Schreibwettbewerb Januar/Februar 2023

Es gibt 16 Antworten in diesem Thema, welches 2.433 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (6. März 2023 um 14:14) ist von Jota.

    • Offizieller Beitrag

    So!
    Erster Wettbewerb im neuen Jahr!

    Das Thema kommt diesmal vom letzten Gewinner bigbadwolf

    Es lautet:

    "Das schwarze Kleeblatt"

    viel Spaß :D

    Einsendeschluss : 12. Februar 2023

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Ende 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr könnt per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png


    LG Chaos

    • Offizieller Beitrag

    Welche Geschichte hat dir am besten gefallen? 9

    1. Drei Herzen für eines (3) 33%
    2. Kater Anlik findet ein schwarzes Kleeblatt (1) 11%
    3. Glückshandel (1) 11%
    4. Der korrupte Buchmacher (4) 44%
    5. Innerer Dämon (0) 0%
    6. Kind zweier Welten (0) 0%

    So Buam und Madln

    heut geht was zam :D

    Für Formatierungen bin ich nicht verantwortlich :rofl:

    • Offizieller Beitrag

    Drei Herzen für eines

    von Tariq

    „Ein Kleeblatt, Papa, ein vierblättriges Kleeblatt!“

    Der Mann setzt die Axt ab und wendet sich um.

    Mathilde, seine jüngere Tochter, rennt auf ihn zu. Sie reckt ihm die Faust entgegen und er bewundert den zwischen ihren kleinen Fingern eingeklemmten Fund.

    „Es bringt Glück, Papa.“

    „Meinst du?“ Er lacht. „Mir hat auch einmal ein Kleeblatt Glück gebracht. Allerdings war es nicht so schön grün wie deines, sondern schwarz. Und es hatte nur drei Blätter.“

    „Drei?“ Die Nase der Sechsjährigen kraust sich misstrauisch. „Das bringt kein Glück. Und schwarze gibt es gar nicht.“

    Über den Kopf seiner Tochter hinweg sucht sein Blick den seiner Frau und als sie sich treffen, lächelt sie wissend.

    Während das Mädchen singend mit seinem Schatz davon hüpft, lehnt er die Axt an den Hackklotz und tritt zu ihr. Seine Hand streicht über ihren geraden Rücken und sie legt für einen kurzen Moment den Kopf an seine Schulter, bevor sie mit dem Rupfen des Huhnes fortfährt. Einen Augenblick bleibt er stehen und sieht ihr zu, beobachtet, wie ihre schmalen Hände arbeiten, Hände, die nicht für Arbeit geschaffen zu sein scheinen. Noch einmal streicht er ihr über den Rücken, dann geht er zurück zu seiner Axt.

    Am Abend bringt er seine Jüngste zu Bett und kommt danach wieder in den behaglichen Wohnraum zurück. Helene, die Ältere, ist noch wach und hilft der Mutter beim Garn aufwickeln.

    „Gab es wirklich ein schwarzes Kleeblatt, das dir Glück gebracht hat?“, fragt sie ihn nach einer Weile.

    „Wer sagt das?“

    „Mathilde.“

    Er lacht, doch dann wird er wieder ernst.

    „Ich denke, du bist mit deinen vierzehn Jahren alt genug, um die Geschichte zu hören“, meint er und setzt sich an den Tisch.

    Helene nickt und sieht ihn erwartungsvoll an.

    „Ein junger Wilderer liebte einst ein Mädchen“, beginnt er. „Sie begegneten einander zum ersten Mal in dem Wald, in dem er jagte. Und dort trafen sie sich von da an jedes Mal. Sie verriet ihm nicht, wie sie hieß. Immer trug sie Männerkleidung und, was für ein Mädchen seltsam war, sie schoss ebenso gut mit dem Bogen wie er.

    Eines Tages, als sie gerade einem Reh nachstellten, hörten sie Jagdhörner. Erschrocken sahen sie sich an, denn das konnte nur bedeuten, dass der König im Wald jagte. Rasch versuchten sie sich verstecken, aber die Hunde stöberten sie auf.

    Der König kam herbei und wies seine Männer an, die beiden Wilderer in den tiefsten Kerker des Schlosses zu werfen. Da trat das Mädchen vor, nahm den Hut vom Kopf und ihr langes, blondes Haar fiel über ihren Rücken.

    Der König erkannte seine Tochter. In seiner Wut befahl er, den Wilderer sofort am nächsten Baum aufzuhängen. Doch die Prinzessin drohte, dass sie ihrem Leben ebenfalls ein Ende setzte, falls der Vater ihren Liebsten tötete. Und dann erinnerte sie ihn an das Versprechen, das er ihrer Mutter kurz vor deren Tod gegeben hatte: Dass die Tochter einmal heiraten durfte, wen sie wollte, wenn sich derjenige als würdig erwies.

    Weil er seine verstorbene Frau unendlich geliebt hatte, stimmte der König zähneknirschend zu und befahl dem Wilderer, am Abend ins Schloss zu kommen.

    Der hatte die ganze Zeit wie erstarrt daneben gestanden und zugehört. Seine Liebste umarmte ihn zum Abschied, raunte ihm zu, dass sie fest an ihn glaubte, und folgte ihrem Vater nach Hause.

    Am Abend kam der Wilderer wie befohlen ins Schloss. Noch immer war er völlig benommen von der Offenbarung, in wen er sich verliebt hatte. Natürlich durfte er die Prinzessin nicht sehen, als er ankam. Man brachte ihn sofort zum König und der führte ihn zu einem Tisch in der Ecke des Zimmers. Dort stand unter einer Glasglocke ein Blumentopf, in dem ein einzelnes, schwarzes Kleeblatt wuchs. Auf den drei zarten Blättchen ruhte in der Mitte ein Tautropfen, in dem etwas eingeschlossen war, so winzig, das der Wilderer es nicht erkennen konnte.

    ‚Man sagt, das Kleeblatt bedeutet Glück‘, begann der König, ‚und dieses hier wird über das eure entscheiden. Sieh es dir genau an. Sehen die einzelnen Blättchen nicht aus wie Herzen?‘ Er lachte, doch es klang gehässig. ‚Bevor du meine Tochter heiraten darfst‚ erfüllst du folgende Aufgabe: Um zu beweisen, dass du es ernst mit ihr meinst, musst du vorher drei anderen Mädchen das Herz brechen. Für jede verratene Liebe wird eines dieser drei Blättchen vertrocknen und sich vom Stängel lösen. Erst wenn sich das dritte gelöst hat, kann der Tautropfen, der das Herz meiner Tochter enthält, herabfallen und sobald er den Boden berührt, ist es frei für dich.‘

    Sorgfältig besah sich der Wilderer die Glocke von allen Seiten und ruckte probehalber am Tischchen. Das schwarze Kleeblatt erzitterte, doch der Tropfen fiel nicht.

    ‚Darf ich es anfassen?‘, fragte er zögernd.

    Der König nickte und das gehässige Grinsen vertiefte sich.

    Vorsichtig hob der Wilderer die Glasglocke hoch und stellte sie neben den Blumentopf. Mit dem Finger versuchte er, den Tropfen anzutippen. Doch die Pflanze wich aus. Er konnte sie nicht berühren.

    Der König hatte zugeschaut. ‚Wenn es dir gelingt, werde ich dich als ihrer würdig ansehen. Ruht ihr Herz aber nach einem halben Jahr immer noch auf dem Kleeblatt, hast du sie auf ewig verloren. Und nun verschwinde!‘

    Der Wilderer war entsetzt über die Aufgabe, denn er konnte sich nicht vorstellen, ein angemessener Ehemann zu sein, nachdem er die Herzen von drei Mädchen gebrochen hatte. So ein Schuft war er nicht. Und er glaubte auch nicht daran, dass der König Wort halten würde. Aber er liebte seine Prinzessin. Also ließ er ihr ausrichten, sie möge auf ihn warten, und verließ verzagt das Schloss.

    Am Torbogen saß eine alte Bettlerin, die einen Groschen von ihm erbat. Er hatte keinen, doch er schenkte ihr ein Viertel Brot und ein Stück Käse aus seinem Rucksack. Dann wollte er weitergehen.

    ‚Wohin willst du jetzt noch?‘, hörte er sie fragen.

