Schreibwettbewerb Juli/August 2022

Es gibt 10 Antworten in diesem Thema, welches 1.741 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (13. Oktober 2022 um 00:10) ist von Der Wanderer.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo zusammen

    Tariq hat diesmal das Thema selbst ausgesucht :D

    es lautet:

    "Es hat nicht gereicht"


    Ich hätte gerne mehr als 2 Einsendungen! Strengt euch an!


    Einsendeschluss : 26. August 2022

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Mai/Juni 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr könnt per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png


    LG Chaos

    • Offizieller Beitrag

    Welche Geschichte hat euch am besten gefallen 10

    1. Moorgeister (5) 50%
    2. Gunnars letztes Abenteuer (5) 50%

    Ahem ...
    ich bin mal wieder etwas spät dran :sack: Sorry

    Abstimmung gibts trotzdem :D

    • Offizieller Beitrag

    Moorgeister

    von Sensenbach

    Helm Helmson betrachtete die Hütte am Rande des Moores. Die von der Witterung gebleichten Balken aus Kiefernholz schmiegten sich an die allgegenwärtigen Felsen. Derweil brannte die gnadenlose Mittagssonne auf die Dorfbewohner, die in gebührendem Abstand auf die Hexe warteten. Sie waren gekommen, um den Weg durch das Moor anzutreten und den Moorgeistern das Opfer zur Sommersonnenwende darzubieten.

    Doch die Hexe ließ sich Zeit.

    „Ist sie zu Hause?“, murrte Helm und wischte sich den Schweiß aus der Stirn.

    Ingrid Schmiedson nickte. „Ich denke, sie lässt uns absichtlich in der Hitze schmoren. Der Dorfvorsteher soll nachsehen, wo die Alte bleibt. Hey Albert, schau mal nach, ob sie da ist. Oder hast du Angst?“, rief die blonde Frau lautstark und legte die Hand an ihre Streitaxt.

    Helm wiegte missbilligend den Kopf. Die junge Schmiedin musste dringend lernen, ihr Temperament zu zügeln. In einem Satz, den Dorfvorsteher sowie die Moorhexe herauszufordern, war so unnötig wie das Warten in der gleißenden Sonne. Albert Hinrichsen zog eine verlegene Grimasse, natürlich würde er nicht gehen. Der Mann war so reich wie feige.

    „Dann schaue ich eben nach, wo sie bleibt“, seufzte Helm resigniert und ging den schmalen Pfad zur Hütte hinab. Er überlegte noch, ob er besser klopfen oder rufen sollte, als sich die Tür mit einem Knarren öffnete. Die alte Baba Hega trat hinaus.

    „Helm, mein Junge. Schön dich zu sehen, obwohl ich eigentlich Albert Hinrichsen erwartet hatte. Wie geht es den Kindern?“ Ihr faltenreiches Gesicht wirkte sanft, wenn sie lächelte.

    „Meine Töchter stehen am Moorrand bei ihrer Tante. Es geht ihnen gut, aber unsere Tage sind grau, seit Elsbeth gegangen ist“, gab Helm zu. Auge in Auge wirkte die Hexe weniger bedrohlich als in den Erzählungen und sie hatte wirklich alles getan, um seine Frau zu retten.

    Die Hexe nickte nachdenklich. „Kinder sollten nicht ohne Mutter aufwachsen. Das schwarze Fieber hat in diesem Jahr zu viele Seelen gefordert. Die Dinge sind nicht in rechter Ordnung.“

    „Die Kinder stehen lange in der Hitze und der Weg ist weit“, sagte Helm vorsichtig.

    „Du fragst dich wohl, was die alte Hega dazu treibt das Dorf so lange in der Sonne stehen zu lassen?“

    „Hmm“, brummte Helm zustimmend.

    „Ich habe viel gesehen von hier aus. Du bist gekommen und nicht Hinrichsen. Ingrid mag dich, denn sie steht neben niemanden so lange, wie bei dir.“

    „Sie hat meinen Antrag abgelehnt“, Helm wich dem Blick der Hexe aus. „Es ist nicht einfach, den Hof zu führen, mit fünf Töchtern, die ihre Mutter vermissen“, sagte er entschuldigend.

