Schnappschüsse

Es gibt 15 Antworten in diesem Thema, welches 4.372 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (12. September 2023 um 07:40) ist von Asni.

  • Hier werde ich ab und an ein paar Kurzgeschichten reinpacken (meistens über Gefühle und Eindrücke), deren Geschehen ich in der Großstadt Stanville spielen lassen werde, vorrangig um der Stadt mehr Charakter und Charme zu verleihen.


    -Augenblicke-


    Stanville: 20.12.2019

    Mit einmal warst du da. Auf einer Bank sah ich dich sitzen, die Hände in den Seitentaschen deiner roten Daunenjacke vergraben. Was genau der Indikator war, wusste ich nicht, aber ich fixierte mich spontan auf dich. Weder Totenstille noch Großstadtlärm, die anderen Passanten oder sonstige Geschehnisse brachten mich davon ab, dich anzuschauen. Irgendwas Magisches veranlasste mich dazu, meine Augen auf dir ruhen zu lassen.
    Winzige Details. Kleine Schneeflocken auf deiner königsblauen Jeans, die wie Sterne glitzerten. Deine Turnschuhe, die eindeutig nicht für dieses Winterwetter gemacht waren. Aber bestimmt war es deine völlige Absicht, diese zu tragen. Und im Endeffekt erlaubte ich mir nicht, diesbezüglich zu urteilen. Denn ich selbst besaß auch kein passendes Schuhwerk.
    Dafür war dein Hals gut geschützt im grau nuancierten, grobmaschig gestrickten Schal eingewickelt, auf dem sanft dein blondes Haar ruhte. Dein bescheidenes Pony verdeckte nur schwer die in Denkfalten gelegte Stirn. Was ich aber überhaupt nicht schlimm fand. Im Gegenteil. Es brachte mich zur Annahme, dass du womöglich ein ebenso nachdenklicher Mensch warst wie ich.
    Dein Aussehen war so ansprechend, dass meine Augen länger auf dir verweilen wollten. Wider allen Vermutungen, es könnte mich ein Lächeln oder Ähnliches zu dem veranlasst haben, war dein Gesicht von keiner solchen Mimik geprägt. Es wirkte neutral, vielleicht auch etwas nachdenklich melancholisch.
    Allein deine fest aufeinander gepressten blassrosa Lippen, die unbedacht die ungesagte Ehrlichkeit wiedergaben, und die ruhigen Augen, die für mich heller strahlten, als die Sonne es jemals könnte, waren mir Grund genug. Jeder andere hätte darin nichts Besonderes gesehen, aber mich ließ dein wärmender Blick die Eiseskälte für einen Moment vergessen.
    Kein Schmerz, kein Leid betrübte mich.
    Doch Frust und Einsamkeit …
    Das erdrückende Gefühl der Erkenntnis, dass ich dich niemals näher kennenlernen würde und mich dadurch umso mehr zu dir hingezogen fühlte.
    Der herabfallende Schnee verwischte deine Gestalt. Zwanghaft versuchte ich, dein Gesicht besser erkennen zu können. Schon allein deshalb wünschte ich mir, dir näher zu sein. Und sei es nur ein Hauch gewesen. Ein einziger Schritt.
    Für andere mochte es keine erkennbare Hürde darstellen, sich einfach zu erheben und auf dich zuzugehen. Es schien so einfach, so simpel.
    Aber für mich blieb es ein unüberwindbares Hindernis.
    Weniger Schnee fiel hinab, die Sicht klarte auf und die durch die Wolken brechende Sonne nahm mir die Trägheit aus den Augen. Folglich konnte ich dich besser erkennen. Was es für mich umso schwerer machte, dir zu widerstehen.
    Offenbar veranlasste dieses Ereignis auch dich zu einer neuen, unerwarteten Aktion. Dein Blick schwenkte zu mir um.
    Mein Herz begann zu rasen. Der plötzliche Schweißausbruch und Unsicherheit trieben mich in die Verzweiflung und ließen mich schnell kapitulieren. Stechende Angst lastete auf mir, schnürte mir die Kehle zu.
    In Panik versetzt ließ ich meine Augen nur an dir vorbeiziehen, als würde ich etwas hinter dir fokussieren. Ich war zu schwach, auch nur einen längeren Blick zu wagen, geschweige denn dich direkt anzusehen. In jene smaragdgrünen Augen, eines jenen makellosen Gesichtes, das mich von erster Sekunde an in den Bann gezogen hatte.

    Doch so schnell du zu mir starrtest, so schnell starrtest du auch wieder auf den Boden vor dir.
    Es verstrich kaum Zeit, da wagte ich wieder einen Blick auf dich.
    Gefangen im Wechselspiel zwischen Selbsthass und Unersättlichkeit war ich auf der Suche nach einem Makel, der mich dich hoffentlich vergessen lassen würde und zugleich nach einem neuen Detail, das mein aktuelles Empfinden untermauern sollte.
    Doch ich erlag schnell dem Drang nach seelischer Befriedigung. Meine größte Schwäche, die stetige Sehnsucht nach Glückseligkeit. Auf Kosten der inneren Ruhe und Balance.
    Du warst wie eine Droge. Ich wurde süchtig nach dir.
    Es war dieser von Schicksal erfüllte Moment, noch kürzer als ein einzelner Wimpernschlag, und dennoch tief in Gedanken Äonen verstreichen ließ.
    Ganze Geschichten baute ich darauf auf, komponierte Symphonien und schuf gigantische Bilder in bunter Farbenpracht.
    Wie sollte ich wissen, ob du mich überhaupt wahrgenommen hattest. Wirkte ich bestimmt so unbedeutend auf dich wie ein herabfallender Wassertropfen des Eiszapfens am Geländer neben dir. Und er selbst schon so irrelevant, dass sogar die große Schneeflocke auf der Haarsträhnenspitze, die dir in jenem Moment ins Gesicht gerutscht war, noch mehr Wichtigkeit besaß. Vielleicht trug allein sie mit ihrem geringen Gewicht dazu bei, dass eben genau dies passierte. Was dich weiterführend dazu veranlasste, sie mit einem Fingerwisch wieder aus dem Gesicht zu streifen.
    Aber meinen Zweck in dieser Gleichung konnte ich nicht erkennen.
    Du warst vermutlich der exakte Gegenpol zu mir.

    Gerade, als ich endlich meine Ängste überwinden konnte und meine Beine mich zu dir tragen wollten, standest du auf und gingst fort.
    Und ich blieb zurück. Ich bekam einen Rückfall und verkroch mich wieder in mein Innerstes.
    Wie jedes Mal war ich zu langsam im Leben. Wie jedes Mal war ich zu ängstlich.
    Und auch dieses Mal schaute ich meinem Glück bedauernd hinterher und verurteilte mich für meine Feigheit.

    Für mich warst du es, das eine Besondere ...

  • Heyho Zarkaras Jade

    sehr schön geschrieben. :danke: Für mich völlig vorstellbar, an vielen Stellen greifbar. Eine Momentstudie. Nur dieser eine Satz passt für mich nicht rein:

    Du warst wie eine Droge. Ich wurde süchtig nach dir.

    Süchtig wird man nur durch Wiederholung, nicht durch einmalige Erlebnisse. Und so hab' ich den ganzen Text verstanden. Lag ich damit falsch, korrigiere mich.

    Der Wanderer

  • @ Zarkaras Jade

    Echt schön geschrieben. Ich sah die Scene direkt vor mir beim lesen und konnt ihm echt gut nachempfinden. Es hat mich auf eine angenehme Art berührt.

    Echt klasse:thumbsup:

  • Hey Zarkaras Jade ,

    diesen "Augenblick" hast du wirklich schön beschrieben. Am Besten hat mir diese Stelle hier gefallen:

    Wie sollte ich wissen, ob du mich überhaupt wahrgenommen hattest. Wirkte ich bestimmt so unbedeutend auf dich wie ein herabfallender Wassertropfen des Eiszapfens am Geländer neben dir. Und er selbst schon so irrelevant, dass sogar die große Schneeflocke auf der Haarsträhnenspitze, die dir in jenem Moment ins Gesicht gerutscht war, noch mehr Wichtigkeit besaß.

