• Kapitel 1


    - DIE ELENDIGKEIT VON FAHRSTÜHLEN -

    «Das Problem mit diesem ganzen magischen Mist ist, dass er einem echt auf die Nerven geht.»



    Der alte Fahrstuhl war übel. Richtig übel, wie Dmitrij fand, kaum schlossen sich die mit Graffiti versprayten Türen. Es war diese eindrucksvolle Marke Horror-Fahrstuhl, die einen sofort bereuen ließ, dass man lieber faul und bequem sein Leben riskierte, als die Treppe zu benutzen. Wobei Dmitrij ernsthaft bezweifelte, dass ihn ein abstürzender Fahrstuhl umbringen konnte. Immerhin hatte er schon den ein oder anderen Autounfall überlebt, vorausgesetzt, absichtliches-über-den-Haufen-gefahren-werden zählte noch als Unfall. Abgesehen davon hatte man auch schon verflucht oft auf Dmitrij geschossen. In den Bauch. In die Brust. Hin und wieder sogar in den Arsch. Und dennoch - er hatte all diesen Mist überlebt. Dmitrij war ein Meister im Überleben. Es gehörte quasi zu seinem Job. Nur ein lebender Detektiv war auch ein erfolgreicher Detektiv, denn tot verdiente man keinen einzigen Kopeken. Sterben hatte einfach keinen Stil.


    Dmitrij war zum Ärger vieler Lebewesen nicht nur nicht tot, sondern auch verflucht gut in seinem Job. Er fand alles heraus. Falsche Identitäten. Affären. Nichts blieb vor seiner empfindlichen Nase als Detektiv verborgen. Er war zwar kein sonderlich taktvoller Mann, aber drauf geschissen. In diesem Business kam man nicht sonderlich weit, wenn man alles und jeden mit Samthandschuhen anfasste. Man wurde nicht für Mitgefühl bezahlt, sondern dafür, in einem alten Lada ohne Heizung herumzuhängen, Leute zu beschatten und dämliche Ehebrecher in Erklärungsnot zu bringen. Aber dieser Fall hier war anders. Größer. Dreckiger.


    Dmitrij konnte den Skandal bereits riechen, welcher im vermeintlich Verborgenen lag und sich ihm offenbaren würde, sobald sich die Fahrstuhltüren öffneten. Nun, falls sich diese öffneten. Das ungesunde Quietschen und Krächzen des Fahrstuhls ließ keinen Zweifel daran, dass die letzten Wartungsarbeiten noch lange vor dem Zerfall der Sowjetunion stattgefunden hatten. Scheiße, dachte Dmitrij und griff sich kurz in den Schritt, um seine Männlichkeit zu richten. Er hasste diese Jeans. Wieso zur Hölle nochmal hatte er sie nicht schon längst aussortiert? Sie war viel zu eng. Der Reißverschluss war unangenehm und drückte. Scheiße, verdammt. Hoffentlich bleibt dieser Fahrstuhl nicht stecken. Es wäre ein echter Jammer, wenn Dmitrijs ganze Mühen nur wegen eines dämlichen Fahrstuhls im Sand verlaufen würden. Wobei, so viel Mühe hatte ihn dieser Fall bis jetzt noch nicht gekostet. Dmitrij verdankte die meisten Informationen allein seiner äußerst schmackhaften Blutgruppe, mit der er einen gewissen Blutsauger leichter zum Reden bringen konnte, als einen auf Zwangsdiät gesetzten Schokoladensüchtigen mit Brownies. Jedoch hatte selbst der irre Graf Dmitrij geraten, lieber die Finger von diesem Fall zu lassen. Der Vampir war nur widerwillig mit wagen Angaben und spärlichen Details herausgerückt und vermutlich hätte er Dmitrij überhaupt nichts von dieser Sache erzählt, wenn er nicht so verflucht durstig gewesen wäre. Dieser Fall hier war eine verflucht fette Geldquelle, das spürte Dmitrij klar und deutlich, und die halb zerfetzte Kehle, die er dafür hatte zahlen müssen, allemal wert.


    Hier ging es um weit mehr als das Beweisen einer Affäre oder das Aufspüren untergetauchter Verwandte, die bei irgendeinem langsam ungeduldig werdenden Hexenmeister Schulden hatten. Nein, dieser Fall hier war politisch. Dmitrij war noch nie ein Freund der magischen Regierung gewesen. Besonders die obere Etage der Magischen, zu reiche Magier mit zu viel Einfluss, ging ihm gehörig auf die Eier und somit wäre es ein Verrat an seinen eigenen Idealen gewesen, wenn er sich nicht eingemischt hätte. Wenn er nicht auf Grafs Rat geschissen hätte und genau jetzt, in diesem Moment, das tat, was er nicht tun sollte. Nämlich hier sein. Der perfekte Detektiv. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Vorausgesetzt, dieser verdammte Fahrstuhl blieb nicht doch noch stecken. Was er nicht tat, zur Überraschung aller.


    Zumindest wirkten die zwei Zombies überrascht, die gerade dabei waren einen zusammengerollten Teppich aus einer Wohnung zu tragen, als sich die Türen des Fahrstuhls ächzend öffneten. Einen mit Blut verschmierten Teppich. Zusammengerollt. Groß genug, um darin eine menschliche Leiche einzuwickeln.


    «Jungs», sagte Dmitrij, der so viel Dummheit nicht fassen konnte. «Hollywood hat gerade angerufen. Die wollen ihre Idee zurück.»


    Die zwei Zombies sahen sich kurz verwirrt an, sichtlich wegen der Störung und dem dummen Spruch aus dem Konzept gebracht, dann ließen sie den Teppich fallen und rannten. Jedoch nicht davon, was Dmitrij durchaus begrüßt hätte, sondern geradewegs auf ihn zu. Und wenn es etwas gab, was selbst für einen Mann wie ihn ziemlich ätzend war, dann war es hochgiftiger Zombiespeichel. Diese untoten Mistkerle waren zwar ausgesprochen dumm, dafür aber verflucht schnell. Dmitrij hingegen war nicht schnell, es lag einfach nicht in seiner Natur. Man musste nicht schnell sein, wenn man mit bloßen Händen anderen Kreaturen den Kopf vom Hals reißen und mit ihrem Dickdarm Springseil springen konnte. Seine gesamte Anatomie war dafür ausgelegt, aus einem großen Mann ein noch größeres Ungeheuer zu machen. Jeden Monat, jeden verfluchten Vollmond.


    Dmitrij war selbst im menschlichen Zustand ein Kleiderschrank auf zwei Beinen. Laufen war nun wirklich nicht sein Ding. Er war gerade mit einem ausladenden Schritt aus dem Fahrstuhl gestiegen, als der erste Zombie bereits nach ihm schnappte. Kleine, aber unglaublich fiese Zähne hätten sich geradewegs durch Dmitrijs schwarze Sportjacke hindurch in seine Haut gebohrt, wenn er den blöden Untoten nicht rechtzeitig an der Kehle gepackt und auf seinen ebenfalls nach ihm schnappenden Kollegen geworfen hätte. Und wer schon einmal einen Zombie mit einem anderen Zombie verprügelt hatte, konnte sich in etwa vorstellen, wie angepisst Dmitrij gerade war.


    Die beiden Untoten brauchten einen Moment zu lange, um sich wieder aufzurappeln. Trotz ihrer Schnelligkeit waren sie kognitive und motorische Totalversager. Dmitrij trat beiden Geschöpfen mit einem widerlichen Schmatzen die hohlen Schädel ein. Eine Aktion rein aus dem Affekt heraus, die er sofort bereute. Angewidert starrte er auf die unappetitliche Suppe aus verwesten Flüssigkeiten, welche sich auf seinen nagelneuen weißen Sneakers ausbreitete. Memo an ihn selbst; endlich damit aufhören, immer die besten und neusten Schuhe für die widerlichsten Fälle anzuziehen.


    Die zwei Zombies zuckten noch kurz, dann erschlafften ihre Körper. Es erfüllte Dmitrij mit einer gewissen Zufriedenheit, dass wer auch immer diese verfluchten Wichser mit Magie geweckt hatte, seinen Zauber nun geradewegs um die Ohren bekam. Oh, wie sehr er diese Magischen verabscheute. Diese zauberhaften Wichtigtuer hielten sich aus Prinzip für die Krone der Schöpfung und lebten in dem Glauben, alle anderen Lebewesen wären lediglich Passagiere dritter Klasse, die nichts anderes taten, als mit ihrem lästigen Krach den VIPs im Luxusabteil auf die Nerven zu gehen. Die Magischen kauften und verzauberten alles, was sie in ihre gierigen Finger bekamen. Natürlich, es gab ja ach so tolle Gesetze, an die sich auch die Magischen zu halten hatten. Gesetze, die Magische für Magische schrieben, während ihnen Magische auf die Finger schauten. Es war eine einzige Farce. Bodenlos in ihrer verächtlichen Lächerlichkeit. Es war, als würde man einen Kannibalen ein Kochbuch für Vegetarier schreiben lassen.


    Apropos Magische. Das ist also der Haken an der Sache, dachte Dmitrij, während er sich dem zusammengerollten Teppich näherte. Deswegen ist der Fall so heiß. Da war Blut. Eine Menge davon. Trotzdem konnte er nichts riechen und es gab nur eine verdammte Spezies auf dieser verfluchten Erde, die keinen Geruch hatte. Magische. Sie löschten ihn aus dem Gedächtnis der Realität, sobald sie ihre Ausbildung abgeschlossen hatten. Es war ein aufwendiger Zauber, der Macht und Unantastbarkeit demonstrieren sollte. Man wollte damit den nicht magischen Pöbel auf Abstand halten und dafür sorgen, dass selbst solche Wesen wie Dmitrij keine Witterung aufnehmen konnten. Verfluchte Magische. Darum ging es also. Ein magischer Wichser hatte einen anderen magischen Wichser gekillt. Wie in den guten, alten Zeiten. Kein Wunder, dass Graf seine spitzen Zähne nicht auseinander bekommen hatte, als es um die Details dieses Falls gegangen war. Man biss nicht gerne in die Hand, die einen bezahlte. Das hier war wirklich fette Beute. Ein Mordkomplott unter den Magischen. Auch wenn sich diese zauberhaften Idioten früher einmal ständig gegenseitig aus dem Weg geräumt hatten, herrschte seit mehreren Jahrzehnten ein gewisser Frieden. Man machte lieber miteinander korrupte Geschäfte, als sich gegenseitig mit aufwändiger Magie um die Ecke zu bringen. Nun, zumindest bis jetzt. Irgendwer hatte wohl Sehnsucht nach den alten Traditionen bekommen. Vermutlich hatte sich ein Magischer eines jungen und lästigen Kollegen entledigt, der ihm irgendwie in die Quere gekommen war. Es gab eine Menge schnell aufsteigender Magische, die gerade einmal frisch ihre Ausbildung abgeschlossen und ihren Geruch losgeworden waren, aber schon eifrig bei den Großen mitmischen wollten. Sie waren ein gefundenes Fressen.


    Dmitrijs Verstand lief auf Hochtouren. Der Teil in ihm, der für seine detektivische Wahrnehmung zuständig war, hatte bereits alles erfasst. In seinem Kopf ratterte und arbeitete es. Vermutungen, Informationen und Fakten vermischten sich und ergaben zusammen die Antwort. Die Lösung. Wenn alles glatt lief, würde Dmitrij in weniger als vierundzwanzig Stunden ein reicher Mann sein. Nur leider interessierte sich die Realität nur äußerst wenig für Dmitrijs zusammengebastelte Lösung. Sie ging ihr sogar ziemlich am Arsch vorbei. Die Leiche im Teppich war nämlich kein Neumagischer, kein Frischling. Kein naiver Idiot, der mit den falschen Vorgesetzten ein magisches Armdrücken veranstaltet hatte. Es war die Leiche einer Frau, gut und gerne fünfzig Jahre alt, die nach einem raschen Aufrollen des Teppichs zum Vorschein kam. Sie war nackt und lag mit gebrochenen Beinen und Armen da, als wäre sie eine Balletttänzerin aus einem Gruselkabinett. Man hatte ihr die Haare abrasiert, ebenso wie die Augenbrauen. Nicht nur ihr Alter überraschte Dmitrij, sondern auch die offensichtliche Brutalität, mit der sie getötet worden war. Selbst während der rauen Zeiten hatten sich Magische an gewisse Regeln gehalten, was das Ermorden anderer Kollegen betraf. Man hetzte Dämonen auf seine Feinde. Man ließ sie den Zorn der Elemente spüren. Es gehörte zum guten Ton, seine magischen Feinde mit aufwändiger Magie zu töten. Nicht mit brachialer Gewalt. Das farblose und starre Gesicht der Frau kam Dmitrij irgendwie bekannt vor. Er hatte sie schon irgendwo mal gesehen. Ganz sicher. Er versuchte sich die Frau mit Augenbrauen und Haaren vorzustellen. Dunkle Locken? Nein. Braune und glatte Haare? Auch nicht. Blond? Ja. Dazu noch helle und schmale Augenbrauen. Etwas Schminke und übergroße Ohrringe - Scheiße!