    ‚Ich habe kein Ziel‘, gab er zurück. ‚Erst einmal weit weg von hier.‘

    ‚Dann bleibe die Nacht über in meinem Haus und brich morgen früh auf. Ich kann dir nicht viel bieten, aber du warst freundlich zu mir und sollst wenigstens ein Dach über dem Kopf haben.‘

    Der Wilderer blieb stehen. Es war schon spät und er hätte es nicht mehr bis zu seinem Heim geschafft, bevor es dunkel wurde. Also drehte er sich um und ging mit ihr.

    Als er am nächsten Tag nach dem Morgenmahl aus der Tür trat, fragte sie ihn, was er vorhatte. Doch er verriet ihr kein Wort von seiner Aufgabe. Daraufhin wollte sie wissen, ob er wirklich drei Mädchen das Herz brechen würde.

    Verwundert starrte er die Alte an. Er hatte ihr doch nichts erzählt.

    ‚Woher weißt du davon‘, gab er zurück anstelle einer Antwort.

    Sie lächelte nur. ‚Das ist nicht wichtig‘, meinte sie.

    ‚Natürlich will ich das nicht tun‘, flüsterte er bitter. ‚Nur gibt es keinen anderen Weg für mich. Tue ich es nicht, kann ich sie nicht gewinnen.‘

    ‚Doch, das kannst du. Komm noch einmal herein ins Haus.‘ Die Alte fasste ihn am Ärmel und zog ihn mit sich.

    Schon am Abend kehrte er zurück an den Hof. Er wurde zum König vorgelassen, der bereits triumphierte, weil er annahm, dass der Wilderer aufgegeben hatte.

    Doch der erklärte, dass er eine andere Möglichkeit gefunden hatte, den Tautropfen vom Kleeblatt rollen zu lassen.

    Der König lachte nur. Er war sich sicher, dass es eine solche nicht gab, so sicher, dass er mit dem Wilderer zu dem Blumentopf hinüberging.

    Der hob die Glasglocke ab und stellte sie daneben.

    ‚Es ist alles noch wie gestern‘, beteuerte der König. ‚Nichts hat sich geändert.‘ Zur Bekräftigung versuchte er diesmal selbst den Tautropfen zu berühren und nickte zufrieden, als das Blatt seinem Finger auswich.

    Doch der Wilderer schüttelte den Kopf. ‚Es hat sich etwas geändert‘, entgegnete er leise und holte ein kleines Messer aus seiner Tasche. Bevor der König ihn daran hindern konnte, durchtrennte er mit einer schnellen Bewegung den zarten Stängel des Blattes. Es fiel auf die Erde und der Tautropfen rollte von den drei schwarzen Blättchen herunter.

    Der König war fassungslos. ‚Du wirst sie trotzdem nicht bekommen‘, zischte er, rot vor Wut. ‚Ich gebe meine Tochter doch keinem dahergelaufenen Lumpen!‘

    Daraufhin hielt der Wilderer das kleine Messer hoch, das er benutzt hatte. ‚Sie sagte, ich solle es Euch zeigen‘, erklärte er.

    ‚Sie?‘ Der König nahm es, betrachtete es und ließ es dann erschrocken fallen.“

    Der Vater schaut lächelnd ins Kaminfeuer.

    „Und ...?“ Helene, atemlos vom andächtigen Lauschen, sieht ihn verwirrt an. „Das ist doch kein Ende. Wie ging es weiter?“

    „Gar nicht. Damit war die Aufgabe gelöst.“

    „Aber hat er die Prinzessin bekommen?“, forscht sie ungeduldig.

    Er nickt. „Sie durfte mit ihm gehen. Er erzählte ihr von der Prüfung und zeigte ihr das Messer, das er aufgehoben und wieder eingesteckt hatte, bevor er mit ihr das Schloss verließ. Sie erkannte es als das ihrer Mutter, das diese einst von ihrem Ehemann, dem König, als Geschenk erhalten hatte.“

    „Aber wer war die Alte?“, fragt Helene.

    „Wir haben es nie erfahren“, meint er und schüttelt lächelnd den Kopf.

    „Und wir haben weder sie noch ihr Haus je wiedergefunden“, erklingt die weiche Stimme der Mutter hinter ihr. „So konnten wir uns nicht einmal bedanken. Nur ihr Messer ist noch da und das bewahren wir gut auf.“

    • Offizieller Beitrag

    Kater Anlik findet ein schwarzes Kleeblatt

    von Sensenbach

    Prinzessin Neila schlüpfte an den Torwachen vorbei. Die beiden Männer in Gardeuniform schenkten ihr nur einen flüchtigen Blick, denn sie hatten heute eine wichtige Aufgabe. Gut aussehen, für die Gäste der Tauffeier!

    Das Mädchen lief hinaus in den Palastpark und der kleine schwarze Kater hüpfte ihr aufgeregt hinterher. Er versuchte, ein Tagpfauenauge zu erwischen, das sich im Anflug an eine der blühenden wilden Möhren befand. Enttäuscht maunzend blickte er dem Schmetterling nach, als der Falter seinen Pfoten mit einem geschickten Schwenker entging.

    »Komm schon, Anlik!«, lachte das Mädchen und hob ihren Kumpan in den Arm. »Du solltest dich besser aufs Mäusefangen verlegen. Die fliegen dir auch nicht davon.«

    Die aufmunternden Worte schienen Anlik nur wenig zu beruhigen, denn er sah dem bunten Falter sehnsüchtig nach. Dann aber schmiegte er sich in Neilas Arm und schnurrte sanft.

    »Du bist mein bester Freund!«, flüsterte sie und vergrub den Kopf ins Fell des Katers. Sie schlenderte an den duftenden Fliederbüschen entlang und hörte die Zofen, bevor sie diese sah. Die alte grauhaarige Helga und Birte, ein plumpes langsames Mädchen mit großen wässrigen Augen. Die beiden Frauen standen mit geflochtenen Körben aus Weiden in der Armbeuge inmitten des Blumenmeers und pflückten Ringelblumen für das Fest.

    »Die Taufe des Thronfolgers wird ein großes Ereignis, alle Grafen werden kommen, um den Treueeid zu erneuern. Da wird die Prinzessin deppert gucken«, sagte die Alte gackernd.

    »Ja?«, fragte Birte unbedarft.

    Neilas Blick verfinsterte sich und sie lauschte dem Gespräch nicht weiter.

    »Thronfolger, Thronfolger … Ich mag es nicht mehr hören. Bevor der Wechselbalg geboren wurde, war ich die Hoffnung des Reiches«, flüsterte Neila. Der Kater spitze die Ohren und hörte ihr aufmerksam zu.

    »Wer hat nur das dumme Gesetz erfunden, dass der männliche Erbe Thronfolger wird? Er ist ja nicht mal ein wirklicher Thronfolger, nur das Kind dieser Frau. Nicht das Kind von Vaters richtiger Frau.« Eine Träne rann Neilas Wange hinab.

    Ihr Vater hatte nach dem unerwarteten Tod ihrer Mutter allzu schnell wieder geheiratet. Nicht einmal das Anstandsjahr hatte er abgewartet und die Gräfin von Stein geheiratet. Eine hübsche, aber in Neilas Augen dumpfe blonde Frau, die Bücher nur als dekoratives Element ansah und kaum mehr als ihren Namen schreiben konnte. Neila hatte munkeln hören, dass die Gräfin andere Qualitäten hatte. Sie mochte es sich kaum ausmalen, welche Dinge die Frau des Nachts mit ihrem Vater anstellte. Nun hatte diese Frau dem Reich also einen Thronfolger geboren. Seither sprach niemand mehr von Neila, außer, dass es an der Zeit war sie passend zu verheiraten. Zum Wohle des Reiches und möglichst in ein weit entferntes Land. Bei bevorstehenden Feierlichkeiten zur Taufe des Thronfolgers sollten bereits Kandidaten gesichtet werden. Selbst grimmige Krieger aus dem Nordreich hatte Neila unter den Gästen gesehen.

    Endlich erreichte sie den Eibenhain am Rande des Parks, wo der Garten nicht mehr gepflegt wurde und alles so wuchs, wie es wollte. Der Legende nach hatte es den Hain schon gegeben, bevor die Burg und das Schloss erbaut worden waren. Er hatte jedem Versuch widerstanden, ihn durch Feuer, Axt oder Magie zu beseitigen. Schließlich hatte man ihn als seltene Abweichung in einer ansonsten geordneten Welt geduldet. Dennoch, niemand mit wachem Verstand näherte sich den tückischen Bäumen.

    Derweil schlich sich Anlik durch hohe Gras an ein eingebildetes Beutetier und sprang. Das Fantasietier streckte nach kurzem Kampf die Waffen, aber der junge Kater hielt sich nicht lange mit seiner Beute auf, sondern hatte bereits etwas Interessanteres entdeckt.

