Die Erwartungen des Lesers

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    • Die Erwartungen des Lesers

      Die Erwartungen der Leser

      Wir können als Autoren so innovativ schreiben wie wir möchten, aber wir können nicht erwarten, dass es dem Leser auch gefällt. Nicht umsonst werden die Vorreiter mancher Genres erst nach ihrem Tod berühmt. Wenn die Zeit reif für die neuen Gedanken geworden ist.
      Wenn wir also nicht am Leser vorbei schreiben wollen, sollten wir uns mit den Erwartungen des Lesers auseinandersetzen. Ignorieren können wir diese Erwartungen immer noch, aber es ist hilfreich, dies bewusst zu tun.

      Anbei einige unvollständige Gedanken zu den Erwartungen von Lesern, von einem demütigen Amateur der Schreibkunst ^^

      Das Genre
      Wenn jemand die Absicht hat ein Buch zu lesen, wird er meist in die Buchhandlung seiner Wahl gehen und dort einen bestimmten Bereich aufsuchen. Andere Bereiche wird er meiden. Zum Beispiel wird er an den Krimis vorbeigehen und in Richtung der Fantasy/Science Fiction Abteilung streben. Wenn er nach einem High Fantasy Roman greift und es sich später als romantischer Krimi herausstellt, wird er möglicherweise enttäuscht sein. Die Einteilung in Genres ist auf der einen Seite einschränkend für den Autor, aber auf der anderen Seite orientierend für den Leser. Es macht also Sinn sein Genre zu kennen und zu wissen, was in diesem Bereich üblich ist.

      Die Sprache
      Dieser Punkt hängt eng mit dem Genre zusammen. Wenn ich einen Western schreibe, werde ich andere Worte benutzen als in einem Science Fiction Roman, klar. Auch wenn ich einen mittelalterlich angehauchten High Fantasy Roman schreibe hat der Leser eine gewisse Erwartung an die Sprache. Dies muss man sicher nicht übertreiben, „neumodische“ Worte reißen mich persönlich allerdings aus dem Lesevergnügen. Ein Waldläufer im High Fantasy sagt nicht „Cool, da kommen Elben“. Aber im Steampunk Genre würde mich ein moderneres Wort nicht stören.

      Bestehende Vorstellungen des Lesers
      Nehmen wir an, dass es der Leser geschafft hat die Krimi Ecke zu umschiffen und einen echtes High Fantasy Buch gekauft hat. Er hat jetzt gewisse Erwartungen. Zum Beispiel eine archetypische Vorstellung zu Gestalten wie Magier, Fee, Troll etc. Autoren, die diese Klischees nicht bedienen, werden dies mit ihrem Leser ausdiskutieren müssen.
      Eine Vampirfee oder ein Magiertroll?
      Geht alles, aber es sollte dem Leser plausibel gemacht werden. Bei einem Liebesroman erwartet der Leser, dass die Protagonisten sich am Ende kriegen. Dies muss nicht bedeuten, dass am Ende „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist, es kann auch im Tod enden (Romeo und Julia).

      Aufbau des Buches
      Es gibt mehrere Möglichkeiten einen Roman aufzubauen und zu strukturieren. Dazu gibt es im Internet oder hier im Forum einige Beispiele und Erläuterungen (z.B. Dreiaktstruktur, das Motiv der Heldenreise etc). Damit wird auch deutlich, dass die Anzahl der genutzten (und erfolgreichen) Möglichkeiten durchaus begrenzt sind. Einige Erzählstrukturen haben sich bewährt und werden daher gern genutzt. Es gibt hier sicherlich auch Moden. Eine Zeitlang gab es recht viele „Heldenreisen“.
      Die Erzählweise von Romanen ändert sich im Laufe der Jahrzehnte. Ich empfehle hier beispielsweise HP Lovecraft einmal mit Steven King zu vergleichen. Beide sind aus dem Genre Horror, haben aber eine sehr unterschiedliche Erzählstruktur.
      Der Leser hat aus seiner Leseerfahrung auch unbewusste Erwartungen an den Spannungsbogen. Heutzutage kommt auch die Kinoerfahrung hinzu und möglicherweise auch Hörbücher und Computerspiele. Romane, wo lange Zeit nicht viel passiert, haben es heute möglicherweise schwerer als früher.

      Der Leser möchte sich Identifizieren
      In den meisten Romanen folgt der Leser einem oder mehreren Protagonisten durch ihre Abenteuer und Erlebnisse. Der Leser mag dabei manche Protagonisten mehr als andere und identifiziert sich zumindest teilweise mit ihnen. Im Allgemeinen töten wir diese Person nicht (Aufschrei!!!).
      Richtig, bei Games of Thrones wurde(unter vielen) Ned Stark getötet. Wir beobachten im Moment den Trend, dass auch Hauptpersonen nicht mehr geschützt sind. Vorher waren Hauptpersonen im Wesentlichen davor sicher, unvermittelt von der nächsten Klippe zu fallen. Autoren sind zunehmend stolz darauf, dass bei ihnen niemand Bestandsschutz hat. Aber! Bei jedem dieser Tode entreißen wir dem Leser eine Identifikationsfigur.
      Das tut dem Leser weh!
      Wir tun also gut daran, zumindest einen Ersatz zu liefern. Bei GoT gibt es da ja eine ganze Latte an Möglichkeiten.

      Das Ende ist von vornherein schon klar
      Im Krimi geschieht üblicherweise ein Mord. Der Leser wünscht sich, dass das Verbrechen aufgeklärt wird. Er wäre unzufrieden, wenn das Ende offenbleibt. Der Weg zur Aufklärung ist das schriftstellerische Werk und variiert innerhalb gewisser Grenzen. Die Kunst ist die Erwartungen zu bedienen und möglichst etwas besonderes hineinzubringen. Ich denke, wenn ein Schriftsteller finanziell erfolgreich, reich und berühmt sein möchte, empfiehlt es sich kreativ zu sein, aber nicht allzu abgedreht kreativ zu schreiben. Sonst ist die potenzielle Leserschaft möglicherweise klein.

      Der Leser möchte wissen, was er zu erwarten hat.
      Wenn auf einem Buch „Steven King“ als Autor steht, ist die Erwartung nicht, dass es sich um ein Kinderbuch handelt. Es empfiehlt sich also im Genre zu bleiben. Später, wenn sich Berühmtheit eingestellt hat, kann man schreiben was man will. Steven King war ja zunächst als Autor von Büchern im Horror Genre berühmt und hat erst später auch im Krimi und Fantasy- Bereich publiziert.
      Einige Autoren nutzen Pseudonyme, um ihre unterschiedlichen Schreibgebiete für den Leser zu sortieren.

      Einzelbuch oder Serie?
      Es ist augenfällig, dass in bestimmten Genres eher Einzelbücher dominieren (Krimi) während in anderen Genres mehrbändige Werke populär sind. Im Fantasy Bereich sind gerade mehrbändige Werke mit 500+ Seiten pro Buch in Mode. Erwartet dies der Leser?
      Mich persönlich ermüdet die Aussicht, noch 25 Bände vor mir zu haben. Allerdings hat mir das zu anderer Zeit nichts ausgemacht (Rad der Zeit Fanboy).

      Mehr vom Gleichen
      Wir alle tendieren dazu, mehr vom Gleichen zu wollen. Wenn wir gute Erfahrungen mit Karl May gemacht haben, dann lesen wir möglicherweise alle Werke von ihm. Ich habe mal versucht mit Steven King mitzukommen. Aber dann liest man ja nichts anderes mehr. Im Fahrwasser vom Herrn der Ringe gibt es eine ganze Branche, die sich um Zwerge und Elben kümmert. Als Autoren lesen wir möglicherweise Querbeet, aber dies ist möglicherweise nicht bei der Mehrzahl der Leser der Fall!
      Kennt und pflegt eure Zielgruppe!
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Sehr gute Zusammenfassung. Sie beantwortet meiner Meinung nach etwa drei Viertel aller hier im Forum gestellten Fragen zu "Wie mache ich..." - "Was soll ich denn...?" - "Ich weiß grad nicht, wo..."
      Ich fürchte nur, diejenigen, die diese Fragen stellen, werden nicht hierreinlesen, ohne dass man sie explizit mit der Nase draufstuckt. Und manche nichtmal dann...
      Aus aktuellem Anlass:

      Ich möchte bitte keine LIKEs mehr haben! ^^
      Wenn Dir mein Beitrag hier und anderswo gefällt, schreibs mir einfach. :danke:
    • Genre... kann ich ehrlich gesagt nur mit der Grobeinteilung was anfangem, ich gestehe dass ich keine Ahnung habe wo der Unterschied zwischen High Fantasy und Low Fantasy anzusiedeln ist obwohl ich jetzt schon recht lange Fantasy-Leser bin (wenn mir das mal jemand erklaeren will, gerne). Daher bin ich auch nicht leicht zu enttaeuschen wenn jemand das Genre wechselt.

      Serie... ich sag' gerne ganz boese, wenn man eine Geschichte nicht in ~1000 Seiten abschliessen kann, dann kann man keinen Spannungsbogen erzaehlen und sollte das erst mal lernen bevor man schreibt. Also - Serien mit abgeschlossenen Spannungsboegen in jedem Band in denen man die Protagonisten wiedertrifft, wo man aber jedes Buch fuer sich lesen kann - von mir aus gerne und immer. Serien mit 10 Handlungsstraengen die sich durch 25 Baende durchziehen und man in jedem Buch jeden der Straenge zweimal zu sehen bekommt so dass sich die Handlung im Schneckentempo bewegt verweigere ich als Leser rigoros.