    Dmitrij stolperte ein paar Schritte zurück. Er zog sein Smartphone aus seiner Jeanstasche und gab in die Suchleiste einen Namen ein. Sofort tauchten tausende Artikel, Bilder und Videos auf. Er wählte ein aktuelles Bild aus und vergrößerte es. Es zeigte eine blonde Frau in einem goldenen Abendkleid, aufwendiger Hochsteckfrisur und großen Goldkreolen. Sie hatte einen kleinen Zuchtdrachen im Arm, natürlich mit goldgefärbten Schuppen, damit das lebende Accessoire auch ja zur aufwendigen Garderobe passte. Zuchtdrachen waren bei den Magischen der letzte Schrei. Je seltener, umso besser. Der Drache auf dem Bild gehörte zu einer nahezu ausgestorbenen Gattung, was ihn wohl zum Blickfang des Abends gemacht hatte. Dennoch sah seine Besitzerin nicht sonderlich glücklich aus. Die Frau lächelte nicht. Natürlich nicht. SIE lächelte nie. Anna Nikitina, das berühmt-berüchtigte Resting Bitch Face der magischen Luxuswelt. Das Aushängeschild der Reichen und Schönen. Sie war Russlands einflussreichste Magische. Und neuerdings auch ziemlich, ziemlich tot. Zum ersten Mal in seinem Leben wünschte sich Dmitrij, dass er sich irrte. Aber es gab keinen Zweifel. Die nackte Leiche war Anna Nikitina. Misshandelt und verunstaltet, achtlos in einen verdammten Teppich eingewickelt, als wäre Dmitrij in die Dreharbeiten eines klischeehaften Krimis geplatzt. Er starrte erneut auf das Foto, dann wieder auf die Leiche.


    Er hatte auf einen großen Fall gehofft. Auf politische Skandale, mit deren Enthüllung er dem ein oder anderen Magischen mächtig ans Bein pissen konnte. Etwas Bestechungsgeld abgreifen. Er hatte seit dem Verlust seiner Lizenz immerhin ein paar wirklich harte Monate hinter sich. Aber das hier war selbst für ihn ein paar Nummern zu groß. Graf hatte Recht gehabt. Diese ganze Sache stank zum Himmel. Und zwar bestialisch. Dmitrij musste hier weg. Fersengeld geben, bevor er noch tiefer in die Nummer rutschte. Von wegen der richtige Mann am richtigen Ort. Das hier war ganz offensichtlich eine Falle. Jemand wollte, dass es Dmitrij war, der Annas Leiche fand. Jemand wollte, dass er es war, der über diese zwei Hohlköpfe von Zombies stolperte, nachdem er einer heißen Spur zu diesem schäbigen Wohnhaus gefolgt war. Denn jetzt mal ernsthaft. Eine Leiche in einem Teppich? Niemand, der nicht gefunden werden wollte, machte so einen Mist. Hier gab es kein Geld zu holen. Keine Enthüllungen, zumindest keine, die Dmitrij auch nur ansatzweise überleben würde. Es war eine Sache, ein paar aufgeblasenen Wichtigtuer ans Bein zu pinkeln - und eine ganz andere, mit Anna Nikitinas Leiche dazustehen. Dmitrij stopfte hektisch sein Smartphone wieder in seine Hosentasche und wollte gerade den Rückzug antreten, als ein paar Stockwerke weiter unten laut krachend die Haustür eingetreten wurde. Natürlich. Die Jungs vom Sondereinsatz klopften nur äußerst selten höflich an. Dmitrij witterte Schweiß, Silber und mürrische Arschlöcher in Uniform. Schwere Stiefel polterten die Stufen nach oben.


    Da war sie also. Die verfluchte Sonderpolizei, wie immer ganz der lästige Partycrasher. Dmitrij ging an Ort und Stelle auf die Knie, legte die Hände gut sichtbar an den Hinterkopf und versuchte wie jemand zu wirken, der sich nur ganz per Zufall in der Nähe einer nackten Leiche aufhielt. Nicht, dass es Dmitrij viel nützen würde. Die Sonderpolizei musste einen Tipp bekommen haben. Jemand musste gesungen haben. Dmitrij bezweifelte stark, dass sich Graf in die eigene Suppe gespuckt und seinen Kollegen den Hinweis gegeben hatte, dass sich ein ganz bestimmter und vor allem besonders verhasster Privatdetektiv mal wieder in Angelegenheiten der Polizei einmischte. Der Vampir war vieles, aber ganz sicher nicht dämlich. Es waren vier Polizisten, die am Ende der Treppe auftauchten. Sie trugen die übliche Uniform der MSP, Magische Sonderpolizei direkt aus der Hölle, und waren an Hand ihrer silbernen Halbmond-Abzeichen selbst für einen Blinden zu erkennen. Die ausgerüsteten Schlagstöcke, Schusswaffen und Armbrüste waren ebenfalls ein Hinweis dafür, dass die Scheiße mächtig am dampfen war. Niemand sagte etwas. Die Polizisten sahen die Leiche, den Teppich und Dmitrij. Das reichte ihrer Meinung nach. Das Letzte, was Dmitrij noch mitbekam, war eine auf ihn gerichtete Armbrust.


    Die Finger des Polizisten bewegten sich, ein Silberpfeil sauste los und die Welt wurde schwarz.

    Einmal editiert, zuletzt von N. Kalinina () aus folgendem Grund: Ein paar Fehler verbessert.

  • Hey!


    Gleich vornweg, ich MAG deinen Schreibstil - trocken, trotzdem farbenfroh und man ist sofort drin in der Szene. Dein Text lässt sich leicht und flüssig lesen, die derbe Aussprache passt m.E. nach gut zu dem Charakter, den du mit Dimitrij erschaffst. Macht auf jeden Fall Lust auf mehr.


    Ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind - nichts ernstes :)

    Richtig übel, wie Dmitrij fand, kaum schlossen sich die mit Graffiti versprayten Türen.

    hier bin ich ein bisschen über den Satzbau gestolpert.

    Das ungesunde Quietschen und Krächzen des Fahrstuhls ließ keinen Zweifel daran, dass die letzten Wartungsarbeiten noch lange vor dem Zerfall der Sowjetunion stattgefunden hatten. Scheiße, dachte Dmitrij und griff sich kurz in den Schritt, um seine Männlichkeit zu richten. Er hasste diese Jeans. Wieso zur Hölle nochmal hatte er sie nicht schon längst aussortiert? Sie war viel zu eng. Der Reißverschluss war unangenehm und drückte. Scheiße, verdammt. Hoffentlich bleibt dieser Fahrstuhl nicht stecken.

    Hier musste ich über den Zusammenhang lachen. Als wäre eine natürliche Reaktion auf einen Fahrstuhl des Todes ein Griff ins Gemächt^^

    zur Überraschung aller.

    Er ist doch allein im Fahrstuhl?

    Memo an ihn selbst; endlich damit aufhören, immer die besten und neusten Schuhe für die widerlichsten Fälle anzuziehen.

    :rofl::rofl::rofl:

    Man hatte ihr die Haare abrasiert, ebenso wie die Augenbrauen.

    Respekt, dass er sie trotzdem erkennen und ihr Alter schätzen konnte.

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Hey N. Kalinina :)


    Netter Einstieg :thumbsup: Hat mir gut gefallen und die derbe Aussprache hat meiner Meinung nach eigentlich ganz gut gepasst.


    wenn er nicht so verflucht durstig gewesen wäre. Dieser Fall hier war eine verflucht fette Geldquelle,

    Manchmal könnte man eventuell darauf achten, dass es sich nicht zu sehr ballt oder man müsste sich ein paar alternative Flüche überlegen.....verflucht kommt, wenn ich richtig gezählt habe, insgesamt 9x im Text vor. Du kannst natürlich einen running gag daraus machen, das geht auch. :D


    Ansonsten bin ich gespannt darauf, in was Dimitrij da reingeraten ist. Scheint ja eine interessante Welt zu sein, in der er da lebt. Mit Vampiren, Magiern, Zombies, Werwölfen ... das klingt in jedem Fall vielversprechend!


    LG,

    Rainbow

  • Rainbow Vielen lieben Dank für deinen Hinweis. Das ist mir, und man will es fast nicht glauben, nie so aufgefallen. Es wird in meinen Texten viel geflucht und ich nutze "verdammt" und "verflucht" wie Leute Konfetti an Fasnacht. Die Erstversion von "Halbmondlinge" entstand hier tatsächlich in Russisch. In dieser Version hatte ich ein paar Alternativen, aber bei der Übersetzung später bin ich irgendwie bei "Verdammt" hängen geblieben.


    9x? Wow. Das ist echt nicht gerade wenig. Das schreit ja schon irgendwie nach einem Running Gag, aber ich denke, ich werde mir den Teil nochmals zur Brust nehmen und nach eleganteren Alternativen suchen 8)


    Nochmals vielen lieben Dank für den Hinweis. Das wurde von mir trotz aller Korrekturleserei nie bemerkt.


    Grüße aus St. Petersburg



  • Kapitel 2


    - Arbeiten mit Profis -


    «Nehmen Sie es nicht persönlich, aber ich gebe Vampiren niemals die Hand. Auch nicht den Hals.»



    Dmitrij war in seinem Leben schon öfters in den fragwürdigen Genuss der magischen Sonderpolizei gekommen. Seiner unfehlbaren Meinung nach war die MSP nichts weiter als ein Haufen uniformierter Irrer. Das letzte Mal, als ihn diese charmanten Genossen erwischt hatten, hatten sie ihm zwischen Tritten und Schlägen angeraten, seine Nase aus ihren Angelegenheiten herauszuhalten. Anschließend hatten sie Dmitrij noch seine Lizenz als Detektiv entzogen und seine kleine, wenn auch schäbige Agentur demoliert und ihn auf die Rote Liste verfrachtet. Der Name war Programm, denn die Roste Liste war die Waffe der magischen Bürokratie. Sie beherbergte all die Namen derer, denen man auf Grund magiefeindlicher Ansichten die Ausreise aus dem Land verweigerte. Während der Verlust seiner Lizenz eine echte Misere für Dmitrij war, machte ihm sein Status als Gefangener im eigenen Land nur wenig zu schaffen. Er war ein echter Heimscheißer, durch und durch, und weder an Weltreisen interessiert, noch ein großer Freund von überteuerten Flugreisen. War ja eh alles schlecht für die Umwelt, dieser ganze Kerosin-Dreck. Außerdem war es nahezu unmöglich, als Werwolf ein gültiges Visum zu bekommen. Aber verdammt, wem machte er hier was vor? Wenn diese Arschlöcher von der MSP mit ihm fertig waren, würde er so oder so nirgendwo mehr hinreisen können.


    Der nächste Faustschlag saß. Dmitrijs ganz persönlicher Folterer wusste, wie man Proportionen neu verteilte. Vermutlich war der Kerl neu bei der MSP, frisch aus einem Gefängnis oder aus dem Militär rekrutiert und wollte sich nun bei seinen Kollegen einen Namen als harten Macker machen. Der Kerl würde es in diesem Scheißverein sicher noch weit bringen, denn er hatte eine wirklich miese Rechte. Zudem schien er auch ein ernsthaftes Problem mit Dmitrijs Gesicht zu haben.


    «Verdammte Werwölfe.» Der Polizist war hörbar außer Atem und roch nach Erschöpfung und Wut. Er schlug immer verzweifelter auf Dmitrij ein. «Machen die eigentlich niemals schlapp?»


    «Weitermachen», befahl eine schmierige Stimme. Sie kam aus einer dunklen Ecke, irgendwo zu Dmitrijs Linken. Er kannte diese ölige Stimme. Er mochte ihren Tonfall ebenso wenig, wie den aufgeblasenen Saftsack, zu dem sie gehörte. Egal wie schön ein Tag auch war, man konnte sich darauf verlassen, dass Spiridon Below einen Weg fand, diesen innerhalb nur weniger Minuten in einen Alptraum zu verwandeln. «Auch Knochen aus Granit brechen. Man muss sie nur lange genug bearbeiten.»


    «Sir, bei allem Respekt-»


    «Ich sagte, dass Sie weitermachen sollen.»


    Ein erneuter Faustschlag beförderte Dmitrijs Kopf zur Seite. Er roch und schmeckte sein eigenes Blut. Wunderbar, so viel zum guten Aussehen. Ein zweiter Schlag folgte. Dann ein dritter, vierter und fünfter -


    Er brach zusammen.


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    Dmitrij fühlte sich beschissen. Es war eine äußerst beschissene Beschissenheit. Das letzte Mal, als er sich so mies gefühlt hatte, war er mit voller Wucht von einem Lastwagen erfasst, ungünstig hängen geblieben und einige Kilometer mitgeschleift worden. Kurzum; es tat verflucht weh. Die Schmerzen waren zwar ein fieses, trotz allem aber nicht das zentrale Problem. Hauptsächlich nervte es Dmitrij, dass man seine Hände und Füße mit versilberten Handschellen und Lederriemen an einen massiven Stuhl befestigt hatte, der unangenehme Ähnlichkeit mit einem elektrischen Verwandten aus einem amerikanischen Todestrakt hatte. Dieses Ding hier war so gewaltig, dass man selbst Trolle darauf festschnallen konnte. Dmitrij versuchte vergeblich seine gefangenen Hände und Füße zu befreien. Keine Chance. Man hatte ihn straffer geschnallt und gezogen, als Cher ihre Gesichtshaut. Kinky. Diese Arschlöcher von der Sonderpolizei hatten ganz eindeutig einen Faible für schlechte Fesselspielchen. Jede Menge Handschellen, Ketten und Leder. Mal ganz zu schweigen von diesen verstörenden Lederpeitschen mit Silberkugeln gespickt, mit denen sich selbst der unerfahrenste MSP-Rekrut für Indiana Jones hielt.


