Das Kostbarste

  • @Tariq du schaffst es immer wieder solche Cliffhanger zu setzte.... Schäm dich :D


    Ich glaube, das ist bisher mein Lieblingspart :thumbsup: es war schön bildhaft, aber nicht zu langwierig und auch nicht zu kurz... Die perfekte Mischung. Aber auch, dass Matthes plötzlich merkt, was er eigentlich hat... Bin gespannt, wie die ganze Sache endet :thumbsup:

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • Das is jetzt nicht fair!


    :stick:

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Nach dem Essen sitzen die beiden Männer auf der Bank vor dem Haus und lauschen den Geräuschen, mit denen der nahe Wald die Nacht willkommen heißt. Ab und zu knarrt ein Ast und eine Eule huscht mit lautlosem Flügelschlag über sie hinweg. Aus dem Haus dringen die Stimmen von Mutter und Ingrid. Sie lachen fröhlich und Matthes hört Geschirr klappern.
    Leise seufzt er. Wie sehr er das vermisst hat. Gerade während der Monate, die er bei Gernot verbracht hat, sind seine Gedanken oft hier in der kleinen Hütte gewesen. Im Geiste ist er all die Dinge durchgegangen, die er ausbessern und reparieren muss. Und er hat keinerlei Bitternis dabei verspürt. Im Gegenteil, in dem Maß, wie er seine Hände für Gernot geregt hat, sind Pläne in ihm gereift, was er mit Haus und Garten zu Hause alles tun wird. Und er hat Vorfreude verspürt, ein warmes, wohliges Gefühl ganz tief in sich drin.
    Wohin ist der Hass verschwunden? Der ihm manchmal die Luft abgeschnürt hat und den er oft nur mühsam hat bezwingen können. Der ihm bittere und böse Gedanken eingegeben und verletzende Worte in den Mund gelegt hat.
    Er kann ihn nicht mehr spüren. Einzig dieses warme Gefühl in der Brust, das ist da. Und es wird noch ein wenig wärmer, wenn er an Ingrid denkt.
    Tief holt er Luft, dann steht er plötzlich auf und sieht Lorenz an.
    „Ich bin gleich wieder da, ich hole nur, was ich dir mitgebracht habe. Und dann lass uns unser Geschäft zu Ende bringen.“
    Lorenz hebt verwundert die Brauen. Doch er nickt und einen Moment später fällt die Haustür hinter Matthes ins Schloss.
    Zwei Minuten später ist der junge Mann wieder zurück. In der Hand hält er eine kleine Schachtel.
    Lorenz sieht erwartungsvoll zu ihm auf.
    „Ich denke, ich habe das Kostbarste gefunden“, stößt Matthes nun hervor. Angestrengt sucht er nach den richtigen Worten, druckst herum.
    „Nun?“, meint Lorenz gespannt. „Was ist es?“
    „Es ist eine Blume.“ Der junge Mann weicht dem forschenden Blick aus. Fast verlegen umklammern seine Hände die kleine Holzschachtel.
    „Eine Blume.“ Wenn der Zauberer verwundert ist, dann lässt er es sich nicht anmerken.
    Schweigen.
    „Zeigst du sie mir?“
    „Ich kann sie dir zeigen“, meint Matthes leise. Im Lichtschein, der aus dem kleinen Fenster über der Bank fällt, kann er das erwartungsvolle Gesicht des Älteren sehen. „Aber ich werde sie nicht gegen die Truhe eintauschen“, setzt er gleich darauf hinzu.
    Lorenz runzelt die Stirn.
    „Wieso nicht?“