    „Die Kinder brauchen eine Mutter“, betätigte Hega beruhigend. Ihr scharfer Blick richtete sich nach vorn. „Die rothaarige Frau dort bei Store Sven, ist sie das Götteropfer?“

    „Ja. Die Männer haben sie vor zwei Wochen auf dem Haselweg aufgegriffen. Wird es reichen?“

    „Es hat nicht gereicht, als wir den Göttern den alten Köhler gegeben haben. Der schwarze Tod kam im letzten Jahr trotzdem ins Dorf. Dies darf nicht erneut geschehen“, zischte die Hexe gereizt. „Diesmal ist es eine junge, hübsche Frau. Es wird wohl reichen“, seufzte sie.

    Helm nickte.

    „Nun. Wir sollten uns aufmachen. Der Weg durch das Moor ist lang“, beschloss die Hexe und nahm ihren Stab. „Überprüfe die Fesseln des Sommeropfers. Ingrid besitzt viel Mitleid und wenig Glauben.“

    ***

    „Was hast du dir dabei gedacht, dem Sommeropfer die Fesseln zu lockern?“, schnaufte Helm. Ingrid starrte auf den schmalen Weg. Der Pfad führte durch das Moor zum Kiefernhain. Sie zerrte an ihrem langen Zopf. Das tat sie immer, wenn sie wütend war, und dies kam in letzter Zeit oft vor.

    „Elaine war auf dem Weg nach Birkenwald, um ihre kranke Tante zu besuchen. Sie ist ein Mensch so wie du und ich. Kein Opfer! Wie kommen wir dazu, sie wegen eines Aberglaubens in das Moor zu stoßen? Oder denkst du wirklich, im Moor gingen die Geister um. Du bist doch oft genug da draußen …“

    „In der Nacht als Elsbeth starb, lagen graue Schatten über dem Dorf, du musst es doch auch gespürt haben! Im Dorf gab es später drei Fehlgeburten! Das Opfer im letzten Jahr hat nicht gereicht.“

    „Hat dir das die Hexe eingeredet? Nichts habe ich gespürt. Helm, ich mag dich wirklich, aber ich denke, es wäre besser, wir würden die alte Vettel ins Moor werfen.“

    „Du weißt nicht, was du sagst!“, schnaufte Helm und sah sich besorgt um. Aber die Hexe ging weit vorne neben Store Sven.

    „Ich werde das Dorf verlassen, sobald diese Scharade vorbei ist“, verkündete Ingrid.

    „Überleg es dir, du wärst den Kindern eine gute Mutter.“

    „Helm …“ Ingrid legte ihre Hand auf seinen Arm. „Ich mag dich. Aber so eine Ehe, das wäre doch keine Liebe. Wir würden uns vielleicht gut vertragen, aber … Ist das alles, was das Leben für uns bereithält?“

    „Ich habe Elsbeth auch nicht geliebt, als wir heirateten. Die Dinge können sich entwickeln.“ Helm wiegte den Kopf. „Du hast zu viele Erwartungen, Ingrid. Das Leben am Moor ist hart.“

    „Aber es muss noch etwas anderes geben, da draußen. Die Händler erzählen von Schiffen, die groß wie Häuser sind und über Seen fahren, deren anderes Ufer man nicht sieht.“

    „Die Leute dort werden ihre eigene Last zu tragen haben und ihren Göttern auf ihre Weise dienen, so wie wir es tun. Jeder lebt nach seiner Art.“

    „Das mag sein Helm … Aber …“

    „Wir sind bald da. Ich kann den Kiefernhain schon sehen.“ Dies war Helms Art, die Unterhaltung zu beenden.

    ***

    Der Kiefernhain lag auf einer Felseninsel, inmitten des Moores. Zahlreiche Kiefern und Birken krallten sich in den kargen Felsen. Bei der Thingstätte am Ufer des kleinen Moorsees hatte sich etwas Sand und Erde angesammelt, dort erreichten die Bäume stattliche Höhen. Die Kinder spielten im Schatten der Baumkronen, während die Erwachsenen das Fest zur Sommersonnenwende vorbereiteten. Bald brannte das Feuer und die Sonne tauchte das Moor in ein unwirkliches rötliches Licht.

    Nach einer kurzen Beratung mit der Hexe überprüfte Helm den Steg, der hinaus auf den See führte und wo die Moorgeister das Opfer empfangen würden. Er seufzte. Das Gespräch mit Ingrid hatte ihn aufgewühlt und erst recht die Unterhaltung mit Baba Hega.

