Weird Tales (Thread zum Mitmachen)

  • Hey,


    habe mich jetzt auch mal durch diesen Thread gelesen. Seeehhhr cool :thumbsup:


    Hier nur eine Anmerkung zur letzten Geschichte @Myrtana222. Ich packe das mal in einen Spoiler, damit ich nichts vorwegnehme:



    LG,
    Rainbow

  • @Myrtana222


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Hier wurde zwar schon ziemlich lange nichts mehr gepostet, weiss garnicht, ob der Thread noch aktiv ist ... aber ich habe eine Schreibblocke ja, und tatsächlich, wenn ich die habe, fange ich an echt schräge Dinge zu schreiben. :rofl: darum denke ich, dass ich mein heutiges etwas sonderbare Werk doch hier posten könnte ... 8o


    Ich will hier raus!


    Es ist so weit.
    Es hat begonnen, wieder.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Der Ton, dieser verflixte Ton, so einfach, so rhythmisch, so immerwährend, so schrecklich.
    Lass mich!
    Doch mein verzweifeltes Geschrei lässt den Ton nicht verstummen.
    Tränen bilden sich in meinen Augen, ich beginne zu zittern, gleich einem dieser Drogen-Junkies ohne Stoff.
    Ich brülle und schreie aus voller Kehle.
    Doch der Ton ist monoton.
    Dieser Ton, dieses Geräusch, es verfolgt mich!
    Es will mich verschlingen!
    Panik!
    Blanke Panik übermannt mich.
    Ich trete um mich, versuche mir die Haare auszureissen, mir die Ohren zu zuhalten.
    Ich bin ausser mir wie eine wild gewordene Furie.
    Es ist überall. Es ist immer hier.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Ich will alleine sein, doch bin ich es nicht.
    Sie kommen, die Pfleger. Sie machen alles nur noch schlimmer, sie wollen nur das Beste für mich, so ihre Worte.
    Erst versuchen sie es freundlich, ruhig, beinahe beruhigend, wie ein indisches Mantra.
    Doch ich trete, schreie und wehre mich.
    Ein Arm packt mich. Er ist stark und bändigend – ich kann mich nicht bewegen!
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Die verlorene Kontrolle über meinen Körper lässt mich nur noch lauter und verzweifelter schreien.
    Es werden immer mehr Arme und Hände, die sich um mich schlingen.
    Die Luft erreicht meine Lungen nicht mehr, sie prallt einfach an mir ab.
    Plötzlich spüre ich diesen stechenden Schmerz. Es gelingt mir, mich noch einige Sekunden dem süssen Aroma im Blut zu widersetzten.
    Doch bin ich nur ein Mensch, der schwächelt.
    Nur ein Mensch.
    Die Dunkelheit wirft sich über mich und mit ihr die vollkommene Ruhe.
    Fast.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Es verfolgt mich, sogar in meinen Träumen.
    Ich will hier weg, weit weg, so weit wie möglich, ohne es.
    Bitte!
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Lass mich!
    Wieder ist mein verzweifeltes Gebrüll machtlos dagegen.
    Es ist noch immer monoton, von Zeit zu Zeit weiter weg, es klingt hohler.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Nach Luft schnappend öffne ich die Augen.
    Weiss.
    Überall dieses leere weiss!
    Ich renne dagegen.
    Alles ist flauschig.
    Der Boden, die Wände, sogar die weisse Weste, die meinen Körper umschliesst.
    Meine Arme sind gekreuzt, die Hände hinter dem Rücken.
    Ich bin gefangen in diesem schrecklichen flauschigen Gefängnis.
    Lasst mich raus!
    Lasst mich raus!
    Ich renne dagegen und pralle ab, leicht und unverletzt.
    Bitte!
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Die Weste soll mich beruhigen, aber sie bewirkt das Gegenteil.
    Sie ergänzt sich perfekt mit meinem Körper, schmiegt sich immer enger an mich.
    Lasst mich hier raus!
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Das Gefängnis öffnet seine Pforten und ich sehe schwarze Pantoffeln, die sich über das Weisse auf mich zu bewegen.
    Schwarz und weiss. Weiss und schwarz.
    Wie ein Schachbrett.
    Weisse Quadrate folgen auf schwarze und schwarze Quadrate folgen auf weisse.
    Bauer fällt.
    Läufer fällt.
    Turm fällt.
    Dame fällt.
    Schachmatt.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Bitte!
    Es soll aufhören, schluchze ich.
    Ich sehe vom weissen Boden auf und erblicke einen Pfleger in weisser Kluft.
    Eine runde Scheibe, auf der Zeiger um die Wette rennen, ersetzt den Kopf.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Ich mache einen Sprung rückwärts und spüre die flauschige Wand im Rücken.
    Die Zeiger rennen immer schneller und lösen sich vor meinen Augen auf.
    Übrig bleibt eine weisse Scheibe mit schwarzen Zahlen.
    Weiss und schwarz. Schwarz und weiss. Weiss und schwarz. Schwarz und weiss.
    Die Zahlen tanzen vor meinen Augen.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack
    Weiss und schwarz. Schwarz und weiss. Weiss und schwarz. Schwarz und weiss.
    Ach, das Schachbrett!
    Weisse Quadrate folgen auf schwarze und schwarze Quadrate folgen auf weisse.
    Tick Tack Tick Tack Tick Tack

