Was lest ihr gerade? (Fantasy)

  • Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet von David Mitchell. Da hat es mich einfach gejuckt, das nochmal zu lesen. :D

    Jacob de Zoet kommt 1799 als Kaufmann und Sekretär des neuen Faktors von der niederländischen Handelsstation Dejima vor Nagasaki nach Japan, das damals hermetisch vom Ausland abgeriegelt war. Er will Geld verdienen und die Gunst des Vaters seiner Verlobten gewinnen, damit der ihm und seiner Anna seinen Segen gibt. Doch dann verliebt er sich in eine junge Japanerin und muss bald begreifen, dass Verrat und Intrigen eigentlich das Land regieren ...

    Es ist ein schöner Kontrast zu Grass, da Mitchell hier die Sprache wirklich auf das allernötigste reduziert, ohne an Poesie zu verlieren oder steif zu wirken. Das hab ich damals schon bewundert. Außerdem will ich ein Auge darauf haben, wie die Szenen und der Plot eigentlich genau aufgebaut sind, jetzt, wo ich den Inhalt ja kenne.

    Ja, das war klasse! ^^ Es ist interessant zu beobachten, wie die Umgebungsbeschreibungen im Prinzip nur aufgelistet sind, aber die aufgezählten Dinge sind so gut beschrieben und elegant, dass das eigentlich scheißegal ist. Irgendwann demnächst lese ich noch eines seiner Bücher nochmal ...


    Es ist toll, wie hier auch mit der Struktur der Geschichte gearbeitet wird. Das Buch hat 5 Teile. 2 davon haben zusammen 20 Seiten und sind eher fallende Handlung. Die drei wesentlichen Brocken beginnen alle mit einem Kapitel in einer ungewöhnlichen Erzählperspektive (meistens eine Figur aus deren Sicht in diesem Teil nicht mehr weiter erzählt wird).


    Ach, mich hat das Ende wirklich nochmal emotional gemacht. :'( Und das eigentlich nur, weil es vorbei war, weniger weil da traurige Dinge passieren ... meine uneingeschränkte Empfehlung an jeden.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich lese zum zweiten Mal den "Prinz der Schatten" von Torsten Fink. Es ist das erste Buch von drei Bänden, die ich damals nach dem Kauf förmlich verschlungen habe. Torsten Fink gehört seit der "Der Sohn des Sehers"-Reihe zu meinen Lieblingsautoren.

    Die Trilogie mit dem "Schatten" Sahif als Hauptcharakter, der bei einem Auftrag verunglückt und dann in einen Strudel aus Verrat, Gewalt und Intrigen hineingezerrt wid, hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. Empfehlung für alle, die Fantasy mit wirklich viel Fantasie mögen und bei denen Bücher erst ab 400 Seiten anfangen. :D

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    2 Mal editiert, zuletzt von Tariq ()

  • Heyho Tariq

    Danke für den Tip.

    400 Seiten aufwärts ist genau mein Ding...^^

  • Lords und Ladies von Terry Pratchett.

    Mit Total Verhext und Einfach Göttlich habe ich bei Pratchett eine deutliche Zunahme in der, sagen wir mal, Qualität gespürt. Besonders Einfach Göttlich hatte eine großartige Tiefe hinter seinen Figuren und Konzepten und der eher uninteressante Klamauk seiner frühen Scheibenweltromane war überhaupt nicht mehr zu spüren (Gevatter Tod, Pyramiden und Wachen! Waschen! würde ich trotzdem weit vorne einordnen).

    Lord und Ladies scheint den Trend weiter fortzusetzen. :) Wir haben hier eine direkte Fortsetzung von Total Verhext, was etwas seltenes bei den Scheibenweltbüchern ist. Ein Drittel habe ich schon gelesen und dieses Mal scheint Shakespeares Ein Sommernachtstraum etwas parodiert zu werden. :hmm: Bin mal gespannt.

  • Heyho kalkwiese


    Wenn's um Shakespeare geht, empfehle ich bei Sir Terry Pratchett "MacBest"...


    Sincerely yours.

  • Ich habe vor ein paar Tagen "Die Klinge des Schicksals" von Markus Heitz angefangen als Taschenbuch. Habe es als Mängelexemplar bekommen für 4,99€. Die ersten hundert Seiten sagen mir das es bis jetzt keiner Fehler war.