    Irgendwie sind es diese kleinen alltäglichen Details, die das Ganze zu etwas Besonderem machen. ^^

  • Klingt wie eine Momentaufnahme aus dem eigenen Leben. Erlebt und aufgeschrieben. Gut gesehen. 8)

  • Hey,

    ich bin dann dochmal in dein Thread gestolpert :)

    Was mir beim lesen sofort aufgefallen ist, ist deine Beschreibung. Sofort hat man ein Bild davon, wie der Protagonist auf der Bank sitzt, und diese Person anschaut. Ich habe mir mal ein paar Textstellen raus gesucht, die mich besonders angesprochen haben.

    Zitat


    die Hände in den Seitentaschen deiner roten Daunenjacke vergraben [...]

    Winzige Details. Kleine Schneeflocken auf deiner königsblauen Jeans, die wie Sterne glitzerten. Deine Turnschuhe, die eindeutig nicht für dieses Winterwetter gemacht waren. Aber bestimmt war es deine völlige Absicht, diese zu tragen. Und im Endeffekt erlaubte ich mir nicht, diesbezüglich zu urteilen. Denn ich selbst besaß auch kein passendes Schuhwerk. [...]

    Dafür war dein Hals gut geschützt im grau nuancierten, grobmaschig gestrickten Schal eingewickelt, auf dem sanft dein blondes Haar ruhte.

    Diese Stellen fand ich alle sehr schön zu lesen, da es eben auf die Beschreibung der Person passt. Ich selber finde es schwierig da einen Punkt zu finden. Wie viele Details ich einbauen kann/soll, oder was mir als Autor in dem Moment selber auffallen würde. Ich denke du hast dir hier auf jedenfall vorher Gedanken gemacht, zumindest macht es so den Eindruck auf mich.

    Zitat

    Dein Blick schwenkte zu mir um.

    Mein Herz begann zu rasen. Der plötzliche Schweißausbruch und Unsicherheit trieben mich in die Verzweiflung und ließen mich schnell kapitulieren. Stechende Angst lastete auf mir, schnürte mir die Kehle zu.

    In Panik versetzt ließ ich meine Augen nur an dir vorbeiziehen, als würde ich etwas hinter dir fokussieren. Ich war zu schwach, auch nur einen längeren Blick zu wagen, geschweige denn dich direkt anzusehen.

    Ich mag diese Stelle. Einfach weil es realitätsnahe ist und man vielleicht selber schonmal in so einer Situation war. Das man jemanden einfach anstarren musste, aus welchen Gründen auch immer. Auch hier hat mir als Zusatz des Protagonisten gefallen. Das er eben diesen Blickkontakt nicht halten kann, sich dafür schämt, wie auch immer. Finde ich daher auch sehr schön geschrieben.^^

    Zitat

    Gerade, als ich endlich meine Ängste überwinden konnte und meine Beine mich zu dir tragen wollten, standest du auf und gingst fort.

    Und ich blieb zurück. Ich bekam einen Rückfall und verkroch mich wieder in mein Innerstes.

    Wie jedes Mal war ich zu langsam im Leben. Wie jedes Mal war ich zu ängstlich.

    Und auch dieses Mal schaute ich meinem Glück bedauernd hinterher und verurteilte mich für meine Feigheit.

    Für mich warst du es, das eine Besondere ...

    Finde ich ein sehr schönes Ende. Dieser Moment wenn es dann vorbei ist. Wenn man diese eine Sekunde zu lange zögert.

    Ich finde aber, du hast einen sehr angenehmen Schreibstil, baust hier und da Details ein, Beschreibungen die die ganze Geschichte lockerer wirken lassen. Verbesserungen oder so sehe ich daher keine. Mich würde es aber auch interessieren, wie du vielleicht in einem anderen Setting schreibst. Ich persönlich mag solche Themen an sich nicht so gerne, aber jeder das seine. Man sieht sich.^^

    Rune

  • Wenn auch extrem verspätet und vermutlich auch schon komplett überflüssig spreche ich ein großes Dankeschön an euch aus, Der Wanderer  @Drachenlady2001  Rainbow  Sabrina  @Spezies8472 und Rune ! Eigentlich war es nicht meine Intention, so lange mit einer Antwort zu warten, da ich fest davon überzeugt war, viel schneller eine neue Kurzgeschichte fertig zu haben. Und nun ist halt doch schon fast ein komplettes Jahr vergangen! Außerdem war ich bis zum Reinstellen des Textes nicht davon überzeugt, dass diese Kurzgeschichte tatsächlich forentauglich sei. Für mich war es ein Experiment, mich in Beschreibungen weiter zu üben.

    Um euch hoffentlich etwas zu besänftigen und einer vermutlich verdienten Steinigung zu entgehen, kommt jetzt endlich eine weitere Kurzgeschichte, von deren Forentauglichkeit ich auch nicht ganz überzeugt bin. Aber es wäre unsinnig, sie zuerst zu schreiben und dann doch wieder zu verwerfen.


    Four3Two

    Stanville: 20.4. 2018

    Träge schauten meine Augen durch die staubverschmierten Fensterscheiben auf die verzerrten Backsteinwände des U-Bahn-Tunnels. Es war bereits weit nach Mitternacht und wir beiden waren die einzigen in diesem Abteil. Wir hatten es uns in den mittleren Sitzreihen gemütlich gemacht, ich eine Bank direkt hinter dir.

    Deinen Arm auf die Lehne abgestützt und halb zu mir umgedreht, schautest du aus dem gegenüberliegenden Fenster raus. Ein zufriedenes Lächeln war auf deinem Gesicht.

    Meine Miene blieb nüchtern, während ich dich heimlich anschaute.

    Aber du wusstest mit Sicherheit, dass ich von dir angetan war. Umso peinlicher war mir die Situation. Aber dennoch fühlte ich mich in deiner Gegenwart sehr sicher.

    Deine Haare waren im modernen Hellgrau gefärbt und zu einem in dicken Strähnen frech überkämmten Sidecut gestylt. Dein Make-up war unverkennbar. Die rockigen, weichgehaltenen smokey eyes und der dunkelrote aber nicht aufdringliche Lippenstift wirkten zu deinem hellen Teint perfekt abgestimmt. Du wusstest dich zu präsentieren und einen klaren, systematischen Stil zu definieren. An deiner Ausstrahlung war nichts Unechtes.

    Das Licht im Tunnel wurde heller und durch die Lautsprecher kam eine Ansage.

    Wir waren angekommen. Die U-Bahn-Station an der „B. Harrison-Street“.

    Mit beißendem Quietchen kam die Bahn zügig zum Stehen. Ich tat einen kurzen Blick hinaus.

    Die Türen öffneten sich und wir stiegen aus. Du voran und ich folgte dir. Mir war es egal, wohin du mich führen würdest. Mir war es egal, wie weit du mich führen würdest. Ich vertraute dir blind. Mein Innerstes vertraute dir blind.

    Nur kurz wandtest du mir deine Front zu, bevor du dich wieder umgedreht hast und weitergingst.

    Dein ausgesprochen schönes Gesicht, erneut verziert mit einem flüchtigen Lächeln, das mir die Gewissheit gab, dass du es wert warst, meine Gewohnheiten zu brechen.

    Auch wenn zu dieser späten Stunde nicht so viele Passanten unterwegs waren, fühlte ich mich doch beengt. Und wäre es jemand anderes als du gewesen, der mich zu diesem spontanen Trip eingeladen hätte, wäre ich auch niemals mitgekommen.

    Und dein Outfit trug eine Menge dazu bei.

    Praktisch, nicht kompliziert und doch mit starker Wirkung.

    Sei es der schlichte schwarze Pullover mit seinen ausgeleierten Ärmeln, die du aber gekonnt an den Unterarmen gerafft hast oder die pechschwarze Biker-Lederjacke, die du leger offen trugst.

    Ebenso die schwarze, luftige Jogginhose mit feingezogenem weißen Blumenmuster, die deiner langen schlanken Statur zuspielten und deinem Wilden einen Hauch Verspieltheit hinzugaben.

    In der linken Hand hieltest du deinen neongrünen, transparenten Regenschirm.

    Passend dazu deine schwarzen Leder-Stifeletten, die mit ihren breiten Absätzen ein unverkennbares Klacken erzeugten, welches von den ockerfarbenen gekachelten Wänden verstärkt widerhallte und gegen aller Erwartungen zwischen den anderen Geräuschen gut herauszufiltern war.

    Was vermutlich auch daran lag, dass ich mich auf genau diesen Klang fixiert hatte.

    Feine Steinchen vom allgemeinen Bahnhofsdreck scharrten und knirschten unter deinen Sohlen.

