Schreibwettbewerb Juni/Juli 2020

  • Einen schönen guten Tag Forengemeinde!


    Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

    kalkwiesehat als Sieger des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:


    "Die Suppe kocht über"


    Ich bin gespannt!



    Einsendeschluss : 12. Juli 2020

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Juni/Juli 2020: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus einer A4-Seite und darf höchstens aus drei A4-Seiten (3500 - 10'500 Zeichen) bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichtenausdenken wink.png

    Euer Fantasy-Geschichten Forum[/align]

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Welche Geschichte hat euch am besten gefallen? 12

    1. Am Feuer (6) 50%
    2. Kesselreaktion (6) 50%

    So, da ich spät dran bin, heute in schnell:


    Ich freue mich, euch heute die 2 Geschichten vorzustellen, die ihren Weg zu mir gefunden haben :D

    Die Abstimmung geht bis 9. August 23:59 Uhr :D


    LG Chaos

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


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    Die Flammen von Narak
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  • Am Feuer


    »Kannst du auch bitte mal damit aufhören?«

    Missmutig rührte Elli im Zinnkessel über dem Feuer. Graue faserige Stückchen brachen sich nur widerwillig an dem entrindeten Stock, der heute Nacht zur Suppenkelle herhalten musste. Ein paar Schritte hinter ihr stand Josh, ihr Freund und Wachkamerad, der scheinbar wahllos Messer in in die Dunkelheit außerhalb des Lichtkreises warf. Tatsächlich kündete ein dumpfes thump – thump – thump davon, dass er etwas traf; und nicht nur irgendetwas, sondern den immergleichen verdammten Stumpf, der nach ihrer Rechnung längst in Häckseln über das Moos zerstreut liegen musste. Trotzdem kehrte Josh nach exakt sechs Würfen – so viele Messer besaß er – stets wieder in das Dunkel zurück, ließ sie für einige Momente allein, in denen ihr Herz unwillkürlich höher schlug. Sie hatte sich umgedreht, ihm mit Blicken hinter die schwarzen Äste zu folgen, aber die Suppe ließ sie jeden Moment der Unaufmerksamkeit mit Zischen und Schäumen büßen. Also rührte sie.


    Sie wäre gerne selbst einmal in die Nacht aufgebrochen, wenigstens für ein paar Schritte. Vielleicht würde sie eines der anderen Wachfeuer in den karstigen Bergrücken ausmachen können und einen stillen Gruß entsenden. Erst an diesem Morgen waren sie allesamt aus dem Heerlager aufgebrochen, in munteren Zweiertrupps, die sich die erste Strecke durch die harzigen hohen Wälder der sich langsam aufknitternden Hügel noch mit anderen geteilt hatten. Irgendwann, nach einigem Scheiden und Wiederscheiden waren sie und Josh dann allein geblieben und irgendwann war dann auch der Abend gefallen. Und da hatten sie beschlossen, dass hier, auf diesem Kamm, eben ab heute die Grenze verlief ihres Hoheitsgebiets, denn die eigentliche Grenze war ja, so behaupteten die Offiziere, sowieso schon durch die vorpreschende Kavallerie weit ins Landesinnere des Feindes vorverlegt.


    Für sie war es egal, in welcher Richtung des Flachlandes eigene oder feindliche Bauerngehöfte lagen. Die Bauern schliefen ohnehin, an warmen Herden, in trockenen Daunen, an murmelnden Kindern… Sie warf einen unwägbaren Seitenblick zu Josh. Eigentlich zählte für sie jetzt nur noch der Feuerkreis und der sich fast übergriffig hineinneigende Wald mit seinen düsteren ästeligen Kronen, die von der kleinen lebhaften Flamme des Feuers nicht erreicht wurden. Sie blieben Scherenschnitte vor einem blassen Sternenhimmel.

    Und doch war da irgendwo Unruhe drin. Dumpfes, graues Nachtgetier flatterte saumselig um die Flammen, manches stürzte sich hinein. Hohle Schuhus folgten ihnen aus der Waldkulisse nach. Äste brachen weit hallend irgendwo. Mit dem Sirren und Schmatzen von Joshs Messern mengte es sich hinter ihrer erschöpften Stirn, die zeitweilig von Fettspritzern getroffen wurde, zu einer ungreifbaren Bedrohung, und allezeit das wütende Blubbern der Suppe…


    »Sag mal, du bist sicher, dass das n Kaninchen war?«

    Sie schreckte auf, fiel beinahe von dem Baumstamm, auf dem sie saß. Josh beugte sich neugierig über den Rand des Kessels, der mittels zweier im Boden vergrabener Astgabeln über dem Feuer aufgespannt hing und glühte.

