• Einen wunderschönen guten Nachmittag, Liebes Forum :D


    @Jennagon und ich haben mal wieder gesponnen und uns eine SciFi Geschichte ausgedacht. Das ganze hat mal wieder mit einem Charakter (Jason) begonnen, den ich iwann mal im Kopf hatte und ihr wisst ja, wie das ist, wenn man sich mit anderen über Ideen austauscht - es entstehen neue. So wurde Sirrah geschaffen und die beiden auf eine ... nennen wir es Reise geschickt :D
    Das Ganze wird grundsätzlich dem gleichen Schema folgen, wie es ZLuT tut und die Sichtweisen der beiden abwechselnd präsentieren.
    Wir haben eine Richtung, in die wir die beiden schubsen wollen, aber der Plot an sich ist bisher nur recht grob ausgearbeitet, also könnt ihr gerne durch wildes Mutmaßen, Spekulieren und Ideen äußern ein bisschen Einfluss nehmen :D
    Wir wissen, dass die Geschichte noch nicht perfekt ist und vieles vage Zukunftsmusik ist. Es kann sein, dass wir uns auf halbem Weg umentscheiden - das wissen wir noch nicht. :D
    Uns ist wichtig, dass ihr euch auf den Spaß am Lesen und den Inhalt der Geschichte konzentriert, wir wollen/brauchen kein Lektorat/Korrektorat, da wir vorerst nichts größeres mit dieser Story vorhaben, außer zu unterhalten. Wir wollen einfach mal frei drauflos schreiben und sehen, wo es uns hinführt. Also sagt uns einfach, was euch zu Cover, Verlauf, Setting*, Charakteren und so weiter einfällt :) Wenn eure Ideen gut passen oder schlicht besser sind als unsere werden wir sie natürlich schamlos stehlen!


    *Zum Setting: Es ist ein SciFi Setting, aber erwartet bitte nicht, dass wir euch Seitenweise technische Erklärungen um die Ohren hauen. Das langweilt selbst uns :rofl: Wir werden wichtige technische Konzepte erwähnen und ggfs. grob erläutern - aber beispielsweise nicht, warum es zb auf einem Raumschiff normale Schwerkraft gibt - darum geht es uns nicht. Wir wollen die Geschichte der beiden Hauptchars Sirrah und Jason erzählen und kein Sachbuch über Raumfahrt schreiben :D Alle "gesellschaftlichen" Konzepte, Worldbuilding, Städte, Verlauf der Geschichte (also "History") etc. dürft ihr natürlich gerne kommentieren :D


    Oh und wer jetzt eine zweite Iouna und einen zweiten Halvar erwartet wird höchstwahrscheinlich enttäuscht xD Die beiden sind ... anders :D


    So, lange Rede, kurzer Sinn: Fangen wir einfach mit dem Prolog an!





    Prolog


    Wenig überrascht starrte Antares in den Lauf einer vorgehaltenen Waffe. Die Dame, die er zu sich eingeladen hatte, entpuppte sich plötzlich als wesentlich unfreundlicher als noch vor einigen Minuten im Restaurant. Einsame Männer wurden anscheinend unvorsichtig, wenn es darum ging, den Reizen einer jungen, attraktiven Geschäftsfrau zu widerstehen.
    „Wo befinden sich die Koordinaten der Handelsplattform?“, forderte sie zu wissen und kam einen Schritt auf ihn zu.
    „Sie sind nicht auf dem Computer, wenn Sie sich das erhofft haben. Bei solch entscheidenden Informationen ziehe ich bessere Verstecke vor.“
    „Wo?“, wurde die Fremde lauter, die sich ihm als Calypso vorgestellt hatte. Nun hegte Antares berechtigte Zweifel daran, dass dies ihr richtiger Name war.
    „Ich werde Ihnen nichts sagen, selbst wenn Sie mich erschießen ... Dann vermutlich erst recht nicht mehr!“ Schon lange hatte er mit einem Attentat gerechnet. Es war eine Frage der Zeit gewesen, wann sich ebendiese Situation abspielen würde. Aber über die Jahre wollte er auch wieder ein Stück weit leben und sich nicht nur verstecken müssen. Ein Gefangener seiner Welt zu sein konnte ebenso tödlich verlaufen, wie falsches Vertrauen.
    Regelrecht unbekümmert saß er auf dem Stuhl in seinem Büro, forderte sein Glück heraus und starrte auf sein Kontrollpult hinunter. Den Alarm konnte er nicht auslösen. Irgendjemand hatte sämtliche Codes geändert und verwehrte ihm damit den Zugang zum Sicherheitsbereich. Lediglich die Ordner zu seinen Projekten waren für ihn zu öffnen. „Die Koordinaten befinden sich nicht in der Firmendatenbank, das wäre vollkommen nachlässig. Und ich habe sie auch nicht im Kopf!“, sprach Antares weiter und fuhr sich durch sein ergrautes Haar. „Sie können alles durchsuchen, jede Datei kopieren, die Sie finden, Sie werden nicht an den Standort der Plattform herankommen, dafür habe ich vor über zwanzig Jahren gesorgt!“
    „Wenn das so ist ...“, antwortete die schlanke, blonde Frau und kam um den Schreibtisch herum. Sie platzierte sich genau hinter Antares und warf, ohne dass er sie sehen konnte, ihre Perücke vor ihn auf den Tisch.
    „Ist an Ihnen überhaupt etwas echt?“, forderte er zu wissen und ahnte, dass er sein Todesurteil unterzeichnet hatte. Doch um sein Leben betteln würde er nicht. Es wäre ohnehin zwecklos und wenn er schon sterben musste, dann in Würde.
    Das leise Rascheln ihres Kleides war alles, das den Raum erfüllte, während sie sich zu seinem Ohr hinunter beugte. „Sag du es mir, Daddy ...“, hauchte sie in sein Ohr, woraufhin Antares die Augen weit aufriss.
    Bevor er etwas erwidern konnte, spürte er den kalten Stahl an seiner rechten Schläfe und ein gedämpfter Schuss löste sich.

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Der Prolog endet schon mal mit einem Knall :D


    Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.


    Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz

  • :panik: Eine neue Geschichte von @Chaos Rising und @Jennagon :panik:
    Ich bin das glücklichste Wolfi der Welt o.o


    Das Cover ist schick und der Prolog gefällt mir schon mal :) Der Beginn macht mir richtig Lust auf mehr, einfach weil es ein bisschen düster wirkt und gleich zu Anfang jemand stirbt x)




    Liebe Grüße


    Hikari


    Keen to the scent, the hunt is my muse
    A means to an end this path that I choose
    Lost and aloof are the loves of my past

    WAKE THE WHITE WOLF, remembrance at last


    Chaos hat gesagt, dass ich "süß und flauschig" bin :love:

  • Hallo @Jennagon und @Chaos Rising. Und auch ich freue mich rießig, eine von euren Geschichten von Anfang an zu lesen und die Entwicklung der Geschichte mitzuerleben.
    Der Prolog endet wirklich mit einem Kliffhänger und macht Lust auf mehr.
    Also für mich Daumen hoch! :thumbsup:

    Mehr aus meiner Feder: Gefangen im High Fantasy Bereich.