    Es war ziemlich grell hier, ich musste meine Augen etwas zusammenkneifen.

    Die von kaltem LED-Licht gefütterten Deckenlampen spiegelten sich verschwommen auf dem von leichter Feuchte überzogenen Fußboden wider. Kleine rhombische hellbraune Fließen, die in durchbrochenen Farbnuancen zu breitflächigen Sternenmustern angeordnet waren und somit den Augen benötigte Fixpunkte gaben, um sich nicht gänzlich in der Tiefe des Raumes zu verlieren.

    Wir drängten uns an einer leeren Sitzbank vorbei sowie einem Kaffee- und Fahrkartenautomaten zur hinteren Wand.

    Auch wenn diese von buntem Graffiti verschmiert war, konnte man das künstlerische Mosaik dort dennoch gut erkennen, das einen dunkelhäutigen Saxophonisten illustrierte. Die schwarzen Noten auf der geschwungenen Tonleiter zeigten uns den Weg zur Treppe, welchen du mit selbstsicherer Eleganz beschritten hast und dabei die Finger deiner rechten Hand sanft über die kalte Wand gleiten ließt. Wie auf einem Klavier tanzten sie über die Fugen und winzigen Unebenheiten.

    Wir gingen über schwarze Stufen die breite Treppe hinauf und ließen uns dabei vom kühlen abgegriffenen Metallgeländer führen.

    Mit jedem weiteren Schritt hallten uns mehr Geräusche vom Trubel auf den Straßen von Stanville entgegen. Die uns aber nur Teileindrücke vom tatsächlichen Nachtleben geben konnten.

    Ebenso nahm auch die Luftfeuchtigkeit erheblich zu und es nieselte leicht, unschwer an den kleinen Pfützen und Wasserrinnsalen zu erkennen.

    Sofort spannten wir unsere Schirme auf.

    Wobei mein Schwarzer neben deinen Neongrünen neidlos erblasste.

    Es herrschte viel Verkehr, sowohl auf den Staßen als auch auf den Gehwegen. Als würde die Stadt niemals schlafen und nachts ein anderes Leben führen.

    Was tagsüber beruhigend und strukturiert wirkte, war nun in der Dunkelheit hektisch und unübersichtlich. Ebenso gaben sich gegenteilig sonst chaotische Dinge im künstlichen Licht deutlich klarer.

    Mein warmer Atem kondensierte in der kühlen Luft. Ein gehauchter Nebel, der sich schnell wieder auflöste.

    Unsere Blicke gingen zum Nachthimmel.

    Wie zu erwarten fiel es der weiten Schwärze der Nacht nur schwer, durch die Lichtglocke hindurchbrechen. Im Stadtzentrum waren die Sterne nie zu sehen.

    Dafür waren die großen violett schimmernden Gewitterwolken deutlich klarer zu erkennen, die den bereits angekündigten Regen verrieten.

    Du hieltest den dunkelblauen Griff mit deiner Hand sichtbar fest umklammert, als hättest du bereits geahnt, dass dieser Regenguss sich zu einem regelrechten Monsun entwickeln würde.

    Und tatsächlich, nur wenige Häuser weiter entwickelte sich der Niederschlag von einem flüsternden Tröpfeln zu einem lauten Prasseln, so ohrenbetäubend, dass es sogar den Großstadtlärm zeitweilig übertönen konnte. Es war auch ein deutlich schöneres Geräusch.

    Laut und ungestüm schlugen die dicken Regentropfen auf deinen Schirm nieder. Man konnte regelrecht sehen, wie er eine schützende Kuppel über dir bildete, während ringsum das kalte Nass einem Wasserfall gleich hinablief und zu deinen Füßen auf dem glänzend spiegelnden Grauasphalt einen wilden Tanz aufführte.

    Trotz allem gelang es der anwesenden Tristheit und Kühle nicht, deine spürbare Präsenz zu trüben.

    Eine unstimmige Beklommenheit in der Luft, die den anderen wenigen Passanten deutlich anzusehen war.

    Dich konnte all dies nicht beeindrucken. Du ließt dich von dieser disharmonischen Stimmung nicht runterziehen. Du machtest dein Ding. Du durchbrachst die bröckelige Wand der Trübseligkeit mit Überschall. Du verwandeltest den Fußgängerweg allein durch deine pure Anwesenheit in deinen persönlichen Laufsteg.

    Stets begleitet von den wandernden Schatten in den Lichtkegeln der Straßenlaternen verließen wir die Kreuzung und bogen in die angrenzende Hauptstraße ab. In die Innenstadt, bei der man schon vom Weiten erahnen konnte, was einen empfangen würde.

    Wobei sie nachts noch mehr Präsenz zeigte.

    Immer klarer werdende Lichtwogen pulsierten durch die Straßen, Gassen und über den Dächern hinweg, je näher wir der City von Stanville kamen.

    Wie durch eine gläserne Pforte tauchten wir in eine komplett neue Welt ein.

    Wer zuvor schon von den gut beleuchteten Stadtvierteln bedient war, suchte hier vergebens nach irgendwelchen Schatten. Überströmt von stechenden Farben und überlagerter Musik konnten die Augen und Ohren keinen Ruhepol mehr finden.

    Wie Pixelbilder prangten großformatig gestaltete Folien-Mosaike namhafter Firmen an den gläsernen Hauswänden der Wolkenkratzer, die selbst schon so futuristisch wirkten, als würden sie aus einem Science-Fiction-Film stammen. Dazwischen überdimensionale Reklamebanner verschiedenster Großkonzerne und gigantische Anzeigetafeln, die mit tausenden LEDs wilde Werdespots illustrierten. Unter all dem Flimmern der Leuchtreklame der Nachtclubs und Bars fielen die Geschäfte und Restaurants kaum noch auf, die bereits lange geschlossen hatten.

    Während an der einen Ecke eisblaue Delfine umher tanzten, flimmerten an einer anderen Stelle konzentrische Kreise und Feuerwerk über den Gebäudekomplex. Der Phantasie schienen keine Grenzen gesetzt. Hier war alles vorzufinden, was modernste Lichttechnik hergab.

    Und zwischen alldem war die Rothaarige mit den großen Ballons der AnRaMexx-Kampagne mit gigantischen Scheinwerfern raffiniert in Szene gesetzt.

    So abgefahren und unterschiedlich die Attraktionen waren, waren auch auf den breiten Gehwegen und Parknischen die unterschiedlichsten Menschen anzutreffen.

    Ob selbsternannte Diven in ihren Pelzmänteln und hochhackigen Schuhen, die sich von ihren Verehrern in schnieken Anzügen an den hochgetunten Nobelkarossen versammelten, oder Leute aus der Rapper-Szene, die ihre voll aufgedrehten Ghetto-Blaster durch die Gegend schleppten.

    Oder Taxifahrer, die Fahrgäste und Nachtschwärmer einsammelten.

    In diesem riesigen Trubel, der niemals zur Ruhe zu kommen schien, wirktest sogar du für einen kurzen Moment nebensächlich. Doch war all das hier im Gegensatz zu dir nur teure Kulisse und Inszenierung.

    Du dagegen die pure Realität in einer surrealen Welt.

    Wir gingen eine Baumreihe entlang, durch deren dichtes Geäst die Lichtflut nur als stroboskopisches Flackern hindurchdringen konnte, während wir von der anderen Seite von hunderten orangen LED-Lampen bestrahlt wurden.

    Die Eingangshalle des Kinos, das selbst jetzt noch geöffnet hatte. Dicht gedräng standen die Leute unter der Terrasse und gingen ihren Dingen nach. Egal ob sie sich über einen Film unterhielten, einfach nur abhingen oder sich vor dem Regen in Sicherheit bringen wollten.

    Der Weg ging weiter über die Flaniermeile, deren gepflastertes Würfelmuster bei diesen wirren Farben zu einem Kaleidoskop verschwamm, was uns beide ganz kirre machte.

    Bevor uns noch übel wurde, entschieden wir uns, nebeneinander zu gehen und fixierten uns auf die nicht enden wollende Schlange aus weißen Scheinwerfern und roten Rücklichtern der aneinandergereihten Autos, die uns wie Leitsignale die Richtung wiesen.

