Was lest ihr gerade? (Fantasy)

Es gibt 699 Antworten in diesem Thema, welches 103.196 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kalkwiese.

  • Die Götter müssen sterben von Nora Bendzko.
    Spannendes, griechisch-mythisches Setting aus Sicht der Amazonen. Gefällt mir bisher ganz gut, nur die Sprache ist teils etwas sehr gestelzt, ähnlich wie auch hier einige (Schreibanfänger) noch schreiben. :D

    Falken haben doofe Ohren

  • Neulich Der Bücherdrache von Walter Moers gelesen. Endlich!

    Hildegunst von Mythenmetz träumt in einem Traum von Hildegunst Zwei, dem Buchling, der sein gesamtes Werk memoriert, spricht mit ihm, und dieser geträumt Buchling erzählt ihm von seiner Begegnung und dem Gespräch mit dem Bücherdrachen.

    Das ist schon verschachtelt ohne so richtig verschachtelt zu sein, sehr interessant. Man verfolgt also einen Dialog in einem Dialog, was nur deswegen funktionieren kann, weil Buchlinge ein gutes Gedächtnis haben und Hildegunst Zwei sich eben an alles haargenau erinnern kann.


    Insgesamt ist es ein kleiner Happen für zwischendurch. Viel mehr Lust macht mir die Leseprobe für den Briefroman "Die Insel der trausend Leuchttürme". Das könnte vielleicht das nächste Zamonienbuch sein, das erscheint.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Stardust von Neil Gaiman


    Gelegentlich kommt es vor dass mich ein Film im Kino so anspricht dass ich mir denke - richtig schoener Film. 'Stardust' war einer dieser Filme - und die Buchvorlage ist auch sehr lesenswert. Weniger Hollywood, mehr britische Inseln - die Geschichte ist nicht so auf die Romanze zwischen Tristran und dem gefallenen Stern Yvaine zugeschnitten - mit dem Endkampf gegen die Hexenkoenigin - sondern entwickelt sich in mehreren Straengen die sich dann teilweise einfach verlaufen - mehr wie in den Fairy-Tales die da Vorlage sind.


    Schoen ist es trotzdem alles, wie die magische Kette ein Zauberwort braucht dass sich als 'please' herausstellt, wie im Hafenstaedchen geschildert wird dass es keine Huren gibt aber 'multiple marriages' - manche Frauen haben eben viele Ehemaenner von denen die meisten immer auf See sind. Oder wie Yvaine sich immer wieder noch exotischere Schimpfwoerter fuer Tristran einfallen laesst.


    Keine Ahnung wie's in der Uebersetzung funktioniert, ich nehme an dass hier wieder mal so ein Buch ist das auf Englisch am Besten funktioniert.


    Aber schoen isses zu lesen :)

  • Ich habe gerade "Magier des dunklen Pfades" von Peter Hohmann beendet.

    Nachdem ich schon seine "Eherne Garde" förmlich verschlungen habe, ging es mir hier nicht anders. Stellenweise geriet es etwas langatmig, aber da sich in Nebensträngen die Gefahr kontinuierlch aufbaute und man des Finale kaum erwarten konnte, ließ sich darüber mühelos hinwegsehen. Große Leseempfehlung für alle, die Magie, eine fanatische Kirche, die dagegen angeht, dunkle Geheimnisse und verborgene Rituale mögen. Dazu einen Hauptcharakter, dessen Bestreben zwar verständich, dessen Verhalten aber nicht fehlerlos und nachvollziehbar ist und der es einem manchmal echt schwermacht, Verständnis für ihn aufzubringen.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Okay, bin durch.

    Also, das ist eines der merkwürdigsten Bücher, die ich je gelesen habe. In einem Taum unterhalten sich Autor und Rättin, wobei irgendwann keinem mehr klar ist, wer hier wen träumt. Die Geschichten, die sie sich erzählen, beeinflussen einander. Da ist beispielsweise der Maler Malskat, der als Kunstfälscher berühmt wurde, der täuschend echtaussehende gotische Malereien in Kirchen pinselte, dessen Geschichte historisch korrekt erzählt wird. Witzig ist, dass Malskat sich teilweise Scherze erlaubt und Truthähne in die Gewölbe malt, was die Nazis, die das natürlich für jahrhundertealt halten, als Beweis dafür sehen, dass die Wikinger die Truthähne nach Europa gebracht haben müssen.

