Schreibkurs zu Kurzgeschichten

  • Vorankündigung. Schreibkurs Kurzgeschichten


    Hallo allerseits

    Bei meinen Versuchen gute Kurzgeschichten zu schreiben stehe ich immer wieder vor Herausforderungen. Manchmal geraten diese Geschichten zu lang, oder ich bin mit der Struktur der Geschichte unzufrieden, ohne genau sagen zu können, was nicht stimmt. Um dies zu verbessern habe ich einige Informationen zu Kurzgeschichten gesammelt. Meine Erkenntnisse habe ich in Form eines Schreibkurses zusammengefasst. Vielleicht habt ihr ja Lust mitzumachen, es gibt allerdings Hausaufgaben und aktive Mitarbeit ist erwünscht.


    Die einzelnen Themen werden von mir einmal oder zweimal wöchentlich gepostet. Dazwischen gibt es Zeit die Hausaufgaben und die angesprochenen Aspekte zu diskutieren. Es wird insgesamt sieben oder acht Teile geben.




    Disclaimer / Bemerkungen

    • Nein, ich bin kein professioneller Autor. Meine Kurzgeschichten sind möglicherweise schlechter als deine.
    • Die vorgestellten Regeln und Wege stellen nur eine Sichtweise auf die Dinge dar, nicht der Weisheit letzter Schluss.
    • Wenn Bedarf für Grundsatzdiskussionen besteht, dann bitte per PN oder in einem neuen Strang.
    • Quellen: Brandon Sandersons Kurs zum kreativen Schreiben, insbesondere der Teil mit Mary Robinette Kowal. Außerdem: Autorenwelt, Rindlerwahn, Robert Craws You Tube Videos, Die Schreibdilettanten und Wikipedia
    • Teile der Schreibübung sind abgeschaut von Mary Robinette Kowal.
    • Offizieller Beitrag

    Uh, das klingt sehr interessant. Ich werde mir das mal anschauen. Aber bei den Hausaufgaben muss ich leider passen, weil ich habe diese Woche schon 6 Abgaben xD

    Aber die Ide finde ich mal wieder cool, Sensenbach :thumbsup:
    Und hätte ich nciht so viel zu tun, würde ich auch aktiv mitarbeiten.

  • Heyho Sensenbach


    Da melde ich mich jetzt mal einfach unverbindlich an, weil's sehr interessant klingt. Kann mir passieren, daß ich an den Regeln schon scheitere - Kreativität in Formen gießen um daraus Kreativität zu schöpfen kann ich mir gerade nicht vorstellen.

    Aber ich lerne gerne...

    ...und über Hausaufgaben muß ich mir im Gegensatz zu Etiam seit über 30 Jahren keine Sorgen mehr machen.

    :) :) :)

    Bin gespannt.

  • Hallo allerseits,

    ich freue mich über euer Interesse.

    Demnächst geht es los!


  • Da ich die Vorlesung von Sanderson kenne und auch den Beitrag der Gastdozentin, bin ich gerne auch mit dabei :) Ich vermute mal, dass die "Hausaufgaben" keinen erdrückenden Umfang haben werden (oder vielleicht irre ich mich jetzt auch ganz böse, aussteigen kann ich ja immer noch :D )

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Es geht los! Erstmal ganz langsam …

    Kurzgeschichten

    Erster Teil

    1. Einführung

    Eine Kurzgeschichte ist eine kurze Geschichte. Sie hat ihren historischen Ursprung in Geschichten, wie sie in Zeitschriften veröffentlicht werden, um zum Beispiel einen Friseurbesuch zu überbrücken. Idealerweise können sie also in einem Rutsch gelesen werden.

    Das ist natürlich eine unzureichende Definition, denn wegen der Kürze der Geschichten haben sich bestimmte weitere Charakteristika herausgebildet. Für Autoren haben Kurzgeschichten den Vorteil, dass sie schneller zu schreiben sind als ein Roman. Erste Erfolge beim Schreiben stellen sich also schneller ein. Andererseits ist der Aufwand eine wirklich gute Kurzgeschichte zu schreiben nicht zu unterschätzen. In Deutschland ist der Markt für Kurzgeschichten eher klein. Es gibt in Deutschland wenige spezialisierte Zeitschriften für Fantasy und Science Fiction. Außerdem veröffentlichen andere Zeitschriften wie die Computerzeitschrift Ct fantastische Geschichten. Einige Verlage geben Anthologien heraus, die sich allerdings nicht so gut verkaufen wie Romane. In den USA ist der Markt für Kurzgeschichten weitaus besser.