      Archetypen... Woerter bedeuten halt was (und generell erwarte ich als Deutsch-Sprecher dass deutsche Woerter in ihrer richtigen Bedeutung verwendet werden) - wenn ich 'Vampir' sage aber der Typ im Buch zeichnet sich dadurch aus dass er sich bei Vollmond in einen Wolf verwandelt, dann spiele ich nicht mit einem Klischee, sondern ich nehme einfach das falsche Wort. Wenn ich was beschreiben will, fuer das es kein Wort gibt weil ich das Ding erfunden habe, dann kann ich ja auch den Namen dazu erfinden. Wenn ich 'Pferd' sage, erwartet der Leser zu Recht ein vierbeiniges, fellbedecktes Reittier mit Maehne, und wenn das in meiner Geschichte fliegen kann, dann kann ich es ja 'Wolkenpferd' nennen. Wenn ein Autor es nicht hinbekommt, deutsche Woerter in ihrer richtigen Bedeutung zu verwenden, dann sehe ich als Leser das allgemein nicht als Zeichen seiner Phantasie sondern als mangelnden Willen, mit dem Leser zu kommunizieren.

      Ich hab' als Leser eher ein paar Negativpunkte - wenn die auftauchen lege ich das Buch (und im Extremfall den Autor) zur Seite - kann man jetzt auch Erwartungen nennen, aber es ist eher die Erwartung das bestimmte Dinge nicht passieren:

      * Ich mag als Leser nicht platt belehrt werden. 'Krieg = sinnlos und boese' hab' ich im Deutschunterricht an der Schule bis zum Erbrechen rezitieren muessen - ein guter Autor schafft es, die Position seiner Figuren zu Themen klar zu machen, aber mich selbst meine Schluesse draus ziehen zu lassen. Generell mag ich ambivalente Situationen wo unterschiedliche Weltanschauungen sich treffen, wenn die Geschichte auf eine deutliche 'Moral' zusteuert, dann aergert mich das meistens (vor allem weil 99% der Fantasyautoren keine Ahnung von echter Moralphilosophie haben und das Ergebnis dann dementsprechend unbefriedigend ausfaellt).

      * Ich mag als Leser nicht verarscht werden. Klingt trivial - aber was meine ich damit? Wenn ein Autor mir eine Figur zur Identifikation anbietet und die tiefsinnig darstellt, dann bin ich bereit mitzugehen. Wenn er dann spaeter die Handlung in Parodie aufloest und im Endeffekt sagt 'War alles nicht so gemeint, heheh' - dann fuehle ich mich nicht fuer voll genommen. Parodie und Klamauk auch gerne mal - aber dann von Anfang an klar erkennbar.

      * Ich mag als Leser nicht wenn der Autor sich nicht an seine eigenen Regeln haelt. Wenn irgendwo in einer Geschichte das Naturgesetz X oder die Art Y wie Magie funktioniert aufgestellt wurde, und dann spaeter - hehehe - das genaue Gegenteil passiert weil - ich weiss auch nicht, es ist ihm halt nichts eingefallen - dann aergert mich das massiv. Ich will eine faire Chance mich in eine Welt einzudenken, und das bedeutet dass Regeln eben auch gelten und nicht eingefuehrt und gestrichen werden wie's grade passt.

      * Ich mag als Leser nicht wenn der Autor nicht zum Punkt kommen kann - ich mag ausfuehrliche, detaillierte Beschreibungen gerne, aber wenn nach 100 Seiten nicht zu erkennen ist worum es in der Geschichte geht (ich kann gerne einen falschen Eindruck haben den ich spaeter korrigiere - aber wenn ich so gar keinen Eindruck habe...) - dann ist irgendwas nicht in Ordnung und das Buch disqualifiziert sich.
    • @Sensenbach, ich finde deine Ansicht gut und neutral zusammengewürfelt.

      Ich muss ehrlich sagen, dass meine Erwartungen - aus Lesersicht - erst kommen, wenn ich lese.
      Jedes Buch ist anders, daher greifen die meisten "Erwartungen" nicht bei X oder Y wie sie es vielleicht bei A und B getan haben.
      Das sehe ich ähnlich mit dem Genre verbunden.
      Wenn ich Fantasy lese - habe ich gewisse Erwartungen.
      Wenn ich einen Krimi lese - habe ich gewisse Erwartungen.

      Ich habe gemerkt, dass meine Erwartungen gewachsen sind. Das liegt vermutlich am Schreiben. Mir reicht es nicht mehr, wenn ein Bösewicht böse ist, weil Baum. Ich brauche Grauzonen - kann es aber akzeptieren, wenn angeführt wird, dass XY einfach wahnsinnig ist. Dann kommt es eben auf die Umsetzung dessen an.
      Ich liebe Antihelden. :love: <3 <3 Wer Antihelden im Buch hat, der hat mich als Leser xD
      Und ich liebe raue Charakter, liegt vielleicht auch daran, dass ich - selbst als Frau - mich mit solchen Chars am besten identifizieren kann.
      Ich bin auch mehr so der Typ "Hol ma Wodka, wir müssen über Gefühle reden!"

      Was ich absolut nicht, in jedem Buch, mag, sind oberflächliche Charakter. Wie das heutzutage der Fall in den meisten Kitschromanen ist. Da reicht es schon, wenn Mann reich und attraktiv ist, damit B unsterblich verliebt ist - ohne dass auf die Gefühle im Inneren eingegangen wird.
      Das ist für mich immer so ein Zeichen, dass der Autor dazu einfach nur keinen Bock hatte. :pardon: Oder selbst sehr oberflächlich ist, da er ansonsten wissen müsste, dass es da mehr als Geld und Autos gibt.

      Sensenbach schrieb:

      Richtig, bei Games of Thrones wurde(unter vielen) Ned Stark getötet. Wir beobachten im Moment den Trend, dass auch Hauptpersonen nicht mehr geschützt sind. Vorher waren Hauptpersonen im Wesentlichen davor sicher, unvermittelt von der nächsten Klippe zu fallen. Autoren sind zunehmend stolz darauf, dass bei ihnen niemand Bestandsschutz hat. Aber! Bei jedem dieser Tode entreißen wir dem Leser eine Identifikationsfigur.
      Das tut dem Leser weh!
      Wir tun also gut daran, zumindest einen Ersatz zu liefern. Bei GoT gibt es da ja eine ganze Latte an Möglichkeiten.
      :rofl: Gut, dass du das sagst. Ja, das scheint ein Trend zu sein. Alles und jeder kann sterben und das manchmal auch recht unheroisch. Ich persönlich kann das nur bedingt leiden. Bei GoT ist es aufgrund der Charvielfalt ok, aber wer kennt es nicht - jetzt mal aus dem Filmgenre - wenn man 2 Stunden einen Horrorfilm guckt und das Ende ist nicht nur offen, sondern zeigt auch, dass die letzten beiden Überlebenden draufgehen. Das ist für mich ehrlichgesagt Zeitverschwendung. Also für mich persönlich. Ich schau doch nicht gerne zwei Menschen beim Überleben zu, damit sie dann kurz vorm Abspann - zack - draufgehen. So ohne Sinn und Verstand. :rofl: In einem Buch finde ich das noch schlimmer, wenn das dann so komplett am Ende passiert, weil man da meist noch mehr Stunden draufgegangen sind. :pardon: Sterben ist okay, aber dann bitte dann aus einem Grund - und nachvollziehbar. Und nicht, weil da irgendwo noch einer unbemerkt rumgestanden hat, der aus dem Off einen Pfeil abschießt und zack - Hauptchar tot.

      Aber ich bin da immer vorsichtig. Es kann immer sein, dass ich selbst mal irgendeinen Fehler mache oder eins dieser Elemente benutze. Wie gesagt, es kommt für mich alles auf die individuelle Umsetzung an. Es gibt eigentlich nichts, was ich grundsätzlich absolut nicht mag.
      :hmm:

      Sensenbach schrieb:

      Kennt und pflegt eure Zielgruppe!
      Das ist leicht gesagt xD

      Thorsten schrieb:

      Serie... ich sag' gerne ganz boese, wenn man eine Geschichte nicht in ~1000 Seiten abschliessen kann, dann kann man keinen Spannungsbogen erzaehlen und sollte das erst mal lernen bevor man schreibt. Also - Serien mit abgeschlossenen Spannungsboegen in jedem Band in denen man die Protagonisten wiedertrifft, wo man aber jedes Buch fuer sich lesen kann - von mir aus gerne und immer. Serien mit 10 Handlungsstraengen die sich durch 25 Baende durchziehen und man in jedem Buch jeden der Straenge zweimal zu sehen bekommt so dass sich die Handlung im Schneckentempo bewegt verweigere ich als Leser rigoros.
      Ui ui ui, damit wäre ich arg vorsichtig, @Thorsten. Denn wie will man das lernen, wenn man nicht schreibt? Die Erfahrung und das Lernen kommt für mich BEIM Schreiben und nicht davor. Oô
      Nur weil ich über das Schwimmen nachdenke, kann ich es dann nicht - praktisch. Das ist "Learning by Doing".
      Chaos und ich haben unser Buch z.b. gespalten, weil wir ~1500 Seiten haben. Uns ist bewusst, dass wir noch viele Baustellen haben, aber wir gehen auch nicht davon aus, dass es so, wie es bisher dasteht, absolut perfekt ist. Das wäre absoluter Nonsens. Jeder, der bei seiner ersten Version seines Buches davon ausgeht ... muss echt ein Meister sein, der vom Himmel gefallen ist. ^^
      Wir heben uns das meiste auf, gerade große Textveränderungen, wenn wir es komplett überarbeiten. Denn, wir müssen dann schauen, dass zuvor gebrachte Passagen noch passen ... ect.
      Vielleicht auch komplett neue Spannungsbögen einflechten und sowas. Etwas umstrukturieren und was man so macht, wenn man durch andere Ideen oder Anregungen bekommt. Manche Einwände und Ideen müssen auch erstmal reifen, bis man die Optimallösung findet.

      Pauschal daher aus der Lesersicht zu sagen, wer das und das so handhabt kann das nicht, würde ich mir daher bei anderen nicht erlauben. :whistling:
      Gerade hier im Forum ist das so eine Sache, da sich ja wirklich 90% der Werke im Rohbau befinden. Und die Autoren die Meinungen der Leser abwiegen.

