Schreibwettbewerb Dezember 2018/Januar 2019 Voting & Siegerehrung

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    • Schreibwettbewerb Dezember 2018/Januar 2019 Voting & Siegerehrung

      Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 17
      1.  
        Dinge ändern sich (11) 65%
      2.  
        Der Held der Nation in mitten der Terrorherrschaft (1) 6%
      3.  
        Schatten der Vergangenheit (1) 6%
      4.  
        4L3X (0) 0%
      5.  
        Die Hoffnung stirbt zuletzt (4) 24%
      Einen wunderschönen, Jahresanfang wünsche ich

      Das Jahr 2019 beginnt mit dem Schreibwettbewerb! Ich habe ein paar Geschichten für euch und hoffe, sie gefallen euch :)

      Um es nochmal allen ins Gedächtnis zu rufen: das Thema wurde von unserem letzten Gewinner Tom Stark vorgegeben und lautete:
      Helden am Abgrund


      Die Geschichten werden gemessen am Datum ihres Einreichens willkürlich
      gepostet. So steht ihr im Bezug auf deren Autoren völlig im Dunkeln.


      ACHTUNG: Beim Voten
      ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen
      einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte
      bei eurer Stimmenabgabe!

      Das Voting dauert bis 31. Januar 2019 um 23:59:59 Uhr.

      Viel Spass beim Lesen und Voten!

      Euer Fantasy-Geschichten Forum

      PS: Sollte etwas fehlen, oder auf andere Weise nicht stimmen, bitte mit möglichst schnell per PN Bescheid sagen!
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Dinge ändern sich
      von @Kyelia


      Ein Stein fliegt durch die Luft, berührt die Wasseroberfläche einmal und versinkt nach einem zweiten Aufschlag in den Tiefen des Sees. Kleine Wellen schlagen sanfte Kreise, dann liegt die Oberfläche wieder glatt genug, dass mir mein faltiges Ebenbild entgegenstarren und mich mit Vorwürfen strafen kann.
      Ich starre zurück, doch der Bastard ist gut in diesem Spiel, weshalb ich schließlich ergeben zurücksinke und meinen Augen lieber etwas gönne, das nicht aussieht wie der Hintern eines Orks. Dabei knackt jeder Knochen als wären es die Äste der morschen Dorfeiche.
      Ich wollte nie alt werden und habe auch nicht damit gerechnet. Doch das habe ich nun davon. Obwohl ich einen Beruf ausführe, dem keine hohe Lebenserwartung folgt, bin ich gezwungen meinem eigenen Körper beim Schimmeln zu lauschen.
      Ich schließe die Augen und lasse mein Gesicht von der Sonne wärmen. Es ist ein schöner Tag. Die Vögel zwitschern und entfernt kann ich das Rauschen des Wasserfalls hören, der in den See mündet. Es könnte ein erholsamer Tag sein, wären da nicht die Schreie der Dorfbewohner, die an meine Ohren schallen und mich genervt seufzen lassen. Wie soll ein Greis je seine Ruhe finden, wenn um ihn herum ständig der Bär zum Stepptanz lädt?
      Meine Hand legt sich auf den Griff meines Schwertes, das neben mir liegt. Ein wohl vertrautes Gefühl und eine eingeübte Routine.
      Ob man mich an diesem Tag um Hilfe bitten wird? Es ist lang her, dass man nach mir, dem alten Kauz, verlangt hat. Gibt es doch so viele andere da draußen. Schnellere, stärkere und vor allem jüngere. Niemand braucht mehr den Typ, der seine beste Zeit schon vor drei Jahrzehnten hinter sich gebracht hat. Den Typ, der eher einen Gehstock und kein Schwert in den Händen halten sollte. Selbst Schuld. Wenn man einem klapprigen Hund einen Knochen zuwirft, wird er ihn nicht liegen lassen.
      Aber kann ich es ihnen verübeln? Nein. Helden in meinem Alter sind langweilig, erzählen nur immer wieder die gleichen Kamellen und können nicht mit den neumodischen Methoden mithalten.
      Heute will jedes kleine Kind ein Held werden. Jedes kleine Kind schaut zu Helden auf. Aber ein Held zu sein, ist mehr als sich begaffen und bewundern zu lassen. Es ist mehr, als einem die Sonnenseiten versuchen weis zu machen. Geschichten und Legenden schreiben sich nicht von allein. Auch, wenn ich mir in der Neuzeit nicht mehr so sicher bin. Zu meiner Zeit waren es noch Geschichten von Menschen, die wahnsinnig genug waren, sich in die Höhle eines Drachen zu wagen. Ob dieser Drache nun Feuer oder Beleidigungen ausspuckte.
      Nun rennen die Schreiberlinge den jungen Leuten nach, von denen die meisten nichts können, außer gut auszusehen. Mit Pergament und Feder notieren sie jeden noch so kleinen Witz und rühmen die Schönlinge in glorreichen Schlachten. Schlachten, die es zu meinen Zeiten nicht gegeben hätte und Schlachten, die zu meinen Zeiten undenkbar gewesen wären. Heute denken sich die Menschen immer neuen Blödsinn aus, um ihren Mitmenschen auf den Nerv zu gehen und um an möglichst viel Macht und Reichtum zu gelangen. Wobei ich den Ehrgeiz der vermeintlich Bösen bewundern muss. Versuchen diese auch heute noch an die gleichen lächerlichen Ziele zu kommen wie damals. Nur müssen sie sich dabei deutlich mehr Mühe geben, um die Aufmerksamkeit des Wunderknaben überhaupt zu erhalten.