    »Was hast du denn da?« Neila kam näher. »Na, so etwas!«, rief sie überrascht und bückte sich. »Ein schwarzes Kleeblatt … so ein seltsamer Zufall.«

    Nachdenklich glitt sie zwischen die dichten Äste der alten Eiben und erreichte ihr Versteck inmitten der greisen Bäume. Die Sonne drang hier durch die ausladenden Äste kaum auf den Boden. Die Prinzessin mochte das Halbdunkel des geheimen Unterschlupfs. Anlik sprang von ihrem Arm und rieb sich schnurrend an ihren Beinen.

    »Was soll ich nur tun, Katerchen? Gehen oder bleiben?«, seufzte sie und drehte das Kleeblatt zwischen den Fingern. »Bleiben …« Sie zupfte das erste Blättchen aus, dann folgte des nächste, »Gehen …«.

    So ging es weiter, bis das letzte Blättchen zu Boden fiel.

    »Dann ist es entschieden«, seufzte Neila. Der Kater maunzte aufmunternd und hüpfte zur nahen Mauer. Er kannte das Versteck. Zwei Steine in dem Bau aus behauenem Findlingen waren locker und ließen sich mühelos lösen. Sie holte den Behälter aus schmucklosem Blech hervor und betrachtete ihre Schätze. Ein Tuch aus schwarzer Seide. Eine Phiole aus geschliffenem Glas, mit einer dunklen Flüssigkeit. Ein Stück Eichenrinde mit einer eingravierten Rune. Und ein Amulett in Form eines vierblättrigen schwarzen Kleeblatts, das ihre Mutter getragen hatte.

    Dann streckte die Hände aus, mit den Handflächen nach oben.

    »Jaz eszak langzai, Hizlak«, flüsterte sie in der alten Sprache, wie sie es von der Mutter gelernt hatte. Eine gelbe Stichflamme loderte empor. Sie spürte die Hitze der Flamme. So heiß war das Feuer noch nie gewesen. Seit ihrer ersten Monatsblutung gewann die Magie stetig an Macht. Hastig löschte Neila die Flamme mit der Kraft ihrer Gedanken.

    Die helle Stimme der dicken Birte rief im Park nach ihr. Neila schnaufte verdrossen.

    »Was denkst du, Anlik?«

    Die gelben Augen des Katers hatten jeden sanften Ausdruck verloren. Er fauchte in Richtung Park und hüpfte zur Parkmauer.

    »Ja. Du hast recht. Es wird Zeit.« Neila nahm das Bündel, das sie für diesen Zeitpunkt vorbereitet hatte, aus ihrem Versteck und legte sich das Amulett um. Geschützt in einer Kerbe, die der Blitz in eine alte Eibe geschlagen hatte, lag der Stab aus glattem Eibenholz. Ein weiteres Erbstück ihrer Mutter. Entschlossen nahm Neila den Stab und kletterte über die Mauer.

    Sie war frei!

    Ihr Blick glitt zur Taufkirche unweit des Flusses, wo in diesem Augenblick ihre Familie auf sie wartete. Sie fühlte das Feuer in sich lodern.

    Bevor sie ging, hatte sie noch etwas zu erledigen.

    • Offizieller Beitrag

    Glückshandel

    von Faradim

    Sayna saß mit gekreuzten Beinen, an einem kleinen Runden Tisch und nippte zufrieden an ihrem Tee. Wärmend schien ihr die Frühlingssonne ins Gesicht, hinterließ ein angenehmes Kribbeln auf den Wangen, während leichter Wind den salzigen Geruch vom Meer über die Balustrade mit sich trug.

    Vom Hafen her hörte man Seeleute, ihre Fracht löschen und auf Karren verladen. Viele dieser Waren würden am späten Nachmittag beim Marktplatz, Sayna gegenüber, angeboten werden. Noch tummelten sich massig Arbeiter, mit entblößtem Oberkörper dort und errichteten Stände, sowie ein Podest. Die ersten Händler verteilten bereits ihre Waren auf den fertigen Ständen, während einige neugierige Kunden diese betrachteten.

    Saynas blonde Haare glitten leicht über ihren schwarzen Samthandschuh, als sie sich mehrere Strähnen aus dem Gesicht wischte. Aus einer Tasche, welche zu ihren Füßen am Tischbein lehnte, zog sie ein kleines Buch. Es war in braunem Leder eingeschlagen, mit dem Titel „Fantastische Pflanzen aus Übersee.“

    Einige Augenblicke wog Sayna das Buch in den Händen, so als überlegte sie es wirklich aufzuschlagen.

    Während Sayna las, wechselte die Geräuschkulisse, im Laufe des Tages vom Hämmern und Sägen zu Geklimper von Waren und Münzen. Kinder lachten über Albernheiten von Narren und Erwachsene führten Verhandlungen außerhalb ihrer Geschäfte. Zwischendurch brachte ein Kellner noch etwas Brot sowie eine leichte Decke, welche sie sich über den Schoß legte.

    Als die Turmglocken zum Nachmittagsgebet läuteten, wurde es still auf dem Marktplatz.

    Ein kleiner, dicklicher Mann stieg die Treppe zum Podest empor, welches bisher leer geblieben war.

    Faulige Zähne und Zahnlücken zeigten sich, als er den Mund zum Sprechen öffnete.

    „Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Lindal“, begann er mit seiner fipsigen Stimme, bei der es Sayna eiskalt den Rücken hinunterlief.

    Langsam legte sie ihr Buch zurück in den Beutel, um den Mann zu beobachten.

    „Ich hoffe Ihre Geldbörsen sind gut gefüllt. Heute haben wir erstklassige Ware aus Übersee im Angebot“, sprach er weiter, während hinter ihm Fuhrwerke auf den Marktplatz rollten.

    Sayna verzog angewidert ihre Mundwinkel, während die meisten Menschen in lauten Jubel sowie Gegröle ausbrachen. Sie würde gerne behaupten, dass nur Männer zu so etwas wie dem folgendem fähig waren, aber leider standen auch genug Frauen unter den Menschen.

    Der Redner wartete geduldig, bis sich die Menge beruhigt hatte, währenddessen brachten zwei muskulöse Männer eine Schale mit glühenden Kohlen und stellten diese neben dem Lindal auf.

    „Wollen wir nun beginnen und vergessen Sie nicht, wer am meisten bietet, der Gewinnt“, rief er laut aus und zog aus seinem Gewand eine eiserne Stange, welche er mit dem Kopfstück in das Kohlebecken legte.

    Die Menge jubelte erneut während zwei weitere Männer, einen schmächtigen Jungen auf das Podest führten, dessen Haut aus Schuppen zu bestehen schien.

    Das Königreich hatte im Vergangenem Winter, in den Südlichen Ländern krieg gegen das Reich der Tiermenschen geführt, nun musste die Reichskasse mit Sklavenhandel aufgefüllt werden.

    Sayna war bei diesem Gedanken angewidert und musste sich beherrschen um sitzen zu bleiben. Sie wartete schließlich auf eine bestimmte Sklavin.

    „Dieser Sklave stammt aus dem fernen Andril und gehörte zum dortigen Rittergeschlecht. Schon mit seinen 9 Jahren kann er schwere Kisten heben, kennt die meisten Umgangsformen und ist fähig Waffen zu führen“, fing der Sklavenhändler an den Jungen feilzubieten.

    „Schauen Sie sich diese Muskeln und die Farbe seiner Schuppen an“, fuhr er fort.

    Währenddessen zogen die beiden Männer, dem Jungen das Sackleinenhemd über den Kopf, sodass er gänzlich entblößt dort stand.

    „Das Startgebot liegt bei fünf Goldstücken“, eröffnete Lindal die Sklavenauktion.

    Erste Hände schossen in die Luft und erhöhten den Betrag schnell. Am Ende kaufte ein Händler den Jungen für fünfundzwanzig Goldstücke. Nachdem dieser bezahlt hatte, wurde er zu dem Podest geleitet und brandmarkte den Jungen, mit dem glühendem Eisenstab, auf den Handrücken.

    Als nächstes wurde eine junge Frau gebracht, ihre Feilbietung war sogar noch demütigender als die des Jungen.

    Auch sie wurde gänzlich entkleidet, doch zusätzlich berührte der Sklavenhändler schamlos ihre intimen Stellen und präsentierte diese offenkundig der Menge.

    Einigen Interessenten war es sogar gestattet, selbst Hand anzulegen.