    Dann aber steigt der Autor persönlich zu Malskat ins Baugerüst und fragt ihn, ob er nicht auch ein paar Rattenmenschen malen könnte - was dieser dann auch erledigt. Später treten in einem anderen, nicht historisch verbürgtem, sondern streng fiktionalen Erzählstrang tatsächlich Rattenmenschen oder Menschenratten auf.

    Also, das mal so als Beispiel, wie diese Handlungen ineinander übergehen. Es ist ziemlich schwierig für mich, dem mit Worten beizukommen.

    Es ist schon mächtig skurril teilweise. Die Menschen löschen sich aus, und die Ratten schauen sich von massengefertigten Plastikschlümpfen den Ackerbau ab und werden religiös. Die Märchen erheben sich gegen die Regierung der BRD, die nichts gegen das Waldsterben unternimmt und legen die Republik lahm. Und noch einiges mehr. Alles ist in irgendeiner Weise Fiktion, die der Autor erzählt, entweder sich oder der Rättin oder einer seiner Figuren aus den anderen Fiktionen (sehr ihr, was ich meine?).


    Insgesamt war die Leseerfahrung für mich etwa so: Ich war zu gleichen Anteilen mal begeistert und mal gelangweilt. Aber immer fasziniert. Da wird keine Liebe draus, aber für Respekt und eine befriedigende Leseerfahrung reicht es bei mir. Fantasie hatte der Mann jedenfalls.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Insgesamt war die Leseerfahrung für mich etwa so: Ich war zu gleichen Anteilen mal begeistert und mal gelangweilt. Aber immer fasziniert. Da wird keine Liebe draus, aber für Respekt und eine befriedigende Leseerfahrung reicht es bei mir. Fantasie hatte der Mann jedenfalls.

    Die Rättin ist eines der Bücher, die ich nicht zu ende gelesen habe. Ich kann mit Grass irgendwie nichts anfangen. Es kommt mir so vor, als schreibe er nicht für die Leser, sondern für den Literaturapparat. Naja, da bin ich anscheinend in der Minderheit.,


    Kennste das hier? Grandios!

    S. Fischer Verlage
    S. Fischer Website
    www.fischerverlage.de

  • Die Rättin ist eines der Bücher, die ich nicht zu ende gelesen habe. Ich kann mit Grass irgendwie nichts anfangen. Es kommt mir so vor, als schreibe er nicht für die Leser, sondern für den Literaturapparat. Naja, da bin ich anscheinend in der Minderheit.

    Das kann sehr gut verstehen. :D Also, diese mosaikartige Art zu erzählen, und das macht dieses Buch ja irgendwie besonders, ist anstrengend.

    Dein Eindruck, dass Grass nicht für Leser schiebe, ist nicht so falsch, auch wenn ich nicht sicher bin, ob er für den Literaturapparat geschrieben hat oder eher für sich selbst und seine Rolle als öffentliche Figur. In einem Interview hat er mal gesagt, dass er früher auch fürs Publikum geschrieben habe, aber nach der Blechtrommel ja finanziell unabhängig war und ihm das dann zunehmend unwichtig wurde. :huh:

    Die Blechtrommel war also auch für Leser geschrieben und - wen wundert's? - das gilt als sein Meisterwerk, auch wenn es Längen hat. Dass ihm das Publikum egal war gipfelte dann irgendwann in Ein weites Feld, das man nur richtig verstehen kann, wenn man gut über die deutsche Geschichte der letzten 250 Jahre bescheid weiß, Theodor Fontanes ganzes Werk kennt und zusätzlich noch seine Biographie. Wie sagt man so schön: Ich glaub es hackt?! Wer, außer Germanisten, soll damit was anfangen können? Ich glaube aber nicht, dass er das bewusst so geschrieben hat - eher fand er einfach Fontane toll, weil seine Frau Fontane toll fand.


    Und dann merkt man bei Grass noch diese ganzen Einflüsse aus der Moderne, also so von Leuten wie Döblin wie James Joyce. Hab keinen von beiden gelesen, aber wenn man mal eine Leseprobe von Ein Portrait des Künstlers als jungen Mann von Joyce öffnet ... Solche Autoren hat zu deren Lebzeiten schon keiner verstanden.

