für Ares' ID-Code die Zutrittsberechtigung zu seinem Quartier.
    „Etienne, starten Sie den Networkassistantmanager.“
    Websters Stimme ließ ihn erschrocken zusammenfahren. Verdammt, warum konnte die KI sich nicht endlich an die simpelsten Kommunikationsregeln halten? Privatsphäre schien ein Fremdwort für sie zu sein.
    Er kam umständlich auf die Füße, wobei er die Rechte auf die lädierten Rippen presste. Die feige Attacke durch Coholts Schläger lag erst neun Tage zurück und das Atmen ließ seine Brust immer noch schmerzen, von Anstrengung ganz zu schweigen. Er gab dem ComPad die Anweisung, ging dann langsam hinüber zum Mediencenter und setzte sich.
    Der melodische Ton, mit dem der Computer Einlass-Autorisierung für die Tür erbat, erklang und danach das Zischen der sich öffnenden Tür. Ein Schaudern lief über Etiennes Rücken, als er sich an den Moment erinnerte, in dem sein Angreifer sein Quartier betreten hatte. Ohne vorher die Zutrittsberechtigung zu erbitten. Vicente Carrasco hatte ihm geöffnet ...
    Ares trat ein, warf seine Handschuhe auf den Tisch und musterte ihn kritisch.
    „Du siehst immer noch scheiße aus“, knurrte er. „Warum liegst du nicht?“
    Etienne warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu, griff nach dem ComTab auf dem Tisch und rammte es Ares vor die Brust.
    Weil ich sonst verlerne, wie man sich bewegt, diktierte er angesäuert.
    „Lass es langsam angehen.“ Ares ließ sich in einen Sessel fallen.
    Du wolltest doch vorerst nicht herkommen, ließ Etienne das Gerät schreiben, und du trägst noch den Dienstoverall. Ist was passiert?
    Sein Freund las und hob dann die Schultern.
    „Keine Ahnung“, gab er zurück. „Frag Webster. Er meinte, ich soll sofort zu dir gehen, es gäbe etwas, was wir uns beide anschauen müssten.“
    „Das ist korrekt und wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich jetzt gern mit der Übertragung beginnen, damit Sie nicht noch mehr verpassen“, mischte sich die Stimme der KI ein. „Vor zehn Minuten ist Scott Decker mit einem Gleiter gelandet und sitzt momentan im Quartier des Kyrios. Noch sind keine für Sie relevanten Dinge besprochen worden, aber ich vermute, das ändert sich bald.“
    „Decker!“ Ares setzte sich mit einem Ruck auf. „Das kann nichts Gutes bedeuten. Was will der Kerl hier?“
    Wir werden es erfahren, wenn du nicht gerade dazwischenredest. Etienne ging zur Couch zurück und setzte sich wieder hin. Im gleichen Moment verschwand am Holo-Schirm das Bild von Webster im Sessel und er zeigte stattdessen den großzügigen Wohnraum des Kyrios-Quartiers.
    „... zu Ihrer Zufriedenheit verlaufen?“, hörte Etienne eine fremde Stimme sagen. Der Sprecher saß mit dem Rücken zur Kamera auf der luxuriösen, weißen Ledercouch.
    „Ja, das ist es“, antwortete der Kyrios und trat von rechts ins Bild, um sich dem Fremden gegenüberzusetzen. „Der Arzt hat keine neugierigen Fragen gestellt und Ares zeigte danach auch keinerlei Auffälligkeiten. Sein Ton mir gegenüber ist anmaßend und impertinent, aber das ist beruhigend, denn so war er, bevor ich ihm mein Angebot unterbreitete.“
    „Wie können Sie sicher sein, dass er wirklich sauber ist nach diesem ... Programm E?“
    Etienne warf einen kurzen Blick zu Ares und sah, wie sein Freund wütend die Hände zu Fäusten ballte und die Kiefer zusammenpresste. Der Mann, der wohl Decker sein musste, sprach über ihn wie über einen Gegenstand.