    Generell wurde Dmitrij für seinen Geschmack viel zu oft geschlagen, gefesselt und angekettet. Es war einfach nicht richtig. So etwas gehörte verboten. Wieso zur Hölle nochmal gab es Gesetze, die reichen Magischen quasi die Carte blanche auf dem Tablett servierten, aber keine, die Wesen wie ihn vor sinnloser Polizeigewalt schützten? Es hatte mal andere Zeiten gegeben. Zeiten, noch lange vor dem Ende der Zaren und der blöden Weltkriege. Zeiten, in denen sich Wesen gegen die Magischen gewehrt hatten. Es hatte zwar nicht sonderlich viel gebracht und war stets in einer schrecklichen Tragödie geendet, aber man hatte wenigstens versucht zu rebellieren. Heute kaufte man, ganz der abgestumpfte Konsument der man war, jedes magische Produkt aus der Werbung, trank Zaubertränke und Wundermittel wie Wasser und feierte die großen und reichen Magier wie Hollywood-Stars. Die Schattenseite der Magie jagte der Bevölkerung zwar ordentlich Angst ein, aber in erster Linie wurde die Zauberei konsumiert. Sie versprach ein besseres Leben. Straffere Haut. Volleres Haar. Mit diesem magischen Trick verlieren Sie vierzig Kilo in nur zwei Wochen!


    Die Angst der Menschen versteckte sich unter purer Bequemlichkeit. Und Bequemlichkeit, so hatte Dmitrijs Vater immer gepredigt, war nur der erste Schritt in Richtung Sieben-Tage-Jogginghose, löchrigem Unterhemd und unrasierter Erscheinung. Senior Sorokin hatte Bequemlichkeit für eine Sünde gehalten. Er war ein Mann gewesen, der mit seinen Händen hart gearbeitet hatte. Es hatte keinen Tag gegeben, an dem Dmitrijs alter Herr nicht in der Werkstatt gestanden und bereits längst aufgegebene Autos von den Toten zurückgeholt hatte. Jelisej Sorokin, der beste Automechaniker der Stadt, hatte nicht verdient, was die Magischen ihm angetan hatten. Ebenso wenig wie Dmitrij diese verfluchten Handschellen verdiente. Er riss und zerrte erneut, aber seine Fesseln blieben standhaft. Langsam aber sicher hatte er gewaltige Scheißlaune.


    «Ey, ihr hässlichen Arschlöcher!» Dmitrij bedauerte zutiefst, keinen freundlichen Fingergruß in Richtung der Kamera senden zu können, die blinkend in einer Ecke hing. Sie war neben dem gruseligen Folter-Stuhl das einzige Objekt in dem grauen Raum. Abgesehen von einer schweren Eisentür. «Ich habe irgendwie das unangenehme Gefühl, dass ich hier schon seit einigen Stunden abhänge. So sehr wie ich unsere gemeinsame Zeit auch liebe, würde ich so langsam echt gerne nach Hause.»


    Niemand reagierte. Nicht, dass Dmitrij damit gerechnet hätte.


    «Ey, Halbmondlinge. Ich weiß, dass ich auf Sendung bin. Wäre also nett, wenn mich jemand losmachen könnte. Ich habe noch einiges zu erledigen. Ihr wisst ja, wie das ist. Termine, Termine, Termine.»


    Nichts passierte. Die Kamera blinkte fröhlich weiter. Die Tür blieb verschlossen.


    «Ich habe eine Katze, die gefüttert werden muss. Wollt ihr etwa, dass dieses arme Tier verhungert? Ich schwöre, wenn mein Koschka nicht mindestens viermal am Tag Futter bekommt, fällt er komplett ins Elend.»


    Überraschenderweise entpuppte sich ausgerechnet das schmierige Arschloch Below als Katzenfreund. Die schwere Sicherheitstür wurde geöffnet und mit dem Boss des Reviers drangen auch die ganzen Gerüche und Geräusche in den isolierten Raum, welche die magische Tür bis dato abgefangen hatte. Es stank nach Schweiß, Poliermittel und kaltem Kaffee. Below selbst verströmte wie immer seinen üblichen Haargel-Geruch, den Dmitrij ebenso verabscheute wie seine schmierige Stimme. Zudem war Below ein Mann, der sich nach dem Pinkeln nie die Hände wusch. Dmitrij hasste ihn.


    «Sorokin, du lästige Pestfliege. Kaum bei Bewusstsein, schon wieder groß die Fresse am aufreißen.»


    Below umkreiste Dmitrijs Stuhl mit langsamen und sichtlich genussvollen Schritten. Die schwere Tür schloss sich wieder und der Lärm verklang, ebenso wie die Gerüche von außerhalb des Raumes. Dmitrij fühlte sich fast ein wenig geschmeichelt, dass sich die MSP den Aufwand gemacht hatte, ihn im ohnmächtigen Zustand in einen magischen Isolationsraum zu sperren. Wer hier im Gewahrsam landete, hatte es wirklich krachen lassen.


    «Du steckst in der Scheiße, Werwolf.» Below blieb direkt vor Dmitrij stehen und durchbohrte seinen Gefangenen mit einem starren Blick aus grauen Augen. Es waren die Augen eines Mannes, der sich an den Qualen anderer ergötzte. Below war selbst für einen Sonderpolizisten ein echtes Stück Scheiße. «Und dieses Mal, Sorokin, wirst du dich nicht aus der Sache herauswinden können. Die obere Etage ist ziemlich verärgert.»


    Below beugte sich so weit in Richtung Stuhl, dass sein öliger Haargel-Gestank kaum noch zu ertragen war. Dmitrij hielt verzweifelt die Luft an. Nicht kotzen, dachte er fiebrig. Jetzt bloß nicht kotzen.


    «Ich habe meine Befehle, Werwolf. Im Moment will man dich lebend. Aber glaube mir. Ein Wort von meinem Vorgesetzten und ich lasse an dir ein Exempel statuieren, wie es diese verdorbene Stadt noch nie zuvor erlebt hat.» Dmitrij glaubte jedes Wort, denn Below war kein Mann leerer Drohungen. «Meine Männer haben dich in direkter Nähe von Anna Nikitinas Leiche verhaftet. Es gibt weder Zeugen, noch ein Alibi. Selbst so einem Idioten wie dir müsste klar sein, dass es nicht gerade gut um dich steht, Sorokin. Nikitinas einflussreiche Freunde wollen Antworten. Man wird dich früher oder später nach Moskau schicken. Und du weißt, was sie mit verurteilten Kreaturen wie dir in der Hauptstadt machen.»


    Und wie Dmitrij das wusste. Es hatte seine Gründe, wieso Skeptiker der magischen Regierung einen großen Bogen um die russische Hauptstadt machten. Nicht nur, weil man in Moskau keine Bierflasche werfen konnte, ohne irgendeinen superwichtigen und stinkreichen Magischen zu treffen, sondern weil das wahre Herzstück der Stadt nicht der Rote Platz war - sondern das verfluchte Asylum. Dort landeten alle, die bei den Magischen auf der Abschussliste standen. Das Asylum war mehr als nur ein Gefängnis. Es war ein düsterer und trostloser Ort, von dem es keine Rückkehr gab.


    «Ich war mal als junger Rekrut im Asylum.» Belows widerlicher Plauderton verpasste Dmitrij eine Gänsehaut. «Man wollte uns Neulingen den Ort zeigen, von dem wir so viel gehört hatten. Von dem jeder Vorgesetzte sprach, als wäre es die Hölle auf Erden. In Wahrheit ist es tausendmal schlimmer. Die Wärter brechen dort keine Knochen, sondern Seelen. Die knacken deinen Lebenswillen wie eine faule Walnuss.»


    Dmitrij schwieg.


    Jeder noch so dumme Spruch, jede noch so kleine Reaktion, wäre nichts anderes als ein Zugeständnis. Ein Zugeständnis dafür, dass er Below und seinem Gelaber tatsächlich zugehört hatte. Dass es ihm eine echte Scheißangst einjagte. Dmitrij würde sich eher beide Eier abreißen und sie anschließend am Stück runterwürgen, als hier und jetzt vor Below einzuknicken. Dieses miese Arschloch war nicht der neue Polizeichef der Sondereinheit geworden, weil er einen umwerfenden Charakter und ein unbestechliches Streben nach Gerechtigkeit hatte. Below war der Chef in diesem Laden, weil er ein Händchen für Manipulation besaß und die richtigen Leute geschmiert hatte. Er war der Alpha-Rüde eines bissigen Rudels voller Psychopathen, weil er am kräftigsten zubeißen konnte. Below war vielleicht kein Vampir, dennoch taten seine verbalen Bisse höllisch weh. Männer wie Below waren beim Militär rausgeflogen, weil sie ihren Vorgesetzten zu intrigant waren. Man konnte ihnen nicht trauen, besonders nicht mit einer Waffe in der Hand. Und wie die meisten Irren, die selbst das russische Militär nicht haben wollte, war Below bei der Sonderpolizei gelandet. Und weil Below nun einmal Below war, gab er Dmitrij gnadenlos den Rest.


    «Meine Männer haben deine Wohnung durchsucht.» Below packte seinen Gefangenen grob am Kinn. «Hast du gehört, Sorokin? Meine Leute haben die Tür eingetreten und alles auf den Kopf gestellt, während du hier dein Nickerchen gemacht hast. Man hat zwar keine Katze gefunden, dafür aber die Kopien von Polizeiakten. Und da frage ich mich, Werwolf, wie kommt ein dreckiger Detektiv ohne gültige Lizenz an Kopien von Polizeiunterlagen?»


    Dmitrij schwieg.


    «Entweder du bist hier eingebrochen und hast stundenlang Unterlagen kopiert, was ich ernsthaft bezweifle, oder aber du hast einen meiner Männer geschmiert.»


    Dmitrij schwieg.


    «Ich habe eine sich automatisch ergänzende Übersicht über sämtliche Druckvorgänge in diesem Revier. Ich weiß ganz genau, wer was wann und wo kopiert. Niemand scannt und kopiert hier seinen Arsch, ohne dass ich es weiß. Die Unterlagen, die meine Leute bei dir gefunden haben, wurden irgendwo anders ausgedruckt. In deiner Wohnung gibt es weder einen Kopierer, noch einen Laptop. Beides fehlt auch bei deiner kleinen Agentur, wenn man diesen schäbigen Schuhkarton denn so nennen kann. Merkwürdig. Als Detektiv keinen Drucker zu haben. Nicht mal einen Computer.»


    Kurze Fingernägel bohrten sich drohend in Dmitrijs Kinn.


    «Du hältst dich wohl für clever, mmh? Aber glaub mir, Sorokin. Du bist ruiniert. Ich werde dafür sorgen, dass du dir bis zu deiner Überführung ins Asylum wünschen wirst, niemals geboren worden zu sein.»


    Dmitrij vermied es zu blinzeln. Und schwieg.


    «Na gut», knurrte Below und ließ Dmitrijs Kinn ruckartig los. «Du willst Krieg? Ich gebe dir Krieg. Du wirst in eine Zelle gebracht und dort so lange eingesperrt und durchgeprügelt, bis man dich nach Moskau bringt. Deine Wohnung? Die fackeln wir ab. Deine lächerliche Agentur? Die wird ebenfalls brennen.»


    Below machte ein paar Schritte zur Tür, hielt jedoch inne und drehte sich noch ein letztes Mal zu seinem Gefangenen um.


    «Oh, und bevor ich es vergesse. Wir wissen, wo deine verfluchte Mutter steckt. Schöne Datscha, die sie da hat. Klein, aber fein. Ruhige Lage. Kein Lärm. Keine Nachbarn. Niemand, der sie schreien hört. Traumhaft.»


    Dmitrij riss so heftig an den Handschellen und Riemen, dass der wuchtige Stuhl ein paar Millimeter vom Boden abhob. Below wirkte für einen kurzen Moment ehrlich überrascht. Dann lächelte er schleimig.


    «Ich wusste, dass du ein Muttersöhnchen bist. Aber keine Sorge. Ich werde mich gut um sie kümmern. Ich habe eine Schwäche für große und starke Frauen. Je heftiger die Gegenwehr, umso größer der Spaß.»