    »Also für mich sieht das eher wie ein Knäuel Eidechsen aus.«

    »Dann geh doch das nächste Mal selber Jagen, wenn dus besser kannst!« fuhr sie ihn an.

    »Bitte –« versetzte er trotzig und wandte sich wieder seinen Zielübungen zu. Sie bereute es augenblicklich. Sie wünschte sich doch, dass er bei ihr blieb, und ihr zuhörte. Sie hatte sich in diese Angstgedanken hineingesteigert und er hatte sie aufgeschreckt…


    Aber weiter tönte der Einschlag der Klingen und sie rührte beklommen im Kessel, mit einer Entschuldigung auf der Zungenspitze spielend… – thump – thump – […] –. ? Ihr Blick flackerte zurück. Wo blieb der dritte Einschlag? War da nicht eben einen Schmerzenslaut gewesen? Unterdrückt, gestöhnt, gezischt – Ihre Soldatenreflexe überschlugen sich und sie ließ den Rührklöppel fallen.

    »Josh!« schrie sie auf. Eine Bewegung im Unterholz! Josh war da draußen – er durfte nicht –

    Ungläubig wanderte ihr Blick nach oben. Vor die düsteren Kronen senkten sich langsam und geziert Strahlen aus den blankem Himmel. Einen Wimpernschlag zu spät realisierte sie, was es war. Dann schlugen die Pfeile mit schrecklichem Zischen und Knurren um sie ein. Auf sie. Das warme Flackern des Feuers brach sich auf ihren schmalen Weidenschäften. Dann steckten sie fest. Sie spürte sich Keuchen. Nass und warm suppte es in ihr Wams, in den Schurz, der zwischen ihre Knie reichte. Funken stieben aus dem Feuer und flogen scheinbar zu weit, viel zu weit –

    Da löste sich ein Gesicht aus dem rotem schummrigen Taumel – Josh – er war blass.

    »Oh Gott, Elli, oh Gott!« stammelte er. Er machte sich unmittelbar an ihrer Schulter zu schaffen, aber was machte er denn, da war doch gar keine Wunde? »Oh Gott, verdammte Scheiße, wir müssen weg!«

    Aber irgendein unfassbar sengender Schmerz hielt sie zurück. Ihrer beider Blicke wanderten zu ihrer Hand, die, absurd, fast gelassen, weiterhin auf den liegenden Stamm aufgestützt war – nur dass jetzt ein gerußter Weidenschaft durch sie hindurchführte, durch gekrampfte Sehnen, die wie Knochen aus der Haut stachen, und sie dort fixierte.

    Kurzerhand legte er seine Rechte um die Fiedern am oberen Ende des Pfeils. »Hier, Elli, schau, nein schau weg, ich zieh jetzt am Pfeil, ja? Und dann brechen wir auf.«


    Was dann folgte, beantwortete sie ihm nur mit einem Wimmern und großen kläglich bittenden Augen.


    »Scheiße!« fuhr er auf. Ein weiterer Pfeil steckte in ihrem Oberschenkel. Sie würde eh nicht laufen können.

    Er griff nach der kleinen Marschtrompete, die bisher unbeachtet an einer Eiche gelehnt hatte. Sie waren immer noch Soldaten, immer noch Grenzer… Er stieß das Notsignal mit brillierenden Oktaven in die Nacht hinaus, wo es zwischen den dunklen schlafenden Bergen widerhallte. Es klang trotz allem prächtig und für einen Moment schöpfte sie Hoffnung, ihre Offizierin könnte mit der ganzen vertrauten Truppe durchs Unterholz brechen und die feigen nächtlichen Angreifer wie Rehwild aus dem Dickicht scheuchen.

    Wie kindisch. Joshs Gesicht hatte alle Farbe verloren. Sicher machte er sich jetzt Gedanken darüber, dass auch der Feind nun wüsste, wo sie waren. Wie weit wohl das nächste Wachfeuer war? Sie hatten es nie gesehen – warum hatten sie nicht Ausschau gehalten?


    Josh setzte sich zu ihr auf den Baumstamm, wobei er seinen langen Parierdolch aus der Scheide am Gürtel zog. Er hielt ihn vor sie wie einen schimmernden Wall, einen Schild, der er nicht war, als könne er sie vor der zweiten Salve Pfeile schützen. Die Dunkelheit schien sich enger zusammenzudrängen um den kleinen, ach so kleinen Feuerkreis.

    Aber Elli fühlte sich müde. Sie schloss die Augen. Und lehnte sich endlich an seine Schulter. Sie roch gut. Leder und Tannenzapfen und Bär.