    Jedenfalls denke ich Grass hatte einfach einen sperrigen Geschmack.


    Ich denke nicht, dass du in der Minderheit bist, Sensenbach. ^^ Im Gegenteil, solche Autoren haben es geschafft, eine Karriere darauf auzubauen, Bücher zu schreiben, die keiner liest.

    Meine Faszination kommt wahrscheinlich daher, dass 1. mir sowas zeigt, was eigentlich alles so geht, zumindest theoretisch, und 2. Grass immer wieder so coole phantatische Elemente hat ^^


    Zu W. G. Sebald: Ich hab von ihm viel gutes gehört! Hab's definitiv auf dem Schirm. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Okay, gehen wir mal weg von der experimentellen Literatur und hin zu guten Büchern. :)


    Ich habe endlich mit dem Testlesen von Die Reifeprüfung von unserem Alopex Lagopus begonnen. :) Es beginnt bereits sehr kurzweilig und ich bemerke das ein oder andere Detail, was sich zu früher verändert hat, besonders in Bezug auf Teatown und Karlheim, die ja erst später Teil des Konzepts wurden


    Und weil ich Fuchsi immer mit Markern anstreiche und ich neulich nicht schlafen konnte, im Bett aber auch nicht mit den Markern hantieren wollte, hab ich noch was anderes angefangen: Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow (Übersetzung von Alexandra Berlina).

    Der Teufel kommt ins stalinistische Moskau und hat zwei Kumpanen im Gepäck - einen riesigen schwarzen Kater, der auf den Hinterbeinen läuft, und einen runtergekommenen Kantor, der so flach ist, dass er unsichtbar wird, wenn er sich auf die Seite dreht. Die sollen das sündige, ungläubige Moskau aufmischen.

    Das Buch ist auch eine Verarbeitung von Faust, nur anscheinend keine so offensichtliche, denn es fühlt sich auch im fünften Kapitel noch alles sehr eigenständig an.

    Was ist es noch? Eine gesellschaftliche Satire, die dafür phantastische Elemente benutzt. :hmm: Sowas scheint mir besonders zu gefallen.

    Und vielleicht bilde ich es mir ja ein, weil ich gerade von einem sperrigen Grass-Türstopper komme, aber ... es ist ziemlich leserfreundlich! Wirklich, teilweise könnte das ein Terry Pratchett sein, vom allwissenden Erzähler, dem szenischen Erzählstil, dem Humor, aber auch der Leichtigkeit.

    Ein paar Fragen kamen bei mir bereits auf, bezüglich warum eine Figur so merkwürdig irrational handelt, aber ich habe Vertrauen, dass das aufgeklärt wird. Schließlich ist der Teufel, wie er sich bisher verhält, auch alles andere als rational - wenn der also seine Finger im Spiel hat, würde das einiges erklären. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Ausgelesen:

    Zugegeben, ich hab' mich durch die damalige Rezension in der ZEIT etwa blenden lassen. Da war viel von der Artussage zu lesen. Ein alter Gawain wurde erwähnt und das ganze hat dann meine Neugier geweckt, weil ich alles um die Artus-/Gralssage und jeden Blick aus welcher Richtung auch immer darauf sehr mag/mich das interessiert.


    Kurz zusammengefasst: Ich bekam eigentlich nichts von dem, was ich erwartet hatte. Dafür auf knapp 400 Seiten eine sehr - wie sag' ich's am besten? - zärtliche Erzählung.

    Von dem alten Ehepaar Axl und Beatrice, die sich aufmachen zu ihrem Sohn in einem anderen Dorf, mehrere Tagesreisen entfernt von dem ihren. Einem Sohn, an den sie sich nicht mehr richtig erinnern können, weil ein lähmender Nebel ein Britannien des 5. Jahrhunderts bedeckt, der den Menschen die Erinnerungen zu rauben schent. Ein Nebel, erschaffen scheinbar von einer alten Drächin names Querig, nach der Gawain, letzter der legendären Tafelrundes des Königs Artus seit Jahrzehnten sucht, um sie zu töten, obwohl sein Schicksal in diesem Spiel eigentlich ein ganz anderes ist.