    Die schwere Sicherheitstür öffnete sich und Below verließ den Raum, dicht gefolgt von Dmitrijs wütenden Verwünschungen. Er wusste, dass dieses kranke Arschloch nicht bluffte. Man würde sein Leben ohne jeden Zweifel in Schutt und Asche legen - und das seiner Mutter gleich mit. Zwar war Olga Sorokina keine Frau, mit der man es sich gerne verscherzte, aber auch sie hatte keine Chance gegen ein ganzes Aufgebot der Sonderpolizei. Dmitrij hatte nicht gerade das beste Verhältnis zu seiner Mutter, sie war immerhin ernsthaft verrückt, aber sie war seine Mama. Außerdem hatte sie rein gar nichts mit diesem ganzen Ärger zu tun. Sie hatte schon vor Jahren Sankt Petersburg den Rücken gekehrt und sich ganz in ihre Datscha auf dem Land zurückgezogen. Frauen wie sie schätzten ihre Ruhe. Eine Ruhe, die schon sehr bald äußerst massiv gestört werden würde, wenn Below Wort behielt. Und das würde er. Dmitrij brüllte und zerrte an den Fesseln, bis ihm die Luft ausging. Oh, wie er sie alle hasste. Below. Die MSP. Diese verdammten Hurensöhne in Moskau. Aber allen voran verabscheute er Anna Nikitina. Wieso hatte es ausgerechnet ihr Körper sein müssen, über den Dmitrij mehr oder weniger gestolpert war? Wieso hatte sie sich überhaupt umbringen lassen? Wieso zur Hölle war es Dmitrij, dem nun alles um die Ohren flog? Er hatte doch nur einen Fall lösen und etwas Geld abgreifen wollen.


    Der Strom fiel aus.


    Es passierte so plötzlich, dass es Dmitrij im ersten Moment gar nicht wirklich realisierte. Er blinzelte mehrmals, da er kurz glaubte, dass er sich die schlagartige Dunkelheit nur einbildete. Es war jedoch keine Einbildung. Es herrschte absoluter Totalausfall und selbst das lästige Blinken der Kamera war abrupt zum Stillstand gekommen. Irgendetwas stimmte nicht. Das hier war keine Masche. Keine Methode der Folter, immerhin war diese Dunkelheit um einiges angenehmer als das grelle und künstliche Licht, welches bis eben noch in dem spartanisch eingerichteten Raum geherrscht hatte. Dennoch brauchten Dmitrijs Augen einen Moment, um sich an die Schwärze zu gewöhnen. Er konnte spüren, wie sich seine Pupillen vergrößerten. Die Dunkelheit wich einer klaren Nachtsicht, die alles in ein verblasstes Grau tauchte. Hin und wieder hatten Dmitrijs Werwolf-Gene doch den ein oder anderen Nutzen. Die Sicherheitstür öffnete sich.


    Lärm und Gestank strömten in den Raum, wie sie es schon zuvor bei Belows Besuch getan hatten. Hektisches Stimmengewirr war zu hören, ebenso wie das Geräusch unzähliger Stiefel, die rasch entfernte Gänge entlang liefen. Der Besucher, der sich von Dunkelheit umgeben in den Raum schob, war weder Below, noch einer seiner sympathischen Schläger. Es war ein junger Mann, höchstens achtzehn oder neunzehn Jahre alt, der eine ziemlich harte Jugend hinter sich zu haben schien. Er war dürr, schreckhaft und hatte den wahnsinnigen Ausdruck eines Mannes, der schon lange die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Er war ein Vampir, auch wenn man ihm die meisten Zähne herausgeschlagen und gezogen hatte. Er stank nach Angst, Krankheiten und einem Körper, der schon seit Ewigkeiten in den immer gleichen und abgetragenen Klamotten steckte.


    «Rauslassen», nuschelte der Vampir, sichtlich neben der Spur. Er hatte einen Schlüsselbund in den mageren und zittrigen Fingern. Er klappte förmlich vor Dmitrijs Thron aus Silber und Ketten zusammen. Die zittrigen Finger des Vampirs hatten Mühe die Schlüssel ins Schloss zu bekommen. «Schnell, schnell», murmelte er scheinbar zu sich selbst, während er immer fahriger mit den Schlüsseln herumstocherte. «Sonst wird er wütend.»


    Dmitrij hatte da so eine Ahnung, wer wütend zu werden drohte. Wer für den Stromausfall verantwortlich war und einen scheinbar irgendwo aufgegriffenen Stricher als Schlüsselkurier auserkoren hatte. Dieser Mistkerl Graf konnte Dmitrij schlecht selbst retten, wie ein edler Ritter aus einem beschissenen Märchen, sondern schickte eine entbehrliche Marionette. Das sah ihm ähnlich. Der junge und zahnlose Vampir tat Dmitrij fast schon ein wenig Leid. Sicher hatte ihn Graf irgendwo in der Nähe der Pushkinskaya Ulitsa aufgegriffen und ihn wegen Prostitution oder Drogenbesitz an den Eiern. Vielleicht auch wegen beider Vergehen. Vielleicht hatte sich der jüngere Vampir überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen, sondern war lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Dmitrij traute es Graf durchaus zu, einen Unschuldigen vor die Hunde gehen zu lassen, nur um seine eigene Haut zu retten. Immerhin wäre der Polizist geliefert, sollte Dmitrij in Plauderlaune kommen und ihren Deal auffliegen lassen.


    Irgendwo fielen Schüsse. Dmitrij konnte das Blut von einem Menschen riechen und den Gestank eines alten Ghuls. Wie es schien, war nicht nur der Strom ausgefallen, sondern auch die gesamte Notversorgung in sich zusammengebrochen. Neben seiner Tür hatten sich noch weitere Räume und Zellen geöffnet, die besser verschlossen geblieben wären. Ein Polizist schrie einige Meter entfernt nach Verstärkung. Noch mehr Schüsse erklangen. Schwere Stiefel näherten sich. Dmitrij zappelte nervös. Er konnte die Wut und Anspannung der näher kommenden Polizisten bereits riechen. Einer war verletzt und humpelte leicht.


    «Beeile dich, Mann. Wir bekommen gleich Gesellschaft.» Der Vampir verzog das schmale Gesicht. Seine nervösen Finger ließen den Schlüssel fallen. Ganz große Nummer, dachte Dmitrij gereizt. Einmal arbeiten mit Profis. «Junge», flüsterte Dmitrij bemüht beherrscht. Die Polizisten waren nur noch wenige Meter entfernt. Er konnte hören, wie einer der Männer hektisch Munition nachlud. Der andere spannte seine Armbrust. «Wenn du mich nicht in weniger als zwei Sekunden befreit hast, schwöre ich dir, dass alles, was dir unser gemeinsamer Freund angedroht hat, ein Witz im Gegensatz zu dem ist, was ich mit dir tun werde, wenn der nächste Vollmond fällig ist.»


    Die Finger des Vampirs zitterten immer stärker, jedoch schaffte er es trotz seiner aufkeimenden Panik, Dmitrij zu befreien. Er löste die Ketten und Handschellen und auch das viel zu eng geschnallte Leder gab endlich nach. Dmitrij sprang in dem Moment auf die freien Beine, als die zwei längst gewitterten Polizisten durch die offene Tür stürzten. Das grelle Licht einer Taschenlampe zuckte kurz hektisch hin und her, dann drückten die Männer ab. Dmitrij entkam nur knapp einem ziemlich hässlichen Kopfschuss und ging hinter dem massiven Stuhl in Deckung. Mehrere Kugeln und ein mit Silber gespickter Bolzen schlugen lärmend in der grauen Wand über ihm ein. Die Halbmondlinge im Dienst waren Menschen, somit blind außerhalb des Lichtpegels der Taschenlampe. Ein Umstand, den sich Dmitrij zu Nutzen machte. Er rollte sich wie James Bond an seinen besten Tagen hinter dem Stuhl hervor, ging leicht in die Hocke und sprang den Polizisten mit der lästigen Knarre aus der Dunkelheit an. Der Beamte fluchte, ließ jedoch nicht wie erhofft seine Waffe fallen. Er war jung, aber kein Anfänger. Er ballerte um sich, als gäbe es keinen Morgen mehr, wobei er den erneut in Deckung hechtenden Dmitrij verfehlte, dafür aber seinen Kollegen erwischte. Der Getroffene schrie schmerzerfüllt auf, als die Kugel seinen Oberschenkel durchbohrte, stolperte ungeschickt nach hinten und löste dabei den Abzug seiner Armbrust aus.


    Der bereits frisch gespannte Bolzen sauste durch die Luft und verfehlte nur um wenige Millimeter den Kopf des Vampirs, der sich in der Dunkelheit dem zweiten Polizist genähert hatte. Mit einem wütenden Kreischen stürzte sich der Blutsauger auf den verletzten Mann. Man hatte dem jungen Vampir vielleicht seine Zähne und seine Würde genommen, aber nicht seine Wut und seine Instinkte. Der Polizist mit der Armbrust ging zu Boden, halb im Isolationsraum und halb im Flur liegend, und versuchte verzweifelt den irre kreischenden Vampir von sich zu schieben. Dieser war wegen des Blutgeruchs längst in Raserei verfallen und schlug wie ein wild gewordenes Tier auf den Mann ein. Bedauerlich, durchaus, aber absolut nicht Dmitrijs Problem. Er knockte den hysterischen Schützen mit einem gezielten Fausthieb aus, schnappte sich dessen Waffe, - die natürlich längst leer war, weil hallo, das hier war nicht Hollywood -, und rannte, wie er noch nie zuvor gerannt war.


    Den Geräuschen nach, von denen Dmitrij immer weiter floh, schlug und kratzte der Vampir den Polizisten mit der Armbrust zu Brei. Dmitrij war kein Freund der Sonderpolizei, aber noch weniger war er ein Befürworter von irrer Mordlust. Jedoch würde er ganz sicher nicht umkehren und eine dumme Heldennummer für ein Arschloch in Uniform abziehen. Es gab immerhin genug Arschlöcher in Uniformen - aber nur einen Dmitrij. Weitere Halbmondlinge näherten sich, angelockt von den Geräuschen eines Kameraden in Not. Dmitrij konnte die Polizisten riechen. Und hören. Diese Typen waren vielleicht auf der Straße harte Kerle und im Einsatz organisiert, aber in ihrem eigenen Revier wirkten sie wie kopflose Hühner. Der Stromausfall hatte sie nicht nur überrascht, sondern das gesamte Gebäude in ein komplettes Chaos gestürzt. Sämtliche elektronischen Türen ließen sich entweder nicht mehr öffnen - oder schließen. Polizisten waren eingesperrt, während sich die ein oder andere Zelle geöffnet hatte.


    Dmitrij stolperte und stürzte auf einem der langen Korridore an einem tätowierten Zwerg und einem Halbtroll vorbei, die ebenfalls optimale Fluchtbedingungen gewittert und ihre sich plötzlich geöffneten Zellen verlassen hatten. Während sich der Zwerg mit übel zugerichtetem Gesicht einigermaßen in der Dunkelheit zurechtfand, stieß der massige und breite Halbtroll gegen jede Kante und Ecke. Meistens mit dem Schienbein.


    «Ist doch alles scheiße», beschwerte sich der Zwerg. «Wo ist der verfluchte Ausgang, huh? Hier ist auch echt gar nichts ausgeschildert. Nicht mal einen Notausgang hat dieses Scheißhaus. Bei einem Feuer sind hier alle am Arsch. Und ich dachte schon, in den Ausnüchterungszellen würden miese Standards herrschen.»


    «Mmpf», sagte der Halbtroll trocken, während er blind und sichtlich verzweifelt der Zwergenstimme folgte. Sein linkes Schienbein machte krachend mit einem Wasserspender Bekanntschaft. «Nur gut, dass es nicht brennt.»


    Dmitrij ließ die zwei Ausbrecher ebenso hinter sich zurück, wie er es zuvor bei den zwei Polizisten und dem Vampir getan hatte. Das Chaos im Revier war zwar heftig, würde dafür aber nicht lange anhalten. Sicher hatte man irgendwie Verstärkung beim zweiten Halbmond-Revier im Außenbezirk angefordert.


    «Lasst mich raus!», kreischte es irgendwo aus einer der noch verschlossenen Zellen. Das Kreischen war hell und hysterisch. Sirene. Dmitrij hasste diese niederträchtigen Kreaturen. Diese Schlampen saugten einem schneller die Seele aus, als empörte Mittvierziger nach einer halben Flasche Wein über Politik schwadronieren konnten. «Lasst mich raus! Ich kann euch hören!»


    Der Gang endete in einem weiteren Gang. Der Geruch nach Regen, nassem Asphalt und Stadt kam immer näher. Dmitrij musste sich irgendwo im dritten oder vierten Stock befinden. Der Ausgang war im Erdgeschoss. Er war nah dran. So verdammt nah. Jemand schoss auf ihn. Mal wieder. Der Schütze war jedoch um einiges talentierter als der schießwütige Revolverheld von gerade eben, denn die Silberkugel verfehlte nur knapp Dmitrijs Kopf. Es wurde nicht hysterisch herumgeballert, sondern sauber auf ihn gezielt.


    «Nicht der Kopf, ihr Idioten! Moskau will ihn lebend. Zielt auf den verfluchten Rest!»


    Es war Belows schmierige Stimme, die Dmitrij nach einem überstürzten Sprung aus einem nahe liegenden Fenster in die Freiheit entließ. Dmitrij entkam so zwar einer Kugel in den Allerwertesten, fiel dafür aber überraschend tief. Ein Feuerwerk aus Schmerzen explodierte in Dmitrijs Körper, als er mit voller Wucht auf einem weiter unten geparkten Polizeiwagen landete. Knochen und Dach gaben gleichermaßen nach. Die Alarmanlage des Autos heulte los.