    »Solln sie ruhig kommen Elli, solln sie ruhig kommen.« murmelte er immer wieder, eine Litanei, die ihr Wiegenlied war.

    »Siehst du was?« flüsterte sie.

    Eine ganze Weile wohl starrte er in den Wald. Die Scheite knackten. »Ich sehe unsere Wachfeuer« kam schließlich zurück. »Sie leuchten noch… Und – und unsere Truppen. Man hört sie weit durch das Land heraufkommen…« All die Zeit hielt er ihre Hand fest. Sie glaubte ihm kein Wort.


    Hinter ihnen, während diesem geflüsterten Wortwechsel, kochte indes schweigend die Suppe über. Ungerührt ergoss sie all die aufgeschwemmten Eidechsenstückchen über die mürbe Zinnkante in das Feuer. Ein kleines Blutrinnsal hatte sich ebenso seinen Weg gesucht, die Borke des Stamms hinab, auf die roten Kohlen, und dort fingen sie an, Suppe und Blut, gemeinsam zu verdampfen. Bald schon würden sie ohnehin aufgehen im weichen, aber schrecklich kalten Morgennebel.

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


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  • Kesselreaktion


    Gwendolin hatte die Nase gestrichen voll. Schlimm genug, dass sie trotz ihres Ruhestandes gezwungen war, am Hexeninstitut Sommerkurse zu geben, um ihre schmale Rente aufzubessern. Als Bonus hatte sie scheinbar auch noch die absolute Versagerklasse zugewiesen bekommen.

    Die alte Hexe rümpfte ihre vom Alter nach unten gekrümmte Nase und schnaubte verächtlich, während ihre knotigen Finger an den Buchrücken verstaubter Wälzer entlang glitten. Nicht, dass sie diese Bücher nötig gehabt hätte. All das Wissen dieser Werke war längst in ihrem Kopf gespeichert, erworben in harten Jahren der Ausbildung zur Hexe und während des Praktizierens verfeinert. Aber diese fünf Novizinnen, die man ihr aufs Auge gedrückt hatte, würden jede nur mögliche Stütze brauchen, um die Abschlussprüfungen zu bestehen.Sie waren nicht völlig unfähig, beileibe nicht, immerhin wiesen sie fünfhundert Jahre hexerische Familientradition vor. Trotzdem schien keine dieser blassen Bohnenstangen auch nur ansatzweise geeignet, eine richtige Hexe zu werden. Ihnen fehlte jeder Schneid, jemanden einen Fluch aufzuhalsen oder zu vergiften. Sie waren zu empfindlich, wenn es darum ging, Rattenhirn zu schneiden und Drachenspeichel mit dem Messbecher abzumessen. Die einfachsten Zaubersprüche verursachten, aus ihren Mündern kommend, die haarsträubendsten Katastrophen, einfach weil sie die Worte falsch aussprachen oder durcheinander brachten. Zornig rieb sich Gwendolin eine Stelle hinter dem linken Ohr, knapp unter der breiten Krempe ihres verschlissenen Hutes, wo sie eine fehlgegangene Beschwörung mehrere Büschel Haare gekostet hatte. Soviel Inkompetenz auf einem Haufen war schlichtweg gemeingefährlich und sie freute sich schon auf den Triumphtrank, den sich sich heute abend gönnen würde, sobald sie diese Stümperinnen ein für allemal losgeworden war.

    Die fünf Tränke, die Gwendolin für die Prüfung ausgewählt hatte, galten als derart simpel, dass selbst ihre Schützlinge diese ohne Probleme würden zubereiten können. Und tatsächlich, zwei Stunden später war der Raum erfüllt von bunten Dämpfen und interessanten Gerüchen. Bei ihren Kontrollgängen stellte Gwendolin erstaunt fest, dass in den kleinen Kesseln auf den Tischen wirklich die geforderten Substanzen zu blubbern schienen. Die Mädchen, alle derart fade Geschöpfe, dass die Alte ihnen einfach Nummern verpasst hatte, anstatt sich die Namen zu merken, waren heute außergewöhnlich aufmerksam und konzentriert, maßen mit Bedacht ihre Zutaten ab und arbeiteten rasch.

    Hinterher dachte Gwendolin, dass sie es hätte besser wissen müssen.

    Mit kritischem Blick beugte sie sich über den Kessel von Schülerin Nummer 1, die im Prüfungslotto den Sternensirup gezogen hatte. Es war weniger ein Zaubertrank als mehr Freude fürs Auge. Die dickflüssige Masse im Kessel schillerte in verschiedenen Blau - und Violetttönen und silberne Sprenkel durchzogen die wabernde Suppe, die aussah wie der Nachthimmel.

