TiKas Gedichte - Der Sammelthread

Es gibt 673 Antworten in diesem Thema, welches 138.270 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Tariq.

  • Heyho TiKa444


    Diese beiden letzten haben mir ausnehmend gut gefallen.

    Obwohl beiden eine unbestimmte Traurigkeit innewohnt, habe ich sie in keinem Augenblick als negativ empfunden (im Sinne, daß sie mich runtergezogen hätten...).

    Eher eine melancholische Reflektion des menschlichen Daseins.

    Und merken betroffen

    Wenn wir schließlich gehen

    Dass die Sterne sich nicht

    Um unser eins drehen

    Keine neue Erkenntnis, aber eine, die viel zu wenige im Laufe ihres Lebens erlangen - und am Schluß haben sie nichts mehr davon.


    Gut geschrieben. Danke dafür.

    :thumbup:

  • Schattenspiel


    In der Nacht leuchten die Sterne

    Sie sind klar und deutlich zu sehn

    Kaum mehr als Lichter in weiter Ferne

    Kann ich doch nicht zu ihnen gehn


    Am Tage brennt nur die Sonne

    Sie flutet die Welt mit Licht

    Leuchtende Farben wohin ich auch komme

    Farben sieht man in der Dunkelheit nicht


    Was bringt mir die Welt ohne Sterne

    Was nützt mir ihr Licht ohne Farben

    Wie lange noch bis ich endlich lerne

    Der Schatten verbirgt, doch er heilt keine Narben


    In der Nacht weiß ich, was ich verpasse

    Wenn ich die fernen Sterne betrachte

    Während ich selbst am Tage verblasse

    Mein Leben endet, sobald ich erwache

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Der Dunst der Dämmerung


    Der Dunst der Dämmerung deckt die Dächer

    Ein einsam Eilender eilt eilig entlang

    An alten Anwesen aus anderen Ären

    Vergessen von vielen, verdrängt vom Verstand


    Was würdevoll währte, wankt wie Wasser

    Basalt bricht berstend bei böiger Bora

    Ein Ebenbild entwichener erhabenen Ehren

    Fast flächendeckend fasoniert für flüchtige Flora


    Schließlich scheinen scheinbar Sonnenstrahlen schleichend schwächer

    Als anscheinend Abends abendröte apart aufglühlt

    Lichtblicke leisten leuchtend livriert

    Barmherzigen Beistand behutsam bemüht


    Bald blitzen Bernsteinstrahlen behaarlich blässer

    Und unversehen urteilt uraltes Urgericht

    Ganz geruhsam gar gänzlich geniert

    Das die Düsternis darniederbricht

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Lichterloh


    Hämmernd klopft die Sorge an

    Was ist Angst, was Bedauern

    Mein Herz springt klopfend dann und wann

    Wenn die Nacht mich sanft umschlingt


    All mein Glück ist nur gestohlen

    Und meine Zeit läuft ab

    Die Vergangenheit jagt unverholen

    Mich, dem nichts gelingt


    Der Sommer neigt sich jetzt dem Ende

    Es fallen Blätter und Geister lauern

    Ich frag mich aufs Neue, wo ich jetzt stände

    Hätt ich die Zukunft nicht verkannt


    Die Hoffnung wiegt mich sanft in Armen

    Doch zieht sie mich hinab

    Ich wimmer leise um Erbarmen

    Hab mich an meiner selbst verbrannt

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

    Einmal editiert, zuletzt von TiKa444 ()

  • Wow, Tika, "Dunst der Dämmerung" ist ein echtes Kunstwerk. Gefällt mir, wie du da die ganze Breite unserer Wortpalette genutzt hast, um dich auszudrücken. :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Rosenrot


    Ein einsam klingend Kinderlachen

    Entrissen von Gewalt und Leid

    Fern von feuerspuckend Drachen

    Rosenrot auf weißem Kleid


    Es donnert schrill die Urgewalt

    Metall zerbirst im Flammenmeer

    Uralte Mauern verlieren den Halt

    Niemand mehr da, keiner mehr


    Sonnenlicht zerbricht im Nebel

    Besprenkelt schwarz verdörtes Laub

    Fauchend wild erhebt sich edel

    Der Vogel aus Metall und Staub


    Kreist erhaben über Zwerge

    Stößt hinab, es ist soweit

    Entschwindet dann über die Berge

    Rosenrot auf weißem Kleid

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Schwarz


    Bunte Vielfalt, überdeckt

    Grün und Blau und Gelb und Grau

    Längst verhallt und unbefleckt

    Glitzern rau im Morgentau


    Skelette nun auf hartem Stein

    Schillern sie wie glatter Quarz

    Im Abendrot verbleibt allein

    Tiefes dunkles stilles Schwarz


    Rein gar nichts hat den Staub durchbrochen

    Kein Hauch von Rot, verschmutztes Weiß

    Selbst das Orange ist längst verloschen

    Nur Rauch steigt auf, er ist noch heiß


    Mauerwerk ist eingefallen

    Aus Baumruinen sickert Harz

    Kanonenschläge die verhallen

    Nach Feuersbrunst verbleibt nur Schwarz

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Heyho TiKa444


    Ich mag Den Stil Deiner Gedichte sehr.

    In jedem klingt an, was Du sagen möchtest, aber in keinem wirst Du wirklich konkret. Korrektur: Wirst Du, verlangst von mir als Leser aber, mir ein eher"losgelöstes" Bild zu erschaffen.

    Finde ich manchmal etwas sehr bemüht (Dunst der Dämmerung), obwohl ich da vermute, daß Du nur mit Worten gespielt hast wie der hier:Der G-Punkt

    Allerdings stimme ich Tariq zu: Eine beeindruckende "Wortpalette".