    „Weil … sie ist … weil die Truhe …“ Matthes holt tief Luft. „Ich will sie nicht mehr. Ich will kein großes Haus mehr in der Stadt, keine Kutsche und keine Pflegerin für meine Mutter. Ich will hier leben, in diesem Haus. Mit meiner Mutter und mit Ingrid, die ich eben gefragt habe, ob sie mich heiraten will und die zugestimmt hat. Ich will hier arbeiten, am Fluss, an der Fähre. Ich will abends hier auf der Bank sitzen, meine Kinder spielen sehen und später meine Enkel. Alles das will ich. Und deine Truhe – die will ich nicht.“
    Lorenz sagt eine Weile nichts. Dann lässt er mit einem Schwenk seiner Hand die Truhe wieder vor Matthes‘ Augen entstehen.
    „Bist du dir ganz sicher?“, fragt er leise, während er ihm Gelegenheit gibt, sie ausgiebig zu betrachten, und seine Stimme hat einen fast lauernden Tonfall.
    „Das bin ich.“ Keine Sekunde überlegt der junge Mann, stößt die Worte richtig erleichtert hervor.
    Der Zauberer nickt langsam, während er ihn forschend betrachtet. Dann erhebt auch er sich von der Bank. Langsam breitet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus.
    „Eine gute Wahl“, gibt er zurück und legt dem Jüngeren die Hand auf die Schulter. „Und ich hatte gehofft, dass du dich so entscheiden wirst. So, wie es alle anderen vor dir getan haben, die von Neid und Missgunst zerfressen wurden und ihres und das Leben ihrer Familien mit ihrer Unzufriedenheit zur Hölle machten. Ich sagte nicht umsonst, dass die Truhe seit über zweihundert Jahren nicht den Besitzer gewechselt hat. Auch dein Vater, dem du sehr ähnlich bist, hat einst begehrliche Blicke darauf geworfen. Und genau wie du hat er ein Jahr in der Fremde verbracht auf der Suche nach dem Kostbarsten, um es gegen die Truhe zu tauschen.“
    „Mein Vater?“, stammelt Matthes verwundert. „Aber … was hat er mitgebracht, dass er die Truhe nicht mehr haben wollte?“
    „Seine Frau“, lautet die schlichte Antwort.
    Seine Frau. Matthes‘ Mutter.
    Der junge Mann schweigt beschämt. Die Mutter war seinem Vater kostbarer gewesen als die Truhe.
    „Du bleibst also dabei?“, fragt Lorenz noch einmal nach.
    Entschlossen nickt der Jüngere. „Ich bleibe dabei.“
    Eine leichte Bewegung der Hand des Zauberers lässt die Truhe vor seinen Augen wieder verschwinden.
    „Dann werde ich dich jetzt verlassen“, meint er und nimmt seinen Hut, der auf der Bank liegt.
    „Grüße deine Mutter und deine Frau. Ich lasse danken für die erwiesene Gastfreundschaft.“
    Matthes nickt.
    Lorenz macht sich auf den Weg, doch nach zwei Schritten dreht er sich noch einmal um.
    „Diese Blume“, fragt er, „wieso willst du sie behalten?“
    Der junge Mann muss nicht lange überlegen.
    „Sie ist das Kostbarste“, gibt er lächelnd zurück. „Sie macht zufrieden.“
    Nachdenklich nickt der Ältere, hebt noch einmal die Hand zum Gruß und geht.
    Als Matthes gerade die Haustür öffnen will, um hineinzugehen, fällt ihm ein, dass vor Lorenz ein langer Weg liegt und die Nacht schon begonnen hat. Beschämt wendet er sich noch einmal um, um ihn zurückzurufen und ihm ein Nachtlager anzubieten.
    Doch so angestrengt er auch auf den Weg späht, der sich hinunter zum Fluss windet, er kann niemanden mehr entdecken. Der Zauberer ist verschwunden.