    “Bemerkenswert”, äußerte sie, obwohl diese Beschreibung sicherlich absolut übertrieben war. Doch Schülerin 1, außer sich über das unverhoffte Lob, stieß ein Jauchzen aus und dabei die Flasche Geckogalle um. Die gelbe Flüssigkeit ergoss sich über den Tisch und ließ das Feuer unter dem kleinen Kessel spontan hellgrün und heiß auflodern. Anscheinend bekam dem Sirup die Hitze nur bedingt, jedenfalls kochte der Trank, blaue Blasen spuckend über, fing Feuer und setzte den gesamten Arbeitsplatz in Brand.

    Nummer 1 sprang entsetzt zurück und stieß dabei gegen Nummer 2 , die zur Seite stolperte und dabei ihren Kessel umriss. Die Lyse-Lösung ätzte sich in atemberaubenden Tempo durch die hölzerne Tischplatte und setzte beim Eintreffen auf dem Fußboden ihr Zerstörungswerk umgehend an den ledernen Spitzenschuhen der Hexenanwärterinnen 1, 3 und 5 fort. Panisch hin und her hüpfend, streiften diese am gegenüberliegenden Arbeitsplatz den nächsten Kessel, der unglücklicherweise wirksames Wandelwasser enthielt.

    Gwendolins Warnruf verhallte wirkungslos, das Wandelwasser erwischte zwei der Mädchen und verzauberte sie. Ironischerweise wurde Nummer 2, die Zarteste der Gruppe, dabei ein zentnerschweres Wildschwein, während Nummer 4 plötzlich zum Stinktier mutierte.

    Beide Tiere versetzte der Anblick des brennenden ersten Tisches in helle Panik. Das Stinktier sprang schrill kreischend auf den Kopf der nächstbesten Schülerin, krallte sich in deren Haare und verspritzte sein Sekret in alle Richtungen. Das Wildschwein, völlig kopflos vor Angst, kollidierte mit mehreren Tischen, bevor der vierte Kessel zu Fall kam und wie ein Helm auf dem Wildschweinkopf landete. Das darin kochende Erstarrungselixier bremste das Tier zwar abrupt, ließ es aber gleichzeitig auch zu Stein werden und formte aus Schwein und Topf eine Skulptur ähnlich einem besonders hässlichen Wasserspeier.

    Derweil rotierte das Stinktier weiter, seine Duftnote vermischte sich mit dem Gestank des brennenden Sternensirups, während gleichzeitig alle versuchten, der auf dem Boden zischenden Lyse-Lösung zu entkommen und dabei panisch schrieen.

    Am lautesten aber schrie Gwendolin, sie schrie vor Zorn. Energisch packte sie den Henkel von Kessel Nummer 5 , schwang diesen über dem Kopf wie einen Morgenstern und schleuderte dessen Inhalt durch den ganzen Raum.

    Die Blümchenboullion tat ihre Wirkung erstaunlich gut. Nur Sekunden später starrte Gwendolin , bebend vor Wut, auf das, was von ihrem Klassenzimmer übrig geblieben war. Ein Tisch rauchte noch immer vor sich hin, einer hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst und zwei weitere waren vom Wildschwein umgeworfen worden. Besagtes Schwein stand noch immer, mit einem steinernen Kessel gekrönt, leblos auf den Hinterhaxen, bedeckt von einer Vielzahl außergewöhnlich hübscher Stiefmütterchen. Dem Mädchen mit dem Stinktier auf dem Kopf wucherten zusätzlich Kletterrosen aus den Ohren. Schülerin 3 schwankte dank der Fesseln aus rotem Weinlaub, das sich entsetzlich mit ihrem natürlich rotem Haar biss. Und die letzte schien sofort eine Allergie auf die überall sprießenden Krokusse zu entwickeln, jedenfalls nieste sie ohne Pause und verteilte die zarten Blüten der auf dem Boden wachsenden Butterblumen im ganzen Raum.

    “Schluss!”, zischte Gwendolin. “Ihr habt bestanden. Geht jetzt! Mir egal, wie, aber geht! Und wenn ihr jemals einer Seele von dieser Prüfung erzählen solltet, werde ich euch finden und jede einzelne dieser Substanzen zu Schlucken geben. Raus jetzt!”

    Binnen Sekunden war der Raum leer, mit Ausnahme des Wildschweins und einer letzten Note Stinktieressenz. Kopfschüttelnd sank Gwendolin auf ihren Stuhl zurück.

    Sie war eindeutig zu alt für diesen Blödsinn.

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

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    Die Flammen von Narak
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