    Wie auch die Intention Kazuo Ishiguros, der dem Leser eigentlich etwas ganz anderes vermitteln will:

    Wann sollte man sich an Vergangenes erinnern, wann muß man es sogar?

    Und wann sollte man sich entscheiden, Geschehnisse der Vergangenheit lieber zu vergessen, um den fragilen Nebel, der sich Frieden nennt, nicht wieder auseinander zu reissen, um nicht zu gefährden, was mit Mühe gewonnen wurde?


    Neben "Der begrabene Riese" sind hierzulande noch sieben andere Romane des Autors erschienen. Ich kenne bis jetzt keinen davon...aber das wird sich in Zukunft ändern.

  • Ich lese gerade "Der Kinderdieb" von Brom. Ja, der Autor nutzt nur seinen Nachnamen.

    Dem ersten Anschein nach handelt es sich bei "Der Kinderdieb" um eine horrorige-splatterhafte Nacherzählung der Story von Peter Pan. Vermutlich hat der Autor noch weitere Inspirationsquellen herangezogen, wie etwa die irische Sagenwelt mit Avalon (statt Neverland), einer Art Herrin des Sees, dem Gehörnten, allerlei Feen, Elfen, Mischwesen und Dämonen, Menhiren und einem magischen Nebel. Nach bisher 270 Seiten bin ich mir noch nicht zu 100% sicher, worin der Konflikt zwischen den Teufeln (= den von Peter "gestohlenen" Kindern aus unserer Meschenwelt) und den Fleischfressern begründet ist oder wo er hin führt. Das sorgt für Spannung. Neben dem Kinderdieb Peter ist Nick der zweite (oder vielleicht auch eher der erste) Hauptcharakter. Aus New York von Peter durch den Nebel geführt, versucht er sich im recht dystopisch gezeichneten Avalon zurechtzufinden. Sozusagen typische Portal-Quest-Fantasy. Bisher steht eindeutig das World-Building im Vordergrund. Charakterentwicklung gabe es bei Nick noch nicht wirklich (er ist aber auch erst ein paar Tage in Avalon). Die Geschichte von Peter wird teilweise in Rückblenden und Erinnerungen erzählt. Da passiert schon mehr.


    Insgesamt gefällt mir das Buch bisher ziemlich gut. Der Autor schafft es, das unschuldige und unbeschwerte Flair von Peter Pan mit doch recht brutalen und blutigen Schilderungen zu verbinden, ohne dass es irgendwie erzwungen wirkt. Ich bin gespannt, wo die Story noch hinführt.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Mit dem Ding habe ich im Moment leichte Probleme.

    Habe mir heute Nachmittag mal etwa 1/3 des Romans (etwa 160 Seiten) angetan und war richtig froh, auf Seite 95 mit

    "Too much...too many people...too much...!"* sowas wie eine geistige Auszeit nehmen zu können, aus dem profanen Grund, weil ich das sofort mit was bekanntem assoziieren konnte.


    Bis dahin war's für mich nämlich eher eine Tour de Force, beginnend mit einer eher kryptischen Vorstellung eines Straßenjungen und seines Verhältnisses zu den Bullen, den Leuten und der Stadt New York im allgemeinen und seinem Verhältnis zu einem Typen namen Paulo und weiterführend zu verschiedenen Protas, deren Namen viel mit den einzelnen Stadtteilen zu tun hatten, die dabei ständig zwischen ihrer eigenen und einer anderen Welt hin und her zu springen schienen, während alle unabhängig voneinander die Bekanntschaft mit einer in verschiedenen Formen auftretenden unbestimmten Bedrohung machten, die ihnen (und einigen anderen) entweder als amorphe weisse Masse oder aber in Form von Tentakeln oder anemonischen Ranken, im letzten von mir gelesenen Kapitel auch als weisse (reinweisse!) Frau begegnet. (War ein langer Satz, was??? :D )

    Soweit, so mysteriös für mich, obwohl ich irgendwann drauf kam, daß jede vorgestellte Figur (bis auf den Introcharakter) wohl stellvertretend für einen der New Yorker Stadtteile stehen soll, auch wenn sie da in einem Fall gerade erst angekommen ist.

    Und daß jede Form des "Weiss" eine Bedrohung für alle darstellt, also wohl demnächst auch alle noch mehr damit zu tun bekommen.