    Der Tag an dem alles begann findet ihr im Urban Fantasy Bereich auf fleißige Leser. ^^






  • Kapitel 1 – Dornröschen erwacht



    „Miss ...“
    „Was ist?“, antwortete die Leiterin der Forschungsabteilung genervt, da es gefühlt der dritte Anruf binnen zwei Minuten war, und alle drehten sich bloß um das Buffet für die Stationseröffnung.
    „Ihre Lieferung ist eingetroffen!“
    Wurde auch Zeit!
    „In Ordnung. Machen Sie ihn bereit, um aus der Stasis aufzuwachen. Ich bin gleich da!“
    Endlich gute Nachrichten. Ich dachte schon, ich müsste mir ein anderes Modell bestellen.
    „Sehr wohl“, sprach die männliche Stimme am anderen Ende und Sirrah drückte auf das blinkende Licht auf ihrem Schreibtisch. Damit erlosch die Projektion des dunkelhaarigen Mannes, welcher aus der Verladehalle zu ihr gesprochen hatte.
    In freudiger Erwartung erhob sich die Frau und zog sich ihre Handschuhe und Kapuze samt Atemmaske auf, um so ausreichend geschützt ihrer Umwelt entgegenzutreten. Ihr steriles Umfeld zu verlassen war mehr als ein Abenteuer. Es war mit einem gewissen Risiko verbunden und sie wusste das, denn auf der Erde war jeder vorsichtig. Die abgeschottete Lebensweise der Erdlinge hatte dafür gesorgt, dass sie auf die meisten Umwelteinflüsse empfindlich reagieren konnten. Krankheiten anderer Planeten galten damit als immens gefährlich, denn ihre Körper waren für sie sehr anfällig. Doch blieb ihr dieser Tage nichts anderes übrig, als alles zu riskieren.
    In einen engen, weißen Anzug gehüllt ging sie zu ihrer Tür, die sich durch ihre Stimme und einem sich täglich ändernden Passwort öffnen ließ. Der Weg war nicht weit, bloß ein paar künstlich erhellte Korridore entlang und dann mit dem Fahrstuhl zwei Stockwerke hinunter.
    Die Lieferung, die sie erwartete, war alles andere als ein neuer Prototyp von irgendeinem Körperteil, das Talithea Industries beliebte zu ersetzen. Es handelte sich vielmehr um ein Auslaufmodell, das ihre Neugierde geweckt hatte. Es war ihr empfohlen worden und nun war zu testen, ob es hielt, was es versprach. Für die kommende Mission brauchte sie denkende Individuen, welche die Besten auf ihrem Gebiet waren. Das hieß mitunter, sich auch anderer Planeten zu bedienen, um sie zu bekommen.
    Die Tür zum Hangar öffnete sich. Es war eine riesige Halle mit mehreren Landestationen, welche ebenso in Weiß gehalten war, wie alles bei TI. Große Flutlichter erhellten den Hafen, obwohl außerhalb des Komplexes die Morgensonne schien.
    Die Schritte der blonden Ärztin hallten auf dem steinernen Boden wider, während sich ihre Assistenten in der Ferne ebenso ihre Schutzanzüge überstreiften.

    Auf in den Kampf!
    Sirrah konnte dabei zusehen, wie die zwei Meter fünfzig lange Box aus dem Frachter geladen wurde. Zwischen all den anderen Weltraumfähren ging der kleine Transporter beinahe unter, aber das war Absicht. Alles sollte so unauffällig wie möglich sein, damit niemand unliebsame Fragen stellte. Immerhin hatte sie sich bereits in genügend Lügen verstrickt, so dass sie Gefahr lief, den Überblick zu verlieren.
    Deutlich war auf der Kryokammer die Aufschrift des Gefängnisses zu sehen. „Saggitarius“. Dort kam jeder hin, den die Föderation vergessen wollte. An einen Ort, wo es keine Gesetze gab, sondern nur den Versuch, zu überleben. Gegen Arbeit konnten die Menschen Nahrung erhalten, aber ein Leben war das nicht. Überfälle und Morde standen an der Tagesordnung. Sirrah war das bekannt, dennoch hielt es sie nicht davon ab, ihre Lieferung abzufangen und gegen eine beachtliche Summe freizukaufen. Vieles war durch Geld an die Föderation zu regeln und gerade die Erde genoss dabei Sonderrechte, denn dort lebten nur Menschen, die es sich leisten konnten und deren Familien in die Besiedlung anderer Planeten investierten. Es handelte sich bei den Erdlingen somit um eine ausgewählte Elite. Ein Visum für den blauen Planeten konnte aber kaum jemand käuflich erwerben. Wenn Fremde Glück hatten, bekamen sie welche über Agenturen, die ihnen Assistenz- oder Reinigungsanstellungen verschafften. Allerdings mussten diese Personen dann ebenso auf alle möglichen Keime getestet werden – so auch Sirrahs Paket. Wer durchfiel, wurde umgehend zurück ins All geschossen.