      Thorsten schrieb:

      Archetypen... Woerter bedeuten halt was (und generell erwarte ich als Deutsch-Sprecher dass deutsche Woerter in ihrer richtigen Bedeutung verwendet werden) - wenn ich 'Vampir' sage aber der Typ im Buch zeichnet sich dadurch aus dass er sich bei Vollmond in einen Wolf verwandelt, dann spiele ich nicht mit einem Klischee, sondern ich nehme einfach das falsche Wort. Wenn ich was beschreiben will, fuer das es kein Wort gibt weil ich das Ding erfunden habe, dann kann ich ja auch den Namen dazu erfinden. Wenn ich 'Pferd' sage, erwartet der Leser zu Recht ein vierbeiniges, fellbedecktes Reittier mit Maehne, und wenn das in meiner Geschichte fliegen kann, dann kann ich es ja 'Wolkenpferd' nennen. Wenn ein Autor es nicht hinbekommt, deutsche Woerter in ihrer richtigen Bedeutung zu verwenden, dann sehe ich als Leser das allgemein nicht als Zeichen seiner Phantasie sondern als mangelnden Willen, mit dem Leser zu kommunizieren.
      HAHAHA, gerade das Beispiel "Vampir" ist gut. Das hatte ich tatsächlich schon oft, dass das Vampire sein sollen, aber dann doch ganz anders waren. Da stimme ich zu. Da ist es besser, einen eigenen Namen zu erfinden, denn jeder verbindet mit dem Wort etwas recht Eindeutiges und wenn es anders ist, sollte es anders heißen. :rofl:

      Ich gehe an alle Werke recht offen ran, muss ich sagen, aber das liegt vermutlich bei mir daran, dass ich auch mal ganz klein angefangen habe und den Weg zu einer halbwegs griffigen Geschichte kenne.
      Ich kann allgemein nur raten, was das Forum angeht, sich von negativen Kritik nicht runterbuttern zu lassen. Manche Texte haben mehr Fehler, andere kaum, sei es in Logik oder Grammatik.
      Das meiste baut auf Selbstreflektion auf und ob Einwände sinnloser Zerriss sind oder eben begründet. Auch als Leser frage ich mich das oft. Habe ich jetzt etwas gegen die Szene im Buch, weil ich es selbst anders machen würde oder ist mein Einwand begründet?
      Da kommen dann die Punkte zusammen: "Passt es zur Welt? Handeln die Chars im Moment X noch getreu ihrer zuvor dargestellten Eigenschaften oder wurden sie zwecks Szene einfach angepasst, damit die Szene stattfinden kann? Werden die eigenen Naturgesetze berücksichtigt und ist das wenn, in der Realität umsetzbar?"
      Deswegen bin ich als Leser versucht, immer zu sagen, was mir gefällt und was mir nicht gefällt und wenn mir etwas nicht gefällt, zu erklären warum und noch wichtiger, wie man das evtl. beheben kann. :hmm:

      LG
      Jenna
    • @Sensenbach schön zusammengefasst, danke :)

      Ich muss sagen, dass es für mich einen klaren Unterschied gibt zwischen "Erwartungen nicht erfüllt" und "Erwartungen enttäuscht".
      Ich gehe mit einer bestimmten Erwartung an eine Geschichte - egal welches Medium. Das kann ich leider nicht verhindern :D
      Das heisst aber nicht, dass ich schon enttäuscht bin, wenn diese mal etwas anders macht als man es gewohnt ist. Wenn ich zum Beipiel einen Krimi lese, erwarte ich ja für gewöhnlich, dass ich den aus der Sicht des Ermittlers verfolge und mit diesem langsam die Hinweise sammle und den Spaß dann am Ende aufklären kann. Sollte ich jetzt aber plötzlich aus der Sicht des Mörders lesen, wie er seine Morde begeht und versucht seine Spuren zu verwischen - bin ich überrascht, meine Erwartung wurde nicht erfüllt. Das ist aber nichts schlechtes, weil die Umsetzung des Ganzen trotzdem gut und spannend sein kann. Je nachdem wie es geschrieben ist hoffe ich, dass der Mörder einen Fehler macht, versuche vielleicht sogar, diese während des Lesens zu erkennen und hoffe dann, dass die Polizei das auch rafft. Oder aber ich bin sogar auf der Seite des Mörders, wenn es dementsprechend dargestellt ist. (Fragt mcih jetzt nicht wie, ist nur ein Beispiel^^)

      Lese ich aber einen als "Krimi" ausgeschriebenen Roman und das "Verbrechen" besteht aus einem gestohlenen Kuchen, der zum Abkühlen aufs Fensterbrett gestellt wurde ... DANN bin ich enttäuscht. (Wenn es sich nicht gerade um ein Kinderbuch handelt, wo ich mir sowas wiederum gut vorstellen könnte :rofl: )

      Ein schönes Beispiel hierfür war die "Infected"-Triologie von Scott Sigler. (Falls ihr das lesen wollt und in irgend einer Weise der Englischen Sprache mächtig seid ... lest es im Original. Die deutsche Übersetzung ist eine Katastrophe xD)
      Der Klappentext verspricht eine mysteriöse Krankheit, die Leute in gewaltbereite Wahnsinnige verwandelt. Erwartet habe ich genau das xD
      Bekommen habe ich etwas VÖLLLIG anderes.
      Nur zur Sicherheit

      Nämlich eine Geschichte über einen Mann, der mit dieser Infektion kämpft, die sich nach und nach als parasitisches Alien herausstellt. Das klingt stumpfer als es ist, denn im Verlauf der Reihe passiert echt viel und das ganze eskaliert immer weiter - das macht Spaß.

      Es geht echt viel schief (also im Plot, nicht schreibtechnisch xD) und obwohl meine Erwartungen überhaupt nicht eWErfüllt wurden, habe ich es geliebt. Man merkt, dass der Mann kein Mitleid mit seinen Chars hat, aber sie nicht völlig sinnnlos abschlachtet - das macht es unglaublich spannend.

      Sensenbach schrieb:

      Richtig, bei Games of Thrones wurde(unter vielen) Ned Stark getötet. Wir beobachten im Moment den Trend, dass auch Hauptpersonen nicht mehr geschützt sind.
      Was ich persönlich gar nicht schlimm finde. Ned Stark zB. fand ich völlig in Ordnung, weil sein Tod ein sehr wichtiger Punkt im Plot ist udn quasi alles anstößt, was danach kommt. Zudem stirbt er nicht einfach so, sondern weil er einen Fehler macht und ein anderer Char halt einen eigenen Charakter hat :D
      Ich mag es, wenn man bei brenzligen Situationen tatsächlich auch mal um seinen Helden Angst haben muss und nicht weiß "jaja, der kommt da eh raus"
      GoT übertreibt da bisweiles etwas, sodass man einfach grundsätzlich schon aufgibt, weil man ahnt dass der eh stirbt xD
      Was mich allerdings NERVT und teilweise schon dazu gebracht hat, Serien abzubrechen (Walking Dead *hust* ) ist, wenn die Chars an ihrer eigenen Dummheit sterben. Sprich wenn sie einfach irgendetwas völlig dämliches machen, und daran sterben. Etwas wo man GENAU weiß, dass das auf gar keinen Fall gutgehen kann - wie zb. jmd der eine Schusswaffe auf einen richtet, mit einer fucking Schere anzugreifen un sich dann zu wundern, dass man erschossen wird :pardon:


      Thorsten schrieb:

      Serie... ich sag' gerne ganz boese, wenn man eine Geschichte nicht in ~1000 Seiten abschliessen kann, dann kann man keinen Spannungsbogen erzaehlen und sollte das erst mal lernen bevor man schreibt. Also - Serien mit abgeschlossenen Spannungsboegen in jedem Band in denen man die Protagonisten wiedertrifft, wo man aber jedes Buch fuer sich lesen kann - von mir aus gerne und immer. Serien mit 10 Handlungsstraengen die sich durch 25 Baende durchziehen und man in jedem Buch jeden der Straenge zweimal zu sehen bekommt so dass sich die Handlung im Schneckentempo bewegt verweigere ich als Leser rigoros.
      Ehrlichgesagt verstehe ich dich nicht so ganz. Du sagst einerseits, du willst eine neue Welt kennenlernen, darin eintauchen und möglichst viele Details wissen (nicht hier, aber in vielen deiner Kommis) - aber gleichzeitig willst du, dass dadurch das Buch nicht länger wird. Wenn ich eine neue Welt erfinde und die meinem Leser näherbringen will MUSS die Geschichte länger werden, weil ich Dinge erklären muss, die in der normalen Welt nicht vorkommen. Dann ist es nur logisch, dass der Handlungsbogen sich über eine größere Seitenzahl erstrecken muss.

      Zum anderen wäre ich generell vorsichtig mit solchen pauschalen Aussagen. Klar gibt es Geschichten, die man in deutlich weniger Text erzählen könnte, aber es gibt eben auch welche, wo man das nicht kann. Wenn ein Handlungsstrang von vielen anderen abhängt und alle für sich interessant sind und eine Daseinsberechtigung haben, gibt es keinen Grund, dass die Geschichte sich nicht über 2000+ Seiten erstrecken kann.
      Abgesehen davon - wie Jenna schon sagte - wie soll ich schreiben lernen, wenn ich es nicht tue? Wie soll ich lernen, einen großen Spannungsbogen ansprechend zu gestalten, wenn ich es nicht versuche? Du hast doch bei deinem Projekt selbst festgestellt, dass man das Filmemachen auch erst lernt während man es macht. Nach deiner Logik müsstest du dann auch sagen "ok, ich lass es bleiben, ich kann es ja noch nicht."
      Das führt zu nichts.