    Vielleicht wäre ich besser dran gewesen, hätte man den Buchtitel im Original belassen: "The City we became".

    Das wäre von Anfang an hilfreich gewesen, die Intention der Verfasserin zu begreifen.


    Jetzt hab' ich mich vorhin dazu verleiten lassen, eine Rezension fantasyweblogzu lesen, die mir im Moment zumindest teilweise noch den Hut hochgehen lässt und daher auch nicht gerade hilfreich war, um die restlichen 360 Seiten unvoreingenommen in Angriff zu nehmen.


    Trotzdem apropos:

    Obwohl ich nach den ersten 10 Seiten das Ding zuklappen wollte, hat das Buch bei mir den "jetzt-erst-recht" - Instinkt aktiviert. Soll heissen, trotz des mir unbehaglichen Stils der Übersetzung war sie ineressant genug, mich auf das neugierig zu machen, was auf der nächsten Seite wohl zu lesen wäre.

    Wird das also eines meiner "holperigen" Lektüren... ^^


    *New York New York

  • Der Kinderdieb von Brom

    Insgesamt gefällt mir das Buch bisher ziemlich gut. Der Autor schafft es, das unschuldige und unbeschwerte Flair von Peter Pan mit doch recht brutalen und blutigen Schilderungen zu verbinden, ohne dass es irgendwie erzwungen wirkt. Ich bin gespannt, wo die Story noch hinführt.

    So, bin jetzt seit gestern damit durch. So Rückblickend fällt es mir irgendwie schwer, ein klares Urteil zu fällen. Es war keine Zeitverschwendung, aber nochmal lesen würde ich es auch nicht. Das World-Building und die verwursteten Anleihen aus vor allem der Irischen Mythologie waren cool, die Story auch irgendwie bis zum Schluss spannend, die Wechsel in der Erzählperspektive waren auch gut und haben geholfen, die gesamte Situation doch irgendwie vielschichtig wirken zu lassen. Das Ende war in einem Detail überraschend, sonst aber nicht außergewöhnlich. Mir fehlt leider das Gefühl, dass man auch nach dem Lesen noch in der Geschichte / der Welt gefangen bleibt und gefangen bleiben möchte. :hmm:

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Hatte jetzt vor kurzem eine kleine Sammlung von H. P. Lovecraft Kurzgeschichten und von Leute, die Fragmente von ihm bearbeitet bzw. ihre eigenen Geschichten in seinem Kosmos geschrieben haben, mit dem Titel Der Cthulhu-Mythos. Uh, also, ich weiß immer noch nicht, ob ich Lovecraft jetzt supertoll finde, aber faszinierend ist es ja auf jeden Fall - nur halt nicht spannend oder so. Ich muss natürlich sagen, dass ich als Leser einfach aus der Humor- und Satire-Ecke komme und Horror jetzt nachträglich kennenlerne. :hmm: Naja, immer mal ein bisschen Lovecraft kann jedenfalls nicht schaden, denke ich.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich bin mal wieder bei Alexey Pehov und stecke mitten in den "Chroniken von Hara", soll heißen, ich bin nach Band 1 "Wind" nun beim Band 2 "Blitz".

    Ganz ehrlich - an seine "Chroniken von Siala" reicht Pehov damit bei mir nicht heran. Ich kann nicht direkt in Worte fassen, wofür es Punktabzug gibt. Wahrscheinlich ist das Ganze insgesamt für mich ein wenig zu langatmig. Es geht mMn nicht richtig vorwärts.

    Was mich hingegen unglaublich fasziniert, ist der Plot. Unvorhergesehene Wendungen, komplette Misserfolge, unverhoffte Gegner, lang vermisste Freunde und nicht zuletzt eine Auswahl an neuen magischen Wesen, die mich einfach umhaut, bauen eine Spannung auf, die mich zwingt weiterzulesen und über dieses Manko hinwegzusehen. Schließlich will ich ja wissen, ob seine beiden Hauptcharaktere Ness und Lahen ihr Ziel erreichen. :D

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Bin fertig damit. :) Es war grandios!


