Was lest ihr gerade? (Fantasy)

Es gibt 668 Antworten in diesem Thema, welches 89.082 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Der Wanderer.

  • Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko.
    Spannendes, griechisch-mythisches Setting aus Sicht der Amazonen. Gefällt mir bisher ganz gut, nur die Sprache ist teils etwas sehr gestelzt, ähnlich wie auch hier einige (Schreibanfänger) noch schreiben. :D

    Falken haben doofe Ohren

  • Neulich Der Bücherdrache von Walter Moers gelesen. Endlich!

    Hildegunst von Mythenmetz träumt in einem Traum von Hildegunst Zwei, dem Buchling, der sein gesamtes Werk memoriert, spricht mit ihm, und dieser geträumt Buchling erzählt ihm von seiner Begegnung und dem Gespräch mit dem Bücherdrachen.

    Das ist schon verschachtelt ohne so richtig verschachtelt zu sein, sehr interessant. Man verfolgt also einen Dialog in einem Dialog, was nur deswegen funktionieren kann, weil Buchlinge ein gutes Gedächtnis haben und Hildegunst Zwei sich eben an alles haargenau erinnern kann.


    Insgesamt ist es ein kleiner Happen für zwischendurch. Viel mehr Lust macht mir die Leseprobe für den Briefroman "Die Insel der trausend Leuchttürme". Das könnte vielleicht das nächste Zamonienbuch sein, das erscheint.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Stardust von Neil Gaiman


    Gelegentlich kommt es vor dass mich ein Film im Kino so anspricht dass ich mir denke - richtig schoener Film. 'Stardust' war einer dieser Filme - und die Buchvorlage ist auch sehr lesenswert. Weniger Hollywood, mehr britische Inseln - die Geschichte ist nicht so auf die Romanze zwischen Tristran und dem gefallenen Stern Yvaine zugeschnitten - mit dem Endkampf gegen die Hexenkoenigin - sondern entwickelt sich in mehreren Straengen die sich dann teilweise einfach verlaufen - mehr wie in den Fairy-Tales die da Vorlage sind.


    Schoen ist es trotzdem alles, wie die magische Kette ein Zauberwort braucht dass sich als 'please' herausstellt, wie im Hafenstaedchen geschildert wird dass es keine Huren gibt aber 'multiple marriages' - manche Frauen haben eben viele Ehemaenner von denen die meisten immer auf See sind. Oder wie Yvaine sich immer wieder noch exotischere Schimpfwoerter fuer Tristran einfallen laesst.


    Keine Ahnung wie's in der Uebersetzung funktioniert, ich nehme an dass hier wieder mal so ein Buch ist das auf Englisch am Besten funktioniert.


    Aber schoen isses zu lesen :)

  • Ich habe gerade "Magier des dunklen Pfades" von Peter Hohmann beendet.

    Nachdem ich schon seine "Eherne Garde" förmlich verschlungen habe, ging es mir hier nicht anders. Stellenweise geriet es etwas langatmig, aber da sich in Nebensträngen die Gefahr kontinuierlch aufbaute und man des Finale kaum erwarten konnte, ließ sich darüber mühelos hinwegsehen. Große Leseempfehlung für alle, die Magie, eine fanatische Kirche, die dagegen angeht, dunkle Geheimnisse und verborgene Rituale mögen. Dazu einen Hauptcharakter, dessen Bestreben zwar verständich, dessen Verhalten aber nicht fehlerlos und nachvollziehbar ist und der es einem manchmal echt schwermacht, Verständnis für ihn aufzubringen.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Okay, bin durch.

    Also, das ist eines der merkwürdigsten Bücher, die ich je gelesen habe. In einem Taum unterhalten sich Autor und Rättin, wobei irgendwann keinem mehr klar ist, wer hier wen träumt. Die Geschichten, die sie sich erzählen, beeinflussen einander. Da ist beispielsweise der Maler Malskat, der als Kunstfälscher berühmt wurde, der täuschend echtaussehende gotische Malereien in Kirchen pinselte, dessen Geschichte historisch korrekt erzählt wird. Witzig ist, dass Malskat sich teilweise Scherze erlaubt und Truthähne in die Gewölbe malt, was die Nazis, die das natürlich für jahrhundertealt halten, als Beweis dafür sehen, dass die Wikinger die Truthähne nach Europa gebracht haben müssen.