      Thorsten schrieb:

      * Ich mag als Leser nicht wenn der Autor sich nicht an seine eigenen Regeln haelt. Wenn irgendwo in einer Geschichte das Naturgesetz X oder die Art Y wie Magie funktioniert aufgestellt wurde, und dann spaeter - hehehe - das genaue Gegenteil passiert weil - ich weiss auch nicht, es ist ihm halt nichts eingefallen - dann aergert mich das massiv. Ich will eine faire Chance mich in eine Welt einzudenken, und das bedeutet dass Regeln eben auch gelten und nicht eingefuehrt und gestrichen werden wie's grade passt.
      Das finde ich auch sehr wichtig. Ich gebe mir als Leser ja auch Mühe, die Welt zu verstehen, dass ich dann in gewissen Situationen sagen kann "Okay, er kann ja noch ..." oder eben nicht. Wenn ich mir sicher bin, dass er eben NICHT kann und er macht es doch komme ich mir verarscht vor :D
      Daraum finde ich es als Autor auch wichtig, genau zu wissen, wie die Magie beispielsweise GENAU funktioniert. Das heisst nicht, dass ich meinem Leser das auch in jedem Detail um die Ohren haue, aber solange ICH es weiß, kann ich es nachvollziehbar und gleichmäßig darstellen.
      Falls es Ausnahmen für eine Regel geben sollte, sollte man diese auch irgendwie schon reinbringen, BEVOR ich sie brauche und nicht erst dann.
      Kein "Ach übrigens, da gibts diese voll geile Ausnahme, mit der wir den mit dem voll tödlichen magischen Gift vergifteten Prota doch noch retten können. Ist mir grade erst eingefallen :pardon: "

      Das ist im besten Fall faul vom Autor und im schlechtesten Fall ein riesiges Plothole (wobei ich grade gar nicht weiß, welches von beiden schlimmer ist :hmm: )

      LG Chaos
      "Fürchte nicht die Finsternis. Akzeptiere sie und sei, was in ihr auf deine Feinde lauert. Angst ist eine Waffe, Halvar. Nutze sie zu deinem Vorteil."


    • Jennagon schrieb:

      Chaos und ich haben unser Buch z.b. gespalten, weil wir ~1500 Seiten haben.

      Ja, um das Missverstaendnis ganz kurz aufzuklaeren - in eurer Seitenformatierung habt ihr 1500 Seiten, aber viele von den englischsprachigen Werken die ich schaetze haben kleineren Font und bringen grob einen Faktor zwei und mehr Text auf eine Seite - sowas hatte ich im Kopf (und das haette ich natuerlich dazu sagen sollen - woran man halt nicht immer sofort denkt...).

      In eurer Formatierung koenntet ihr wahrscheinlich gut auf 2500 bis 3000 Seiten gehen bevor ich die Augenbrauen hochziehe.

      Chaos Rising schrieb:

      Ehrlichgesagt verstehe ich dich nicht so ganz. Du sagst einerseits, du willst eine neue Welt kennenlernen, darin eintauchen und möglichst viele Details wissen (nicht hier, aber in vielen deiner Kommis) - aber gleichzeitig willst du, dass dadurch das Buch nicht länger wird.

      Das schliesst sich ja nicht aus, Du kannst ja eine Welt in mehreren Geschichten vorstellen die jede ihren eigenen Spannungsbogen haben. Oder eine Geschichte mit mehreren, sich ueberschneidenden Spannungsboegen erzaehlen.

      Aber wer nach 1000 Seiten (also, 2500 Seiten eurer Formatierung) noch alle Straenge offen hat und keine Entwicklung hat die wohin gefuehrt hat, dem kuendige ich als Leser die Treue - so isses einfach...

      (Ihr habt ja nach guten 500 Seiten (oder 200 meiner Formatierung) schon einen Spannungsbogen abgeschlossen - dass ihr dann noch gute 800 Seiten fuer Details haettet erklaert wahrscheinlich warum ich gerne mehr mag...)

      Chaos Rising schrieb:

      Abgesehen davon - wie Jenna schon sagte - wie soll ich schreiben lernen, wenn ich es nicht tue?

      Nachdem die Beispiele von Sensenbach mit der Buchhandlung zu tun hatte bezog sich das von mir jetzt auf Geschichten die von einem Verlag publiziert wurden (und die ich kaufen wuerde oder auch nicht). Was jemand privat fuer seine Vergnuegen macht oder zum Ueben ist natuerlich seine Sache, und ob ich jemands Schreibuebungen fertig lese oder nicht ist halt meine Sache. :)

      Ich will um Himmels Willen niemanden abhalten so lange zu schreiben wie er mag - aber meine Erwartung als Leser ist dass ein Spannungsbogen nach einer vernuenftigen Zeit abgeschlossen ist - das ist alles.


      (Ich nahme mal an dass Filmzuschauer auch erwarten wuerden dass ich imstande bin in weniger als 3 Stunden irgendwas abzuschliessen...)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Thorsten ()

    • Thorsten schrieb:

      Ich will um Himmels Willen niemanden abhalten so lange zu schreiben wie er mag - aber meine Erwartung als Leser ist dass ein Spannungsbogen nach einer vernuenftigen Zeit abgeschlossen ist - das ist alles.
      HAHAHA, deswegen sagte ich, dass ich mit dieser "pauschalen" Meinung vorsichtig wäre. :rofl:
      Bei einem Buch, was veröffentlicht wurde, und was so aufgebaut worden ist, gehe ich absolut mit deiner Meinung konform.
      Es muss ja was gehabt haben, dass sich ein Verlag dachte, das sei gut. Wenn man aber als Normalverbraucher davorhängt und sich fragt, wann endlich mal was passiert, ist das schon kacke. xD
      Hatte ich btw. vor knapp zehn Jahren bei der Twilight Serie. Das zweite Buch hab ich zugeklappt ab der Häfte, weil nichts außer Geplärre passiert ist. Und das sind keine 1000 Seiten. Da waren mir 100 - 200 schon zu viel. Ein ganzes Buch voller Selbstmitleid - und für mich persönlich noch mit einer falschen Message. Mach dein Leben abhängig von einem Kerl - ja nee ist klar. :rofl:

      Thorsten schrieb:

      Ja, um das Missverstaendnis ganz kurz aufzuklaeren - in eurer Seitenformatierung habt ihr 1500 Seiten, aber viele von den englischsprachigen Werken die ich schaetze haben kleineren Font und bringen grob einen Faktor zwei und mehr Text auf eine Seite - sowas hatte ich im Kopf (und das haette ich natuerlich dazu sagen sollen - woran man halt nicht immer sofort denkt...).

      In eurer Formatierung koenntet ihr wahrscheinlich gut auf 2500 bis 3000 Seiten gehen bevor ich die Augenbrauen hochziehe.
      Ja, unseres ist quasi nach Buchseiten formatiert. Danach rechne ich immer, da das ja so in Büchern - Buchseiten wäre.
      DinA4 Seiten sind ja mehr so Schulaufsatz - Seiten. Also für mich. Ich hab das Format noch von einem Erstling und übertrage alle Geschichten direkt in diese Seitenformation.
      Wir haben, wenn die Formatierung nicht gesponnen hat, 30 Zeilen á 60 Anschläge.

      Thorsten schrieb:

      Das schliesst sich ja nicht aus, Du kannst ja eine Welt in mehreren Geschichten vorstellen die jede ihren eigenen Spannungsbogen haben. Oder eine Geschichte mit mehreren, sich ueberschneidenden Spannungsboegen erzaehlen.

      Aber wer nach 1000 Seiten (also, 2500 Seiten eurer Formatierung) noch alle Straenge offen hat und keine Entwicklung hat die wohin gefuehrt hat, dem kuendige ich als Leser die Treue - so isses einfach...

      (Ihr habt ja nach guten 500 Seiten (oder 200 meiner Formatierung) schon einen Spannungsbogen abgeschlossen - dass ihr dann noch gute 800 Seiten fuer Details haettet erklaert wahrscheinlich warum ich gerne mehr mag...)
      Das stimmt allerdings xD Wenn weder in Geschichte noch in Char-Entwicklung iwas stattfindet, wird das schnell öde. Da ist verständlich, wenn so gar nichts kommt, dass man nach 1000 Seiten das Buch zuklappt. Das ginge aber glaubs den meisten Menschen so.


      Ja, das kann in so einem Verhältnis gut sein. xD Aber dafür sind wir nicht der Typ. Also - 800 Seiten Beschreibungen - 200 Handlung. :hmm: Wir heben uns das aber auf. Denn, wenn in jedem Kapitel ein paar Beschreibungen dazukommen, oder umgeschrieben werden, dann hat man schon schnell im gesamten Buch 100 Seiten +. Das unterscheidet dann Rohbau von immer weiter ausgearbeiteten Werken. Ich denke - was bei uns grob noch zu machen ist, ist der Feinschliff - und die Frage des Aufbaus. Da sind dann schnell etliche Seiten dazugekommen.



      LG
      Jenna
    • Jennagon schrieb:

      Also - 800 Seiten Beschreibungen - 200 Handlung.

      Das ist jetzt nicht das Optimum das ich mir vorstellen kann - aber ich kann's (wenn die Beschreibungen interessant sind) in dem Verhaeltnis auch noch ab. 'Helliconia' von Brian Aldiss ist ein ganz gutes Beispiel, da passiert eigentlich nie viel in der Handlung, eigentlich geht's um die Welt. Muss man aber den Weltenbau extrem gut drauf haben, Helliconia ist meines Erachtens eine hoellisch interessant und gut ausgearbeitete Welt.

      Zu euren Stil und Fokus passt da gar nicht sooo viel mehr an Details, aber ich denke mit 200 Seiten Handlung und noch 30-50 Seiten mehr an Details waere das fuer mich runder - ist aber wie gesagt halt mein Geschmack, kann jemand mit gleichem Recht anders sehen... Ich bin gespannt wie es sich noch wandelt . :)
    • Hallo Forum,

      wieder einmal eine Diskussion, wo die Experten oder Forum-Dauer-Schreiber unter sich bleiben!? 8| :S :saint:

      Also kurz mein Problem bei dieser Problematik. Ich bin als Autorin absoluter Späteinsteiger und offensichtlich auch nicht besonders talentiert. Meine Mutter hätte gesagt: Lass diese dumme Schreiberei und mach etwas Ordentliches. Das machte ich auch, aber verzweifelte immer mehr daran. Schreiben gelernt habe ich mit technischen Berichten als Ingenieur. Dann habe ich mich in der Freizeit mit Parawissenschaft beschäftigt und meine Ideen dazu einfach irgendwie schriftlich fest gehalten. Dann mussten meine Empfindungen irgendwie raus. Über mich selbst brachte ich aber kein Wort heraus, also verlegte ich die Handlung in eine lange zurück liegende Vorzeit mit Elfen und Zwergen, in der ich als Drachenreiter in einem sinnlosen Kampf Zog. Daraus wurden drei Romane. Nachdem nun die Essenz meines Werkes in Form von Ebooks veröffentlicht ist (siehe den Link in meinem Profi), suche ich einen Weg, wie Nicole Doll als Autorin weiter existieren könnte oder sollte.