    Nach wenigen Minuten war die Ware in einen medizinischen Raum gebracht worden, wo die leitende Ärztin selbst Hand anlegte.
    Durch eine integrierte Einrichtung an der Kryokammer konnte sie die Lebensfunktionen ihrer Fracht abfragen. Alles schien in Ordnung, soweit es das für dieses Modell sein konnte, weswegen sie die Flüssigkeit injizierte, die ein Aufwachen erst möglich machte.
    „Sind Sie sicher?“, hakte einer der anwesenden Assistenzärzte nach, was Sirrah nur mit einem müden Lächeln beantwortete.
    „Öffnet den Deckel“, befahl sie selbstsicher.
    Sirrah machte sich nicht mehr die Mühe, sich die Namen oder Gesichter ihrer Assistenten einzuprägen. Diese wechselten zu schnell, als dass sie dem noch nachkam.
    Daher lag es nicht an Desinteresse, sondern mehr daran, dass sie die einzige Konstante ihrer Abteilung war. Bei über fünfhunderttausend Mitarbeiten der Firma war es auch schwer, den Überblick zu behalten. Der Komplex von TI stellte eine Stadt für sich dar, der gut abgesichert wurde, damit neue Erfolge in der Forschung nicht an fremde Firmen gerieten. Die Sorge ihres unterstellten Kollegen konnte sie daher verstehen, wenn sie die Strafakte des Mannes betrachtete, den sie aus dem Kälteschlaf holte. Im Weltall wurde schnell verurteilt, aber sie besaß Quellen, die einige Straftaten widerlegten. Von den Vorstrafen beeinflusst, war zu befürchten, dass ihre Lieferung sie umgehend töten würde. Das glaubte sie aber nicht. Für so dumm hielt sie den schlafenden Weltraumpiraten nicht, auch wenn er vom Mars stammte.
    Die Kälte der Kapsel verteilte sich unterdessen im sterilen, weißen Raum, sodass die Anspannung bei den anwesenden Ärzten stieg und einige zu ihren Betäubungswaffen griffen. Und kaum hatte sich der Nebel gelüftet, erklang ein Husten aus dem Inneren der Kryokammer.
    „Es lebt!“, stellte die Ärztin lächelnd fest und grinste ihren Assistenten an, der sie zuvor angerufen hatte und der sichtbar trocken schluckte.
    Leises Fluchen war währenddessen zu vernehmen, welches Sirrah ein genaues Bild darüber verschaffte, wie sich ihre Lieferung beliebte auszudrücken.
    Eher ungelenk erhob sich der dunkelhaarige Mann vor ihr, der in ihren Augen aufgrund seiner Vergangenheit als Soldat gar nicht mehr leben durfte.
    Verwirrt, und noch vermutlich etwas desorientiert, schaute er mit seinem gesunden Auge in die Runde und fragte, ob er angekommen war.
    Das war der Moment, indem sich Sirrah die Akte geben ließ und noch einmal nachlas, wie er hieß. „Nicht ganz, Mister Carlyle“, antwortete sie und musterte weiter den Mann, dessen rechter Arm mechanisch war. Die Stelle, an der sich eine Hand befinden sollte, glich mehr einer übergroßen Kralle, wie man sie aus den Retro-Plüschtierautomaten kannte und war längst kein angemessener Ersatz für einen Mechaniker seiner Sorte. Die Technik seines bionischen Arms war lachhaft veraltet und überall waren Kabel und Schläuche zu erkennen. Ebenso schlecht war sein rechtes Auge ersetzt worden, das rot leuchtend in seinem Schädel hauste. Im Grunde sah er aus wie eine ungepflegte Anhäufung von Altmetall. Etwas, das die Erdlinge normalerweise auf den Mond geblasen hätten, anstatt es zu recyceln.
    „Was soll das heißen?“, fragte der Neuankömmling, der begann, Sirrah ebenso skeptisch zu mustern, wie sie es bei ihm tat.
    „Sie haben einen kleinen Abstecher hinter sich“, erklärte die Ärztin. „Sie sind nun Eigentum von TI, der Talithea Industries, das dürfte selbst Ihnen ein Begriff sein.“
    „Bitte was?“, erklang von ihrem Gegenüber. „Eigentum?“
    Sirrah nickte nur und wanderte weiter die Zeilen seines Lebenslaufes hinunter.
    „Sie sind doch ... Jason Benjamin Carlyle? Mechaniker Ihrer einstigen Einheit im Krieg für die Unabhängigkeit des Mars?“
    „Teilweise“, gestand der zusammengesetzte Mann und versuchte, die eigenwillige Konstruktion zu heben, die sein Arm darstellen sollte, aber jene gab bloß zischende Geräusche von sich und verlor Hydraulikflüssigkeit.
    „Verdammte Scheiße“, fluchte der Cyborg weiter, was Sirrah ein Grinsen entlockte.
    „Probleme mit der Hardware?“, fragte sie schelmisch und übergab ihrem Assistenten die Unterlagen über Mister Carlyle. „Ich sage es mal so. Sie haben genau zwei Optionen. Entweder sehen Sie ein, dass sie 'Eigentum' der TI sind, oder Sie können sich wieder hinlegen und wir lassen Sie nach Saggitarius verfrachten!“
    Die Ärztin klang hart, aber das musste sie, da sie keine Zeit besaß, um einen Kampf gegen einen sturen Weltraumpiraten zu führen.
    Desinteressiert fummelte der Mechaniker an seinem defekten Arm herum und würdigte die Frau keines Blickes, während er sprach. „Woher weiß ich, dass es mir als Eigentum von TI nicht noch dreckiger geht? Was wollen die Geldsäcke von mir?“
    Seufzend rollte Sirrah mit ihren Augen und trat näher an den Häftling heran, weshalb sie von den Umstehenden besorgt beobachtet wurde.
    „Das wissen Sie nicht“, antwortete sie ehrlich. „Aber die 'Geldsäcke' wollen nur von Ihnen, was sie am besten können. Und das ist, Dinge zu reparieren.“
    Jason Carlyle wischte sich seine beschmierten Finger der heilen Hand an seinem Knastoverall ab und schaute zur Ärztin auf. „Ich brauche Werkzeug“, merkte er an und das konnte Sirrah deutlich sehen. „Und warum braucht TI einen so ehrenvollen Mann wie mich für diesen Job?“
    Die Ärztin lächelte und räusperte sich anschließend. „Das wird mit Ihnen separat besprochen, wenn Sie einwilligen.“
    „Und was habe ich davon, wenn ich einwillige? So wie ich euch ... Erdlinge kenne, bringt ihr am Ende den Müll raus und ich lande doch auf Saggitarius!“
    Berechtigte Zweifel, das konnte Sirrah verstehen, aber sie durfte den Plan nicht vor fremden Ohren offenlegen. Deshalb beschloss sie, den Mechaniker eindringlich anzusehen. „Darauf kann ich Ihnen mein Wort geben, dass die Vorsitzende, Miss Talithea, nicht vorhat, den 'Müll' beiseitezuschaffen. Ich kann mit ihr Verhandlungen führen und sie wissen lassen, was Sie verlangen.“
    „Freien Zugang zu allen Werkzeugen und Ersatzteilen und zehntausend Credits!“, antwortete der Mechaniker rasch und Sirrah nickte.
    „Werkzeuge und Ersatzteile sind in Ordnung. Wegen der Bezahlung ...“
    „Pro Woche“, ergänzte Mister Carlyle schnell und fiel damit Sirrah ins Wort, die ihn überrascht ansah.
    „Pro Woche?“, wiederholte sie skeptisch.
    „Rede ich undeutlich? Ja, pro Woche!“, keifte er sie an. „Ich weiß nicht, wie sie mich von der Föderation freigekauft haben, oder zu welchem Preis, aber ich weiß, dass es einen Arsch voll Geld gekostet haben dürfte. Daher nehme ich an, dass die Liste der Männer, die sie für den Job anwerben können eher ... kurz ist und glaube, dass ich auch etwas verlangen kann. Und wenn ihre Miss so perfekt aussieht wie der Rest der Geldsäcke, können wir gerne über einen Bonus verhandeln.“ Grinsend hob der Marsianer den Kopf und sah die Ärztin an.
    Die äußerst offene Art des Mechanikers überraschte Sirrah. Die anderen Teilnehmer waren kooperativer gewesen. „Natürlich dürfen Sie etwas verlangen“, meinte die junge Frau und bedeutete ihrem Assistenten, ihr die Unterlagen zu geben, ohne zunächst auf den weiteren Kommentar des Mechanikers einzugehen. „Allerdings verlangt das bei solch einem Preis auch, dass Sie gewisse Dinge in Kauf nehmen. Damit ist nicht gemeint, dass Sie Miss Talithea jemals persönlich treffen. Das läuft alles über mich! Und ich kann Ihnen aus eigener Einschätzung sagen, dass Sie nicht dem Typ der Vorsitzenden entsprechen.“
    Musternd wanderte der Blick des einen Auges über den Körper von Sirrah, ehe der Häftling und Pirat wieder ihre Augen fixierte. „Auch in Ordnung“, meinte er dann, und die Ärztin seufzte.
    „Und meinem auch nicht“, fügte die junge Frau hinzu und ließ die Schultern hängen, da der Ruf des Mechanikers seiner Anreise vorausgeeilt war. Jason Benjamin Carlyle galt als schwierig, und nichts anderes konnte sie bestätigen.
    „Das werden wir sehen, Miss ... Wie war Ihr Name?“
    „Den erfahren Sie früh genug, Mister Carlyle“, antwortete Sirrah im gleichen herausfordernden Tonfall. „Erst muss ich wissen, ob Sie einverstanden sind, dann gehen wir zur nächsten Phase über.“
    „Sie machen es einem nicht leicht, Süße“, erwiderte der Weltraumpirat abfällig und betrachtete seinen Arm. „Erst brauche ich meine Energiequelle und meine Medikamente, dann können Sie von mir aus mit ihrer nächsten Phase beginnen.“
    Mit einem Nicken machte Sirrah ihren Assistenten klar, dass er dem Häftling aushändigen sollten, was er verlangte.
    Eher rabiat setzte Jason die Energiequelle und die kleine Ampulle Schmerzmittel wieder in den mechanischen Arm, woraufhin aber nicht viel geschah. „Scheiß Kryostase ... Jedes Mal dasselbe ...“, fluchte er erneut ungehalten.
    „Warum nehme Sie den Arm dann mit in die Kapsel und nehmen ihn nicht einfach ab?“, verlangte Sirrah zu wissen.
    „Nehmen Sie ihre Brüste ab, wenn Sie ins Bett gehen?“, warf Jason ihr die Frage samt abfälligem Blick entgegen. „Ich brauche Werkzeug und Ersatzteile!“
    Sirrah hob ihre rechte Braue und grinste. „Ihr rechter Arm lässt sich wohl kaum mit ihrem linken vergleichen“, konterte die Ärztin. „Und nein, mir ist es nicht möglich, meine Brüste abzunehmen, im Gegensatz zu ihrem mechanischen Arm. Aber zumindest schlafe ich nackt und nicht mit einem halben Raumschiff an der Schulter.“
    Kurz wartete sie die Reaktion des vorlauten Mannes ab, der Äpfel mit Birnen verglich.
    „Gut zu wissen“, antwortete der Häftling und schaute sie an, bevor er sich wieder seinem rechten Arm widmete. „Der Arm ist ein Teil von mir. Ich habe ihn gebaut und ich lege ihn nicht ab!“
    So wie die schlechten Manieren ... typisch Marsianer! Typisch Pirat! Auch noch ein marsianischer Pirat. Eine Kombination, die jeder gerne um sich hat – wenn er suizidgefährdet ist.
    „Das werden wir ja sehen“, forderte Sirrah ihn heraus und drehte sich zu ihrem Assistenten um. „Kleidet ihn ein und bringt ihn anschließend zu mir ins Untersuchungszimmer. Dann erfahren wir, ob er sich eignet.“
    Die Abteilungsleiterin entfernte sich vom Mechaniker und sah noch zurück, bevor sie zum Ausgang des Aufwachraumes lief. „Und um TI’s Willen, gebt ihm Werkzeug und Ersatzteile. Das Gefummel kann man sich nicht mit ansehen.“

  • Hi @Jennagon


    ps: ich finde den Titel dieses Kapitels ultra genial! xD *mein Humor*

  • Sodala. Ich habe mir hier mal ein Lesezeichen angepinnt.


    Eigentlich kann ich nicht sehr gut am Compi lesen, aber hier bei diesem Anfang war der Text schon wieder vorbei, ehe mir kömisch wurde. Das heißt: Der Text ist gut (zumindest für meine Bedürfnisse). Ich werd mir da mal hier ein Bänkchen aufstellen und weiterer Text-Teile harren...

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?