    Die Sklavin wurde von einer rüstigen Frau gekauft, welche sie kurz über der linken Brust, brandmarkte.

    Sayna wusste, dass diese Sklavin kein angenehmes Leben haben würde. Solch ein Brandmal über dem Busen wies auf die Arbeit in Freudenhäusern hin und solange man die Ware dort nicht beschädigte, war alles möglich.

    So ging es einige Zeit weiter, bis eine junge Fuchsfrau auf das Podest geführt wurde. Ihre Ohren stachen zwischen dem rotbraunen Haar hervor, welches wild in der Untergehenden Sonne leuchtete. Ihr weich wirkender Schwanz hing reglos über den Knien.

    Auf die Füchsin hatte Sayna gewartet, denn diese war die Tochter ihres ehemaligen Lehrmeisters.

    „Dreißig Goldstücke“, sagte sie, noch bevor der Sklavenhändler anfangen konnte.

    Mehrere Blicke wandten sich zu Sayna, die nicht laut gesprochen hatte, deren Worte dennoch klar zu vernehmen waren.

    Es dauerte einige Momente, bis der Sklavenhändler seine Fassung wiedergewonnen hatte.

    „Meine Dame“, begann er ein wenig aus dem Takt geraten.

    „Ist euch das zu wenig?“ fiel sie ihm ins Wort und fügte an „ich möchte nicht, dass meine Ware in aller Öffentlichkeit so gezeigt wird.“

    Sayna sprach eiskalt sowie ohne jegliche Emotion. Ihr ganzes Gebärden war darauf aus, wie eine hohe Adlige zu wirken, weshalb sie auch noch immer am Tisch saß.

    „Bietet jemand mehr?“ fragte der Sklavenhändler, dem etwas Gesichtsfarbe abhandengekommen war.

    Einige wenige boten noch etwas, doch viele trauten sich nicht, mit einer augenscheinlich hohen Adligen zu konkurrieren.

    Am Ende musste Sayna dennoch knapp einhundert Goldstücke bezahlen, doch das würde sie sich später wiederholen.

    Langsamen Schrittes ging sie in Richtung des Podestes und legte einen Beutel mit Münzen auf den Zähltisch. Nachdem Lindal den Betrag bestätigt bekommen hatte, durfte Sayna das Podest betreten. Sie griff nach dem Eisenstab und drehte das Griffstück in ihrer Hand, während ihr Blick gedankenverloren auf dem glühenden Kopf ruhte. Er zeigte ein vierblättriges Kleeblatt, welches in der Haut eingebrannt ein schwarzes Brandmal hinterlassen würde. Es sollte dem Besitzer Glück mit seinem Sklaven bringen. Viele Sklaven würden später noch weitere Brandmale mit den Wappen des Besitzers erhalten.

    Sayna bedauerte, dass sie es dem Mädchen nicht ersparen konnte, doch sonst dürften beide die Stadt nicht verlassen. Außerdem konnte der Händler das Mädchen so auch nicht gehen lassen. Gesetzlich war die Markierung vorgeschrieben und so drückte Sayna das Eisen auf die Hüfte des Mädchens. Als sich das Eisen löste, zeigten sich bereits erste Züge der schwarzen Farbe.

    Kein Laut war über die Lippen des Mädchens gekommen und als Sayna in ihre glasigen Augen sah, wusste sie was der Sklavenhändler getan hatten.

    Bei dem schwarzen Kleeblatt, welches auf dem Handrücken unter ihrem Handschuh prangte, schwor Sayna, Lindal in der Nacht umzubringen.

    • Offizieller Beitrag

    Der korrupte Buchmacher

    von J.J.Raidark

    Sanft wehte der Wind über den Asphalt und ließ den Staub im trüben Fackellicht tanzen. Nach Einbruch der Nacht traute sich das lichtscheue Gesindel zaghaft auf die Straßen und er selbst war keine Ausnahme.

    Rywin Or schlug den Kragen seines dunkelgrauen Mantels hoch und zog den Saum der Kapuze tiefer, nicht etwa weil es ihn fröstelte - im Gegenteil, der späte Abend war lau und warm und ein Überwurf eher unangenehm. Was den Aufzug unentbehrlich machte, war die Möglichkeit sich tief darin zu verbergen und vor unliebsamen Blicken zu schützen.

    Nachdem er die Gewinne der Kampfwetten nicht ausgezahlt, sondern sich vielmehr unter den Nagel gerissen hatte, wurde Rywin augenblicklich von einem gefragten Buchmacher zu einer verbrannten Seele. Mein ganzes Leben ist in die Binsen gegangen wegen den verdammten Kröten. Nie wäre er auf die hirnrissige Idee gekommen, wenn Sydynot ihn nicht dazu angestiftet hätte. Wer bin ich schon im Gegensatz zu ihm? Nur ein kleines Licht, ein winziges Rädchen im Getriebe.

    Seit Rywins Inhaftierung durch die Stadtwache hatte er von niemandem mehr gehört. Noch bevor er etwas über seine Spießgesellen hätte preisgeben können, wurde er von den Wachleuten unerklärlicherweise wieder laufen gelassen. Seither versteckte er sich in einer der unzähligen, verwinkelten Herbergen des Viertels. Dort bunkerte er das unterschlagene Geld, das Faustpfand für sein Leben, seinen einzigen Trumpf.

    Er hatte vor, das Viertel zu verlassen, doch würde dies einiges an Vorbereitung bedeuten. Und das hieß, sich vorsichtig wieder unter Menschen zu wagen. Rywin merkte, dass es ihm nicht leicht fiel. In jeder Gestalt, die seinen Weg kreuzte, sah er eine Gefahr, einen verprellten Gläubiger oder einen finsteren Zeitgenossen, der ihn zum Schweigen bringen sollte.

    Daher atmete er erleichtert auf, als er am Ende der Gasse das wippende Schild der Nebelkerze erblickte. Schleunig lenkte er seine Schritte die gewundene Treppe hinab und wollte eintreten, als ihm die Tür von innen entgegenschlug. Ein kahler Kerl mit Schweinsgesicht prallte beinahe in ihn hinein.

    „‘schuldigung“, grunzte der andere. Auf einmal blickte er drein, als hätte er einen Geist gesehen.

    Hat er mich erkannt? Ohne weitere Notiz von ihm zu nehmen, ging der Mann die Treppe hoch und ließ ihn ratlos zurück. Rywin wollte schon umkehren, doch konnte er einen Blick in die heimelige Gemütlichkeit des Schankraumes erhaschen und der Versuchung nicht widerstehen. Einen Becher nur, dann bin ich wieder fort.

    Zögerlich betrat er die urige Spelunke, die selbst um diese Zeit nicht übermäßig besucht war. Er sah sich kurz um, und da er keine offensichtliche Gefahr feststellte, schritt er schnurstracks zur Theke.

    Rywin nahm auf einem Hocker Platz und bestellte bei dem bierbäuchigen Gastwirt einen Becher Wermut. Erleichtert atmete er auf, als der Wirt ihm wortlos das Getränk vor die Nase stellte und sich sogleich dem Reisegrüppchen auf der anderen Seite des Tresens zuwandte.

    Er lüftete seine Kapuze ein wenig, so dass seine dunkelroten Strähnen zum Vorschein kamen. Hiernach nahm Rywin einen Schluck und genoss den bitterherben Geschmack von Anis und Salbei auf der Zunge. Neugierig blickte er sich um und stellte beruhigt fest, dass alle Gäste mit ihren Angelegenheiten beschäftigt schienen. Es tut gut, wieder unter Menschen zu sein. Gleichmütig folgte er dem Kartenspiel zweier bärbeißiger Gesellen.

    Die Tür in seinem Rücken schwang geräuschvoll auf und ein Luftzug ließ die Kerzen flackern. Noch bevor er sich umdrehen konnte, verspürte er eine einnehmende Präsenz zu seiner Linken, eingehüllt in Aromen von Lavendel und Nelke. Eine hochgewachsene Frau trat neben ihn an den Tresen und gab einen Wacholderschnaps in Auftrag.

    Rywin kam nicht umhin, sie zu bewundern. Jetzt erst wurde ihm bewusst, wie zutiefst er die bezaubernde Gegenwart weiblicher Gesellschaft vermisst hatte.

    Sie trug kniehohe Lederstiefel und ein tailliertes Hemd unter einem Umhang aus dunkler Schafswolle, auf den ihr glattes Haar hinabfiel, schwarz wie Brombeeren. Er stutzte, als er den kleinen Anstecker aus Emaille an ihrem Revers entdeckte, in demselben Farbton.