    Elaine, so hieß das Opfer für die Moorgeister, saß am Rande der Thingstätte und blickte teilnahmslos auf die Vorbereitungen. Der Pferdeschwanz der jungen Frau hatte sich gelöst und die rötlichen Locken lagen wild um ihre Schultern.

    Verdammt!

    Ingrid hatte recht. Elaine war ein Mensch. Mit Sorgen und Hoffnungen und dem Willen zu leben. Sie würden sie trotzdem heute den Göttern opfern. Helms Finger krallten sich in das Geländer des Steges. Sein Blick ging über den See, es galt eine Entscheidung zu treffen. Der breitschultrige Mann schüttelte unwillig den Kopf und stapfte zurück zum Ufer, hinauf zum Thingplatz.

    Store Sven sah überrascht auf.

    „Lass mich mit der Frau für einen Moment allein. Baba Hega möchte, dass ich ihr etwas mitteile“, sagte Helm.

    Sven legte den Kopf schief und entblößte die schiefen Zähne. „Natürlich, Helm. Aber ich bleibe in Sichtweite.“

    ***

    Ingrid beteiligte sich wenig an den Gesprächen der anderen Frauen. Gelangweilt sah sie zum Thingplatz hinüber und erstarrte.

    Helm unterhielt sich mit Elaine. Sollte er sich doch noch anders entschieden haben? Die Dorfbewohner würden ihm folgen, auch bei einem Aufstand gegen die Hexe, da war sie sich sicher. Der Mann hatte eine Begabung zum Anführer und ein gutes Herz, wenn er doch nur nicht so stur wäre.

    Der durchdringliche Ton eines Horns unterbrach die Gespräche und Ingrids Gedanken. Nun würde die Hexe den Rat bestimmen.

    „Albert Hinrichsen!“, rief der Hornbläser den Dorfvorsteher in den Rat und fuhr fort:

    „Thea Sörensen, Helm Helmson, Store Sven, Margitta Bengsen, Ingrid Schmiedson!“

    Jemand stupste Ingrid an die Seite.

    „Ich …?“ Unsicher stand Ingrid auf und trat zu den anderen auf die Thingstelle.

    „Nun, da wir vollständig sind, ist es an der Zeit, das Opfer zur Sommersonnenwende zu begehen“, begann Baba Hega. „Es war ein entbehrungsreiches Jahr. Die Ernte hätte besser sein können und wir haben geliebte Menschen verloren. Dennoch haben wir nie die Hoffnung verloren. Wir werden auch den Winter überstehen, wenn wir nur zusammen halten.“ Die Hexe warf einen Blick in Helms und Ingrids Richtung. „Fürs nächste Jahr habe ich einige Änderungen beschlossen. Helm Helmson wird die Bürde des Dorfvorstehers übernehmen.“

    Albert Hinrichsen gab ein röchelndes Geräusch von sich, sagte aber nichts.

    „Helm Helmson wird sich neu verheiraten, das Eheritual wird nach dem Opfer vollzogen“, fuhr die Hexe fort.

    „Aber …“, entfuhr es Ingrid.

    Baba Hega hob die Hand. „Zudem wird in diesem Jahr nicht Store Sven das Opferritual vollenden, sondern Ingrid Schmiedson.“

    Ingrids Hand glitt an die Hüfte und griff ins Leere, denn sie hatte die Axt beim Eintreten in die Thingstätte abgelegt. Keinesfalls würde sie Elaine die Kehle zerschneiden und sie ins Moor werfen, wie den Kadaver eines Hundes.

    Helms warnender Blick traf sie, er blinzelte ihr zu. Plante er etwas? Er hatte sich schließlich grade noch mit Elaine unterhalten. Mit aller Selbstbeherrschung, die sie aufbringen konnte, nickte Ingrid und grummelte eine Zustimmung. Die Hexe lächelte zufrieden.

    ***

    Die Prozession schritt zum Steg hinab. Vorne ging Ingrid mit der jungen Frau, es folgten Helm und Store Sven. Elaines Hände waren gefesselt und ihre Beine zusammengebunden, sodass sie nur langsam gehen konnte. Sie ließ sich ohne Widerstand führen.