    An der nächsten Kreuzung näherten wir uns einer Verkehrsinsel mit freier Option in alle vier Himmelsrichtungen. Überall gab es mit Garantie etwas zu sehen. Umso mehr war ich gespannt, welchen Weg wir gehen würden. Wie abgesprochen schauten wir uns intensiv in die Augen, während wir auf das Grünsignal der Ampel warteten. Welches zu meinem Bedauern doch schneller als gedacht kam.

    Wieder auf der Flaniermeile kamen wir nach einer Weile an einem Parkplatz vorbei, der durch eine hüfthohe Mauer abgegrenzt war, auf der wir dann spontan entlang balancierten. Der starke Regen hatte bereits alles durchnässt und die glatten Brandsteine wirkten ziemlich rutschig. Das machte uns aber nichts aus.

    Schwer zu sagen, wo man bei einem Sturz lieber landen wollte. Rechts in den grobästigen Dornenbüschen oder links auf dem durchnässten harten Gehweg.

    Am Ende angekommen bliebst du kurz stehen und sprangst dann mit breitem Lächeln von der Mauer hinunter in eine Pfütze. Etwas irritiert stand ich oben und fragte mich, ob es deine Absicht war oder du sie einfach nicht gesehen hast.

    Nur Momente verstrichen, bis du dich zu mir umgedreht und mich allein durch deine Blicke animiert hast, es ebenso zu tun. Ich hätte es vermutlich auch so getan, irgendwann.

    Unweit davon kamen wir zu einem großen Parkhaus, das mindestens zehn Etagen hoch war. Natürlich hatte ich bisher jede einzelne Minute mit dir in dieser Nacht genossen, ob mit Regen oder nicht, doch begrüßte ich es auch, erstmal ins Trockene zu flüchten. An einen Platz, an dem wir unsere Regenschirme ausschütteln konnten und endlich ungestört waren.

    Auch wenn nebenan der Fahrstuhl war, nahmen wir trotzdem den Weg über die Fahrbahn. In der ersten Ebene fanden wir nur vereinzelte Autos vor, die in diesem großen trist-grauen Areal spärlich von den azublauen Neonröhren ausgeleuchtet waren.

    Was dir umso mehr Platz bot, den Gussasphalt als Bühne zu benutzen und zu dem dumpfen Rhythmus zu tanzen, den dir die hintergründliche Geräuschkulisse der Stadt vorgab. Es war kein spezifischer Tanz, eher Freistil. Was du aber sichtlich beherrschtest. Unter vollem Körpereinsatz schwangst du deinen aufgespannten Regenschirm mit Pirouetten und Steppschritten umher.

    Ich lief dir nur nach und bewunderte dich dabei. Bewunderte dein Können, deine Akribie.

    Aber schnell erwischte ich mich doch dabei, dass ich begann, zu deinen Bewegungen mit Händen und Füßen einen leisen Takt anzuschlagen.

    Und du versuchtest mich energisch zu mehr Einsatz zu bringen.

    Aber ich verneinte kopfschüttelnd. Ich kann nicht tanzen. Ich konnte es nie und werde es vermutlich auch nie können.

    Doch du akzeptiertest das nicht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass du von mir enttäuscht warst, sondern eher traurig darüber, dass ich so dachte. Mit betenden Händen und bettelndem Blick standest du da, zeigtest auf mich und dich.

    Es war unmissverständlich.

    Aber ich zögerte. Ich versuchte dir mit reuendem Schulterzucken zu signalisieren, dass ich davon absolut keine Ahnung hatte. Ich war davon überzeugt, mich ohnehin nur zu blamieren.

    Jeder andere hätte es dabei belassen, aber du warst zu entschlossen!

    Augen rollend aber auch belustigt kamst du dann auf mich zu und packtest mein Handgelenk.

    Ich wehrte mich natürlich nicht dagegen und spielte mit. Nur brauchte ich halt diesen kleinen Schubs in die richtige Richtung, um mein Glück zu realisieren.

    Du legtest meine linke Hand auf deine Schulter und die rechte an deine Hüfte. Das allein fand ich schon zu nett von dir, mir so viel Geduld entgegenzubringen.

    Du führtest mich. Du brachtest mich dazu, mit dir, wenn auch sehr unbeholfen und steif, zu tanzen. Es war nicht gut, aber auch nicht übermäßig schlecht. Und solange ich dir dabei nicht auf die Füße trat, war ich zufrieden.

    Trotzdem schien nie der Punkt erreicht zu werden, an dem ich mich tatsächlich dabei wohl gefühlt hätte. Was du mit Sicherheit bemerkt hast.

    Dennoch wollte ich diese Erfahrung nicht missen. Er blieb unersetzbar.

    Wir tanzen gefühlt eine Ewigkeit zu der endlosen Melodie der Nacht. Und immer mehr fand ich Gefallen daran. Bis in die dritte Etage tanzten wir und hätten es vermutlich auch noch länger gemacht, aber unsere Schuhe waren eindeutig nicht dafür gemacht.

    Ziemlich erschöpft beschlossen wir, für den restlichen Weg den Fahrstuhl zu nehmen. Die Strecke war auch schon ohne zu tanzen ermüdend lang. Nur war er so langweilig und wir voller Dopamin, dass wir gezwungen waren, uns gegenseitig anzustarren. Aber je länger ich dich ansah, umso schwerer konnte ich beurteilen, ob ich es mir wünschte, schneller oben zu sein oder am liebsten gar nicht. Einerseits genoss ich es sehr, mit dir allein in diesem engen Raum zu sein, aber andererseits fühlte ich mich wiederum von dir eingeschüchtert.

    Hin- und hergerissen, einen Schritt weiter auf dich zuzugehen, verharrte ich angespannt in meiner Ecke und flüchtete in Gedanken.

    Die Zeit schien endlos zu werden. Jede Sekunde verstich zäh wie Gummi und zerrann wie feiner Sand zugleich. Ein schreckliches Gefühl, nie zu wissen, ob etwas passieren würde, was passieren sollte. Wenn Momente einem wie Äonen vorkamen und Hoffnungen sich mit Enttäuschungen vermischten. Wo Ängste und Bedenken auch stets von Mut und Überzeugung begleitet werden.

    Und dein prüfender Blick machte es keineswegs besser. Wie bei einem Verhör fühlte ich mich, bereits schuldig gesprochen und verurteilt.

    Im tiefem Zweifel an mir selbst ergriffst du die Initiative und kamst auf mich zu. In einem Atemzug hieltest du meine Hand am Geländer fest, während du mich mit der anderen Hand an die Wand drängtest. Deine makellosen Finger strichen zärtlich meinen Hals entlang und du schmiegtest dich näher an mich. Unsere Augen trafen sich. Erst jetzt bemerkte ich, welch intensives Grün sie hatten.

    Und ich verstand schnell, worauf es hinauslaufen sollte.

    Beinahe hätte ich mich wieder dabei erwischt, wieder in anstrengende Selbstzweifel zu versinken. Ohne weiter drüber nachzudenken kam ich dir einen entscheidenden Schritt näher und wir küssten uns.

    In ihm steckte so viel Leidenschaft und Erlösung, dass ich sofort alles um mich herum vergaß und nur noch diesen Augenblick auskosten wollte. All der Ballast, Furcht und Einsamkeit fielen von mir ab und füllten die Leere in mir mit Zufriedenheit und Reichtum.

    Ich hatte ein Ziel erreicht, vom dem ich bis dato nicht gewusst habe, dass ich es brauchte.

    Die Tür öffnete sich und ein kühler, nasser Wind blies uns entgegen. Doch gerade als ich deine wärmende Nähe wirklich zu genießen begann, ließt du wieder von mir ab. Man sollte aufhören, wenn es am schönsten ist. Nur konnte dieser Hauch von Zeit nicht am schönsten genug sein.

    Wir spannten unsere Schirme auf und gingen Hand in Hand hinaus auf's Dach. Im sonnengelben Laternenschein funkelten die Regentropfen wie Glitterstaub.

    Eingehüllt in leichten Nebel stapften wir über den rutschigen Gussasphalt rüber zur Brüstung, während uns der fröstelnde Windzug noch näher aneinanderkuscheln ließ.

    Wir schauten hinab auf die Stadt.

    Von hier oben wirkte sie ganz anders.

    Offener.

    Weiträuminger.

    Strukturierter.

    Mit all den Menschen, ihren Leben, Gedanken und Zielen.

    Den vielen Kulturen, Religionen und Meinungen.

    Wo Hast und Gelassenheit Hand in Hand gingen.