    Dann aber steigt der Autor persönlich zu Malskat ins Baugerüst und fragt ihn, ob er nicht auch ein paar Rattenmenschen malen könnte - was dieser dann auch erledigt. Später treten in einem anderen, nicht historisch verbürgtem, sondern streng fiktionalen Erzählstrang tatsächlich Rattenmenschen oder Menschenratten auf.

    Also, das mal so als Beispiel, wie diese Handlungen ineinander übergehen. Es ist ziemlich schwierig für mich, dem mit Worten beizukommen.

    Es ist schon mächtig skurril teilweise. Die Menschen löschen sich aus, und die Ratten schauen sich von massengefertigten Plastikschlümpfen den Ackerbau ab und werden religiös. Die Märchen erheben sich gegen die Regierung der BRD, die nichts gegen das Waldsterben unternimmt und legen die Republik lahm. Und noch einiges mehr. Alles ist in irgendeiner Weise Fiktion, die der Autor erzählt, entweder sich oder der Rättin oder einer seiner Figuren aus den anderen Fiktionen (sehr ihr, was ich meine?).


    Insgesamt war die Leseerfahrung für mich etwa so: Ich war zu gleichen Anteilen mal begeistert und mal gelangweilt. Aber immer fasziniert. Da wird keine Liebe draus, aber für Respekt und eine befriedigende Leseerfahrung reicht es bei mir. Fantasie hatte der Mann jedenfalls.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Insgesamt war die Leseerfahrung für mich etwa so: Ich war zu gleichen Anteilen mal begeistert und mal gelangweilt. Aber immer fasziniert. Da wird keine Liebe draus, aber für Respekt und eine befriedigende Leseerfahrung reicht es bei mir. Fantasie hatte der Mann jedenfalls.

    Die Rättin ist eines der Bücher, die ich nicht zu ende gelesen habe. Ich kann mit Grass irgendwie nichts anfangen. Es kommt mir so vor, als schreibe er nicht für die Leser, sondern für den Literaturapparat. Naja, da bin ich anscheinend in der Minderheit.,


    Kennste das hier? Grandios!

    S. Fischer Verlage
    S. Fischer Website
    www.fischerverlage.de

  • Die Rättin ist eines der Bücher, die ich nicht zu ende gelesen habe. Ich kann mit Grass irgendwie nichts anfangen. Es kommt mir so vor, als schreibe er nicht für die Leser, sondern für den Literaturapparat. Naja, da bin ich anscheinend in der Minderheit.

    Das kann sehr gut verstehen. :D Also, diese mosaikartige Art zu erzählen, und das macht dieses Buch ja irgendwie besonders, ist anstrengend.

    Dein Eindruck, dass Grass nicht für Leser schiebe, ist nicht so falsch, auch wenn ich nicht sicher bin, ob er für den Literaturapparat geschrieben hat oder eher für sich selbst und seine Rolle als öffentliche Figur. In einem Interview hat er mal gesagt, dass er früher auch fürs Publikum geschrieben habe, aber nach der Blechtrommel ja finanziell unabhängig war und ihm das dann zunehmend unwichtig wurde. :huh:

    Die Blechtrommel war also auch für Leser geschrieben und - wen wundert's? - das gilt als sein Meisterwerk, auch wenn es Längen hat. Dass ihm das Publikum egal war gipfelte dann irgendwann in Ein weites Feld, das man nur richtig verstehen kann, wenn man gut über die deutsche Geschichte der letzten 250 Jahre bescheid weiß, Theodor Fontanes ganzes Werk kennt und zusätzlich noch seine Biographie. Wie sagt man so schön: Ich glaub es hackt?! Wer, außer Germanisten, soll damit was anfangen können? Ich glaube aber nicht, dass er das bewusst so geschrieben hat - eher fand er einfach Fontane toll, weil seine Frau Fontane toll fand.


    Und dann merkt man bei Grass noch diese ganzen Einflüsse aus der Moderne, also so von Leuten wie Döblin wie James Joyce. Hab keinen von beiden gelesen, aber wenn man mal eine Leseprobe von Ein Portrait des Künstlers als jungen Mann von Joyce öffnet ... Solche Autoren hat zu deren Lebzeiten schon keiner verstanden.

    Jedenfalls denke ich Grass hatte einfach einen sperrigen Geschmack.


    Ich denke nicht, dass du in der Minderheit bist, Sensenbach. ^^ Im Gegenteil, solche Autoren haben es geschafft, eine Karriere darauf auzubauen, Bücher zu schreiben, die keiner liest.