    „Was ist das?“, sprach er sie unverblümt an, bevor er sich auf die Zunge biss. Hast du den Verstand verloren?

    Leicht neigte sie ihren Kopf und musterte ihn von oben herab. „Ein Kleeblatt“, antwortete sie abschätzig.

    „Ja, aber... warum ist es schwarz?“ Verdattert stellte er sich selber die Frage, warum er die Konversation immer weiter trieb.

    Jetzt drehte die Fremde ihren Körper ein Stück und legte den Ellbogen auf das Holz.

    Rywin merkte, wie das Blut in seinen Kopf rauschte, so betörend war ihre Gegenwart.

    „Wer will das wissen?“

    Rywin Or, hätte er fast gesagt, ganz soweit war sein Verstandesverlust glücklicherweise nicht fortgeschritten. „Ich... ich komme aus der Gegend.“

    Sie nickte und ihre jadegrünen Augen hafteten auf den seinen. Er ertappte sich dabei, wie ihm der Mund offenstand.

    „Ich habe mein Quartier im obersten Stock des Nachtblind, ganz in der Nähe.“ Hast du das gerade wirklich gesagt? Anscheinend war die vage Hoffnung, sie dorthin mitschleppen zu können, größer als die Vernunft, die das Vorhaben als reinen Schwachsinn entlarvte.

    „Und ihr seid?“, versuchte er das Gespräch auf sie zu lenken.

    „Durstig.“ Sie stürzte den Schnaps mit einem Zug hinunter und verlangte nach einem zweiten. Sodann wandte sie sich ab und ignorierte ihn gänzlich.

    Rywin war in seiner Peinlichkeit befangen, hatte jedoch das unstillbare Verlangen, sich weiter mit ihr zu unterhalten, immerhin war der Anfang bereits gemacht.

    „Das Kleeblatt?“

    „Hm?“

    „Ihr wolltet mir doch erklären, warum das Kleeblatt an eurer Kluft schwarz ist.“

    Erneut drehte sie sich zu ihm und sah nicht sonderlich erfreut aus. Aber wunderschön dennoch. „Wollte ich das? So?“ Nach einer unangenehmen Pause verzog sie schließlich das Gesicht und erbarmte sich seiner. „Gut, ihr wisst sicherlich, was über das gemeine Kleeblatt gesagt wird? So eines mit vier Blättern?“

    „Dass es Glück bringen soll, natürlich.“

    Sie nickte. „Als ich zwölf Jahre alt war, habe ich mal eins zwischen dem Unkraut auf dem Marktplatz aufgelesen. Ich habe es in mein Knopfloch gesteckt und stolz meinem Vater gezeigt.“ Sie tippte auf ihre Anstecknadel. „Wir machten uns auf den Weg nach Hause, da haben wir schon von fern die Rauchsäule bemerkt, die zum Himmel stieg. Ein Schwelbrand ist in unserem Stall ausgebrochen und vierzehn Ziegen sind dort elendig verreckt. Ihr könnt euch die Sauerei nicht vorstellen, aber mein Vater hat nur laut gerechnet, wie hoch der Verlust war, den es für ihn bedeutete.“

    Sprachlos, wie ein abgerichteter Hund, nickte Rywin und klebte an ihren Lippen.

    „Als nächstes trafen wir auf eine unserer Mägde, in Tränen aufgelöst. Sie war einst die Amme meines Vaters. Jetzt zeigte ihr Handrücken Spuren der Blattern.“

    Rywin drückte sein Mitleid aus, indem er entsetzt den Kopf schüttelte.

    Unbeteiligt fuhr sie fort. „Zuletzt kam ein Bote von den Käfigen und berichtete, dass ein Bulle meinen Neffen totgetrampelt habe. Mein Bruder und der einzige Sohn meines Vaters hat sich an Ort und Stelle das Leben genommen.“

    „Aber das... das ist ja schrecklich.“

    Ein zynisches Lächeln umspielte ihren Mundwinkel. „Das fand mein Vater auch. Aber anstatt zu trauern, zu schreien oder sich das Hemd zu zerreißen, hat er seelenruhig auf das Blatt gezeigt und gesagt, dass ich die alleinige Schuld trage. Ich hätte einen Glücksbringer in das dämonische Totem des Todes verwandelt.“

    Ihre Geschichte ist furchtbar, aber allein, dass die Schönheit sie mir erzählt, macht sie süß wie Honig.

    „Also habe ich das Kleeblatt in das nächste Pechfass getaucht, bis es aussah wie meine Nadel hier. Ein Unglücksbringer, der den Menschen Unheil und Verderben bringt.“ Sie winkte ab. „Ob ihr an derlei Dinge nun glaubt oder nicht, jetzt wisst ihr‘s.“ Sie drehte sich wieder zum Tresen, auf dem zwischenzeitlich ihr Becher angelangt war.

    „Wisst ihr, euer Vater war durchaus in Trauer“, brach Rywin das Schweigen. „Jeder, der ein Kind verliert, trauert auf eine Weise. Er hat es nicht so gemeint, glaubt mir.“

    „Doch, das hat er. Er hat es so gemeint, weil es ihm nichts bedeutet hat.“ Gleichgültig erhob sie ihren Becher und warf ihm einen kalten Blick zu. „Ihr wisst das.“

    Ein Schauer jagte über seinen Rücken. „Wa - was?“, fragte er unbeholfen, da er nicht wusste, worauf sie hinauswollte.

    Allmählich dämmerte ihm ein Ereignis, dass sich vor Jahren im Viertel abgespielt hatte. Ein Stier hat im Kampfkäfig Carynot Uyulet getötet. Sein Vater Hyrenot hat sich daraufhin umgebracht. Und dessen Vater war...

    „Wer - “, krächzte er mit staubtrockener Kehle. „Wer ist euer Vater?“

    „Uyulet“, sagte sie ungerührt und kippte sich den Inhalt des Bechers in den Rachen. „Sydynot Uyulet.“

    Ich bin aufgeflogen. Er purzelte vom Hocker und stürzte Hals über Kopf in Richtung Tür. Der Wirt brüllte wegen der unbezahlten Zeche hinter ihm her, in Panik stürzte Rywin aber bereits aus dem Lokal. Binnen weniger Herzschläge hatte er die Treppe genommen und floh in die dunkle Nacht des Viertels.

    Er hat mich gefunden. Warum lebe ich noch? Noch während er sich die Frage stellte, fiel ihm der Grund ein. Aus Angst vor Verfolgern lief er einen weiten Bogen, rannte im Zickzack durch Gassen und Gässchen, kletterte auf ein Dach, rutschte durch einen Schacht und kämpfte sich durch den Morast einer Sickergrube, bis er die Herberge von der anderen Straßenseite erreicht hatte.

    Der Empfangsbereich war dunkel und unbesetzt, so schlüpfte er unbemerkt hinein.

    Rywin schlug die Zimmertür hinter sich zu und verriegelte sie zur Sicherheit. Er keuchte bei dem Versuch, das Stechen aus seiner Seite zu drücken und sein Herz schlug ihm bis zum Halse.

    Ich habe nicht viel Zeit, wenn ich aus der Sache noch herauskommen will. Vorsichtig machte er vier Schritte auf den Tisch vor der Fensterlaibung zu, dann drei Schritte nach rechts, bis der Boden unter seinem Fuß knirschte. Die Bodendiele ließ sich mit leichtem Ruck zur Seite bewegen und aufdrücken, und zum Vorschein kam ein kleines Säckel mit den wertvollsten Münzen der Stadt. Zufrieden steckte er es in seine Manteltasche und wollte bereits die Stube wieder verlassen, als sein Blick auf den Tisch vor dem Fenster fiel. Wie in einem Bann trat er auf ihn zu, bis er erkannte, was dort auf dem Holz lag. Die Verwirrung, die er empfand, übertraf nur der nackte Schrecken.

    Das schwarze Kleeblatt.

    • Offizieller Beitrag

    Innerer Dämon

    von Park Bom

    Es war ein sonniger Tag im Frühling. Sarah und ihre Freunde beschlossen, einen Spaziergang durch den Wald zu machen. Sie entdeckten viele schöne Pflanzen und Tiere, aber plötzlich sahen sie etwas, das sie nicht erwartet hatten: Ein schwarzes Kleeblatt hing an einem Zweig.

    Sie waren überrascht. Sie hatten noch nie ein solches Kleeblatt gesehen. Sarah beschloss, ohne wirklich darüber nachzudenken, es zupflücken und es in ihr Tagebuch rein zu kleben.