    „Ich werde dir nichts tun. Wir werden versuchen zu fliehen, hörst du?“, flüsterte Ingrid und betrat den Steg. Das Messer in ihrer Hand wog schwer. Elaine nickte kaum merklich und sah auf. Ihre grünen Augen wirkten trotzig. Noch wenige Schritte und sie erreichten das Ende des Stegs.

    Ein leises schmatzendes Geräusch drang den Steg hinauf. Ingrid sah sich um, die Wasseroberfläche kräuselte sich. Ein gräulich schimmernder Schemen bewegte sich unter der Oberfläche des Sees. Ingrid beugte sich vor und begriff das Unglaubliche. Dort wartete etwas abgrundtief Böses! Ihr Herz pochte. Die Hexe hatte recht! Die Moorgeister waren wirklich und verlangten ihr Opfer. Ingrid fasste das Messer fester und packte Elaine. Aber sie zögerte, wie nur konnte sie einen Mord begehen?

    Die schlanke Frau entwand sich ihrem Griff, dann spürte sie scharfen, kalten Stahl an der Kehle. Im nächsten Moment quoll warmes Blut über ihre Brust. Ingrid fühlte einen Stoß an der Hüfte und fiel. Noch bevor sie das Wasser berührte und gierige Finger nach ihr griffen, sah sie zurück. Sie sah Helm und Elaine nebeneinander auf dem Steg.

    Ihr Blut tropfte von dem Messer in Helms Hand.

    • Offizieller Beitrag

    Gunnars letztes Abenteuer

    von Moog

    Tscha…

    Hät ick mit dem Erbe meiner Vorfahren zufrieden sein können?

    Sicherlich…

    Aber wozu?

    Ick kanns och einfach verdoppeln! Verdreifachen! Verzehnfachen! So hat ick jedacht. Es hatte mir einfach nich jereicht. Ick wollt mehr. Mehr Gold. Mehr Ruhm. Mehr Risiko. Denn ick warn Abenteurer.

    Und jetzt steh ick hier…

    Mitten in der Scheiße…

    *

    Der Zwerg Gunnar, der der Sohn von Torben war, der der Sohn von Wanka war, der der Sohn von Torben (ein anderer) war, der heldenhaft in der Schlacht von Rukben gekämpft hatte, schulterte den Staubschlucker und grinste seine Leute an. Sein Staubschlucker… ein kantiges, schweres Gerät, beschlagen mit Metall und ausgestattet mit vier Läufen, durch die er seine Feinde für immer auf den Boden beförderte, wo sie den Staub fraßen, den sie verdienten. Immer wenn Gunnar eine Ansprache hielt, schulterte er diese Waffe. So ein Ding machte Eindruck, auch wenn es schon in die Jahre gekommen war. Denn Staubschlucker wurden nur an die königlichen Truppen verteilt. Und an Helden. So wie Torben (den alten).

    „Ick sach immer, mit ner handvoll juter Leute hol ick sogar den Schatz unterm Arsch vonnem Drachen weg!“ Gunnar grinste. „Jetzt hab ick zwar nur euch, aber da is ja diesmal och ken Drache!“ Gunnar brach in ein herzliches Gelächter aus. Dieser Witz war jedes Mal der Hammer! Fand er.

    Aber da war er der einzige. Sie waren zu siebt hier im Gasthaus: Hakok, Mernhelm und Brunhilde aus der Kriegerkaste, Wernlim aus der Unterstadt, sozusagen aus der inoffiziellen Diebeskaste, Orlaf von Odeus, ein menschlicher Zauberer, und Parff, eines der muskelbepackten Pferdewesen, die auf zwei Beinen gingen und ihre Streithämmer fast so sehr liebten wie die Zwerge ihre Äxte. Eigentlich bevorzugte es Gunnar, mit Zwergen zu arbeiten. Aber es war nun mal schwierig, Leute zu finden, die das Risiko so liebten wie er. Und so janz ehrlich, dachte Gunnar, en Magier und en Großen hätt ick bei uns sowieso vergeblich jesucht.

    „Es is ne einfache Kiste“, erzählte Gunnar. „Da isn Adels-Mensch inne Stadt drin. Der macht da mit schwarzer Magie rum; willn Dämonenheer aus der Erde holen und König werden. Die Alte Leier. Isn wichtiger Typ, deswegen weißes zwar jeder, aber keiner will da zu dem in Keller gehn und ma nachguckn. Und da komm wir ins Spiel!“

    „Also schauen wir nur nach?“, fragte Orlaf verwirrt. Mernhelm gluckste.