    Wo keiner wirklich wichtig erschien und doch jeder ein Teil des großen Ganzen war.

    Unter ihnen waren du und ich nur zwei von vielen.

    Aber du für mich in dieser Nacht nur die einzige, die ich brauchte.

    Wieviele andere dachten wohl ähnlich wie ich?

    Bis zum heutigen Tag hatte ich nie gedacht, dass selbst stille Worte oftmals mehr sagten als ganze Romane.

    Am Ende zählte nichts, außer der Moment.

    Durch dich entdeckte ich ihn.

    Und wie schwer es oft sein kann, zu erkennen, was einem wirklich wichtig ist im Leben. Zu erkennen, was man wirklich brauchte, um glücklich zu sein.

    Du hast es mir gezeigt.

    Wir schauten uns überzeugt an und stiegen auf die Brüstung.


    Four3Two

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  • Heyho Zarkaras Jade

    Oha. Das ist ganz sicher kein einfacher Text...nö, isser nicht.

    Aber überaus interessant.

    Stilistisch flasht mich das Genze: In jedem Satz ganz viele Details, Kleinigkeiten, für den Verlauf der Geschichte eigentlich unwichtig aber umso plastischer die Umgebung darstellend. Finde ich sehr geil. Ich kann da sofort mitlaufen.

    Wo ich aber total hänge ist der Augenblick, wo aus dem beobachten, hinterhergehen und verfolgen der wird, an dem beide zueinander finden. Ich vermute mal, hier:

    Wir marschierten eine Baumreihe entlang, durch deren dichtes Geäst die Lichtflut nur als stroboskopisches Flackern hindurchdringen konnte, während wir von der anderen Seite von hunderten orangen LED-Lampen bestrahlt wurden.

    Habe ich da so ein bißchen Recht mit, weil da ja auch ein deutlicher Absatz steht?

    Sonst wüßte ich gerade nicht, wo sich der Wandel vom Beobachter zum Teilnehmer vollzieht. Und über das "Warum" erfahre ich auch nichts. Da ist für mich irgendwie ein Loch.:(

    Sonst finde ich die Erzählung fantastisch im Sinne von "großartig". Dicht gewebte Sätze ohne Verschachtelung mit vielen Details. :thumbup:

    Hier noch ein paar Anmerkungen:

    Spoiler anzeigen

    Sofort spannten wir unsere Schirme auf.

    Wobei mein schwarzer neben deinen neongrünen neidlos erblasste.

    Das ist ein magischer Satz!!! Absolute Klasse...wurde in meinem Zauberbuch für die Nachwelt festgehalten!:D:D:D

    Dafür waren die großen violett schimmernden Gewitterwolken deutlich klarer zu erkennen, die den bereits angekündigten Regen verrieten.

    Hö? Der Regen war bereits angekündigt, wurde aber trotzdem erst durch die violett schimmernden Gewitterwolken verraten...? Ist ein bißchen "too much"^^

    Wir marschierten eine Baumreihe entlang, durch deren dichtes Geäst die Lichtflut nur als stroboskopisches Flackern hindurchdringen konnte, während wir von der anderen Seite von hunderten orangen LED-Lampen bestrahlt wurden.

    Ich plädiere hier mal auf ein schlichtes "gingen". "Marschieren" ist hier einfach unpassend.

    Letzte Fragen meinerseits:

    Spoiler anzeigen

    Das wirkt auf mich wie ein Gedicht. Sollte es eines sein?

    Wir schauten uns überzeugt an und stiegen auf die Brüstung.

    Und damit endet es?

    Die angefügte Musik ist nicht wirklich meine - aaber trotzdem eine Bereicherung. Danke dafür.

  • Hey Jade,

    hab deine Geschichte nun mehrmals gelesen und nach kleinen Startschwierigkeiten von mir ausgehend, muss ich sagen, dass ich die Geschichte toll finde. Und auch wenn du das durch mein Testlesen schon weißt, hab ich mir gedacht du würdest es auch gerne nochmal hier im Thread hören bzw lesen :)

    Du beschreibst wirklich gut auch wenn es mir teilweise minimal zu viel ist, aber das ist nur meine persönliche Präferenz :thumbup:

    Laut und ungestüm schlugen die dicken Regentropfen auf deinen Schirm nieder. Man konnte regelrecht sehen, wie er eine schützende Kuppel über dir bildete, während ringsum das kalte Nass einem Wasserfall gleich hinablief und zu deinen Füßen auf dem glänzend spiegelnden Grauasphalt einen wilden Tanz aufführte.

    Die Zeit schien endlos zu werden. Jede Sekunde verstich zäh wie Gummi und zerrann wie feiner Sand zugleich. Ein schreckliches Gefühl, nie zu wissen, ob etwas passieren würde, was passieren sollte. Wenn Momente einem wie Äonen vorkamen und Hoffnungen sich mit Enttäuschungen vermischten. Wo Ängste und Bedenken auch stets von Mut und Überzeugung begleitet werden.

    Ganz besonders nice fand ich diese beiden Stellen. Einfach herrlich poetisch :love:

    Und, dass ich ganz besonders das Ende toll finde, vor allem nachdem wir so lange vorher drüber gesprochen hatten, dürftest du ja auch wissen :D

    Grüße vom Dämonenfürst Astrael Xardaban

    Es heißt nicht dumm, sondern: geistig unbewaffnete, verbal inkompetente, bildungsresistente, kognitiv suboptimierte, parasitäre Nebenexistenz.

    Als ich neulich in das Zimmer meines bekifften Mitbewohners kam, saß er im Schneidersitz mit weit aufgerissenen Augen auf dem Boden und sagte mit völlig ernstem Ton zu mir: "Auch wenn wir uns auf der selben Position befinden, bist du nicht auf meinem Breitengrad."

    Hans Riegel aus Bonn gründete 1920 Haribo. Sein einziger Konkurrent, Valentin Ginser aus Nassau, hatte nie wirklich eine Chance.

    Kannibalenstämme in Papua-Neuguinea bieten an Flüchtlinge aufzunehmen. Damit wäre das Thema dann wohl gegessen.

    Porno im Mittelalter:

    "Aus welchem Grund liegt ebendort auf dem Boden gedroschenes Getreide?"

    "Warum verbergt ihr euer Antlitz mit dieser Maskerade?"

    "So sauget an meinem Gemächt!"

    Warum ist der Turm von Pisa schief? Er hat bessere Reflexe als das World Trade Center

    Was haben Donald Trumps Haare und ein Tanga gemeinsam? Beide bedecken kaum das Arschloch


  • Vielen lieben Dank, für eure Kommentare Der Wanderer und Astrael Xardaban ! :alien: Ich wusste schon beim Schreiben, dass es keine einfache Geschichte werden würde. Umso gespannter war und bin ich, wie sie auf die Leser wirkt.

    Stilistisch flasht mich das Genze: In jedem Satz ganz viele Details, Kleinigkeiten, für den Verlauf der Geschichte eigentlich unwichtig aber umso plastischer die Umgebung darstellend. Finde ich sehr geil. Ich kann da sofort mitlaufen.

    Tut mir leid, ich bin gerade etwas verwirrt.:S Ich habe den Ausdruck "das flasht mich Grenze" mit etwas schlechtem assoziiert. Aber deine Anmerkung klingt hauptsächlich positiv.:S

    Wo ich aber total hänge ist der Augenblick, wo aus dem beobachten, hinterhergehen und verfolgen der wird, an dem beide zueinander finden. Ich vermute mal, hier:

    Habe ich da so ein bißchen Recht mit, weil da ja auch ein deutlicher Absatz steht?

    Sonst wüßte ich gerade nicht, wo sich der Wandel vom Beobachter zum Teilnehmer vollzieht. Und über das "Warum" erfahre ich auch nichts. Da ist für mich irgendwie ein Loch.

    Um ehrlich zu sein, habe ich mir bei dem großen Absatz nicht viel dabei gedacht.:hmm: Für mich wirkte er dort "logisch", weil ich damit einen Zeit/Gedankensprung markieren wollte. Zuerst wollte ich dort noch ein zwei Sätze einfügen und ihn eventuell nur zu einem normalen Absatz machen, aber mir fielen keine guten "Lückenfüller" ein. Vielleicht hast du ja eine (schnelle) Lösung, wie es flüssiger rüberkommen könnte.:hmm:

    Sonst finde ich die Erzählung fantastisch im Sinne von "großartig". Dicht gewebte Sätze ohne Verschachtelung mit vielen Details.