    Als das Mädchen alleine nach Hause kam, fiel ihr auf, dass jedes Mal, wenn sie an das schwarze Kleeblatt dachte, sie unglücklich wurde. Sie beschloss nach kurzem überlegen, dass sie das Kleeblatt schnell wieder loswerden musste.

    Am nächsten Morgen, der Tau hing noch an den Blättern, betrat Sarah erneut den Wald, um das Kleeblatt an seinen ursprünglichen Platz zu bringen. Als sie probierte, es an den Zweig zu hängen, überkam sie ein merkwürdiges Gefühl. Es war, als würde das Blatt sie förmlich anziehen wie einen Magneten. Sarah drehte sich um und versuchte, den Wald wieder zu verlassen, aber sie konnte sich nicht bewegen.

    Eine leichte Panik kam in ihr hervor, als sie plötzlich von einer dunklen Macht ergriffen wurde. Sie konnte sich immer noch nicht bewegen und war gefangen vom schwarzen Klee. Das Mädchen war verängstigt und wusste nicht, was sie machen sollte.

    Auf einmal ertönte eine leise Stimme, die sagte: »Lass mich frei.« Sarah erkannte, dass das schwarze Kleeblatt ein böses Omen war und es nun ihre Aufgabe ist, es zu besiegen.

    Mit Mut und Entschlossenheit kämpfte Sarah gegen das schwarze Kleeblatt und befreite sich schließlich von seiner Macht. Sie war erleichtert und erkannte, dass sie stark genug war, jede Herausforderung zu meistern.

    Von diesem Tag an war Sarah nicht mehr dieselbe. Sie war mutiger und stärker geworden. Das schwarze Kleeblatt war nur eine weitere Erfahrung, die sie auf ihrem Weg durch das Leben gemacht hatte.

    • Offizieller Beitrag

    Kind zweier Welten

    von vinni

    Das Mädchen rannte vergnügt über die Wiese. Immer schneller und schneller rannte es. Ein Kichern entrann sich ihrer kleinen Kehle, denn die junge Elfe liebte es zu rennen, liebte es die Landschaft an ihr vorbeiziehen zu sehen, liebte es frei zu sein. Das monotone stampfen ihrer Füße auf dem Boden und der kräftige Herzschlag erfüllten sie mit Glück.

    Schlitternd kam sie vor einem kleinen Hügel zum Stehen und stützte sich schwer atmend auf ihre Knie. Ein grinsen stahl sich auf ihr, vom rennen gerötetes Gesicht, sie freute sich schon auf den Anblick, der sich ihr gleich bieten würde. Langsam begann die Elfe den Hügel zu erklimmen, strich mit den zarten Händen über das kniehohe Gras. Gleich war es geschafft, nur noch ein paar Schritte, dann würde sie es sehen.

    Voller Vorfreude erklomm sie die Spitze des Hügels und genoss den Anblick, der sich ihr bot.

    Das Elfenschloss Gansar lag in voller Pracht vor ihr. Dicke Mauern aus weißem stein umschlossen eine riesige Stadt, die sich wie eine Herde verängstigter Schafe an einen enormen Felsbrocken schmiegte. Auf diesem Felsblock, von dem niemand wusste woher er kam, stand ein weißes Schloss mit unzähligen Türmchen und Brücken in schwindelerregenden Höhen.

    Die Goldenen Dächer des Palastes reflektierten das Sonnenlicht und tauchten die Umgebung in einen hellen Schein, welcher der Stadt einen makellos reinen und ursprünglichen Schein verlieh.

    Das Mädchen sog die warme Sommerluft ein und ließ die Eindrücke der Umgebung auf sich wirken. Das Rauschen des Windes, der wolkenlose tiefblaue Himmel und das gelegentliche dumpfe klacken eines Schnabels. Vermutlich ein Grasschleicher auf der Suche nach Beute.

    Der Geruch von Sommerblumen stieg ihr in die Nase, doch irgendetwas stimmte nicht.

    Dem Klee, der normalerweise immer wie Honig roch, haftete ein Hauch von Moder an.

    Verwirrt suchte das Mädchen den Boden nach der Ursache ab. Schnell fand es eine kleine Ansammlung an Kleeblüten, deren Farben sich von strahlend weiß über gelb bis zu violett erstreckten.

    Wieder schnupperte es an den Blumen und verzog sogleich das Gesicht. Der muffige Gestank hatte zugenommen.

    Ein Schauer rann ihren Rücken hinab. Irgendetwas stimmte hier nicht. Die Kleine wollte sich abwenden, doch sie konnte nicht. Irgendetwas ließ sie bei den Kleeblüten verharren. Ein sonderbares Gefühl machte sich in ihr breit.

    Das Kind brauchte eine weile um es richtig zuzuordnen: Es war Sehnsucht.

    Jetzt wo es das Gefühl benennen konnte nahm es explosionsartig an Intensität zu, wie ein unsichtbarer Sog, der das Kind geradezu in die Blumen zog.

    Zitternd vor Angst und Verwirrung streckte die Kleine ihre Hand in Richtung des Klees aus. Je näher die Hand den Blüten kam, desto stärker wurde die Sehnsucht.

    Das glückliche Lächeln war schon lange aus dem inzwischen blassen Gesicht der Elfe gewichen. Nun kämpfte sie mit den Tränen, als sie erfolglos versuchte dem Sog zu wiederstehen. Ihre Hand riss wie von selbst die ersten Kleepflanzen aus der Erde. Erst eine, dann eine Zweite, bis sie Schließlich mit beiden Händen anfing jede Pflanze in ihrer Reichweite auszureißen.

    Nach wenigen Augenblicken war alles vorbei.

    Das Mädchen schluchzte auf und betrachtete fassungslos ihre blutigen Hände. Was war gerade geschehen?

    Hemmungslos zitternd betrachtete es, die von ihr erschaffene Zerstörung. Alle Pflanzen in einem Umkreis von einem Schritt hatte es innerhalb weniger Augenblicke ausgerissen. Nur noch blanke Erde starrte ihr entgegen.

    Das Elfenkind spürte, wie ihr das Blut von den Händen rann und auf die Erde tropfte. Doch es war ihr egal. Dort, wo das Blut den Boden berührte begann die Erde zu blubbern, wie heißes Wasser. Auch das interessierte es nicht.

    Ihre geballte Aufmerksamkeit galt dem, was in der Mitte des Erdkreises passierte.

    Verzweifelt versuchte das Mädchen aufzustehen um wegzurennen, doch der unsichtbare Sog der Sehnsucht kettete es noch immer an das Geschehen.

    Am Ende seiner Kräfte blieb dem verängstigten Mädchen nichts anderes übrig als den Widerstand aufzugeben und sich dem Sog der Sehnsucht hinzugeben.

    Dieser lenkte ihren verheulten Blick fast schon sanft auf die Mitte des Kreises.

    Dort wuchs, mit jedem tropfen ihres Blutes, eine einzelne Kleepflanze ein Stück weiter aus dem Boden.

    Ein letzter Blutstropfen landete zischend auf der blubbernden Erde.

    Und dann nichts. Alles war ruhig. Zu ruhig! Kein einziges Geräusch drang an die feinen Ohren der Elfe.

    Immer noch zitternd richtete sie sich auf und blickte sich zögernd um.

    Die Sehnsucht zerrte nun nicht mehr an ihr, stattdessen hatte sich ein Gefühl der Einsamkeit in dem jungen Körper eingenistet. Mit Erschrecken musste sie feststellen, dass sie den Sog sogar vermisste.

    Ein weiteres mal sah sich das Mädchen um. Sein Blick blieb an einem Schmetterling hängen, der außerhalb des Kreises bewegungslos in der Luft hing.

    Panik stieg in ihr auf, als es immer hektischer umher sah und noch weitere Tiere und pflanzen bemerkte, die sich ebenfalls nicht bewegten. Es schien so, als ob die Zeit außerhalb des Kreises stehen geblieben wäre.

    Ein lautloser Schluchzer erfasste die Elfe. Sie vergrub ihr salzverkrustetes Gesicht in ihre blutigen Hände. Tränen hatte sie schon seit einer Weile keine Mehr. Es fehlte nicht mehr viel und der kleine Geist des Mädchens würde zerbrechen.

    „Komm zu mir!“, durchbrach eine leise Stimme die unnatürliche Stimme.

    Das Mädchen blickte hoch und starrte die einsame Kleepflanze vor ihr an.