  • Liebe Grüße
    Jenna

  • So Hallo zusammen :D
    Von mir natürlich auch noch vielen Dank für die Kommis :)


    Jetzt schauen wir mal, was der gute Jason sich so denkt :D





    Jason ignorierte das Brennen in seiner Schulter, als er die kribbelnden Beine aus der Kryokammer schwang. „Was soll ich mit dem Kondom?“, fragte er amüsiert, als der Mitarbeiter der blonden Ärztin ihm einen Ganzkörperanzug vor die Nase hielt. Offenbar war dieser speziell für ihn angefertigt worden, denn anstelle des rechten Ärmels war nur ein großes Loch zu sehen. Ein Reißverschluss an der Schulter erlaubte ihm, den Overall anzuziehen, ohne seinen Arm durch die Öffnung zwängen zu müssen.
    „Keime“, erläuterte der Assistent eingeschüchtert, woraufhin der Cyborg nur lachte.
    Ich besitze noch ein Immunsystem“, meinte er, wobei ihm klar war, dass sich die Erdlinge eher vor ihm schützen wollten, als ihn vor der Umwelt auf dem blauen Planeten. So rasch er konnte, befreite er sich von der Häftlingskleidung und zog den von TI bereitgestellten Anzug an. Er war überrascht, wie warm und bequem das Kleidungsstück sich anfühlte.
    „Es tut mir leid, aber Sie wurden noch nicht getestet“, entschuldigte sich der TI-Mitarbeiter.
    „Auf was?“
    „Auf alles“, war die knappe Antwort, bevor der schmächtige, junge Mann sich auf den Weg machte. „Folgen Sie mir.“
    Murrend schob sich Jason von der Kryokammer und tapste seinem Aufpasser hinterher, der einen guten Kopf kleiner war als er. Wankend setzte er einen Fuß vor den anderen, bemüht, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Seine versteifte Wirbelsäule und das Gewicht des Armes vertrug sich nicht mit den Nachwirkungen der Kryostase. „Keine Hektik, Mister Eilig“, versuchte er den Assistenten darauf aufmerksam, zu machen, dass er nicht der Schnellste war.
    „Mein Name ist Anderson“, entgegnete dieser unbeeindruckt und lief im gleichen Tempo weiter.
    „Arschloch“, murmelte Jason und quälte sich zur Tür. Der Gang, der sich ihm dahinter eröffnete, war lang, schnurgerade und absolut steril gestaltet. In regelmäßigen Abständen waren Lampen in die Decke montiert, die kaltes Licht aussandten. Schmucklose weiße Türen waren das Einzige, was sich an den eintönigen Wänden fand. Keine Pflanzen, keine Bilder, nicht einmal ein Staubkorn befand sich dort. Krankenhäuser auf dem Mars waren weitaus angenehmer und freundlicher gestaltet als auf der Erde.
    An drei Türen wurde er vorbeigeführt, ehe der Mitarbeiter abrupt vor einer stehenblieb.
    Leise surrend fuhr die Schiebetür auf und offenbarte ein ebenso steril eingerichtetes Untersuchungszimmer. „Euer Innenarchitekt ist kein Fan von Farbe, oder?“, wollte Jason wissen, bekam aber keine Antwort.
    „Werkzeug und Ersatzteile, werden in Ihrem Quartier bereitliegen, wenn Sie dort ankommen“, verkündete der brünette Mann noch, bevor er Jason in den Raum schob und verschwand. Das leise Geräusch der sich schließenden Tür erklang hinter Jason, der seine Aufmerksamkeit schon wieder der blonden Ärztin hinter dem Schreibtisch gewidmet hatte. Ein Hologramm, das sich aus der Tischplatte vor ihr aufgebaute, ließ dabei ihre Umrisse verschwimmen, aber immer noch war die Gesichtsmaske zu erkennen, die ihre Züge verbarg.
    „Farben lenken nur ab“, erklärte sie, ohne ihn anzusehen. Geschäftig gestikulierte sie mit dem Hologramm, um die Daten zu finden, die sie suchte.
    Deutlich erkannte Jason sein Foto auf dem projizierten Bildschirm. Langsam näherte er sich dem ansonsten leeren Schreibtisch und setzte sich ihr gegenüber auf den bereitgestellten Stuhl.
    Die Ärztin machte eine wischende Geste, woraufhin das Hologramm verschwand.
    „Von mir?“, fragte der Cyborg grinsend.
    Ein fragender Blick ihrer strahlend blauen Augen war alles, was sie darauf erwiderte.
    „Vergessen Sie’s“, meinte Jason und winkte ab.
    „Ich denke, ich konzentriere mich gleich genug auf Sie“, antwortete die junge Ärztin und räusperte sich. „Um Ihnen irgendwelche Zugeständnisse zu machen, muss ich erst einmal prüfen, ob ich Sie nicht gleich wieder zum Mond schießen muss!“
    Skeptisch musterte Jason sein Gegenüber. „Ich bin kerngesund“, log er, auch wenn es keine Kunst war, diese Lüge zu durchschauen.
    Einen Augenblick grinste die junge Frau nur, bevor sie ihn abschätzend betrachtete. „Ich werde keine Ihrer Beurteilungen eines Bauteils infrage stellen, also tun Sie das bitte auch nicht bei mir.“
    „Ihre Bauteile sehen ganz in Ordnung aus“, lenkte der Cyborg süffisant grinsend vom Thema ab.
    „Danke!“, bedankte sie sich ehrlich. „Sie wurden sehr sorgfältig ausgewählt.“ Jason grinste und wollte sich gerade darüber freuen, dass sein Kompliment angekommen war, als die Ärztin ihren Satz beendete. „Sorgfältiger als bei Ihnen.“
    „Wenn Sie ‚war übrig‘ als ‚Auswählen‘ bezeichnen wollen ...“, murrte er und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen.
    Für einen Moment huschte ein Ausdruck des Bedauerns über ihr Gesicht, der jedoch genauso schnell wieder verschwand, wie er gekommen war. Er machte sich eine geistige Notiz über ihr gezeigtes Mitleid, es war immer gut, so etwas über Frauen zu wissen – besonders bei einer attraktiven Blondine. „Wie heißen Sie eigentlich?“, wollte er dann wissen, auch, um das unliebsame Thema beenden.
    „Sirrah“, antwortete sie und zögerte kurz, bevor sie ihren Nachnamen ergänzte. „Sinclair.“
    „Sirrah?“, amüsierte sich der Raumpirat. „Wie der Stern?“
    „Nein, wie die Muschel“, erwiderte sie sarkastisch.
    „Sehr witzig.“ Die Erdlinge gaben ihren Abkömmlingen gern „bessere“ Namen als die gewöhnlichen der ärmeren Bürger der Föderation - oder des Marses. Offenbar war „Sarah“ nicht exotisch genug gewesen.
    „Ich werde einige Proben brauchen“, kehrte Sirrah zum eigentlichen Thema des Treffens zurück. „Und ich bitte um Erlaubnis, sie Ihnen entnehmen zu dürfen.“
    Der Cyborg grinste schief. „Was für Proben genau?“
    „Von allem“, antwortete sie genauso strikt, wie ihr Helferlein zuvor.
    „Nehmen Sie diese Proben persönlich?“, hakte er nach und fragte sich, ob sie sich gut verstellte, oder tatsächlich nicht darauf kam, dass es zweideutig klang, was sie von sich gab.
    „Natürlich, ich bin die leitende Ärztin“, sagte Sirrah lächelnd. „Aber wenn Sie sich unwohl dabei fühlen, rufe ich gerne einen Assistenten.“
    Jason hob abwehrend die funktionierende Hand und lehnte ab. „Mein Körper gehört ganz Ihnen“, meinte er und musterte sie. „Toben Sie sich aus.“
    Wortlos wies die Ärztin zu der Liege, die an der Wand des Untersuchungszimmers stand. Selbstverständlich war auch diese weiß.
    Langsam schlurfte Jason dorthin und wuchtete seinen Körper auf seine Sitzgelegenheit, die unter dem enormen Gewicht aus Mensch und Maschine bedenklich ächzte. „Soll ich mich schonmal freimachen?“
    „Wir sind hier nicht auf dem Mars“, erwiderte sie. „Hier brauchen sie sich nicht ausziehen, damit ich Sie untersuchen kann.“
    „Könnten Sie sich ausziehen, während Sie mich untersuchen?“, fragte er dreist. Manchmal überraschte es ihn selbst, wie forsch er sein konnte und am Ende dennoch Erfolg hatte. Vielleicht verhalf ihm diese freche Art aber auch gerade zu seinem Ziel. Wie auch immer es war, es war ihm egal, solange es funktionierte.
    „Nicht solange ich nicht weiß, ob ich von ihren Blicken Warzen bekomme“, entgegnete sie trocken, während sie ihn musterte. Anschließend drehte sie sich um und holte einen kleinen Rolltisch mit allerlei Gerätschaften zu ihrem Patienten.
    Dieser nutzte den Augenblick und die in seinem künstlichen Auge eingebaute Zoomfunktion, um den Hintern der Ärztin genauer zu begutachten. Zufrieden mit dem was er sah, wartete er darauf, dass sie mit der Untersuchung begann – auch wenn er lieber sie genauer untersucht hätte.
    Sirrah nahm ein Gerät vom Wagen, das etwa die Größe eines Stiftes hatte und verlangte seine Hand, um ihm am Finger etwas Blut abzunehmen.
    „Welche?“, stellte sich der Cyborg dumm.
    „Die, die nicht ölt“, konterte sie schlagfertig, woraufhin er ihr diesen Punkt zusprach und seine linke Hand reichte. Einen kleinen Pieks in seinen Zeigefinger später hatte Miss Sinclair die benötigte Blutmenge und wartete einen Augenblick, bis das Gerät piepte und ein grünes Licht rhythmisch blinkte. Zufrieden nickend betrachtete sie ihr Messgerät und legte es beiseite. „Das sieht soweit schon recht ... gesund aus“, erklärte Sirrah mit einem erstaunten Unterton. Mit einer eleganten Bewegung entfernte sie ihre Atemwegsmaske und offenbarte ihr Gesicht. Die feinen Züge und die ebenmäßige Haut waren makellos. Nicht einmal ein Muttermal störte die beinahe absurde Schönheit der jungen Frau. Jason brauchte einen Augenblick, um sich von ihrem Anblick und der Vorstellung, sie mit in sein Bett zu nehmen, loszureißen.
    „Sag‘ ich doch!“, stieß er als Antwort auf ihre Diagnose aus.
    „Das war nur die erste Hürde“, sagte sie beiläufig und nahm das nächste Gerät zur Hand. „Wenn Sie Glück haben, dürfen Sie sich die Erde sogar einmal ansehen.“