    "Der Meister und Margarita" ist ein Moskau-Roman und kommt über weite Teile ohne Protagonisten aus. Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Teil 1 behandelt die Ereignisse um eine Vorstellung von schwarzer Magie von Woland (Satan) im Theater, wo die ganze intellektuelle und reiche Welt von Moskau versammelt ist. Kapitel behandeln einzelne Personen, die von Satans Schergen heimgesucht werden und sterben, den Verstand verlieren oder sonstwie gestraft werden. Da könnte man Woland nun als Protagonisten verstehen, aber er tritt selbst gar nicht so viel auf, viel eher seine Schergen Korowjew und der Kater Begemot. Das ist teilweise so grotesk, bizarr, absurd (sucht euch ein Wort aus), dass es von Terry Pratchett sein könnte, als dieser in der Blüte seines satirischen Schaffens stand. Und es liest sich so leicht und lesefreundlich, das ist ganz wunderbar! Das kann nur zum Teil an der Übersetzung von Alexandra Berlina liegen, denn ich habe das auch bereits über die anderen Übersetzungen gehört. Bulgakow lag nicht viel daran, dass seine Satire nicht von einfachen Lesern verstanden werden konnte. ^^


    Der zweite Teil nimmt dann Margarita und den Meister mehr in den Fokus, wobei Margarita viel mehr Kapitel und Aufmerksamkeit bekommt, wodurch sie für mich zu einer Protagonistin wurde. Sie sucht ihren Geliebten, den sie den Meister nennt, und der spurlos aus ihrem Leben verschwand. Um ihn zu finden, nimmt sie die Hilfe Wolands an ...


    Parallel zieht sich durch das Buch ein Roman über Pontius Pilatus, dessen Bedeutung zu erklären nur mit Spoiler möglich ist. Ist jedenfalls sehr cool. :)


    Übrigens ist das Buch zwar stark an Faust angelehnt, aber nicht direkt an den von Goethe, sondern an die Oper. :) Die wiederum lehnt sich wohl an Goethe an, aber solche Adaptionen sind ja durchaus sehr unterschiedlich.


    Im Nachwort wurde das Buch auch als der erste russische Fantasy-Roman bezeichnet. Ehrlich gesagt bin ich nicht mehr sicher, wie man Fantasy sinnvoll definiert, aber ich bei solchen Aussagen grundsätzlich skeptisch. Ich meine mal gehört zu haben, dass fantastische Elemente für satirische Zwecke in Russland durchaus Tradition haben.


    Leseempfehlung für Leute, die humoristische Fantasy mögen. :) Beim Lesen fühlte ich mich durch die christlichen Elemente und die Vielzahl an Perspektiven immer wieder an "Ein gutes Omen" von Nei Gaiman und Terry Pratchett erinnert. Wer das mochte, sollte dem Buch mal eine Chance geben.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ausgelesen:

    Daß sich Sir Terry auf die Scheibenwelt als sein größtes Universum konzentriert hat, wußte ich ja schon immer. Trotzdem hätte ich NdkdMr irgendwo davor verortet, nicht als Ableger mittendrin.

    Das hat auch ein wenig mit dem schlichten Stil zu tun, den Pratchett hier verwendet (kann natürlich auch an der Übersetzung liegen...)

    Und daß es da auch noch zwei Folgebände gibt (Johnny Maxwell - Trilogy) ist mir ebenfalls neu.

    Ansonsten hat mich dieser erste Band gut unterhalten, in dem ein Dreizehnjähriger feststellen muß, daß die Aliens im Spiel "Nur Du kannst die Menschheit retten" die Schnauze voll davon haben, bei jedem neuen Spiel an seinem Computer weggeballert zu werden.

    Weil das - im Gegensatz zu Johnny - für sie kein Spiel ist. Also ergeben sie sich einfach und sorgen damit für erhebliche Probleme.

    Auf knapp 220 Seiten blitzen an vielen Stellen Pratchetts scharfsinnige Momentaufnahmen und philosophische Betrachtungen des Lebens durch, die ich an ihm von der Scheibenwelt so mag:

    Alles in allem eine sehr schöne Nachmittagslektüre auf meinem Balkon. Empfehle ich gerne weiter.