    Ich hatte stellenweise die Befürchtung, dass sie zu verworren geraten sind.:hmm:

    Ich plädiere hier mal auf ein schlichtes "gingen". "Marschieren" ist hier einfach unpassend.

    Wird abgeändert. Zumal ich gerade sehe, dass ich das Wort "gingen" gar nicht so oft verwendet habe.||

    Das wirkt auf mich wie ein Gedicht. Sollte es eines sein?

    Es war nicht als Gedicht gedacht, aber schon als rhytmisch zu lesener Part. An diesem Part habe ich auch extrem lange gesessen, bevor mir die richtigen Worte zugeflogen kamen.

    Und damit endet es?

    Und, dass ich ganz besonders das Ende toll finde, vor allem nachdem wir so lange vorher drüber gesprochen hatten, dürftest du ja auch wissen :D

    Ich gebe offen zu, dieses Ende ist garantiert nicht eines meiner besten.:ninja:Aber ich bin damit zufrieden, zumal mir Chaos Rising und Astrael Xardaban dabei sehr geholfen haben, nachdem ich sie so hart im Chat damit genervt habe. Ohne ihre Hilfe wäre das Ende um ein Vielfaches schlechter geworden!

  • Die rockigen, weichgehaltenen smokey eyes und der dunkelrote aber nicht aufdringliche Lippenstift wirkten zu deinem hellen Teint perfekt abgestimmt.

    Ich habe vom ersten Satz an gemerkt, dass du deine Adverbien und Adjektive liebst. Bis zum Ende sollte der Eindruck Recht behalten. :rofl: Solche Verschnörkerlungen habe ich zuletzt bei Günter Grass gelesen, der aber auch viele viele andere Dinge macht.

    Grundsätzlich, und das weißt du wahrscheinlich, werden Adverbien als das Cholesterin im Lesefluss betrachtet. Nimmt man die Hälfte raus, wird der Lesefluss um ein Vielfaches schneller. Das Ding ist, ich mag diese Schnörkel, aber ich habe auch durchgehend gespürt, wie der Text durch sie deutlich schwerfälliger wurde. Außerdem kann man mit treffenden Verben Adverbien oft ersetzen - wobei gerade in dieser KG eigentlich immer treffende Verben benutzt wurden, gut gemacht! xD Die Adverbien sorgen für mich nun einfach für eine Detailverliebtheit, die ich als Leser einfach nicht so zu schätzen weiß, weil ich das meiste eh wieder vergesse, wenn du verstehst. Ist einfach nicht mein Ding.

    Du meintest im Chat ja, das sei ein Experiment in dieser Hinsicht. Das ist, wie ich darauf reagiere. :hmm: Adverbien und Adjektive sollte man, wenn man für die meisten Menschen flüssig und einfach zu lesen sein will, immer doppelt prüfen, ob sie dem Satz auch etwas geben. So als Faustregel.

    Die U-Bahn-Station an der „B. Harrison-Street“.

    Mit beißendem Quietchen kam sie zügig zum Stehen.

    Hier bin ich nicht sicher, ob du absichtlich die U-Bahn-Station zum stehen bringst, statt die Bahn. Würde als Bild ja irgendwie Sinn ergeben, weil vom Inneren der Bahn aus betrachtet sich die Außenwelt bewegt und dann stehen bleibt. Für mich las es sich nicht wie beabsichtigt. Wenn man beide Sätze mit einem Komma verbinden würde, würde das mMn besser zur Geltung kommen. Außerdem könnte man zusätzlich noch deutlich machen, dass die stehenbleibende U-Bahn-Station wirklich beabsichtigt ist, bspw. "Die U-Bahn-Station an der „B. Harrison-Street, mit beißendem Quietschen kam sie zügig vor uns zum Stehen.“

    Als Vorschlag. ^^

    Du voran und ich folgte dir. Mir war es egal, wohin du mich führen würdest. Mir war es egal, wie weit du mich führen würdest. Ich vertraute dir blind. Mein Innerstes vertaute dir blind.

    Beim zweiten "vertraute" fehlt das r. Außerdem würde mein subjektives Lesefluss-Gefühl den markierten Satz einfach streichen. :hmm: Grundsätzlich mag ich aber, wie du mit der Wiederholung spielst.

    Kleine rhombische hellbraune Fließen, die in durchbrochenen Farbnuancen zu breitflächigen Sternenmustern angeordnet waren und somit den Augen benötigte Fixpunkte gaben, um sich nicht gänzlich in der Tiefe des Raumes zu verlieren.

    Diesen Satz empfinde ich beispielsweise als einfach überladen. :rofl: Du schafft allerdings durch die ganze Geschichte ein beeindruckend konkretes Bild der Stadt und der Umgebung. Was du hier gemacht hast, lässt sich wahrscheinlich in kleineren Dosen wunderbar in zukünftigen Geschichten einbauen.

    Wobei mein schwarzer neben deinen neongrünen neidlos erblasste.

    Ich glaube, die gehören groß geschrieben :hmm:

    Ebenso gaben sich gegenteilig sonst chaotische Dinge im künstlichen Licht aber deutlich klarer.

    Eher ein Füllwort, das gestrichen werden kann.

    Wie zu erwarten fiel es der weiten Schwärze der Nacht nur schwer, durch die Lichtglocke hindurchbrechen.

    Interessantes Bild, wo ja eigentlich das Licht durch die Dunkelheit bricht und niemals andersherum. :hmm: Bin nicht ganz sicher, wie ich das bewerten würde, finde es aber mindestens interessant. xD

    Und tatsächlich, nur wenige Häuser weiter entwickelte sich der Niederschlag von einem flüsternden Tröpfeln zu einem lauten Plasseln, so ohrenbetäubend, dass es sogar den Großstadtlärm zeitweilig übertönen konnte.

    "Prasseln" meinst du, oder? Ansonsten ist das ein wunderschöner Satz, wie die meisten anderen hier auch. :)

    Trotz allem gelang es der anwesenden Dristheit und Kühle nicht, deine spürbare Präsenz zu trüben.

    "Tristheit", oder?

    Du verwandeltest den Fußgängerweg allein durch deine pure Anwesenheit in deinen persönlichen Laufsteg.

    Ich mag es auch, dass die meisten Sätze die zweite Person verwenden. So eine Geschichte möchte ich auch schon länger mal schreiben. :D Damit steht das Du natürlich sehr im Fokus und wir erfahren im Text immer wieder wie sehr das Ich das Du hier anhimmelt. Für die ersten beiden Drittel der Geschichte dreht sich der Text damit irgendwie um sich selbst, finde ich.

    Man kann die Geschichte sicher deutlich kürzen und würde das Ganze damit etwas knackiger machen. :hmm: Wie gesagt, die Adverbien machen den Text schwerfällig und in ein paar der mittleren Abschnitte waren die wirklich neuen Informationen für mich oft nur Stadtbeschreibungen. Mich hat viel mehr interessiert, wie das Ich und das Du miteinander umgehen. Und das ist ja eigentlich auch, worum es in dieser Geschichte geht.

    Wenn ich also zur Verbesserung etwas anraten würde, dann das: Kürzen.

    Tut weh, wirkt aber manchmal wirklich Wunder.

    Schwer zu sagen, wo man bei einem Sturz lieber landen wollte. Rechts in die grobästigen Dornenbüsche oder links auf den durchnässten harten Gehweg.

    Der zweite Satz folgt irgendwie nicht grammatikalisch richtig auf den ersten. Wo wollte man lieber langen? In den grobästigen Dornenbüschen oder links auf dem durchnässten harten Gehweg. So müsste es nach meinem Empfinden richtig sein.

    Hin- und hergerissen, einen Schritt weiter auf dich zuzugehen, verharrte ich angespannt in meiner Ecke und flüchtete in Gedanken.

    Die Zeit schien endlos zu werden. Jede Sekunde verstich zäh wie Gummi und zerrann wie feiner Sand zugleich. Ein schreckliches Gefühl, nie zu wissen, ob etwas passieren würde, was passieren sollte. Wenn Momente einem wie Äonen vorkamen und Hoffnungen sich mit Enttäuschungen vermischten. Wo Ängste und Bedenken auch stets von Mut und Überzeugung begleitet werden.

    Klasse! Diesen Teil solltest du mMn genau so erhalten, der hat echt Wirkung!