    Was für ein beschissener Tag.

  • Below war der Chef in diesem Laden, weil er ein Händchen für Manipulation besaß und die richtigen Leute geschmiert hatte. Er war der Alpha-Rüde eines bissigen Rudels voller Psychopathen, weil er am kräftigsten zubeißen konnte. Below war vielleicht kein Vampir, dennoch taten seine verbalen Bisse höllisch weh. Männer wie Below waren beim


    Es war ein junger Mann, höchstens achtzehn oder neunzehn Jahre alt, der eine ziemlich harte Jugend hinter sich zu haben schien. Er war dürr, schreckhaft und hatte den wahnsinnigen Ausdruck eines Mannes, der schon lange die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Er war ein Vampir, auch wenn man ihm die meisten Zähne herausgeschlagen und gezogen hatte. Er

    In diesen beiden Abschnitten ist viel "er war" als Satzanfang, das fällt auf.

    Dmitrij

    hier fehlt ein "i"


    Wieder sehr anschaulich und detailiert geschrieben. Interessante Eindrücke, die man aus dieser Welt erhält, und nebenbei immer ein, zwei Dinge zum Schmunzeln. Gefällt mir!

    Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Der alte Fahrstuhl war übel. Richtig übel, wie Dmitrij fand, kaum schlossen sich die mit Graffiti versprayten Türen. Es war diese eindrucksvolle Marke Horror-Fahrstuhl, die einen sofort bereuen ließ, dass man lieber faul und bequem sein Leben riskierte, als die Treppe zu benutzen. Wobei Dmitrij ernsthaft bezweifelte, dass ihn ein abstürzender Fahrstuhl umbringen konnte. Immerhin hatte er schon den ein oder anderen Autounfall überlebt, vorausgesetzt, absichtliches-über-den-Haufen-gefahren-werden zählte noch als Unfall. Abgesehen davon hatte man auch schon verflucht oft auf Dmitrij geschossen. In den Bauch. In die Brust. Hin und wieder sogar in den Arsch. Und dennoch - er hatte all diesen Mist überlebt. Dmitrij war ein Meister im Überleben. Es gehörte quasi zu seinem Job. Nur ein lebender Detektiv war auch ein erfolgreicher Detektiv, denn tot verdiente man keinen einzigen Kopeken. Sterben hatte einfach keinen Stil.

    Das ist genau mein Humor :rofl:

    sobald sich die Fahrstuhltüren öffneten. Nun, falls sich diese öffneten. Das ungesunde Quietschen und Krächzen des Fahrstuhls ließ keinen Zweifel daran, dass die letzten Wartungsarbeiten noch lange vor dem Zerfall der Sowjetunion stattgefunden hatten.

    Das wäre mein Albtraum. Man ganz persönlicher Albtraum. In einem kleinen Raum, irgendwo in der Höhe eingesperrt zu sein und nicht mehr rauskommen. Da bin ich lieber das eine Mal im Leben weniger faul und weniger bequem und laufe die Treppen. Egal wie hoch das Gebäude ist, mich bekommt man in keinen Fahrstuhl :D

    Zumindest wirkten die zwei Zombies überrascht, die gerade dabei waren einen zusammengerollten Teppich aus einer Wohnung zu tragen, als sich die Türen des Fahrstuhls ächzend öffneten. Einen mit Blut verschmierten Teppich. Zusammengerollt. Groß genug, um darin eine menschliche Leiche einzuwickeln.

    Schöne Beschreibung. Ich musste echt lachen, als ich mir das bildlich vorgestellt habe wie die beiden Zombies da etwas blöd aus der Wäsche glotzen, als die da mit ihrem blutigen Teppich um die Ecke geschissen kommen und dann gehen die Fahrstuhltüren auf und da steht Dmitrij :rofl: Sehr schön! :thumbsup:

    Es war, als würde man einen Kannibalen ein Kochbuch für Vegetarier schreiben lassen.

    Das ist eine von den Stellen, wo mir deine Vergleiche sehr gut gefallen haben. Man merkt, dass du dir da wirklich Mühe gegeben hast und man gewinnt der Szene noch mehr Tiefe ab. Sehr schöne Wortwahl! Mir würde sowas gar nicht einfallen :D

    Misshandelt und verunstaltet, achtlos in einen verdammten Teppich eingewickelt, als wäre Dmitrij in die Dreharbeiten eines klischeehaften Krimis geplatzt.


    Man hatte ihn straffer geschnallt und gezogen, als Cher ihre Gesichtshaut.

    Das gleiche gilt auch für diese beiden Stellen. :rofl:

    «Ey, Halbmondlinge. Ich weiß, dass ich auf Sendung bin. Wäre also nett, wenn mich jemand losmachen könnte. Ich habe noch einiges zu erledigen. Ihr wisst ja, wie das ist. Termine, Termine, Termine.»

    Dmitrij scheint diese Art Charakter zu sein, dem immer noch ein dummer Spruch einfällt, egal wie ausweglos oder bescheiden die aktuelle Situation ist. Das lässt ihn einerseits ziemlich lästig erscheinen aber da deine ganze Geschichte scheinbar einen ziemlich Pack an Humor mit sich bringt (nicht zuletzt eben Dank Dmitrij) passt er mit seiner Art super hinein. Der eine heult, wenn er Angst hat, der andere klatscht einen dummen Spruch nach dem anderen an die Wand. Kann ich verstehen. :rofl:

    Zudem war Below ein Mann, der sich nach dem Pinkeln nie die Hände wusch.

    Bäääh. to much information :puke:

    Und das war der Moment, in dem ich mir dann dachte, dass es nicht mehr so geil ist, wenn man ein "Wolf" ist. ><


    Bis hierher gefällt mir deine Geschichte wirklich gut. Wie schon geschrieben mag ich deine Art von Humor. Dmitrij kommt mit einer sehr trockenen und auch teilweise vulgären Art von Humor daher, mit der er sich das Leben etwas schön redet. Mehr oder weniger erfolgreich. Aber die Vergleiche und seine art zu denken, bringen einen immer wieder zum schmunzeln. Auch wie da so ein paar typische Klischees eher belächelnd und selbstironisch eingebracht werden. Sehr schön! :D

    Da scheint er ja in einen ziemlich großen Mist hineingeraten zu sein. Und der Vampir, der ihm erst keine Informationen geben wollte, hat ihm nun zur Flucht verholfen? Bisher klang es nicht so, als wären die zwei sonderlich gute Freunde. Also frage ich mich, was sich da erhofft wird. Und vor allem, WEM und WAS genau Dmitrij auf die Spur gekommen war, dass er nun in diesem Schlamassel sitzt. Und natürlich auch, was da im Hintergrund (scheinbar ja von Seiten der magischen Regierung) geplant und manipuliert wird. Warum und weshalb hat man diese Frau getötet und warum wollte man ihren Tod einem Werwolf in die blutigen neuen Sneakers schieben? :hmm:

    Du wirfst sehr viele Fragen auf (vor allem, weil man im Grunde direkt in die Handlung hineingeworfen wird, von der man noch keine Ahnung hat) du gibst viele Infos, die einem aber dennoch nicht zu viel werden. Und man will wissen, wie es weitergeht. Meiner Meinung nach hast du das sehr spannend aufgebaut! :thumbup:


    Also mir hat der Anfang sehr gut gefallen und ich werde auch dran bleiben. :) *abonniert*


    Einziger "Kritikpunkt" meinerseits. Für jemanden mit wenig Zeit ist der zweite Post ein bisschen sehr lang :rofl:


    LG, Kyelia



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -


  • So, den ersten Abschnitt habe ich mir jetzt auch mal durchgelesen.


    Die Art und das Setting gefaellt mir gut, das ist alles herrlich abgefackt und der Typ ist schoen kaputt (wie man das von einem Privatdetektiv eben so hofft :D).


    Was ich mir an Deiner Stelle ueberlegen wuerde, waere die Art die Du Informationen einbaust. Die Struktur der Geschichte ist grade etwa so:


    * Dmitrij ist im Fahrstuhl, Stimmung wird aufgebaut, er wird kurz vorgestellt und wir erfahren dass er schwer zu toeten ist


    - dann kommt ein Abschnitt der aus der Szene rausgeht und uns mehr allgemeines ueber Dmitrij als Detektiv erzaehlt


    * dann gehen wir wieder in den Fahrstuhl rein und erfahren ein bisschen Kontext was er hier tut


    - dann gehen wir wieder aus dem Fahrstuhl raus underfahren was er ueber den Fall glaubt


    * dann oeffnen sich die Tueren und wir sehen Zombies mit dem Teppich


    - dann bekommen wir Infos ueber Zombies


    * und dann erledigt Dmitrij die Zombies


    (...)


    Worauf ich raus will, ist, dass die mit '-' markierten Abschnitte die aufgebaute Stimmung und Spannung immer wieder unterbrechen und ich dann in den mit '*' markierten wieder rein gefuehrt werde. Was dann nicht so selbstverstaendlich passiert...


    Ich denke die Szene wuerde intensiver wirken wenn sie am Anfang mehr auf den Aufbau von Spannung und der Stimmung hin fokussiert waere, und die ganzen Infos erst mal gekuerzt und spaeter eingeflochten werden wuerden. So dass wir wirklich mit Dmitrij mitgehen und ganz nah an ihm dran sind so lange hier Action ist - und wir spaeter wenn er mehr Zeit zum reflektieren hat, die ganzen anderen Gedanken und Informationen bekommen koennen.


    Meine zwei Cents... Ich habe den Eindruck Du magst dem Leser moeglichst schnell viel Kontext geben - aber das haelt der schon aus in eine Szene geworfen zu werden ohne genau zu wissen worum es geht (solange die Stimmung toll rueberkommt) und dann erst nachher den Kontext zu bekommen.


    Ja, noch zwei Kleinigkeiten:


    keinen einzigen Kopeken

    Ich glaube auf Deutsch ist es 'die Kopeke' (zumindest Wikipedia scheint der Meinung zu sein).

    Trotz ihrer Schnelligkeit waren sie kognitive und motorische Totalversager.

    'kognitiv' und 'motorisch' finde ich jetzt von der Wortwahl einen Kontrast zu der einfachen und derben Sprache die sonst verwendet wird.

  • Heyho N. Kalinina ,


    Du hattest bei mir schon mit dem ersten Satz gewonnen.

    «Das Problem mit diesem ganzen magischen Mist ist, dass er einem echt auf die Nerven geht.»

    :thumbsup:


    Spätestens ab da war mir klar, was auf mich zukommen würde:

    Eine Geschichte wie "Die schwarze Welt des Elvis Cole" von Robert Crais oder sowas wie "Ford Fairlane - Rock'n Roll Detective"

    Und allerdings: Daß ich in Windeseile eine Welt voller Werwölfe, Vampire, Ghuls, Zombies und was da noch so kommen dürfte um die Ohren geballert bekomme, ist echt mal Rock'n Roll!!!:thumbup:

    War sofort drin in der Story und hab' mich stellenweise weggeschmissen vor lachen, vor allem, wenn Du von Zeit zu Zeit mit Vergleichen wie diesen um die Ecke gekommen bist:

    Man hatte ihn straffer geschnallt und gezogen, als Cher ihre Gesichtshaut.

    Diese Schlampen saugten einem schneller die Seele aus, als empörte Mittvierziger nach einer halben Flasche Wein über Politik schwadronieren konnten.

    Deine anfangs geäußerte Besorgnis bezüglich der Sprachwahl:

    Diese Geschichte neigt zu einer gewissen "Brutalität" und derber Sprache. Da ich dies bezüglich nichts genaues in den Regeln finden konnte - seid frei, mich bei eventuellem Verstoß sofort darauf aufmerksam zu machen.

    Ich glaube, da kann ich Entwarnung geben. Wenn eine Erzählung wie Deine in einer dekadenten, heruntergekommenen und abgefuckten Welt angesiedelt ist, wäre verbale Rücksichtnahme in den Dialogen völlig kontraproduktiv. Und wem eine derbe Sprachwahl nicht schöngeistig genug ist - nun, der muß es ja nicht lesen.^^


    Hier ist das jedenfalls genau richtig.

    Apropos richtig - hier ist noch was falsch:

    Der Vampir war nur widerwillig mit wagen Angaben und spärlichen Details herausgerückt und vermutlich hätte er Dmitrij überhaupt nichts von dieser Sache erzählt, wenn er nicht so verflucht durstig gewesen wäre.

    Muß "vagen" heißen weil kommt von lat.: vagus "unstet","umherstreifend".


    Mehr zum Meckern habe ich nicht gefunden...ich glaub' auch nicht, daß sich das im Verlauf Deiner Geschichte großartig ändern wird.

    Wäre allerdings so ab dem 5. Absatz hilfreich, wenn Du die einzelnen Teile verlinken würdest, damit Späteinsteiger in die Geschichte sich nicht jedemal blöde scrollen müssen.


    Wartet gespannt auf mehr


    Der Wanderer

  • Okay, das zweite (eher lange Kapitel) jetzt auch:


    Insgesamt gefaellt es mir gut, bewegt sich im Rahmen der Erwartungen die man da an den zynischen Privatdetektiv hegt und bringt noch einiges an Atmosphaere bei der MSP mit dazu :nummer1:


    Wie im ersten Teil wuerde ich auch hier einen kleinen Unterschied machen zwischen ruhigen Szenen (in denen Dimitrij Dinge reflektiert) und Action (in denen weniger Hintergrund eingeflochten wird und der Spannungsbogen gehalten wird) - das koennte die Szenen intensiver wirken lassen.