    Es gibt verschiedene Theorien zur Struktur von Kurzgeschichten. Dazu muss man sagen, dass diese im Nachhinein entwickelt wurden. Erfolgreiche Kurzgeschichten wurden von Literaturwissenschaftlern analysiert und daraufhin wurden Gattungsmerkmale erstellt. Darauf basieren viele Anleitungen zur Erstellung von Kurzgeschichten. Diese Anleitungen können beim Schreiben hilfreich sein. Auf der anderen Seite sind Kurzgeschichten das Feld der Literatur, in dem sich die meisten Experimente finden. Also, nur Mut beim Experimentieren.


    Wie lang ist eine Kurzgeschichte?

    Zur Länge einer Kurzgeschichte gibt es verschiedene Angaben. Irgendwo im Internet habe ich gelesen eine Kurzgeschichte hätte 2-8 Seiten. Wenn ihr eine Kurzgeschichte schreibt und zum Beispiel in einer Anthologie veröffentlichen wollt, findet ihr die Angaben zur Länge auf den Websites der Verlage. Hier finden sich Angaben, die typischerweise zwischen 25.000 Zeichen und 40.000 Zeichen schwanken.


    Aktuelle Ausschreibung für Anthologien

    Verlag Thorsten Low

    25.000 Zeichen inklusive Leerzeichen

    Talawah Verlag

    30.000 Zeichen inklusive Leerzeichen

    Leserattenverlag

    40.000 Zeichen inklusive Leerzeichen

    Fantasy Forum Schreibwettbewerb

    3500 - 10500 Zeichen

    Epubli gibt 15.000 Wörter an.


    Im Deutschen sind Wörter sehr unterschiedlich lang und geben daher nicht so zuverlässig die Länge einer Geschichte an. Hier werden daher die Zeichen angegeben, dabei werden die Leerzeichen mitgezählt. Im englischen Sprachraum wird die Länge von Geschichten meist in Wörtern angegeben. Es findet sich folgende Einteilung der Geschichte nach Länge. Viele Kurzgeschichten von Steven King sind demnach eher „Novelettes“, King findet diese Einteilung aber sowieso blöd. Falls ihr etwas veröffentlichen wollt, empfiehlt es sich die Definitionen und Bedingungen der entsprechenden Magazine anzuschauen.


    Mehrteiliger Brocken no limit

    Novel (Roman) ab 40.000 Wörter

    Novella (Novelle, Kurzroman) 17.500 – 40.000 Wörter

    Novelette (Short Novella) 7.500 – 17.500 Wörter

    Short Story (Kurzgeschichte) unter 7500 Wörtern

    Flash Fiction 1000 Wörter

    Micro Fiction 100 Wörter


    Hausaufgabe

    Das war es für heute. Jetzt gibt es noch eine kleine Hausaufgabe. Bitte nennt mir doch eine eurer Lieblingskurzgeschichten und erzählt, warum euch diese spezielle Geschichte gut gefallen hat.


    Ich fange mal an: Sehr gut gefallen hat mir die Geschichte „Draco, Draco“ von Tanith Lee.

    Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist recht traditionell. Eine mittelalterliche Szenerie, ein Bader zieht mit seinem Wagen von Ort zu Ort. Eines Tages trifft er auf ein Dorf, das von einem Drachen heimgesucht wird. Eine Jungfrau soll geopfert werden. Ein blonder Held ist auch schon in der Nähe. Eigentlich ein Rezept für eine klassische Geschichte, in der der Held den Drachen tötet und die Jungfrau rettet. Aber es kommt alles ganz anders, als gedacht.

    Die Geschichte ist in der Ich-Form geschrieben. Der Bader beschreibt die Vorgänge im Dorf mit einem herrlichen ironischen Unterton, er ist für mich der eigentliche Held der Geschichte.

    Eine Geschichte, die ich gerne selbst geschrieben hätte!