  • Aufstieg und Fall des D.O.D.O von Neal Stephenson und Nicole Galland


    Der Plot ist ziemlich schraeg - das D.O.D.O ist das 'department of diachronic operations' - eine Zeitreiseagentur, und das Buch beschreibt ihre Entstehung und was dann draus wird - erst mal als Ich-Erzaehlung aus dem Blickwinkel einer Protagonistin die als Expertin fuer historische Sprachen an das Projekt kommt, ab der Mitte dann aber aus einer Fuelle von Perspektiven - Praesentationen, internen Memos, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen,...


    Zeitreise geht mit Hilfe von Magie, dazu muss also eine Hexe her - die kann aber in der modernen Welt nicht arbeiten, denn Magie beruht auf Quantenunschaerfe, und die Photographie hat die aus der Welt geschafft, also muss erst mal eine Kammer konstruiert sein die keinen kausalen Kontakt zur Welt mehr hat und in der Magie dann wieder moeglich ist. So werden erste Menschen in die Vergangenheit verschickt - um erst mal ein historisches Buch zu verbuddeln in der Hoffnung es spaeter auszugraben, zu verscherbeln und so das Projekt zu finanzieren. Leider ist das nicht so einfach, denn in einer Quantenvergangenheit gibt es viele Straenge wie Dinge gewesen sein koennten, und so muss die Operation oft genug wiederholt werden dass sie auch auf die Gegenwart Einfluss hat - leider geht das aber nicht in allen und so weiter - und irgendwann merken auch die Hexen dass sie ja einfach die Sache mit der Photographie wieder rueckgaengig machen koennten um die Magie gar nicht aussterben zu lassen...


    Wie gesagt, der Plot ist schraeg, und das macht auch eine erste Schwaeche des Buches aus - es reisst sehr viele Themen an ohne stringent was draus zu machen - die Hexen koennen ja offenbar tolle Sachen (in ihrer ersten Magiesession in der Kammer verjuengt sich eine Hexe vom Greisenalter in eine junge Frau) - aber ueber weite Strecken ist alles ausser Zeitreise Peanuts - wieso?


    Es werden einige der konkreten Problematiken von Zeitreisen angerissen (Biokontamination, Sprachbarrieren, andere Gewohnheiten,...) - dann aber fuer meinen Geschmack schnell wieder fallen gelassen. Da entsteht ein funkelndes Feuerwerk von Ideen, fuegt sich aber nicht in einen Spannungsbogen, was dann durch die ganz unterschiedlichen Erzaehlperspektiven noch verschaerft wird.


    Eine gute Charakterentwicklung findet irgendwie gar nicht statt - dass die erste Protagonistin Linguistin ist bleibt ein blosses Mittel zum Zweck Sprachen nicht weiter beruecksichtigen zu muessen - was es tatsaechlich bedeutet eine antike Sprache irgendwie verwenden zu muessen die man aus zeremoniellen Inschriften kennt, wie man dafuer anders denken muss, die ganzen Details die einen echten Linguisten endlos faszinieren wuerden - Fehlanzeige.


    Die Highlights des Textes sind dann eher wie die moderne Organisationsstruktur einer Behoerde allmaehlich in die Start-Up Atmosphaere der Zeitreise eindringt - wie die Diversitaetsrichtlinie etwa untersagt die Hexen 'Hexen' zu nennen und an Halloween Hexenkostueme untersagt - was prompt von den Hexen unterlaufen wird die mit spitzen Hueten und Reisigbesen auf der Party auftauchen. Oder die Unfallverhuetungsrichtlinie die darauf hinweist dass berufsbedingt einige der Agenten Schwerter tragen und diese als Stolperfalle beim Anstehen in der Cafeteria dienen koennen.


    Witzig, aber dafuer dass solche Gags tragen ist das Buch mit 850 Seiten zu lang.


    Im Endeffekt bleibe ich mit dem Eindruck einer verschenkten Chance - viele teilweise richtig gute Ideen, handwerklich schlecht umgesetzt, fuegt sich nicht zu einer Geschichte oder zu Charakteren die mich in die Stimmung reinziehen wuerden.


    Leider.