    „Ne“, wischte Gunnar die Frage beiseite, „wir jehn rein und machen die wesch. Da is doch schwarze Magie, Mensch.“

    „Ja… ich dachte nur…“

    „Hör ma zu. Hört ma alle zu. Wir fahren in die Stadt. Ick hab uns schon schicke Wegchen rausjesucht.

    Also ick bin von nun an Händler. Mernhelm und Hakok sind meine Wachen. Wir kommen mit ner kleinen eigenen Händlerkutsche.

    Brunhilde und Wernlim sind ein Brautpaar in Flitterwochen. Die ham ne eigene kleine Hochzeitskutsche. Orlaf, du bist ihr Kutscher.“

    Orlaf warf einen verstohlenen Blick auf Brunhilde und Wernlim. War einer der beiden Zwerge eine Frau? Also es wäre natürlich auch okay, wenn nicht, er fragte sich ja nur…

    „Und Parff… also wir würden ne Menge Kosten sparen, wenn du einfach n Pferd wärst.“

    Parffs Gesicht verzerrte sich vor Wut.

    „Ick mein ja nur… na jut, dann reist du unter Deckung wie man so schön sacht. Wir packen dich inne Kiste und nehmen dich bei uns Händlern mit…“

    Orlaf hatte den Schlag nicht einmal gesehen. Er hörte nur das Krachen, Bersten und Splittern mit dem das Fenster des Gasthauses zerstört wurde, als Gunnar hindurch flog. Parff stand zitternd vor dem umgekippten Tisch. Die vier anderen Zwerge waren zurück gesprungen und hatten ihre Äxte und Messer gezückt. Nur Orlaf saß noch auf seinem Stuhl und versuchte zu begreifen, was hier gerade geschehen war und geschah.

    „Na jut… dann biste halt auchn Händler“, tönte es von der Straße.

    *

    Es hatte so jut angefangen… Wir waren ohne Probleme in die gemietete Unterkunft jelangt. Schwupps war die Verkleidung wech. Und dann ham wa beobachtet. Ham jewartet und im besten Moment zujeschlagen.

    Und wie wir zujeschlagen ham!

    Wernlim öffnete das Tor zum Grundstück fast so schnell, als hätt er nen Schlüssel! Brunhilde und Hakok gingen als erste. Hinter ihnen blieben drei Wächter im Gras zurück; so kleine Wurfäxte in ihren Gesichtern. Der Seiteneingang zum Anwesen war jenauso fix genommen. Klick. Klack. Offen!

    Tscha. Da kam auch schon Orlaf, der Trottel, schlich hinterher, was schon richtig war. Im Haus hatte es bereits zwei weitere Wächter und einen alten Diener erwischt. Es war also sicher jenug. Orlaf schüttelte ein altes Laken aus, auf das er ne Menge so Zeichen jemalt hatte und dann sanger leise nen Zauber, bis sich unsichtbar ne tonschluckende Glocke senkte, über Haus und Grundstück.

    Pschiiiiet.

    Ditte war unser Zeichen! Ick mit meinem Staubschlucker, Mernhelm mit der Zweihänderaxt und Parff mit dem Riesen-Streithammer. Jetzt gings aber los! Wir kamen durch das Seitentor und liefen einfach quer über die Wiese zum Haupteingang des Anwesens.

    Drei Wächter machte ich wech. Die flogen kreuz und quer. Machte aber auch ne Menge Lärm. Tscha. Und wer ditte noch nicht gehört hatte, der wurde alarmiert, als Parff die Haupttür zerkloppte. Da kam se aber! Von links und rechts, von oben und unten, von hinten und vorne. Mein Staubschlucker hörte jar nicht mehr uff, zu knallen. Parffs Hammer matschte. Und Mernhelms Axt zischte.

    Und die Wächter starben. Reihenweise. Hehe.

    Während die Wächter zum Gemetzel eilten und sich langsam wunderten, dass keine Stadtwache erschien, räumten Brunhilde, Hakok und Wernlim die Treppe nach unten frei. Schnell und effizient. Orlaf folgte ihnen, über die toten Körper in Keller runter. Und da wars! Wie ses alle gewusst hatten! Ein Tor! Und Scheiße! Das waberte schon unheimlich violett und schwarz! Ein leuchtendes Schwarz heißt es! Was auch immer ditte sein soll.