    “Draco, Draco” von Tanith Lee. Erschienen auf deutsch bei dtv/Klett-Cotta in der Anthologie „Zu Gast bei den Elben“

  • Heyho Sensenbach

    Da fällt mir spontan "Das Geyatter und Jack" ein, eine Kurzgeschichte von Clive Barker, hierzulande erschienen in seinem "Ersten Buch des Blutes" 1989.

    Da gehts um einen kleinen Dämon, der vom Herrn der Hölle dazu bestimmt ist, den Gewürzgurkenimporteur Jack J.Polo endlich in genannte Hölle zu holen.

    Leider darf der Dämon dazu das Haus Polos nicht verlassen und ihn auch nicht direkt angreifen. Und alle Aktionen prallen an dem scheinbar völlig gefühllosen "Opfer" ab. Zum Showdown kommt es zu Weihnachten, als die Töchter zu Besuch sind und der Truthahn im Ofen lebendig wird.


    Warum gefällt's:

    Weil es die eine Geschichte in allen Büchern von Clive Barker ist, die ich gelesen habe, die die pure Horrorschiene hinter sich läßt.

    Wenn der Dämon z.B. die Hauskatze meuchelt, ist das zwar in typischer Barkermanier grob und kraß beschrieben, aber immer gleichzeitig unglaublich komisch, sei es durch die lakonische Reaktion Jack Polos oder die entsprechend verzweifelte Reaktion des Geyatters auf das Versagen seiner teuflischen Künste. Diese Mischung aus Humor und Horror finde ih großartig, man bekommt sie in dieser Form aber nur sehr selten zu lesen.

    (Ähnlichen Effekt hatte "Die Augen des Drachen" von Stephen King damals auf mich. Da mixte Mr.King einen faszinierenden Cocktail aus viel Fantasy und wenig Horror, den ich heute noch liebe.

  • Spontan fällt mir da Talata von E. W. Heine ein. Das ist eine Sci-Fi-Story, in der die Menschheit seit Jahrtausenden die vergiftete und unbewohnbare Erde verlassen hat und stattdessen in zwei Raumstation um diese kreist, bis die Verhältnisse dort wieder besser werden.

    Die Menschen auf den Raumstationen haben unlogische Entscheidungen hinter sich gelassen und sich ganz der Rationalität unterworfen. Wenn man zu alt ist, muss man beispielsweise die Station verlassen, und alle machen das ohne Murren.


    Muss ich das erklären? Das ist so wunderbar makaber. Es ist einfach toll, wie (in der ganzen Anthologie) Figuren im Konflikt mit sich selbst stehen und ihre Absichten sich ins totale Gegenteil verkehren.


    Die Anthologie dazu heißt "Kille Kille" und sie erschien bei btb Taschenbücher/beim Goldmann Verlag.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • "Lammkeule" von Roald Dahl

    Diese Geschichte habe ich als Jugendlicher gelesen und sie ist immer noch mein Top-Favorit.


    Mrs. Maloney erschlägt ihren Mann mit einer tiefgefrorenen Lammkeule. Dann schiebt sie das Teil in den Bratofen und geht Einkaufen. Als sie wieder nach Hause kommt, "entdeckt" sie ihren toten Mann und ruft die Polizei. Diese sucht Haus und Grundstück nach der Tatwaffe ab, denn "wenn man die Waffe hat, hat man auch den Täter".

    Als der Duft des Lammbratens durchs Haus zieht, bittet Mrs. Maloney die Polizisten, ihn zu essen, da sie selbst keinen Bissen davon anrühren könne. Die lassen sich darauf ein und spekulieren dabei über die Mordwaffe. Sie gehen davon aus, dass diese noch ganz in der Nähe ist. Einer sagt: "Wahrscheinlich genau vor unserer Nase, was?"

    Mrs. Maloney fängt an zu kichern.


    Dahls Geschichten sind meist pointiert geschrieben. Als Leser weiß man alles, kennt Täter, Opfer, Tathergang. Dennoch sind sie spannend, makaber und humorvoll. Die Idee, dass Polizisten die Suche nach einer Mordwaffe unterbrechen, um eben diese aufzuessen, ist einfach nur genial.

  • Das sind schon mal super Beispiele für gelungene Geschichten!