      Was ist aus der ehrenwerten Rettung der holden Jungfrau geworden, die im Turm sitzt und auf ihren Prinzen in strahlender Rüstung wartet? Ganz einfach: die Prinzessin zieht die Rüstung selbst an und rettet sich selbst, statt auf etwas zu warten, von dem sie am Ende nur enttäuscht wird. Warum eine einzige Person retten, wenn es auch die ganze Welt sein kann?
      Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen, als ich an die Rettung meiner ersten Prinzessin zurückdenke. Wie ich sie gehasst habe. Als wäre Enttäuschung ein Wort, dass es nur auf Seiten der Befreiten geben durfte.
      Ich weiß noch, wie mir Giesela auf dem gesamten Rückweg die Ohren vollgejammert hat. Hier war es zu kalt, dort zu warm. Musste sie laufen, schmerzten die Füße, ritt sie auf dem Rücken meines Gauls, plagten sie Rücken und Hintern.
      Ich habe diese Frau gehasst, aber ich habe es mit tauber Zunge ertragen. Wie ein echter Held. Die Jugend von heute hat nicht mehr die Zeit sich Sorgen und Nöte anderer anzuhören und auch mal den kleinen Leuten zu helfen. Immer hoch hinaus. Und daran dann scheitern. Herzlichen Glückwunsch ihr armen Irren und mein Beileid an die Waschweiber, die keinen mehr zum Reden finden. Wobei ich auf diesen Teil auch gern verzichte hätte, hätte ich die Möglichkeit gehabt.
      Das Lächeln verschwindet aus meinem Gesicht.
      Nun hat jeder Idiot die große Klappe und meint seinen Unmut aller Welt mitteilen zu müssen. Als hätten andere Leute keine Probleme, um die sie sich kümmern müssen. Beschwerden hier, Gejammere dort. Und ganz beliebt, scheint der Fall des Helden. Wenn er am Abgrund steht und nicht mehr weiterweiß, am Ende seiner Existenz. Der junge Held, der mit seinem Aussehen nicht weiterkommt, den Kampf verliert und in seinen Selbstzweifeln versinkt. Alles Weichspüler, die mit Niederlagen nicht mehr umzugehen wissen. Hätte ich mich vor jedem Fehler in den Dreck geworfen, wäre bereits Gras über mich gewachsen und Bäume hätten sich in meinem Rücken verewigt. Nicht immer schafft man es beim ersten Anlauf, den bösen Bub aus seiner Todesburg zu prügeln. Nicht immer schafft man es rechtzeitig in das Dorf, das von übertrieben gerüsteten Banditen niedergewalzt wird.
      Das dicke Fell der Jugend erinnert eher an Herbstlaub. Löchrig und bei einer bloßen Berührung bröselig. Keiner entwickelt seinen Charakter noch ohne Sinneskrise oder Zweifeln.
      Wie haben wir Alten das nur geschafft?
      Und dabei gibt es unter den jungen Irren so viele, die mit Magie ausgestattet sind oder über andere starke Kräfte verfügen. Vor was muss man sich da noch fürchten? Vor was zurückschrecken? Aber Können schützt vor Persönlichkeit nicht.
      Wir Alten sind die Normalos von nebenan. Aber was haben wir noch zu melden? Wenn du in der heutigen Zeit nicht mindestens einen lächerlichen Feuerball aus deinen Fingern schießen kannst, hast du keine Chance. Welcher Bürger ruft schon nach Hans-Peter, wenn er stattdessen einen Aiden haben kann? Alles Angeber und Möchtegern Helden.
      Was kann das junge Gemüse, was der alte Sack nicht auch kann? Gut aussehen vielleicht, aber das bringt auch nichts, wenn der Drache die drei Brusthaare abgebrannt hat.
      Ich habe nie darum gebeten ein Held zu sein. Ich habe nie darum gebettelt mich mit Machthabern und Riesenechsen zu prügeln. Nein, ich habe mich einfach nur geweigert aus dem Weg zu gehen. Das Schwert hat mir jemand anderes in die Hand gedrückt.
      Was hat meine Mutter vor vielen Jahren einmal gesagt? Augen auf bei der Berufswahl.
      Jetzt will man Kraft, rennt den Abenteuern nach und wenn es keinen Streit gibt, wird dieser eben provoziert. Zu viel Held für zu wenig Machtlosigkeit.
      Ich wende den Blick vom Himmel ab. Noch immer schreien die Menschen und ich vernehme den Geruch von verbranntem Holz.
      Die Stirn gerunzelt, drehe ich meinen steifen Nacken und blicke in die Ferne. Über den Bäumen steigt Qualm auf. Träge zerwirbelt dieser im Abendhimmel, färbt sich rot, ehe er sich auf die Reise begibt.
      Da scheinen meine jungen Kollegen die Situation aber sehr gut im Griff zu haben.
      Ich betrachte die schmucklose Klinge, die neben mir liegt und atme tief durch. Ich habe es mir nicht herausgesucht ein Held zu sein, aber ich werde weitermachen. Ob die Leute es wollen oder nicht. Denn das ist es, was einen Helden wirklich ausmacht. Dass er nicht nur da ist, wenn er glänzen kann, wenn er gewollt ist und wenn er mächtig abstauben kann. Nein, ein Held taucht genau dann auf, wenn ihn keiner mehr erwartet, wenn niemand ihn gerufen hat. Ein Held sieht die Gefahr und greift ein. Er muss nicht darum gebeten werden.
      Ächzend erhebe ich mich, stütze mich auf meiner treuen Waffe ab, die ich schon lang nicht mehr mit nur einer Hand führen kann. Langsam wackle ich los, meinem Ziel entgegen, bereit den Menschen zu helfen, ob sie an mich glauben, oder nicht. Ich zittere voran.
      Ich bin der letzte Held der alten Generation und die Jugend kann mich mal!
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Der Held der Nation in mitten der Terrorherrschaft
      von @Mephistoria