    _________________________________________


    [spoiler](Bitte seid so nett und setzt eure Kommis in Spoiler, damit man nicht schon auf der Startseite lesen kann, wie ihr das Ende findet. ^^
    Und ich wüsste wirklich gern eure Meinung, ob das Ende so okay ist oder doof :/ )

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Okay, dann also im


    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • @Tariq schönes Happy End :)



    LG

    „Spätestens wenn erneut ein solches Zeichen auftaucht, werden Fragen gestellt. Wir sollten in der Lage sein, sie zu beantworten.“
    - Meister Lukras -


    Meine Geschichte
    Die Kriegerin von Catrellak

  • "Vem har trampat mina svampar ner?!"

  • -------------------
    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • @Cory Thain, @LadyK @Xarrot @Tom Stark



    Noch einmal :danke: für all eure netten Worte. Ich hoffe, ihr seid wieder dabei, wenn mich mal wieder die Muse küsst. ^^

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • ihr seid wieder dabei, wenn mich mal wieder die Muse küsst.


    Jaaaa, Mädel, lass Dich knutschen! :D


    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Mit nur ein paar Tagen verspätung hab ich das Ende auch endlich gelesen XD
    Schönes Ende. Nicht wirklich überraschend, nein. Trotzdem hat man sich immer wieder gefragt, was wohl als nächstes passieren wird. Es hat mir wirklich gut gefallen, daumen hoch und gerne mehr davon :D


    und mit Ingrid, die ich eben gefragt habe, ob sie mich heiraten will, und die zugestimmt hat.

    In den zwei minuten, in denen er die Schachtel holt, macht er ihr einen Antrag? Wow, sehr romantisch xD

    (Neues Bild kommt iwann)

    Genesis: Sie ist Azathoth, das amorphe Chaos in der zentralen Leere
    Josh: Meine Prophetin!

  • Lieben Dank, @Aztiluth ^^


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • @Tariq


    Eine tolle Kurzgeschichte!!!


  • Herzlichen Dank für dein nettes Feedback, @kijkou, schön zu hören, dass dir die Geschichte gefallen hat. ^^


    Hm, ein Rumpelstilzchen hatte ich eigentlich nicht vor meinem geistigen Auge, als ich Lorenz beschrieben habe. Muss ich nochmal schauen, durch was der Eindruck entsteht beim Leser. Manche meiner Leser dachten ja auch,



    Um das Gegenüber kümmere ich mich, mal sehen, ob ich es finde. ^^


    :danke:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • [spoiler]
    Verdammt, irgendwie gar nicht mit bekommen, dass das hier zu ende ging...
    Menno, ich hasse es wenn ich zu nichts komme.
    Aber jetzt hab ich alles gelesen. Schöne Geschichte, super Ende. Das mit der Blume sehe ich so wie Tom, fand deine/Mathes Erklärung aber gut.


    Meine Vermutung war zwar das er Ingrid als "DasKostbarste" anbietet, aber dann halt so...
    Sein Vater hat ja so gesehen meine vermutung dann halb gestützt :D
    Aber ja, das war meine Theorie. Ich dachte er erkennt Ingrind als das wichtigste an und behält sie dann doch, statt die Truhe zu nehmen.

  • :danke: @Etiam ^^


    Ich hatte wirklich viele verschiedene Möglichkeiten für ein Ende im Kopf, war dann gar nicht so leicht, mich zu entscheiden. Aber mit der Version kann ich gut leben. Kann Matthes dann später mal seinen Kindern erzählen. :D

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Writers aren't exactly people ... they're a whole bunch of people trying to be one person.
    - F. Scott Fitzgerald

  • Hey Tariq,


    so, Premiere. Endlich lese ich auch mal eine deiner Geschichten. :)
    Hier kommen meine Anmerkungen...bin erst bis Post 27 gekommen, lese aber sicher bald weiter.



    LG,
    Rainbow

  • Willkommen in Tariqs Märchenecke euch beiden, @Miri und @Rainbow. ^^


    Es war eigentlich nicht als Märchen geplant, es war als ... gar nichts geplant. Es floss mir aus den Fingern direkt auf die Tasten. Der Plot kam beim Schreiben. Oweh, das darf man bestimmt nicht einfach so laut sagen, wo die meisten User doch darauf schwören, dass eine Geschichte nur funktioniert, wenn der Plot vorher steht.
    Naja, die hier hats anders gemacht. Die ist einfach so - passiert.
    Danke für euer Interesse und euer Lob. Freut mich wirklich sehr, dass es euch gefallen hat.



    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________