    Ein paar Kleinigkeiten die mir aufgefallen sind:


    Senior Sorokin hatte Bequemlichkeit für eine Sünde gehalten.


    Ich wuerde dem Gefuehl nach 'Sorokin Senior' sagen, anders rum klingt es irgendwie komisch.

    Below war der Chef in diesem Laden, weil er ein Händchen für Manipulation besaß und die richtigen Leute geschmiert hatte. Er war der Alpha-Rüde eines bissigen Rudels voller Psychopathen, weil er am kräftigsten zubeißen konnte.

    Das finde ich fuer den Moment in dem es geschrieben wird ein bisschen zu tief als Ueberlegung - das ist Hintergrundinfo.

    «Ist doch alles scheiße», beschwerte sich der Zwerg. «Wo ist der verfluchte Ausgang, huh? Hier ist auch echt gar nichts ausgeschildert. Nicht mal einen Notausgang hat dieses Scheißhaus. Bei einem Feuer sind hier alle am Arsch. Und ich dachte schon, in den Ausnüchterungszellen würden miese Standards herrschen.»


    «Mmpf», sagte der Halbtroll trocken, während er blind und sichtlich verzweifelt der Zwergenstimme folgte. Sein linkes Schienbein machte krachend mit einem Wasserspender Bekanntschaft. «Nur gut, dass es nicht brennt.»


    Hm, ja, diese kurze Szene holt mich irgendwie aus der Stimmung raus - grade war's noch richtig spannend und gefaehrlich, dann kommen diese Komiker um die Ecke und ich frage sich ob das die Konversation ist die Gefangene haben wuerden die grade ausruecken - statt mit Dimitrij mitzufiebern...

  • Ich finde die Geschichte von dir erfrischend. Sicher ich lese nicht viel was mit Werwölfen, Vampiren Gauls und Zombies zu tun hat. Aber die Welt der "Magischen", die du in deiner Welt kriierst macht mich neugierig mehr davon zu erfahren. Dein Charakter Dmitrij ist zynisch und sein Humor ist so etwas von herrlich trocken das es Spass macht das Geschehen zu verfolgen. Ich habe alles in einem Rutsch gelesen und fand es sehr unterhaltend und toll! Mach weiter so ich bin dabei,

    N. Kalinina!:nummer1:

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^

  • Hi! Ich bin absolut begeistert von dieser Geschichte und möchte mich deswegen auch mal dazu äußern, obwohl es hier ja schon sehr viele Kommentare gibt... Kann mich im Wesentlichen nur anschließen: sehr unterhaltsamer (eindeutig NICHT zu derber) Schreibstil, interessant-abgewrackter Protagonist, spannende Handlung. Hin und wieder finde ich, dass die Beschreibungen - die du praktischerweise gut mit der Handlung verknüpfst - etwas kürzen könntest, da sich manches vom Inhalt her doppelt. Hier ein paar Beispiele:


    faul und bequem


    Quietschen und Krächzen

    Ist ja im Prinzip dasselbe :)

    kein sonderlich taktvoller Mann, aber drauf geschissen. In diesem Business kam man nicht sonderlich weit

    hier doppelt sich "sonderlich" :)


    Sie war viel zu eng. Der Reißverschluss war unangenehm und drückte.

    Beide Sätze bedeuten im Prinzip dasselbe. Einer würde also reichen.

    wagen

    vielleicht hat es schon jemand vorher geschrieben, ich sehe hier nicht durch. :D es hieße hier "vagen"


    Dmitrijs Verstand lief auf Hochtouren. [...] In seinem Kopf ratterte und arbeitete es.

    auch hier wieder dieselbe Bedeutung.

    Die Sonderpolizei musste einen Tipp bekommen haben. Jemand musste gesungen haben.

    hier doppelt sich die Bedeutung und das Schema "musste ... haben". Ich würde den zweiten Satz nehmen, finde den besser für das Setting, und es ist ja klar, dass der Hinweis an die Polizei ging.


    Ich hoffe, das hilft irgendwie. Sind natürlich lediglich Vorschläge und Kritik auf sehr hohem Niveau!! :)

    Mit Kapitel 2 werde ich mich auch gern noch beschäftigen, wenn Bedarf :)

  • Kiddel Fee Vielen lieben Dank für deine Worte. Mensch, dieses "ER" ist mir selbst nach dem dritten Durchlauf nicht aufgefallen. Ich versuche zwanghaft Wortwiederholungen zu vermeiden. Gerade am Satzanfang ist das ein absoluter Todfeind. Aber ich Blindling übersehe glatt diese enorme Ansammlung an "Er's" - einfach weil. Somit tausend Dank für den Hinweis :thumbup:
    Wird umgehend korrigiert.

    hier fehlt ein "i"


    Tatsächlich nicht. "DMITRIJ" ist so richtig - und wird so auch im ganzen Roman geschrieben. Die Deutschen lesen und sagen zwar gerne DImitrij, mit einem zusätzlichen I, aber im Original wird es eben Dmitrij geschrieben - ohne I. Weder geschrieben, noch gesprochen. Ich bekam bereits von einem befreundeten Lektor angeraten, die Namen anzupassen, da scheinbar gerade russische Namen oft verwirren. Ich hänge aber oft an Namen und ändere diese nur ungern ab.


    Grüße aus St. Petersburg


    :D

  • Hey N. Kalinina,


    ich hab mal den ersten Teil gelesen. Cool :thumbup:


    Es war, als würde man einen Kannibalen ein Kochbuch für Vegetarier schreiben lassen.

    :D Ich finde das absolut nachvollziehbar, dass ein Kannibale darüber schreibt, wie man Vegetarier am besten zubereitet... Spaß beiseite, ich mag deinen Schreibstil und an der Stelle ganz besonders ^^


    Sie trugen die übliche Uniform der MSP, Magische Sonderpolizei direkt aus der Hölle, und waren an Hand ihrer silbernen Halbmond-Abzeichen selbst für einen Blinden zu erkennen.

    Ich fände es irgendwie cooler, wenn die MSP einen etwas klangvolleren, vielleicht geheimnisvolleren Namen hätte. Magische Sonderpolizei beschreibt "bloß" ihre Funktion und das sehr direkt. Falls du darüber nachdenken möchtest (ist ja kein Muss ^^ ), könntest du dir vielleicht auch ein paar interessante Gedanken zum World-Building machen, z.B.: Wo sitzt der Oberbefehlshaber der MSP? Vielleicht lässt sich davon ein Name ableiten oder stellvertretend der Name dieses Ortes für diese Abteilung der Polizei verwenden, etwa wie das bei "der Kreml" für "die russische Regierung" etc. gemacht wird.

    Auch ein Gründungsort könnte Namenslieferant sein :hmm:

    Da fällt mir gleich noch eine Nachfrage ein: Wo kommt der silberne Halbmond her? Vielleicht könnte auch damit der Name zusammenhängen :hmm:


    Nachtrag zu Teil II:

    Es gab immerhin genug Arschlöcher in Uniformen - aber nur einen Dmitrij.

    Das ist ein sehr schöner Satz! Ich glaube, ich mag Dmitrij ^^


    Halbmondlinge ergibt jetzt auch Sinn, wenn auch einen ganz anderen als ich beim ersten Lesen des Titels gedacht hätte. Gefällt mir gut!

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Kyelia Wow, welch schmeichelhafte Worte! Dank dir, da werde ich hier ja fast rot. (Ich bin käseweiß, just saying...)

    Verzeih mir meine späte Rückmeldung. Ich habe wegen eines Umzugs gerade Probleme mit dem Internet. Obwohl das Netz hier in Russland um einiges besser ist als in Deutschland (hust) - sitze ich hier gerade ohne. Also "hello" modernes Smartphone mit Internetzugang und hallo vermisstes Forum der Fantasten.


    Es freut mich, dass ich deinen Humor getroffen habe. Noch mehr freue ich mich über deine Worte des Lobs. Ich höre oft, gerade von einem deutschen Lektor, dass ich "zu russisch" schreibe. Dass der Humor beim Leser nicht ankommt, aber du beweist das Gegenteil. Danke! Auch vielen lieben Dank für deine Anmerkung wegen der Länge. Ich hatte wegen der Länge echt viel hin und herüberlegt. Da ich kein "unfertiges" Kapitel online stellen wollte, wurde es halt die Originallänge. Beim Durchlesen im Forum war ich dann selbst erschlagen von der Länge. Ich werde mich dann wohl in Kürzung üben. Danke für die Anregung. :thumbup:


    Grüße aus St. Petersburg

  • Als Mama lernt man beizeiten, eine Tafel Schokolade auf Anhieb zu verstecken.

    Im Mund.

    Quer.

    Und ohne zu sabbern.

    :whistling:


    Meine Geschichte

    Elemental

  • Thorsten Vielen Dank für dein Kommentar. Ich hab leider gerade etwas Ärger mit dem Internet, daher kommt mein dankbares Kommentar erst jetzt. Du sprichst genau die Dinge an, die mich schon länger beschäftigen. Zum Beispiel habe ich unglaublich Mühe, „Spannung“ und „Erklärung“ zu trennen. Ich vermeide gezielt die Trennung von Szene mit Fakten über die Welt – und Szenen mit Spannung. Ich greife hier gerne auf Tim Butcher‘s „Die dunklen Fälle des Harry Dresden“ zurück, der stark zwischen Spannung und Erklärung der Welt getrennt hat. Ich hab mich bei den reinen „Erklärungstexten“ zu Tode gelangweilt und nicht wirklich gelesen, sondern weitergeblättert. Seine Charaktere hatten mitten in einer Crime-Szene plötzlich sechs Seiten lange Dialoge über magische Fakten. Das kam mir sehr suspekt vor. Irgendwie nicht richtig. Daher griff ich auf einen direkten Stil zurück. Im Verlag wurde mir ebenfalls eingebläut, reine „Faktenszenen“ zu streichen. Es soll wie ein Gedanke wirken. Wie eine Nebeninfo. "Erklärungen" waren hier ein No-Go, da der Leser abschaltet.


    Du stimulierst genau den Zweifel, der sich schon länger in mir regt. Danke dir für deine Worte. Ich schaue mir den Text nochmals genau an und wiege ab, wie ich was umsetze. :thumbup:


    Grüße aus St. Petersburg


    Stadtnymphe Na, da sieh mal einer an! Und schon sieht man sich wieder. Und es ist mir eine Ehre :thumbup:

    Ich habe leider gerade etwas Ärger mit dem Internet und komme nur "immer mal wieder" ins Netz. Daher verzeih mein Übersehen deines wunderbaren Kommentars. Ich habe dich ja bereits begrüßt - daher zum Eingemachten.


    Ist ja im Prinzip dasselbe

    Tatsächlich habe ich hier im Verlag und der Literaturwissenschaft gelernt, dass gerade eine Anhäufung von Synonymen die Situation oder die Aussage verstärkt. Daher greife ich sehr gerne auf diese Methode zurück. Ich werde mir diese Szene aber nochmals zur Brust nehmen, da du Recht hast. Im Enddefekt ist es die gleiche Aussage. Vielleicht klingt es für mich als Autor schön - aber für den Leser ist es unnötig. Wird somit geprüft :D


    Deine restlichen Anmerkungen habe ich mir mal Privat im Schreibprogramm markiert, da du hier gezielt Dinge aufzählst, die im Deutschen enorm ins Auge stechen. Da das "Original" der Geschichte tatsächlich in Russisch entstanden ist, merke ich viele Stilfehler nicht wirklich. Daher vielen Dank. Deine Hinweise sind sehr hilfreich und bedeuten mir viel. Gerade weil man als Autor für seine eigene Geschichte blind ist. Dein Auge ist das von einer Person, die viel liest - und Ahnung von der Materie hat. Wie gesagt, ich freue mich enorm auf deine Geschichten.


    Herzliche Grüße aus St. Petersburg.


    Man liest sich :thumbup:



    Kapitel 3


    Gierige Zwerge


    «Das Besondere an einem Ball der Vampire ist, dass alle in Jeans kommen. Wäre sonst Schade um den guten Anzug.»



    Dmitrij war müde und abgekämpft, als er mit einem recht schäbigen Blumenstrauß bewaffnet endlich an seinem Ziel ankam. Zwei ganze Stunden hatte er gebraucht, um vom verdammten Revier hierher zu gelangen. Dmitrij atmete einmal tief durch, richtete seine komplett zerfetzte und blutige Sportjacke, dann klingelte er. Er setzte sein schönstes Lächeln auf. Frauen liebten sein Lächeln. Zumindest redete er sich das gerne ein. Es dauerte einen Moment, ehe die Tür entriegelt und geöffnet wurde. Zwei helle Augen hinter riesigen und dreieckigen Brillengläser starrten ihn vorwurfsvoll an.


    «Du bist zu spät, Jungchen.» Die kleine und alte Frau musste den Kopf weit in den Nacken legen, um die Ausmaße ihres Besuchers erfassen zu können. «Und lass diese elendige Grinserei. Du weißt, dass ich diese Gesichtsfratzen hasse.»