      Da ich quasi aus der Verzweiflung heraus schrieb, machte ich mir überhaupt keine Gedanken darüber, wie das bei einem Leser ankommen könnte. Für mich selbst war die Thematik so wichtig, dass man sich dafür einfach interessieren MUSSTE. Wenn es also keiner las, lag es daran, dass ich einfach an die RICHTIGEN Leser nicht heran kam. Aber wie sollte ich das auch, wenn da kein Verlag gezielt Werbung für mich machte? Meine in der Rolle als Mann immer größer gewordene Sozialphobie verhinderte zudem, dass ich die nötigen Kontakte knüpfte (online oder auch sonst wie).

      Hätte ich nun statt der Elfen-Romane autobiographische Sachbücher über Depressionen schreiben sollen? Solchen "Sch.." lese ich selbst nicht gerne, aber Romane und Fantasy werden doch gerne gelesen. Also sah ich da eine Möglichkeit für einen Einstieg. Nur passt ein anarchisch denkender Drachenreiter, der in einer demokratisch organisierten und hoch technisierten Elfen-Gesellschaft verzweifelt gegen das Ende des Zeitalters der Elfen ankämpft, überhaupt nicht in das Genre. Wie hier im Thema bereits angesprochen, ist der Leser enttäuscht. Das Thema ist falsch. Es wird als langweilig empfunden. Zudem beschreibe und erkläre ich mehr als ich erzähle. Erzählen hat viel mit Gefühlen zu tun. Und da muss ich erst einmal lernen, wie man die zeigt und dann auch in Worte fasst.

      Im Prinzip sind meine Elfen-Geschichten eher Science-Fiction als Fantasy, weshalb ich noch als Nikolai Fritz ein Sci-Fi Projekt unter dem Arbeitstitel "Rebellen im Weltraum" startete. Dabei trat ich mit dem Aldebaran als Ort des Geschehens bereits ordentlich in den Neonazi-Fettnapf, obwohl ich von deren Ideologie absolut nichts wissen will. Hinzu kommt, dass der Antrieb meiner Raumschiffe nach Viktor Schaubergers Wirbelprinzip (Repulsine, Plasma-Schwebekreisel) funktioniert, wie es auch bei den 'Reichsflugscheiben' und dem NS-Geheimprojekt 'Glocke' zum Einsatz gekommen sein soll. Das hat jetzt aber mit meiner Parawissenschaft und nichts mit den Nazis und deren Verschwörungstheorien zu tun.

      Auf der Suche nach einer Orientierung auf meinem weiteren Weg als Autorin lese ich mich hier gerade durch die Beiträge. Dann werde ich wohl wieder Textfragmente präsentieren und auf Kommentare hoffen. Ich selbst fühle mich aber komplett inkompetent und wage es daher kaum an den "Ikonen" und "Ewigen Göttern" herum zu kritisieren. Wenn ich es versuche, kommt kein vernünftiges Wort heraus.

      Liebe Grüße
      Nicole

      Nur so zur Info: Der Entwurf für das Titelbild zu meinen Sci-Fi-Roman.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nicole Doll ()

    • Liebe @Nicole Doll

      Nicole Doll schrieb:

      wieder einmal eine Diskussion, wo die Experten oder Forum-Dauer-Schreiber unter sich bleiben!?
      Das verstehe ich nicht. Hier ist doch niemand ausgeschlossen!

      Ich finde die Diskussion in diesem Strang sehr interessant und würde es toll finden, wenn du dich mit Vorschlägen und Anregungen beteiligst. Das du in deinem Post auf dein eigenes Werk hinweist finde ich verständlich. Deine persönliche Geschichte als Autor ist dir ein Anliegen, dies sprengt allerdings in diesem Strang etwas den Rahmen. Gerne an einem anderen Ort ^^
      Mir geht es hier im Strang eher um allgemeine Fragen.
      Wie tickt der Leser und wie ist seine Beziehung zum Autor?
      Soll ich als Autor mein Werk dem Leser anpassen, oder einfach mein Ding machen?
      Solche Fragen eben.

      Schöne Grüße, Sense
      Es ist das Eine, aus dem wir kommen und in das wir wieder eingehen. Vor dem Einen war nichts und danach wird nichts sein. Das Eine ist nichts, und indem das Eine nichts ist, wird das Eine offenbar.

      Meister Muoti von Aramea. Im Jahre 102 nach der Divergenz
    • Nicole Doll schrieb:

      Ich selbst fühle mich aber komplett inkompetent und wage es daher kaum an den "Ikonen" und "Ewigen Göttern" herum zu kritisieren. Wenn ich es versuche, kommt kein vernünftiges Wort heraus.

      Das sind jetzt irgendwelche Forumstitel die ich mir nicht raussuchen kann...

      Du liest doch Buecher nehme ich an und schreibst sie nicht nur? Vielleicht faengst Du damit an, dass Du uns erzaehlst was Du von den Buechern erwartest die Du liest, was Dich enttaeuscht, was Dich dazu bringt eins wegzulegen, oder was Dich dazu bringt den naechsten Band zu wollen. Da bist Du so kompetent wie jeder andere auch, und mich wuerde es im Kontext dieses Threads interessieren wie andere da ticken (meine 'No-no' Kriterien kennt ihr ja jetzt...)
    • Spannende Diskussion!

      Also bei mir würde ich das in zwei Phasen aufteilen: früher und heute.

      Früher, d.h. als Fantasy-Leser im Alter von 8 (?) bis ca. 23 Jahren, da galt für mich irgendwie schon dieses "immer das Gleiche lesen wollen". Deswegen habe ich da viel von Wolfgang Hohlbein, die ganzen Völkerfantasybücher, ziemlich alles von Tolkien etc., aber auch Lukjanenko (Die Wächter der Nacht, etc.) gelesen. Meine Erwartungen kann ich schwer formulieren. Action sollte dabei sein, Spannung und natürlich Magie. Terry Pratchett hab ich da auch schon gelesen. Einerseits habe ich da auch schon relativ breit gefächert gelesen, also auch (Teenie) Urban Fantasy wie Die Vampirtagebücher (die damals schon ziemlich cool waren. Heute... naja, dazu später.). Ich würde rückblickend sagen, dass ich damals Genrekonformes lesen wollte und mich mit Experimentellem eher schwer getan hätte.

      Das ist mir deshalb noch so bewusst, weil ich dann im Studium nach ein paar Jahren, in denen ich nur wenig gelesen habe, in einem Seminar über Fantasy-Literatur mit Joe Abercrombie's The First Law konfrontiert wurde und es eben lesen musste. Bei den ersten beiden Anläufen habe ich das Buch noch während des ersten Kapitels abgebrochen, weil ich es so scheiße fand, dass der Erzählcharakter, der nach meiner Erwartung ein Held sein sollte, so absolut unheldenhaft da steht. Damit meine ich nicht wie ein Antiheld, sondern barfuß im Schnee, von seltsamen Shanka überfallen, als er mit seiner Truppe am Lagerfeuer sitzt und - wenn ich mich richtig erinnere - seine Fußnägel mit einem Messer schneidet bzw. sauberkratzt. Meine Reaktion darauf war: So etwas habe ich noch nie gesehen, so etwas sollte in Fantasy-Büchern doch nicht vorkommen, das will ich gar nicht lesen.
      Mittlerweile ist die Trilogie The First Law mein absolutes Lieblingsbuch und ich freu mich schon wie ein Schnitzel, wenn ich nur daran denke, das wiedereinmal zu lesen. Was Abercrombie letztlich tut ist: er nimmt die Archetypen und Klischeestoryelemente, die in gefühlt jedem High-Fantasy-Buch seit Tolkien vorkommen und verleiht ihnen einen Twist. Wenn man also gerne diese Archetypen hätte, dann wird man wohl enttäuscht sein. Für mich war das Buch aber wichtig, um meine Erwartungen zu überdenken und mir darüber klar zu werden, dass Fantasy mehr ist als tolkienhafte Fantasy-Welten.
      [kleiner Einwurf: Joe Abercrombie zählt wohl zur "new wave of dark, gritty, realistic contemporary fantasy", daher gibt es viel Gewalt, viel dreckiges Zeug und viele menschliche Charaktere, die an ihren eigenen Schwächen oder an der Ungerechtigkeit der Welt scheitern, obwohl sie irgendwie alle nur versuchen, das Richtige zu tun.]

      Seit diesem Seminar lese ich viel lieber Romane, die mir etwas für mich Neues zeigen, die anders sind, Konventionen sprengen, aus den alten Mustern ausbrechen und dabei coole Geschichten erzählen. Trotzdem lese ich ab und an auch gerne eine Geschichte in einem eher traditionellen Stil. Also letztlich alles, solange es mir gefällt ^^
      Womit ich mich schwer tue sind jugendliche Helden, die ausziehen, um die Welt vor dem Bösen zu retten und dabei natürlich alles und jeden irgendwie übertrumpfen. Außer es kommt auch eine unfassbar störrische Ziege mit dabei vor, dann bin ich da offener. xD


      Für mein eigenes Schreiben ist es immer der Effekt, den ich erzielen will, der für mich im Vordergrund steht. Dabei ignoriere ich einerseits (manchmal) die Erwartungen der Leser, aber erfülle sie andererseits auch gezielt. Zumindest stelle ich mir das so vor :hmm:
      Beispiel: Bei Elfenbier und Zwergensang wollte ich eine Geschichte schreiben, die den Schreibwettbewerb gewinnen kann. Ideen hatte ich noch ein paar weitere, aber ich wollte da etwas schreiben, was humorvoll ist, weil ich dachte, dass eine humorvolle Geschichte eine größere Chance hat, zu gewinnen. Und zu diesem Zweck habe ich auch versucht, möglicht viele überzogene Klischees einzubauen und diese humorvoll zu nutzen. Diesen Effekt habe ich, glaube ich, ganz gut erreicht. :hmm:
      Falls nicht, ist es mir gerade auch egal ^^ ... ich hab die Geschichte nochmal gelesen und feiere meine Idee einfach selbst :rofl: Überhaupt würde ich eigentlich nicht versuchen wollen, nach anderer Leute Geschmack etwas zu schreiben, was mir selbst keinen Spaß zu schreiben macht. :hmm:
      „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]
    • Asni schrieb:

      Was Abercrombie letztlich tut ist: er nimmt die Archetypen und Klischeestoryelemente, die in gefühlt jedem High-Fantasy-Buch seit Tolkien vorkommen und verleiht ihnen einen Twist.