    Mestor lehnte sich zurück. „Weil ich die Erinnerungen, die ihn für seine künftige Aufgabe ungeeignet machen, aus seinem Gedächtnis entfernt habe.“
    „Und wer garantiert Ihnen, dass sich die ach so edle Gesinnung Ihres Spröss­lings nicht wieder durchsetzt und er Moral über persönliche Annehmlichkeiten und Profit stellt?“
    „Niemand. Aber das, was die ... nun, ich will es mal ‚Störung‘ nennen, ausgelöst hat, war der Onta mit seinem seltsamen Verhalten. Der erhielt ein Clearing und wurde damit wieder in die Spur gesetzt. Es gibt also momentan nichts, was Ares Sorgen bereiten könnte. Im Augenblick ist er ausschließlich damit beschäftigt, sich in seine neue Aufgabe einzuarbeiten. Natürlich werde ich diesmal vorsichtiger sein.“
    „Ach ja?“, fragte Decker gedehnt. „Inwiefern? Wollen Sie ihn dauerhaft beobachten?“
    Etienne sah, wie Ares sich ein wenig nach vorn lehnte und seine Miene einen angespannten Ausdruck annahm. Gleich würden sie hören, ob der Kyrios seinen Sohn bespitzelte.
    „Das ist nicht nötig.“ Mestor winkte ab. „Ich habe mithilfe des Programmes alle aufmüpfigen Gedanken aus Ares‘ Hirn gefegt. Und um kein erneutes Risiko einzugehen, werde ich ihm nichts mehr von den Chips sagen“, verkündete Mestor.
    „Wie weit sind sie inzwischen?“
    „Die Träger der Prototypen verhalten sich unauffällig und erwartungsgemäß. Bisher gab es keine Zwischenfälle. Die letzten Probeläufe mit den Probanden funktionierten reibungslos. Wenn die Testphase zur allseitigen Zufriedenheit abgeschlossen und die Vorführung erfolgversprechend verlaufen ist, kann die Produktion auf Pitt Island aufgenommen werden. Ich bin sehr zufrieden.“
    „Wie weit ist der Bau der Anlage dort fortgeschritten?“
    Mestor lachte. „Fast fertig. Wir sind im letzten halben Jahr gut vorangekommen und liegen im Zeitplan. Es wird keine Probleme geben. Stresnikov wartet nur auf das Signal, mit der schrittweisen Überführung der benötigten Anlage auf die Insel zu beginnen.“
    „Also wird Ihr Sohn ahnungslos sein, wenn Sie ihm in knapp drei Jahren das Ruder des Ringes überlassen?“ Decker legte die Fingerspitzen aneinander. Etienne konnte sich unschwer vorstellen, dass der Mann Mestor grübelnd betrachtete.
    Der Kyrios nickte. „Offiziell wird er nur von der Produktion der Regierungs- und der Ring-Chips wissen. Alles ganz sauber. Nichts, was seinen Argwohn wecken könnte und ihn veranlassen würde, wieder herumzuschnüffeln.“
    „Warum sind Sie trotz dieses Risikos so versessen darauf, dass er Ihr Nachfolger wird?“
    „Familienbande, Scott. Ich nehme nicht an, dass Sie das verstehen. Ich habe darauf hingearbeitet, Ares den Ring zu übergeben, wenn ich mich kurz vor meinem sechzigsten Geburtstag nach Pitt Island zurückziehe. Außerdem“, er lachte leise, „hätte ich niemand anderen, der dafür in Frage käme.“
    Decker schwieg.
    „Ich würde jetzt gern das Gesicht dieses Typen sehen“, knurrte Ares mit verschränkten Armen. „Muss ungefähr so aussehen, als hätte er in eine Zitrone gebissen.“
    Etienne grinste, auch wenn ihm nicht danach zumute war.
    Denkst du, Decker hat sich Hoffnungen gemacht, den Posten zu bekommen?, ließ er das ComPad fragen.
    Ares las und nickte grimmig. „Darauf hat Linus Krell mich schon hingewiesen. Von allein wäre ich nicht draufgekommen. Es war einfach zu absurd. Decker als Direktor des Rings! Außerdem ...“
    „Was war das für eine Sache, weswegen Stresnikov hier war?“ Deckers Frage hatte Ares unterbrochen.
    Mestor winkte ab. „Ist längst geklärt. Stresnikovs ach so toller Welpe Coholt hat eine Riesendummheit begangen und danach gleich noch eine. Ich habe ihn erstmal aus der Schusslinie genommen. Er wird eine Weile die Füße stillhalten und bei den Aktionen im Hintergrund bleiben müssen. Die unschöne Sache hat mir aber eine Möglichkeit geliefert, Ares zum Commandanten zu machen, denn die Busch hat sich bei der ganzen Angelegenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Ich bin sicher, Ares glaubt inzwischen, dass er die gesamte Garde hinter sich hat.“
    Etienne riss die Augen auf. Nicht sicher, ob er richtig gehört hatte, wandte er den Kopf und begegnete dem fassungslosen Blick von Ares.
    Er hat es also auch verstanden, erkannte er, Dwayne ist noch im Spiel.

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

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