    „Heißt das, ich muss nicht den Rest meiner Tage in einem weißen Raum verbringen?“, fragte er und versuchte dabei zu verbergen, wie neugierig er tatsächlich auf den blauen Planeten war. Bäume und Gewässer kannte er nur von Bildern und aus Erzählungen. Der Mars war eine hochtechnisierte Wüste, wo man im Wesentlichen zwischen Staub und Felsen in Metallbunkern wohnte – meist sogar unterirdisch, um sich vor der Strahlung zu schützen.
    Sirrah belächelte die Frage nur, ohne darauf zu antworten, und hielt ihm einen Scanner, der wie eine überdimensionale Lupe aussah vor das Gesicht. Langsam fuhr sie seinen Körper damit ab und setzte sich dann wortlos zurück an ihren Schreibtisch. Sie rief die holografische Konsole auf und tippte etwas ein.
    Stumm musterte Jason die Ärztin, noch immer fasziniert von ihr.
    „Dort drüben dürfen Sie sich einen Becher nehmen, wenn Sie uns erlauben, Ihre DNA genau zu beleuchten“, erklärte sie und deutete auf einen in Plastik verpackten Kunststoffbehälter, wobei sie den Blick nicht vom Bildschirm nahm.
    „Was? Genauer?“ Der Cyborg verstand nicht, was sie meinte.
    „Wir auf der Erde sind immer wieder auf der Suche nach frischer DNA. Eben solche, die den Genpool hier erweitert und ebenso Erbkrankheiten, Autoimmunkrankheiten oder andere Fehler ausgleicht. Die Bevölkerungsdichte ist hier nicht sehr groß und irgendwann wäre schließlich jeder mit dem anderen verwandt. Das gilt es zu vermeiden.“
    „Wenn Sie ein Kind von mir wollen, stellen Sie sich hinten an und machen einen Termin“, forderte er und grinste sie vielsagend an. Natürlich wusste er, dass die Kinder auf der Erde inzwischen nur noch selten auf die natürliche Weise gezeugt und geboren wurden. Selbst Sex schien für die Reichsten der Reichen zu gewöhnlich, sodass Kinder meist durch künstliche Befruchtung und genetische Anpassungen „erstellt“ wurden. Wenn sie Glück hatten, wurden sie wenigstens von den Frauen ausgetragen, die sie später dann als Mutter bezeichneten.
    „Ich verspreche Ihnen, ich werde Ihre DNA nicht selbst gebrauchen“, erwiderte sie desinteressiert. „Das wäre mehr als ‚guter Zweck‘ zu sehen.“
    „Schade“, meinte Jason gespielt ernst und musterte sie. „Unsere Kinder wären bestimmt von Haus aus perfekt – ganz ohne, dass man in ihrer DNA rumstochern muss.“ Die kleine Anspielung auf die seiner Meinung nach unnötigen Praktiken der Erdbevölkerung konnte er sich nicht verkneifen.
    „Das Herumstochern ist hier eine Notwendigkeit, keine freiwillige Angelegenheit“, erklärte sie geduldig, so als hätte sie dieses Gespräch schon hunderte Male geführt. „Wir helfen den Menschen auf der Erde, alte Laster loszuwerden und neue Generationen gesünder und widerstandsfähiger werden zu lassen.“ Endlich sah sie von ihrem Hologramm auf und fixierte ihn mit ihren blauen Augen. Eine einzelne Strähne hatte sich aus dem zusammengesteckten Haar gelöst und hing ihr lose ins Gesicht. „Ich weiß, Sie verstehen so etwas nicht, aber hier ist nicht alles so perfekt, wie es von außen aussieht.“
    „Nichtmal Sie?“, flötete er und erwiderte den Blick.
    „Ich bin ungefähr so perfekt wie Sie“, sagte sie, sichtlich abgelenkt von den Daten auf dem Bildschirm. „Nur mit weniger Metall.“
    Jason lachte und zuckte mit der gesunden Schulter. „Sag ich doch. Unsere Kinder wären ...“
    „Kommen wir zum Geschäftlichen“, unterbrach sie seine Ausführungen und machte eine kreisende Geste mit dem Zeigefinger, woraufhin das projizierte Display sich spiegelte, sodass es für den Cyborg lesbar wurde. „Ihre zehntausend Credits pro Woche gehen in Ordnung.“
    „Sehr gut!“ Es überraschte ihn, dass seiner absurd hohen Forderung so schnell nachgegeben wurde. Was auch immer die gute Miss Talithea vorhatte, es musste sehr wichtig, sehr gefährlich und sehr illegal sein.
    Sirrah ergänzte, dass bei erfolgreichem Abschluss der Mission noch ein Trinkgeld auf ihn warten würde.
    „Und woraus besteht dieses Trinkgeld?“, wollte Jason wissen und spielte mit seinem am Kinn zu einem kurzen Zopf gebundenen Bart. „Ich nehme auch ...“ Eine wischende Geste der Ärztin später drehten sich dreidimensionale Blaupausen für eine Prothese eines rechten Armes und Auges auf dem Bildschirm. „... Sie ...“, stammelte er seinen Satz zu Ende, überfordert von dem, was er vor sich sah. Er traute sich kaum, zu glauben, dass es das bedeutete, wonach es aussah.
    „Ein vollständiger Ersatz ihrer verlorenen Körperteile, inklusive der Korrektur ihrer Wirbelsäule und allem, was damit zusammenhängt“, zählte sie auf, was ihn noch erwartete, sollte er zustimmen, für Miss Talithea zu arbeiten. Nicht, dass es noch mehr dazu gebraucht hätte. Alles war besser, als den Rest seiner Tage auf Saggitarius zu verrotten und für zehntausend Credits pro Woche hätte er beinahe jeden Auftrag angenommen.
    „Verarschen kann ich mich alleine“, meinte er ungläubig. Er wusste, was Prothesen dieser Art kosteten. Vielleicht hätte er sich nach Ende der Mission wenigsten ein Auge und die Rekonstruktion seines Schädels leisten können – niemals aber eine komplette Runderneuerung, wie ihm gerade angeboten wurde.
    „Ich verarsche Sie nicht“, versicherte Miss Sinclair. „Sehen sie es einfach als Spende für den guten Zweck.“ Noch während er diese Worte verarbeitete und sie versuchte, zuzuordnen sprach sie weiter. „Um ein ungehindertes Vorankommen der Mission zu gewährleisten, wird übrigens ihre Strafakte gelöscht werden.“
    „Bitte was?“
    Erneut wischte sie über das Display, woraufhin die Akte der Föderation über ihn auftauchte. Beinahe erstaunte es ihn, wie viele Straftaten ein Mann begehen konnte, ohne erwischt zu werden, doch die Galaxie war groß. Es hatte einen Grund, warum man ihn nach Saggitarius schicken wollte.
    „Piraterie, Entführung, Menschenhandel, Vergewaltigung und Mord“, zählte sie die schwerwiegendsten Einträge erstaunlich unbeeindruckt auf. „Sie haben sich nicht mit Taschendiebstählen aufgehalten.“
    „Dicke Finger“, entgegnete er und deutete auf die Kralle, die seine rechte Hand ersetzte. Noch immer funktionierte der Arm kaum, Jason würde warten müssen, bis er in seinem Quartier war. Ohne Werkzeug und Ersatzteile kam er nicht weit.
    Sirrah musterte den Cyborg, als hätte sie eine andere Antwort erwartet. „Jemanden bewusstlos zu schlagen ist wohl einfacher“, mutmaßte sie.
    Jason zuckte die Schulter und sah sie an. Viel hatte er dazu nicht zu sagen. Tatsächlich war es mit seinem mechanischen Arm eher schwierig, jemanden nur bewusstlos zu schlagen. Sein Blick wanderte erneut zu dem Hologramm, das ihm noch immer seine Strafakte zeigte. Der jüngere Jason auf dem Foto grinste ihn von dort aus hämisch an. „Und Sie können das wirklich löschen?“, fragte er und schnippte mit den Fingern der linken Hand. „Einfach so?“
    Miss Sinclair nickte bestimmt. „Das ist das Leichteste von allem.“
    Jason musterte die junge Frau, versuchte, ihre Mimik zu lesen, ein verräterisches Glitzern in den Augen zu finden. Doch sie log offenbar nicht. „Und was ist diese Mission, von der sie reden?“, hakte er deshalb nach. Irgendein Haken musste an der Sache sein, wenn sie einen Gefangenen der Föderation auf seinem Weg nach Saggitarius freikauften und ihm einen Arsch voll Geld sowie ein neues Leben versprachen.
    „Wir suchen dort draußen etwas“, erklärte sie vage. „Aber im Detail ist das für Sie nicht wichtig, denn Sie sorgen ausschließlich dafür, dass das Raumschiff funktioniert.“
    Nachdenklich strich sich der Cyborg über den während seiner Gefangenschaft viel zu lang gewachsenen Bart. Obwohl er neugierig war, was genau das Ziel der Mission war, konnte es ihm vorerst tatsächlich egal sein. Er hätte auf der Reise noch genug Zeit, es herauszufinden. „Wie lange werden wir unterwegs sein?“, wollte er aus reinem Interesse wissen. Es würde keinen Unterschied für seine Entscheidung machen, die er ohnehin längst getroffen hatte. Viel Wahl ließ man ihm nicht und die Entlohnung war sehr gut. Abgesehen davon musste er zugeben, dass es ihn reizte, mal wieder etwas anderes zu machen, als irgendwelche Handelsschiffe zu überfallen. Und eine lange Reise mit einer schönen Frau an Bord war auch nicht zu verachten.
    „Das kommt ganz drauf an. Aber von der bisherigen Schätzung ... müssen wir wohl von drei Monaten mindestens ausgehen. Nach oben hin ist leider ... Luft“, führte Sirrah knapp aus.
    Jason nickte zustimmend. So etwas in der Art hatte er erwartet. Selbst bei offiziellen Missionen blieb es selten bei der veranschlagten Zeit und bei einer zwielichtigen Unternehmung wie der dieser Miss Talithea war ein Verzug zu erwarten. „Wann geht’s los?“, erkundigte sich Jason. „Und wo muss ich unterschreiben, um meine Seele zu verkaufen?“
    „Sie haben bei guten Resultaten zirka zwei Tage Zeit, sich die Erde etwas anzusehen“, meinte sie und schob ein Tablet über den Tisch zu ihm. „Zumindest innerhalb des TI-Komplexes.“
    Überrascht sah Jason auf. Er hatte nicht erwartet, etwas anderes zu sehen, als die sterilen
    Räumlichkeiten, in denen er so unerwartet aufgewacht war.