    Auf dem E-Reader lese ich gerade "Die Saat des weißen Drachen" von Uwe Eckardt - bis jetzt ein cooler Wechsel vom "real life" hin in die Fantasy Welt. Bin mal gespannt wie es weiter geht.


    E-Book praktisch, aber Buch bleibt Buch. *gleich mal am Papier schnüffeln* :P

    Kurzgeschichte "Unerwartet"


    Wie und Warum ist Haga zur Stadtwache gekommen?

    Warum schickt man keinen epischen Helden mit fundierter Monsterniederhack-Ausbildung?

    Fragen über Fragen ...



    Der Weg zum Selbst (Arbeitstitel)

  • Bis dahin überbrücke ich mir die Zeit erstmal mit Das mechanische Herz von Dru Pagliassotti. Ein Steampunk-Roman, in dem mechanische Flügel erlauben, in die Luft abzuheben... die ersten zwei oder drei Kapitel waren bisher eher so... naja. Mal sehen, wie es weitergeht.

    So, damit bin ich nun auch schon seit mindestens 2 Wochen fertig. Zeit, für ein kurzes Resumé:

    Abschließend hat mir der Roman doch ganz gut gefallen. Ein bisschen Krimi, ein bisschen Romanze, ein bisschen (aber sehr wenig) politischer Thriller (wobei der Thrill eigentlich eher fehlt) mit nettem Worldbuilding. Vor allem fand ich gut, dass der Schauplatz (eine Stadt) recht überschaubar war und es keine ewig langen Reisen gab. Dass die Welt darum herum aber noch viel größer und vielschichtiger ist, kommt für die Motivation der Charaktere und ihre Sicht der Welt immer wieder zutage. Das ist gut dosiert und würzt somit die an sich zügige Story ganz gut.

    Insgesamt nichts was man gelesen haben muss, aber als netter Zeitvertreib mit interessanten Alternativen zu Computern (vermutlich können hier nicht so viele Leute was mit Rechenmaschinen und Lochkarten anfangen) schon in Ordnung.


    Jetzt lese ich gerade Könige der Finsternis von Nicolas Eames. Da hab ich auch schon an die 200 Seiten verschlungen und muss sagen, das gefällt mir! Es geht um die Saga, eine Truppe von Söldnern, die ihre besten Zeiten schon seit gut 10 Jahren hinter sich hat und eigentlich in Rente ist. Doch weil die Tochter des einen in einer von Monsterhorden belagerten Stadt festsitzt, überzeugt er seine alten Kumpane dazu, die Tochter zu retten. Bisher coole Charaktere, wenn auch ein klein wenig stereotyp, coole mit zahllosen typischen (und weniger typischen) Fantasymonstern bevölkerte Welt (die Druin - aus meiner Sicht sind es so etwas wie unsterbliche Elfen - haben flauschig fellbesetzte Ohren). Insgesamt nimmt sich der Roman nicht so ernst, so dass man das gut lesen kann. Und trotzdem gibt's immer wieder düstere und ernste Momente. Bisher eine ganz gute Mischung zur guten Unterhaltung ^^

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Lords und Ladies von Terry Pratchett.

    Mit Total Verhext und Einfach Göttlich habe ich bei Pratchett eine deutliche Zunahme in der, sagen wir mal, Qualität gespürt. Besonders Einfach Göttlich hatte eine großartige Tiefe hinter seinen Figuren und Konzepten und der eher uninteressante Klamauk seiner frühen Scheibenweltromane war überhaupt nicht mehr zu spüren (Gevatter Tod, Pyramiden und Wachen! Waschen! würde ich trotzdem weit vorne einordnen).

    Lord und Ladies scheint den Trend weiter fortzusetzen. :) Wir haben hier eine direkte Fortsetzung von Total Verhext, was etwas seltenes bei den Scheibenweltbüchern ist. Ein Drittel habe ich schon gelesen und dieses Mal scheint Shakespeares Ein Sommernachtstraum etwas parodiert zu werden. :hmm: Bin mal gespannt.

    So ein bisschen ähneln sich die Bücher von Pratchett ja alle, muss ich sagen. :hmm: Definitiv wieder gut. Scheibenweltromane sind nicht unbedingt spannend, aber immer mit diesem typischen Witz. :) Meine Freude an den Büchern hängt dann also von den Konzepten ab, die dort erkundet werden. Und ich bin gar nicht so sicher, welche Lehren ich hieraus so ziehen kann. Da ist sicher was, aber so richtig in Erinnerung bleiben wollte es mir nicht.