    In einigen Tagen poste ich den zweiten Teil. Bis dahin freue ich mich auf weitere Kurzgeschichten. :D


  • Spontan würde ich sagen, dass "The Fall of the House of Usher" von Edgar Allen Poe die Kurzgeschichte ist, die mich am meisten beeindruckt und für das Schreiben von Kurzgeschichten geprägt hat. Wenn ich das jetzt allerdings zu sehr erkläre, greife ich vielleicht vor. :hmm:

    Ansonsten wäre da noch "Made a Monster" von Joe Abercrombie, die mir vor allem deshalb gefällt, weil sie in Abercrombies typischem Stil die Vorgeschichte eines meiner Lieblingscharaktere - Logan Ninefingers - erzählt. Die Geschichte an sich lebt allerdings mMn sehr davon, dass man vorher die The-First-Law-Trilogie gelesen hat und Logan mag.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hey super, ich sehe diesen Kurs erst jetzt und ich hoffe, du nimmst noch Schüler!

    Ich bin eine miserable Kurzgeschichten-Schreiberin, kann das überhaupt nicht! Würde es aber gerne können.

    Vielleicht liegt es daran, dass ich eigentlich nur Romane lese.

    Kurze Geschichten, die ich sehr mag, sind Märchen aller Art. Ich habe außer den Grimm-Märchen auch russische und ich glaube südamerikanische Märchen gelesen, oder die Robotermärchen von Stanislaw Lem, die fand ich auch sehr schräg.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin *

  • Wenn Ihr gestattet, Meister, will ich in Demut von Euch lernen.

    -

    Als ich jünger war hatte ich geradezu eine Obsession mit Lovecraft-Kurzgeschichten, obwohl diese nach den oberen Definition wohl eher in den Bereich der Short Novella fallen.

    Am Besten gefällt mir noch heute Das Ding auf der Schwelle, weil hier das Grauen langsam und behutsam (eher Lovecraft untypisch) mit „show-don´t-tell“ aufgebaut wird. Obwohl man bereits in den ersten Sätzen schon das Ende erfährt, packt einen die Story und weiß zu überraschen.

    Ein solches Gefühl des Horrors und Ekels hatte ich beispielsweise bei den ausufernden King-Romanen nie, wie beim Auftritt des hier namensgebenden „Ding“.

  • Heyho Iskaral


    Howard Philips Lovecraft ist Großmeister des subtilen Fictionhorrors in der Literaur, mehr kann ich für mich dazu nicht sagen. Ich habe alles von ihm verschlungen.

    Immer nur Andeutungen, kleine Hinweise auf das "namenlose Grauen" (sic!) und eine permanente Steigerung im Hirn des Lesers, ohne daß der Autor den Horror mit Worten beschrieben hätte...

    I love Lovecraft! :thumbsup:

  • Hey Sensenbach


    Ich finde die Idee hinter diesem Thread sehr cool und würde mich gerne anschließen. :)

    Als ich mich an der Kurzgeschichte für den letzten Schreibwettbewerb versucht habe, musste ich mit Schrecken feststellen, wie schwer es mir fällt, eine "kurze Geschichte" auf die Beine zu stellen. Wobei ich dazu sagen muss, dass die vorgegebene Zeichenzahl der Hauptgrund war, weshalb ich mich damit so schwer getan habe. Ich hatte permanent das Gefühl, meinen Gedanken und Ideen keinen freien Lauf lassen zu können. Im Nachhinein musste ich mich von vielen tollen Textstellen trennen, was der Geschichte definitiv nicht gut getan hat. Und dennoch musste ich feststellen, dass es andere Autoren irgendwie geschafft haben, bei gleicher Vorgabe ein weitaus besseres Ergebnis abzuliefern.


    Deshalb kam ich zu dem Schluss, dass ich das auch können will...und darum bin ich jetzt hier :D


    Zu der ersten Hausaufgabe:

    Leider kann ich so gar keine Kurzgeschichte benennen, die ich hier vorstellen könnte, ganz einfach aus dem Grund, dass ich für gewöhnlich keine lese :pardon: Mag sein, dass dies auch die Erklärung dafür ist, dass ich selbst keine schreiben kann :rofl:



    Ich hoffe, das war jetzt nicht völlig am Thema vorbei :blush: ... ( altes Hausaufgabentrauma :rofl: Können wir das nicht anders nennen?)

  • Sehr schöne Beispiel, die ihr da genannt habt. Morgen geht es mit der Struktur von Kurzgeschichten weiter.