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



    Die Flammen von Narak
    Chaotische Kurzgeschichten

  • Also...dieser Jason - der ist mal so richtig nach meinem Geschmack. Schnodderschnauze, sarkastisch, zynisch. Bin jetzt schon sehr drauf gespannt, wann er seinen Arm soweit repariert hat, um die ersten Tschendiebstähle damit zu begehen... 8)

  • @Chaos Rising


    Ich mag es total! Das sarkastische und zynische von Jason hast du mega gut hinbekommen! :rofl: es hat unglaublichen Spass gemacht diesen Abschnitt zu lesen und ich musste echt viel grinsen!
    Ich bin momentan total Sci Fi besessen :D seit ich mit Red Rising angefangen habe, frage ich mich echt, weshalb ich so lange gewartet habe!

  • Hallo zusammen :D
    So, das Update ist soweit durch, also können wir hier auch mal weiter machen :D
    Erstmal natürlich danke für eure Kommis :)

    Also...dieser Jason - der ist mal so richtig nach meinem Geschmack.

    Muss ich mir Sorgen machen, dass ein Mann mit seiner Strafakte nach deinem Geschmack ist? :D ;)


    So, Herr Jason, dann schauen wir mal :D

    __________________________


    Rasch zwang er sich, seine Verwunderung zu verbergen. Die Ärztin musste nicht wissen, wie nervös ihn der Gedanke machte, den blauen Planeten zu sehen. Immerhin war es nur einem verschwindend geringen Anteil der Menschheit noch vergönnt, ihren ursprünglichen Heimatplaneten zu sehen.

    „So bald?“, lenkte er das Thema daher lieber auf den Zeitpunkt der Abreise und griff nach dem Tablet.

    Dieses zeigte den vorbereiteten Vertrag mit allen Einzelheiten an, die sie gerade besprochen hatten. Offenbar hatte Miss Sinclair nicht erwartet, dass er einem Punkt des Vertrages widersprechen würde. Da er keinen Grund dazu besaß, drückte er seinen Daumen auf das Tablet, um den Vertrag mit seinem Fingerabdruck zu unterzeichnen.

    „Und wann bekomme ich die Ergebnisse?“, wollte er wissen, drehte das Tablet um und suchte nach einem Anschluss. Aus dem Augenwinkel beobachtete er, was die Ärztin derweil tat.

    Sirrah blickte auf die projizierte Anzeige vor sich und wiederholte die kreisende Geste, um die Ansicht zu sich zurückzudrehen. Mit einem Wischen wechselte sie die Anzeige und las, was offenbar die Ergebnisse der Untersuchung waren, die sich nicht direkt vor Ort ausgewertet hatte. Einen Augenblick runzelte sie besorgt die Stirn, beendete die Anzeige aber dann.

    „Sie sind zwar für ihre zweiunddreißig Jahre recht ... eingerostet, aber sie leiden an nichts Ansteckendem“, verkündete sie. „Demnach können Sie sich, nachdem Sie Ihr Zimmer bezogen haben, etwas umsehen.“

    Jason nahm an, dass sie eine Ansteckungsgefahr bereits zuvor ausgeschlossen hatte, da sie ihre Maske nicht mehr trug.

    „Sehr gut“, meinte er und hakte die hintere Abdeckung des Tablets an der stählernen Klaue seiner Hand ein. Mit einem Ruck riss er den Kunststoff ab und legte die elektronischen Innereien des Geräts frei.

    Entgegen seiner Erwartung hielt ihm Miss Sinclair keinen Vortrag darüber, dass er das Eigentum von Miss Talithea zerstört hatte, sondern verdrehte nur kurz die Augen und beobachtete sein Tun skeptisch.

    „Brauchen Sie sonst noch etwas außer das Werkzeug und den Ersatzteilen?“, fragte sie dann verwirrt, während er den Speicherchip aus dem zerstörten Tablet pulte und in einen dafür vorgesehenen Slot an seinem mechanischen Arm schob.