  • Hey @97dragonfly,


    Mhh verrückt fällt mir im ersten Moment ein.
    Und gruselig irgendwie. Mal was anderes. Durch das ständige tick tack, fängt man an I eh endwie schneller zu lesen :D so als wenn man durch das Geschehen gescheucht wird. Dachte erst da träumt jemand dessen Wecker klingelt :D dann wäre das aber ein sehr verrückter Traum man oh man. Da würde ich schreiend aufwachen.
    Und bei diesem ganzen schwarz und weiß würde ich je wieder die Augen aufmachen und lieber blind sein. Und dann kann man noch nicht mal seine Arme bewegen weil man in einer zwangsjacke steckt...
    Wie bist du nur darauf gekommen? :D


    LG Sora :rolleyes:

    "Niemand weiß, was er kann, wenn er es nicht versucht." Zitat von Publilius Syrus



    Meine Geschichte: Erbin der Mächtigen ;)


    "Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm."
    "Was für ein dummes Lamm."
    "Was für ein kranker, masochistischer Löwe."
    Zitat aus dem Buch "Biss zum Morgengrauen"

  • @Sora

    Mhh verrückt fällt mir im ersten Moment ein.

    Sollte es ja auch sein :rofl:

    Und bei diesem ganzen schwarz und weiß würde ich je wieder die Augen aufmachen und lieber blind sein. Und dann kann man noch nicht mal seine Arme bewegen weil man in einer zwangsjacke steckt...

    Irgendwie war das mein Ziel, so völlig verrückt, man den Faden verliert und dann plötzlich an das Schachbrett erinnert wird.

    Wie bist du nur darauf gekommen?

    Keine Ahnug, Irrenanstalt. Hihi, irgendetwas verrücktes. Etwas was ich sonst nie schreiben würde, hilft mir meine Schreibblockaden zu überwinden. Einmal war ich inspiriert von dem lebenden Baum aus dem Film das letzte Einhorn ... die Geschichte ist auch total verrückt.


    Lg
    Fly

  • Elfe hat einen schlechten Tag

    Seit Stunden stand sie bereits in dieser grotesken Position auf dem Steg. Sie war einfach zu vertrauensselig gewesen. Aber das süße blonde Mädchen hatte wirklich nicht wie ein Schattendämon ausgesehen.
    „Tanzt du für mich?“, hatte das Biest gefragt und sie mit unschuldigen blauen Augen angeblickt. Niemals würde sie das zuckersüße Lachen vergessen, als die Kleine fröhlich hüpfend ihrer Wege ging.
    Der regungslose See reflektierte die letzten quecksilbrigen Strahlen der Sonne wie ein magischer Spiegel. Das sah hübsch aus, wären nur die grauen Schatten unter der glatten Oberfläche nicht gewesen. Sie wusste, wenn die letzten Sonnenstrahlen den Horizont verließen, würden die Schatten mehr als ein ästhetisches Ärgernis darstellen.
    Ein leichtes Kribbeln in den Fingerspitzen kündigte das Abklingen des Bannzaubers an. Das war gut! Schon konnte sie den kleinen Finger ein wenig bewegen.
    Das schmatzende Geräusch ließ sie angstvoll aufstöhnen. Ihr war, als glitten riesenhafte tentakelhafte Schatten die hölzernen Pfosten des Steges hinauf.
    Eine kalte Entsetzlichkeit berührte ihre Wade.
    Die Tiere der Nacht hielten nur kurz inne, dann setzten die Nachtzikaden ihr Abendkonzert fort.