    „Komm zu mir!“, befahl die Stimme ein weiteres mal.

    Gleichzeitig spürte das Elfenkind, dass der Sog der Sehnsucht es zu dieser Pflanze zog. Mit letzter Kraft kroch es auf den Klee zu und strich leicht mit der Blutverkrusteten Hand über die geschlossene Knospe.

    Wie als hätte die Knospe nur auf sie gewartet platzte sie auf und entfaltete sich zu einer Blüte. Einer schwarzen Blüte.

    Das Kind schob sich hastig von der Blume fort. Sie war tatsächlich schwarz. Der Schwarze Klee war seit jeher das Zeichen der Dämonen.

    Geschockt starrte die Elfe auf das ferne Schloss. Die goldenen Dächer reflektierten immer noch das Sonnenlicht, wie als wäre nichts geschehen. Die Türme ragten genauso erhaben in den Himmel wie zuvor. Auch der Modrige Geruch war verschwunden. Nur der schwarze Klee inmitten eines Erdkreises wies auf das Geschehene hin.

    Das Mädchen atmete tief durch, sog die warme Sommerluft ein. Es versuchte aufzustehen, doch dazu fehlte ihr die Kraft.

    „Es muss geschehen.“, erklang die leise Stimme wieder „Und du wirst dich uns anschließen. Du bist das Kind zweier Welten. Von den Elfen geboren und von den Dämonen auserwählt. Auserwählt, um die Lügen deines Volkes zu durchschauen. Auserwählt, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Du bist die Trägerin des schwarzen Kleeblattes.“

    Das verstörte Kind wollte antworten, wollte schreien, wollte wegrennen, doch zu alldem fehlte es ihm an Kraft. So saß es nur da und musste den Worten zuhören.

    „Und nun sieh was du deiner Heimat antuen wirst.“ , raunte die Stimme fast liebevoll.

    Die Junge Elfe vernahm auf einmal fernes donnergrollen, das immer lauter wurde. Mit erschrecken stellte sie bald fest, dass es kein Donner sondern das Geräusch von Zehn-wenn nicht Hunderttausenden Füßen war, die in ihre Richtung marschierten.

    Wut durchzuckte sie. Wut auf das dumme schwarze Kleeblatt. Wut auf sich selbst, weil sie zu schwach war und dies alles ertragen musste. Diese Wut verlieh dem Mädchen die Kraft aufzustehen und sich umzudrehen. Doch was es nun sah ließ die Kraft schneller verschwinden als sie aufgekommen war.

    Vor ihr erstreckte sich eine gewaltige Dämonenarmee, die langsam aus einem riesigen schwarzen Portal quoll und unaufhaltsam das Elfenschloss zumarschierte.

    Doch das Verstörendste an diesem Anblick war die Person, die die Armee anführte. Es war sie selbst.

    Eine gefühlte Ewigkeit beobachtete das Elfenmädchen die näher rückende Armee, bis diese vor ihr haltmachte. Ihr älteres und kriegerisches selbst sah ihr direkt in die Augen. „Erkenne die Lügen, der Elfen und folge deiner Bestimmung. Und nun wach auf!“

    Kanera fuhr ruckartig in die Höhe und übergab sich lautstark über den Bettrand auf den Fußboden. Keuchend wischte sie sich den Mund ab und sah sich hektisch um. Wo war sie? Was bei den Göttern war das gerade gewesen?

    Ersteres konnte sie nach einigen Augenblicken kontrollierten Atmens leicht erkennen. Sie lag in ihrem Bett im Westturm des Elfenschlosses Gansar.

    Soweit so gut.

    Die zweite Frage war da schon schwieriger zu beantworten. Was bei den unsterblichen versoffenen sich-nur-scheiße-ausdenkenden Göttern war das gerade gewesen? Es hatte sich extrem real angefühlt, soviel stand fest aber es konnte nur ein Traum gewesen sein. Oder? Was wenn es real gewesen wäre? Was wenn das gar kein Traum war, sondern eine Vision...? Nein! Sie unterbrach sich selbst in ihrem Gedankengang. Das war einfach unmögli….

    Die junge Elfe stockte mitten im Satz und betrachtete ihre zur Faust geballten Hand. Kein Blut! Also konnte es gar nicht echt gewesen sein.

    Doch als sie sich ihre Handflächen ansehen wollte fiel etwas aus ihrer Hand auf das verschwitzte Bettzeug. Das durchs Fenster scheinende Mondlicht beleuchtete den mysteriösen Gegenstand.

    Kanera zuckte zurück als sie erkannte, dass es ein schwarzes Kleeblatt war.

    „Ooooh nein. Neinneinneinnein. SCHEIßE!“, brachte sie es schließlich auf den Punkt.

    Sie sprang aus dem Bett, penibel darauf achtend nicht in ihr erbrochenes zu steigen, und rannte aus ihrem Zimmer in Richtung der Gemächer des Hofmagiers Slyn. Er war der Einzige, dem sie vertraute. Selbst ihren Eltern, dem unsterblichen Königspaar der Elfen, vertraute sie nicht.

    Von den Wachen des Magiers wurde sie jedoch wieder hinauf in den Turm geschickt. Der Treue Berater der Familie war anscheinend bei ihren Eltern. Was er dort mitten in der Nacht wollte, war ihr ein Rätsel.

    An den königlichen Gemächern angekommen presste Kanera ihr Ohr an die Tür und lauschte.

    „Der Krieg gegen die Menschen läuft gut, mein Herr“, hörte sie Slyn sagen „Der Wiederstand der Zwerge scheint ebenfalls zu schwinden. In ein paar Monaten werdet Ihr der Herrscher der kompletten Welt sein.“

    Der jungen Elfin stockte das Herz. Was hatte der Magier gerade gesagt? Krieg? Das Königspaar sagte doch immer es verabscheue Gewalt. Was hatte das zu bedeuten?

    „Das ist sehr gut.“, erklang die harte Stimme ihres Vaters. „Dann kann uns nichts mehr aufhalten. Wir werden wie Götter sein.“

    Das helle lachen ihrer Mutter erklang, ein Hauch Wahnsinn schwang in dem Laut mit. „Was ist mit der Prophezeiung? Diese lächerliche Annahme, dass unsere Tochter die Elfen vernichten wird? Ich bin es leid die liebende Mutter zu spielen. Ich will wieder an die Front, ich will wieder töten.“

    Völlig entsetzt stand die Elfenprinzessin vor der Tür. Sie stand einfach nur da und starrte auf die hölzerne Tür, wie als könnte sie die drei Personen dahinter sehen können.

    „Vielleicht sollten wir sie einfach töten. Nur zur Sicherheit.“ Die kalte Stimme ihres Vaters riss sie aus ihrer Starre. Das Mädchen spürte, wie sich etwas in ihr rührte. Es drängte sich an die Oberfläche und pickte an ihren Geist wie ein schlüpfendes Küken an die Eierschale.

    Wütend ballte Kanera ihre Hände zu Fäusten, als sie sich langsam von der Tür entfernte, hinter der die größte Lüge ihres Lebens lauerte. Der Druck gegen ihren Geist wurde stärker und stärker. Noch kämpfte sie dagegen an, doch sie wusste, dass der Kampf aussichtslos war. Dem Mädchen fehlte nach den verstörenden Ereignissen einfach die Kraft. Schließlich fiel auch der letzte Wiederstand und das Gefühl in ihrem Kopf brach an die Oberfläche.

    Nur eine Sache füllte Kaneras Geist. Erkenntnis!

    Nun durchschaute sie die Lügen ihres Volkes, den Verrat, den das Königspaar an ihr begangen hatte, die Illusion, dass das elfische Volk den Krieg verabscheute. Die Behauptungen, die jedem elfischen Kind eingetrichtert wurden, dass alle Völker außer den Elfen nur kriegerische Barbaren waren.

    Dabei war es genau anders herum. Die Elfen waren im Begriff die Welt zu vernichten und das Schlimmste an der Sache war, dass die meisten Elfen, genau wie sie, nichts davon wussten und blind auf die Aussagen des Herrscherpaares vertrauten.

    Ihr Blick fiel auf ihre, noch immer, geballte Faust. Die Hand mit dem schwarzen Kleeblatt. Das Blatt schien ihre Wut aufzusaugen und zu bündeln. Sie spürte ein sanftes zupfen in ihrem Inneren, dass sie dazu bringen wollte das Schloss zu verlassen. Das Zupfen verstärkte sich und schwoll langsam zu dem altbekannten Sog an.