    Mit den Elfen hat Pratchett Ungetüme eingeführt, die man wirklich ohne Skrupel töten kann, so mies sind die. Es geht um Schein und Sein und woher Dominanz kommt ... oder so. War gut. War ein Pratchett.

    Mehr kann ich irgendwie nicht dazu sagen. ^^

  • So ein bisschen ähneln sich die Bücher von Pratchett ja alle, muss ich sagen.

    Jein - der Humor ist irgendwie aehnlich, aber die fruehen sind oft sehr ueberdreht und klamaukig waehrend die spaeten sich eigentlich mit ernsten Themen auseinandersetzen und der Humor da mehr die Verpackung ist. 'The Truth' zum Beispiel ist ueber Pressefreiheit, oeffentliches Interesse etc. - das hat schon ganz anders Substanz als z.B. die fruehen Rincewind-Geschichten.

  • So ein bisschen ähneln sich die Bücher von Pratchett ja alle, muss ich sagen.

    Jein - der Humor ist irgendwie aehnlich, aber die fruehen sind oft sehr ueberdreht und klamaukig waehrend die spaeten sich eigentlich mit ernsten Themen auseinandersetzen und der Humor da mehr die Verpackung ist. 'The Truth' zum Beispiel ist ueber Pressefreiheit, oeffentliches Interesse etc. - das hat schon ganz anders Substanz als z.B. die fruehen Rincewind-Geschichten.

    The Truth war tatsächlich mein erster Scheibenweltroman. :D Ja, der ist sehr anders als die früheren SW-Bücher. Von den Rincewind-Geschichten bin ich kein großer Fan, muss ich sagen.

    Small God (Einfach Göttlich) ist schon eher wie The Truth, als Lords und Ladies das nun ist. Wie ein früherer Scheibenweltroman ist LuL aber auch nicht mehr, es ist wohl eher so eine Art Übergangswerk zwischen beiden Extremen, mit einem leichten Hang zu den späteren Tendenzen. :hmm:

    Wenn man die Bücher chronologisch liest, dann fühlt sich die Veränderung aber wirklich sehr langsam an. Und ähnlich sind sich sie bisher eigentlich alle in der Hinsicht, dass sie nicht spannend oder packend sind, wie andere Fantasybücher es gern sein wollen. Man weiß, dass es ein Happy End geben wird. Man weiß, dass die Guten gewinnen werden, auch wenn mit dem Konzept 'Die Guten' vielleicht gespielt werden wird. Die Gründe, warum diese Bücher geliebt werden, sind andere.

  • So, die Könige der Finsternis habe ich fertig und auch schon den nächsten Roman aus der gleichen Welt vom gleichen Autor gestern noch gekauft. Mir hat dabei besonders diese Mischung aus Humor und menschlicher Ernsthaftigkeit der Charaktere gefallen.


    Für die nächsten Tage habe ich mir mal ein Werk der Science-Fiction vorgenommen (was ich jetzt einfach auch mal zu Fantasy zähle): Engelssturz von Timothy Zahn. Den Autor kannte ich bisher hauptsächlich wegen der sehr coolen und guten Star Wars-Trilogie (Thrawn-Trilogie). Jetzt bin ich mal gespannt, was und wie er außerhalb von Star Wars schreibt.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Ich habe gerade wieder mehrere Bücher gleichzeitig am laufen :hmm:


    Einmal wäre da "Die Seiten der Welt: Nachtland" von Kai Meyer, der zweite Band der Die Seiten der Welt Trilogie. Es liest sich bisher so, als ware DSdW als Einzelband geplant gewesen. Die Bibliomantik ist ziemlich cool und als Figuren aus Büchern wurde ein wilder Mix gewählt, unter anderen der Protsgonist aus Kafkas "Die Verwandlung" als Nebenfigur. :D Es werden auch viele angedeutete Dinge aus dem ersten Band aufgegriffen.


    Dann habe ich auf meiner etwa achtstündigen Fahrt gestern das Hörbuch zu Günter Grass' "Die Blechtrommel" begonnen. Grass liest selbst und er macht das fantastisch! Wahrscheinlich ist das Hörbuch die definitive Form seiner Romane, wo er die Prosa doch schon gesprochen verfasst hat. Man merkt aber auch wieder, was für ein dickes Teil dieses Buch ist. In den acht Stunden habe ich nichtmal ein Drittel anhören können.