    Dmitrij lächelte noch etwas breiter, noch ein wenig charmanter, und reichte seiner Gastgeberin den Blumenstrauß, den er, Schande über sein Haupt, auf dem Weg hierher gestohlen hatte. Nun, er hätte ihn ja gerne gekauft, nur leider hatten diese Ärsche von der Sonderpolizei sein Smartphone, seine Geldbörse und seine Fake-Rolex einkassiert. Extreme Situationen erforderten nun mal extreme Maßnahmen.


    «Für dich, Radost», sagte er überflüssig. «Ein einfacher Strauß für eine nicht ganz so einfache Frau.»


    «Vorsicht, Junge. Ich muss sonst kotzen.» Radost nahm ihre riesige Brille ab, polierte übertrieben sorgfältig die Gläser und setzte sie anschließend wieder auf ihre knollige Nase. «Was soll das überhaupt sein? Unkraut? Pah. Dieses Zeug kommt mir nicht in die Wohnung. Und du, Junge. Schuhe aus. Reinkommen.»


    Dmitrij kannte Radost lange genug um zu wissen, dass es niemals klug war, ihr in irgendeiner Art und Weise zu widersprechen. Radost war vielleicht ein alter Zwerg, aber ihr steinharter Kopf befand sich in unangenehmer Höhe mit Dmitrijs äußerst empfindlichen Schritt. Er hatte nach der letzten Kopfnuss von Radost über eine ganze Woche lang nicht mehr richtig pinkeln, geschweige denn gehen können. Radost Wohnung war wie die meisten Altbauten in dieser Stadt hoch geschnitten, jedoch waren sämtliche Möbel und Einrichtungsgegenstände für sehr, sehr kleine Menschen ausgelegt. Dmitrij kam sich bei jedem seiner Besuche wie Alice im Wunderland vor, nachdem sie den Iss-Mich-Kuchen verdrückt hatte und rapide in die Höhe geschossen war. Die Wohnung war übersät mit hölzernen Trittleitern, da Radost sonst nicht an die Fenster herankam. Dmitrij folgte der Zwergin brav durch den Flur in das Wohnzimmer, wobei er sorgsam auf das für ihn winzig wirkende Mobiliar achtete.


    «Wirf endlich dieses hässliche Gestrüpp weg», brummte Radost und winkte verächtlich in Richtung der Blumen. «Wenn du mir das nächste Mal eine Freude machen willst, Junge, dann bewege gefälligst deinen Arsch pünktlich hierher.»


    Dmitrij legte die Blumen achtlos auf einen kleinen und niedrigen Tisch und setzte sich etwas unbeholfen auf den Boden. Der Fernseher prahlte mit normaler Größe, aber sämtliche Sitzmöbel, Schränke und Ablagen waren speziell für Zwerge gemacht. In die Sessel hätte sich vielleicht noch ein kleines Kind setzen können, aber ganz sicher kein erwachsener Mann. Besonders kein Werwolf.


    «Ich wurde aufgehalten.» Dmitrij zog den Reißverschluss seiner Sportjacke auf und streifte den mit Blut verschmierten Stoff vorsichtig ab. «Ich habe ein paar echt miese Stunden hinter mir.»


    «Hör auf zu jammern, Junge.» Die alte Frau öffnete einen kleinen Schrank und wühlte kurz ungeduldig darin herum. Sie wurde schließlich fündig und zog mit einem zufriedenen Brummen einen sichtlich mitgenommen Verbandskasten hervor, der in ihren kleinen Händen unglaublich riesig wirkte. «Wir alle haben miese Stunden. Miese Tage. Miese Wochen. Das Leben ist quasi nichts weiter als eine Aneinanderreihung von miesen Ereignissen. Und jetzt halte still. Das könnte wehtun.»


    Dmitrij stöhnte gequält, als ihm Radost etwas auf die offene Wunde kippte. Das Zeug brannte und zischte.


    «Silberbolzen», murmelte die Alte. «Na, da wurdest du aber sauber aufgemischt. Irgendwann bringen dich diese verdammten Halbmondlinge noch um.»


    «Du kannst mir glauben, Radost. Spaß hat der Scheiß ganz sicher nicht gemacht. Hätte Graf nicht eine seiner irren Nummern durchgezogen, würde ich jetzt immer noch in einer Folterkammer abhängen.»


    Radost schnaubte verächtlich, während sie die tiefen Wunden abtupfte. Das verfluchte Silber hatte ganze Arbeit geleistet.


    «Dummer Junge. Ein Wunder, dass du überhaupt noch lebst. Du vertraust diesem Blutsauger zu viel. Vampire sind böse Omen. Ärger auf zwei Beinen. Irgendwann liefert er dich ans Messer. Es sei denn, ich bin schneller und drehe dir noch vorher deinen unzuverlässigen Hals um. Wo zum Teufel hast du gesteckt?»


    «Ich wurde geschlagen und mit Silber beschossen. Also verzeihe mir meine kleine Verspätung.»


    «Kleine Verspätung? Pah! Du hättest gestern Abend hier sein sollen.»


    «Scheiße, Radost. Hast du mir nicht zugehört? Ich hatte Ärger.»


    «Du hast doch immer Ärger, Junge. Nicht mehr lange und du endest in Stücke gerissen in einer Mülltonne. Aber vielleicht ist es das Beste für alle, wenn so ein Trottel wie du früh geht, anstatt ewig zu leben und alt zu werden. Ich hasse alte Wesen.»


    Dmitrij wusste, dass es jetzt gerade kein guter Zeitpunkt war, Radost auf ihren bald anstehenden 93. Geburtstag hinzuweisen, wenn sie mit einer scharfen Nadel dabei war, seine Schulter wieder zusammenzunähen. Manche Sprüche waren einfach dazu verdonnert, elendig auf der Zunge zu verenden und unausgesprochen wieder geschluckt zu werden.


    «Ich muss für eine Weile abtauchen», sagte Dmitrij. Er atmete bemüht gleichmäßig, während die spitze Nadel immer wieder durch sein Fleisch stach. «Du weißt schon. Von der Bildfläche verschwinden.»


    «Verstehe.» Radost beendete ihr Werk und betrachtete sichtlich zufrieden die frische Naht. «Du schuldest mir aber noch etwas für das letzte Mal, Jungchen. Es hat mich einige Gefallen gekostet, dich nach der Romanow-Sache abtauchen zu lassen.»


    «Ich weiß, aber es ist wirklich dringend.»


    «Und du weißt, dass ich keinen Kredit gewähre. Also entweder du zahlst für dein Verschwinden, oder du musst alleine schauen, wie du aus der Stadt kommst. Kein Geld, kein Abtauchen.»


    «Du gieriges Miststück.»


    «Die Gier ist mit den Armen, Jungchen. Wir alle müssen unser Brot verdienen. Ich habe dich vielleicht aufgezogen, als es deine Eltern nicht konnten, aber ich bin nicht für dein Leben zuständig. Und jetzt sei so gut und lasse deine dreckigen Finger von der Naht. Das entzündet sich sonst wieder und du jammerst mir ewig und drei Tage lang die Ohren voll.»


    Dmitrij wusste, dass er verloren hatte. Radost hingegen war nun so richtig in Fahrt und noch lange nicht mit ihm fertig.


    «Ich hätte dich gestern Abend gebraucht.» Radost starrte Dmitrij in Grund und Boden. «Die Kunden waren am Boden zerstört, als sie hier ankamen und ich ihnen leider mitteilen musste, dass meine Spürnase nicht wie vereinbart aufgetaucht ist. Ihr Sohn ist verschwunden. Du weißt, was mit Kindern in dieser Stadt passiert, die zu lange allein auf der Straße unterwegs sind. Die armen Eltern sind krank vor Sorge.»


    «Komme mir jetzt nicht so», knurrte Dmitrij, während er seine zerfetzte Sportjacke wieder anzog. «Dir sind diese ganzen Kids doch scheißegal. Dir geht es doch bloß um's Geld. Hast du nicht selbst gesagt, dass Kinder niemals ohne Grund weglaufen?»


    Radost nickte. «Natürlich hat es immer einen Grund. Die Eltern des entlaufenen Burschen sind religiöse Fanatiker und ihr ach so frommer Junge ist vermutlich so schwul, dass ihm das verdammte Glitzer schon aus den Ohren tropft. Der Jüngling ist abgehauen, weil er sich die Hörner abstoßen will. Weit weg von den fanatischen Eltern und vor allem weit weg von Mütterchen Homophobia. Aber uns sind eine Menge leicht verdienter Rubel durch die Lappen gegangen. Mama und Papa sind nämlich abgesprungen, nachdem du gestern nicht da warst. Sie lassen ihren Sprössling jetzt von einer kirchlichen Organisation im Großaufgebot suchen. Mit freiwilligen Helfern.»


    «Nutzlos.» Dmitrij bewegte vorsichtig seinen Arm mit der frisch genähten Schulter. Es zog und zwickte unangenehm. «Der Junge hat sich längst einen reichen und magischen Gönner angelacht. Jung und verzweifelt. Darauf stehen die.»


    «Natürlich ist der Bursche längst das Bückstück für einen magischen Sugardaddy. Wir hätten dennoch ordentlich Profit abgreifen können, Jungchen. Verzweifelte Eltern zahlen verzweifelte Summen. Freiwillige Helfer. Pah! Wenn ich diesen Mist nur schon höre.»


    Radost zündete sich eine ihrer stinkenden Zigarren an. Sie wusste ganz genau, dass der widerliche Geruch Dmitrij fürchterliche Kopfschmerzen bereitete. Sie rauchte immer, wenn sie ihn bestrafen wollte. Wie einen ungezogenen kleinen Jungen. Manchmal, so wie heute, nahm sich Dmitrij fest vor, sich beim nächsten Vollmond nicht einzusperren, sondern seiner Pflegemutter einen kleinen Besuch abzustatten. Dann jedoch zeigte Radost ihre weiche Seite. Die Seite, die nicht jeden Kopeken zweimal umdrehte. Es war der kleine, weiche Teil von Radost, der sie vor gut zwanzig Jahren dazu bewegt hatte, den Sohn ihrer ehemaligen Angestellten aufzunehmen, als die Scheiße so richtig am dampfen gewesen war. Natürlich hatte Radost Dmitrij und seine empfindliche Nase für ihre Arbeit ausgenutzt. Sie hatte ihn ziemlich sicher nur deswegen überhaupt erst aufgenommen, aber sie hatte ihm Essen gegeben. Ein warmes Bett. Sich um ihn gekümmert, während alle anderen ihn zurückgelassen hatten. Es war Radost gewesen, diese kleine und alte Zwergin, die ihn bei seinen ersten Verwandlungen nach Einsetzen der Pubertät an Vollmond hinter einer schweren Eisentür weggesperrt hatte. Sie hatte Dmitrij an den schweren Tagen danach versorgt, ihn schlafen lassen und ihn wie ein kleines Kind gefüttert, weil er selbst zu müde gewesen war, auch nur eine Gabel in die Hand zu nehmen.


    «Wie lange musst du untertauchen?» Radost musterte Dmitrij skeptisch. Jetzt hieß es schnell sein, denn das Herz der alten Zwergin war nie besonders lange weich. «Ein paar Tage? Wochen? Monate?»


    «Ein paar Monate, denke ich.»


    «So schlimm?»


    «Quatsch, alles locker. Ich habe mich ja nur mit der Sonderpolizei angelegt. Keine große Sache. Diese Kerle sind ja für ihr leichtes Vergeben und Vergessen bekannt. In ein paar Tagen lachen wir alle über die ganze Sache und trinken feierlich auf Brüderschaft. Was glaubst du denn, verdammt? Natürlich ist es schlimm.»


    «Na schön.» Radost seufzte schwer. «Du hast eine Stunde, dann bist du von hier verschwunden, klar? Ich werde ein paar Bekannte kontaktieren und schauen, was ich so schnell für dich tun kann. Du kennst die Regeln. Ich will keine Details von deinem Ärger wissen. Keine Namen. Sollte die Polizei bei mir auftauchen, sage ich ihnen was nötig ist, um meinen eigenen Hals zu retten.»


    Dmitrij verzog leicht das Gesicht, nickte aber. So war Radost nun einmal. Sie würde ihn für die richtige Summe dem Teufel persönlich verkaufen. Aber immerhin gab sie es offen zu. «Ich kann nicht nach Hause. Meine Wohnung und meine Agentur werden überwacht.»


    «Eine Stunde», blieb Radost hart. «Nicht länger. Ich bin kein Hotel. Auf welchem Weg bist du zu mir gekommen?»


    «Ich bin von der Metro auf Trolleybus umgestiegen und danach per Anhalter weiter. Die Halbmondlinge haben keinen Werwolf, der meine Fährte aufnehmen könnte. Außerdem weiß ich, wie man seine Spuren verwischt. Ich bin kein verfluchter Anfänger, Radost. Also bleib cool, okay?»