    Ohne weiter drüber nachzudenken kam ich dir einen entscheidenden Schritt näher und wir küssten uns.

    In ihm steckte so viel Leidenschaft und Erlösung, dass ich sofort alles um mich herum vergaß und nur noch diesen Augenblick auskosten wollte.

    Mir war bei dem Tanz irgendwie klar, dass das in einem Selbstmord enden könnte und der Kuss hat mein Gefühl nochmal bekräftigt. Keine Kritik, ich wollte das nur sagen. :D

    Wir schauten uns überzeugt an und stiegen auf die Brüstung.

    Solange es einsame Schreiber gibt, wird es sehnsuchtsvolle Selbstmordgeschichten geben. Einerseits ist es ein Klischee. Andererseits ... was ist heutzutage eigentlich kein Klischee mehr? Nein, du hast das gut gemacht, die Geschichte reich und liebevoll gestaltet, mit dem Du eine interessante Erzähltechnik gewählt usw. Jetzt müsste man die Geschichte nur noch auf das wirklich wesentliche Eindampfen, ohne sie ihrer Wirkung zu berauben. :hmm:

    Nur das mit den Adverbien musst du wirklich für dich wissen. Ich komme mit solchen Stilen klar und mag sie auch, aber ich bin wahrscheinlich kein Durchschnittsleser. Ich kann mir vorstellen, dass manch einer die Geschichte vielleicht angefangen hat und dann doch nicht weiterlas, und zwar genau aus diesem Grund. Darum würde ich empfehlen, solche Sätze nicht durchgehend zu schreiben, das ist einfach Overkill, sondern sie eher wohldosiert zu benutzen und seinen Texten damit an den richtigen Stellen den genau passenden Farbtupfer zu verpassen. :)
    Insgesamt: Gute Arbeit :thumbup:

    Häupter auf meine Asche!

  • Meine Gedanken ließen mich die letzten Tage nicht in Ruhe! || Sie befahlen mir, diese angefangene Kurzgeschichte endlich fertigzuschreiben! :S Und so sehr ich mich auch dagegen zu sträuben versuchte, es gelang mir nicht. Ich bin nicht komplett zufrieden mit dieser KG. Sie ist auch definitiv eine meiner Schlechtesten. Aber vielleicht "gefällt" sie euch trotzdem irgendwie. :/

    -Stille-

    Stanville: 07.10.2022

    Wieder einmal sitze ich hier in diesem Licht erfüllten Raum auf einem weißen Holzstuhl, dessen beste Tage schon Jahrzehnte zurückliegen.

    Doch so unbequem er auch sein möge, deine Anwesenheit lässt es mich vergessen.

    Wie jedes Mal, wenn ich dich besuchen komme, trägst du auch heute wieder deine marmorgrauen Sneaker mit dunkelblauen Schnürsenkeln und deine ausgewaschene königsblaue Jeans.

    Und es macht mich glücklich, dass du auch wieder den bunt gestreiften Baumwollpullover trägst, den ich dir geschenkt habe. Und obwohl dessen Ärmel viel zu lang sind, trägst du ihn mit Stolz.

    Ich bin froh, nach diesem viel zu langen Spaziergang wieder hier zu sein. Denn trotz strahlender Sonne ist es ein sehr kalter Herbsttag.

    Ich streiche mit meiner Hand über den Tisch und ertaste die vielen kleinen Kratzer und Dellen.

    Er hat mindestens ebenso viele Jahre auf dem Buckel wie mein Stuhl.

    Ein Tablett in den Händen haltend kommst du zu mir rüber an den kleinen weißen Holztisch. Auf dem Tablett sind zwei Tassen mit Löffeln und einer Zuckerdose, sowie ein kleiner selbstgebackenen Kuchen.

    Mit einem fröhlichen Lächeln auf den Lippen reichst du mir die eine Tasse frisch aufgebrühten Tee und stellst dir die zweite hin.

    Ich umfasse meine mit beiden Händen und stelle sie behutsam auf dem Tisch vor mir ab. Ein zarter Duft von Apfel und Zimt steigt in meine Nase.

    Wie du mich kennst, brauche ich immer einen Löffel voll Kandis in meinem Tee. Nur deshalb steht er hier. Denn du selbst magst ihn lieber ungesüßt.

    Mit langsamen kreisenden Bewegungen rühre ich ihn um und schaue zu, wie er sich im entstandenen Strudel auflöst.

    Während ich meinen Tee umrühre, gehst du mit langsamen Schritten zum Fenster. Das gleißende Licht hüllt dich ein, verschlingt dich kurzzeitig. Aber als du am Fenster stehst, zerbricht dein Schatten die Helligkeit und deine Silhouette zeichnet sich diffus auf dem fliederblau gestrichenen Parkettboden ab. Schweigend schaust du aus dem Fenster und kneifst die Augen zusammen. Die Sonne blendet dich.

    Aber du genießt den Moment.

    Und ich sehe, wie der ganze Ballast von dir abfällt.

    Wie eine Lichtdusche umgibt und durchdringt es dich und spült dir all das Leid und den Schmerz aus dem Herzen. Dein schon zuvor fröhliches Lächeln wird noch stärker und zufriedener.

    Einmal nur wischst du dir mit den Händen kurz übers Gesicht und legst sie wieder auf dem Fensterbrett ab. Dein Blick schwenkt neben dich zum Heizkörper.

    Man mag es dir nicht ansehen, aber ich weiß, dass dir auch kalt ist.

    Du schnappst dir die selbst gestrickte Patchwork-Decke, die schon vorgewärmt und zusammengeknüllt auf diesem liegt. Auf dem Weg zurück zu mir an den Tisch vergräbst du deine Hände in der Decke und schaust noch einmal zum Fenster rüber.

    Ich warte weiter geduldig mit dem Teetrinken, bis du auch bereit bist dazu. Gemeinsam lässt er sich besser genießen. Ich schaue dir zu, wie du deine Beine in die Decke einmummelst und dich anschließend zu mir an den Tisch setzt. Vorsichtig nehme ich den schokoladigen Kuchen mit Daumen und Zeigefinger. In ihm steckt eine kleine bunte Kerze.

    Auch wenn niemand von uns beiden Geburtstag hat. Uns geht es nur um die Symbolik dahinter.

    Denn wir hassen es, dieses alljährliche Ritual immer am selben Tag abzuhalten. Lieber wollen wir uns für jedes Wiedersehen eine kleine Aufmerksamkeit schenken. Denn das sind die Momente, die uns wirklich glücklich machen.

    Du lässt deinen Kopf auf deiner Hand ruhen, behältst dein strahlendes Lächeln aufrecht und beobachtest mich dabei, wie ich mit dem Löffel ein kleines Stück davon absteche und probiere. Und wie jedes Mal schmeckt er perfekt. Ich weiß bis heute nicht, wie du das immer schaffst. Dein Geheimrezept, wie er immer gelingt.

    Ist es die Liebe?

    Die Leidenschaft?

    Oder die Geduld?

    Dinge, von denen ich gern mehr geben würde.

    Dinge, von denen ich weiß, dass du sie dir auch mehr von mir wünschen würdest.

    Obwohl du es niemals aussprichst.

    Jeder weitere Löffel den ich nahm ist wie ein Segen und Sünde zugleich. Ein zu kostbares Geschenk, das man ungern annehmen möchte. Aber es nicht anzunehmen, würde dich kränken.

    Während wir gemeinsam unseren Tee genießen, lauschen wir dem leisen, monotonen Ticken der blauen Wanduhr. Wir schauen auf sie. Sie geht exakt eine Stunde nach. Sie geht schon immer eine Stunde nach. Aber das stört uns nicht. Uns ist ihre Zeit nicht wichtig. Uns ist nur wichtig, dass es sie gibt.

    Die Zeit.

    Behutsam legst du deine Hand auf meine und instinktiv greifen sie ineinander. Gemeinsam beginnen wir, in Erinnerungen zu schwelgen. Die vielen Strandspaziergänge bei Mondschein. Lange ausgedehnte Abende zu zweit auf deiner unbequemen Couch. Das gemeinsame Kochen in deiner viel zu kleinen Küche. Dinge, die wir niemals vergessen werden, uns immer im Gedächtnis bleiben. Dinge, die uns verbinden.

    Unsere Blicke wandern zum Bild neben der Uhr. Eingefasst in einen minzgrünen Holzrahmen. Ein Bild von uns beiden. Eine Momentaufnahme genau wie jetzt, an genau diesem Tisch.