    Jason wollte den Vertrag bei sich haben, um nachlesen zu können, falls etwas unklar war. Ein paar Vorteile hatte es doch, nicht nur aus Fleisch und Blut zu bestehen. Seine Unterschrift war zweifellos bereits auf irgendeinem Server gespeichert, weshalb er sich keine Gedanken darum machte.

    „Ich will das Schiff und die Pläne dafür sehen“, forderte er. „Je mehr ich darüber vor der Abreise weiß, desto besser kann ich meine Arbeit machen.“

    Grinsend musterte er die blonde Schönheit und merkte an, dass er eine lange Reise hinter sich hatte und eine Massage ihm guttun würde.

    „Die Baupläne des Schiffes lasse ich Ihnen auf den Computer in ihrem Zimmer schicken und was die Massage angeht ... können Sie sich gerne in den Spa-Bereich von TI begeben“, entgegnete sie, ohne auch nur im Geringsten auf seine Andeutung einzugehen. Offensichtlich war sie schwieriger zu erobern als so manche Frau, auf die er bisher getroffen war – zugegebenermaßen nicht immer eine Kunst.

    „Das werde ich“, verkündete er und lächelte schief. „Kann ich gehen?“

    „Wenn Sie das so nennen wollen ... Ja, können Sie.“

    „Meine Beine sind gesund!“, beschwerte er sich und stand auf. „Wohin?“

    „Ein Assistent bringt Sie zu Ihrem Zimmer und zeigt Ihnen, wie Sie hier herauskommen, um etwas frische Luft schnappen zu können“, erklärte sie und grinste etwas verschlagen. „Zum ersten Mal in Ihrem Leben vermute ich mal.“

    Jason nickte zustimmend. Noch nie hatte er Luft geatmet, die nicht durch irgend einen Filter gelaufen war und im Wesentlichen aus der Dose stammte. Auf dem Mars gab es zwar Sauerstoffplantagen, massive Gewächshäuser, in denen speziell dafür gezüchtete Algen immense Mengen des lebensnotwendigen Gases produzierten, aber der Zugang zu jenen war streng geregelt und so gut wie niemandem gestattet.

    „Ich bin gespannt“, gab er zu und wandte sich zum Gehen.

    Während der Untersuchung waren seine Glieder endgültig aufgetaut und das Laufen fiel ihm wieder wesentlich leichter.

    „Dann einen angenehmen Aufenthalt“, hörte er Sirrah noch freundlich sagen, woraufhin er dankend den gesunden Arm hob, ohne sich umzudrehen.


    Vor der Tür erwartete ihn Anderson, der sein Auftauchen ausdruckslos hinnahm.

    „Folgen Sie mir“, verlangte er und machte sich auf den Weg durch den weißen Korridor.

    Wortlos tat Jason, was ihm gesagt wurde. Mit dem Kerl konnte man sich nicht unterhalten, weshalb er es gar nicht erst versuchte. Er musterte gelangweilt die schmucklosen Wände und fragte sich, in welcher Art Gebäude er sich wohl befand. Ein unterirdischer Bunker? Eine schwebende Plattform? War es überhaupt ein Gebäude, oder befand er sich längst auf dem Schiff, mit dem sie die Reise später antreten würden? Schließlich war nicht gesagt, dass Miss Sinclair ihn nicht verarschte und sie längst unterwegs waren.

    Endlich blieb der brünette Gehilfe der Ärztin vor einer Tür stehen, die sich als Aufzug herausstellte. Schweigend stiegen die beiden Männer ein und Anderson tippte eine dreistellige Zahlenfolge in das Bedienfeld ein. Sofort setzte sich der Lift in Bewegung und fuhr lautlos nach oben.

    „Unterstützen Sie Miss Sinclair auch privat?“, fragte Jason, um die Wartezeit zu überbrücken. Vielleicht taugte der Kerl ja doch für ein Gespräch.

    „Miss Sinclair pflegt keinen Umgang mit ihren Unterstellten“, war die monotone Antwort des schmächtigen Helfers.

    „Das wundert mich nicht, wenn hier nur so halbe Portionen rumlaufen“, amüsierte sich der Cyborg.

    Mit einem kleinen Ruck hielt der Aufzug an und die Tür öffnete sich. Anderson verließ den Aufzug, hielt direkt auf die gegenüberliegende Tür zu und öffnete sie mit einer Karte. „Ich mag eine halbe Portion sein“, meinte er ausdruckslos und musterte abschätzig die mechanische Klaue an Jasons Schulter. Die Schlüsselkarte klemmte er zwischen zwei Kabel, die sich durch das Metallgerüst zogen. „Aber ich bin ein ganzer Kerl.“

    Noch ehe Jason antworten konnte, hatte Anderson ihn auch schon stehengelassen und sich in den Lift zurückgezogen.

    „Guten Tag, Mister Carlyle“, sagte der TI-Mitarbeiter, bevor sich die Türen schlossen.

    „Hey!“, rief Jason ungehalten. „Wann gibt’s Essen? Wie komme ich hier raus? Hey!“ Verärgert trat er gegen die Lifttür, die keinen Millimeter nachgab. Nur das Hallen des Einschlags tönte durch den Schacht. „Blödes Arschloch“, murrte er und wandte sich wieder dem Zimmer zu, das wohl sein kurzzeitiges Zuhause sein würde. Klassische Musik erklang leise aus dem Inneren und auf den ersten Blick wirkte der Raum genauso steril wie alles andere, was er bisher von der Erde gesehen hatte. Er trat ein, woraufhin sich augenblicklich die Türe hinter ihm schloss. Vorsichtshalber überprüfte er, ob er sie mit der Schlüsselkarte öffnen konnte. Zu seiner Zufriedenheit stellte er fest, dass er nicht eingesperrt war und sah sich dann um.

    Viel hatte der etwa fünf mal fünf Meter große Raum nicht zu bieten. Ein breites Bett, in das er sich selbst mit seinem Arm legen konnte, stand mittig an der gegenüberliegenden Wand. Rechts daneben befand sich ein schmaler Schrank, den man getrost auch als Spind hätte bezeichnen können. Auf der linken Seite war ein Teil des Raumes durch eine Milchglasscheibe abgetrennt, der sich bei näherer Betrachtung als Badezimmer herausstellte. Selbst dieses schien an seine körperlichen Herausforderungen angepasst, denn die Dusche war ebenfalls weitaus ausladender, als sie es für einen normalen Menschen hätte sein müssen. Vielleicht hatte aber auch nur ein besonders fetter Geldsack dort gehaust. Wie versprochen hatte er auch eine Werkbank voller Werkzeug und Ersatzteilen erhalten, nur einen Computer konnte er nicht finden. Jason ging zu dem Tisch und überprüfte, ob alles vorhanden war, was er für die Reparatur seines Armes benötigte. Zufrieden nickte der Mechaniker, nachdem er alles gefunden hatte und bemerkte, dass sich neben der Tür ein Slot in der Wand befand, in den die Schlüsselkarte zu passen schien. Rasch testete er es und beobachtete erstaunt, wie ein Hologramm an der Wand erschien. Offensichtlich handelte es sich um den versprochenen Computer. Sofort wurde ein Hinweis angezeigt, dass er mit seiner Karte überall auf dem Gelände von TI bezahlen konnte und dass die Kosten von der Firma getragen wurde. Er konnte sich etwas zu Essen bestellen, die versprochenen Pläne ihres Reiseschiffs, der Pollux, aufrufen und jedes Detail des Raumes von dort aus kontrollieren. Temperatur, Helligkeit und Farbe des Lichtes, die musikalische Untermalung ... und einen Punkt der seine besondere Aufmerksamkeit fand.

    Gespannt, was geschehen würde, tippte er auf die Stelle des Bildschirms, die ihm ein geöffnetes Fenster versprach. Da er kein Fenster entdeckt hatte, sondern nur eine überraschend leere Wand, war es keine große Überraschung, dass diese sofort einen kleinen Spalt zeigte und sich wie ein Vorhang zur Seite schob. Das Bild, das sich ihm eröffnete, überraschte ihn hingegen schon. Beinahe hypnotisiert trat er an die riesige Scheibe und starrte ungläubig hinaus. Seine Frage, in welcher Art Gebäude er sich befand, hatte sich soeben beantwortet, denn der Ausblick war nur aus einem Wolkenkratzer zu erreichen. Kein anderes Bauwerk erreichte auch nur annähernd die Höhe des TI-Sitzes und er konnte kilometerweit die Stadt unter sich erkennen. Ausladende grüne Flecken deuteten auf Pflanzen und Parks hin, während in der Ferne eine endlos scheinende bläulich schimmernde Fläche die tiefstehende Sonne reflektierte. Das Meer? „Wow“, raunte er und sog den Anblick eines intakten, lebenunterhaltenden Planeten in sich auf. Beeindruckt sah er noch eine Weile aus dem Fenster und vergaß, warum er eigentlich dort war.