      Wir schreiben das Jahr 1793. Ich stehe hier auf den riesigen Platz und um mich herum Gejohle. Das Volk jubelt angesichts des Mordes, der hier gleich stattfindet. Mein Katana schmiegt sich eng an mein rechtes Bein, während ich beginne mich durch die Menge zu kämpfen.
      „Wer ist das?“, tuschelt das Volk hinter meinem Rücken.
      Sie sollten eigentlich die Familie ihres Königs erkennen. Aber die Macht der Bourbonen ist unwiderruflich gebrochen. Mein Land wird nie wieder so sein, wie es war.
      Ich gehe durch die Menge der Menschen und ein Mann blickt mich plötzlich an. Er runzelt die Stirn und dann reißt er die Augen auf. Er hat mich erkannt.
      Unwillkürlich greifen meine Hände das Katana und ich bin beriet, es jederzeit mit jedem aufzunehmen, der mich verhaften will.
      „Seine Hoheit! Der Bruder des Königs ist unter uns! So hört doch, der Bruder des Louis Capét ist gekommen!“, ruft der Mann.
      Ich zog mein Katana und rannte durch die Menge.
      „Juliano de Bourbone, bleibt stehen! Im Namen der ersten französischen Republik, ihr seit verhaftet , Juliano Ferdinand Maria de Bourbone!“ , schrie Legrands Stimme.
      Ich tat aber nicht, was er von mir wollte. Eher würde ich sterben, als mich diesen Verbrechern der Monarchie zu ergeben.
      Ich war nicht mein Bruder, der König.
      Soldaten der Grande Armée stellten sich mir in den Weg. So weh es mir auch tat, das Blut meiner Nation zu vergießen, stand hier mein Leben auf dem Spiel.
      Das Katana sauste in die Brust des Soldaten und grub sich in das Fleisch. Der Franzose kippte nach hinten weg.
      „vive le Nation!“ , schrie mein zweiter Gegner und griff mich an. Ich parierte das Schwert und zog ihm die Beine weg. Ehe sich mein Gegner aufgerichtet hatte, erschlug ich ihn mit dem Griff des Katanas. Der Franzose sank tot, mit dem Gesicht zu Boden, vor mir nieder.
      Ich sah zu der Guillotine und entdeckte einen hölzernen Käfig.
      Mehrere unsterbliche Bürger standen in dem Käfig und sahen verzweifelt in meine Richtung.
      Ich würde mein Volk, das Volk des französischen vampirischen Königreiches, nicht unter der Hand von Menschen sterben lassen.
      Meine Augen färbten sich weiß und ich rannte auf den Käfig zu.
      „Haltet den Prinzen auf!“, befahl der Oberbefehlshaber der Soldaten und diese stellten sich in einer Reihe auf. Sie gingen in die Knie und legten ihre Gewehre an.
      Ich beschleunigte mein Tempo und sprang in dem Moment hoch, als die ersten Schüsse fielen.
      Nun segelte mein Körper über die Soldaten hin weg und direkt an das Gitter des Käfigs.
      Meine Finger krallten sich in das Holz und ich fuhr meine Krallen aus.
      „Eure Hoheit, bitte befreit uns!“, flehte eine rothaarige Frau mich an.
      „Das werde ich, Madam!“, versprach ich der Frau und kletterte auf den Käfig.
      Ich verwandelte mich vollständig in den Vampir, der ich seit dem Tuileriensturm war. Nun packte ich mit einer Hand eine Strebe des Holzkäfigs und riss diese heraus. Fauchend schleuderte ich das Holz in die Menge.
      „Erschießt ihn! Tötet das Monster!“, schrie Legrand und es sausten sofort Kugeln auf mich zu.
      Ich war in der Lage diese zuhören, bevor sie mich erreichten und wich der Gewehrmunition aus.
      Die zweite Holzstrebe riss ich heraus und schleuderte sie auf die Soldaten.
      Dann sprangen die sechs Vampire aus dem Käfig und ich nahm die Frau, welche mich vorhin angesprochen hatte an der Hand.
      „Mercy, euer Majestät!“, sagte sie und strahlte über das ganze Gesicht. Sie küsste meine Finger mit dem Ring meines Großvaters, Ludwig der XV.
      „Mercy Madam!“, wiederholte ich und hob sie dann vom Käfig herunter.