    Summa summarum empfinde ich jedes Deiner Gedichte als sehr atmosphärisch - und das ist ziemlich selten.

    :nummer1:

  • Hey Der Wanderer


    Vielen Dank für die aufbauenden Worte. Es freut mich wirklich, dass meine Gedichte so auf dich wirken. Gerade das vage, wie du sagst losgelöst, ist mir wichtig.


    Ja, Dunst der Dämmerung war eher eine Spielerei. Ich denke die Kunst sowas nicht bemüht klingen zu lassen, habe ich noch lange nicht erreicht.

    Übrigens danke für den Link. Kannte ich noch gar nicht.


    LG TiKa444

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Fall


    Sanft schweben sie nach oben

    Stetig fallend, des Bodens beraubt

    Halten Sie sich in den Armen

    Haut ruht tröstend auf zitternder Haut


    Um sie herum kreisen Spiralen

    Aus Steinen und Erde, Beton und aus Dreck

    Tausende Körper, die mit aschfahlen

    Gesichtern auf die Liebenden starren


    Tausende Meter über berstendem Boden

    Aus welchem nun flammende Lava erbricht

    Milliardene Tote hört man noch klagen

    Ein Klagen, das Milliarden Geschichten entspricht


    Das Wasser ist längst entschwunden

    Nur noch die Tränen des Liebespaar

    Die im Herzen nun fest verbunden

    Eine Ewigkeit im Fallen verharren


    Krachend birst Fundament von schillernden Türmen

    Glas zersplittert und ergießt sich im Wind

    Am Ende gibt es für keinen Erbarmen

    Am Ende stirbt jeder, ob Mann, Frau oder Kind


    All die Paläste, der Reichtum, das Elend

    Alle Grenzen, sind endlich weg

    Das Geld, das uns trennte, es verbrennt

    Das System verschwindet, wie Wasser im Fluss


    Sie schweben inmitten von Feuerstürmen

    Es verbleibt nichts was man noch tun kann oder muss

    Ich liebe dich, hört man sie sagen

    Dann teilen sie ihren ersten Kuss


    Sie schweben hinauf, hinauf zu den Sternen

    Die Haare gefroren, die Augen noch klar

    Auf ewigem Kurs in Ferne Fernen

    Gefangen in ihrem letzten Kuss

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

  • Ich dachte mir, es wäre mal wieder Zeit für ein etwas fröhliches Gedicht.


    Klopfen


    Ein süßes Lachen

    Erhellt meinen Tag

    Lächelnde Blicke

    Ein Augenaufschlag


    Ein sanftes Necken

    Von zart weicher Hand

    Ein Entgegenrecken

    Mir zugewandt


    Vom Windhauch der Hoffnung

    Umschmeichelt

    Und doch bleibt das Zweifeln

    Während ich verzweifel


    Hinter dieser Tür lodert ein Feuer

    Das mich entfacht oder verbrennt

    In jedem Fall ein Abenteuer

    Und das reicht mir für den Moment


    Farben sehen


    Grau auf grau

    Schwarz folgt schwarz

    Hin und wieder ein Blau

    Dann wieder Schwarz


    Das Gestern scheint gleich

    Dem Heute und Morgen

    Mein Himmelsreich

    Bleibt mir gut verborgen


    Und dann helles Licht

    Wo nur Dunkelheit war

    Die Finsternis bricht

    Wie sonderbar


    Ein Feuer entfacht

    Ich kann Farben sehen

    Ich hätte niemals gedacht

    Das Wunder geschehen

    Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten.


    Aldous Huxley

    Einmal editiert, zuletzt von Chaos Rising () aus folgendem Grund: Ein Beitrag von TiKa444 mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Heyho TiKa444

    Schlau werde ich nie aus Deinen Gedichten - das habe ich ja schon früher mal angemerkt.

    Aber berührend finde ich sie jedesmal.

    Wenn ich da mal "Klopfen" als Beispiel nehmen darf:


    Meine Assoziation bei den ersten beiden Strophen: Baby.

    Bei der dritten: Angst und Selbstzweifel des Schreibend-Betrachtenden.

    Die vierte: Furcht vor dem eigenen Selbst.


    Ich bin mir da nicht ganz sicher und erwarte auch keine Antwort. Aber in allen Deinen Gedichten, die ich bisher lesen durfte, empfinde ich zwischen den Zeilen den Widerstreit von Hoffnung und Verzweiflung - mal wie in "Klopfen" so herum, seltener (leider) wie in "Farben sehen" andersherum.

    Ich meine das in keiner Weise wertend in die eine oder andere Richtung. Es ist mir nur aufgefallen.


    Als ob Du Dir beim Schreiben Deiner Zeilen jedesmal nie ganz sicher bist, wohin die Reise geht...

  • Ich würde beide Gedichte als die eines frisch Verliebten interpretieren. Kann aber auch sein, dass ich damit mörderisch auf dem Holzweg bin. :rofl:


    Bei Klopfen sehe ich ab der Hälfte der dritten Strophe eine gewisse Furcht vor dem Einlassen auf das Verliebtsein. Vielleicht hat der andere Part ja eine gewisse "Vergangenheit" oder Ausstrahlung. Ich erkenne ein kurzes Zögern und dann das "sei's drum". :dwarf:


    Farben sehen beschreibt für mich den vorher-nachher-Zustand. Also die Zeit des Grau- bzw. Schwarzsehens ist vorbei und die Welt ist voller Farben. Jepp, passt für die Liebe, würde ich sagen. :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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