  • Etiam  Der Wanderer  Asni  Rewa  kalkwiese  Kirisha  Iskaral  Rainbow


    Zweiter Teil


    Charakteristika einer Kurzgeschichte


    Wie ich in Kapitel I kurz erwähnt habe, sind Kurzgeschichten von Literaturwissenschaftlern analysiert worden und daraufhin wurden Theorien zu Kurzgeschichten aufgeschrieben. Schaut dazu mal bei Wikipedia rein. Eine literarisch korrekte Kurzgeschichte hat laut Deutschunterricht die unten angegebenen Gattungsmerkmale, die ich aber nicht kommentarlos lasse.


    Gattungsmerkmale einer Kurzgeschichte, wie sie in der Schule vermittelt werden.


    • Eine Kurzgeschichte ist kurz
    Das liegt in der Natur der Sache! Alle anderen Regeln magst du brechen, aber wenn du eine lange Geschichte schreibst, ist sie keine Kurzgeschichte.


    • Konzentration auf das Wesentliche
    Viele Protagonisten und Handlungsstränge haben in einer Kurzgeschichte häufig nicht genügend Platz. Die Empfehlung, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, trifft allerdings auch auf längere Geschichten zu.


    • Ein Handlungsstrang, eine Hauptperson (Verdichtung der Erzählstruktur)
    Je mehr Hauptpersonen desto weniger Zeit pro Person. Dessen muss man sich beim Schreiben bewusst sein.


    • Einheit des Ortes und die Überschaulichkeit des Zeitraums
    Das spart wieder Zeit und Zeilen. Generationen von Menschen kann man in einer Kurzgeschichte sicher nicht abbilden, den Ort könnte man aber schon wechseln, denke ich.


    • Offener Anfang: Die Handlung setzt unmittelbar ein, keine langatmige Einleitung
    Das spart Zeit und Zeilen. Dazu später mehr.


    • Offenes Ende, die Geschichte ist nicht abgeschlossen, der Leser muss das Ende weiterdenken.
    Dies Aussage führt, meiner Meinung nach, häufig zu einem Missverständnis. Natürlich sollte die Geschichte abgeschlossen sein, sonst bekommt ihr wütende Leserbriefe. Ein offenes Ende heißt nicht, dass man die Geschichte einfach abbricht. Es bleiben einige Fragen offen, aber nicht die Hauptfrage. Dem Leser bleibt also noch etwas, um über die Geschichte nachzudenken.


    • Der Sprachstil ist gradlinig, sachlich und knapp
    Bin mir nicht sicher, ob ich hier mitgehe. Klar, viel Zeit für blumige Beschreibungen gibt es nicht. Aber warum der Sprachstil „sachlich“ sein soll erschließt sich mir nicht. Stellt euch mal eine Liebesgeschichte vor, die sachlich geschrieben ist.


    • Kernaussage ist nicht offensichtlich
    Dies Eigenschaft trifft möglicherweise auf Literatur zu, die sich als Kunst versteht. Wir wollen aber im Allgemeinen, dass uns der Leser versteht. Ich würde die Kernaussage so vermitteln, dass sie der aufmerksame Leser auf jeden Fall versteht.


    • Das Außergewöhnliche im Alltäglichen: Es werden außergewöhnliche Ereignisse in alltäglicher Umgebung geschildert
    Naja. Ich denke, wir wollen dem Leser ein Vergnügen beim Lesen bereiten. Wir schreiben etwas Emotionales oder etwas Witziges, vielleicht etwas Lehrreiches. Da wir ja im Fantasy- und Science-Fiction Bereich schreiben, sind die Umgebungen bei uns eher ungewöhnlich.


    • Chronologische Handlungsfolge
    Es macht Sinn den Leser in der Kürze der Zeit nicht mit Zeitsprüngen und Rückblenden zu überlasten. Außer es ist Teil des Konzeptes der Kurzgeschichte.


    Ich denke, vieles dieses Schulwissens macht Sinn, aber einige Punkte kann man hinterfragen. Auf einzelne Aspekte kommen wir später zu sprechen.


    Hausaufgabe
    Was haltet ihr von den Gattungsmerkmalen? Findet ihr, dass sie sinnvoll sind, oder schränken sie die Kreativität ein? Fallen euch noch weitere Merkmale eindrucksvoller Kurzgeschichten ein?



    Am Dienstag geht es mit konkreten Schreibtipps weiter.