      „Folgt mir!“, rief ich den Befreiten zu und wir rannten davon. Als ich den Place de la Révolution verließ hörte ich laute Verwünschungen. Ich blickte zurück und sah die Kutsche auf dem Platz fahren.
      „August!“, stieß ich den eigentlichen Geburtsnamen des Königs aus.
      Ich drehte mich um.
      „ Euer Majestät!“, rief die Frau und griff meine Hand.
      „Ja, Madam!“, fragte ich.
      „Ihr seit unser Held, Prinz.“ , sagte sie, „ Der Held der Franzosen, des gesamten unsterblichen Volkes von Frankreich.“
      Ich lächelte und zog meine Hand aus ihrem Griff.
      Dann wandte ich mich zum Platz.
      Die Kutsche hatte bereits fast die Guillotine erreicht.
      „Ich werde dich retten, Bruder!“, versprach ich August im Stillen und rannte los.

      Meine Füße trugen mich schneller über den Platz als es ein Mensch vermochte. Ich versteckte mich hinter einem der Wachtürme und sah, wie die Kutsche stehen blieb.
      „Volk von Frankreich, dieser Tag wird noch lange in den Erinnerungen bleiben. Wir beenden heute Jahre lange Tyrannei unter der Herrschaft von Ludwig dem XVI. Unser König wurde zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Lassen wir Louis Capét nun heute untergehen. Lassen wir die Unterdrückung, den Hunger und die Lehnsherrschaft untergehen. FREIHEIT, GLEICHHEIT BRUDERLICHKEIT!“, rief Legrand.
      Das Volk antwortete ihm auf französisch. Über den gesamten Platz hallten die drei Worte der Revolution.
      Dann wurde die Kutsche geöffnet und das Volk rief immer wieder: „ Louis Cápet!“.
      Der König trat aus der Kutsche und Augusts Augen suchten die Menge ab.
      Ich machte mich zum Sprung bereit.
      Ich hatte nur eine Chance.
      Mein Bruder stolperte als sie ihn die Treppe zum Podest hoch zerrten.
      Die Augen des Königs streiften mich und ein Lächeln umspielte die Lippen meines Bruders.
      Die Wachen zogen ihn hoch und ich sah wie er seine Vampirfänge fletschte.
      Ich hielt Blickkontakt und schüttelte den Kopf.
      August sah mich müde und hoffnungslos an.
      „Du stirbst nicht! Nicht heute!“, flüsterte ich und trat hinter dem Turm hervor.
      „Ich lasse nicht zu, dass ihr meinen Bruder richtetet! Verbrecher! Feinde des Königreichs!“, schrie ich und zog mein Katana.
      Die Wachen griffen mich sofort an. Ich ließ mich einfach Beschießen. Steckte jede Kugel weg, während ich auf die Guillotine zu ging.
      „Juliano! Juliano!“, rief der König und ich sah wie sie ihn zum Fallbeil zerrten.
      „NEIN!“, schrie ich und meine Augen wurden rot. Ich jagte schnell, rasend schnell vorwärts.
      Schüsse lähmten meinen Körper.
      Meine Augen sahen, wie sie ihn schlugen, ihn zwangen auf die Knie zu gehen.
      Das Volk johlte und war außer sich.
      August sah mich an, ehe sein Kopf unter das Messer gedrückt wurde.
      „Möge ich der letzte Bourbone sein, der das Los des Sterbens teilt. Führe du , die die an uns glauben weiter. Sei der nächste Ludwig. Ich liebe dich, Juliano!“, sagte Ludwig der XVI.
      Ich erreichte das Podest und schrie. Ich schrie wie ein Tier das starb. Ein Zischen hallte in meinen Ohren wieder, als ich meinen Fuß auf die Treppe setzte.
      Das Beil fällt und wie in Zeitlupe fliegt der Kopf meines Bruders zu Boden. Der Kopf des Königs prallt auf dem Holz auf und wird unter Jubel von Legrand hoch gehoben.
      „König Ludwig der XVI. ist tot!“, verkündete Legrand.
      Wütend stieg ich die Treppe hoch und packte Legrand. Meine Zähne beißen sich in seinen Hals fest. Ich schleudere den Körper auf das Fallbeil und ziehe die Klinge hoch. Dann lass ich die Schnur fallen. Der Körper wird mitten durch geteilt.
      Soldaten strömen zu mir, um mich fest zu nehmen.
      Ich starre auf August Kopf und Schreie. Schreie meinen Schmerz heraus.
      „ Juliano de Bourbone! Wir verhaften euch, wegen Mordes!“, reif der Hauptmann.
      „Nein, Niemals!“, zische ich und wende mich nun an das Volk: „Die Bourbonen sind nicht vernichtet. Für diesen Mord wird ganz Frankreich bezahlen. Mögen die Vampire die Revolution abschlachten, so wie sie unsere Familien getötet hat.“
      Damit fauche ich und mein roten Augen und meine Zähne lassen alle Menschen auf dem Platz zurückschrecken.
      Dann packe ich den Kopf des Königs und renne davon. So schnell, dass mich kein Menschenauge sieht.