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

  • Lebenslicht


    In Zeiten wie diesen ist Aufräumen eine gute Beschäftigung. Selbst der stolzen Kommode am Fenster schien Staub nicht mehr fremd zu sein. Das Mondlicht verfing sich verräterisch in einem Belag von Ruß und Vergängnis. Ich öffnete das untere Fach des Möbels und bemerkte die Phiole aus dickem Bleiglas.

    Nachdenklich nahm ich das Gefäß und stellte es auf den Tisch neben meinem geliebten Sessel aus Kamelleder. Die Phiole glitzerte im Mondlicht, oder besser, der Inhalt glitzerte im Lichte.

    Das war ihr gutes Recht. Denn in dem Glas befand sich nichts anderes als das Lebenslicht einer jungen Frau, die ich einst getroffen habe.


    Der Abend war lang gewesen. Bald schon würde die Sonne die Nacht erobert und in den Tag gezwungen haben. Ich aber schritt mit beschwingtem Schritt nach Hause zu. Die Beute der Nacht war reichlich gewesen. Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Die Gefäße klapperten in der Tasche meines Mantels. Ein leiser Nieselregen setzte ein und ich zog den Kragen hoch.
    Die Joggerin überholte mich kurz vor der Brücke über den Main. Ein Mädchen auf der Schwelle zur Frau, mit einem Pferdeschwanz und hohem Tempo. Wir leben in einer hektischen Welt.
    Mein Stock half mir die Treppe zur Mainbrücke hinauf. Ich schlenderte zügig voran.

    Das Sonnenlicht war nicht fern.

    Da wurde ich der jungen Joggerin gewahr. Sie stand auf der anderen Seite der Brüstung und starrte auf Wasser.
    „Darf ich fragen. Was sie dort planen?“
    „Na wonach sieht das aus, alter Mann?“
    „Nun. Wenn ich es nicht anders wüsste, würde ich denken, dass sie sich in die Fluten stürzen wollen. Was ihren Tod bedeuten könnte.“
    Ich dachte nach. „Aber das wissen sie sicherlich.“
    „Der verdammte Idiot hat mich sitzen lassen, wegen dieser Schlampe. Das wird er noch bereuen!“
    „Hmm… “
    „Was hmm?“
    „Nun. Ich kenne mich mit derlei Dingen nicht gut aus. Aber es scheint mir als wollten sie ihr Leben beenden, weil sie sich der Liebe eines „Idioten“ nicht sicher sind.“
    „Reden sie nicht so geschwollen daher. Der Typ hat mich verarscht. So etwas passiert mir andauernd. Ich hab echt keine Lust mehr.“
    Ich muss erwähnen, dass mir die Beweggründe von Menschen oft im Verborgenen bleiben. Hier erschien es mir jedoch ganz klar.
    „Dann legen sie wegen dieses Typen keinen Wert mehr auf ihr Leben?“
    „So kann man es ausdrücken. Ich bringe mich jetzt um, dann kann er sehen, wo er bleibt.“
    Die Frau machte Anstalten sich in die Fluten zu stürzen.
    „Warten sie einen Moment!“
    „Was!?“
    Sie hielt inne.
    „Wenn sie keinen Wert mehr auf ihr Leben haben. Kann ich es dann haben?“
    „Hey Alter. Bist du irgendein Perverser, oder was?“
    „Nein ich habe keinerlei perverses Interesse an ihnen. Ich dachte nur, wenn sie ihr Leben nicht mehr brauchen… “
    „Klar!“ Die junge Frau lachte und sah mich abschätzend an. „Kannst du haben.“
    „Dankeschön!“
    Ich nahm die Phiole aus meiner Manteltasche.
    Die junge Frau sah mich erstaunt an. Es schien mir für einen Augenblick, als sei sie irritiert und wolle noch etwas sagen. Wer weiß schon genau was?

    Das Lebenslicht verließ ihren Körper. Die leere Hülle fiel von der Brücke hinab. Die Strömung würde sie zum Meer hin treiben.

    Was für ein schöner Gedanke.


    Die Phiole glänzte im Mondlicht. Ein guter Tropfen. Würdig die Nacht zu beschließen.
    Ich schenkte mir ein.



    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz