EIne Welt für eine Fantasygeschichte

  • Ich will eine kurze Geschichte in einer Fantasywelt schreiben, einer neue Fantasywelt. Ich habe festgestellt, dass ich keine Ahnung habe wie ich eine Fantasywelt mit einer Geschicht entwickle. Ich arbeite bereits an Fos, aber die Geschichte soll nicht da spielen.


    Vielleicht noch ein paar der anfänglichen Ideen zur Geschichte:

    Ich will etwas schreiben mit etwas Symbolik, a la Narnia.

    Ich habe vor nicht zu viele fantastische Elemente einzubauen, dass es etwas zugänglicher ist.

    Ansonsten habe ich bisher nur eine sehr grobe Handlung im Kopf, dass es um sich Suche nach einem magischen Spiegel geht, von dem die unterschiedlichen Charaktere dann unterschiedliche Dinge wollen (einer will ihn um neue Gestalten zu lernen, einer will ihn bewahren, einer zerstören...)


    Meine Fragen wären also:

    1. Wie viel erarbeite ich von der Fantasywelt. Denn auf der einen Seite lohnt es sich viel rein zu investieren, aber man darf es aber auch nicht übertreiben, vor allem weil ich nicht weiß ob ich sie mehr als einmal verwende.

    2. Zum Schreiben nutze ich die Schneeflockenmethode, bei der es zwar alle stukturiert ist, aber sich ständig alles organisch ändern kann. Wie verbinde ich da das mit dem Weltenbau?

    3. Was würdet ihr sagen was sind die wichtigsten Dinge, die ich über die Welt wissen muss. Ich benutze zwar schon den Fragekatalog zum Worldbuilding, aber ich merke schon, dass er mir nicht so sehr hilft. Vor allem weil er mir nicht so ein "Gefühl" für die Welt gibt.

    4. Was mich zu meiner nächsten Frage führt: Wie entwickle ich ein Gefül für die Welt? Bei meinem bisherigen Projekt ist es so, dass ich seid einem Jahr daran arbeite und es sich wegen der vielen Dinge über die Welt so entwickelt hat.

    Listen to wind, listen to the rain, listen to the voices in your brain.

  • Ich muss zugeben: Deine Fragen irritieren mich dezent.


    Wieviel Du für eine Deiner Welten "vorbauen" musst/sollst/kannst, liegt doch hauptsächlich darin begründet, wer Du innerlich bist.


    Ich bin ein Entdecker. Ich schreibe drauf los, erzähle die Geschichte um der Geschichte willen und staune im Nachhinein darüber, was das doch für eine seltsame Welt dort ist.

    Der krasse Gegensatz dazu sind "Erbauer". Sie müssen erst möglichst viele Details ihrer Welt(en) erbaut haben, ehe sie ihre Figuren dorthin entlassen.

    Und dann gibt es noch drölfhmpfzig Abstufungen dazwischen.


    Wo Du gedanklich anzusiedeln bist, weißt nur Du allein.


    Und ob und wie Du ein Gefühl für Deine Welt entwickeln kannst, verzeih: Wenn sich Dir diese Frage ernsthaft stellt, solltest Du vielleicht... eine andre Welt wählen. Gefühle für eigene Welten entwickeln kann man nicht von außen steuern. Entweder man kann dort gedanklich eintauchen und "leben", oder man ist im falschen Film.

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
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    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Ich stimme Cory Thain zu.


    Es ist für manche Leute wichtig, die Welt in der die Geschichte vorher zu erdenken und auf Logigfehler zu prüfen.

    Für andere ist das ein leichtes und sie erschaffen ihre eigene Logik beim Schreiben.

    Ich bin da zum Beispiel so der 60/40 Typ.

    60% Bauen und 40% improvisieren.

    Das wichtigste ist jedoch das du dich in deiner Geschichte wohl fühlst. ( Beim Schreiben und Lesen )

    Daher mein Tipp:

    Schreibe einfach drauf los!

    Jedenfalls vieleicht die ersten Kapitel.

    Dann Solltest du dich mit anderen Leuten austauschen. *flüster*(Wozu das Forum super geeignet ist)

    Auf jeden Fall darf man seine Idee nicht Tod denken. (Sonst geht die Mutivation beim Schreiben ja auch verloren. Dann hast du ja alles schon mal im Kopf gehört).

  • Hi Donovan,


    neben dem schon erwähnten Hinweisen würde ich noch folgendes ergänzen:


    1. Wie viel erarbeite ich von der Fantasywelt. Denn auf der einen Seite lohnt es sich viel rein zu investieren, aber man darf es aber auch nicht übertreiben, vor allem weil ich nicht weiß ob ich sie mehr als einmal verwende.

    Wie in den Vorpost schon erwähnt, liegt es eigentlich nur daran, was du alles darüber erzählen möchtest oder auch verraten willst. Ansonsten schreibst du, dass es eine kurze Geschichte sein soll, da könnte es ja schon reichen, wenn die Welt drumherum nur soweit bekannt ist, wie für die Geschichte selbst notwendig. Als Beispiel hilft vielleicht das: Treffen deine Figuren auf bestimmte Tiere, können die ja beschrieben werden, wie sie gerade in diesem Moment wahrgenommen werden (und was sie gerade tun und und und). Allerdings muss dazu keine ganze Flora und Fauna beschrieben werden, ihre Herkunft muss ebenfalls nicht beschrieben werden, all das kann offen gelassen werden.

    2. Zum Schreiben nutze ich die Schneeflockenmethode, bei der es zwar alle stukturiert ist, aber sich ständig alles organisch ändern kann. Wie verbinde ich da das mit dem Weltenbau?

    Soweit ich diese Methode verstanden habe, kannst du die ja dafür auch so verwenden wie für die Geschichte selbst, mit dem Unterschied jedoch, dass dabei bestimmte Bedingungen eingehalten werden müssen, eben jene, die sich aus der Geschichte ergeben (wenn du das so herum aufbaust, erst die Welt und dann die Geschichte könnte auch gehen). Eventuell hilft es dir da, wenn du bestimmte Eckpunkte der Geschichte als einzelne Stichpunkte notierst und diese mit der Welt verknüpfst?

    3. Was würdet ihr sagen was sind die wichtigsten Dinge, die ich über die Welt wissen muss.

    Wie ich oben schon geschrieben habe: das, was sich aus der Geschichte ergibt, alles andere ist vorerst Zusatz und hängt an dem, was Cory Thain schon angemerkt hat, also ob du Entdecker, Erbauer oder irgendwas dazwischen bist.



    Letztlich führt es auch manchmal schon zum Ziel, wenn man nicht zu viel auf einmal möchte und einfach mal mit was anfängt (spreche da aus eigener Erfahrung)^^ So kannst du ja auch konkrete Teile hier im Forum posten und dann können wir unsere Meinung dazu kundtun und da dann weiter behilflich sein :)


    Beste Grüße

    Charon

  • Hallo Donovan

    bisher kannte ich die Schneeflockenmethode so noch nicht, werde sie mir aber ganz sicher mal genauer ansehen. Hört sich super an.

    Wie weit ist den deine Schneeflocke schon gewachsen?

    Ich habe vor nicht zu viele fantastische Elemente einzubauen, dass es etwas zugänglicher ist.


    Suche nach einem magischen Spiegel geht, von dem die unterschiedlichen Charaktere dann unterschiedliche Dinge wollen (einer will ihn um neue Gestalten zu lernen, einer will ihn bewahren, einer zerstören...)

    Damit hast du doch schon einen guten Anfang.


    Das meiste ist schon in den vorherigen Posts gesagt.

    Meine Meinung ist, lass deine Protagonisten die Welt entdecken und erklären. Soll heißen, was für Charaktere sind das? Sind es Magier? Menschen mit Superkräften oder irgendwelche Kreaturen? Damit hättest schon einen Aspekt für deine Welt. Es gibt Magie oder eben seltsame Kreaturen.

    Ist der magische Spiegel ein Portal in die Fantasiewelt? Das kann einen weiteren Aspekt ergeben, eine Parallelwelt.

    Ansonsten schließe ich mich voll der Meinung von Charon an.

    So kannst du ja auch konkrete Teile hier im Forum posten und dann können wir unsere Meinung dazu kundtun und da dann weiter behilflich sein :)

  • Grundsätzlich stimme ich Cory schon zu, dass es eignetlich deine Freiheit ist, dir zu überlegen, wie viel du dir vorher überlegen willst etc. Aber ich sehe schon auch, dass man manchmal eine Geschichte schreibt, die in einer ziemlich unbestimmten Fantasy-Welt spielt. Ich hab das bei einer Geschichte im Schreibwettbewerb so gemacht (Elfenbier und Zwergensang), während ziemlich viele meiner anderen Geschichten in immer derselben Welt spielen (ohne dass der Leser das notwendigerweise jetzt schon wissen muss).

    Für den "Minimalfall" - also nur so viel Welt wie unbedingt nötig, dass man die Geschichte noch verstehen kann - kann man deine Fragen schon auch beantworten, allerdings wird das immer etwas unzufriedenstellend bleiben.

    3. Was würdet ihr sagen was sind die wichtigsten Dinge, die ich über die Welt wissen muss

    Im Grunde müsstest du nur so viel über die Welt wissen, wie du darstellen möchtest. Für meine oben verlinkte Geschichte hab ich mir nur ausgedacht, dass es eine Stadt der tausend Völker gibt, in der alle möglichen Fantasy-Rassen mehr oder weniger friedlich nebeneinander leben, Zwerge Bier brauen und Elfen traditionell Wein keltern. Allein aus diesen Klischees lässt sich eine Geschichte spinnen, die solange funktioniert, bis kritische Leser weitergehende Fragen stellen. Die kann ich aktuell (noch) nicht beantworten. Solange alles in der Geschichte glaubwürdig und überzeugend wirkt, spielt es so gesehen keine Rolle, dass die Kulisse nur aus Pappe besteht.

    1. Wie viel erarbeite ich von der Fantasywelt.

    Auch hier reicht letztlich: Gerade soviel, wie nötig. Ich habe mir keine Gedanken über die Stadtgeographie oder die Architektur oder so gemacht. Selbst die vorkommenden Fantasy-Völker sind bloße Klischees. Ich hab keine Ahnung, warum es in dieser Welt Elfen und Zwerge gibt, ich habe keinen Schöpfungsmythos und keine Hintergrundgeschichte. Alles was ich vorher von der Welt erarbeitet habe, ist das Wirtshaus, in dem das ganze spielt. Davon hab ich allerdings eine ziemlich genaue Vorstellung. Für die Geschichte spielt das keine große Rolle, denn nichts davon wird thematisiert (weder das, was ich weiß, noch das, was ich nicht weiß).


    Wie verbinde ich da das mit dem Weltenbau?

    Im Grunde kannst du doch die Schneeflockenmethode (falls ich das richtig verstanden habe) auch auf den Weltenbau anwenden: Im ersten Schritt entwirfst du eine einfache Welt für deine Geschichte. In meinem Fall ist das die Stadt der tausend Völker (ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich das überhaupt in der Geschichte genannt habe). Die Welt drumherum... davon weiß ich nichts. Sie gibt es, denn irgendwo wachsen Weintrauben für den Wein und Gerste, Weizen und Hopfen für das Bier. Die Stadt bleibt bei mir genauso blass, wie die Welt drumherum. Ich weiß nicht, ob die Stadt eine Stadtmauer hat oder wie groß sie ist. Auch ob sie an einem Fluss liegt, weiß ich noch nicht. Das spielt auch keine Rolle, denn die Geschichte funktioniert trotzdem.

    Somit würde ich sagen, dass ich beim Weltenbau höchstens den ersten Schritt gegangen bin. Ein bisschen wie im Theater, wo man nur einen Raum, in dem das ganze Stück spielt, ausgestaltet und dem Leser... ich meine natürlich dem Zuschauer... zeigt und von allem anderen höchstens berichtet wird.


    Wie entwickle ich ein Gefül für die Welt?

    Ich glaube, da hat jeder seine eigenen Methoden. Für manche stellt sich die Frage nicht, weil die Welt durch ihre Festlegungen gestaltet wird. Andere bekommen ei Gefühl für ihre Welt, weil sie anfangen, in Gedanken darin zu leben und zu erkunden, was passiert, wenn... Auch die Art und Weise, wie das jeweils passieren kann, kann ganz unterschiedlich sein. Bei mir passiert viel im Kopf, während ich spaziere oder wandere. Andere malen vielleicht Bilder oder stellen sich die Stimmung einer Szene (oder eines Teils der Welt) mit Hilfe eines bestimmten Songs vor. Alles ist denkbar.

    Ich persönlich wiederhole immer und immer wieder den gleichen Vorgang der Geschichte. Was passiert wo auf welche Art? Wie reagieren die Charaktere? Wie beeinflusst das Verhalten des einen Charakters den anderen etc. pp. Je öfter man das macht, desto mehr festigen sich bestimmte Varianten. Dann fällt dir vielleicht auch auf, dass das Verhalten eines Charakters in einer Situation nicht zu den anderen Situationen passt. Warum? Ist das dann nicht mehr stimmig (maW: passt das nicht zu deinem Gefühl der Welt?) oder musst du den Charakter anders auffassen?


    Zusammengefasst gehe ich davon aus, dass es möglich ist, für eine Fantasy-Geschichte nur so viel World-Building zu betreiben, wie unbedingt nötig ist, um alle in der Geschichte auftretenden Fragen zu Hintergründen etc. zu beantworten. Eine völlig ausgearbeitet Welt braucht es dafür nicht, aber die Konsistenz der Welt sollte gewährleistet sein, d.h. sie sollte nicht am Anfang so und am Ende ganz anders sein (außer genau das wäre das Thema der Geschichte).


    Ich will etwas schreiben mit etwas Symbolik, a la Narnia.

    Dafür würde ich dir raten, dir aufzuschreiben, was die Bedeutung sein soll und dann, durch welche Zeichen du das ausdrücken möchtest. Z.B. steht eine weiße Taube häufig für Frieden. Wenn also ein König seinem Koch befiehlt, eine weiße (Brief)Taube, die aus dem benachbarten Königreich mit einer Nachricht angefolgen kam, zu rupfen und als gefülltes Täubchen zum Abendessen zu reichen, dann kann man das symbolisch so interpretieren, dass er dem anderen Königreich den Krieg erklärt oder so (vgl. dazu auch sehr humorvoll den Film Mars Attacks :D ).

    Genauso könnten die Charaktere weniger "echte Personen" sein, sondern mehr symbolische Stereotypen... ich denke da gerade z.B. an den "deutschen Michel", der stellvertretend für das deutsche Volk steht (oder zumindest im 19. Jhd. sehr häufig dafür stand). Diesen Fall hast du auch, wenn ein Charakter z.B. nach einem Konzept wie der Göttin Justizia modelliert ist, d.h. blind ist (oder sonst irgendwie verbundene Augen hat), eine Waage und ein Schwert hat... das kann man natürlich immer abwandeln, also das Schwert durch das Schweizer Taschenmesser einer Pfadfinderin ersetzen ^^ Ich könnte mir vorstellen, dass es relativ schwierig ist, das gut umzusetzen :hmm:

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Ich danke euch allen ganz herzlich und ich denke diese Methode, dass ich es selbst entdecke und anhand der Stichpunkte in der Geschichte entwickle könnte funktionieren. Vor allem deshalb, weil ich tatsächlich eher über Fantasywelten lese als Geschichten darin, weil mich dieser Art der Entdeckungen und die Andeutung von Geschichten gefällt.


    Das mit dem Symbolismus wird auch spannend, weil ich noch nicht weiß wie komplex das ganze wird. Habe halt (auch bezüglich des Worldbuildings) Angst, dass mir später eine gute Idee kommt, wonach ich alles auf komplett ändern muss. Ich weiß, dass das beim Schreiben normal ist (und das wird auch bei der Schneeflockenmethode erwähnt), aber trotzdem...


    Wie weit ist den deine Schneeflocke schon gewachsen?

    Schritt 3, bei den Charakteren. Und hier bin ich erstens gerade am Kämpfen, ob der Protagonist diese Fähigkeit zur Verwandlung bekommen soll und dass ich noch nicht so viele Ideen für die weiteren Charaktere habe.

    Listen to wind, listen to the rain, listen to the voices in your brain.

  • Ich glaube einer der wichtigsten Punkte vorab ist, welche Art von Fantasywelt du willst: Eine 08/15-Fantasywelt mir den üblichen Völkern, Pseudofeudalismus und den ganzen üblichen Klichees. Dann kannst du jederzeit drauflosschreiben, wenn du dann irgendwann drauf kommst, das du doch was ganz anderes willst, kannst du das ja dann immer noch machen...

    Speziell Kurzgeschichten sind ja die perfekte Übung in welche Richtung man gehen will: Da darf man den Leser sowieso nicht mit endlosen Beschreibungen überfordern sondern eben mit so wenig wie möglichen auskommen.

    Wenn du Lust bekommst die Welt vorab etwas zu planen, längerfristig macht es das schreiben danach einfacher, mache das, wenn du darauf keine Lust hast, schreibe einfach drauf los und schau was passiert. Das ist oft ein Lernprozess den man selbst durchmachen muss um zu sehen was einem am besten liegt.

    Wenn du viel Symbolik etc drin haben willst, kommst du natürlich nicht drum herum dich da etwas schlau zu machen: Welche Art von Symbole willst du drin haben, machen diese in der Welt überhaupt Sinn? (Christliche Symbole in einer Welt ohne Christenum ist z.B. recht seltsam) etc.

  • Hallo Donovan

    wenn du nach einer witzigen Idee für eine parallele Fantasiewelt suchst empfehle ich dir mal in "Nebenan" von Bernhard Hennen rein zu lesen. Die Geschichte spielt wunderbar mit alten Klischees der Mittelaltermärkte und mit Märchenfiguren. Das Buch ist schnell gelesen und vielleicht bringt es dir ein paar gute Ideen.

  • Es hat denke ich jeder seine eigene Methode für gutes Worldbuilding.


    Ich persönliche finde es wichtig das Lore den Plot nicht überschattet. Es ist wichtiger dass deine Geschichte und deine Charaktere interessant sind. Erst danach sollten die Feinheiten des fiktiven Universums dran kommen. Sonst verlierst du dich in Arbeit die du später entweder gar nichts brauchst oder mühsam und unorganisch rein zwingst.


    Ich fange immer folgendem Set Fragen an:


    -Wie heißt diese Welt/Kontinent/Land/Ort?

    -Wer hat es so genannt?

    -Warum wurde es so getauft?


    Mir hilft das immer die Vergangenheit meines Settings zu bilden. Vor allem weil so daraus kein „So ist es. Punkt.“ wird, sondern weil so von Anfang an die Perspektive der Bewohner berücksichtigt wird.


    Zum Beispiel so:


    Die „Sonnenwelt“ hat ihren Namen weil das Leben in dieser Welt nicht aus dem Meer kam sondern von unter der Erdoberfläche. Als die ersten Völker, die eine eigene Sprache hatten, anfinden ihre Höhlensysteme zu verlassen und die Oberfläche zu erkunden war die Tatsache dass es eine Sonne gibt, das bemerkenswerteste Detail für sie. Und als sich die Völker ausbreiteten, entwickelten und teilweise dauerhaft unter dem freien Himmel zu leben begannen bliebt der Ausdruck „Sonnenwelt“ als Bezeichnung für die Oberfläche hängen. Dabei ist zu beachten dass „Sonnenwelt“ nicht kollektiv den Planeten meint, sondern ausdrücklich nur die Landmasse, nicht das Meer und auch nicht den Untergrund, die eigene Namen haben.

    „Wichtig klingende Zitate unter Signaturen sind blöd.“
    -Feron

  • Die „Sonnenwelt“ hat ihren Namen weil das Leben in dieser Welt nicht aus dem Meer kam sondern von unter der Erdoberfläche.

    Das klingt erstmal überhaupt nicht nachvollziehbar xD . Aber die Erklärung finde ich dann schon passend. Dazu kurz eine Frage: Gibt es in deiner Welt Evolution?


    Dabei ist zu beachten dass „Sonnenwelt“ nicht kollektiv den Planeten meint, sondern ausdrücklich nur die Landmasse, nicht das Meer und auch nicht den Untergrund, die eigene Namen haben.

    Das finde ich ein interessantes Konzept :hmm: Vor allem ist sehr gut daran, dass es meistens erst dann einen Anreiz gibt, etwas mit einem Namen zu belegen, wenn man es von etwas anderem abgrenzen muss. Ich finde, dass man das recht schön an den Namen der Objekte in unserem Sonnensystem sehen kann. Viele Planeten sind nach römischen Göttern benannt, aber die Sonne heißt zumindest in der Alltagssprache einfach Sonne. Gleiches gilt für die Erde und den Mond. So gesehen ziemlich langweilige Namen.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Ich persönliche finde es wichtig das Lore den Plot nicht überschattet. Es ist wichtiger dass deine Geschichte und deine Charaktere interessant sind. Erst danach sollten die Feinheiten des fiktiven Universums dran kommen. Sonst verlierst du dich in Arbeit die du später entweder gar nichts brauchst oder mühsam und unorganisch rein zwingst.

    Verstehe ich nicht... :hmm:
    Der Sinn einer gut ausgearbeiteten Welt besteht darin, eine konsistente und in sich schlüssige Kulisse für die Geschichte zu haben. Die soll und darf an keiner Stelle die Geschichte überschatten und irgendwie rein gezwungen werden, das macht doch keinen Sinn?

    Bekanntestes Beispiel (ja, ich weiß, das grabe ich immer aus, das kennen aber auch alle): Der Herr der Ringe. Da tauchen immer wieder Elementen der früheren Zeitalter auf (Moria, Wetterspitze, Luthien etc. ) ohne das tiefer drauf eingegangen wir, der Geschichte und der Welt eine unglaubliche Tiefe geben.
    Das war einer der Gründe wesshalb mich HdR von Anfang an so fasziniert hat, viele andere Fantasy scheint ihre Geschichte "on the go" so erfinden, und das merkt man als Leser halt meist besser als dem Autor lieb ist.

    Oder anders ausgedrückt: Auch wenn ich mir, nach historischem Beispiel, überlege wie die Viehwirtschaft funktioniert, wird das vielleicht nie in der Geschichte vorkommen oder nur mal an Rande erwähnen das man den Kühen im Wald begegnet und es einfach der Normalzustand ist, das sie dort am Fressen sind.

  • Hallo Donovan ,

    was ich immer mache, wenn ich eine Welt entwerfe, ist eine (grobe) Landkarte zu zeichnen. Dann bekomme ich ein Gespür für das Aussehen der Welt, ihren Umfang, welche Länder wo liegen, welche Topografie sich abzeichnet etc. Wahrscheinlich ist davon längst nicht alles wichtig für den Plot, aber als Autor sollte man sich in seiner eigenen Welt natürlich auskennen und das sorgt dann auch für diese Tiefe, die oben schon genannt wurde.

    Über die Geschichte der Welt mache ich mir auch grob Gedanken, besonders was Namensgebungen und Schauplätze wichtiger Ereignisse angeht, deren Geschichtsträchtigkeit (Hat ein Kampf z.B. irgendwas zerstört..?) man ihnen ansieht.

    Auch über die Kultur (Rituale, Traditionen, Feste) würde ich mir Gedanken machen, ebenso über Sprachenvielfalt (gibt es nur eine? Mehrere? Dialekte? Muss überhaupt Sprachenvielfalt rein oder lenkt das nur ab?), eventuelle Religion(en) (Kulte, religiöse Stätten/Gebetshäuser, die möglicherweise die Umgebung prägen...) - eben im Prinzip alles, was zu deinem Plot erwähnenswert ist.

    Das Wetter ist auch nicht zu vergessen - was ja aber mit der Topografie und deinem gewählten Klima zusammenhängt. In den meisten Fantasy-Welten gibts da eigentlich die "übliche" Bandbreite, aber vielleicht gehst du ja einen anderen Weg.

    Vielleicht gibt es in deiner Welt auch mystische Orte, besondere Gewässer (heilige Seen?, Flüsse als Transportmittel? Meere und Häfen?), Handelsstraßen, die große Städte miteinander verbinden, riesige Wälder (Jagd? Forstwirtschaft?), Ackerbau und Felder (von irgendwas muss man ja auch leben), Weinplantagen... Et cetera. Einfach überlegen, wovon deine Menschen leben und woher sie das beziehen.


    Meist entwickle ich meine Welt erst, indem ich sie zeichne. Das muss ja kein Meisterwerk sein. Aber so überlege ich mir insbesondere (Städte)Namen und auch, wie die einzelnen Völker wohl nebeneinander miteinander harmonieren etc. Und dann zeichne ich alles ein, was ich gerade aufgelistet habe - in Kleinform und möglichst übersichtlich.

    Und dann habe ich auch ein "Gefühl" für meine Welt, da ich mir sie so vorstellen kann.


    LG

    Stadtnymphe