  • Mistborn von Brandon Sanderson


    Das Setting ist eher apokalyptisch - eine Welt in der Vulkane staendig Asche in die Luft speien und in der kaum noch was waechst, in der grosse Teile der Bevoelkerung (die skaa) versklavt sind und der unsterbliche Lord Herrscher seit tausend Jahren das 'letzte Imperium' mit eiserner Hand regiert. Es gibt die allomancer, Menschen die kleine Vorraete an Metallen essen und dann 'verbrennen' koennen um Magie zu bewirken - etwa die Sinne unnatuerlich scharf zu machen, uebermenschliche Staerke zu erhalten oder die Gefuehle anderer zu manipulieren - sie stellen den Adel dar.


    Und ab und an ein uneheliches Kind der adeligen, das den Toetungsbefehl der verhindern soll dass Adel und skaa sich mischen ueberlebt hat.


    Die Geschichte folgt so einem Strassenkind, Vin, die ploetzlich in eine Ocean's Eleven artige Crew geraet die den groessten Job aller Zeiten beginnen - das letzte Imperium zu Fall zu bringen.


    Beim ersten Mal lesen vor ein paar Jahren hatte es mich nicht so begeistert, ich fand das Magiesystem der allomancy zu schematisch fuer eine gute Stimmung und das Setting nicht so ganz tragfaehig, aber beim zweiten Mal lesen - die Staerken sind eher in der psychologischen Beobachtung. Wie Vin etwa lernt ihren neuen Freunden zu vertrauen, das ist eigentlich sehr schoen eingefangen, und es sind immer wieder gute Plottwists drin die die Sache abwechslungsreich halten.


    Vielleicht werde ich auch weniger anspruchsvoll... naja, es reisst mich immer noch nicht vom Hocker, ist aber gute, solide Unterhaltung.

  • Habe neulich mit meiner Freundin Rumo und die Wunder im Dunkeln von Walter Moers beendet. :)

    Es ist immer noch so gut, wie es in Erinnerung habe. Kein Wunder, letztes Jahr habe ich ja erst das Hörbuch nochmal gehört. ^^

    Das schöne an Moers ist irgendwie sein Duktus. Man kann es wunderbar lesen, es fließt alles und anstrengend ist es nicht, aber es ist auch nicht so modern in dem Sinne, dass Sätze und Absätze künstlich kleingehackt werden, um auch ja keine Lesenden zu überfordern. :hmm: Schwierig zu beschreiben, man merkt es einfach in der Attitüde. Das entspricht einfach sehr meinem Schönheitsideal. Vielleicht habe ich das ja sogar von ihm?


    Ich empfehle es jedenfalls allen grundsätzlich, sofern man vor ein bisschen Blutrünstigkeit nicht zurückschreckt :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • The Well of Ascension von Brandon Sanderson


    Die Fortsetzung von 'Mistborn' - nach dem Fall des letzten Imperiums und dem Tod des Lord Herrschers muessen Vin und ihr Gefaehrte Elend lernen, die Reste des Reichs zu regieren. Was nicht so einfach ist, denn Warlords ruecken schon auf die Hauptstadt vor, und vor die Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit gestellt, entscheidet sich nicht die ganze Bevoelkerung fuer ersteres. Gleichzeitig stellt sich heraus, dass der Lord Herrscher wohl nicht nur Tyrann war, sondern dass seine Ordnung irgend eine Katastrophe verhindert hatte - die jetzt auszubrechen droht.


    Kurz gesagt - zu lang. Die Fortsetzung leidet unter dem Problem das viele aehnliche Geschichten mit einem heroischen Kampf gegen einen Uebergegner haben - die Spannung flacht ab. Der Leser muss irgendwie schlucken dass die gleiche Crew die einen Band vorher das unmoegliche vollbracht und das ganze Imperium zu Fall gebracht hat jetzt nichtmal mit drei Warlords fertig werden kann. Gleichzeitig wird viel des politischen Manoevrierens in der Hauptstadt geschildert, wie Elend lernt Politiker zu werden etc. - so dass der Band, trotz weniger Plot, mehr Seiten hat als der erste.


    Insgesamt hat es deutliche Laengen und Dellen in der Spannungskurve - die Grundidee des Plots finde ich trotzdem gut und gegen Ende nimmt die Geschichte auch wieder Fahrt auf, die ganzen menschlichen Beobachtungen was einen guten Anfuehrer ausmacht etc. sind akkurat - aber es fehlt das Tempo, und das schadet dem Band massiv - grade der Hintergrund von Teil 1 deklassiert ihn dann schon deutlich.