      Ich mag jetzt nicht den Thread zuspammen weil das zu weit wegfuehrt, aber falls Du Interesse hast wuerde ich das gerne anderswo (Konversation?) diskutieren - ich hab' Abercrombie auch mit Genuss gelesen, aber ich wuerde nicht sagen dass es das ist was er tut.
    • @Sensenbach ich finde diesen Thread und deine Idee großartig. So großartig sogar, dass ich mich frage, wieso keiner bislang auf den Gedanken kam. :thumbup:

      Ich kann dir nur vollumfänglich zustimmen und habe mich nur dabei beobachtet, wie ich die ganze Zeit nickte. Bei einigen Punkten habe ich auch überlegt (etwa bei der Länge) ob das für mich wirklich ein Kriterium ist.
      Dann kam ich zum Schluss, dass mir die Länge eher egal ist, aber ich viel lieber Einzelbände lese. Oder zumindest vollständig abgeschlossene Bücher. Teilweise kann ich hier auch Thorsten zustimmen, teilweise finde ich seine Einschätzung etwas streng. Aber das ist vielleicht Geschmacksache.


      Asni schrieb:

      Beispiel: Bei Elfenbier und Zwergensang wollte ich eine Geschichte schreiben, die den Schreibwettbewerb gewinnen kann. Ideen hatte ich noch ein paar weitere, aber ich wollte da etwas schreiben, was humorvoll ist, weil ich dachte, dass eine humorvolle Geschichte eine größere Chance hat, zu gewinnen.
      Und das ist dir auch wirklich gut gelungen. Die Geschichte war richtig genial. :thumbup:
      Ich denke auch, dass humorvolle Geschichten momentan die größte Chance zu gewinnen haben. Sie sind zumindest für mich allerdings am schwersten zu schreiben.
      Aber Geschmäcker ändern sich. Ich liebte es auch, als ich noch jung war, Bücher zu lesen, wo es hauptsächlich Action gab und richtig knallte. Wo ich Kämpfe lesen konnte und ständig was passierte. Aber auch eher harmlose Jugendbücher (wie Schloss Schreckenstein) mochte ich. Mit Romantik konntest du mich hingegen jagen. Auch langatmige Szenen in Büchern sorgten dafür, dass ich diese geschlossen habe und jahrelang nicht mehr angepackt habe. Beispiel bei Herr der Ringe.

      Okay, zumindest was Actionlastige Bücher angeht, bin ich bis heute denen treu geblieben. Aber ich lese auch gerne mal ein romatisches Buch. Als Jugendlicher früher undenkbar. :D
    • Sensenbach schrieb:

      In den meisten Romanen folgt der Leser einem oder mehreren Protagonisten durch ihre Abenteuer und Erlebnisse. Der Leser mag dabei manche Protagonisten mehr als andere und identifiziert sich zumindest teilweise mit ihnen. Im Allgemeinen töten wir diese Person nicht (Aufschrei!!!).

      Da ist mir meine Reaktion zu 'The Malazan Book of the Fallen' noch eingfallen. Eine Weile dachte ich es geht in der Geschichte eben um Whiskyjack und seinen Haufen Soldaten - etwa bis zu dem Punkt wo er gestorben ist.

      Da musste ich dann erst mal schucken und eine Stunde gruebeln bis ich begriffen habe - das ist nicht wie ich diese Buecher lesen muss. Mir wird eigentlich keine Identifikationsfigur angeboten, sondern es werden immer... soll ich sagen... soziale Experimente und Konstellationen ausprobiert die sich (meistens fatal) entladen. Die 'Protagonisten' wenn man denn so wil, sind die verschiedenen Gesellschaften die diese Welt bevoelkern, von denen Erickson sich halt ein paar Personen als Beispiel rausgreift.

      Nachdem ich das erst mal begriffen hatte, hat sich da fuer mich eine Tuer geoeffnet und ich konnte die Reihe noch mehr geniessen. Das fand ich ein interessantes Konzept. Leider ist mir nicht klar was der Autor frueher haette tun sollen um mich das sehen zu lassen....
    • Ein interessantes Thema und ich stimme dir eigentlich in allen Punkten auch zu 99,99% zu ^^

      Ich glaube, über die Zeit haben sich meine Erwartungen stark verändert. Was sicherlich auch normal ist.
      Man hat angefangen zu lesen, da waren die Handlungen noch recht simple, dann sollten die Geschichten langsam komplexer werden. Man hat sich nicht mehr mit "platten" Sachen zufrieden gegeben, wollte auch mal etwas anderes lesen, als immer nur das, was gerade aktuell war/ist.
      Damals habe ich mich hier im Forum angemeldet, mit der Erwartung, auf Leute zu treffen, die das ähnlich sehen und die auch genug von dem Einheitsbrei haben.
      Ich weiß jetzt nicht mehr, was ich direkt "erwartet" habe - eigentlich nicht viel nur eben etwas "eigenes"? Diese Individualität, die jeden einzelnen, ob nun berühmten Autor oder Hobbyschreiberling dazu veranlasst hat, sein eigenes Buch zu schreiben. Dieses "Etwas" was man anders machen wollte. Nicht nur Konsum.

      Dann habe ich angefangen hier zu kommentieren und mich ebenfalls am Schreiben versucht. Dadurch hat sich mein Blickwinkel nochmals verändert.

      Jennagon schrieb:

      Ich habe gemerkt, dass meine Erwartungen gewachsen sind. Das liegt vermutlich am Schreiben. Mir reicht es nicht mehr, wenn ein Bösewicht böse ist, weil Baum. Ich brauche Grauzonen - kann es aber akzeptieren, wenn angeführt wird, dass XY einfach wahnsinnig ist. Dann kommt es eben auf die Umsetzung dessen an.
      Ich liebe Antihelden. Wer Antihelden im Buch hat, der hat mich als Leser xD
      Und ich liebe raue Charakter, liegt vielleicht auch daran, dass ich - selbst als Frau - mich mit solchen Chars am besten identifizieren kann.
      Ich bin auch mehr so der Typ "Hol ma Wodka, wir müssen über Gefühle reden!"
      Genau das. Habe ich früher einfach nur Spannung erwartet und ein abgegrenztes Gut und Böse, hoffe ich heute immer auf Grauzonen oder Gründe und Motivationen. Wer mich kennt, wird wissen, dass mir - unabhängig vom Genre - der Bezug zum Charakter mit am wichtigsten ist. Ich erwarte keine sympathischen Charaktere oder Charaktere, mit denen ich mich identifizieren kann (wäre bei meiner Neigung für Serienkiller auch etwas grenzwertig :rofl: ) Ich erwarte lediglich ein logisches Handeln von Figuren, die charakterlich vielleicht sogar in diese/unsere Welt passen würden. Das heißt in dem Sinne, das ich erkennen will, ob ein Autor einfach nur schreibt, um zu schreiben, oder ob er mit seinem Geschriebenen "lebt". Eine Figur kann auch völlig unlogisch handeln, bei genauerem Nachdenken aber könnte genau dieses Unlogische plötzlich Sinn machen.

      Und genau dort setzt meine heutige Erwartung ein ein gutes Buch an. Ich mag es, wenn der Autor mit mir und meinen Gedanken spielt. Klar, wenn ich mir einen Krimi kaufe, dann habe ich bestimmte Anforderungen, oder eben Erwartungen an eben diesen. Und genau deshalb lasse ich mich gern überraschen, wenn man mit diesen Erwartungen bricht, oder sogar mit ihnen spielt.Gerade bei Krimis und Thriller hat man schnell ein Bild von bestimmten Sachen, was meist auch beabsichtigt ist.
      Ein schönes Beispiel ist für auch heute noch "Ich bin die Nacht" von Ethan Cross. Das komplette Buch über wird man mit scheinbaren Klischee-Charakteren und einer geraden Handlung gespeist, nur um am Ende alles um 180 Grad zu drehen. Liest man das Buch nach dem Schluss noch einmal, bekommt man an vielen Stellen ein völlig anderes Bild (nicht an allen, einiges bleibt unlogisch, oder wird unlogisch xD) Aber meine Erwartungen wurden an diesem Punkt so über den Haufen geworfen, weil ich absolut nicht damit gerechnet habe.