    «Ich bin nie cool, wenn du mal wieder abtauchen musst. Du bist ein nutzloser Idiot, Junge. Diese ganze Detektiv-Sache bringt einen Haufen Scheiße und kostet ein Vermögen. Mal ganz zu Schweigen von deinem Bullen-Dracula. Glaubst du ernsthaft, du kannst einfach so für ein paar Monate verschwinden, ohne, dass dieser irre Vampir nach dir sucht? Hat er dir nach der Romanow-Sache nicht fast die Kehle zerfleischt? Wie lange warst du damals weg, mmh? Zwei Wochen? Drei? Was glaubst du passiert, wenn du einen Abhängigen für Monate verlässt? Ich habe dich von Anfang an gewarnt. Lass dich nicht zu oft von einem Vampir beißen. Und was machst du? Du wirst zum Luxus-Snack für so einen elendigen Blutsauger, damit er dir billige Infos zuschiebt.»


    Dmitrij wusste, dass Radost recht hatte. Scheiße, natürlich hatte sie recht. Ein abhängiger Vampir war ein gefährlicher Vampir, wenn man ihm plötzlich die Versorgung abschnitt. Dmitrij wusste noch nicht, was er wegen Graf unternehmen sollte. Er wusste nur, dass sein Magen knurrte. Er würde die einstündige Gnadenfrist ohne jeden Zweifel nutzen, um eine warme Mahlzeit zu sich zu nehmen und das ein oder andere Telefonat zu führen. Er musste seine Mutter erreichen, irgendwie. Sie vor der Sonderpolizei warnen. Falls sie nicht schon längst bei ihr aufgetaucht sind, flüsterte der kleine Teil in Dmitrij, der sich gerne selbst quälte. Es waren die Qualen eines schuldbewussten Sohnes, der sich seit Ewigkeiten nicht mehr bei seiner Mutter gemeldet hatte.


    Wieso aber auch? Olga war verrückt. Sie war mehr Bestie als Mensch. Sie jagte ihr Essen und verspeiste es in der Regel roh und mit einer Gier, die Dmitrij an ausgehungerte Wölfe denken ließ. Und nichts anderes war seine Mutter. Ein hungriger Wolf in Menschengestalt. Sie würde der Sonderpolizei ordentlich wehtun, so viel war klar. Niemand betrat ungestraft ihren Grund und Boden. Ihre Datscha war ihr Heiligtum. Ihr Revier. Aber auch Olga Sorokina war nicht unverwundbar und hatte den ein oder anderen schlechten Tag. Dmitrij musste sie warnen. Ein abenteuerliches Unterfangen, da seine Mutter zwar Strom und sogar ein funktionierendes Telefon in ihrer Datscha besaß, aber selten bis niemals abhob. Frauen wie Olga verabscheuten Telefonate. Sie riefen höchstens an, wenn es um eine ganz konkrete Sache ging und das ganze Gespräch mit Begrüßung und Verabschiedung nicht länger als eine Minute dauerte.


    Nun, wenigstens war Graf dafür recht einfach zu kontaktieren. Nach Jahren der heimlichen Zusammenarbeit hatten beide Männer ein gewisses System entwickelt. Es gab einen ganz bestimmten Ort, an dem man sich immer wieder traf, wenn Dinge hässlich wurden. Und das heute im Revier war quasi ein ganz neues Level an Hässlichkeit. Radost hatte Recht, auch wenn es Dmitrij mächtig gegen den Strich ging. Er musste mit Graf reden, bevor er abtauchte. Natürlich würde sein Abgang dem anderen Mann nicht gefallen, aber es war weit gesünder, den Vampir zu informieren, als ohne ein Wort von der Bildfläche zu verschwinden. Dmitrijs Blut war wie eine Droge für Graf und beide Seiten hatten absolut keine Interesse an einem eiskalten Entzug. So etwas endete immer mit einem Massaker. Ein Massaker, welches Dmitrij gerne vermeiden würde.


    «Das wären dann schon zwei Verschwinden, die du mir schuldig bist!», rief ihm Radost nach, als Dmitrij in der kleinen und viel zu engen Küche verschwand. Er verfluchte Radost leise, wagte es jedoch nicht ihr in irgendeiner Form zu widersprechen. Diese gierige Alte war eine Person, die man lieber auf seiner Seite wusste. Zumindest solange, wie man sie für ihre Treue bezahlen konnte. «Wehe, da kommt nicht bald mal endlich etwas Geld!»


    Dmitrij setzte in der Küche Wasser zum Kochen auf. Er ignorierte Radost, zumindest so weit wie man die keifende Alte ignorieren konnte, und machte sich an die Arbeit.

  • Hallo liebe N. Kalinina ,

    schön, dass ich dir helfen konnte. Und aus diesem Grund mach ich jetzt auch direkt weiter, während meine Acryl-Leinwand trocknet. :saint:


    Dmitrij war in seinem Leben schon öfters

    Hier kann ich verstehen, dass du eine Redewendung benutzt. Aber "in seinem Leben" würde ich weglassen. Ist wieder so ein Partikel, der den Satz in die Länge zieht. Im Endeffekt kommen dann Beschreibungen raus, die ein ungeduldiger Leser vielleicht etwas überspringen würde.


    ein echter Heimscheißer, durch und durch,

    ein "echter" verdeutlicht hier bereits, dass diese Eigenschaft ihn sehr stark kennzeichnet. Daher könntest du "durch und durch" wieder weglassen. (Du siehst, ich bin auf Partikeljagd, da ich es ansonsten äußerst gelungen finde!)



    eine schmierige Stimme. Sie kam aus einer dunklen Ecke, irgendwo zu Dmitrijs Linken. Er kannte diese ölige Stimme

    ölige und schmierige Stimme... ist ebenfalls dasselbe. Ich würde kürzen auf: "Er kannte sie."

    Er roch und schmeckte sein eigenes Blut

    hier bin ein bisschen drüber gestolpert. Keine Ahnung, ob man sein eigenes Blut riechen kann. Als Werwolf vermutlich schon? Aber da es sowieso bei beiden Verben darum geht, dass sein Blut fließt, würde ich auf eins von beiden reduzieren.



    seine gefangenen Hände und Füße

    dass seine Hände und Füße gefangen sind, ist vorher schon aus der detaillierten Beschreibung des Stuhls hervorgegangen. Außerdem würde er sie sonst ja nicht befreien wollen :D



    Nichts passierte. Die Kamera blinkte fröhlich weiter. Die Tür blieb verschlossen

    Dass die Tür verschlossen bleibt, ergibt sich bereits aus dem Satz "Nichts passierte."


    sichtlich

    "sichtlich" ist meiner Meinung nach so ein Adverb, das generell überflüssig ist. Denn wenn es nicht sichtlich wäre, würde man das Folgende ja nicht hinschreiben. (Es gibt ein paar wenige Ausnahmen.)

    Männer wie Below waren beim Militär rausgeflogen, weil sie ihren Vorgesetzten zu intrigant waren. Man konnte ihnen nicht trauen, besonders nicht mit einer Waffe in der Hand.

    Der erste Satz erklärt den zweiten. Das mit der Waffe in der Hand ist ja auch logisch.:)



    Und schwieg.

    Ich verstehe, dass du hier ein Stilmittel mit der Wiederholung machst, aber ich glaube, es wäre wirkungsvoller "Und schwieg." wegzulassen. Somit wird der vorangestellte Satz noch klarer herausgestellt. Außerdem kommt das Stilmittel später ja nochmal.



    zu seinem Gefangenen

    würde ich weglassen. Leser und Dmitrij wissen, dass er der Gefangene ist, daher kommt plötzlich so ein auktorialer Touch rüber. Aber wie gesagt. Das ist Meckern auf EXTREM hohem Niveau.


    Der Strom fiel aus.

    Brillant!!!

    Schön, kurz, knackig, und dadurch Spannung schaffend!


    gar nicht wirklich realisierte. Er blinzelte mehrmals, da er kurz glaubte, dass er sich die schlagartige Dunkelheit nur einbildete

    Auch wieder "doppelt gemoppelt". Ich würde den zweiten Satz nach "Er blinzelte mehrmals" löschen. Dadurch erübrigt sich die Wiederholung von "einbilden" und "Einbildung" im daran anschließenden Satz :P



    Es war ein junger Mann, höchstens achtzehn oder neunzehn Jahre alt, der eine ziemlich harte Jugend hinter sich zu haben schien. Er war dürr, schreckhaft und hatte den wahnsinnigen Ausdruck eines Mannes, der schon lange die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Er war ein Vampir

    Hier beginnen alle drei Sätze sehr ähnlich: Es war/ Er war / Er war. Ach ja, und der nächste Satz geht nochmal mit "Er war" los :D


    mageren und zittrigen Fingern. Er klappte förmlich vor Dmitrijs Thron aus Silber und Ketten zusammen. Die zittrigen Finger

    Hier eine Wiederholung. Würde ich im ersten Satz streichen



    Dieser Mistkerl Graf konnte Dmitrij schlecht selbst retten, wie ein edler Ritter aus einem beschissenen Märchen,

    Hier haben wir es mit einem "Wie"-Vergleich zu tun, daher kommt das Komma weg :)



    Der junge und zahnlose Vampir

    Nun ja, wer aufmerksam gelesen hat, weiß bereits, dass der Vampir sowohl jung als auch zahnlos ist. Ich würde daher auf eine der beiden Eigenschaften verzichten, die andere kann ja gern nochmal in Erinnerung gerufen werden, aber so kommt es ein bisschen zaunpfahlmäßig :)


    Einmal arbeiten mit Profis

    Falsche Satzstellung (im Russischen vielleicht anders?) :) --> Einmal mit Profis arbeiten.



    auf die freien Beine

    dass seine Beine jetzt befreit sind, wissen wir aus der vorangegangenen detaillierten Beschreibung, dass der Vampir ihn befreit :dead:



    Er war jung, aber kein Anfänger. Er ballerte um sich, als gäbe es keinen Morgen mehr, wobei er den erneut in Deckung hechtenden Dmitrij verfehlte, dafür aber seinen Kollegen erwischte.

    Hmmm... Würde ein Polizist, der kein Anfänger mehr ist, wild um sich ballern und dabei seinen Kollegen treffen?:/



    Dmitrij stolperte und stürzte

    Bedeutung dasselbe, eins würde reichen.



    massige und breite

    dito



    trocken, während er blind und sichtlich verzweifelt

    ich finde, die Beschreibung "trocken" passt nicht ganz zur Gefühlslage dieses Trolls. Trocken ist ja eher so lasch, entspannt, ein bisschen witzig... aber nicht verzweifelt. (Hier ist das "sichtlich" gut, da es ja aus Dmitrijs point of view kommt und somit einen auktorialen Einschlag verhindert.)



    Diese Schlampen saugten einem schneller die Seele aus, als empörte Mittvierziger nach einer halben Flasche Wein über Politik schwadronieren konnten

    Hier erschließt sich mir der untergeordnete Satz nicht ganz. Du willst andeuten, dass Mittvierziger nach einem halben Wein SCHNELL über Politik schwadronieren, richtig? Ich finde das nicht gerade typisch für "schnell", vielleicht findest du ein anderes Beispiel. Lustig ist es aber allemal :)



    Der Schütze war jedoch um einiges talentierter als der schießwütige Revolverheld von gerade eben, denn die Silberkugel verfehlte nur knapp Dmitrijs Kopf. Es wurde nicht hysterisch herumgeballert, sondern sauber auf ihn gezielt.

    Dies bestätigt meine Annahme, dass der Polizist von eben, den du als "kein Anfänger" bezeichnet hast, vielleicht doch einer war. :D



    weiter unten

    ist logisch :P



    Hoffe, du kannst damit was anfangen, freue mich auf das nächste Kapitel! Dann werde ich mich auch mal zur Story an sich äußern, bisher hab ich ja nur nach grammatikalischen Peanuts gepickt. ^^

    Bis dahin,

    Stadtnymphe

  • Heyho Stadtnymphe

    hier bitte ich mal kurz um Verzeihung:

    Dmitrij stolperte und stürzte

    Bedeutung dasselbe, eins würde reichen.

    Wenn ich stolpere, muß ich nicht zwangsläufig stürzen. Und wenn ich gestürzt bin, muß ich vorher nicht gestolpert sein.?(?(?(


    stieß der massige und breite Halbtroll

    Und auch hier sehe ich kein

    dito

    "Massige" Wesen müssen nicht zwangläufig "breit" sein. Frag mal einen Kiffer. Der kann sehr breit sein. Aber deswegen noch lange nicht massig.

    Wenn also die Bedeutung von "stolpern" und "stürzen, von "massig" und "breit" die gleiche und nicht dasselbe wäre, dann wären zwei dieser vier Wörter überflüssig. Sind sie aber nicht.


    Der Wanderer

  • Hallo Der Wanderer

    Meiner Meinung nach würde es jeweils reichen, eins der Wörter zu benutzen, es käme auf dieselbe Bedeutung heraus. Daher habe ich das angemerkt. Natürlich sind die Wörter nicht immer vollkommen dasselbe, aber ob es jetzt nur ein breiter oder nur ein massiger Troll wäre, ist kein großer Unterschied. Jeder weiß ja, wie so ein Troll im Prinzip aussieht. :alien:

    Es sind sowieso nur kleine Detailfragen, die N. Kalinina im Endeffekt selbst entscheidet, und selbst wenn beide Wörter jeweils drin gelassen würden, wäre das ja gar nicht schlimm, ist nur meine persönliche Ansicht.