    „Komm zu mir. Kind zweier Welten und bringe das Gleichgewicht zurück.“ Schien das Blatt in ihrer Hand zu flüstern.

    Ein grinsen stahl sich auf das kleine elfische Gesicht, als sie sich umdrehte und das tat, was sie am besten konnte. Rennen! Immer dem Sog der Sehnsucht folgend. Sie würde ihr Volk retten!

    Das war der Beginn der Dämonenkriege, es war der Beginn der Geschichte von Kanera Elfentöterin, Auserwählte der Dämonen, Kind zweier Welten.

    Die Trägerin des schwarzen Kleeblattes.

    • Offizieller Beitrag

    Hallo Zusammen,

    der 1. Schreibwettbewerb 2023 ist zuende! Es haben 6 Geschichten teilgenommen und ich hätte mir ein bisschen mehr Abstimmfreude gewünscht :D
    Aber es ist wie es ist :D
    Insgesamt haben 9 Leute abgestimmt und gewonnen hat mit 4 von 9 Stimmen (44%)

    Trommelwirbel

    Der korrupte Buchmacher

    von J.J.Raidark

    Herzlichen Glückwunsch!
    Wie immer bitte das nächste Thema per PN an mich :D

    Ihr dürft jetzt natürlich wie immer auch gerne Feedback zu den Geschichten hier posten!

    LG Chaos :chaos:

  • J.J.Raidark

    Herzlichen Glückwunsch. Deine Story hat mir sehr gut gefallen, wie eigentlich jede Andere Geschichte. Ich hab echt lange gebraucht um mich zu entscheiden welche Geschichte am Besten ist. Also mal Respekt an alle Teilnehmer die Geschichten sind alle echt gut gelungen. Es haben ja fast alle Storys eine Stimme bekommen

  • Noch mal Glückwunsch, J.J.Raidark auch an dieser Stelle dafür, dass du es geschafft hast, das Siegertreppchen zu besteigen. :party2: :sekt: Für mich persönlich war deine Geschichte der Favorit, weshalb sie auch meine Stimme bekommen hat. Sowohl erzähltechnisch, als auch von der Idee und der Umsetzung her, hat sie mir am besten gefallen.

    Ich muss allerdings auch sagen, dass es mir auf Anhieb schwergefallen war, mich zu entscheiden. Tatsächlich gab es dieses Mal bei mir zwei Leserunden, bis ich mich endgültig zu einer Entscheidung durchringen konnte. Jede Geschichte hatte irgendwie etwas Besonderes an sich.

    Tariq mit der wunderbar märchenhaften Erzählung der Prinzessin und des jungen Wilderers. Sensenbach mit der abenteuerlichen und dennoch verspielten Geschichte der Prinzessin Neila und ihres treuen Katers Anlik. (ich mag es, wenn sie am Ende böse werden :D )

    Faradim mit der fantastisch-exotischen Darstellung des Sklavenmarktes und der Art, wie hier das schwarze Kleeblatt mit der Geschichte verwoben wurde.

    Park Bom , die bewiesen hat, dass es manchmal gar nicht vieler Worte braucht, um ein Thema schriftstellerisch umzusetzen. Und vinni , der das Schicksal der jungen Elfin und ihre Wandlung zur Auserwählten der Dämonen so eindringlich beschrieben hat, dass ich richtig mitfiebern konnte.

    Euch allen ein großes Kompliment und Danke, dass ihr uns an euren tollen Geschichten habt teilhaben lassen :loveyou:

  • Hi ihr Lieben,

    ich bin echt ein wenig überwältigt, dass ich mich gegen so harte und hochwertige Konkurrenz durchsetzen konnte, auch wenn es wirklich äußerst knapp war :this:

    Dankeschön an Rainbow und vinni für Euer tolles Feedback und jeden aus dem Forum, der für mich gestimmt oder überhaupt an der Sache teilgenommen hat :party2:

    Ein Lob geht auch raus an Chaos Rising für die Orga :thumbup:

    Hat wirklich großen Spaß gemacht - da ist das Gewinnen doch gar nicht so wichtig... :hmm:

    ...ach, wem mache ich was vor, es ist SUUPER!!! JUHU!!!  :party:

    "Die Sonne scheint anders und wird weiter scheinen, es hilft nichts mit Steinen nach ihr zu werfen."

  • Heyho J.J.Raidark , Heyho vinni

    J.J.Raidark meine Gratulation zum rechtmäßigen Sieg in diesem Wettbewerb. Deine Erzählung war von allen am "rundesten" für meinen Geschmack.

    Allen anderen Teilnehmern meinen herzlichen Dank für ihre Fantasie und ihr Engagement, die mir einmal mehr wundervolle Geschichten beschert haben.

    vinni

    Dein Plot hat mch am meisten gefesselt: Böse Elfen.

    Diese Idee würde ich, wenn's denn meine wäre, weiter ausarbeiten. :nummer1:

    Nuff said.

  • Der Wanderer

    Es freut mich sehr,dass dir mein Plot gefällt. Ich hab auch tatsächlich vor diese Kurzgeschichte als Grundlage für ein neues Projekt von mir zu nehmen. Aber das könnte noch dauern erstmal muss ich die Wächterchroniken weiterschreiben :) . Aber das hier soll ja keine Eigenwerbung werden :patsch: :) .

    Sensenbach ich hab für deine Geschichte gestimmt, wie du wahrscheinlich schon bemerkt hast. Bei dir hat mir eigentlich alles gefallen: du hattest Magie dabei, ein verspieltes Element mit dem Kater und ein Schluss, bei dem man selbst rätselt wie es weitergeht. Das hat mir besonders gefallen.

    Aber es waren wirklich alle Geschichten sehr stark

  • Auch noch einmal hier, J.J.Raidark , meine herzlichsten Glückwünsche zum Sieg. Wohlverdient, weil die Geschichte wirklich, wirklich gut war. :sekt: Und natürlich mein Dankeschön an die, die für mich gestimmt haben.

    Bei vinni und seiner Geschichte sehe ich es ähnlich wie Der Wanderer: Hier steckt Potenzial drin. Da kann mMn noch viel herausgearbeitet werden und auch ich denke, dass das was Größeres werden könnte.

    Sensenbach , deine Geschichte hat mich diesmal leider nicht so richtig abholen können. Ich kann nicht mal genau sagen, warum, aber ich nehme an, dass es das offene Ende war. Oder vielleicht dass ich mich immer noch frage, wie das gefundene Kleeblatt wohl aussieht und wie viele Blättchen es hat. ^^

    Bei Park Bom s Geschichte haben mir einfach die bildhafte Beschreibungen gefehlt. Es war fast eine reine "Tell"-Story, ich konnte nichts fühlen, war nicht mittendrin. Auch hier mein Rat: einfach nochmal ransetzen. Weniger erklären, mehr "zeigen". Die Idee selbst gibt Stoff für eine fesselnde Story, mach was draus.

    Faradim hat meine Stimme bekommen, weil hier am Ende meine Überraschung größer war und weil ich das Thema - das natürlich von allen aufgegriffen wurde - hier am besten umgesetzt sah. :) Dass die Käuferin selbst Trägerin eines schwarzen Kleeblattes ist, war unerwartet und es machte ihre Absichten am Schluss mehr als verständlich.

    Vielen Dank noch einmal für fünf tolle Geschichten. Auch mir fiel die Auswahl zuerst schwer, aber das Kleeblatt war mein Zünglein an der Waage.

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

    Einmal editiert, zuletzt von Tariq (8. März 2023 um 10:15)

  • Herzlichen Glückwunsch J.J.Raidark. Ein verdienter Sieg.

    Auch an vinni  Park Bom  Faraleas  Tariq , eure Geschichten haben mir gut gefallen.

    Spoiler anzeigen

    ich mag es, wenn sie am Ende böse werden :D

    :evil:

    Ich kann nicht mal genau sagen, warum, aber ich nehme an, dass es das offene Ende war. Oder vielleicht dass ich mich immer noch frage, wie das gefundene Kleeblatt wohl aussieht und wie viele Blättchen es hat. ^^

    Naja, streng genommen haben Kurzgeschichten meistens ein offenes Ende, sonst sind sie nur "kurze Geschichten".

    Das Blatt hat vier Blätter :)

    Bei dir hat mir eigentlich alles gefallen: du hattest Magie dabei, ein verspieltes Element mit dem Kater und ein Schluss, bei dem man selbst rätselt wie es weitergeht. Das hat mir besonders gefallen.

    Dankeschön!