    Dull.

    „Was zum…?“, Orlaf sah sich verwirrt um.

    Wernlim verzog den Mund und deutete auf einen Pfeil, der in einem der Holzpfosten steckte.

    „Beeilung!“, rief Brunhilde, „wir müssen das Tor schließen! Los jetzt, Mensch!“

    Dull.

    Dull. Dull.

    „Scheiße!“, rief Wernlim und ging in Deckung; auch wenn ditte kaum möglich war in diesem kleinen Raum. Orlaf packte hektisch den Beutel mit Salz aus.

    Tschiu. Dull. Orlaf fiel aufn Po. Scheiße war der Pfeil knapp gewesen!

    Dull. Dull.

    „Los jetzt!“, schrie Brunhilde. Orlaf rappelte sich auf und verstreute das Salz zu einer Bannlinie. Dull. Er murmelte einen Singsang. Dull.

    Tschack. Dull.

    Orlaf schloss die Augen und sang jetzt lauter.

    Dull. Dull. Dull. Tschack. Dull.

    Jetzt übertönte Orlafs Gesang alle Geräusche. Mit entrücktem Blick flehte er die Götter um Hilfe an. Und sie kamen. Schließlich hatte er ihnen Salz jebracht, das einzige, das die da oben nich ham.

    Ein fießer Dürrer war erschienen. Mit Glatze und ner Buddel dabei. Es is nie jut, wenn die ne Buddel dabei ham!

    „Was rufest du?“, tönte der Gott und breitete die Arme aus.

    Tschack.

    Ein Pfeil steckte in seinem linken Bizeps.

    Ach daher kommt das Geräusch, dachte Orlaf und musste kurz darauf entsetzt feststellen, dass Pfeile in Brunhildes Hals und Mernhelms Mund steckten. Nur Wernlim war noch am Leben und sicherheitshalber jetzt hinter dem Gott in Deckung jegangen, der schon erheblich mehr einem Igel glich, mit kleinen schwarzen und befederten Stächelchen.

    „Schließ das Tor!“, rief Orlaf und ruderte mit seinen Armen durch die Luft. Wie son Loser.

    „Dahinter wartet eine dunkle Armee darauf, in diese Welt zu marschieren!“

    Den Gott interessierte das nich. Der fing erst ma an, das Salz zu zählen. Ja, ich sach ja. Es ist nich jut, wenn die ne Buddel dabei ham.

    Der hockte da also und zählte, während die Pfeile sausten und Wernlim und Orlaf verzweifelt hin und her hüpften.

    Tscha.

    Ihr ahnt ja sicherlich, wies ausging:

    „Nein!“

    „Was?“

    „Das ist zu knapp bemessen“, donnerte der Gott. „Dafür mach ich euch nicht die Tür zu.“

    „Das ist keine einfache Tür! Das ist…“

    „NEIN!“, brüllte der Gott und für einen kurzen Moment flackerte die Realität. Ja… sie flackerte. So is das wenn man n Gott nervt.

    Tscha. Und so kam se also wieder hoch. Wernlim und Orlaf. Riefen und schrien und fuchtelten wie Loser.

    Und dann kam auch schon die Skelette. Wie so ne Scheiß Ameisenarmee. Krabbelten kreuz und quer, übereinander und durcheinander. Risch ekelig!

    Wir ham se wechjemacht, so jut es eben ging. Aber ditte hörte einfach nich auf. Irgendwann mussten wir abhaun.

    *

    Tscha.

    Die Stadt hat s nich lang jemacht. Hakok übrigens auch nich. Und Parff sowieso nich. Der war zu groß zum verstecken. Und zu dumm zum abhaun. Anders als Wernlim.

    Bleib also nur noch ich. Während alles um mich raucht und klirrt und schreit, stehe ich direkt vorm Seiteneingang zum Grundstück. Mit m Fass Salz auf dem Rücken, Orlaf am Schlawittchen und ner Scheiß Untoten-Armee vor der Flinte.

    Ick denk… danach reichts mir… Zeit für die Rente…

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zusammen,

    dieser SW ist irgendwie ein bisschen verflucht ... vielleicht hat es bei mir auch nicht gereicht um den ordentlich zu moderieren.
    Naja wie auch immer :D Er ist vorbei und die Siegergeschichte kommt von

    Trommelwirbel

    Sensenbach und Moog
    das Forum war sich beim Abstimmen sehr einig :D

    Bitte sprecht euch wegen dem nächsten Thema ab :)

    Herzlichen Glückwunsch!