      Womit ich zum nächsten Punkt komme. Ich will mitfiebern. Ich will mit bestimmte Sachen selbst herleiten und auch zwischen den Zeilen lesen. Ich mag es nicht, wenn mir alle Details vorgekaut werden, Dinge, die man sich selbst herleiten kann, die man sich zusammenreimen muss. Deshalb müssen für mich auch nicht tausende Beschreibungen in einer Szene sein, jedes Detail ausgeschrieben und erläutert. Manchmal reichen Andeutungen, die gar nicht weiter ausgeführt werden, sondern einen einfach nur nachdenklich stimmen. Jeder Satz ins kleinste ausformuliert - dann habe ich manchmal das Gefühl, der Autor hält seine Leser für zu doof, um dieses oder jenes zu verstehen. Ich will nichts mega Anspruchsvolles für das ich erst 2 Jahre studiert oder stundenlang im Internet recherchiert haben muss -immerhin soll lesen ja auch etwas entspannend - aber ich will sprachlich auch nicht für blöd gehalten werden. Ein gewisser Anspruch darf dann schon vorhanden sein. ^^

      Was nicht mit dem nächsten Punkt gleichzusetzen ist:

      Thorsten schrieb:

      * Ich mag als Leser nicht wenn der Autor nicht zum Punkt kommen kann - ich mag ausfuehrliche, detaillierte Beschreibungen gerne, aber wenn nach 100 Seiten nicht zu erkennen ist worum es in der Geschichte geht (ich kann gerne einen falschen Eindruck haben den ich spaeter korrigiere - aber wenn ich so gar keinen Eindruck habe...) - dann ist irgendwas nicht in Ordnung und das Buch disqualifiziert sich.
      Stimme ich dir zu.
      Ich will nicht schon alles auf den ersten 3 Seiten wissen, ich will, dass sich das Buch entwickelt, aber wenn ich nach den ersten 100 Seiten noch immer keinen Faden erkennen, noch immer im Dunkeln tappe und einfach nicht nachvollziehen kann, wohin sich das entwickelt, dann verliere ich die Lust. Weil das schnell den Eindruck erweckt, als wusste nicht mal der Autor, wohin er mit der Geschichte will, wie soll ich das dann als Leser herausfinden?

      Thorsten schrieb:

      Genre... kann ich ehrlich gesagt nur mit der Grobeinteilung was anfangem, ich gestehe dass ich keine Ahnung habe wo der Unterschied zwischen High Fantasy und Low Fantasy anzusiedeln ist obwohl ich jetzt schon recht lange Fantasy-Leser bin (wenn mir das mal jemand erklaeren will, gerne). Daher bin ich auch nicht leicht zu enttaeuschen wenn jemand das Genre wechselt.
      Den Unterschied habe ich auch nie so recht verstanden, weil der nicht so gravierend ist, dass man es klar voneinander abgrenzen könnte. Keine Ahnung. Ich glaube die Grobe Unterscheidung liegt im Aufbau der Welt.
      High-Fantasy: Meist eine große Welt; eine klare Gestaltung von Gut und Böse; die Welt muss gerettet werden; der Erzählstil ist besonders episch.
      Bei Low-Fantasy: wird oft Conan als Beispiel genannt; eine "kleinere" Welt bei der nicht die Rettung einer ganzen Welt im Mittelpunkt steht, sondern eher das Schicksal des Protas, weniger episch und die Abgrenzungen zwischen Gut und Böse verschwimmen;

      Ob das wirklich so ist, keine Ahnung. Für mich ist die Unterteilung eher unnötig kompliziert und sinnlos :D


      Wenn es ein Buch gibt, das du wirklich lesen willst, aber das noch nicht geschrieben wurde, dann musst du es selbst schreiben.
      - Toni Morrison -

    • Sensenbach schrieb:

      Wie tickt der Leser und wie ist seine Beziehung zum Autor?

      Soll ich als Autor mein Werk dem Leser anpassen, oder einfach mein Ding machen?
      Solche Fragen eben.

      Schöne Grüße, Sense
      Das erste kann ein Autor nur erahnen und hoffen, mit seinem Text jemanden anzusprechen. Dafür müsste sich aber der Autor im klaren sein, was sein Ziel ist. Und damit spielt er in die zweite Frage.
      Wenn das Ziel ein möglichst breite Massentauglichkeit ist, dann sollte man in der Hauptsache eine schöne Sprache haben und Klischees wiederkäuen. Denn inhaltlich sind die meisten Konstellationen und Quests (z.B. in der Fantasy) bereits abgefrühstückt, es macht am Ende die Varianz. Dazu kommt, wie überall im Leben - zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.
      Da die meisten Autoren vom Schreiben leben wollen, unterliegen sie zwangsläufig der Anpassung an den Geschmack der Leser.
      Es sei denn, man ist so außergewöhnlich wie z.B. Jack Kerouac, B.E.Ellis oder Frank Herbert. Nicht ohne Grund ist die Zahl solcher Autoren aber überschaubar.
      In gewissen Abständen gibt es solche Lichtblicke wie z.B.Neil Gaiman, aber nimmt man Autoren wie Follett, Crichton, Harris uvam., dann sieht man deutlich - Schema F bestimmt den Büchermarkt.
      Und da Verlage ausschließlich gewinnorientiert funktionieren(sollten), ist es unendlich schwer, irgendwelche schriftstellerischen Experimente zu veröffentlichen. Nur meine Meinung.
    • Eegon2 schrieb:

      Wenn das Ziel ein möglichst breite Massentauglichkeit ist, dann sollte man in der Hauptsache eine schöne Sprache haben und Klischees wiederkäuen.
      Das würde ich nicht sagen. Beispielsweise hier im Forum finde ich überall Geschichten, die mit frischen Ideen aufwarten, die bislang noch niemand gehabt hat. Klischees werden auch überall nach Kräften vermieden.

      Und auch wenn man sich nach guten Büchern umsieht, findet man auch überall frische Ideen. Natürlich kann man auch "Die Zwerge 5" kaufen, oder den hunderten Abklatsch eines billigen Mittelalter-Klischees kaufen. Aber dann hat man es nicht besser verdient.

      Eegon2 schrieb:

      Und da Verlage ausschließlich gewinnorientiert funktionieren(sollten), ist es unendlich schwer, irgendwelche schriftstellerischen Experimente zu veröffentlichen. Nur meine Meinung.
      Richtig und deshalb haben die beiden größten Verlagsgruppen in Deutschland auch richtig heftige Probleme. Vor allen die Random-House-Gruppe (Bertelsmann) kränkelt.
      Das Problem ist nicht, dass man keine frischen Ideen will, sondern entweder bekannte Autoren nimmt, oder Bücher veröffentlicht, die auf den US-amerikanischen Markt gut waren. Was dort funktioniert, wird auch hier funktionieren, so ist deren Motto.
      An Jungautoren haben sie nur wenig Interesse.

      Die drittgrößte Verlagsgruppe (Bonnier-Media) hingegen baut seit Jahren ihren Marktanteil aus und das mit frischen Ideen. Sie bieten zum Beispiel Wettbewerbe für Jungautoren,- siehe Raels Buch. Sie locken aber auch Jungautoren auf andere Wege an, sie erschließen neue Felder (ihr Imprint DarkDiamond zum Beispiel zieht auf Young-Adult-Romantic-Fantasy ab).

      Kleine und mittelgroße Verlage boomen sogar regelrecht, obwohl deren Ware nur selten im Handel zu finden ist und man sich fast ausschließlich auf das Online-Geschäft konzentrieren muss. Die kämpfen also unter echt schwieriegen Bedingungen und wachsen dabei sogar noch.
      Ich behaupte nicht, dass es zusammenhängt, aber Einheitsbrei findest du bei Kleinverlagen nie.
    • Naja, man muss ganz ehrlich feststellen dass sich viele Sachen gut verkaufen die ich jetzt nicht unbedingt als Vorbild in Punto Weltenbau oder Charakterentwicklung nehmen wuerde (Harry Potter) oder ueberhaupt nur mit der Zange anfassen wuerde (50 Shades of Grey, Die Wanderhure,...)

      Ich hab' eine Weile ueber das Problem geraetselt dass ich in meinen jungen Jahren ohne Weiteres 50 Buecher im Jahr gekauft habe, aber die Buchhandlungen trotzdem so gar nicht auf meine Beduerfnisse zugeschnitten waren (die meisten der 50 waren nicht vorraetig, die musste ich bestellen).

      Meine Vermutung ist, dass ich (genau wie andere viel-Leser) halt mehr von einem Buch erwarte weil ich schon viel gelesen habe (das ist jetzt so aehnlich wie das was @Jennagon oben geschildert hat) - man macht ja eine Entwicklung als Leser, ich hab' mich durch die uebersichtlichen Plots schon durchgelesen, und jetzt schaetze ich eben die verwinkelten wo man mitdenken muss, ich hab' schon platte Charaktere gesehen, und jetzt schaetze ich die Typen in der Grauzone die nicht sympathisch sind, sondern eher ein bisschen schurkisch und ihre Schwaechen haben, ich erfreue mich mehr an der feinen Zeichnung von Psychologie als den offensichtlichen Loesungen,...

      Harry Potter ist halt was fuer Leute die eher am Anfang der Entwicklung stehen, da ist gut sichbar wer gut und boese ist, da ist wenig Komplexitaet, kann man einfach im Kopf behalten, und es ist ja auf seine Art auch witzig.

      Jetzt fuerchte ich halt, dass ich (und viele andere Forum-Mitglieder mit mir) im Vergleich zu den vielen selten-Lesern eine Minderheit sind - weswegen der Buchmarkt (aus seiner Logik zu Recht) selten auf uns eingeht. Wenn's halt 500 Leute gibt die sich nur ein Buch im Jahr kaufen, dann falle ich mit meinen 50 (inzwischen ja auch nicht mehr) eben nicht so ins Gewicht.

      Also, will sagen, ich denke schon dass sich was einfach gehaltenes, stelenweise witziges wie Harry Potter oder was das sich zur einfachen Identifikation aufdraengt (Wanderhure) besser verkauft als ein komplexer Plot wo man viel mitdenken muss oder wo der Protagonist ein Unsympath ist - so einen Geschmakc muss man halt erst durch viel Lesen entwickeln, ich merke ja auch dass ich mich als Leser immer noch weiter entwickle und manchmal Sachen ganz gut leiden kann die viel klassisch Erzaehlstruktur einfach im Klo runterspuelen.