    Und dann noch "Utopia Avenue" von David Mitchell, das bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Utopia Avenue ist der Name einer fiktiven Band, die Ende der 60er zusammenkommt. Es geht also viel um die britische Musikszene zu der Zeit und auch darum, über Musik zu schreiben, was ja angeblich wäre wie über Architektur zu tanzen. Für Mitchell war die Herausforderung wohl verlockend. Mal sehen, was er jetzt draus gemacht hat. :) und ob da auch phantastische Elemente drin sind oder nicht.

  • Einmal wäre da "Die Seiten der Welt: Nachtland" von Kai Meyer, der zweite Band der Die Seiten der Welt Trilogie. Es liest sich bisher so, als ware DSdW als Einzelband geplant gewesen. Die Bibliomantik ist ziemlich cool und als Figuren aus Büchern wurde ein wilder Mix gewählt, unter anderen der Protsgonist aus Kafkas "Die Verwandlung" als Nebenfigur. :D Es werden auch viele angedeutete Dinge aus dem ersten Band aufgegriffen.

    Bin damit nun durch. Es bleibt eine gute Jugendbuchreihe, mit einer tollen, lebhaften Prosa, vielen gut umgesetzten Charakteren und einem sehr coolen Magiesystem. An all diesen Dingen hatte ich viel Freude. An den Exlibri, an Furias kleinem Bruder Pip und wie er "Die Verwandlung" so schrecklich langweilig fand und das Ungeziefer lieber menschenfressend durch die Stadt geschickt hätte, damit es von Panzern niedergemacht wird. Die Nebenwirkungen der Bibliomantik sind interessant, weil man da ein eher lockeres Magiesystem hat, das allerlei Unsinn anstellen kann, den man eigentlich nicht haben möchte ... Alles sowas ist interessant.


    So ganz restlos begeistert bin ich aber irgendwie nicht, und ich glaube ich weiß jetzt was das ist.

    Das Buch wird sehr vom Plot getrieben. Das ist natürlich in Ordnung so. Aber ich als Leser mag es, in einer Figur zu versinken und ihren Gedankenspielen, Philosophien und Zerwürfnissen zu folgen. Und das gibt ea hier einfach nicht so sehr. Für ein Jugendbuch ist das aber sicher nicht schlecht, trifft halt nicht meinen Geschmack. :pardon:

    Zwischendurch, als man mal drei oder vier Handlungssträngen gefolgt ist, war mir das manchmal etwas zu zerfasert und unübersichtlich, aber am Ende kam alles ja wieder zusammen. ^^

    Gute Reihe jedenfalls.

  • Ich bin inzwischen bei "Prinz der Klingen", dem zweiten Band der Schattentrilogie, angekommen. Nach wie vor ungeheuer spannend: Nachdem ich den ersten Band ins Regal zurückgestellt habe, musste ich gleich den zweiten beginnen. Mich fasziniert, wie Torsten Fink es versteht, so viele verschiedene Handlungsstränge mit so vielen Charakteren parallel laufen zu lassen, ohne dass der Leser den Überblick, die Orientierung und damit die Lust am Weiterlesen verliert. Man springt - vom Autor an der Hand genommen - von einem Szenario ins andere und weiß trotzdem sofort wieder genau, was dem Charakter, den man da wiedertrifft, als Letztes passiert ist.

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Im Moment liegt mein Hauptfokus auf Utopia Avenue von David Mitchell (Als Fan und Kenner des Mitchell-verses habe ich auch schon Fantasyelemente ausgemacht, deswegen bin ich hier im richtigen Thread, ha! Wer das Buch aber für sich stehend liest, könnte die unter Umständen übersehen oder anders interpretieren). Es Ist ein bisschen wie Once Upon A Time in Hollywood, wo der Regisseur so richtig Bock hatte, die Filmszene in L. A. aus den 60ern wieder aufleben zu lassen. Nur halt in Großbritannien und über Musik und nicht mit so viel Gewalt.

    Es macht gerade jedenfalls sehr viel Spaß und ich begrüße die neue Richtung, die nach Die Knochenuhren und Slade House hier eingeschlagen wurde.


    Warum ich den Post aber eigentlich mache: Ich habe jetzt 1Q84 von Haruki Murakami begonnen. Die Geschichte ist als Trilogie veröffentlicht worden, mit Teil 1 und 2 im selben Band. Geht man also in die Buchhandlung, wird man Bücher mit den Titeln "1Q84" und "1Q84 3" finden und diese beiden werden die gesamte Trilogie abdecken. Verlage und ihre Veröffentlichungspolitik ...