    Du, mit demselben bunt gestreiften Baumwollpullover und derselben königsblauen Jeans. Und ich, mit der dunkelgrauen Cargo-Hose und der schwarzen Sweatjacke.

    Ein Foto, von mir geschossen eine Woche vor deinem letzten Geburtstag. Deinem vierundzwanzigsten Geburtstag.

    Natürlich hatten wir ihn nicht gefeiert. Warum sollten wir auch? Wir werden schließlich auch ohne ihn ein Jahr älter. Und selbst wenn wir es gewollt hätten, ich hatte an diesem Tag leider keine Zeit für dich.

    Das Bild war mein nachträgliches Geschenk an dich.

    Allein schon deine Anwesenheit erfüllt mich mit Freude.

    Wie oft wir uns nur angeschwiegen haben.

    Wie oft wir einfach nur am Strand saßen und das Meer beobachtet haben.

    Wir verstehen uns ohne Worte.

    Wir kennen einander.

    Wir vertrauen uns blind.

    Du nickst mir zu.

    Eine einsame Träne vergieße ich. Ich konnte sie nicht unterdrücken. Ich wollte es nicht.

    Denn wir wissen beide: Es wird Zeit zu gehen.

    Aber so schwer der Abschied auch ist, du weißt, ich bin bald wieder da. Und ich weiß, du wirst auf mich warten.

    Gemeinsam erheben wir uns vom Tisch und schließen uns fest in die Arme. Meine Finger ertasten den rauen Stoff deines Baumwollpullovers. Ich genieße jede deiner sanften Berührungen. Deinen beruhigenden Atem, deine weiche Haut, den blumigen Duft deines schwachen Parfüms.

    Zärtlich streichen wir uns über den Nacken und schmiegen uns noch fester aneinander. Ich möchte dich am liebsten nie wieder loslassen. Jede Sekunde, die wir uns umarmen, überschüttest du mich mit Stärke und Zufriedenheit. Jeder Moment, dem ich dir so nah sein kann, spendet mir Trost und inneren Frieden.

    Du gibst mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange und wir schauen uns tief in die Augen. Deine strahlen so schön. Sie funkeln voller Lebensfreude und Zuversicht. Smaragdgrün und ebenso rein.

    Ein letzter langsamer Augenaufschlag und wir lassen wieder voneinander ab. Ich gehe zur Tür und öffne sie. Mit Tränen blicke ich noch einmal zurück und verabschiede mich.

    Von dir, vom kleinen Kuchen, der Tasse Tee, der falsch gehenden Uhr und dem Bild.

    All das sind nur meine Gedanken, Gefühle und Erinnerungen.

    Nichts davon ist mehr da.

    Einzig der Stuhl ist und bleibt dort auf Ewigkeiten.

    Denn was ist Realität als nur die Wahrnehmung?

    In einer Welt, die ich mir erschaffe, verschwimmt das Echte und das Erdachte.

    Alles, was ich fühle, was ich denke, ist meine Realität.

    Und die kann mir keiner nehmen.

    Gedöns

    Der Titel passt nicht ganz. Aber ich habe keine Lust, mir einen "kilometerlangen" Titel auszudenken, der passender zur Geschichte ist. :this: Mein innerer Monk sträubt sich dagegen, lange Titel zu verwenden. :rolleyes:

  • Hallo Jade

    So Schnappschuss trifft es sehr. Es war... Ich hatte die ganze Zeit eine kleine Stimme im Kopf die sagte, Wann passiert was? Wann passiert was?

    Eine richtige Kurzgeschichte ist das nicht. Ich würde es als Schreibübung bezeichnen.

    Das ganze kann man ja in Verliebtes Ich schmachtet seine Angebete an zusammenfassen.

    Oder es hat mich auch an Beschreibe ein Foto erinnert. Was passiert da. Es is stattisch. Es is keine Bewegung drin. In der Mitte des Textes hatte ich das Gefühl... wie lange ist der denn noch.

    An Romanzen habe ich bisher nur Sachen gelesen wo eben noch was zusätzlich da war. Wo kein Anschmachten drin war.

    Christian und Anna. Fifty Shades is auch ne Liebesgeschichte. Aber da passiert eben noch anders , nicht nur sie sind ja so verliebt.

    Deswegen mag ich auch keine Pilcher Filme. Ich brauche da immer was dazu. Liebe ist toll, ja aber nur Liebe, das mag ich halt nicht.

    Für mich, ich hätte den Vorschlag: Du lockerst dieses nur Betrachten von ihr auf in dem ein Auto kommt. Oder er so von ihr fasziniert ist, dass er nicht auf sich achtet und dann gegen jemanden läuft. Irgendwas was eine Pause von dem Rosa Wölkchen Blick bringt.

    Als Übung betrachtet in der es darum gehen könnte Details in einem bestimmten Blickwinkel hervorzuheben. Da ist das Top. Ohne das du einmal gesagt hast er liebt sie spürt man, dass es hier eben um Er ist verliebt, kann sie aber nicht ansprechen geht.

    Deine Beschreibung sind super und totall detailliert. Nur für mich etwas zu...kitschig trift es nicht. Sondern zu viel Beschreibung. Mir fehlt wirklich Handlung oder zu mindestens Action. Sie könnte zb was auspacken und Essen. Oder was in Müll schmeisen.

    Es hat so Fotovibes. Als wäre es ein Bild.

    Aber deine Beschreibung sind wirklich sehr gut.

    Mit einmal warst du da.

    Ich weiß nicht ob es deine Vorrede mit du wilst die Stadt mehr beleuchten war oder was anderes. Aber der Erste Satz hat in mir das Bild eines Kaffebechers, leer auf einer Bank erweckt. Wie man das oft in der Stadt sieht. Ich weiß nicht warum. Komisch. Dann war alles danach.. ich musste erstmal kurz stoppen und sagen. Der ich sieht da einen Menschen und keinen Kaffebecher.

    Keine Ahnung woher das kam. Aber so ist das beim Lesen. Ich glaube jetzt weiß ich was ihr meintet mit beim Leser kann es ganz anders ankommen.

    Wäre ja mal ne Idee die Geschichte nochmal zu schreiben und die Frau die er betrachtet durch einen Kaffebecher zu ersetzten.

    So die Geschichte hat mir nicht gefallen. Aber es war amüsant. Und aber auch anstrengend und ja hab eigentlich alles Gesagt. Handlung gibt es ja nicht viel. Und über Ich erfährt man gar nichts.

    Ich bin einfach nicht der Typ für zu viel Romanze.

    Lg meph.

    Ps soll nicht verletzend gemeint sein. Wenn es dich traurig macht dann tut es mir leid. Ich bin halt ehrlich.

  • Hey Zarkaras Jade ,

    etwas verspätet und angestoßen durch die beiden Kommentare, hab ich mir gerade deine Geschichte "Stille" durchgelesen. Mir persönlich gefällt sie sehr gut! Die Beschreibungen sind einfach klasse und damit erzeugst du mit sehr viel Fingerspitzengefühl diese träumerische, leicht melancholische Stimmung. Ich frage mich dabei eigentlich gar nicht, ob irgendwann mal etwas aufregendes passiert. Viel mehr frage ich mich, wenn alles an diesem Tag (oder in Ichs Vorstellung?) so perfekt ist, warum treffen und sehen sich die beiden dann nicht öfter? Die Auflösung, dass die ganze Geschichte nur seine Gedanken und Erinnerungen sind, eröffnet wieder ganz viele neue Fragen, die vielleicht ein Ansatzpunkt für dich sein könnten, dass du ein Ende findest, dass für dich die Geschichte besser macht.

    Wenn die Geschichte im Wesentlichen Erinnerungen sind, dann ist die Frage, warum sie nicht mehr da ist, warum sie sich nicht mehr sehen? Das könntest du auflösen und evtl. irgendwie in den Beschreibungen davor schon Hinweise darauf einbauen.

    Wenn die Geschichte eher Halluzinationen oder Wunschträume eines Verrückten sind, könnte auch ein Pfleger in den Raum kommen und Ich abholen. Gut, das ist sehr abgedroschen, aber ich denke, du weißt, worauf die beiden Beispiele abzielen: eine Wendung, die etwas unvorhergesehen ist und die Geschichte in einem etwas anderen Licht wirken lässt.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]