      Bewusst fuer einen Leser zu schreiben der's einfach mag ist sicher legitim, halt nichts was ich machen moechte - ich habe angefangen zu schreiben weil ich die Dinge so aehnlich sehe wie @Kyelia's Signatur ausdrueckt - ich moechte das Buch schreiben mit dem ich als Leser wirklich zufrieden bin, wo ich mir beim durchlesen nachher denke - ja, das isses, so muss es sein. An den Punkt bin ich jetzt mit SciFi gekommen, mit Fantasy noch nicht ganz. Ob ich das dann in irgend einer Form verkaufen mag, ob ich Leser finden mag? Eine Weile dachte ich ja, momentan bin ich wieder eher bei nein, vielleicht veraendert sich das auch wieder, keine Ahnung.
    • Die Erwartungen des Lesers
      Insgesamt würde ich, denke ich, @Eegon2 schon zustimmen, wenn er sagt, für eine gewisse Massentauglichkeit gibt es ein solides Grundrezept. Im Allgemeinen haben viele Leser nicht das Bedürfnis ihre Vorstellungen von bestehenden Roman- und auch Fantasy-Konzepten allzu arg über den Haufen geworfen zu sehen, wobei hier die Vielfalt alleine im Fantasybereich so derartig hoch ist, dass man die Nischen eigentlich wieder individuell betrachten muss und ich jetzt im weiteren Verlauf vorzüglich ausschließlich über Fantasy schwadronieren kann und alle anderen Genres mal außen vor lasse ;)
      Jemand, der ein High-Fantasy Epos (auch mir ist der Unterschied zw High- und Low nicht ganz klar. Wäre GoT jetzt high oder low?) erwartet, wünscht sich ggf. Elfen oder Zwerge in dieser Welt (und nicht nur Gnorffekker, Marquenschotenlinge und dunkle Grubelheimbolde (wobei alleine das Wort "-bold" schon wieder bestimmte Implikationen aufwerfen würde :P)) und die Darstellung dieser darf eigentlich auch nicht zuuu weit abweichen von den Vorstellungen, die Tolkien zu größten Teilen damals in unsere Köpfe gemeißelt hat (in Bezug auf Orks haben hier glaube ich auch Warhammer und Warcraft nochmal entscheidende Überarbeitungen eingebracht, die unser heutiges Verständnis von "Orks als groß, grün und wild" prägen) und die seither eine bestimmte Blaupause für die Konzeption von Fantasy-Welten setzen.
      Natürlich erwartet der Leser ein gewisses, individuelles Maß an Varianz dieser Darstellungen, das reine Klischee ist vielen dann doch zu öde, aber sie darf sich nicht zu weit von den gängigen Vorstellungen unterscheiden. (Auch das wurde mit der Vampir-Thematik schon kurz angerissen. Warum dann trotzdem das Wort "Vampir" wählen? Natürlich weil es dennoch wieder bestimmte Assoziationen mitbringt, die etwas mit dem gängigen Vampir zu tun haben. Bei "Bis(s) zum <X " bspw das Blutsaugen, die Unsterblichkeit und die übermenschliche Power. Es ist leichter zu sagen, ich habe "Vampir" mit den veränderten Eigenschaften {-x y z/ + x y z}, als ich habe "Kreatur" mit den Eigenschaften {a b c d e f g h i j k l m n o p q [etc] x y z} Ist die Abweichung von unserem Konzept aber zu groß, fragen wir uns - weshalb nennt man das Ding noch Vampir. Es weicht zu stark von unseren Vorstellungen ab und zumindest in bestimmtem Ausmaß möchte ich diese Erwartung bestätigt sehen. (Für manch einen mag es schon ein Ausschlusskriterium sein, wenn Vampire tagsüber rumlaufen (obwohl Stokers Dracula das in der Tat konnte ;) ) Das ganze funktioniert aber auch im Umkehrschluss: beschreibe ich eine Kreatur mit den Eigenschaften {Blutsaugend, nachtaktiv, fledermaustransmorph, bleich, vorwiegend adlig und unsterblich} und nenne diese dann "Grubenhorx", fragt sich der Leser, weshalb ich nicht einfach sage "Vampir" und mir eine ganze Reihe an Details und Beschreibungen spare)
      Dieses Schema trifft aber nicht nur auf einzelne Kreaturen zu, sondern auf die ganze Konzeption der Welt. Nimmt ein Leser ein Buch in die Hand, das ihm verspricht, ein "klassischer" High-Fantasy Roman zu sein, dann aber mit Flugmaschinen und christlichen Dämonen und Drachen, die nur unter Wasser leben und xyz aufwartet, mag ihn das enttäuschen.)
      Aiweh, das war jetzt ein langer Exkurs xD Okay, wie waren eigentlich bei
      "Jemand, der ein High-Fantasy Epos [...] erwartet ..." [Im Gegensatz zu...]
      Jemand[em], der ein Fan von Geschichten wie Harry Potter und Die unendliche Geschichte ist, wird darin beispielsweise die Schnittmenge finden, dass sie mit der "realen" Welt korrelieren, jemand anders wird seine Schnittmenge aber anders bestimmen und demnach etwas anderes erwarten und somit mag ihm Harry Potter von der Weltgestaltung her gefallen, DuG aber nicht.
      Dazu kommt, wie @Thorsten bereits festgestellt hat auch, dass Geschichten natürlich unterschiedlich komplex sind und Casual-Leser, die hin und wieder mal ein Buch lesen, sicherlich eher leichte, in sich abgeschlossene Kost bevorzugen. Aber auch diesen Aspekt würde ich für meine weitere Betrachtung ganz gerne erstmal außen vor lassen :P

      Allgemein muss man zwischen der Erwartung des Lesers und dem eigenen Anspruch unterscheiden und ggf. abwägen. Ich denke viele in diesem Forum wären nach Rezept in der Lage ein Buch zu schreiben, was sich ziemlich sicher gut verkaufen würde. Dafür muss man aber seine eigenen Vorstellungen, Visionen und Ansprüche mitunter zurückschrauben. An sich fasst Sensenbach das hier ganz gut zusammen:

      Sensenbach schrieb:

      Kennt und pflegt eure Zielgruppe!
      Je spezieller mein Werk ist, desto eingenischter wird meist allerdings auch meine Zielgruppe.

      Die Frage stellt sich also nach dem Maß, mit dem wir unsere eigene Welt konzeptionieren können und inwieweit wir damit noch konform mit potentiellen Leseerwartungen gehen. Und insofern ist für uns Schreiberlinge ja eigentlich interessanter: nicht, wie kann ich die Erwartungen eines Lesers erfüllen, sondern eher: inwieweit kann ich mit ihnen brechen? Daher kommen wir zum nächsten Punkt, den ich mal so formuliere:

      Die Erwartungen des Lesers brechen
      Wie weit kann ich dem geneigten Leser meine Idee meiner Welt aufzwingen und ihn dennoch begeistert zurücklassen. Die Frage ist komplexer als es vllt zunächst den Anschein hat, weil nicht nur fantastische, sondern auch historische Aspekte in dieses Spannungsverhältnis mit einfließen.

      Schreibe ich mittelalterlich angehauchte Fantasy, ist es an sich vollkommen mir überlassen, wie die technische und soziale Entwicklung meiner Welt und Geschichte vonstatten geht/gegangen ist, aber ich stütze mich im Allgemeinen schon mit der Wahl des Settings auf eine äußerst komplexe Struktur aus impliziten Vorannahmen, dass es vielen Lesern schwer fällt Abweichungen von einer vermeintlichen historischen Realität zu akzeptieren. Einige spezielle Kandidaten stören sich ja schon an der (unbegründeten?) Gleichberechtigung von Mann und Frau in Fantasy-Settings, weil das "im Mittelalter eben nicht so war". Ich würde dem mitunter zustimmen, würde ich einen historischen Roman schreiben, so aber ist das eines der wichtigsten Augenmerke, was ich mehr oder minder sofort versuche in meiner Welt "zu korrigieren" und daher berufe ich mich darauf, dass ich Fantasy schreibe und daher machen kann was ich will.
      Ich darf diesen Bogen aber nicht überspannen. Breche ich mit zu vielen mittelalterlichen Konventionen und Vorstellungen, wird mein Werk als inkonsistent wahrgenommen (zumindest solange ich es eindeutig mittelalterlich verorte) und es ensteht beim Leser eine ähnliche Frage, wie schon bei dem Vampir. Warum überhaupt noch Mittelalter (oder Antike, oder frühe Neuzeit, oä), wenn ich mit sämtlichen Vorstellungen des Lesers breche?
      Das ist umso schwieriger, wenn man bedenkt, dass in den allermeisten Köpfen (lt. historischen Betrachtungen) eine ziemlich falsche Vorstellung vom Mittelalter oder auch der Antike herrscht. In Filmen bspw wollen wir das Mittelalter immer schön dreckig und düster gemalt sehen, in ungesättigten Farben und mit ungeputzten, fauligen Zähnen ("Ah ja, der Film ist so richtig authentisch), dabei war vermutlich alles reichlich bunt (weil das modische Empfinden völlig anders war und Farben auch noch toll und was besonderes waren) und die Menschen waren nicht per se dreckig und durch die Bank weg ungepflegt, wie man das gerne mal so vorgesetzt bekommt.

      Dazu kommen wie bereits erwähnt die Vorstellungen an das jeweilige Genre und seine Finessen.

      Inwieweit kann ich also diese Grenzen eurer Meinung nach strapazieren? Ab wann, wo und in welchem Ausmaß darf ich mit den impliziten Erwartungen eines Lesers brechen? Und an welchen Stellen sollte ich möglicherweise auch mit den Erwartungen einiger Leser brechen und nicht wieder eurozentrische Kulturprägung auf meine Fantasywelt übertragen? Und natürlich auch: inwieweit muss ich mit den gängigen Erwartungen brechen, um noch für mich in Anspruch nehmen zu können, wirklich etwas individuelles entworfen zu haben?

      Genre-Technisch (wieviel Fantasy nach Klischee muss in einem Fantasy-Roman drin sein)?
      Historische oder kulturelle Implikation (in welchem Ausmaß kann ich mit impliziten Voraussetzungen brechen)?
      Klassische Erzählstruktur (hierauf bin ich jetzt nicht näher eingegangen, aber man findet Ansätze in der Diskussion weiter oben beim Thema plötzliche Tode von Charakteren)?
      Sonstige Faktoren?

      Welcher Gesamtmix aus Erfüllen und Brechen von Konventionen macht eures Erachtens nach die richtige Mischung?