    Meine Faszination kommt wahrscheinlich daher, dass 1. mir sowas zeigt, was eigentlich alles so geht, zumindest theoretisch, und 2. Grass immer wieder so coole phantatische Elemente hat ^^


    Zu W. G. Sebald: Ich hab von ihm viel gutes gehört! Hab's definitiv auf dem Schirm. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Okay, gehen wir mal weg von der experimentellen Literatur und hin zu guten Büchern. :)


    Ich habe endlich mit dem Testlesen von Die Reifeprüfung von unserem Alopex Lagopus begonnen. :) Es beginnt bereits sehr kurzweilig und ich bemerke das ein oder andere Detail, was sich zu früher verändert hat, besonders in Bezug auf Teatown und Karlheim, die ja erst später Teil des Konzepts wurden


    Und weil ich Fuchsi immer mit Markern anstreiche und ich neulich nicht schlafen konnte, im Bett aber auch nicht mit den Markern hantieren wollte, hab ich noch was anderes angefangen: Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow (Übersetzung von Alexandra Berlina).

    Der Teufel kommt ins stalinistische Moskau und hat zwei Kumpanen im Gepäck - einen riesigen schwarzen Kater, der auf den Hinterbeinen läuft, und einen runtergekommenen Kantor, der so flach ist, dass er unsichtbar wird, wenn er sich auf die Seite dreht. Die sollen das sündige, ungläubige Moskau aufmischen.

    Das Buch ist auch eine Verarbeitung von Faust, nur anscheinend keine so offensichtliche, denn es fühlt sich auch im fünften Kapitel noch alles sehr eigenständig an.

    Was ist es noch? Eine gesellschaftliche Satire, die dafür phantastische Elemente benutzt. :hmm: Sowas scheint mir besonders zu gefallen.

    Und vielleicht bilde ich es mir ja ein, weil ich gerade von einem sperrigen Grass-Türstopper komme, aber ... es ist ziemlich leserfreundlich! Wirklich, teilweise könnte das ein Terry Pratchett sein, vom allwissenden Erzähler, dem szenischen Erzählstil, dem Humor, aber auch der Leichtigkeit.

    Ein paar Fragen kamen bei mir bereits auf, bezüglich warum eine Figur so merkwürdig irrational handelt, aber ich habe Vertrauen, dass das aufgeklärt wird. Schließlich ist der Teufel, wie er sich bisher verhält, auch alles andere als rational - wenn der also seine Finger im Spiel hat, würde das einiges erklären. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Ausgelesen:

    Zugegeben, ich hab' mich durch die damalige Rezension in der ZEIT etwa blenden lassen. Da war viel von der Artussage zu lesen. Ein alter Gawain wurde erwähnt und das ganze hat dann meine Neugier geweckt, weil ich alles um die Artus-/Gralssage und jeden Blick aus welcher Richtung auch immer darauf sehr mag/mich das interessiert.


    Kurz zusammengefasst: Ich bekam eigentlich nichts von dem, was ich erwartet hatte. Dafür auf knapp 400 Seiten eine sehr - wie sag' ich's am besten? - zärtliche Erzählung.

    Von dem alten Ehepaar Axl und Beatrice, die sich aufmachen zu ihrem Sohn in einem anderen Dorf, mehrere Tagesreisen entfernt von dem ihren. Einem Sohn, an den sie sich nicht mehr richtig erinnern können, weil ein lähmender Nebel ein Britannien des 5. Jahrhunderts bedeckt, der den Menschen die Erinnerungen zu rauben schent. Ein Nebel, erschaffen scheinbar von einer alten Drächin names Querig, nach der Gawain, letzter der legendären Tafelrundes des Königs Artus seit Jahrzehnten sucht, um sie zu töten, obwohl sein Schicksal in diesem Spiel eigentlich ein ganz anderes ist.


    Wie auch die Intention Kazuo Ishiguros, der dem Leser eigentlich etwas ganz anderes vermitteln will:

    Wann sollte man sich an Vergangenes erinnern, wann muß man es sogar?

    Und wann sollte man sich entscheiden, Geschehnisse der Vergangenheit lieber zu vergessen, um den fragilen Nebel, der sich Frieden nennt, nicht wieder auseinander zu reissen, um nicht zu gefährden, was mit Mühe gewonnen wurde?


    Neben "Der begrabene Riese" sind hierzulande noch sieben andere Romane des Autors erschienen. Ich kenne bis jetzt keinen davon...aber das wird sich in Zukunft ändern.