    Band 3 habe ich noch nicht und das Buch aus Teil 1 und 2 ist über 1000 Seiten dick. Aber was steht drin?

    Gute Frage. Bisher gibt es zwei Protagonisten: Aomame, eine junge, schöne, aber etwas exzentrische Auftragsmöderin; und Tengo, ein junger, werdender Autor, der mit der Überarbeitung eines Manuskripts beauftragt wird.

    Noch weiß ich keine Details, aber die Realität scheint aus den Fugen zu geraten, darum poste ich es unter Fantasy.

    Murakami hat irgendwie einen Hang zum Redundanten. Öfter kommt es mal vor, dass er mit zwei oder sogar drei Sätzen den gleichen Sachverhalt beschreibt, ohne wirklich etwas hinzuzufügen. Im Forum würde ich sowas sofort anmerken. :pardon: Aber der Erfolg gibt wohl Recht, ob ich das mag oder nicht. Im Japanischen ist Redundanz wohl auch nicht so gravierend wie in den eher westlichen Sprachen. Da kommt einem glatt die Frage auf, wie groß die Rolle der Übersetzer eigentlich bei Murakamis internationalem Erfolg sein mag.

    Er benutzt auch einen sehr sehr einfachen Stil, den er aber abwechslungsreich und eigenwillig zu benutzen versteht. Es ist interessant zu sehen, wie man alle möglichen Stile stimmig und zugänglich umsetzen kann, seien es kurze oder lange Sätze, Ein-Wort-Sätze, Sätze wie Aufzählungen, viele Absätze, kaum Absätze, alles zusammen - man kann alles stimmig einsetzen. Je mehr man die Regeln lernt, desto freier werden sie interpretierbar und desto besser gelingen einem die Experimente.

  • Vor ein paar Stunden Utopia Avenue von David Mitchell beendet.

    Utopia Avenue ist eine fiktive Band, die 1967 gegründet wird und verschiedenste Strömungen der damaligen Zeit miteinander vereint: Tasteninstrumente, Gesang - Elf Holloway, Folksängerin; Bass, Gesang - Dean Moss, hat einen R'n'B und Rock'n'Roll-Hintergrung; Gitarre, Gesang - Jasper de Zoet (ein Nachfahre von Jacob de Zoet, nach dem ein anderer Roman von Mitchell benannt ist), spielt virtuos in einer Liga mit Eric Clapton und Jimi Hendrix, und Schlagzeug - Griff Griffin, Jazzdrummer.
    Protagonisten sind Elf, Jasper und Dean, wobei der Manager Levon und Griff auch jeweils ein Kapitel bekommen. Das Buch ist interessant strukturiert. Es gibt größere Kapitel, die nach den LP-Seiten der Alben benannt sind (bspw. "Paradise is the Road to Paradise, Side One"), mit einzelnen Kapiteln, die nach Liedern benannt und aus Perspektive des Songwriters erzählt sind.

    Ähnlich wie "Der Dreizehnte Monat" sind es die Einzelepisoden, die die große Erzählung ausmachen - die Geschichte der Band eben. Ihre Gründung, ihre Sorgen, ihre Liebschaften, ihre Krisen, Drogen, Sex, die Ekstase der Liveshows, Abgründe der eigenen Sexualität, feministische Problematiken, Schizophrenie, echte und falsche Freunde - die Musikszene in ihrer ganze Pracht. Für einen Nerd wie mich ist das hier ein Fest gewesen. :D Vor allem auch bei den ganzen Auftritten von Figuren wie David Bowie, Leonard Cohen, Janis Joplin usw.

    Wahrscheinlich ist das ganze auch ein bisschen verklärt, aber man spürt, dass hier ein kurzes, aber goldenes Zeitalter eingefangen wurde.

    Die Prosa war wieder angenehm einfach, kreativ und reich. Statt wechselnden Ich-Erzählern hat er sich für personale Erzähler entschieden, was vielleicht damit zusammenhängt, dass hier ca. alle 20 Seiten die Perspektive wechselt und nicht erst alle 100.

    Ich bin auch sehr froh, dass nach dem Doppel von Die Knochenuhren und Slade House, die einen deutlichen Fantasy-Einschlag hatten, diese Elemente erstmal wieder in den Hintergrund treten. So sehr ich die auch mag, die realen Probleme und Sorgen der Figuren interessieren mich etwas mehr.