  • Herzlichen Glückwunsch euch beiden, das waren zwei super Geschichten und mir fiel die Wahl echt schwer. Umso schöner, dass ihr nun beide Sieger seid. :thumbsup:

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Heyho.

    Ich gratuliere sowohl Sensenbach wie auch Moog und bedanke mich für zwei wundervolle Geschichten.

    Was mich beim Lesen von "Moorgeister" komplett irritiert hat, war dieser Satz kurz vor'm Schluß:

    Die schlanke Frau entwand sich ihrem Griff, dann spürte sie scharfen, kalten Stahl an der Kehle. Im nächsten Moment quoll warmes Blut über ihre Brust.

    Da wußte ich nicht mehr, wer da scharfen Stahl an der Kehle fühlt und wessen Blut da vergossen wird.

    Das wurde zwar direkt danach klar, trotzdem war der Lesezauber in dem Moment gebrochen.

    Was mich bei "Gunnars letztes Abenteuer" direkt abgeholt hat, war die grobe Sprachwahl. Sowas hat's in der Fantasy ja eher selten, manchmal denke ich, wir geben uns alle viel zu viel Mühe, alles immer schön klingen zu lassen.

    Tscha.

    Die Stadt hat s nich lang jemacht. Hakok übrigens auch nich. Und Parff sowieso nich. Der war zu groß zum verstecken. Und zu dumm zum abhaun. Anders als Wernlim.

    Das hatte auf jeden Fall genug Humorfaktor, mein (Ab-)Stimmungsbarometer entsprechend ausschlagen zu lassen...

    Ansonsten für beide Geschichten:

    :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:

  • Herzlichen Glückwunsch ihr beiden! Ich muss sagen, mir haben die "Moorgeister" von Sensenbach deutlich besser gefallen und haben auch meine Stimme bekommen. Das Setting, die Charaktere und die Auflösung fand ich da sehr spannend und unerwartet. Allerdings schließe ich mich Der Wanderer an, auch ich fand genau denselben Satz missverständlich, und dadurch, dass ich ins Rätseln kam darüber, wer denn nun getroffen wurde, hat die Pointe nicht so gut gewirkt. Ich meine auch, da hat noch mindestens ein weiterer Satz gefehlt, der im Nachhinein erklären würde, warum das Opfer gewechselt wurde.

    Sicher ist es aber auch interessant, wenn man sich hinterher selbst überlegt, was der Grund gewesen sein könnte.

    Ich kam irgendwie mit dem Dialekt in der anderen Geschichte nicht so zurecht. Zwar hatte der durchaus einen gewissen Reiz, und auch die Story war amüsant, aber durch den Dialekt kam bei mir immer die Assoziation, "das spielt in Berlin" - und das hat die Fantasy-Atmosphäre gekillt. Ist aber nur meine persönliche Meinung.

    Mal davon abgesehen, meine Hochachtung euch beiden für eure schönen Geschichten. Ich möchte ja auch so gerne mal wieder bei diesem Wettbewerb mitmachen, aber meine grauen Zellen wollen da einfach nichts ausspucken. Da ihr es aber geschafft habt, hoffe ich, irgendwann auch mal wieder dahin zu kommen!

    Also daher, nochmal herzlichen Glückwunsch!

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Heyho Kirisha

    Nein, ein weiterer Satz war gar nicht nötig - Sense hätte nur zwei Wörter anders setzen müssen...

    Die schlanke Frau entwand sich ihrem Griff, dann spürte sie scharfen, kalten Stahl an der Kehle. Im nächsten Moment quoll warmes Blut über ihre Brust. Ingrid fühlte einen Stoß an der Hüfte und fiel.

    Wenn Sensenbach es so geschrieben hätte, wäre es völlig schlüssig gewesen und im Fluss geblieben:

    "Die schlanke Frau entwand sich ihrem Griff, dann spürte Ingrid scharfen, kalten Stahl an der Kehle. Im nächsten Moment quoll warmes Blut über ihre Brust. Sie fühlte den Stoß an der Hüfte und fiel."

    Da hätte auch die "Pointe" nichts von ihrer Schärfe verloren.