      Bei Sant Denis angekommen lege ich den Kopf in meine Arme und wiege ihn wie ein Kind hin und her. Der Schmerz überwältigt mich und Tränen tropfen auf die eiskalten Wangen meines Bruders.
      Ich bin am Ende und mein Körper versagt mir den Dienst. Ich falle auf die Knie und die Bilder der Hinrichtung ziehen an mir vorbei.
      „Nein! Nein! August!“, schluchze ich verzweifelt und kralle mich an dem Kopf fest. Streiche über seinen Mund, fahre durch sein Haar und wandele am Abgrund meines Verstandes. Der Schmerz zieht in jede Faser meines Körper und lässt mich beben. Ich greife seine Vampirzähne. Mit einen Ruck ziehe ich sie heraus.
      „Du wirst nicht vergessen werden, Das Verspreche ich.“, flüstere ich und lege den Kopf vor mich auf die Schwelle der Grabeskirche meiner Familie.
      Ich weine, weine um meinen Bruder, um meine ganze Familie.
      Vor Minuten war ich noch ein Held. Doch nun wandele ich in Trauer und Schmerz am Abgrund.
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Schatten der Vergangenheit
      von @YvonneBeetz


      Es war ein gewagtes Spiel und Edoardo wusste es.
      Die Ermittlungen zu den vier toten Frauen stockten. Sie kannten zwar die Identität des Täters war, konnten es ihm aber nicht beweisen.
      Ohne jemanden zu informieren, hatte er ein Treffen mit Lybas am Calton Hill vereinbart. Er hatte ihn wage um Hilfe bei Ermittlungen gebeten und ihn ansonsten im Dunklen gelassen.
      Seit einer halben Stunde wartete er nun an der Weggabelung die zum National Monument hinaufführte.
      Es war bereits dunkel und nur vereinzelte wagemutige Touristen kraxelten zwischen den historischen Gebäude herum. Wenigstens Gealaicha hätte er in seinen Plan einweihen können. Wer weiß, vielleicht verfolgte Lybas sie besonders hartnäckig, da er wußte, dass sie eine Cleena war.
      Nein, es war besser so.
      Schwere Schritte hallten von der Altstadttreppe zu ihm.
      Wenn es tatsächlich Lybas war, dann war er ohne seine Wächter erschienen. Sehr gut.
      Eine bullige und ihn überragende Gestalt kam auf ihn zu: “Mr. Inspektor Barsom?”
      “Ja. Mr. Lybas,vielen Dank, dass sie dem Treffen zugestimmt haben.”
      “Sie klangen am Telefon ziemlich geheimnisvoll und waren gleichzeitig sehr fordernd. Ich will ja keine Schwierigkeiten mit den Behören. Das will keiner, nicht wahr?”
      Edoardo nickte: “Natürlich. Gehen wir ein Stück.”
      Er zeigte auf den Regent Walk, der um den Hügel herumführte und atemberaubende Ausblicke auf die beleuchtete Burg über der Altstadt von Edinburgh bot. Sie schlenderten schweigend den Weg entlang, bis es Lybas vor Neugier nicht mehr aushielt: “Wie kann ich helfen, Inspektor?”
      “Sie haben sicherlich von den Ranken-Morden gehört.”
      “Ja, habe ich. Steht in allen Zeitungen.”
      “Und was wissen Sie über das mythische Kriegerinnenvolk der Cleena?”
      Wie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen, blieb Lybas stehen. Drehte sich dann zu Edoardo und drängte ihn an die Mauer, die den Weg begrenzte.
      “Was wollen Sie mir unterstellen?”, brüllte der Unternehmer den Polizisten an.
      “Moment. Beruhigen Sie sich ...”
      Weiter kam er nicht. Lybas packte ihn an den Beinen, hob ihn wie ein Paket hoch und warf ihn über die Mauer.
      Kein Sicherheitsgeländer fing seinen Sturz auf, nur einige Äste der Ginsterbüsche streiften ihn, die er zu fassen versuchte.
      Dann schwebende Leere.
      Der Schwung schleuderte ihn bergab. Er bekam einen Stein zu fassen, rutschte ab, fasste mit einer Hand einen weiteren und merkte wie sein Körper in der Luft über einen Abgrund baumelte.
      “Hilfe! Hiiilfe!”
      Er wagte es nicht sich umzudrehen und so verhallte sein Ruf in den Stein vor ihm.
      Wer sollte ihn hier finden?
      Niemand.
      Mit der zweiten Hand versuchte er seinen Halt und seine Kraft zu verteilen. Irgendwie musste es ihm gelingen, sich hochzuschwingen.
      Und verflixt noch eins, Lybas war entkommen. Wodurch hatte er sich verraten? Allein durch das Wort Cleena?
      Niemand hätte ihm das voraussagen können.
      Schabende Geräusche drangen an sein Ohr.
      Was war das?
      “Inspektor?”, flüsterte eine Frauenstimme.
      Waren das die letzten Sekunden vor seinem Tod?
      Spielten seine Sinne verrückt?
      Er mußte sich verhört haben.
      “Inspektor. Wenn Sie noch am Leben sind, antworten Sie mir gefälligst.”
      “Ich bin hier”, krächzte er und fing an leise zu lachen.
      “Können Sie ein Seil fassen?”
      “Nein, ich hänge über dem Abgrund.”
      “Okay. Ich komme zu ihnen runter.”
      Noch nie war er dankbarer Gealaichain seiner Nähe zu haben.
      “Ich werde ihnen einen behelfsmäßigen Knotensitz anlegen.”
      Routiniert legte sie eine Achterschlaufe des zweiten Seils, dass sie mitgebracht hatte, umfasste seine Hüfte, zog es unter seinen Schritt, sicherte ihn mit einem Schraubkarabiner und trotz der lebensbedrohlichen Situation in der er sich befand, konnte er ihre angenehme Nähe nicht ignorieren, die ihn auf andere Gedanken brachte.
      “Halten Sie möglichst still.”
      Sofort verharrte er.
      “Fertig. Wir können nach oben klettern.”
      “Danke”, räsuperte er sich. “Fesselspiele also.”
      Jetzt wo sein Leben nicht mehr auf dem Spiel stand, war er zum Scherzen aufgelegt.
      “Inspektor, das ist ...”
      “Nenn mich endlich Edoardo.”
      “Na gut, Edoardo. Nur weil ich eine Cleena bin und eine Polizistin noch dazu, heisst das nicht, dass ich gern Räuber und Gendarm spiele.”
      “Schade, ich schon.”
      “Tatsächlich? Du verkohlst mich? Du willst dich wie diejenigen fühlen, die ein Verbrechen begangen haben? Ohne mich.”
      “Ich war nie der Räuber, immer der Gendarm, Gealaicha.”
      Sie mochte seine gälische Aussprache ihres Namens, die ihr Schauer über den Rücken jagte, die nichts mit dem kühlen Hauch vom Meer zu tun hatten.
      Die weitere Strecke legten sie schweigsam zurück.
      Endlich langten sie oben an.
      So erschöpft beide waren, lies es sich Edoardo nicht nehmen, seine Retterin zu sich zu ziehen und sie ausgiebig zu küssen.
      Grinsend löste er sich von ihr und als er das Seil aus dem Mauerhaken löste, bemerkte er in der Nähe die blauen Rundumleuchten von Polizeiwagen.
      “Gealaicha, haben wir ihn?”
      “Das werden wir gleich sehen.”
      Sie rannten zu den Blaulichtern und sahen die bullige Gestalt Lybas in Handschellen, der von einem Kollegen abgeführt wurde.
      Goldene Blitze knisterten plötzlich über den Platz und alle Blicke wandten sich der gleißenden Helligkeit zu.
      Wie einem Kokon aus Sonnenlicht, erstieg daraus Myrina - die Königin der Cleenas.
      “Was willst du hier?”, brüllte Lybas sie an.
      “Was bist du für eine herzlose Anführerin?”, schrie er seinen Schmerz heraus, heftig an den Handschellen zerrend, während Inspektor Barsom zu ihm eilte, um seinen Kollegen zu unterstützen. “Läßt es zu, dass selbst Tote Schmerzen erleiden müssen.”
      Myrina zuckte zusammen: “Wie meinen Sie das?”
      “Du hast nicht ihren Leichnam gesehen.”
      “Wessen Leichnam?”
      “Von Kate. Meiner Schwester.”
      Entsetzt schlug sich Gealaicha die Hände vor ihren Mund: “Kate starb 2017 bei dem Terroranschlag in Manchester.”
      Langsam trat sie näher: “Sie sind ihr Bruder? Das tut mir leid.”
      Inspektor Barsom blieb stehen und Lybas nutzte die Freiheit sich umzudrehen, um direkt ins Antlitz der Amazonenkönigin zu schauen. Gealaicha ignorierte er.
      “Du musstest sie nicht identifizieren, sondern ich. Der, den sie von sich gestossen hat, seitdem sie euch unterstellt war. Sie sind jetzt meine Familie, hat sie immer wieder beteuert. Ja, toll. Aber ich musste in die Leichenschauhalle. Und wo war da ihre angebliche Familie?”
      Niemand antwortete ihm.
      “Keine Ahnung. War keiner da. Ich will es euch erzählen. Das habt ihr verdient. Ihr Gesicht war schmerzverzerrt in ihrer Leiche erstarrt. Und euer beschissenes Medaillon hat nicht nur ein einfaches Brandmal hinterlassen, sondern war in ihre Haut eingeschmolzen. Sie sah wie ein Monster mit einer entstellten Fratze aus.”
      Geschockt und tief bewegt umfasste Myrina wie in Trance ihren eigenen goldenen Anhänger, der in verschnörkelten Ranken den ewigen Lebensbaum zeigte, den ihr Volk bis in alle Ewigkeit zu beschützen hatte.
      In diesem Moment erschienen wie aus dem Nichts alle ihr unterstehenden Clennas bewaffnet rings um sie. Sie hatte überhaupt nicht nachgedacht, dass sie sie mit dem Berühren des Zeichen zu sich rief.
      “Ha! Du denkst, deine Armee beeindruckt mich?”, fuhr Lybas fort, als er in die ihn grimmig anschauenden Kriegerinnengesichter sah. “Schön. Dann sollen es alle hören, welche Schandtat du zu verantworten hast. Das Bild der silbernen Linien in Kates Körper habe ich nie wieder losbekommen. Jede Nacht träume ich davon. Du Königin, trägst die Schuld an den getöteten jungen Frauen. Nicht ich. Dir sollten damit die Augen geöffnet werden, was du deinen Gespielinnen antust. Dich interessiert nicht ihr Opfer. Solange es dich nicht persönlich trifft, wäschst du deine Hände in Unschuld. Nicht wahr?”
      Ein irres und lautes Lachen entfuhr ihm aus der Kehle, dass es bis zu den Bergen zu schallte.
      “Das genügt.”
      Barsom fasste ihn an den Armen und führte ihm zum nächsten Auto der Scottish Police. Vom weiteren Gezeter Lybas blieb er unbeeindruckt.
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • 4L3X
      von @Sarah