    Bei all meiner Lobhubelei für Mitchell zeichnen sich für mich als Langzeitfan auch langsam die Muster ab und vielleicht auch die ein oder andere Schwäche.

    Das ganze Buch ist sehr unterhaltsam. Das ist wichtiger als vieles anderes. Aber es fällt schon auf, dass viele der Figuren den gleichen Witz an den Tag legen. Öfter als mir lieb ist fühlen sich viele der Nebenfiguren damit irgendwie ähnlich an. Die sind sozusagen der Grundzustand. Nur Figuren, die ausdrücklich einen Grund dazu haben, sind deutlich anders. Vielleicht muss man mit seinen Statisten in einem Roman voller Figuren so verfahren?

    Es fällt auch auf, dass es sehr viele One Liner gibt, die sich super zitieren lassen und dann natürlich tiefsinnig klingen. Solche One Liner haben dann eine "X ist wie Y, man tut es, um nicht Z tun zu müssen." Mitchell versteht sein Handwerk und sucht nach genau diesen Dingen, damit er seinen Lesern geben kann, was sie von Mitchell erwarten.

    Das liest sich jetzt natürlich sehr negativ, aber mir fällt es ja nur deshalb so auf, weil ich diesen Autoren so bewundere. Auch furchtbar talentierte Künstler zeigen Licht und Schatten, wenn man ihnen analytisch auf die Pelle rückt. Terry Pratchett muss sich das auch von mir gefallen lassen. :D


    Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen. Wenn ich es jetzt mit A Game of Thrones vergleiche, dann ist Mitchells Stil deutlich flexibler und nahbarer, nicht so kühl distanziert wie der von Martin. Er ist aber auch deutlich britischer, was für mich viel Googlen bedeutet hat. Mit Urban Dictionary habe ich mir auch den Slang erschließen können und auf lange Sicht hat das positiv zur Erfahrung beigetragen. :thumbup: Sehr sehr cool.


    Leseempfehlung von mir, für Fans von Mitchell und Musikfans. Wer mit Pop/Rock/Psychedelia und Livemusik nichts anfangen kann, der würde mit diesem Buch vielleicht seine Schwierigkeiten haben. Irgendwann dieses Jahr kommt es bestimmt auch auf Deutsch raus. :D

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich habe heute 1Q84 von Haruki Murakami ausgelesen und ich bin recht zwiegespalten.

    Dieses 1500 Seiten starke Ding (Buch 1 und 2 in einem Band, Buch 3 gibt es als zusätzlichen Band) ist eines der ereignisärmsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Das Buch besteht überwiegend aus Gesprächsprosa und inneren Gedankengängen der Figuren. Das ist bisher nichts Negatives mMn, denn Murakami scheint in sowas irgendwie aufzugehen. Das und in bizarren Situationen, für deren Beschreibung ich wieder Ausdrücke wie "Magischer Realismus" herholen muss.

    Die Auftragsmörderin Aomame stellt fest, dass die Polizei plötzlich schwerere Waffen trägt, quasi von einem Tag zum anderen. Der Wechsel der Waffen lag aber bereits zwei Jahre zurück. Aomame folgert daraus - und aus anderen Beobachtungen gleicher Art -, dass sie sich nicht mehr in ihrer Welt des Jahres 1984 befindet, sondern in einer alternativen Welt, die sie 1Q84 tauft. Q steht für Question Mark. Außerdem wird die 9 im Japanischen wohl als Kyu ausgesprochen.

    Es gibt Episoden zu verschiedensten Themen, Machenschaften einer Sekte spielen auch eine Rolle, aber man sollte keine Action erwarten oder dass man diese Sekte mal von Innen zu sehen bekommt. Denn dieses Buch - und das wird recht spät erst klar - ist vor allem eines:

    Manche Themen (wie die Sekte und ihre Machenschaften) weckten große Erwartungen bei mir und die wurden nicht nur nicht erfüllt, was völlig in Ordnung ist, sondern wie wurden auch nicht durch etwas ersetzt, das ich stattdessen richtig cool finden könnte. :hmm:

    Am Ende lebt das Buch vor allem von seiner hypnotischen, sehr zugänglichen Prosa (Pluspunkt!) und seinen Figuren.


    Also, ich mochte es schon. Aber ich bin mir irgendwie sicher, dass der Murakami auch besseres zu bieten hat.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]