    Erst als er sich erinnerte, dass er das Gebäude tatsächlich auch verlassen durfte, wandte er sich wieder um. Zuerst brauchte Jason eine Dusche und musste seinen Arm reparieren. Ohne Umschweife eilte er ins Badezimmer, schälte sich aus dem engen Anzug, den TI ihm überlassen hatte und stellte sich unter das warme Wasser. Er hatte seine Prothese so konstruiert, dass sie gegen Wasser unempfindlich war, sodass er sich keine Sorgen darum zu machen brauchte – zumal sie ohnehin bereits defekt war. Obwohl er es kaum erwarten konnte, das Gebäude zu verlassen, ließ er sich zeit, genoss die Dusche und den Moment der Ruhe. Während seines Lebens als Pirat war ihm selten ein eigenes Zimmer vergönnt gewesen, ganz zu schweigen von einer eigenen Dusche. Grinsend dachte er daran, dass er diese hier jedoch gern mit der blonden Ärztin geteilt hätte. Es war viel zu lange her, dass er eine Frau näher kennengelernt hatte.

    Jason verzichtete darauf, sich abzutrocknen, und band sich das Handtuch nur um die Hüfte, während er zum Waschbecken schlenderte und in den Spiegel sah. Es war kein Wunder, dass Miss Sinclair so gar nicht auf seine Annäherungsversuche eingegangen war. Trotz der Dusche wirkte er mit seinem ungepflegten Bart wie ein Landstreicher. Die dunklen, aber ungewohnt langen Haare hingen auf der linken Kopfseite nass bis zu seinem Wangenknochen herunter. Auf der rechten Seite hingegen fand sich nur Metall, wo eigentlich Haare – oder Haut – sein sollte. Eine Edelstahlplatte ersetzte Schädel-, Wangen- und teilweise den Kieferknochen. Rot leuchtend starrte ihn das mechanische Auge an, das in jener eingefasst war.

    Murrend öffnete er den Spiegelschrank und fand zu seiner Erleichterung einen Rasierapparat, den er sogleich herausholte und den Urwald in seinem Gesicht zu einem Dreitagebart trimmte. Da er sich sicher war, dass er es nur schlimmer machen würde, beließ er sein Haupthaar, wie es war. Zufrieden stellte er fest, dass es gar nicht so schlecht aussah, und machte sich auf den Weg, seinen Arm zu reparieren.

    "Deine Augen zeigen nur Lügen! Nur sein Geschenk wird die Wahrheit offenbaren!"

    - Mileon Kheleron Onmor Akhol Ravareen, Knochenwandler der Kinder der Knochenspinne


    "Ich bin die letzte lebende Vertreterin meiner Familie. Dafür habe ich gesorgt!"

    - Yersinia Aurelia Empera Akhol Ravareen, Königin der Pestilenz der Kinder der Knochenspinne



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  • Hey ho! SciFi, yeah!

    Ich muss sagen, dass ich das Genre lieber gucke anstatt zu lesen, weil es nicht viele Autoren schaffen (also zumindest bei mir), dass man sich das so richtig gut bildhaft vorstellen kann - die ganzen technischen Details, die vielen neuen Begriffe, die einem das Hirn rausblasen ...


    ...

    LG, Kij

  • Hey du, erstmal danke fürs Reinstöbern :love::love:

    ... aber ihr habt das ganz gut geschafft. :D
    Die Szene, in der Frau Doc den Hangar betritt oder Mister Mecha-Kralle sein Zimmer inspiziert und aus dem Fester blickt - das hab ich alles vor mir gesehen

    Dann ist gut. Wir haben auch nicht vor, allzu viel technisches Geplänkel reinzubringen. Warum genau ein Raumschiff nun fliegt, ist ja für die Story nicht Relevant, es macht es eben. :pardon:

    Die Dialoge sind auch wieder sehr lebendig und ganz nach meinem Geschmack :D Er knackt die prüde Ärztin bestimmt noch ... wobei - ich denke, dass die gar nicht so beherrscht ist, wie sie tut

    Wer weiß. :rofl: Wir werden sehen, wie beide drauf sind :rofl: Aber das Kennenlernen lief doch schon mal gut - schreit nach einer super Freundschaft.

    DAS hat mir ganz gut gefallen, Gänsehaut!

    Gnihihi, das hatte ich mir in einer halben Stunde aus den Fingern gesaugt. :rofl: Weil wir noch keinen Prolog hatten. Daher danke. <3 Die Geschichte entsteht wie gesagt erst. Also ist hier noch nichts fix, der Prolog sollte es aber etwas sein. ^^


    LG

    Jenna

  • So, ich schätze, dann bin ich hier ab jetzt auch dabei.


    Sehr viel ist noch nicht passiert, aber dafür haben wir bereits gewisse Eckpunkte der Charaktere kennengelernt. Scheinen ja eher sehr verschiedene Ansichten zu vertreten, die beiden. Zumindest in den bisher angesprochenen Sachen, aber vielleicht finden sich ja noch ein oder zwei Gemeinsamkeiten :rofl: Zumindest scheinen beide schon mal recht eigen zu sein :D


    Wir befinden uns also auf der Erde, wo die Bewohner nur noch in Schutzanzügen herumrennen und eine Heidenangst vor Infektionen haben. Verständlicherweise. :hmm: Und die recht verschlossene Sirrah, die aber dennoch weiß, was sie will und wie sie sich gegen solche Kerle wie Jason durchzusetzen hat, scheint eine Ärztin mit gewissen Kontakten und einer "geheimen" Mission zu sein? :hmm: Frage mich wie legal ihre Unternehmung ist, wenn sie dafür Straftäter "freikauft" . :hmm:

    Jason mit seiner Art gefällt mir auch super. So ein bisschend er Freidenker und der Ich mach nur was mir gefällt Typ. Gefällt mir. Lässt ihn auf der einen Seite richtig arschig wirken, aber auch sympathisch mit dieser ich habe das letzte Wort Einstellung :rofl: Und hey, er ist ein Cyborg. Allein deshalb verdient er sich schon Pluspunkte. xD

    Die beiden werden sich so richtig richtig gut verstehen, glaube ich. :rofl:


    Ich bin mal gespannt, in welche Richtung sich diese Geschichte entwickeln wird. :)


    LG, Kye



    Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
    - Toni Morrison -

  • Der Meckerjade ist da!:ninja: Zieht euch warm an und verdreht die Augen!

    Nein, ernsthaft, ich habe nichts gefunden, woran ich rummeckern kann. Bisher vollkommen solide. Aber das sind wir ja nicht anders gewohnt von euch. Sirrah kann ich noch nicht so richtig einschätzen, ob sie tatsächlich so kühl ist, wie sie tut, es nur Fassade gegenüber ihrer Ware ist oder nur Fassade speziell in Jasons Fall. Denn er ist schon sehr direkt und forsch. Ob sie seine Bemerkungen auch in Zukunft eiskalt von sich abprallen lässt, oder doch etwas genauer auf diese und seine womöglichen Bedürfnisse eingeht, wird sich bestimmt noch zeigen. Dass er bisher noch aussieht wie ein Autounfall kommt ihm zumindest vorerst nicht zugute. Aber seinen Haarschnitt find ich toll!

    Die Inneinrichtung seines Quartiers erinnerte mich ein Wenig an die Quartiere in meiner Geschichte. Und euer Quartier ist "nur" 9 Quadratmeter größer!:P Welch Luxus!

    Am meisten freue ich mich ohnehin auf die Reise an Bord der Pollux!:alien:

    Aber eine Frage habe ich noch! Die ist sehr sehr wichtig!

    Was ist aus dem kleinen Becher für die DNA-Probe geworden?:ninja:

    Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.


    -Albert Einstein-
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    Helios III (Arbeitstitel)
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    Purpur
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    Big City Life
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    Mana