      Evan ging die Treppe zur U-Bahn-Station hinunter und suchte nach seinem Bruder. Er ging zur ersten Säule nach rechts und schaute durch die Menge bis er ihn vor einem Graffiti sitzen sah, was einen weißen technischen Flügel darstellte. Nachdem er seinen Kragen gerichtet hatte und seine Hände in den Jackentaschen versteckte, ging er nun zu ihm hin.
      »Was willst du?«, fragte der Bruder.
      »Ich wollte dich fragen, ob du uns beim jetzigen Fall helfen könntest.«, bittet Evan.
      »Worum geht es? Diebstahl, Entführung, Mord?«, zählte er auf.
      »Die Tochter vom Bürgermeister wurde gestern Abend auf dem Heimweg entführt.«, antwortete Evan.
      »Habt ihr schon Anhaltspunkte, wer es gewesen sein könnte?«, möchte er wissen.
      »Nein, bislang haben wir nur einen Brief. Er hat aber seine Initialen drunter gesetzt«, berichtete Evan, während Alex seinen Kopf bewegt und seinen älteren Bruder anschaute.
      »Kann ich es mir anschauen, den Brief?«, fragte Alex.
      »Ja, ich habe eine Kopie dabei«, sagte Evan und holte den Brief aus seiner Jacke. »Hier, ich muss jetzt wieder, melde dich mal«, fuhr er fort und verließ die U-Bahn-Station.
      Alex stand auf, zog sich seinen Rucksack an und ging rechts um die Ecke, ein Glück, dass die meisten schon gefahren sind. Die Station war bis auf zwei Personen leer und er konnte ungestört den Brief lesen.
      »Hallo Herr Bürgermeister, hiermit teile ich ihnen mit, dass ihre Tochter sich in meiner Gewalt befindet. Überlassen sie mir Nohen76 und ich lasse sie gehen. Sie haben vierundzwanzig Stunden Zeit. M1L3S.«, las Alex leise vor. »Irgendwo habe ich den Namen schonmal gesehen, wo war das nur?«
      Alex setzte die Kapuze von seinem Kopf ab und man sah die weißen kurzen Haare. Er ging zur gegenüberliegenden Wand und schaute sich das Graffiti an, ein halb technischer Engel.
      »Escion, finde den Aufenthaltsort von Miles, pass auf das dich niemand sieht.«, trug er ihm auf und schon drehte sich der Engel um und flog weg. Alex schaute sich nur kurz um und schon stand er wieder an seinem Platz.
      »Und?«, fragte Alex, bevor Escion mit dem Arm auf den Stadtplan zeigen konnte. »Der S. Medicine Tower… zwölfter Stock, da steckst du also. Danke Escion«, fügte er hinzu.
      Die Kopie des Briefes verstauchte er in seinem Rucksack und verließ die U-Bahn-Station, nachdem er seine Kapuze wieder aufgesetzt hatte.
      Alex ging zum Treppengeländer und nahm sein Fahrrad, nachdem er das schloß entfernte. Er fuhr die Straße entlang und hielt vor einem Großen Gebäude, der S. Medicine Tower an. Das Fahrrad stellte er neben der Eingangstür ab und betrat das Gebäude.
      Eine ältere Frau kam auf Alex zu und schaute ihn schon abwertend an.
      »Kann ich Ihnen helfen?«, fragte sie mit einem Unterton.
      »Nein, ich komme schon klar«, sagte er.
      »Sind sie sicher, dass sie sich nicht verlaufen haben?«, fragte sie genervt.
      »Ja bin ich und hören sie auf. Ihr Reichen haltet euch immer für was Besseres, das kotzt einen an.«, sagte er mit lauter Stimme und ging zum Fahrstuhl, während er die Frau verärgert in der Lobby stehen lässt.
      Als die Fahrstuhltür sich schloß, nachdem er auf die zwölf gedrückt hatte, schaute er sich um und fand keine Kameras.
      Oben angekommen, verließ er den Fahrstuhl und hockte sich hin, öffnete seinen Rucksack und holte gerollte Schablonen raus. Er rollte jede auseinander und sprühte mit Hilfe der Schablonen eine Tür an die Wand.
      »Escion, komm«, flüsterte er leise, nachdem er an die Tür geklopft hatte.
      Escion kam durch die Tür und schaltete den Strom ab, indem es seine rechte Hand auf den Stromkasten legte. Der Engel schwebte durch die Mechanische Schiebetür hindurch, auf den Weg zu M1L3S.
      »Scheiß Stromausfall, so kann ich nicht arbeiten.«, fluchte Miles. »Wo lag nochmal die verdammte Taschenlampe«, fluchte er weiter und fühlte auf einmal etwas langes und hartes auf dem Servierwagen liegen. Er griff fest danach und schaltete nun die Taschenlampe an, der strahl leuchtete direkt Escion an. Die Taschenlampe konnte nicht schnell genug wieder ausgehen, so sehr hat er sich erschrocken
      »I-ich bin nur überarbeitet und müde, das ist alles, ja… «, stotterte er auf einmal und richtete den strahl nach kurzer Zeit wieder zur Schiebetür. Erleichtert atmete er aus und drehte sich zur bewusstlosen Tochter des Bürgermeisters um, damit er sich ein zweites Mal erschreckte und die Taschenlampe fallen ließ.
      »W-w-wer oder was bist du«, stotterte Miles erneut.
      »Mein Name ist Escion, ein Mechanischer Engel der Gerechtigkeit. Sie haben ein unschuldigen Menschen entführt und einen anderen erpresst. Dafür werden sie büßen«, sagte Escion und verschwand. Mit einem Seil tauchte er hinter ihm wieder auf und fesselte ihn, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Escion schwebte zurück und verschwand in der Wand, nachdem das Licht wieder angegangen war. Alex rollte die Schablonen wieder zusammen, verstauchte sie in den Rucksack und versteckte das Graffiti hinter einem Schrank, den er davor schob.
      »Komm mit einem Team zum S. Medicine Tower, oberste Etage«, schickte Alex als SMS an seinen Bruder und betrat den Fahrstuhl.
      Als er unten ankam, verließ er mit gesenktem Kopf das Gebäude, während die Polizei rein kamen und zum Fahrstuhl gingen.
      »Was ist denn hier los?«, fragte die Frau in der Lobby.
      »Wir suchen jemanden und er soll sich hier aufhalten.«, berichtete Evan und zeigte ihr seine Polizeimarke.
      Evan betrat den Fahrstuhl und stellte sich vor das Team, bevor er die zwölf drückte. Nachdem sich der Fahrstuhl oben öffnete, verließ es das Team mit gezogener Waffe und gingen in das Labor, wo Miles gefesselt auf dem Boden liegend vorfanden und das Mädchen saß auf einem Stuhl. Evan näherte sich ihr und entknotete das Seil. Nachdem er den Puls an ihrem Hals gefühlt hatte, trug er sie hinaus.
      Alex saß wieder vor dem Graffiti und dachte nach. Was würde sein kleiner Bruder sagen, er hielt Alex für einen Helden. Zu wem er hinaufgeschaut hatte und als Vorbild nahm. Er saß aber auf der Straße, nach dem Streit mit seinem Vater. Ein Held am Abgrund mit einem Bewunderer.
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Die Hoffnung stirbt zuletzt
      von @Kleiner Liki


      Lautes Dröhnen schallte durch die Minenschächte der Orkfestung Rabidiom. „Schneller ihr Ausgeburten von verkrüppelten Goblins“, schrie einer der Sklavenaufseher die Zwerge zornig an. Zakur Silberschlag spuckte aus und hämmerte mit voller Wucht weiter. Er zog eine Grimasse, als er sich bewusst wurde, wie lächerlich seine Lage eigentlich war. Zwerge von Orks versklavt, sowas hörte man nichtmal in schlechten Geschichten. Viele Monate waren sie bereits dort, nachdem sie in einem Krieg mit den Orks in einen Hinterhalt gerieten. Die Überzahl war zwanzig zu eins gewesen, jedoch hatten sie trotzdem Dutzende der Orks in den Tod geschickt, bevor sie überwaltigt worden waren. Mittlerweile war ihre Anzahl dezimiert worden, denn es kam immer wieder zu Aufständen der Zwerge. Deshalb waren sie bloß noch etwa drei Dutzend starke Krieger. Nur die härtesten unter ihnen hatten überlebt, denn die Lebensbedingungen bei den Orks, waren unfassbar schrecklich. Ohne Grund wurden ihnen Schmerzen hinzugefügt, denn die Orks hatten Spaß daran. So kam es regelmäßig zu Auspeitschungen, wobei jeder zweite aufgrund der Brutalität der grausamen Kreaturen starb. Wertvolle Erze bauten die Zwerge ab, um daraus robuste, gefährliche Waffen und Rüstungen für die Schweinegesichter herzustellen. Stets wurden sie sehr stark bewacht, obwohl sie nichts besaßen, außer ihr Werkzeug das sie für die Arbeit benötigten.

      Davil Dunkelnase fiel hart auf den Boden, denn eine der Kreaturen hatte ihn geschubst. Kopfschüttelnd versuchte er die Sterne loszuwerden, die vor ihm tanzten. „Möchtest du etwa ausgepeitscht werden?“, fragte ihn ein selbst für Orkverhältnisse schlecht aussehendes Schweinegesicht. Anstatt unterwürfig auf den Boden zu schauen, blickte Davil Dunkelnase dem Monster herausfordernd genau in die blutunterlaufenen Augen. Meistens blieb er ruhig, jedoch hatten die Monate als Sklave ihn sehr verändert, sodass er seine ruhige Art verlor. Dann passierte etwas, was niemand erwartet hätte, Davil spuckte dem Sklavenaufseher ins Gesicht. Mehr verblüfft als zornig, starrte der Ork den Zwerg an. „Du hast es dir selber ausgesucht“, sagte das Schweinegesicht und setzte ein hämisches Grinsen auf. „Lasst ihn sofort auspeitschen“, brüllte der Aufseher voller Zorn. Die Zwerge, die den Vorfall bemerkt hatten, machten die anderen darauf aufmerksam.

      Alle Zwerge waren gefesselt mit einer Eisenkette, weshalb die Situation nicht so gut für sie aussah. Allerdings hatten die Zwerge schon längere Zeit einen Fluchtplan geschmiedet, deshalb waren sie bestens vorbereitet. Vereint fingen sie an mit ihren Spitzhacken, oder Hämmern auf ihre Ketten einzuschlagen. Die anwesenden Orks waren völlig verwirrt, denn sie hatten nicht mit einem Aufstand gerechnet, deshalb standen die meisten von ihnen nur blöd rum. Die ersten Zwerge hatten es geschafft sich zu befreien. Ein triumphierender Blick trat in die Augen der meisten Erdbewohner. Ihre verbliebenen Wächter organisierten einen verbitterten Widerstand, aber der Überraschungseffekt hatte ihnen stark zugesetzt. Nur noch eine Handvoll Orks stand den drei Dutzend Zwergen gegenüber. Vier von ihnen waren bei der Aktion erschlagen worden, jedoch hatten sie einen ehrenvollen Tod gehabt. Die Schweinegesichter liefen los um Alarm zuschlagen. Zakur Silberschlag, der Bruder von Davil Dunkelnase, warf seinen Hammer einen der Orks an den Kopf, mit einer ungeheuren Wucht. Der Kopf der Kreatur zerbasrt.

      Einige Zwerge hatten schon Waffen von den Getöteten genommen, trotzdem machten sie sich alle gemeinsam auf dem Weg zu einer der zahllosen Ausrüstungskammern. In kurzer Zeit wurde die Tür aufgebrochen und sie bewaffneten sich mit der Ausrüstung, die sie selbst hergestellt hatten. Es waren auch Rüstungen in ihrer Größe dabei, denn sie hatten es geschafft welche anzufertigen und dort hinzubringen, ohne das es jemand gemerkt hatte.

      Gut ausgerüstet machten sie sich auf den Weg, aus der Festung zu fliehen. Noch war kein Alarm geschlagen worden, da sie alle Aufseher umgebracht hatten. Hoffnung blitzte in den Augen von Davil und den anderen auf, während sie immer weiter vordrangen, ohne aufgehalten zu werden.
      Sie liefen durch Stollen, die schon Jahrhunderte existierten. Plötzlich hörten sie aus einem Gang links von ihnen, Geräusche die nur von Orks stammen konnten. „Schneller ihr tapferen Krieger, aber versucht so leise wie möglich zu sein“, raunte Zakur dem Rest zu. Allerdings war ihr Versuch nicht aufzufallen, kläglich gescheitert. Ungefähr hundert Meter hinter ihnen begannen Dutzende Schweinegesichter sie zu verfolgen. „Schlachten wir sie ab?“, frage Davil Dunkelnase in die Runde.
      „Es sind zu viele, und es werden immer mehr, wir dürfen keine Zeit verlieren, sondern müssen so schnell wie möglich aus dieser Höllenfestung fliehen“, antwortete Blobo Schwarzbart, einer der einflussreichten Zwerge unter ihnen. Nach seinen Worten, legten nochmal alle einen Zahn zu, obwohl man ihnen bereits ihre Erschöpfung ansehen konnte. Die Orks holten mehr und mehr auf. „Nehmen wir so viele von ihnen wir nur können mit in den Tod, falls wir es nicht schaffen“, sagte Kragix Eisenfaust, der ebenfalls ein sehr angesehener Zwerg war. Jedoch war dies gar nicht nötig, denn die Erdbewohner konnten schon Tageslicht am Ende des Stollen erkennen. Sie schöpften neue Hoffnung und hielten ihr Tempo bei. Dann hatten sie es endlich geschafft. Sonnenstrahlen schienen auf ihren Gesichtern, sodass sie die Augen zusammenkneifen mussten, denn Sonnenlicht hatten sie schon Monate nicht mehr zu Gesicht bekommen. Aber der Moment der Erleichterung war auch schon wieder nach wenigen Sekunden verschwunden, weil die Orks sie fast erreicht hatten. „Schnell auf dem kleinen Hügel dort formieren“, brüllte Zakur Silberschlag. Ungefähr hundert Schweinegesichter stürmten mit lauten Gebrüll aus sie zu. Ohne einen Hauch von Angst zu verspüren, traten die Zwerge ihnen mutig entgegen. Der Aufprall der beiden Parteien war heftig, aber er ging besser für die Zwerge aus, da sie den Höhenvorteil hatten. Allerdings machte sich die Überzahl der Feinde schnell bemerkbar, sodass sie langsam zurückwichen. Mit dem Mut der Verzweiflung schlugen die Erdbewohner voller Kraft zu. Sie hatten nichts mehr zu verlieren, nachdem sie nur noch siegen oder getötet worden konnten. „Rückzug Männer“, schrie Blobo Schwarzbart, der schon aus zahlreichen Wunden blutete. Mittlerweile verwendeten die Zwerge schon ihre letzten Kraftreserven, jedoch kämpften sie wie es sich für einen ihrer Rasse gehörte. Dutzende Leichen säumten nach kurzer Zeit den Boden, größtenteils waren Orks unter den Gefallenen. Als die Zwerge entführt worden waren, hatten sie nicht ihre Umgebung gesehen, weshalb das Terrarin für sie komplett neu war. Ein dichter Nebel lag auf der flachen Landschaft.
      Nach einer Zeit formierten sich die Orks erstaunlicherweise neu, deshalb hatten die Erdbewohner einen kleinen Vorsprung. „Zeigen wir den Schweinsgesichtern, aus welchen Stein wir gemacht sind“, rief Kragix Eisenfaust motivierend. Die Lage sah schlecht für sie aus. Es waren immer noch etwa sechzig Orks hinter ihnen her, und sehr wahrscheinlich kamen bald weitere hinzu. Außerdem hatten viele von ihnen Verletzungen im Kampf erlitten. Auch waren schon eine Handvoll der ihren zu Boden gegangen, weshalb sie nur noch dreißig an der Zahl waren. Der Feind rückte schon wieder vor, diesmal disziplinierter als vorher. Inzwischen hatten sie neue Kraft schöpfen können und liefen auch schon wieder in schnellem Tempo weiter. Davil Dunkelnase rannte an der Spitze und schaute traurig immer wieder über die Schulter. Während eines längeren Blickes, riss sein Bruder Zakar ihn urplötzlich mit einer gewaltigen Wucht zurück. Hart schlugen sie beide auf den Boden auf. Anfangs wollte Davil ihn anschreien und fragen warum er dies getan hatte, bis sein Blick auf den Abgrund vor ihm traf. Die Flüchtenden waren in einer Sackgasse, da vor ihnen eine ziemlich tiefe Schlucht lag. „Danke Bruder“, flüsterte Davil ihm zu. Mit Tränen in den Augen drehte er sich um und sah das die Orks sie fast schon wieder erreicht hatten. In der Zwischenzeit hatten die Schweinegesichter Verstärkung bekommen, weshalb sie wieder zweihundert an der Zahl waren. Traurig und freundlich zugleich, nickten sich die Zwerge zu. Keiner musste mehr sagen, dass sie alles geben würden. Zakur Silberschlag wischte sich den Schweiß von der Stirn, alsdann ihn auch schon die ersten Feinde erreichten.
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • So meine lieben :D

      Der Abstimmungszeitraum ist vorbei und wir haben eine Gewinnergeschichte. :party:

      Gewonnen hat mit 11 von 17 Stimmen (65%) ...



      Herzlichen Glückwunsch! :hail:
      Du darfst dir jetzt wie immer das Thema für den nächsten Wettbewerb aussuchen und dich über einen Eintrag in die Hall of Fame freuen :D

      Ansonsten könnt ihr jetzt nachschauen, wer welche Geschichte geschrieben hat, die Autoren wurden den jeweiligen Geschichten hinzugefügt.

      LG Chaos
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Gratulationswünsche an @Kyelia, ich habe mir deine Geschichte mal angeschaut, und muss sagen sie war wirklich gut. :thumbup:
      Von daher ein verdienter Sieg, da ziehe ich doch mit Freuden den kürzeren.^^
      Jedoch gab es ebenso andere gute Geschichten, deshalb auch eine gute Leistung an alle anderen hinausposaunt. :D
      Gedichte von mir: Geburtstagsgedicht , Erfolgreicher Sommertag, Das unglaubliche Mädchen :)

      Gute Freunde machen gute Zeiten besser und schlechte Zeiten leichter. ;) ^^

    • Gratulation @Kyelia :thumbup:

      Auch wenn die anderen Geschichten ebenso ihren Reiz hatten, war die Entscheidung für mich dieses Mal recht einfach :)

      Als ich diese Geschichte gelesen habe, war ich total begeistert. Das Thema war für mich 100% getroffen, unterhaltsam und lehrreich zugleich :thumbup:

      Aber auch vielen Danke für die anderen super Geschichten, die mir ebenso viel Freude beim Lesen bereitet haben ^^
      Die Welt war voller Wunder - Man musste sie nur sehen wollen...
      -Im Tal des Falken-
    • Dann mal vielen Dank für die Stimmen und die Glückwünsche! ^^
      Hätte nicht gedacht, dass ich mit diesem "an Silvester noch eben schnell hingeschriebenen" Geschichtchen so viele Stimmen bekomme XD

      Natürlich auch ein großes Danke an alle Autoren, die hier mitgemacht haben und ein dickes Lob für die vier klasse Geschichten! :love:


      Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
      - Toni Morrison -

    • @Kyelia Auch von mir Glückwunsch! Du hattest eben eine zündende Idee und hast sie prima umgesetzt. Da spielt es keine Rolle, ob du einen Tag oder eine Stunde dran gesessen hast. Gut, dass ich mich diesmal rausgehalten habe. Da liest man die Geschichten mit ganz anderen Augen. Dann gib mal ein hübsches Thema vor! :D
      Wortgefechte - Ein Schwert und sein Held

      Ok! Ich geh da lang und du da lang...
    • Neu

      Nachdem ich es etwas verpeilt habe ... :D
      Ich sprech das mal ab, evtl reichen ja auvh 2 Wochen zum Abstimmen :hmm:

      EDIT: Ich bereite es für morgen früh vor :)
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."